Skip to main content
Internet Archive's 25th Anniversary Logo

Full text of "Die Vereinigten Staaten von NordAmerika"

See other formats


Die Vereinigten Staaten 
von Nord-Amerika 

Friedrich Ratzel 



Digitized by Google 



E 
v. I 



Digitized by Google 




Digitized by Google 



p 



• > 



Die 

Vereinigten Staaten 



von 



Nord -Amerika. 



Digitized by Google 



Hie 

Vereinigten Staaten 

von 

Nord -Amerika. 

Von 

Dr. Friedrich Ratzel, 

Professor der Erdkunde an der technischen H«cu«chule zu München. 



Erster Band. 

Physikalische Geographie und Naturcharakter. 



Mit 12 Holzschnitten und 5 Karten in Farbendruck. 



München. 

Druck und Verlag von K. Olden bourg. 

1878. 



Digitized by Google 



Physikalische Geographie 

and 

Naturcharakter 

der 

Vereinigten Staaten von Nord-Amerika. 

Von 

Dr. Friedrich Ratzel, 

Pn.f—iMtr «l.>r KrJkunJ.« an <l«r teelinixohen Hoehndiulo zu Mfinch<>n. 

• o 

• * 

• - "V* 
- * • * • 

. . - • ■ 
* * 

Mit 12 Hdzschnitten und 5 Karten in Farbendruck. 




Digitized by Google 



• « 



Digitized by Google 



r 



Vorwort. 



Da der Mangel eines neueren zusammenfassenden Werkes über 
(He Geographie der Vereinigten Staaten von Nord -Amerika seit 
Jahren als eine der auffallendsten Lücken unserer Literatur bekannt 
ist, bedarf das Unternehmen, dessen erste Hälfte hier vorliegt, an 
J ] und für sich gewiss keiner Rechtfertigung. Dagegen werden einige 
Worte über die Ziele, die es sich setzt und über die Anordnung des 

i massenhaften Stoffes, den es in ein nicht allzu mosaikhaftes Bild 
zusammenzufassen strebte, hier nicht überflüssig sein. Der erste 
Zweck dieses Buches ist die Sammlung und wissenschaftlich geordnete 

0 Zusammenstellung derjenigen Thatsachen , welche die Gesaramtheit 
der physikalisch - geographischen Erscheinungen und des Naturcha- 
rakters der Vereinigten Staaten von Xord -Amerika ausmachen. Der 
zweite Band wird die Thatsachen der Culturgcographie in derselben 
Vollständigkeit darzubieten suchen, welche hier angestrebt ist, und 
das Ganze soll demgemäss eine ziemlich vollständige wissenschaft- 
lich gehaltene Geographie der Vereinigten Staaten werden. Das 
Buch soll aber den Charakter eines praktischen Nachschlagebuches 
neben dem eines wissenschaftlichen Handbuches tragen. Es ist daher 
einerseits alles Theoretisiren vermieden, das zum Verständniss der 
Erscheinungen nicht nothwendig zu sein schien, andererseits aber der 
Darstellung so viel Klarheit und, wo es möglich war, sogar Lesbarkeit 
zu geben versucht, als mit dem massenhaften und meist spröden Stoff 



Digitized by Google 



VIII 



Vorwort. 



vereinbar ist. Wer diesen Stoff kennt, wird zngeben, dass eine Samm- 
lung von Monographien aus der Geographie der Vereinigten Staaten 
eine sowohl leichtere als anziehendere und lohnendere Arbeit gewesen 
sein würde als diese zusammenhängende Darstellung, die der Raum- 
ökonomie zu Liebe oft bei den wissenschaftlich interessantesten Partien 
kürzen rausste. Aber der Plau war nun einmal in diesen engeren 
Grenzen vorgezeichnet und es war in Ermangelung von noch tiefer 
eingehenden zusammenfassenden Arbeiten auch in wissenschaftlicher 
Beziehung von Werth ihn durchzuführen. 

Um für die ununterbrochene, thatsächliche Darlegung der 
physikalisch - geographischen Thatsachen Raum zu gewinnen, und 
um auf der anderen Seite das schildernde Element, dem ich eim* 
grosse Wichtigkeit in der Beschreibung gerade eines so fernen 
Landes beilegen möchte, nicht zu verkürzen, ist die Beschreibung 
der ersteren so viel als möglich getrennt gehalten worden von der 
Schilderung der Landschaften. Ich glaubte dadurch ausserdem den 
Vortheil einer zusammenhängenden, jedesmal das ganze Land um- 
fassenden Darstellung jeder einzelnen Gruppe von physikalisch-geo- 
graphischen Thatsachen, wie Bodengestaltung, Bewässerung, Klima 
u. s. f. zu gewinnen, während bei der üblichen Vermengung derselben 
mit der landschaftlichen Schilderung fast nothwendig eine Sonderung 
in verschiedene natürliche Provinzen eintreten musste. Hoffen wir, dass 
diese Auseinanderhaltung der beiden Ziele einer Landesbeschreibung 
sich zweckmässig erweise. Wenn irgend ein Tlieil unter dieser Trennung 
leidet, so ist es jedenfalls nicht der schildernde, dem die Möglichkeit 
der Zusammenfassung seines Materials zu abgerundeten Bildern nur 
förderlich sein kann. 

Dass ich in einige Verhältnisse, wie in den geologischen Bau und 
die Entwickelung des Landes, die neueren Veränderungen durch Erd- 
beben. Erosion, Hebungen und Senkungen, ferner in die Beschaffen- 
heit des Meeresbodens, die Strömungen , Gezeiten, dann in die Ver- 
breitungsverhältnisse der Thiere und Pflanzen tiefer eingegangen bin 
als man es in den Länderbeschreibungen gewohnt ist, bedarf keiner 



Digitized by Google 



Vorwort. 



IX 



Begründung. Es ist wenigstens von der Beschreibung eines so weiten 
Gebietes klar, dass sie nur dann möglichst treu sein kann, wenn sie 
möglichst breit fundirt ist. Dass es der Geographie gleich allen 
anderen einst rein beschreibenden Wissenschaften auch nicht erspart 
bleiben kann, sich immer mehr mit dem Werden der Dinge bekannt 
zu machen, um ihr Sein zu verstehen, dass sie daher den Zeugnissen 
der Geschichte eines Landes, wie sie besonders die Geologie bietet, 
nicht achtlos vorübergehen kann, dürfte ebenso klar sein. 

Dass ich das vom geschlossenen Gebiet der Vereinigten Staaten 
weit abliegende, mit ganz anderen Naturverhältnissen begabte 
Territorium Alaska als eine auswärtige Besitzung betrachtet und 
demgemäss aus dem Rahmen der vorliegenden Arbeit ausgeschlossen 
habe, wird begreiflich erscheinen. In seiner politischen Stellung als 
Territorium der Vereinigten Staaten wird es dagegen im II. Band 
zu besprechen sein. 

Auf eigener Anschauung beruht die Mehrzahl der Abschnitte 
im Schildernden Theile, bei welchen keine andere Quelle angegeben 
ist. Im Allgemeinen Theil konnte dieselbe der Natur der Sache 
nach nicht in gleichem Masse ausgenützt werden. Die Quellenwerke, 
welche bei wichtigeren Angaben dort angeführt sind, können einen 
Massstab abgeben für die Ausdehnung, in der ich das wissenschaft- 
liche Material zu Rathe gezogen habe ; dasselbe ist sein* reich, aber 
zum Theil weit zertreut und durch grosse Verschiedenheit der 
Qualität manchmal schwierig zu verwerthen. Ich fühle mich in dieser 
Richtung besonders verpflichtet den Publikationen der Surveys, die 
im Auftrag der Vereinigten Staaten unter Hayden und Wheeler 
arbeiten, dann den langen und werthvollen Bändereihen des American 
Journal of Sience and Arts, den Reiseberichten von James (Long's 
Expedition), Lewis and Clarke, Ch. Lyell, D. D. Owen, Prinz v. Wied, 
Ch. Fremont, J. Fröbel, den Pacific Rail Road Reports, den Reports 
von J. D. Whitney, J. Hall, J. A. Cooper, Newberry, Humphrey s und 
Abbott. Die Kärtchen sind nach Originalen in J. Walker's Statistical 
Atlas und A. Schott's Table and Results of the Precipitation ver- 



Digitized by Google 



X 



Vorwort. 



kleinert und vereinlacht. Von den Holzschnitten sind 1 und 2 aus 
Dana's El. of Geology, 3 aus Safford'» Geology of Tennessee, 4 aus 
Freniont's Reports, 5 aus SchoolcrafVs Upper Mississippi, 0 und 7 
aus Humphreys and Ahbott Report on Mississippi R., 8 aus einer 
Arbeit von Hilgard in American Journal of Science 1871 L, 9 der 
Arbeit Guyot's The Appalachian System. 10 und 11 Powell's Colorado 
Expedition, 12 J. Hall's Geology of New York Vol. 4 entnommen. 

Nach manchen Seiten hin habe ich Dank auszusprechen für 
Hülfe, die mir bei dieser Arbeit mit Rath und That geleistet wurde. 
Bei den ersten Materialsammlungen, welche auf meinen Aufenthalt 
in Amerika zurück datiren, verpflichteten mich besonders L. Agassiz 
in Cambridge , Spencer F. Baird , F. Endlich und Gill in Wash- 
ington, Meek in Jacksonville Flor., Franz Behr in San Francisco 
durch werthvolle Aufklärungen und Mittheilungen. Später hat vor- 
züglich Prof. Francis A. Walker durch Uebersendung wichtiger 
Literatur mein Vorhaben gefördert, Das British Museum in London 
und das Geographische Institut in Gotha (J. Perthes) haben mir ihre 
Kartensammlungen in uneigennütziger Weise zugänglich gemacht. 
Meinen lieben Freunden und Collegen Moritz Wagner und Karl A. 
Zittel in München verdanke ich zahlreiche Anregungen, Mittheilungen 
und Literatur. Der allerherzlichste und wiederholte Dank sei aber 
auch hier meinen Freunden von der Kölnischen Zeitung, F. W. 
Schultze und Ludwig Du Mont, ausgesprochen, in deren Auftrag 
ich 1873 — 1875 einen grossen Theil des Gebietes bereiste, das ich 
hier beschreibe, und die mir damit die erste Anregung zum ein- 
gehenderen Studium der Geographie von Nord -Amerika und mittel- 
bar zur Abfassung dieses Werkes boten. 

München, im November 1877. 

Friedrich Ratzel. 



« 



Digitized by Google 



Inhaltsverzeichnis«. 



Einleitung. 

Der westliche Erdtheil gegenüber dem östlichen 1. Blick anf Gesammt- 
Amerika 2. Innerer Bau der westlichen Landmasse 2. Gegensatz zwischen West 
und Ost 4. Klima Amerika** 4. Ströme und Seen 5. Organische Welt 6. Nord- 
Amerika als geographische Individualität 6. Gliederung 7. Bewässerung 8. 
Klima 8. Organische Welt 12. 

Allgemeiner Theil. 

I. Begrenzung nnd Umrias. 

Begrenzung. N.aturgrenzen 17. Politische Grenzen 18. Ausdehnung 
nnd T m riss 20. Küstenlange 21. Gliederung 21. Halbinseln 22. Inseln 22 
Vorgebirge 24. Buchten 25. Verlauf der Küsteu 26. 

II. Geologischer Bau. 

Allgemeine Verhältnisse 28. Urgesteine 29. Paläozoische Formationen .11 . 
Mesozoische F. 32. Tertiäre F. 33. Alluvialbildungen 34. Vulkanische Ge- 
steine 35. Anhang. Die g e o 1 o gi s c h e K n t w i c k e 1 u u u d e s C o n t i n e n t e s. 
Vergleichung mit der geologischen Geschichte Europa's 35. Charakter derjenigen 
Nord -Amerika's 30. Der Kern des Continentes 37. Meer der Kreideformation 39. 

III. Oberflächengestaltung. 

Grundzuge 41. Das Gebiet der Vereinigten Staaten ein Grosses Thal 42. 
Zerlegung in drei Thäler 44. Mittlere Höhe 45. — Die Alleghanies 40. Aehn- 
lichkeit ihres Baues mit dem des Jura 47. Atlantic Slope 48. Höhenverhält- 
nisse 49. Das Grosse Thal der Alleghanies 50. Gliederung des Gebirges 50. Die 
Nord- Alleghanies 52. Acadisches Gebirgssystem 52. Gebirge von Maine 53 
Gebirge von Neu -England: White Mts.. Green Mts.. Taconic Range. Hnosie 
Bange 53. Adirondacks 54. Die Mittleren Alleghanies 55. South Mts. . r >0. 
Highlands f»6. Kitatinuy-Thal 50. Catskill Mts. 57. Die Süd -Alleghanies 57. 
Blue Ridge 50. Unaka Mts . Smoky Mts., Black Mts. 58. Cumberland Mts. 59. 
Die vorgelagerten Hochebenen 59. Seenplatte 59. Kentucky Plauts 60. 
Thal von Ost -Tennessee. Cumberland Mts. 03. Thal von West -Tennessee 03. 
Mississippi Bottoms 04. — Die Cordilleren 04. Begriff und Name 64. Süd- 
grenze und Zusammenhang mit den Hochebenen von Mexico 05. Das Fundament 
der Cordilleren 60. Häufung der Kämme und Gipfel an gewissen Punkten 07. 
Orte höchster Erhebungen 07. Quellgebiete grosser Flüsse 08. Einthciluug der 
Cordilleren 09. D a s Fe 1 senge b i r ge 09. Gemeinsame Eigenschaften 70 Das 
Eigentliche Felsengebirge in Colorado 71, in Neu -Mexico 73. Passhöhen 73. 

♦ 



Digitized by Google 



XII Inhaltsverzeichnis. 

Vorgeschobene Höhen 75. Wind River-Gruppe 75. Nördlicher Abschnitt des 
Felsengebirges (Geb. von Wyoming und Montana) 76. Black Hills 77. Audere 
vorgeschobene Höhen 78. Gebiet der Sierra Nevada 78. Gliederung 80 . 

I)ie Sierra Nevada Californiens Ml. Verhältnis» zum Küsten- und Casearien- 

gebirg81. CagCadenggbirgg 86. Pag_Sfldgpde der Sierra Nevada 8g. Das Küsteu - 
gehirge 90. Die Hoc Ii < ■!> m ii 1 - I n neren 93. Das Grosse Becken 95. Wah- 

aatch Mts. 97. Die Hochebenen östl ich der Wahsatch Mts lül Die Cor. 

dilleren in Neu-Mexico und Arizona 103. Südende der Felscngebirge 104. 
(üla- Depression !<>■'>. Colorado • 1'lateau H>7 Sj< rra Madie 108. Höhenzüge von 
Nen-Mexico 109. Colorado-Becken III. Höhenzüge von Arizona 112. Canons IIS. 
Mesas 114. Pässe der Cordilleren in Neu -Mexico 110. — Die. Kheiiftii nml 
lliiy IIa mler des Inneren 118. Die Hochebenen des Nordens 118. Drift 121. 

Das Flachland des Inneren 125. Die Hochebenen der PUins 127 Mann Kata- 

cado 128. Die Landhöhe von Texas 128. Ozark Mts. 129. Die wellige (rolling) 
Prärie 130. Das atlantische Tiefland 132. Das Mississippi -Tiefland 134. Flu - 
rida 137. — Anhang I. Der Meeresboden an den Küsten der Ver - 
einigten Staaten 140. — Anhang II. Jüngere geologische Verande - 
rii ngen 144. Vulkanische Thätigkeit 144. Erdbeben 145. Säculäre Schwank - 
ungen 149. Neubildungen und Zerstörungen an der Küste 154. 

IV. Ströme, Flüsse nnd Seen. 
Günstige Bedingungen für grosse Süsswasser - Ansammlungen in Nord- 
Amerika 156. — Die Ströme nnd Flflsse 157. Haupt - Wasserscheiden 157. 
Kiiitlu iltuiL' der Strome nml Flusse 158. S l r<> m » > Iii e I il * > Mississippi l."»'.>, 
Missouri K. 160. Platte K. 103. Kansas Ii. 164. Der Obere Mississippi 105. 
Minnesota !»'■ 1 ''»■♦. Der Fnti re Mississippi 171 (»Inn K 172. Arkan>as K 1 7."> 
Red R. des Südens 178. Das Delta 180. Sonstige Schwemmbildnngen 189. 
reberschwenimungen 193. Mudlumps 195. Die Flussysteme des At - 
lantischen Abfalls 197. Flüsse von Florida 205. Das Stromsystem 

des S. Lorenz 209. Red K. des Nordens 211 Die FIhsrp von 

Texas 213. Rio Grand del Norte 214. Anschwemmungen an der texanischen 

Küste 219. Der Colorado des Westens 32» Caftnna 222 (iila H WA. 

<miI1 von Calittn Iii- ii 220. 1 ) i » B i n ii ' ii 1 1 ii s - < il ■ ■ >■ i.;«.smh I '. . < k e n s 22" 
Salzhaltige Flüsse 231. Das Stromgebiet des Columbia 231. Flüsse 
von Califoruieu und Oregon 234. — Die Seen 236. Ihre Vertheilung 230 
Hoche benenseeu 237. Die Grossen Seen 237. Lake Superior 241. L . 
llurmtLMI. 1. Michigan 2-14. L Krie 240. Niagara I'all> 247. L Untario 249. 
Kleinere Hochebenenscen 252; im Nordwesten 255; in New York 257; in 
Maine 258. Gebirgsseen 259; im Felsengebirge 260; in der Sierra Nevada 261 ; 
im Küstengebirg 262. Tieflandseen 262; im Mississippi -Gebiet 262; in 
Texas 263; in Florida 264. (upsm Snmpte 200. Wet P rairies 200. Abfluss - 
lose Seen 267. Der Grosse Salzsee 209. Weitere abHu.sslose Seen des Grossen 
Beckens 272. Dry Lake 275. Gila- Lagune 275. — Anhang 1. Quellen und 
Höhlen 276. Süsse Quellen 277. Salzquellen 279. Heisse Quellen 281. 
Qcjrggrgghjej des Yellowstone 5*3. Petroleum ■ Oinlkn 285. Höhlen 285. — 
Anhang II. Zur Geschichte der Flüsse nnd Seen in den Vereinig - 
ten Staaten 287. Geschichte dir Niagara - Falle 292. 



Google 



Inhaltsverzeichnis«». 



Xlil 



V. Da» Klima. 

Die Faktoren des hflinia's in F iuris» - und liöhengliederuug 298. Klimu 
der Osthallte 303: der Westhälfte 300; des Californischen Gebietes 308. Ver - 
breitung der Wfcrme 809. Die atmo££hjkriflchen N iederschläge 311. 
Die Luftströmungen 317. Stürme 31'.». Klimatische Besonderheiten 
einiger Regionen 320. Klima der Seeregion 327. Klimatische Zustände 
des Hochlandes im Westen 329. Das californische Klimagebiet 337. Die 
Jahreszeiten 339. Die extremen Schwankungen 345. Schnee- und Wald- 
liuie 348. Gletscher 351. — Anhang I. Verschiedene atmosphärische 
K rsc he in ungcu. Luftspiegelungen 355. Höhenrauch 350. Nordlichter 350. 

- Anhang II. Gezeiten und Strömungen. Gezeiten der atlantischen 350, 
der pacifischen Küste :t:~)7. Golfstrom 358. Pacitische KaltwasserMrömung 300. 
KnstPnnehel 300 

VI. Die Pflanzenwelt. 

Pflanzeuwuchs und Klima 301. Natürliche Gebiete der Pflauzenver- 
breitung 302. Vergleich der nordamerikanischen mit der europäischen und 
nordasiatisthen Prtan/enwelt 303. Das Waldgebiet 365. Verbreitung der 
Wälder 306. Walder des Südens 308; des Westens 309. Riesenb&ume 309. 
Flora der Seeregion 371. Torf lager 374. Die Febergangs - Landschaft 375. 
Krauter und Straucher des Waldgebietes. Die Prärie- und Steppen- 
region Die Prärie :i7!>. Prarieptlanzen 3'JO. Die Steppe 3*1. Steppen - 

ge wachse 382. Flora des Bio Grande - Gebietes 384. Die Wüste 385. Die 
californi.M-h.' Flora 38g. Gjbjrjgwfthjgr :w. AghntichkeH mit der mittel- 

ui.ri -i». hm llora Anli.ui^ 1. Ihr V. n t > t ■■ Im n g der Prärien. — 

Anhang IL Die Vertretung einiger wichtigeren Pflanzenfamilien 
in der Flora der Vereinigten Staaten 397. 

VII. Die Thiervselt. 

Die ueark tische Region 405. Allgemeiner Charakter der Thierwelt 405. 
Vergleich mit der palaarktischen Region 400. Vertretung der einzelnen 
T h i crgru ppen 400. Säugethiere 400. Vögel 407. Reptilien 408. Amphibien 

und Fische 409 Weichthtere 410. Insekten 410. Niedere Thiere 412. Na- 

t ü r 1 i c h e G e b i e t e d e r T h i e r v e r b r e i t u n g 412. Verbreitung einiger grösseren 
Säugethiere 417. Tiefen tau na der Grossen Seen 421. Korallenriffe 422. — Anhang. 
Zur Geschichte des organischen Lebens in Nord- Amerika 423. 



Schildernder Theil. 

L Amerikanisch»» Landschaft , , „ „ , „ , , , , . , , , 42Ü 

II Wald und Urwald in den nordöstlichen Staaten 433 

III. Die Herbstfärbung iiordainenkanischer W älder . . t-lo 

I V Der H ud so n . . . . . . . . . , , . . , . LH 

V. Die (iebirgsnatur in den Alleghanies 1 •>. :\ 4 :">■"> 

VI. Neu - Engjapd 475 

VII. Durch die Alleghanies von Pennsylvanien 481 



VIII. Allgemeiner Naturcharakter des Südens 485 



XIV 



Inhaltsverzeichniss. 



IX. Das Kflstentiefland von Virginien und Carolina 493 

\ »»»An Aar Pinp KarrenH , , , , , . , , , 49t» 

• 

XI. I>io Siniipt '■(\vprt'ssf '. 504 

Xll TropiBche Anklänge 508 

XIII. Die Keys von Süd Florida 514 

MV. FIiirs - Srenerien , , , , s , , , , , , . , , , . . 5U 

xv nio QroMea s«*»" _ , , ü2ü 

XVI. Niagara 529 

XVII. Die Seeregion des Nordwestens 539 

Will ri'hergainHmnlM-hnt't /wisclii'ii Wald- und l'rarirn-ginn "> 1 1 

MX Dia Brüte , hi«± 

XX. D a s Th al des m ittlem» . Mi-"'; ii f^V. 

XXI. Die Steppen (The Plains) 558 

XXII. Hin Wirk in das Kelsengehiria' 1. 2. 3. . 562 

XXHI. Quer durch das grosse Becken . 578 

XXIV. Die Thierwelt der Prärien und Steppen 589 

XXV Bad I^n.U ■ ■ . 594 

XXVI. CalifornischP \atnr 596 

W VIT Ml Dana und l'tnililirk von der Siorra , , , ÜÜH 

XX VIII Du« VnsPmitP.Thal , 608 

XXIX. Der äusserst? Nordwesten 614 

XXX. Der nördliche Tlieil des Grossen Berkens 618 

Nachträge 622 



Tuhellen. 

1. Vcrgleic hung der ggolojpscheii r'ormafinni'ii in Nord-Ann rika und Knropa 631 

11 Elflh entafe] 632 

III. Meteorologische Tabellen : 

1) Mittlere Jahres-, Sommer- und Wintertemperatur und die N iederschläge 635 

2) Mittlerer Barometer- und Thermometerstand. Niederschläge und vor - 
herrschende Windrichtung auf den Stationen de» 1'. S. Signal Service 

f. d. Jahr Ort. 1871 — Sept. 1871 »37 



Verzeichniss der Abbildungen. 

1) Das Kreidemeer Nord • Amerika' s .19 

2) Ideales Profil quer durch die Vereinigten Staaten 42 

Ii) Profil von der Bitte Ridge durch Temiest.ee y.nni Mississippi . 60 

4) Querprofil der Cordillereu 67 

5) Die Mississippi -Quellen 166 

6) Oberer Theil des Mississippi- Delta's 1*2 

7) Südwest -Pass des Mississippi . . . . . 186 

8) Durchschnitt der Ablagerungen an den Mississippi -Mündungen . . . 196 

9) Durchschnitt des Hudson -Thaies bei den Palisaden . 2U1 

1(1) Marble Canon 211 

11) Schema des Gefälles des Colorado und Ohio - Mississippi 224 

12) Kärtchen der Xiagarafälle 248 



Einleitung. 



Der westliche Erdtheil gegenüber dem östlichen. Gemeinsame Grundzüge im 
Aufbau Nord- und Südamerika'«. Nordamerika als geographische Individualitat : 
Gliederung der Umrisse; innere Gliederung durch die Stromsysteme ; klimatische 

Verhältnisse; die Organismen. 

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika nehmen nur einen 
Theil des amerikanischen Continentes ein, aber was diesen in Lage 
Gestalt, Erstreckung vor anderen auszeichnet, muss auch in ihnen 
sich zur Geltung bringen, denn sie sind gross genug, um durch 
die ganze Breite des Continentes von Meer zu Meer sich zu erstrecken 
und nahezu das ganze Gebiet der nördlichen gemässigten Zone, soweit 
diese auf amerikanisches Land trifft, in sich zu fassen. In der Be- 
trachtung eines kleineren Gebietes kann man die grossen Züge des 
Continentes vernachlässigen, dem dasselbe angehört, weil sie dort oft 
hinter Bedingungen beschränkterer Art zurücktreten, aber in einem 
Lande von dieser Ausdehnung werden sich wenigstens die allgemeinsten 
Eigenschaften mit denen seines Continentes decken. In Amerika, wo 
einige Grundzüge der Lage und Gestalt mit so grosser Beständigkeit 
von einem Ende bis zum andern festgehalten sind, wird diese Ueber- 
einstimmung sogar in höherem Grade zu erwarten sein als in anderen 
Erdtheilen, und man wird allerdings selbst z. B. China leichter ohne 
jede Rücksicht auf Asien als ein Stück Erde für sich betrachten können, 
als man es bei dem Gebiete, das uns hier beschäftigt oder bei Canada 
oder selbst Brasilien wagen dürfte. Dort sind die sondernden 
Momente ebenso stark ausgeprägt, wie hier die vereinigenden. 

R » » i p 1 . Amerik». !. 1 



2 



Einleitung. 



Werfen wir daher einen Blick auf Gesammt- Amerika, auf das 
Ganze, ehe wir zur Betrachtung des Theiles ühergehen, so ist vor 
allem nicht zu llhersehen der hervortretendste Zug in der Gruppirung 
der Landmassen auf unserem Erdball, nämlich die Zutheilung 
Amerikas an die westliche und die der vier anderen Erdtheile an 
die östliche Halbkugel. Beim Vergleich der dadurch gebildeten 
zwei grossen Landmassen tritt die Zusammenschiebung der östlichen 
Erdtheile gegen die nördliche Hemisphäre in Gegensatz zu der 
langen lockeren Hingelagertheit des westlichen Erdtheils. Dazu, dass 
die östliche Landmasse an und für sich grösser ist als die west- 
liche, tritt noch diese Zusammenschiebung und bedingt einen Unter- 
schied beider Hemisphären hinsichtlich ihrer Continente, den man 
durch die Benennung continental und oceanisch kennzeichnet. Es 
wird damit ausgesprochen, dass auf der östlichen Erdhälfte mehr 
Land ist als auf der westlichen, auf dieser hingegen entsprechend 
ausgedehnteres Meer. Die Zusammendrängung nach Norden weist der 
östlichen Landmasse vorwiegend gemässigte Zonen an, während die 
westliche auf die verschiedenen Zonen nördlich und südlich vom 
Aequator vertheilt ist. Es ergibt sich ferner daraus, dass die öst- 
liche Landmassc vorzüglich im Sinn der Breite, die westlicho in dem 
der Länge oder in meridionaler Richtung gelagert ist. Beide haben 
ungefähr 12.(XK) KiL in ihrem längsten Durchmesser, aber die 
östliche ist doppelt so breit wie die westliche. Da nun die Klimate 
im Allgemeinen Gürtel parallel den Breitegraden um die Erde 
ziehen, so sind auf dem Westcontinent weiterstreckte Gebiete 
gleichen Klimas wie im östlichen nicht zu finden; jener hat zahl- 
reichere und beschränktere, dieser weniger, aber dafür weitaus 
grössere Klimagebiete. 

Im inneren Bau der westlichen Welt tritt uns eine grosse Ein- 
fachheit entgegen, die der mannigfaltigen Gliederung der östlichen 
wiederum scharf entgegengesetzt ist. Kein Theil ist in dieser dem 
anderen ähnlich, während wir dort demselben klar hervortretenden 
Grundplan im Autbau der südlichen wie der nördlichen Erdtheil- 
hälfte begegnen: Zwei Dreiecke, deren Spitzen nach Süden weisen und 
von denen das nördliche nordwestlich vom südlichen liegt ; ein Hoch- 
gebirg, die Cordilleren, das in beiden dem Westrand entlang läuft 



Digitized by Google 



Einleitung. 



8 



und sie gewissermassen verknüpft; weite Ebenen im Osten vor- 
gelagert und vom atlantiseben Ocean durch Gebirge mittlerer Höhe 
geschieden; in der Mitte endlich der beiden Erdhälften die drei 
queren Gebirgszüge von Guayana, Venezuela und den grossen An- 
tillen — dieses sind die grossen Züge, gleichsam das Gerüst des 
Westcontinentes, deren Wiederkehr im Norden und Süden die Mannig- 
faltigkeit der äusseren wie inneren Gliederung ausschliesst, wie wir 
sie in der Alten Welt finden '). Jene scharfen Sonderungen des 
Südens vom Norden, die hier so häufig und überall so fruchtbar 

1) Dem Naturforscher tritt diese Einfachheit nicht minder klar entgegen 
al9 dem Geographen, der die Lander weniger nach ihrem Gewordensein als nach 
ihrem äusseren Bau und den Culturmüglichkeiten zu hetrachten, welche sie dar- 
hieten. Man kann dieselbe nicht schärfer bezeichnen, als Dana es speciell für 
Kordamerika thut: „In Umriss und Aufbau setzt uns die Einfachheit des nord- 
amerikanischen Contiuentes in Erstaunen: Im Umriss ein Dreieck, die einfachste 
der mathematischen Figuren; der Oberflächengestalt nach nichts als eine weite 
Ebene zwischen zwei Gebirgszügen und an den Grenzen auf vier Seiten Meer." 
Dieselben Grundverhältnisse sind für Südamerika hervorzuheben. Dana sagt 
weiter mit besonderem Bezug auf die geologische Entwicklung Nordamerika^: 
-Amerika hat die Einfachheit eines einfach entwickelten Resultats, während 
Europa eine tcorW of comftlcxHies. Es ist nur eine Ecke der Alten Welt. 
Meere umgeben es im Westen und Norden, Festländer im Osten und Süden. 
Es war immer voll sich kreuzender Kräfte. Amerikanische Schichten erstrecken 
sich oft vom Atlantischen Meere bis zum Mississippi und östlich vom Felsen- 
gebirge ist nur Eine Bergkette jünger als das Silur. Europa zerfällt in eine 
ganze Reihe von Ablagerungsbecken und hat Gebirge jeden Alters. Dieser weite 
Unterschied erklärt die grössere Vollständigkeit und Allgemeinheit geologischer 
Veränderungen in Amerika, die schärferen Grenzen der Perioden und das 
klarere Hervortreten mancher geologischen Grundthatsachen." (Adress on American 
Geological History. A. J. S. 1857. S. 305.) Aehnlich auch H. Credner: „Weisen 
die tief eingeschnittenen, vorgebirgs- und halbinselreichen Küsten, die zahlreichen 
selbständigen Fluss- und Gebirgssysteme Europa's auf einen sehr verwickelten 
geognostischen Bau dieses Continentes hin, so lässt sich aus der grossartigen 
Einfachheit der Oberflächenverhältnisse Nordamerika^ auf dessen weniger com- 
plicirte geologische Zusammensetzung sckliessen." (Geogr. Mittli. 1871. 41.) 
Auch Südamerika ist, soweit wir es in dieser Beziehung kennen, geologisch un- 
gemein einfach gebaut und nicht ohne auch hierin einen gewissen Furallelismus mit 
Nordamerika zu zeigen, den übrigens die Aehnlichkeit der Oberflächengliederung 
in beiden Erdtheilhälften voraussehen lässt. Hartt hebt in seinen Scientific 
Results of a journey in Brazil 1870 47 ff. besonders in Bezug auf das Hervor- 
treten des Urgebirges (Laurent. Formation), die Driftbildnngen und neuere Oscilla- 
tionen der Küste diesen Parallelismus hervor. Vgl. F. Fötterle, Die Geologie 
von Südamerika in Geogr. Mitth. 1856. 187. 

1* 



Digitized by Google 



4 



Einleitung. 



an bewegenden und belebenden Contrasten sind, fohlen in Amerika, 
WO die Sonderung östlicher von westlichen Gebieten viel mehr vor- 
wiegt. Man vergleiche die Contraste in Klima,. Vegetation und 
Thierwelt, die in Asien zwischen dem Eismeer und dem indischen 
Ocean zusammengedrängt sind, mit den allmählichen Uebergängen, 
die in Nordamerika unmerklich von einer noch kälteren Eismeerküste 
nach der nicht minder warmen See des mexikanischen Golfes hinab- 
führen, und mau wird die Wirkungen eines so grossen Unterschiedes 
der inneren Gliederung bedeutend nennen müssen. Von der polaren 
Flechtenvegetation am Mackenziefluss zu den Tannenwäldern Süd- 
eanada's, den Eichenhainen Wisconsins, den kastanien- und wallnuss- 
reichen Laubwäldern des Ohiothaies, den Magnolien und Lorbeern des 
Golfgebietes geht es ohne Sprung, immer stufenweise, immer ver- 
mittelt und abgeglichen fast 4000 Kil. in nordsüdlicher Richtung. 
Nur hier kann das Kolibri seine Flüge in Regionen ausdehnen, die 
0 Monate harten Winter haben, und die Magnolie noch in nordischen 
Fichten- und Föhren wäldein ihre tropische Pracht entfalten. Aber 
von dieser Vermittelung zwischen Süd und Nord hebt sich der 
Contrast zwischen Ost und West um so schärfer ab. Derselbe ist 
hier ins Extrem ausgebildet. Die üppigste Urwaldvegetation am 
östlichen liegt der Wüste am Westrand der Cordilleren gegenüber. 
Aber das Land westlich der Cordilleren ist im Allgemeinen ein zu 
kleiner Tbeil von Amerika, und sein Unterschied vom Inneren ein 
zu extremer, als dass es so belebend zu wirken vermöchte, wie 
ähnliche Contraste in der Alten Welt, Der Westen ist hier durch 
denselben nur ärmer, unzugänglicher und ungastlicher geworden, 
und der Gegensatz hat nicht in dem Masse seiner Schärfe bereichernd 
auf die Gesamnitnatur Amerikas zurückgewirkt. 

Indem der Westen die oceanischo im Gegensatz zur continen- 
talen Welt der Osthälfte darstellt, ist. er gleichzeitig die feuchtere 
gegenüber der trockeneren Welt. Wir wollen keinen Werth auf 
die allgemeine Berechnung legen, welche der Tropenregion der Alten 
Welt 77, der Amerika's 115 Zoll jährlic hen Regenfall zuspricht 1 ), 
aber man kann mit Sicherheit behaupten, dass Nordamerika wenigstens 



1) A. Guyot, Ära. .T. S. IHM). II. 16& 



Digitized by Google 



Einleitung. 



5 



in gemässigten Breiten regenreicher als Europa and dass die von 
Natur immer regenreichen Tropenregioneu in Amerika weniger von 
regenarmen Steppen und Wüsten durchsetzt sind als in der Alten 
Welt. Gleichzeitig ist aber Amerika auch der weniger warme Erdtheil. 
„Mannigfaltige Ursachen, sagt A. von Humboldt, vermindern die 
Dürre und Wärme des neuen Welttheils. Schmalheit der vielfach ein- 
geschnittenen Feste in der nordlichen Tropengegend, wo eine flüssige 
Grundfläche der Atmosphäre, einen minder wurmen aufsteigenden 
Luftstrom darbietet: weite Ausdehnung gegen beide beeiste Pole 
hin: ein freier Ocean, über den die tropischen kühlen Seewinde 
wegblasen ; Flachheit der östlichen Küsten : Ströme kalten Meeres 
aus der antarktischen Region, welche, anfänglich von Südwesten nach 
Nordosten gerichtet, unter dem Parallelkreis von 35° S. Ii. an die 
Küste von Chili anschlagen und an den Küsten von Peru bis zum 
C. Parino nördlich vordringen . sich dann plötzlich gegen Westen 
wendeud ; die Zahl quellenreicher Gebirgsketten, deren schneebedeckte 
Gipfel weit über alle Wolkenschichten emporstreben und au ihrem 
Abhang herabsteigende Luftströmungen veranlassen; die Fülle der 
Flüsse von ungeheuerer Breite, welche nach vielen Windungen stets 
die entfernteste Küste suchen ; sandlose und darum minder erhitzbare 
Steppen; undurchdringliche Wälder, welche, den Boden vor den 
Sonnenstrahlen schützend oder durch ihre Blattfläche wärmestrahlend, 
die flussreiche Ebene am Aequator ausfüllen, und im Innern des 
Landes, wo Gebirge und Ocean am entlegensten sind, ungeheuere 
Massen theils eingesogenen, theils selbsterzeugten Wassers aushauchen : 
alle diese Verhältnisse gewähren dem flachen Theil von Amerika 
ein Klima, das mit dem afrikanischen durch Feuchtigkeit und 
Kühlung wunderbar contrastirt 1 ). u 

Fügt man zu jenem Reichthnm an Niederschlägen die Ausdeh- 
nung der Flachländer, welche die Entwickelung grosser Stromsysteme 
so sehr begünstigen, und die für grosse Strombildungen so vorteil- 
hafte zusammengedrängte Lage der hohen Gebirge, so begreift man, 
dass Amerika der Erdtheil des Strom- und Seenreichthums ist. Süd- 
amerika ist durch Flussreichthum, Nordamerika durch Fluss- und 



1) Ansichten der Natur. 1&G0. I. n. 



Digitized by Google 



Einleitung. 



Seenreichthum ausgezeichnet. Der Aniazonenstrom ist «1er grösste 
Strom der Erde und Nordamerika beherbergt die grössten und 
zahlreichsten Süsswasserseen, von denen man behauptet hat, dass 
sie die Hälfte alles Süsswassers umschlössen, das auf unserem Planeten 
sich in Seen findet. Die Ueppigkeit der Vegetation, ausgeprägt in 
dem Artenreichthum der amerikanischen Florengebiete, in der grossen 
Zahl der Pflanzenformen, welche Amerika cigenthüinlich sind, und in 
dem „üppigen saftstrotzenden Wüchse, jener Frondosität. welche der 
eigenthümliche Charakter des Neuen Continentes ist" l ), ist der natür- 
liche Ausdruck dieser Fülle des lebenspendenden Elementes. Aber 
selbst in ihrem Reichthum macht sich eine in keinem Florengebiet 
von Norden bis zum äussersten Süden fehlende amerikanische 
Familienähnlichkeit geltend, die wieder auf den einfachen, die 
Wanderungen und Vermittelungen erleichternden Bau des Continentes, 
seinen Haupt- und Grundzug hinweist 8 ). 

Ist nun auch die nördliche Erdtheilhälfte in vielen Punkten 
der südlichen ähnlich, so bleibt sie doch immer eine geographi- 
sche Einheit für sich, der eine so wenig gangbare und geologisch 
so junge Verknüpfung wie die mittelamerikanische Landenge oder 
die Inselbrücke der Antillen nichts Wesentliches von ihrer abge- 
schlossenen Individualität rauben konnte. Es ist zwar ein müssiges 
Bemühen, den westlichen Continent in ein Amerika und ein Columbia 
zu zerlegen, wie es versucht worden ist, zwei Erdtheile aus dem 
einen zu machen, denn die Grenzen unserer Erdtheile sind überhaupt 
zufällige Linien und man müsste dann folgerichtiger W T eise auch 
Europa seinem Stammerdtheil Asien zurückgeben oder Afrika in 

1) A. von Humboldt a. a. O. I. 11. 

2) Die Thier- und Menschenwelt der beiden grossen Hälften unserer .Erd- 
veste in Vergleich zu ziehen, wollen wir einstweilen unterlassen, wie wohl viel 
über den vegi'tatiren oder von der Ceppigkeit des Urwaldes erdrückten Charakter 
der letzteren gesprochen wird, sowie über die Nachtheile, in deneu im feuchten 
Amerika die Thierwelt sich befinde, deren Lebenselement trockene Wärme sei. 
Die nähere Betrachtung dieser beiden Heiche lehrt uns zu viele mehr in der 
jüngsten Geschichte der Erde als in der jetzigen Natur des Continentes be- 
gründete Bedingnisse thierischer und menschlicher Existenz kennen, als dass 
wir nicht die Ursachen ihrer Abweichungen von altweltlichen Verhältnissen 
mindestens ebenso sehr in erdgeschichtlichen als geographischen oder klima- 
tischen Zuständeu vermuthen sollten. 



Digitized by Google 



Kinlcituiiß. 



7 



die zwei natürlichen Erdtheile zerlegen, aus denen es von Norden 
und Süden her zusammengewachsen ist. Mit solchen Grenzberichti- 
gungen wollen wir uns hier nicht beschäftigen. Immerhin ist aber 
die geographische Individualität Nordamerikas zu betonen, die bei 
aller Uebereinstimmung des Grundbaues sich derjenigen Südamerika'*} 
bestimmt gegenüberstellt. Es gibt ein Gesetz in der Gestaltung 
der Landmassen, welches den Südcontinenten gewisse gemeinsame 
Eigenschaften zuweist im Gegensatz zu den Nordcontinenten, und 
gerade in dem Verhältniss des südlichen Halbcontinentes von Amerika 
zum nördlichen ist der Unterschied am wenigsten zu übersehen, 
den dasselbe ausspricht. Inselarm. halbinsellos, fast ungegliedert 
liegt Südamerika dem Zwillingserdtheil gegenüber, der gegen seinen 
Pol hin ebenso verbreitert und reich gegliedert erscheint, wie Süd- 
amerika in derselben Richtung verschmälert und gliederarm ist. 
In der That gibt die r e i c h e r e G 1 i e d e r u n g „der Erdgestalt von 
Nordamerika eine nähere Verwandtschaft mit Europa als mit Süd- 
amerika- 1 ). Nordamerika theilt mit Europa die „auf dem ganzen 
Erdtheil ganz einzige Analogie -4 (C. Ritter), im Süden wie im Norden 
durch grosse mittelländische Meere bespült und von ihnen vielfach 
durchschnitten zu sein. Es hat vermöge seiner zahlreichen Buchten, 
Halbinseln und Inseln nächst Europa die grosste Küstenentwickelung 
(1 M. Küstenlänge auf 0(5 QM. Oberfläche, oder, das Verhältniss 
der Küstenlänge Europas zu seinem Flächeninhalt als 1 angenommen. 
0.(il>4; die Halbinseln, Landzungen und Küsteninseln von Nord- 
amerika nehmen, wenn man von den noch nicht genau bekannten 
arktischen absieht, ungefähr den zehnten Theil des Continentes in 
Anspruch, so dass sich die (Weder zum Rumpf wie 1:1» ver- 
halten). Nun fällt allerdings die grösste Gliederung in den nörd- 
lichen Theil des Continentes, wo jene eulturfordernde Wirkung, 
welche man ihr zuschreibt, fast Null sein muss; aber sie fehlt nicht 
im Osten. Süden und Westen und gibt diesen Theilen sicherlich 
ein Uebergewicht wenigstens über Nordasien, wenn sie dieselben 
auch nicht auf die Stufe Europa's zu heben vermag. Es ist ange- 
sichts dieser reichen Gliederung nach Norden zu, dass C. Ritter 



1) Carl Kitter. Allgemeine Erdkunde. m 



Digitized by Google 



■s 



Einleitung. 



aussprach: „Amerika scheint durch seine Gestaltung und Weltstellung 
dazu berufen, die Cultur des Menschengeschlechts am frühzeitigsten 
und am meisten gegen den Norden der Erde zu verbreiten". 1 ) 
Was aber die südliche Hälfte des Continentes durch ihre reiche 
Gliederung bereits an rascher Culturentwickelung gewonnen hat, 
darauf werden wir im Verfolg unserer Betrachtungen öfters zurück- 
zukommen haben. 

Aufs ausgiebigste wird diese äussere Gliederung der Umrisse 
durch die innere ergänzt, welche gegeben ist in dem ausserordentlich 
reichen N etz der Ströme und Seen, die nach allen Weltgegenden 
sich aus der Mitte dieser Erdtheilhälfte heraus entfalten und nicht 
wie die ähnlich grossen und ausstrahlenden Nordasiens durch breite, 
unwegsame Hochflächen von einander getrennt sind. Durch diese 
reiche Bewässerung wird die in jedem Erdtheilinneren vorwaltende 
Neigung zur Wüstenbildung zurückgedrängt, der Waldwuchs und 
der Ackerbau begünstigt, die junge Cultur gefordert, der Verkehr 
erleichtert. Was würde Britisch Amerika ohne seine Ströme sein V 
Sie allein ermöglichen den Verkehr in der unwirthlichen Region 
des weiten Hudsonsbaigebietes und damit das Vordringen einer auf 
Jagd- und Fischfang gegründeten Halbcultur bis in die Länder 
jenseits des Polarkreises. In dem klimatisch begünstigteren Gebiete, 
das den Gegenstand unserer Betrachtungen bilden wird, haben beim 
lleichthuin anderweitiger Hülfsquellen die Fluss- und Seensysteme 
nicht diese grosse Bolle zu spielen, aber ihre grossartige Entwicklung 
verleiht ihnen doch eine Bedeutung, von denen uns unsere kleineren 
europäischen Strom Verhältnisse keine Vorstellung geben. 

Nicht ebenso günstig ist Nordamerika in klimatischer 
Beziehung gestellt. Hier hat es die Nachtheile in den Kauf zu 
nehmen, welche eine so bedeutende räumliche Ausdehnung immer 
im Gefolge hat. Das Meer übt in allen Breiten einen mildernden 
und anfeuchtenden Einfluss auf die Klimate, aber dieser heilsame 
Einfluss wird um so schwächer, je weiter man sich von seiner Quelle 
entfernt und je mehr Hindernisse sich dem Landeinwärtswehen der 
Feuchtigkeitsträger, der Seewinde entgegenstellen. Nordamerika 



1) C. Ritter, Allgemeine Erdkunde. IW2. 239. 



Einleitung. 



9 



hat weite Regionen in seinem Innern , die dem Eintiuss der 
feuchtigkeitsbringenden Winde entzogen sind und deren Dürre an 
die asiatischen Hochsteppen erinnert ; selbst eigentliche, vegetations- 
lose Wüsten fehlen ihm nicht. Aber diese Steppen und Wüsten 
erlangen nie die lückenlose Ausbreitung, welche ihnen Asien, Afrika 
und selbst das innere Ausstralien gestatten. Ihre Unterbrechung 
durch zahlreiche Flussläufe, die nie ganz wasserleer werden, unter- 
scheidet die nordamerikanischeu Steppengebiete von jenen des Ostens. 
Man kann sagen, sie sind oasenreicher und ihre Oasen sind aus- 
gebreiteter. Der Grund davon liegt in dem Zusammentreffen der 
Hochgebirgsregionen mit den Kegionen der Steppen, denn einerseits 
vermindern diese Gebirge durch ihre Lage die Feuchtigkeitszufuhr, 
andererseits sorgen sie durch ihre schneebedeckten Höben dafür, 
dass die Wasserquellen nie versiegen. Der bemcrkenswerthe Um- 
stand, dass die Quellgebiete der grössten nordanicrikanischen Ströme 
räumlich mit den Steppenregionen zusammenfallen und dass sie alle 
in ihrem oberen Lauf grosse Strecken derselben durchfliessen, ist 
in dieser Beziehung bezeichnend und gehört zu den hervorragenden 
Charakterzügen des nordamerikanischen Coutinentes. 

Klimatisch bleibt indessen Nordamerika entschieden weniger 
günstig gestellt als die in entsprechenden Breiten gegenüber liegenden 
Theile der Alten Welt. Wir haben die grössere Feuchtigkeit und 
geringere Wärme, die im Allgemeinen die westliche Landmasse aus- 
zeichnet, bereits hervorgehoben und ftlr Nordamerika hat dieser Unter- 
schied ganz hervorragende Gültigkeit, ist aber nicht in allen seinen 
Theilen gleich entschieden oder in gleicher Richtung ausgeprägt. Man 
bemerkte ihn sehr früh, tibertrieb ihn aber beim Mangel genauerer 
Beobachtungen so sehr, dass selbst Halley zur Erklärung der über- 
mässigen Kälte, die in Nordamerika herrschen sollte, die Hypothese 
aufstellte, dass einst die Erdachse ihren nördlichen Pol in Nord- 
amerika gehabt habe und dass jene Kälte eine Nachwirkung dieses 
Zustandes sei. Eine gründlichere Darstellung aller Verhältnisse, auf 
die jene allgemeine Hegel gestützt werden kann, lieferte erst A. v. 
Humboldt in seiner ersten Schrift über die Isothermen l ), worin er 



1) Kleinere Schriften, I. S. 251. 



10 



Einleitung. 



das von Anderen übrigens schon angedeutete Gesetz der grösseren 
Kälte der Ost- und der grösseren Wärme der Westränder der 
Continente im Besonderen auf die klimatischen Verschiedenheiten 
zwischen Nordostamerika und Europa anwandte. Er sprach es 
damals aus, dass „selbst in den Zonen gleicher Jahrestemperatur 
auf den Ostküsten beider Continente die Winter strenger und die 
Sommer heisser als auf den Westküsten u . und in dem seitdem oft 
wiederholten Vergleich: „So findet man in Newyork einen Sommer 
gleich dem in Rom und einen Winter wie in Kopenhagen, zu Quebec 
einen Pariser Sommer und einen Petersburger Winter" hob er den 
Gegensatz des extremen nordostamerikanischen zu dem mehr ab- 
geglichenen westeuropäischen Klima hervor. Man hat seitdem die 
wissenschaftlich unfruchtbare Methode der Vergleichuug des Klimas 
von einander gegenüberliegenden Küsten aufgegeben und 
statt des Gegensatzes vielmehr unerwartete Uebereinstimmungen 
gefunden, als man, wie es die Natur der Sache gebietet, die ein- 
ander entsprechenden Theile der beiden Erdtheile miteinander 
in Vergleich stellte. Man fand dann europäische Anklänge auf der 
West- und ostasiatische auf der Ostküste Nordamerika'» f ). Man 
fand nun. dass sowohl in der Neuen als der Alten Welt der nörd- 
lichen Hemisphäre die Wärme am geringsten ist im Innern der 
Continente. dass sie gegen die Küste hin zunimmt und zwar viel 
rascher und bis zu höheren Graden an den West- als an den Ost- 
küsten. Dann fand man aber ferner, dass im Unterschied gegen 
die entsprechenden Breiten der Alten Welt Nordwestamerika doch 
noch kühler sei als Nordwesteuropa, dass auch Nordostamerika 
hinter Nordostasien zurückstehe, dass die Wärmeabnahme gegen 
Norden zu eiue viel raschere in Nordamerika als in Europa-Asien, 

1) „Der früher so scharf betonte Gegensatz erscheint als Folge der ein- 
seitigen Anschauung heider Continente und an die Stelle desselben tritt eine 
auffallende Febereinstimmiing, denn in der That erheben sich in beiden Con- 
tiuenten die Isothermen vom Innern nach beiden Küsten hin, und zwar stärker 
an den westlichen als au den östlichen. Die Aufgabe ist daher eine andere 
geworden, es handelt sich nicht mehr darum, die einander zugewendeten Küsten 
der verschiedenen Continente mit einander zu vergleichen, sondern den all- 
mähligen Cebergang festzustellen zwischen den einander abgekehrten desselben 
Continente*." II. Dove, Klünatol. Beiträge. \m*. II. 1. 



Digitized by Google 



Einleitung. 



11 



und dass zu diesen Unterschieden der Wärnieverbreitung sich 
Unterschiede der Windrichtungen und Niederschläge gesellen, so 
dass jene allgemeine Uebereinstinimung für die unmittelbare Wahr- 
nehmung zurücktritt hinter den Wirkungen dieser abweichenden 
Verhältnisse. Es sind in erster Reihe die Meeresströmungen, denen 
man diese Störungen verdankt, dann die besonderen Verhältnisse, die 
in der Vertheilung von Land und Wasser, besonders an der Nordseite 
von Nordamerika zu bemerken sind, und die Eigentümlichkeiten 
der Bodengestaltung. Schon im Klima der arktischen Kegionen von 
Nordamerika sind hervorragende Besonderheiten zu erkennen. Die 
Isotherme von 0°, welche diese Zone im Süden begrenzt, steigt an 
der Ostküste bis 00° N. B. herab und liegt an der Westküste bei 
60. Kalte Winter und kalte Sommer bezeichnen diese Zone, 'deren 
mittlere Jahrestemperatur daher an einigen Punkten unter die 
tiefsten Grade herabgeht, die man anderswo beobachtet hat und die 
im Allgemeinen ein Gebiet negativer Isanomalen ist 1 ). In der 
ungemein raschen Wärmeabnahme nach Norden zu, welche den öst- 
lichen und binnenländischen Theil der nächstfolgenden gemässigten 
Zone charakterisirt, sehen wir ein Uebergreifen dieser abnorm 
kalten arktischen Region. Diese Abnahme ist nahezu doppelt so 
gross wie in Westeuropa. Man beobachtet in denselben Gebieten, 
die ausser Südcanada und Britisch Columbia vorzüglich das Gebiet 
der Vereinigten Staaten östlich der Cordilleren in sich fassen, eine 
geringere relative Feuchtigkeit als in den entsprechenden Zonen 
Europa-Asiens bei erheblich bedeutenderen Niederschlagsmengen. 
Die Regenmengen sind durchschnittlich doppelt so gross wie in 
Europa- Asien, aber beim Vorherrschen trockener Landwinde ist den- 
noch die Lufttrockenheit ein bezeichnender Zug des Klima s in den 
östlichen und binnenländischen Theilen. Die Monsunregen, welche 

1) „Die mittlere Wärme eines Parallelkreises nenne ich seine normale 
Wärme, jeder Ort. dessen Temperatur höher ist, ist zu warm, jeder, dessen Tem- 
jKratur unter sie herabsinkt, zu kalt. Ich nenne ferner die Abweichung der 
wirklichen Wärrae eines Orts von der mittleren seiner geographischen Breite 
seine Anomalie." H. Dove, Klimatol. Beiträge. 1H57. I. 4. Die Jahreslinicu 
gleicher Anomalie, die Isanomalen sind negativ, d. h. zu kalt in ganz Nordamerika 
mit Ausnahme eines Streifens an der Westküste, der vom 70. bis zum 40. Breite- 
grad reicht und nach Innen zu seine Grenze am Ostfuss der Cordilleren findet. 



Digitized by Google 



Einleitung. 



im Sommer die südliche Region dieser Zone benetzen, unterscheiden 
dieselbe scharf von unseren im Sommer trockenen südeuropiiischen, 
westasiatischen und nordafrikanischen Ländern. Im Westen dieses 
Gebietes nimmt der Hegenfall, besonders der winterliche ab und 
bedingt ausgedehnte, wenn auch nicht lückenlose Steppenbildungen. 
Die Hochebene, die sich zum Ostfuss der Cordilleren erhebt, schliesst 
den grössten Theil der Südost-, die Cordilleren selbst die Südwest- 
Winde aus. Im paeifischen Küstengebiet sind die nordwestlichen 
Theile ausserordentlich regenreich, aber südlich vom 40. Breitegrad 
treten Winterregen mit regenarmen Sommern wie in unseren Mittel- 
meergebieten auf. Eine kalte Strömung kühlt die Küste Ober- 
californiens ab und gibt ihr einen kühlen Sommer. Die Länder um 
den californischen Golf sind bis zum 24. Breitegrad hinab durch 
den Niederscblagsmangel der Passatregionen ausgezeichnet, ebenso 
alles jenseits des Westrandes der Cordilleren nach binnen zu gelegene, 
den Seewinden entzogene Land. 

Wir haben endlich ein tropisches Klimagebiet in Nordamerika, 
das Mexiko und Westindien umfasst und dessen Charakter, abgesehen 
von seiner Lage innerhalb der Wendekreise, auf dem Festland vorzüg- 
lich durch die Annäherung der Gebirge an die Küste und die weite 
Ausdehnung der Hochebenen im Innern bestimmt ist, wahrend auf den 
Inseln Lage und Grösse mehrere klimatische Bezirke unterscheiden 
lassen, die vorzüglich durch Dauer und Intensität der zwei tropischen 
Hegenzeiten unterschieden sind. Was die Wirkungen des Klima's 
dieser Tropenregion auf dasjenige des Gebietes der Ver. St. betrifft, 
so gentigt ei i Blick auf die Karte, um die Geringfügigkeit des in 
die Tropenregion der nördlichen Hemisphäre fallenden Landes im 
Vergleich zu der Meeresbedeckung desselben Gebietes erkennen zu 
lassen. Das Land der nord- und mittelamerikanischen Tropenregion 
ist ohne nennenswerthen Eintiuss auf das Klima der nördlicher 
gelegenen Theile, während dieselben dem Meere des Golfes und 
Westindiens jenen hochwichtigen Sommermonsun danken, dessen 
wir bereits Erwähnung thaten. 

In nicht geringem Grade trägt zur Individualisirung Nordame- 
rika^, besonders gegenüber der südlichen Erdtheilhälftc . seiue 
Organismenwelt bei. Was wir über die pflanzliche, thierische 



Digitized by Google 



Einleitung. 13 

und menschliche Bevölkerung allein des Gehietes der Ver. St. in 
den betreffenden Kapiteln zu berichten haben werden, wird als 
allgemeiner Grundzug derselben die nahe Verwandtschaft zu den 
Bewohnern der östlichen Erdtheile, besonders Nordeuropas und 
Nordasiens erkennen lassen, eine Verwandtschaft, die indessen nur 
in einer Minderzahl von Fällen zu vollständiger Uebereinstimmung 
fortschreitet und im Allgemeinen bei der Aehnlichkeit und Annähe- 
rung stehen bleibt, welche die Merkmale gemeinsamer, aber entlegener 
Abstammung sind. Man kann es aber für ganz Nordamerika als das 
Grundgesetz seiner organischen Welt bezeichnen, dass dieselbe im 
innigsten Zusammenhang mit der organischen Welt der gesammten 
Nord-Hemisphäre geworden ist. Man kann dieses Gesetz weiter dahin 
ausführen, dass der Zusammenhang am innigsten ist im Norden, 
während von Süden her Einflüsse sich geltend machen, die Aus- 
strahlungen anderer Schöpfungsmittelpunkte darstellen als die, von 
denen der Norden seine Lcbewelt empfing. In Nordamerika ist 
daher sowohl in der menschlichen, als thierischen, als pflanzlichen 
Bevölkerung die Uebereinstimmung mit der Alten Welt am grössten 
im Norden, wo sie in den arktischen Hegionen zu jener vollen 
l r ebereinstimmung wird, die uns in der Cireumpolarflora und 
-Fauna und in der hyperboräischen Menschenrasse entgegentritt. 
In der nächstsüdlichen subpolaren Zone tritt eine grössere Anzahl 
eigenthümlicher amerikanischer Arten auf. die aber ihre Nächst- 
verwandten noch fast ausnahmslos in altweltlichen Formenkreisen 
finden. Schon in der kalten gemässigten Zone und mehr noch in 
der warmen gemässigten erscheinen aber speeifisch amerikanische 
Formen, die, wie die Cacteen und Baumlilien im Pflanzen-, gewisse 
Nager oder Kolibri's im Thierreich, Familien angehören, welche 
ausserhalb Amerika' s nicht gefunden werden. Am weitesten ziehen 
diese fremdartigen Gestalten auf den dürren Hochebenen des Innern 
nach Norden. Ihre Verwandtschaftsbeziehuugen weisen aber nach 
Süden zurück und es ist kein Zufall, dass sie im Westen Nord- 
amerika^, wo der räumliche wie klimatische Zusammenhang mit 
Mittel- und Südamerika am innigsten ist, ihre reichste Entfaltung 
finden. In Thieren und Pflanzen und selbst in der Cultur ist der 
Westen Nordamerika^ amerikanischer als der Osten. Dieser ent- 



Digitized by Google 



14 



Einlcitnng. 



fernt sich nicht soweit von den Formen der Alten Welt wie jener, 
nur am äussersten Stidrande tritt auch er nahe genug an die west- 
indische Tropenregiou , um in merklicher Weise die von dorther 
wirkenden Einflüsse in seiner Lehewelt auszuprägen. Eine entschiedene 
Annäherung an tropischen Naturcharakter ist indessen nur in den 
südlichen Theilen der Halbinsel Florida zu finden und hier ist es 
auch, wo die grosse Zahl rein amerikanischer Pflanzen- und Thier- 
geschlechter ähnlich wie im Westen die altweltlichen Anklänge 
übertönt; in den übrigen Bezirken des nordamerikanischen Südens 
dagegen sind diese die Kette, in deren Lücken jene nur einen 
lockeren Einschlag weben, der dann nach Norden zu sich sehr rasch 
verdünnt, ohne indessen innerhalb der Grenzen der gemässigten 
Zone ganz zu verschwinden. Die Leichtigkeit des Wanderns in 
nördlichen und südlichen Richtungen, eine Folge der eigentümlichen 
Bodengestaltung Nordamerika^, tritt in beiden Thatsachen in ver- 
schiedener Ausprägung hervor: Die Massenverbreitung nordischer 
Formen bis an die Golfktiste auf der einen und die weite Verbreitung 
von Süden kommender nach Norden auf der anderen Seite ist nur 
möglich durch die vorwiegend meridionale Gliederung Nordamerika^, 
deren tiefgreifenden Einfluss auf die Lebewelt der ganzen Erdtheil- 
hälfte wir noch öfter zu betonen haben werden. 



Allgemeiner Theil. 



L Begrenzung und Ilmriss. 

Die natürlichen Grenzen der Vereinigten Staaten. Politische Grenzlinien. Die 
Kästenlinie. Ihre Gliederung. Inseln. Halbinseln. Vorgebirge. Buchten. Mündungs- 
buchten. Allgemeine Form der Küstenlinie. 

Begrenzung. Die Vereinigten Staaten (ohne Alaska) nehmen 
die südliche Hälfte von Nordamerika ein. Sie bilden die schmälere, 
aber die geschlossenere Hälfte, in deren Zusammenhang weder eine 
Hudsonsbai noch ein St. Lorenzgolf einschneidet. Es entspricht dieser 
coutinental ausgebreiteten Lage, wenn der grösste Theil ihrer Grenze 
Meeresgrenze ist, wenn das Land vom atlantischen zum pacifischen 
Meere reicht und mit seinem Stidrand einen grossen und wichtigen 
Theil jenes amerikanischen Mittclmeeres, des Golfes von Mexiko um- 
fasst. Auch ein Theil der Grenzen, die auf dem Festlande gezogen sind, 
hat natürliche Berechtigung. Ein Blick auf eine Vegetationskarte des 
nordamerikanischen Continentes lässt erkennen, dass die Nordgrenze 
des mexikanischen Vegetationsgebietes wenig südlich von der poli- 
tischen Südgrenze der Vereinigten Staaten gezogen wird, und auf 
einer Höhenkarte sieht man diese politische Grenze das Depressions- 
gebiet durchziehen, welches zwischen dem Gila und Rio Grande 
eine natürliche Sonderung der eigentlich nordamerikanischen von 
den mexikanischen Gliedern der grossen Gebirgskette der Cordilleren 
erzeugt und dadurch zu einer der bedeutsamsten Erscheinungen in 
der Oberflächengestaltung Nordamerika^ wird. Die Jahres-Isothermen 
von 15° und 18° C. sind gleichfalls in der Gegend dieser Grenze 
zu ziehen, von der man demnach behaupten kann, ohne zu viel zu 
sagen, dass sie nicht bloss eine politische, sondern auch, und in nicht 

B»tx«l. Amerik*. I. 2 



Digitized by Google 



18 I. Begrenzung und Umriss. 

geringem Masse, eine Naturgrenzc sei x ). Von der Nordgrenze kann 
dasselbe nicht gesagt werden. Schon ihre fast geometrisch regel- 
mässige Halbirung des Continentes von einem Rande bis zum andern 
macht es wahrscheinlich, dass sie auch manche Naturverhältnisse in 
derselben mit Naturgrenzen schwer vereinbaren Folgerichtigkeit 
halbiren werde und dem ist in der That so. Aber der Umstand, 
dass diese Grenze in so weiter Erstreckung im Sinn der geogra- 
phischen Breite, d. h. in derselben Richtung gezogen ist, welche im 
Allgemeinen auch den Verlauf der Isothermen und der Vegetations- 
grenzen bezeichnet, lässt dieselbe immerhin nicht bedeutungslos in 
natürlicher Beziehung erscheinen. Sie scheidet allerdings in einer 
allgemeinen Weise die gemässigteren von den kälteren Theilen 

1) Die Grenze ißt übrigens von Anfang an mit Rücksicht auf den eigen- 
tümlichen Charakter des Landes gezogen worden, welches sie durchzieht, und 
mit Rücksicht auf den daraus folgenden Charakter einer Naturgrenze, der dem- 
selben in hohem Grade eigen ist: „Die Grenze ist gut", sagt mit sehr bezeichnenden 
Worten Major Emory, der Commissär, welcher seitens der Regierung der Ver. St. 
mit ihrer Feststellung betraut war, „und wenn die Ver. St. entschlossen sind, der 
Expansionskraft ihrer Institutionen und ihres Volkes zu widerstehen, die mir 
unvermeidlich zu sein scheint, und sich Grenzen zu setzen, ehe sie die Land- 
enge von Darien erreicht haben, so wird man wahrscheinlich vergebens auf dem 
ganzen Continente eine Grenzlinie suchen, die besser für diesen Zweck geeignet 
wäre. Es ist ein Glück, dass zwei Völker, die in Gesetzen, Glauben, Sitten und 
Bedürfnissen so sehr verschieden sind , von einander durch Grenzen getrennt 
werden, welche gleichzeitig grosse Unterschiede in der Naturbeschaffenheit des 
Landes bezeichnen." Weiterhin sagt Emory: „Ich beobachtete diese merkwürdige 
Depression (vom californischen Golf bis zum Pecos) bei einer Durchforschung des 
Landes im Jahr 1846 und lenkte auf dieselbe die Aufmerksamkeit des damaligen 
Staatssecretärs des Innern, Buchanaus, worauf dieser unseren Gesandten, der 
über den Vertrag von Guadalupe Hidalgo verhandelte, verständigte, keine Grenz- 
linie nördlich von 32° N. B. anzunehmen. * (Report on the U. S. and Mex. 
Boundary Survey, 1857. I. 35) u. 41.) Mit diesen Rücksichten trafen übrigens 
auch Gründe militärischer Art und des Verkehres zusammen. Die Grenze von 1851, 
welche ziemlich weit nördlich von der heutigen vorlief und in ihrer grössten 
Erstreckung dem Gila R. folgte, war für die Ver. St. ungünstig; sie schuitt die 
Communicatiou zwischen den Grenzforts am Rio Grande und denen am Gila ab 
und ausserdem wurde es zu jener Zeit als ein besonders hoch anzuschlagender 
Nachtheil angesehen, dass sie die Giladepression Mexico überliess, während es 
doch ausser Zweifel zu stehen schien, dass die schon damals geplante Pacific- 
bahn nur in dieser Einseukung die westliche Gebirgsmasse zu passiren vermöchte. 
Heute würde man den Zuwachs, den der Vertrag von 1853 brachte, weniger 
hoch anschlagen. 



Digitized by Google 



I. Begrenzung und Umriss. 19 

Nordamerikas. Die Laubwälder des Ostens, die hohen Nadelhölzer 
des Westens, die Prärien des Innern — sie gehen sämmtlich nicht 
weit über den 40. Breitegrad hinaus, welcher die Nordgrenze in 
dem grössten Theil ihres Verlaufes bildet. Aber vielleicht zeichnet 
nichts so deutlich wenigstens die Annäherung auch der Nord- 
grenze der Vereinigten Staaten an gewisse Naturgrenzen als die 
Thatsache, dass sowohl am östlichen als am westlichen Ende dieser 
Grenze die Fjord- und Schärenbildungen , diese Küstenform von 
hervorragend klimatischer Bedeutung nur eben über dieselbe her- 
einragt. Wir finden Fjorde und Schären an der Ostküste bis nach 
Maine, an der Westküste bis an den Pugetsund, sie berühren 
gewissermassen nur das Gebiet der Vereinigten Staaten, aber an 
allen Küsten im Norden derselben sind sie in der reichsten Aus- 
bildung vorhanden. Die klimatischen Bedingungen, welche zu ihrer 
Bildung unentbehrlich sind, waren also südlich von der heutigen 
Nordgrenze der Vereinigten Staaten, mit Ausnahme einer sehr 
schmalen Zone, in die eben die Nordküste von Maine und der Puget- 
Sund fallen, nicht mehr vorhanden. 

Die politischen Grenzen der Vereinigten Staaten werden 
in der allmählichen Entwicklung zu ihrem heutigen Verlauf im 
Zusammenhang mit dem Werden der Vereinigten Staaten zu be- 
trachten sein, dessen aufsteigende Stufen sie so treffend bezeichnen. 
Für jetzt genügt es, ihren allgemeinen Verlauf zu kennzeichnen 
und zwar ist dieser gegeben: Im Norden durch den St. Croix, wo 
dieser in die Passamaquoddybai mündet, denselben entlang bis zu 
seiner Quelle, von dieser gerade nach Norden bis zum St. Johns R., in 
diesem bis zur Mündung des Francis R., in diesem zum Ausfluss des Sees 
Pohenagamook, von da sw. in gerader Linie zu einem Punkte an dem 
nw. Zweige des St. John, der 16 Kil. in gerader Linie entfernt von dem 
Hauptzweig des St. John angenommen wird ; von da wieder in gerader 
Linie in 8. 10° w. Richtung bis zu dem Punkte, wo der Parallelkreis 
46° 25 ' den sw. Zweig des St. John schneidet, dann s. diesem Zweige 
entlang bis zu seiner Quelle und auf der Wasserscheide zwischen St. 
Lorenz und Ocean bis zur Quelle eines der Arme des Connecticut (Hall 
R.) und an demselben hinab bis zum 45. Breitegrad und diesem entlang 
bis zum St. Lorenz. In diesem Strome verläuft nun die Grenze, 

2* 



Digitized by Google 



20 



I. Begrenzung und Umriss. 



indem sie ihn halbirt, und ebenso verläuft sie, so genau es möglich, 
durch die Mitte des Ontario-, Erie- und Huroncnsees und der sie 
verbindenden; den Oberen See durchschneidet sie so, dass Isle 
Royale und alles südlich von den Narrows und vom Arrow K. ge- 
legene Ufergelände, ungefähr Vs des Ganzen, in das Gebiet der 
Vereinigten Staaten fallt. Sie verlässt den Oberen See mit dem 
Arrow R., begleitet diesen nach dem Rainy Lake, steigt im Rainy R. 
nach dem Lake of the Woods hinab und gebt von dessen Westrande 
dem 49. Breitegrad entlang, bis zum Ufer des Stillen Meeres, wo 
ihr früher zweifelhafter Verlauf in der Strasse San Juan de Fuca 
seit dem Schiedsspruch unseres Kaisers (1872) dahin festgestellt ist. 
dass sie daselbst dem Haro-Canale folgt, welcher die Vancouver- 
Insel vom San Juan Archipel trennt. Der letztere ist damit dem Gebiete 
der Vereinigten Staaten zugefallen. — Die Grenze gegen Mexiko 
läuft von der Mündung des Rio Grande bis zu 31 0 47 ' N. B., von 
da 160 Kil. direct westlich, dann südlich bis zu 31° 20' N. B. und 
diesen Parallelkreis entlang bis 111° W. L., von diesem in gerader 
Linie nach einem Punkte am Colorado, der 32 Kil. unterhalb der 
Gilamündung liegt, und dann im Colorado aufwärts bis zu besagter 
Mündung und von dieser westwärts bis zu einem Punkte an der 
Küste, der eine Seemeile südlich vom südlichsten Punkte des Hafens 
von San Diego liegt. — Beide Landgrenzen, die gegen Britisch 
Nordamerika wie gegen Mexiko, haben zusammen eine Länge von 
10,200 Kil. 

Ausdehnung und Umriss. Innerhalb dieser Grenzen und 
seiner Meeresgrenzen ist das Gebiet der Vereinigten Staaten in der 
Weise gelegen, dass sein nördlichster Punkt durch den 49. Breite- 
grad, sein südlichster durch Cap Sable (24° 50' N. B.), sein östlicher 
durch C. Quoddy Head (00° 59' W. L.), sein westlichster durch 
Cap. Mendocino (124° 32' W. L.) gegeben ist. Seine Ausdehnung 
zwischen Norden und Süden beträgt 1285, zwischen Osten und 
Westen 4(525 Kil. und sein Flächeninhalt ist auf 7,838,300 □KU. 
zu beziffern 1 ). 

1) Also 142 ; 352 geogr. oder 3,026.494 engl. M. Mit Alaska, das übrigens 
Hiebt genau vermessen ist, 9,933.080 □Kil. oder 3,603,H84 e. M. oder 1(59.509 g. M. 
(Belim u. Wagner, Bevölkerung der Erde in Geogr. Mitth. Erg. lieft. 35. S. 64.) 



I. Begrenzung und Fmriss. 



21 



Die Ktistenlänge der Verein. Staaten wurde im Jahr lSöH nach 
damals erneuerten Messungen auf 7064 Kil. berechnet, wovon 3030 
auf die atlantische, 1MV> auf die pacifische und 2W2 auf die Golf- 
küste kommen '). Diese Küstenlänge ist im Vergleich zu der Grösse 
des Landes nicht bedeutend; sie hält vor allem keinen Vergleich 
aus mit der europäischen , zu der sie sich nur wie 1 : 4 verhält. 
Indessen ist Küstcnlänge kein unveränderlicher Begriff, den man 
ohne Rücksicht auf seine nähere Bestimmung vergleichen könnte. 
Da es seine Beziehung zu den Culturmöglichkeiten eines Gebietes 
ist, welche ihm besonderen Werth verleiht, so ist er in Bezug auf 
dieselben näher zu bestimmen Die Küstenlänge des Gebietes 
der Ver. St. ist nun vorzüglich darum eine verhältnissmässig geringe, 
weil ihm bedeutende Inseln und Halbinseln fehlen ; aber dafür sind 
seine Küsten in reichem Masse mit einer Eigenschaft begabt, welche 
in der angedeuteten Ilichtung wichtiger ist, als aller Insel- und 
Halbinselreichthum, nämlich mit Zugänglichkeit durch reichliche 
und tief einschneidende Buchten und durch die Mündungen hoch 
hinauf schiffbarer Ströme und Flüsse. Man darf die Behauptung 
wagen, dass Europa mit all seiner reichen Umrissgliederung auf 
keiner einzigen Küstenstrecke so zugänglich sei und so viele vor- 
treffliche Häfen habe, wie die atlantische Küste von Nordamerika. 
Die Zugänglichkeit ist nicht ebenso gross an der paeifischen Küste, 
wohl aber ist auch diese sehr buchten- und hafenreich. Der Golf 
von Mexiko aber nimmt als ein Abschnitt der reichgegliederten 
westindischen Region an den Vorzügen Theil, welche diese sogar 
unserem Mittelmeer an natürlicher Begünstigtheit haben vergleichen 

1) Report on tbe Hist. aml Progr. of the American Foast Survey. 1858. 4ti. 

2) „Blickt man auf dem Krdball umher, so zeigen sich die Gliederungen, 
die isolirteren Theile der Erddächen, die Gestadcstreckeii . die Halbinseln, die 
Inseln fast überall als die am reichsten begabten Erdstellen , auf denen die 
frühesten und grössten Entwickelungen sich concentriren konnten. Mit der Ver- 
vielfachung und Entwickelung der Organe hebt sich überall der Adel der 
Organismen . .. Wir wiederholen es: nicht die absolute (Jrösse, nicht die Masse 
und das (Je wicht des Materiellen, sondern die Form, die gegliederte und höher 
organisirte Form errang das Fe berge wicht und trug das ihrige zur Entscheidung 
des Schicksals der Völker der Erde bei." C. Ritter, Allgemeine Erdkunde. 
I*i2. 216. 



*2 



I. Begrenzung und Umriss. 



lassen. Man mag also wohl sagen, tlass die Keime eines Völker- 
verkehrs, die allerersten Anregungen zu Wanderungen und Austausch 
hier keinen so fruchtbaren Boden gefunden haben würden wie z. B. 
in den Inselfluren des ägäisehen oder des jonischen Meeres oder 
selbst wie in Antillenmeergebieten, wo der Keichthum und die 
Annäherung der Festlandküsten und Inseln, der Buchten und Halb- 
inseln so gross sind, dass selbst der träumende Geist eines Neger- 
volkes sich hier aufs Meer hätte hinausgelockt, zu kühnen Unter- 
nehmungen angespornt fühlen müssen. Aber die eigene Art von 
Ullirissgliederung, die wir gerade an der Seite finden, die für die 
Cultur Nordamerikas die wichtigste war, nämlich an der Europa 
zugewandten atlantischen Küste, hat Nordamerika in hohem Grade 
geeignet gemacht zur Lösung der Aufgabe, die ihm in der Verbreitung 
und Entwicklung der Cultur über die Erde zugefallen ist. „ Durch 
die günstigste Hafenbildung, Insulirung und Küstenstellung gegen 
die nordostatlantische Westseite Europa's mit analogen Temperatur- 
verhältnissen wurde das so hafenreiche Ostgestade Nordamerika s 
von Anfang an ganz vorzüglich am empfänglichsten ausgerüstet für 
die Aufnahme einer europäischen Civilisation . . . Nordamerika 
war durch seine maritime Lage zur nothweudigen. wiederholten 
Schifferentdeckung von Europa (nicht von Asien) aus bestimmt l ) * 
Die grossen Elemente der Gliederung sind wie gesagt an der 
Küste der Vcr. St. nur in geringer Zahl vertreten. Als scharf 
abgesonderte Glieder treten von Halbinseln nur Delaware 
(15,1)50 □Kil.) und Florida (Ii0,500 □Kil.) au der atlantischen 
Küste und von Inseln nur Long Island (2420 Q Kil.) in einer 
Grösse hervor, die hinter »1er Masse des Festlandes, ihres Rumpfes, nicht 
verschwindet. Alle andern Halbinseln und Inseln sind entweder zu 
wenig scharf vom Festland abgesetzt oder von zu geringer räumlicher 
Ausdehnung, um selbständig hervorzutreten. Man kann zu ■ einer 
grossen Gruppe die zahllosen kleinen Inseln an der Küste von Maine 
(Grand Menan. Mt, Desert u. a.) zusammenfassen ; die südlich 
vom Ostvorsprung der Neuenglandküste bei C. Cod gelegenen 



1) C. Ritter, Ueber räumliche Anordnungen auf der Außenseite des Erd- 
balls. 1850. 32. 



Digitized by Google 




I. Begrenzung und l'niriss. 23 

Nantuckct, Marthas Vineyard, Penikese, Bloek, Fisher [. 
bilden eine andere natürliche Gruppe; State □ Island und Man- 
hattan in der New -York -Bai schliessen sich au Long Island an. 
Die Felseninseln hören damit auf. Indem die Flachküste jetzt vor- 
herrehend wird, begleiten Düneninseln, zerrissenen Nehrungen ent- 
stammend, die Südküste von Long Island, die New-Jersey und Dela- 
wareküste und wiederholen sich von da an, indem sie auch stellen- 
weise noch zu zusammenhängenden Landstreifen, Nehrungen ver- 
bunden sind, bis zur Südspitze Florida s und über diese hinaus an 
der Golfküste. In dieser Region sind diejenigen Abschnitte der Küste, 
welche frei von vorgelagerten Inseln, Inselstrichen oder Landstreifen 
sind, seltener als die, an denen solche Gebilde sich finden. Es ist 
Flachktisteucharakter. Aber an der Südspitze Florida's treten in den 
Keys ') die Werke riffbauender Korallen, deren Nordgrenze sich bis 
hierherauf erstreckt, mit diesen Schwemmgebilden in Verbindung und 
erzeugen besonders in der Kette der Florida Keys und Pine 
Keys zahlreiche kleine Inseln, die im Aufbau an ihren Koralien- 
ursprung, in der Anordnung aber an den Nehrungsboden erinnern, 
dem sie entsteigen. Die Tort u gas sind ächte Koralleninseln. 
Die Golfküste hat entsprechend ihrem durchaus flachen Charakter 
zahlreiche Ktisteninseln und noch ausgedehntere Nehrungen, als die 
Südhälftc der atlantischen Küste. Von den Inseln sind nennenswerth 
S. Vincent und S. Georges gegenüber der Appalachicolamündung, 
die Chandeleur-Inseln, Ile au Breton, Horn, Grozier 
und Marsh -Inseln an beiden Seiten des Mississippideltas. Die 
Küste des Stillen Meeres macht da, wo sie in das Gebiet der Ver- 
einigten Staaten fällt, keine Ausnahme von der Inselarmuth, die sie 
auszeichnet. Sie ist durchaus Steilküste, der nur an einigen Stellen 
Dünen- und Flachuferstrecken eingeschaltet sind. Ihre wenigen Inseln 
sind demnach gebirgig und zwar fast durchaus vulkanisch. An der 
südcalifornischen Küste liegen die einen, am Nordrand der Oregon- 
küste die anderen, die Mitte ist inselleer. Jenes sind Sa. Cruz, 
Sa. Rosa, S. Miguel, Sa. Catalina, S. Nicolas, S. demente 



1) Amerikanisirt für das spanische „Cayo", das Felseninsel, Riff. Bank 
bedeutet. 



Digitized by Google 



24 



I. Begrenzung und Umriss. 



und einige Klippen- Dieses die bereits oben erwähnte Gruppe der 
Haro-Inseln in der Strasse San Juan de Fuca und südlich von 
ihr im Admiralty Inlet gelegene Fjordinseln. 

Vorgebirge und Buchten, indem sie vorwiegend die 
leichteren Aussprünge und Einschnitte bezeichnen, sind am meisten 
geeignet, die kleineren, praktisch aber darum nicht weniger wichtigen 
Gliederungen eines Landes auszudrücken. Es entspricht dem oben 
angedeuteten Detailcharakter der Küsten-Gliederung der Vereinigten 
Staaten, wenn eine grosse Anzahl von Buchten und bedeutenderen 
Landvorsprüngen an derselben unterschieden werden und wenn in 
Folge dieser mannigfaltigen Einzelgliederung diese Küste zu den 
hafenreichsten gehört. 

Die bemerkenswertheren Vorgebirge sind: 

An der atlantischen Küste: 

C. Ann 42° 38' N. B., 
C. Cod 42° 2', 
C. Henlopen 38° 47', 
C. May 38° 37', 
C. Charles 37° 12', 
C. Henay 36° 5<3', 
C. Hatteras 35° 14', 
C. Lookout 34° 25', 
C. Flor 33° 50', 
C. Canaveral 28° 16', 
C. Florida 25° 41', 
C. Sable 24° 58'. 

An der Golfküste: 

C. S. Blas 29° 36'. 

An der paeifischen Küste: 

C. Arguello 34° 25', 

C. Mendocino 40° 25', 

C. Orford 42° 51', 

C. Disappointment 46° 20', 

C. Flattery 48° 26'. 



Digitized by Google 



Massachusetts, 



L Begrenzung und Umriss. 

Die hauptsächlichsten Buchten sind: 

An der atlantischen Küste: 
Penobscpt-Bai (Maine), 
Massachusetts-B., 
C. Cod-B., 
Buzzard-B., 
Long Island-Sund (New- York), 
Delaware-B. (New-Jersey und Delaware), 
Chesapeake-B. (Maryland und Virginia), 
Albemarle-Sund, | __ _ 
Pamlico-Sund, I 

An der Golfküste: 
Tampa-B. ] 
Appalachee-B. \ Florida, 
Pensacola-B. I 
Mobile-B. (Alabama), 
Atchafalaya-B. (Louisiana), 
Galveston-B., \ 

Texas, 



Matagorda-B. 

An der pacifischen Küste: 
San Diego-B., 



Californien, 



Monterey-B., 

San Francisco-B., 

Trinidad-B., 

Gray's Harbour (Oregon), 

Puget-Sund (Washington Territory). 
Einige von diesen Buchten, wie Pennobscot-Bay, Long Island 
Sund. Delaware-Bai, Galveston-Bai sind gleichzeitig die Mündungen 
bedeutenderer Flüsse. Von buchten artig einschneidenden Fluss- 
mündungen sind ihnen anzureihen die Mündungen folgender 
Flüsse: Kennebec, Potomac, Jaines, Neuse, Capefear, 
P e d e e , Cooper, Sa van nah, St. John, Pease-Creek, 
Chocktawhat schee, Escambio, Pearl, S. Antonio und 
Guadalupe, Nueces. Colorado, Columbia. 

Unabhängig von diesen gliedernden Ein- und Aussprtingen 
verlaufen die Linien, die den ümriss des Landes im 



Digitized by Google 



26 



I. Begrenzung uud l/mriss. 



Grossen bestimmen. Auch sie sind nicht ohne Bedeutung für 
den allgemeinen Naturcharakter und für die Culturstelluug des 
Landes. Hier ist zunächst das eigenthümKch stufenförmige Zurück- 
fallen der atlantischen Küste nach Südwesten hin hervorzuheben. 
Die ganze Ostküste von Nordamerika nimmt an demselben Theil. 
Nehmen wir Grönland., das fast unbewobnte, aus, so ist Gap 
Race auf Neufundland der Europa am nächsten gelegene Punkt 
Amerikas und wir sehen von hier die Küstenlinie gleichsam in 
drei grossen Stufen südwestwärts zurückfallen. Stufen, die durch 
Cap Breton in Neuschottland, Cap Cod an der neuengländischen 
Küste. Cap Hatteras an der von Nord-Carolina bezeichnet sind; 
südlich von Ca]) Hatteras schneidet das Meer in flachem Bogen in 
das Land ein, aber Florida, die Halbinsel, mit der es sich wieder 
gegen Osten ausbiegt, bleibt weit hinter der nördlichen Küste zurück. 

Diese Anordnung wirkt in klimatischer Beziehung mildernd auf 
das Küstenklima, indem sie so ausgedehnte Strecken der Küste den 
Südwinden darbietet. Sie ist aber besonders wichtig für den Verkehr 
mit Europa und es wird z. B. leicht begreiflich, wenn man dieselbe 
betrachtet, wie alle unmittelbar von Europa ausgehenden Versuche 
zur Entdeckung Nordamerikas den Continent immer zuerst bei jenen 
nördlichen Vorsprüugen, vor Allem bei Neufundland. Labrador. 
Neuschottland, auffanden, zumal der Weg von Europa nach Amerika, 
welcher etwas über die direkte Verbindungslinie nach Norden hin- 
ausgeht, auch aus Gründen der Wind- und Strömungsverhältnisse 
sicherer und kürzer ist als jene Linie. 

Die scharfe Scheidung der ostatlantischen von der südatlan- 
tischen oder Golfküste, welche beide fast rechtwinklig aufeinander 
treffen und dazu noch durch die gerad am Winkel des Zusammen- 
treffens vorspringende Halbinsel Florida auseinander gehalten sind, 
ist ein weiterer bedeutsamer Zug in den allgemeinen Uinriss- und 
Lageverhältnissen. Diese scharfe Ecke bei Florida wird eine That- 
sache von tellurischer Bedeutung durch die Wirkung, die sie auf 
den Warmwasserstrom des mexikanischen Meerbusens ausübt, der 
erst durch die Zusammendrängung, die er in der Floridastrasse 
erleidet, zu dem Fluss im Meere wird, als welcher er erscheint, 
nachdem er diese Ecke passirt hat. Dass jenseits derselben die 



Digitized by Google 



L Begrenzung und Umriss. 



27 



atlantische Küste so entschieden gegen Süden gekehrt ist, erscheint 
gleichfalls als Ursache weitreichender klimatischer Wirkungen. Der 
Soinniernionsun , der dem ganzen Süden der Ver. St. seinen eigen- 
tümlichen Klimacharakter aufprägt, die tief ins Innere dringenden 
Südwinde, das Mass von Feuchtigkeit, welches von liier nach Norden 
getragen wird, sind hervorragende Thatsachen, welche niithedingt 
sind durch die Richtung der nordamerikanischen Golfküste. Nicht 
ehenso viel Wichtigkeit ist wohl der eigentümlich regelmässigen 
Auswöllmng zuzuschreiben, durch welche die Küstenlinie der Ver. 
St. am Stillen Meere ausgezeichnet ist; aber es scheint zweifellos, 
dass das Klima Californien s mitbestimmt wird durch das Zurück- 
treten seiner Küste von der Berührung mit dem kalten Strom, der 
von Norden an der Küste herabkommt und die Gegend von Sau 
Francisco noch eben anläuft. Auch ist es für die Metropole dieses 
Gebietes, San Francisco, nicht ohne Wichtigkeit, dass es durch seine 
L;ige so nahe dem Scbeitel dieser Vorwölbung um volle (i Längen- 
grade weiter in das Meer hiuausgerückt ist als die südealifornischeu 
Plätze auf der einen und die am Puget-Sund und in Nord-Oregon 
gelegenen auf der anderen Seite. 



Digitized by Google 



I 



IL Geologischer Bau. 

Anhang: Geologische Entwickeluiig des Contineutes. 

Der geologische Bau des Bodens der Vereinigten 
Staaten ist seinen allgemeinsten Zügen nach aus unserem geo- 
logischen Kärtchen zu erkennen, das nach der dritten Ausgabe der 
Hitchcock-Blake'schen Karte verkleinert ist, (Tafel I). Schon ein 
vergleichender Uebcrblick über die Flächenausbreitung der geo- 
logischen Formationen oder Formationcncomplexe , welche durch 
verschiedene Farben von einander getrennt sind, zeigt einige That- 
sachen von allgemeinem Werthe, die man als charakteristisch bezeichnen 
kann für die Geologie des Gebietes, das wir liier betrachten. Die 
auffallend starke Entwickelung der Formationen, die man als die 
paläozoischen oder paläolithisehen zusammenzufassen pflegt (silurische, 
devonische und Kohlenformation) bestimmt wesentlich den geologischen 
Bau der östlichen Hälfte der Vereinigten Stauten. Eine so zusammen- 
hängende Masse paläozoischer Schichten ist uns auf europäischem 
Boden nicht bekannt. In zweiter Reihe steht hinsichtlich der 
Flächenausbreitung die Tertiärformation, in dritter das. was die 
amerikanischen Geologen als Eozoic zusammenfassen und was nach 
der bei uns gebräuchlichen Benennungsweise als die Azoische oder 
Cigesteins-Formation zu bezeichnen ist, in vierter die Kreide. Am 
wenigsten verbreitet sind die triassischen und jurassischen Schichten, 
die Alluvialgebilde und die vulkanischen Gesteine. Der Leser versuche 
auf einer geologischen Karte von Europa ein Gebiet von annähernd 
gleicher Ausdehnung in Parallele zu setzen mit dem hier nieder- 
gelegten und er wird den grossen Unterschied auf den ersten Blick 
erkennen. Hier in Amerika eine vorwiegend massige, zusammen- 
hängende, dort in Europa im scharfen Gegensatz eine ebenso aus- 



Digitized by Google 



II. Geologischer Bau. 



geprägt zersplitterte und durcheinander geschobene Lagerung der 
Formationen. Aber allerdings ist dies nur derselbe Unterschied, 
den die Vergleichung der Unirisslinien und den nicht minder auch 
die Vergleichung der Oberflächengestalt hervortreten lässt. Wie 
Nordamerika geologisch massig, compakt gebaut ist, so sind auch 
seine Umrisse viel weniger mannigfaltig, viel ungegliederter und 
seine Oberflächenverhältnisse viel einfacher als die irgend eines 
gleich grossen Theiles von Europa. Offenbar haben wir in dieser 
dreifachen Uebereinstimmung Ursachen und Wirkungen vor uns: 
Die Ursachen in den geologischen Verhältnissen und deren Wirkungen 
in den Unirissformen und in der Oberflächengestalt. In geogra- 
phischer Beziehung sind es aber ohne Zweifel die gegenseitigen 
Lagerungsverhältnisse der Schichten, welche uns den geologischen 
Bau des Landes am interessantesten erscheinen lassen. Hier werden 
die Beziehungen zwischen geologischem Aufbau, Bodengestalt und 
Uniriss greifbar und in der Aneinanderreihung der aufeinander 
folgenden Formationen tritt uns die Bildungsgeschichte Nordamerika«, 
d. h. das allmähliche Hervor- und Zusammenwachsen des Continentes 
aus dem Meere mit einer Deutlichkeit entgegen, die oft überraschend 
Ist und eben auch wieder eine Folge der grossartigen Einfachheit 
ist, welche man als den Grundzug im geologischen Bau des ganzen 
nordamerikanischen Festlandes bezeichnen kann. 

Die ältesten Formationen, die der Urgesteine, nehmen 
drei Zonen zusammenhängenden Vorkommens ein, ausserhalb deren 
sie nur ganz zerstreut gefunden werden. Dem Ost- und Westrand 
des Landes ziehen sie in grossen Massen entlang und von Norden 
ragen sie über die Grenze vom atlantischen Meer bis in die Kegion 
der Mississippiquellen herein, während sie im Süden ganz fehlen 
und im Inneren nur in kleineren inselartigeu Massen vorkommen. 
Der östliche oder atlantische Zug der Urgesteine ist am breitesten 
entwickelt an seinem nördlichen und südlichen Ende und ist am 
schmälsten, ja fast unterbrochen in der Gegend von New-York. 
Wir werden sehen, dass ähnliche Verhältnisse beim Alleghanygebirg 
beobachtet werden, dessen breiteste Entwicklung an das Nord- und 
Südende, in die Abschnitte des Acadischen Gebirges und der Blue 
Ridge fallen und dessen Zusammenhang durch die breite Einscnkung. 



Digitized by Google 



30 



II. Geologischer Bau. 



in welcher Hudson und Mohawk fliessen, gerade hei New- York fast 
gänzlich unterbrochen ist. Ks fallt in der That diese Urgesteinszone 
des Ostens nicht hloss zusammen mit dem Gebirge der Alleghanies, 
sondern „sie bildet die Gebirgsregion der östlichen Staaten" (C. 
H. Hitchoock). Auch da, wo die Urgesteinsregion von Norden her 
über die Grenze hereinragt, sehen wir sie zusammenfallen mit den 
Landhöhm, welche die Wasserscheide bilden zwischen St. Lorenz- 
strom, Mississippi und Saskatschawan. Der Hauteur de Terres und 
dem Coteau des Prairies liegen Urgesteinsformationen zu Grunde 
und dieselben bilden zusammen mit dem Urgesteinszug des Alle- 
ghanysysteius gleichsam den erhöhten Rand des weiten Flachlandes, 
das von der östlichen Hälfte des Mississippi-Stromsystems, d. h. von 
Flüssen bewässert wird, die vorzüglich von diesem Rande nach 
Süden und Westen zusammenströmen. — Nach einem weiten Zwischen- 
räume, der mit Sedimentärschichten ausgefüllt und nur durch die 
Granitinseln der Black Hills im Norden und die neumexikanischen 
Berge im Süden unterbrochen ist, stossen wir, nach Westen gehend, 
auf eine dritte Urgesteinszone, deren Zusammenhang mit den Gebirgs- 
massen, die das westliche Dritttheil Nordamerikas bedecken, sofort in 
die Augen springt, Es sind vorwiegend Granite und Gneisse, die über- 
all als der Kern oder als das Gerüste der Cordüleren hervortreten und 
ganz besonders da nicht fehlen, wo diese Gebirge sich zu wirklichen 
Hochgebirgsgipfeln erheben. Zwei Hauptzüge treten besonders hervor : 
Einer am östlichen, der andere am westlichen Hand, jener entspricht 
dem Folsengebirge und seinen südlichen Ausläufern, dieser der 
californischen Sierra Nevada und dem Cascadengebirge, in das jene 
sich nach Norden hin fortsetzt. Zwischen beiden liegt ein wahrer 
Archipel von Gneiss- und Granitinseln, die aus der Decke von 
Tertiärschichten hervorstechen, welche den Grund des „Grone* 
BerJcens u bedecken. Sie entsprechen Höhenzügen, welche das Innere 
dieser gebirgsumschlossenen Hochebene in allen Richtungen und oft 
netzartig durchsetzen. 

Wenn man sieht, wie in den Rahmen dieser drei grossen Ur- 
gesteinszonen die Schichten der Sedimentärformationen wie in ein 
hochrandiges Becken eingelagert sind, kann man nicht umhin zu 
erkennen, dass auch aus geologischem Gesichtspunkt jene Ansicht 



Digitized by Google 



n. Geologischer Bau. 



31 



nicht unberechtigt erscheint, welche das ganze Gebiet der Ver. St. 
einem grossen nach Süden geöffnetem Thale vergleicht, dessen einen 
Rand das Alleghanysystein, den anderen die Cordilleren bilden und 
dessen Abschluss im Norden durch die Landhöhen gegeben ist, 
welche dort die grosse Wasserscheide bilden. Nur muss man an 
ein meererfülltes Thal dabei denken. In der That ist es be- 
merkenswert!), wie alle bedeutenderen Flüsse dieses grossen Gebietes 
ohne Ausnahme ihre Quellen und ihren Oberlauf in den drei Ur- 
gesteinszonen haben, und wie die meisten von ihnen dem Gebiete 
der Sedimentärformationen zuströmen, um sich dort zu dem grossen 
Stromgebiete des Mississippi zu vereinigen, welches das Grosse Tlial 
der inneren V er. St. erfüllt. 

Die massige Entwickelung der paläozoischen Formationen 
tritt uns weiter entgegen, wenn wir unseren Blick auf die Ver- 
breitung der Sedimentärformationen richten. Im Osten sind auf 
der Karte Silur- und Devonformation, im Westen mit beiden noch 
die Kohlenformation vereinigt, welche man daselbst noch nicht von 
den übrigen paläozoischen Formationen zu trennen vermochte. Die 
Dyas, soweit sie entwickelt ist, findet ihren Platz bei der Kohlen- 
formation, von der die amerikanischen Geologen sie bis jetzt nicht 
scharf getrennt haben. W T ir sehen also auf der Karte die paläo- 
zoischen Schichten im Osten durch zwei, im Westen durch eine 
Farbe dargestellt. Wie sie als grosse Beckenausfüllung den ganzen 
Winkel einnehmen, den die canadische Seenplatte mit dem Alle- 
ghanys bildet, wurde hervorgehoben. In drei Hauptmassen und 
einigen zerstreuten Fetzen ist im Osten die KohJenforniation mitten 
in die devonischen und silurischen Schichten eingebettet, aber die 
produktive Kohlenformation ist vorzüglich in den zwei östlichen Ein- 
lagerungen zu finden, von denen die eine sich dem Westrand der Alle- 
ghanies entlang, die andere zwischen Michigansee und Ohio erstreckt. 
Im Westen finden sich die paläozoischen Schichten vorzüglich ver- 
treten durch den unteren Theil der Kohlenformation (Carboniferous 
Limestone, Bergkalk), aber man hat bei Santa Fe und weiter süd- 
lich im Thal des Rio Grande auch die produktive Kohlenformation 
mit nicht unerheblichen Flötzen aufgeschlossen. Im Allgemeinen 
sind die paläozoischen Schichten am stärksten vertreten am Ostrand 



Digitized by Google 



32 II. Geologischer Bau. 

der Urgesteinszone, und im Inneren des Grossen Beekens. wo sie 
stellenweis massig auftreten, aber sie sind sehr gering entwickelt 
in der westlichen Hälfte des Gebirges und fehlen ganz im Cascaden- 
gebirge. Sie sind stellenweis so stark gehoben, dass sie (z. B. in 
den Bergen um den Grossen Salzsee) Gipfel von 4000 m. bilden, 
aber wo sie am verbreitetsten auftreten, nämlich am mittleren 
Colorado in Arizona, sind sie fast ungestört und bilden dort zusammen 
mit einigen jüngeren und älteren Schichten die sogenannten Colo- 
radoplateaus, in welche der Colorado und seine Zuflüsse die Ab- 
gründe ihrer Canons eingegraben haben. 

Von den Schichten, die man als mesozoische oder sekun- 
däre bezeichnet, sind die drei verschiedenen Hauptgruppen in sehr 
verschiedener Ausdehnung vertreten. Die triassischen und jurassischen 
nehmen nur an drei Punkten nennenswerthe Räume ein, nämlich 
im Südwesten (Nordtexas. Indianerterritorium, Südkansas), am Ost- 
rand der Felsengebirge und in der nördlichen Hälfte der Alleghanys. 
In geringerem Masse treten jurassische und wahrscheinlich auch 
triassische Schichten am Westabhang der Sierra Nevada hervor, wo 
sie in hohem Grade nietamorphosirt und zu den Hauptträgern der 
Metallführung dieser berühmten Gold- und Kupferregionen geworden 
sind. In den Alleghanys sind es vorwiegend Sandsteine, im Südwesten 
gypsreiche rothe Scliiefer, Mergel und Sandsteine, am Ostabhang 
der Felsengebirge Sandsteine und Mergel, durch welche sie ver- 
treten sind. 

Ungleich grossartiger ist die jüngste der sekundären Schichten- 
gruppen, die Kreide entwickelt. Der räumlichen Ausdehnung nach 
betrachtet, bedeckt sie nächst der Tertiärformation die weitesten 
Gebiete. Fast überall tritt sie mit dieser gemeinsam auf und zwar 
an ihrem inneren Bande, wie es in der Natur der Sache liegt. 
Sie trennt dadurch fast überall die Tertiärgebilde von den älteren 
Formationen. Am wenigsten massig ist sie im Osten entwickelt, 
wo sie am Ostrand der Alleghanies von Long Island bis Washington 
in einem schmalen Streifen zwischen Urgebirg und Tertiär einge- 
schaltet ist. Zahlreiche kleinere, inselartig aus den Tertiärschichten 
hervorragende Kreidebildungen stellen eine lockere Verbindung her 
zwischen diesem Kreidestreifen und einem zweiten mächtigeren Complex 



Digitized by Google 



II. Geologischer Bau. 



88 



derselben Formation, welcher um den Süd- und Südwestrand der 
Alleghanies sich breit herumbiegt und vom oberen Appalachicola 
bis zur Ohiomündung den Uebcrgang aus den alten Formationen 
des Ostens zu dem grossen Tertiärbecken des Unteren Mississippi 
bildet. Alle anderen bemerkenswerthen Kreidebildnngeo gehören 
dem Westen an und zerfallen in zwei grössere Massen, welche ge- 
sondert sind durch die grossen Gebirge des Westens. Oestlich von 
dieser Gebirgsschranke sehen wir die Kreide in mehreren breiten 
zusammenhängenden Bändern von Süd bis Nord das ganze Gebiet 
der Union durchziehen. Tertiärbildungen und gehobene Urgesteins- 
massen sind zwischen sie eingeschaltet, ohne ihren Zusammen- 
hang zu zerstören. Sie ist in besonders breiten Massen im südwest- 
lichen Texas und in Neumexiko entwickelt, dann im Plateaugebiet 
des oberen Colorado, im unteren Missouri- und oberen Hed-Biver- 
gebiet, und endlich im Gebiet der oberen Zuflüsse des Missouri 
(Territ. Montana). Zusammen mit den Tertiärbildungen füllt über- 
haupt die Kreide fast das ganze Becken aus, das zwischen Cordilleren 
und Mississippi sich durch die Mitte der Union vom Golf von Mexiko 
bis zu den canadischen Seen erstreckt. In ähnlicher Lagerungsweise 
kehrt dann auch am Westrand des Continentes zwischen den Cor- 
dilleren und dem Stillen Meer die Kreide wieder, wo sie in Cali- 
fornien den grössten Antheil an der Bildung des Küstengebirges 
nimmt, das mit der Sierra Nevada zusammen ein altes Tertiärbecken 
einschliesst und wo sie am Puget-Sund in Verbindung mit Tertiär- 
schichten in einer starken Entwicklung auftritt, welche gegen 
Norden, gegen Britisch Columbia und Vancouvers -Island hin noch 
zunimmt. 

Die Tertiärformation findet ihre mächtigste zusammen- 
hängende Entwicklung in der Osthälfte des Continentes, wo sie 
nach aussen von den älteren Formationen in einem Gürtel von 
wechselnder aber zum Theil mächtiger Breite abgelagert ist, der 
vom Cap Cod in Massachusetts ziemlich gleichlaufend der Küsten- 
linie sich um den ganzen älteren Kern des Continentes bis zur Bio 
Grande-Mündung zieht. Tief in das Innere des Landes dringt dieser 
Tertiärgürtel im Mississippithal ein. wo er bis zur Ohio-Mündung 
hinaufreicht. Eine zweite Gruppe von Tertiärbildungen, welche 

Katxel, Amerika. I. fl 



Digitized by Google 



II. Geologischer Bau. 



gleichfalls grosse Strecken Landes bedeckt, ist die bereits erwähnte 
im oberen und mittleren Missourigebiet, welche rings von Kreide 
umschlossen die ganze Mitte der Plains einnimmt. Die Bergoase 
der Black Hills macht einen tiefen Einschnitt von Osten her in 
dieselbe, ohne indessen ihren Zusammenhang aufzuheben. Nach 
Westen hin steht sie gleich der Kreide mit einer weiteren, eben- 
falls sehr ausgedehnten Tertiärformation in Verbindung, welche aber 
nicht wie sie zusammenhängend, sondern von einem wahren Schwarme 
von insclartig hervorragenden Massen von Urgesteinen und Gesteinen 
paläozoischer Formation durchbrochen ist. Es ist dieTertiärforniation. 
die einen grossen Thcil der Hochebenen bedeckt, welche zwischen 
Felscngebirg und Sierra Nevada die Region der grossen inneren 
Becken bilden. Ihre vielfache Durchbrochenheit und Zerstücktheit, 
welche in Utah, Nevada, Arizona, Wyoming einen der charakte- 
ristischsten Züge in die geologische Karte von Nordamerika zeichnet, 
ist keine alleinstehende Thatsache, sondern wird ergänzt durch die 
sehr starke Abweichung, welche der geologische und paläontologische 
Charakter dieser Tertiärbildungen im Vergleich mit den östlicher 
und westlicher gelegenen aufweist. Im Tertiär des Ostens und meist 
auch der Plains haben wir ausgeprägte Mceresablagerungen, während 
wir hier vor Brack- und Süsswasserbildungen stehen, die unzweifelhaft 
in seichten, stark zurückweichenden Meeresarmen und Seen sich ab- 
setzten. Eine weitere grosse Tertiärablagerung, deren ursprünglichen 
Zusammenhang die spätere theilweisc Bedeckung mit vulkanischen 
Auswurfsgesteineu nicht verhüllen kann, füllt von Südcalifornien 
bis zum Puget -Sund den Zwischenraum aus, den Sierra Nevada 
und Cascadengebirge einer- und das Küstengebirge andererseits 
zwischen sich lassen. 

Die All U vialbil dangen sind auf der Karte nur im Osten 
scharf gesondert, wo sie überall nach aussen von der Tertiär- 
formation liegen. Die Bildung einer Halbinsel wie Florida durch 
Anhäufung moderner Schwemmgebilde ist der hervorragendste Zug 
im Gebiet des nordamerikanischen Alluvium. Es ist überhaupt eine 
der bemerkenswerthesten Thatsachen der vergleichenden Geologie 
und Geographie und wird als solche weiter zu besprechen sein. 
Die bedeutende Ausdehnung des Alluvialgebietes im Mississippithal, 



Digitized by Google 



II. Geologischer Bau. 



35 • 



sowohl nach Breite als Länge, ist eine weitere Thatsaehe, die Beach- 
tung verdient. Im Westen umgeben grossere und kleinere Alluvial- 
gebiete jeden Binnensee und Salzsumpf als die Produkte des allmäh- 
lichen Zurücktretens der stehenden Gewässer in dieser Ilegion. Sic 
sind wegen mangelnder Erforschung auf der Karte nur in wenigen 
Fällen vom Tertiär getrennt, in das sie allerdings oft ganz un- 
merklich übergehen. 

Vulkanische Gesteine sind auf denjenigen Theil des 
Gebietes der Vereinigten Staaten beschränkt, welcher westlich von 
103° W. L. gelegen ist. Oestlich von hier fehlen alle Spuren 
vulkanischer Thätigkeit — wir zählen natürlich nicht alle Erd- 
beben zu denselben — , nach Westen zu werden sie immer 
häufiger, bis wir in der Sierra Nevada und dem Cascadengebirgc 
die grosse Vulkanregion der Vereinigten Staaten betreten, deren 
Mächtigkeit die innere und ursprüngliche Aehnlichkeit der süd- und 
nordamerikanischen Cordilleren klar vor Augen bringt. Mächtige 
Vulkane, die von ausgedehnten Lavabetten, alten Gesteinsströmen 
umgeben werden, bilden einen der auszeichnenden und hervortretenden 
Züge in der Geologie des fernen Westens. Im Thal des Columbia- 
und Snake-R. ist ein Lavafeld 5 Längen- und 3 Breitengrade weit 
zu verfolgen. Ein grosser Theil des Cascadengebirges besteht aus 
übereinander gelagerten Lavabetten, die am Üurchbruch des Colum- 
bia-B. über 1000 m. mächtig auf horizontalen mittel- und spättertiären 
Schichten ruhen. Grosse Lavabetten und erloschene Vulkane sind 
auch auf der Hochebene zwischen Felsengcbirg und Sjerra nicht selten. 
Das berühmte Geysergebiet am Oberen Yellowstone, sowie, zahlreiche 
andere heisse Quellen sind Zeugen der einst so mächtigen und noch 
nicht ganz erloschenen vulkanischen Thätigkeit in diesem Gebiete. 

Die geologische Entwickelung Nordamerika^ 1 ). Die Zustande, 
welche in den verschiedenen geologischen Zeiträumen derjenige ^Theil der 

1) Es scheint, dass die geologischen Ereignisse auf der ganzen nördlichen 
Hemisphäre im Allgemeinen sich in Gang und Aufeinanderfolge niemals weit von 
dem Plane entfernten, den man für die Verhältnisse unseres kleinen europäischen 
Erdtheils nach dem Studium der Thatsuchen hat feststellen können. Aber darum 
ist jene unveränderte l'ebertragung des europäischen geologischen Kormations- 
gerüstes mit allen seinen Unter- und rntemnterabtheilungen und seinen will- 

3* 



Digitized by Google 



3« 



II. Geologischer Bau. 



Erde durchlief, der heute das Gebiet der Vereinigten Staaten darstellt, 
sind zu sehr abhängig von der allgemeinen geologischen Geschichte Nord- 
amerika^, als dass wir sie abgelöst von derselben betrachten könnten. 
Um so weniger ist diess möglich, als unsere Kenntnisse des geologischen 
Baues der Vereinigten Staaten noch zu wenig ins Einzelne gehen ; die all- 
gemeinen Gruudzüge aber, die wir von demselben kennen, sind meisten- 
theils gleichzeitig die Grundzüge der Geologie von Nordamerika. 

Den grössten Theil von Nordamerika bedecken geschichtete versteine- 
rungführende Gesteine der palüo - , meso- und känozoischen Formationen. 
Auf verhältnissmässig nicht sehr ausgedehnten Strecken fehlen dieselben 
unter Umstünden welche den Schluss erlauben, dass hier von jeher nicht 
die Bedingungen zur Ablagerung solcher Formationen gegeben waren, 
d. h. dass hier niemals eines der Meere stand, die zu verschiedenen Zeiten 
verschiedene Theile von Nordamerika bedeckten und ihre Niederschlüge 
über dieselben ausbreiteten. Diese Strecken azoischer Gesteine, 
um welche wie um einen Krystallisationskcrn die jüngeren Formationen 
sich anlagerten, bilden in den nördlichen Theileu von Nordamerika eine 
weite Zone, die vom atlantischen zum stillen Meere in einem grossen 
Bogen zieht, der nur mit seinem üusseren Scheitel in das Gebiet der 
Vereinigten Staaten hineinragt. Die östliche und südliche Hälfte der 
Halbinsel Labrador, Canada nördlich vom St. Lorenz und den Grossen 
Seen und das Hudsonsbai-Gebiet zwischen der Seenkette und den jüngeren 
Formationen längs der Hudsonsbai fallen in diesen Nuvleus des nmeri- 



kürlichen und lokalen Benennungen, wie sie diu älteren amerikanischen Geologen 
versuchten, noch nicht nothwendig und nicht einmal nützlich. Sehr wahr sagte 
Dana schon 1855 : „Jeder Continent hat seine eigenen Perioden und Epochen und 
die Geologen New -Yorks und der anderen Staaten waren weise genug, diese 
Thatsache anzuerkennen und an europäischen Fnterabtheilungen vorüberzugehen. 
Eür Kreide und Tertiär ist dieses Prinzip ebenso wahr wie für Silur oder Devon. 
CromweH's Diktatur machte Epoche in der englischen, nicht aber in der chine- 
sischen Geschichte. Wir müssen die Reste der Vorzeit genauer kennen, ehe wir 
sagen, dass irgend ein Naturereigniss in Amerika gleichzeitig gewesen sei mit 
einem ähnlichen in Europa. Die Einheit der geologischen Geschichte liegt im 
Fortschritt des Lebens und in den grossen physikalischen Ursachen der Ver- 
änderungen, nicht aber in der Aufeinanderfolge der Schichten" (J. D. Dana, 
Adress on American Geological History, Am. J. S. 1H5(>. II. 307). Diese Worte 
kann man immer unterschreiben und vor allem den letzten Satz. Selbst ein l'eber- 
mass in der Bildung neuer Schichten, Gruppen und Namen, das unser Gedächt- 
niss allzusehr zu belasten droht, ist Wünschenswerther als die Sucht, überall Europa 
wiederzufinden. Jene lässt immerhin die Thatsacheu gelten wie sie sind, diese thut 
ihnen Unrecht. Auch in der vergleichenden Zusammenstellung nordamerikanischer 
und europäischer Formationen (Tabellenauhaug, Tab. I) möchten wir daher nur 
eine lockere, verdeutlichende, nicht eine zwingende Parallelisining gegeben haben. 



Digitized by Google 



II. Geologischt-r Hau. 



:57 



Iranischen ContinetUes, wie ihn Dana nennt. Inselartige vereinzelte Stücke 
azoischen Gebietes liegen im nördlichen New-York, südlich vom Lake 
Superior, in den Ozark Mountains, den Black Hills o. a. 0. 
Es ist auch nicht unwahrscheinlich, dass Streifen azoischen Festlandes 
an der Stelle der heutigen Bergketten der Alleghanies und der Sierra 
schon über die Silurmeere hervorragten, aber wir kennen noch nicht 
genügend die Geologie dieser beiden grossen Gebirge, um diess mit Sicher- 
heit behaupten zu können. 

An diesen Kern legten sich im Süden die Niederschläge aus den 
Meeren der alteren Silurzeit in Schichten an , deren vorwiegend 
horizontale Lagerung eine Zeit der Ruhe für diesen Erdtheil andeutet. 
Die drei Gruppen, in welche die amerikanischen Geologen diese unteren 
silurischen Schichten eintheilen, entsprechen langsamen Niveauanderungen. 
Die unterste, die Potsdamgruppe (welche der europäischen Primordial- 
formation entspricht) ist offenbar in einem seichten, von Sandbänken durch- 
zogenen und unterbrochenen Meere abgelagert, das allmählich zu einem 
tieferen Meere wurde, in welchem die darauf folgende T renton gruppe 
mit Kalkst einchichten von continentalcr Erstreckung und die Hudson- 
gruppe mit abwechselnden Schiefern und Kalksteinen sich bildeten. 
Trappausbrüche fanden während der Ablagerung der Potsdamgruppe in 
dem Gebiet südlich vom Oberen See statt. Die Hebungen und Senkungen 
und die verschiedenen Ablagerungen dieser Zeit waren nicht lokal wie 
etwa die der Tertiärzeit, sondern von grossartiger Ausdehnung. Die 
Masse des Continentes wurde in diesen und den folgenden paläozoischen 
Zeiträumen gebildet. Eigentliche Oceane in unserem Sinn, tiefe, in 
weiter Ausdehnung ununterbrochene Meere gab es wohl nicht, aber 
ebensowenig wüssten wir von unzweifelhaften Süsswasserbildnngen zu 
berichten. Auch im Oberen Silur (Niagara-, Salin a- und Helder- 
berg-Gruppe) dauert dieser Zustand einer vorwiegend seichten, häutig 
wechselnden Meeresbedeckung und der Maugel der Süsswasserbildungcn 
fort. Man will Landpflanzen in Formationen dieses Zeitraumes gefunden 
haben, aber ihr wahrer Charakter ist noch zweifelhaft. Im Allgemeinen 
waren die Niveauändcrungen in der ganzen Silurzeit grösser und zahl- 
reicher am Ostrand des Silurbeckens, an den Alleghanies, als im Innern. 
Wir finden dort mächtigere Ablagerungen, in denen häufiger Wechsel von 
Sandstein und Schiefer die Kalksteine unterbricht, während im Innern, im 
Westen minder mächtige, aber einförmigere und viel weiter ausgebreitete 
Ablagerungen vorwiegend kalkiger Natur die Silurformatton charakterisiren. 

Dem Kern des Continentes wuchs in der De von zeit ein grosses 
Stück Festland im Süden und kleinere Stücke an allen anderen Seiten zu. 
Die Alleghanies und die Sierra waren zunächst nur durch landarme Insel- 
reihen und Riffe vertreten. Landpflanzen traten um die Zeit der mittleren 



Digitized by Google 



II. Geologischer Bau. 



Devonbililungen zuerst in grösseren Massen auf. In derselben Zeit er- 
scheinen die ersten Wirbclthicrreste, also bedeutend später als in Europa. 
Man theilt die Dcvonformation in Nordamerika in fünf Gruppen, welche 
die Namen Oriskany-, Corniferous-, Hamilton-, Chemung- und 
Catskillgruppe tragen und deren Gesteine vorwiegend aus Sandsteinen 
und Schiefern bestehen. 

Eine Periode ausgedehnter Kalksteinbildungen zeigt gegen das Ende der 
paläozoischen Zeit eine Senkung der bisher so vorwiegend seichten Meeres- 
böden an; es ist die Zeit der Berg- oder Kohlenkalkbildnng. 
welche von den amerikanischen Geologen als Subcarboniferous Period be- 
zeichnet wird. Die darauf folgende Zeit der eigentlichen Steinkohlen- 
format ion ist dagegen wieder eine Zeit der Hebung, welche mit der 
Ablagerung von Conglomeraten (Millstone grit) und Sandsteinen, jene vor- 
wiegend im Osten, diese im Westen und Süden begann. Wo heute Kohlen- 
Hötze aufgeschlossen werden, war damals Festland und diese-. Festland er- 
streckte sich weithin als einförmige Ebene und Sumpf, wo die Steinkohlen- 
pflanzen unter wesentlich gleichen Lebensbedingungen vegetirten. Während 
so im Osten neuerdings Land zuwuchs, bestand, nach Westen gedrängt, 
das subcarbonische Meer im Gebiet der heutigen Rocky Mts. fort und 
mochte in dieser Region mit dem Meere im Norden zusammenhängen. 
Im Westen allein ist es auch, dass Schichten abgelagert wurden, vor- 
wiegend Kalksteine, welche nach Alter und organischen Einschlüssen 
unserer europäischen Dyas- oder Perm formal ion entsprechen. Nord- 
amerika östlich des Mississippi war mit der Kohlenformation im Wesent- 
lichen fertig, es wuchs nur nach Süden und Südwesten in den folgenden 
Perioden noch erheblich weiter. 

In den älteren Formationen der Sekundärperiode fehlen in 
Nordamerika die scharfen Unterscheidungen, welche wir in «1er Trias und 
dem Jura vou Europa wahrnehmen. Iieide Formationen scheinen in Nord- 
amerika eine zusammenhängende Reihe von Ablagerungen zu bilden und 
sind vorzüglich ausgezeichnet durch eine grosse Armuth an Fossilresten. 
Man schreibt diess dem Umstand zu, dass die' älteren Sekundärformationcn 
des inneren Nordamerika in einem Binnenmeere zur Ablagerung ge- 
langten . das keine oder nur geringe Verbindung mit dem Meere hatte, 
und ähnlich arm an organischem Leben war wie der heutige Grosse Salzsee. 
Vielleicht war dieses Meer ein Rest desjenigen, aus dem in den vorher- 
gehenden Perioden der Bergkalk sich abgesetzt hatte. In der Juraperiode 
scheint eine etwas tiefere Senkung dieses Binnenmeer mit dem Occan ver- 
bunden -und es mit neuen organischen Formen bereichert zu haben. In 
noch höherem Grade scheinen Senkungen in der Kreideperiode statt- 
gefunden zu haben, wo ein Meer aus dem heutigen Golf von Mexiko 
mindestens bis in das obere Missourigebiet und (nach Ablagerungen der 



Digitized by Google 



II. Geologischer Bau 



39 



Kreideformation im Mackcnziegcbiet zu sehlicssen) sogar bis zum Eismeer 
reichte, so dass das heutige Nordamerika sich damals aus zwei ungleich 
grossen Theilen, einem östlichen und einem westlichen zusammensetzte. 
(Flg. 1.) Mississippi und Ohio bestanden bereits, aber dieser dürfte der 
grössere von beiden gewesen sein, da sein Qucllgebiet grösstenteils schon 
seine heutige Erhebung gewonnen hatte, während der Mississippi aus einem 
Hachen, der Bildung grosser Ströme wahrscheinlich ungünstigeren Gebiete 
kam. Kleinere Strecken wuchsen ausser an den Kandern des nordamerika- 
nischen Kreide- Mittelmeeres in dieser Periode am pacitischen und atlantischen 
Rand und am Südende der Alleghanies dem Continente zu. 




Piff, 1. I>»n Kreiiirmrrr Nordamerika'«. (Nach l>nn».| 
Mo, liebipt des Oberen Miftaouri. 



In der T e r t i ä r p criod e fügte sich dem Continent im Osten und 
Süden ein grosser Theil des Niederungsgebietes der atlantischen Küste 
und des Mississippithaies an, ferner im Westen diejenige Landmassc, 
welche die zwei Hälften zusammenkittete, in die der Continent noch zur 
Kreidezeit zerfallen war. Gleichzeitig füllt in diese Zeit die wichtigste 
Gebirgserhebung . nämlich die der Hochgebirgskette im Westen und des 
californischen Küstengebirges. Damit war das nordamerikanische Festland 
so ziemlich in der Ausdehnung fertig, wie wir es heute sehen. Die 
nordamerikanischen Tertiürgebilde bezeichnen im Allgemeinen den Ueber- 
gang von Meer zu Festland, der mit diesen Landhebungen verknüpft war 



Digitized by Google 



10 



II. Geologischer Bau. 



und bestehen desshalb häutig aus Brackwasser- und Süsswasserbilduugen 
Die Hebung, welche die atlantische Flachküste zwischen New -York und 
Florida in der Breite entstehen Hess, in der wir dieselbe heute sehen, 
fand im mioeünen Abschnitt der Tertiärperiode, die der Halbinsel Florida 
wahrscheinlich im i>liocänen und noch später statt. Durch die Hebungen 
im Westen fiel in diese Zeit auch der Anfang der Ausbildung der grossen 
nordwestamerikanischen Stromsysteme, besonders des Missouri und Colorado. 

In die posttertiärc Zeit fallen vorzüglich nur noch innere geolo- 
gische Veränderungen, deren letztes Ziel die Ausgleichung der Verschieden- 
heiten zu sein scheint, welche durch die Hebungen und Senkungen in den 
früheren Perioden entstanden sind. Mit Thal- und Seebildungen, Drift» 
und anderen Sehuttablagerungcn, Erosion und Herausbildung der Gebirgs- 
formen, Torf- und Korallenbildung erfüllt sich die geologische Thätigkeit 
dieser Zeit. Vulkanische Eruptionen treten ihnen in beschränkten Gebieten 
zur Seite. Nur an der Südost- und Südküste fährt eine nicht unbedeutende 
Landhebung fort, dem Continent neue Gebiete anzufügen, während minder 
merkliche Schwankungen, vorwiegend Senkungen, welche an der nördlichen 
atlantischen Küste bis nach Labrador hinauf vorkommen sollen, möglicher 
Weise an der Verschiebung des Contincntes in entgegengesetzter Richtung 
thätig sind'). 



1) Ueher diese und andere Veränderungen der Umrisse und Bodengestalt 
siehe den betreffenden Abschnitt am Ende des [liebsten Capitels. 



Digitized by Google 



Digitized by Google 



III. Oberfläcbengestattong. 

Ihre Gruudzüge. Der Tbalcharakter des südlichen Nordamerika. Einwände 
gegen denselben. Drei Thäler statt eines. Vertkeilung der Hoch- und Tiefländer. 
Mittlere Höhe. — Die Alleghauies. Allgemeine Gliederung. Der atlantische 
Küstenstrich. Die Acadische Gebirgsgrnppe. White und Green Mountains. Die 
Adirondacks. Die Alleghauies von Pennsylvanieq. Blue Ridge. Die Südallegkanies. 
Der Westabiall. — Das Gebirgsland des Westens. Die Cordilleren. Das 
Hochland und die Gebirgszüge. Das Felsengebirge. Die Sierra Nevada und das 
Cascadengebirge. Das californische Küstengebirge. Das Thal von Californien. 
Die Hochebenen der Cordilleren. Das Grosse Becken des Inneren. Die Wahsatch- 
kette und andere Gebirge der inneren Hochebenen. Die Gebirgszüge von Arizona 
und Neu-Mexiko. Texas. — Die Hochebene im Norden. Allgemeiner Bau 
von Britisch - Nordamerika. Der Strich um den 49. Breitegrad. Die Seenplatte. 
Hauteur des terres. Die Coteaux. Drift. — DaB Flachland des Inneren. 
Allgemeine Gestaltung. Abfall von den Alleghauies und dem Felsengebirg. 
Bergzüge. Das Tiefland. Mississippibecken. Florida. — Anhang I. I) er Meeres- 
boden an den Küsten I e i \ * reinigten Staate n Anhang II. Jüngere 
Veränderungen der Überflächengestalt 

Die Oberflächengestaltung des Gebietes der Ver- 
einigte n Staate n ist bestimmt durch die zwei grossen 
Gebirgsketten, welche dasselbe dem Stillen und dem 
Atlantischen Meere entlang durchziehen, und durch die 
vorwiegend flache Beschaffenheit des weiten Landes, 
welches zwischen diesen gelegen ist. Eine Senkung des nord- 
amerikanischen Continentes um 300 m. würde das Eismeer in der Linie 
der Grossen Seen in Verbindung setzen mit dem Golf von Mexiko 
und eine Senkung von nicht ganz 200 m. mehr würde das ganze 
Festland in zwei ungleiche, scharf voneinander geschiedene Hälften 
zerlegen. Den Kern der einen grösseren würden die Cordilleren 
bilden, den der kleineren die südlichen und mittleren Alleghauies, 
während der nördliche Thefl des AHeghanysysteras zu einigen kleinen 



Digitized by Google 



42 HI. Oborflächongestaltun*. 

Inselgruppen zusammenschwände. Die Scheidung würde eine noch 
viel entschiedenere sein, als sie zur Kreidezeit war, wo ein breiter 
Meeresarm längs des Ostrandes der Cordilleren sich von NW. nach 
SO. zog (Fig. 1. S. 39); denn vieles Land im N. und NO., das 
unter 400 m. liegt, war schon zur Kreidezeit trocken. 

Wenn mau den Blick nur auf die grossen Züge richtet, so ist 
es demnach unmöglich. im(iehiet der Vereinigten Staaten mehr als 
drei grosse Hegionen nach der Ohertlächengestaltung zu unterscheiden: 
Die Gebirgsmasse der Cordilleren im Westen, das Kettengebirg der 
Alleghanies im Osten und zwischen beiden das Flach- und Hügelland, 
welches sie verbindet. Vereinzelte Hügelzüge, wie sie Arkansas und 
Missouri durchziehen, verschwinden bei ihrer geringen Ausdehnung 
vor der Masse des Flachlandes, aus dem sie sich erheben. Man kann 
sich eine einfachere und dabei doch wirksamere Gliederung einer so 




Fi*. 2. Idoal*« rroSI quer durch di» Wroini^n Stulln Tora AtUnti*rh«.ii (Kl iura BtUtai 
Moere (W) ffalffi <J All.'i{h»nie». <■ Mi*.i*ippitlml. b frl^ngebirg. a Siorrm Nevada. 

grossen Landmasse nicht denken. Ks sind eigentlich die Element«- 
einer Thalbildung, welche hier vereinigt sind: Das Flachland 
die Thalsohle, die Gebirge rechts und links die Umrandung. Und 
in der That beruht ein grosser Theil der Bedeutung, welche diese 
Gliederung für das Land hat, darin, dass die zwei grossen Gebirgs- 
züge dem zwischen ihnen gelegenen Flachland gegenüber klimatisch 
und hydographiseh eine ähnliche Holle spielen, wie die umrandenden 
Gebirge gegenüber einer Thalsohle und nicht mit Unrecht hat man 
daher diese drei grossen orojjraphischen Kiemente des südlichen 
Nordamerika als die Wände und den Grund eines grossen Thal- 
beckens angesprochen. Der Mississippi, dessen weitverzweigtes Strom- 
system seine Quellen gleichzeitig in den Alleghanies und den Felsen- 
gebirgen hat, der Hauptstrom Nordamerika s, ist selbstverständlich 
der Strom, dem dieses grosse Thal angehört, der es bewässert und 
durchfliesst. 

Derartigen allgemeinen Vergleichen sollte indessen immer nur 
eine anleitende und anregende Bedeutung zugewiesen werden und 



Digitized by Google 



III. Obertlächengestaltung. 



43 



nie sollten sie die Grundlage sachlicher Betrachtungen bilden, 
nie zu leitenden Gedanken erhoben werden. Es sind doch immer 
nur Analogien und als solche mehr zur Findung, als zur Durch- 
bildung und Anwendung der Ideen tauglich. Der Vergleich Nord- 
amerikas mit einem grossen Thüle, der im Mund der Historiker 
und der weitblickenden von oben her betrachtenden Geister vortreff- 
lich klingt, weil er den unabsehbar weiten Schauplatz einer jugend- 
lichen Culturentwickelung mit Einem Worte in die Sehweite unseres 
geistigen Auges rückt 1 ), dieser Vergleich hat der rein geographi- 
schen Betrachtung eher geschadet, da er zu sehr in den Vordergrund 
geschoben, zu weit ausgesponnen wurde. Unversehens leitet eine 
solche angenehme Idee unsere Vorstellungen irre. Hinter dem 
Grossen Thal traten alle anderen Eigentümlichkeiten der Ober- 
flächengestalt dieses so mannigfaltig gearteten Gebietes zurück. Das 
konnte man sich im Osten noch gefallen lassen, wo der Küstenstreif 
zwischen Alleghanics und Atlantischem Ocean schmal genug ist, um 
in das OsUjehäiujc des Thaies zu verschwinden. Aber wie im 
Westen? Hier haben wir etwas mehr als eine Thaleinfassung 
vor uns. Dafür ist dieses Hochland, das ein volles Dritttheil des 
Gebietes der Vereinigten Staaten einnimmt, doch etwas zu ausge- 
dehnt. Es ist wahr, dass es nicht die glückliche Lage, die reiche 
Zukunft des Mississippibeckens hat, aber als orographische Erschei- 
nung steht es ebenbürtig neben ihm. Es umschliesst seinerseits 
selbst ein Becken von grossen Dimensionen (Fremonts Girat Basin), 



1) So z. ß. wenn A. de Tocqueville sagt: „ Dieses weite Gebiet bildet ein 
eiuziges Thal, dessen eüic Wand sich von den runden Kuppen der Alleghanies 
herabsenkt, während die andere zn den Gipfeln der Felsengebirge hinansteigt. 
Im Grund des Thaies rliesst ein gewaltiger Strom , in welchen von allen Seiten' 
die Müsse münden, die von diesen Gebirgen herkommen . . . Das Thal, welches 
der Mississippi bewässert, ist wie für ihn allein geschaffen, er theilt hier wie ein 
Gott des Alterthums Gut und t'ebel aus. In seiner Nähe entfaltet die Natur 
eine unerschöpfliche Fruchtbarkeit, aber je mehr man sich von seinen T'fern 
entfernt, uro so geringer wird die Kraft der Vegetation, der Boden wird arm 
und die wenigen Pflanzen haben ein schwächliches Wachsthum ... Im Ganzen 
ist das Mississippithal der grossartigste Wohnplatz, den Gott dem Menschen 
bereitet bat." Democratie en Amerique. I. 21. An vielen Stellen gebraucht 
Tocqueville den Ausdruck Thal in demselben einen halben Contineut umfassen- 
den Sinn. 



Digitized by Google 



«4 



III. Oberflächi'ngestaltung. 



drei der grössten StromBysteme des Continents, Columbia, Colorado 
und Kio Grande entspringen, fliessen und münden in seinen Grenzen, 
in seinen beiden Hochgebirgen beherbergt es die höchsten bis jetzt 
gemessenen Gipfel Nordamerikas, überhaupt die einzigen wahren 
Hochgebirge unseres Gebietes und eine zusammenhängende Hoch- 
landmasse von gleicher Höhe und Ausdehnung findet sich überhaupt 
nur in Asien wieder. Es würde bei der Bedeutung, welche dem- 
nach ohne Zweifel diesem westlichen Hochlanddrittel zukommt, 
jedenfalls besser den thatsächlichen Verhältnissen entsprechen, wenn 
man sich das Gebiet der Vereinigten Staaten unter dem Bilde 
zweier Thaler vorstellte, die durch drei Gebirge begrenzt wären : 
Das Mississippibecken zwischen Alleghanies und Felsengebirg und 
das Hochlandbecken des Westens zwischen Felsengebirg und Sierra 
Nevada. Sogar noch ein drittes Thalgebiet, das zwischen Sierra 
Nevada und Küstengebirg am Stillen Meer gelegene, könnte im 
äussersten Westen angegliedert werden, so dass nur der Atlantische 
Küstensaum ausserhalb des Rahmens dieser Gliederung in aneinander 
gereihte Thäler zu bleiben hätte. Doch genug der Vergleiche und 
Ueberblicke! Treten wir lieber an die Dinge selbst heran und 
sehen wir zu, ob sie nicht vielleicht werthvollere Gesetze an sich 
selbst ausprägen. 

0 rographisch er Gesammt Charakter. Mittlere Höhe. 
Die orographischen Verhältnisse des Gebietes der Vereinigten 
Staaten, wie Nordamerika^ überhaupt, sind bestimmt, wie be- 
reits hervorgehoben, durch die grossen Gebirge, welche den 
Continent durchziehen und die Ebenen, welche zwischen beiden 
eingelagert sind. Die Zusammendrängung der Gebirge in eine öst- 
liche und westliche Gruppe lässt einerseits den Ebenen freien Raum, 
sich zwischen ihnen weit auszubreiten, und schränkt andererseits die 
Mittelgebirge und Hügelländer in engere Grenzen ein als sie z. B. 
im grössten Tlieile von Europa finden. Ein Blick auf die Höhen- 
karte (Tafel II) lässt das Ueberwiegen der geringen und der starken 
Erhebungen gegenüber den mittleren klar hervortreten. Wir haben 
ausgedehnte Tiefländer an den östlichen und südlichen Küsten, im 
Gebiete des unteren und mittleren Mississippi, flache Erhebungen 
zwischen 500 und 1200 m. nehmen den grössten Theil des Nordens 



Digitized by Google 



III. Oberflächen#esultung. 



45 



und des Innern ein. nur geringe Theile des Gebietes östlich, von 
100° W. L. erheben sich über 1200 m. : es sind die Hauptketten 
des Alleghanygebirges. Aber westlich von dieser Linie sind es ge- 
rade diese Erhebungen, du? über 1200 und auf weite Erstreckungen 
sogar Über 1800 m. hinausgehenden, welche den Oberflächencha- 
rakter vorwiegend bestimmen. Südlich des 45. Breitegrads sind sie 
im Westen ebenso vorherrschend wie sie im Osten selten sind, und 
es wird der richtigste allgemeine Ausdruck für die Höhenverhältnisse 
des Gebietes der Ver. St. sein, zu sagen : Im Osten überwiegen 
Höhen unter, im Westen über 100O m . ; dort sind die hypso- 
metrischen Extreme nach der Tiefe, hier nach der Höhe zu gelegen. 
Vermittelnde Zonen, wo Höhen von 1000 — 1200 m., aber mehr 
in Ebenen, als in Gebirgsform vorwalten, sind in den Strich nörd- 
lich vom 45. Breitegrad und in der Hegion zwischen dem 100. Länge- 
grad und einer Linie vom Nordrand des Michigansee's bis zur 
Pecosmündung gegeben. Der Westen unseres Gebietes ist demnach 
höher als der Osten, der Norden höher als der Süden. In der 
Thatsache, dass als mittlere Höhe südöstlicher Staaten wie Floridas 
und Lousianas 18 bezw. 23 m. berechnet werden, während man 
westlichen wie Wyoming Territ. (2195 m.), Colorado (1982 m.), 
Arizona (1830 m.), das 9 und 10 fache an mittlerer Höhe zuspricht, 
prägt sich der grosse Unterschied und die weite Verbreitung ex- 
tremer Höhenverhältnisse im Gebiet der Ver. St. klar aus. 

Für die mittlere Höhe der Ver. St. liegt eine mit der 
nöthigen Gründlichkeit gearbeitete Bestimmung noch nicht vor. 
Eine solche ist auf dem gegenwärtigen Standpunkt der hypsometrischen 
Erforschung des fraglichen Gebietes auch noch gar nicht möglich. 
Es ist nur als eine Schätzung von annähernder Richtigkeit anzu- 
nehmen, was neuerdings .1. M. Toner als Mittclhöhe des Gebietes 
der Ver. St. berechnet hat. Er gibt 048 m. 1 ), während A. von 
Humboldt, allerdings vor mehr als dreissig Jahren, als unsere 
wissenschaftliche Kenntniss Nordamerika' s noch höchst mangelhaft 
war und hinsichtlich des Westens eine solche eigentlich gar 



1) J. M. Toner, Dictionary of clevations etc. in tbe IT. S., New- York 1874, 
angef. in G. M. 1874. 438. 



Digitized by Google 



46 



DL Oberflächengestaltung. 



nicht bestand, 228 m. für ganz Nordamerika angab 1 ). Da aber 
die grossen, seitdem gemachten Fortschritte vorwiegend in der 
Entdeckung und Aufnahme neuer Gebirgs- und Hochebenengebiete 
im Westen und Norden Nordamerika^ bestanden, während die 
Kenntniss der Höhenverhältnissc der nordamerikanischen Tiefländer 
so ziemlich auf dem Punkte stehen blieb, wo Humboldt sie kannte, 
so ist mit Sicherheit anzunehmen, dass die Humboldt'sche Zahl, die 
übrigens von den amerikanischen Autoritäten noch immer festge- 
halten wird (s. z. B. Dana, Elements of Geology Rev. Ed. S. 15), 
zu niedrig gegriffen ist und wahrscheinlich kommt die erstgenannte 
des amerikanischen Berechners der Wahrheit näher. 

Der natürlichen Gliederung des nordamerikanischen Continentes 
folgend, werden wir die Oberliächengestalt des Gebietes der Ver. 
St. in der Reihenfolge seiner hervortretenden Naturabschnitte be- 
trachten. Die Alleghanies. die uns mit ihrem bestimmenden 
Einfluss auf den Verlauf der atlantischen Küstenlinie im Osten 
zuerst entgegen treten , das G e b i r g s 1 a n d des Westens, das 
ähnlich nach der paeifischen Seite hin den Continent begrenzt, das 
Tafelland des Nordens mit seinen zahllosen Seen und den 
Quellen bedeutender Ströme, welches, wenn auch locker, jene ver- 
bindet, und das Mi ssissippi becken , das thalartig den weiten 
Raum zwischen ihnen ausfüllt: diese vier orographischen Haupt- 
züge unseres Gebietes werden gewissermassen die Rahmen bilden, 
in welche wir das Bild seiner Bodengestaltung einzuzeichnen ver- 
suchen. 

Die Alleghanies. Das langgestreckte Kettengebirge, welches 
die zwischen dem atlantischen Meere und dem Mississippithal gelegene 



1) Asie centrale 1843. I. 175. Humboldt berechnet dort die Oberfläche 
von der Panama -Landenge an bis zur Barrowstrasse auf <J07.000 []M., wovon 
er 328.000 den plaines et savannes presque continues des Inneren und des Nordens 
zuweist. 1520 m. nimmt er für die mittlere Höhe der Gebirgsmassen des Westens, 
7'30 für die der Alleghanies an. Die erstere Zahl ist sicher zu niedrig gegriffen 
und dass das Areal jener Hochländer nur auf 48,000 []M. veranschlagt wird, 
war nur auf Grund der Annahme möglich, dass die Gebirge des nordamerika- 
nischen Westens schmale Kettengebirge seien. Auch die nicht unbedeutende 
mittlere Erhebung der Tafelländer des Nordens und des Inneren ist niclit genügend 
in Rechnung gezogen. 



Digitized by Google 



III. Oberflachengestaltung. 47 

Osthälfte der Yer. St. fast in ihrer ganzen Länge von Südwest nach 
Nordost durchzieht, wird gewöhnlich Das Alleyhany-System oder auch 
kurzweg Die Alleyhanirs genannt. Die amerikanischen Geographen 
legen ihm wohl auch den etwas allgemeiner klingenden Namen Appa- 
lachiun Mountain- System hei. und heschränken den Begriff der 
Alleghanies auf eine besondere Kette, welche nur einen Theil dieses 
Gebirgssy steuis ausmacht. Aber der gebräuchlichere Ausdruck Allc- 
ghany- System, den wir anwenden, kann keine Missverständnisse hervor- 
rufen, da wir unter einem Gebirgssystem nie einen Theil eines 
Gebirges, sondern immer nur ein zusammenhängendes Ganze, eine 
natürliche Gruppe von Gebirgsgliedern verstehen. Die Alleghany 
Mts. sind nur ein Gehirgsglied. 

Von Gaspe an der Mündungsbucht des St. Lorenz bis zum Hand 
des Schwemmlandes, das den südlichen Theil des Staates Alabama 
bildet, erstreckt sich dieses Gebirgsystein in einer Länge von 2000 Kil. 
Seine Breite überschreitet nicht das Mass von ;KK> Kil. und ist im 
grössten Theile der Erstreckung auf durchschnittlich 2(KJ Kil. zu 
schätzen. Von einzelnen Beugungen abgesehen, welche das Gesammt- 
bild des Gcbirgsverlaufs als eine Wellenlinie erscheinen lassen, wird 
in der ganzen Erstreckung die Richtung Südwest und Nordost streng 
festgehalten. Dieser lange Gebirgszug besteht aus einer grösseren 
Anzahl von Gebirgsketten, die einen ausgeprägten Parallelismus 
zeigen, wie wir ihn in Europa wohl nur vom Juragebirge kennen 1 ), 
und die vorwiegend dem östlichen Theile der Erhebung angehören, 
und aus einer Hochebene, die dem westlichen und nordwestlichen 

1) Ciuynt hat zuerst die Aebnlichkeit hervorgehoben, welche im Bau der 
Alleghanies und des Juragebirges herrseht (On the Appalachian Mt.-Syst. lHtil. 10). 
In der That ist der ausgeprägte Parallelismus der Ketten beiden gemeinsam. 
Auch J. D. Whitney findet diesen Vergleich treffend. Ausser dem Parallelismus 
der Ketten hebt er auch die grosse Gleichförmigkeit in Verlauf und Hohe, welche 
sie auf weite Strecken bewahren, als eine Eigenschaft hervor, welche beiden 
Gebirgen gemein ist. Dagegen begründet aber allerdings das Vorhandensein 
zweier so sehr verschiedener l'arallelzonen, wie sie in den Ketten und den 
Plateauregiouen der Alleghanies auftreten, einen nicht zu übersehenden Unter- 
schied, denn die Alleghanies werden durch sie zu einem viel weniger einfachen 
(iebirgsbau als es der Jura ist. Immerhin sind aber die Alleghanies dem Jura 
vergleichbarer als die Cordillere es den Alpen ist. In Walker Stat. Atlas. 1876- 2. 



Digitized by Google 



48 



III. Oberrlächengestaltung. 



Theile angehört. Die Basis des ganzen Gebirges ist im Osten be- 
grenzt durch das Atlantische Meer, im Westen durch den Ohio, den 
Erie- und Ontariosee und den St. Lorenzstrom. 

Dass der Abfall des Gebirges gegen das Meer zu ein ziem- 
lieh gleichförmiger und unvermittelter ist, geht schon daraus hervor, 
dass die im Ganzen sehr einfache Küstenlinie des Atlantischen 
Meeres in derselben Richtung verläuft wie das Alleghany - System 
und dass sie in ihren Hauptumrissen den hervortretendsten Beu- 
gungen desselben folgt. In der That treten so wenig im Osten wie 
im Westen irgend hervorragende Glieder aus dem Gebirgssystem 
heraus. Indessen ist die Abfallebene, d. h. das Land, das vom Fuss 
des Gebirges sich zum Meere zieht, im Norden schmäler als im 
Süden. Ihre Breite beträgt durchschnittlich 90 Kil. in Neuengland, 
in der Breite von New -York verschwindet sie fast , aber gegen 
Süden verbreitert sie sich mählich, bis in Süd -Carolina sich 
330 Kil, Land zwischen Meer und Gebirg geschaltet haben. In 
derselben Richtung, wie die Breite, wächst auch die Höhe ihres 
Ansteigens. Die Gebirge erheben sich im Norden aus ihr bei 150, 
im Süden bei 300 m. Im Allgemeinen ist indessen der Fall vom 
Fuss des Gebirges bis zum Meer dennoch im Norden ein steilerer 
als im Süden 1 ); der Abfall nach Westen, nach dem Inneren des 
Continentes zu, ist dagegen durch die Einschaltung des Tafellandes 
ein viel langsamerer als nach Osten. Noch am Ohio ist dieses west- 
liche Tafelland über 300 m. hoch und das Bett dieses Flusses ist 



1) In New- York bildet der Atlantic Stope noch fast ebenso wenig wie in 
Nen-England einen besonderen Abschnitt der Oberrlächengestaltung, aber schon 
in I'ennsylvanien tritt er scharf geschieden zwischen Meer und Gebirg hervor. 
Er bildet hier wie in Delaware und Maryland eine wellige Ebene von grosser 
Fruchtbarkeit, die nicht bloss vom Meeresspiegel bis zum Fuss des Gebirges, 
sondern auch in der Richtung des Gebirges, also in südwestlicher Richtung an- 
steigt. Sie erhebt sich im Nordosten bis zu 45, im Südwesten bis zu 9Ü m. am 
Fuss des Gebirges uud dieses allmähliche Austeigen in südwestlicher Richtung 
setzt sich bis nach Südcarolina fort, wo bei gleichzeitiger Verbreiterung des 
Atlautic Slope die Erhebung desselben 300 m. erreicht. Breite und sanfte 
Landschaftsformen, Fruchtbarkeit, reiche Bewässerung zeichnen von hier bis 
hinab nach Georgia diesen natürlichen und hochwichtigen Abschnitt des atlan- 
tischen Nordamerika aus, S. Rogers, Geol. of Pennsylvania. I. 4. 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 



4!» 



stollenweis bis zu 1GO m. in dasselbe eingegraben. Aus demselben 
Grunde wird hier auch die Begrenzung unbestimmter. Was das 
südliche und nördliche Ende des Alleghany Systems betrifft, so werden 
wir dasselbe bei Betrachtung der einzelnen Glieder des Gebirges 
näher kennen zu lernen Gelegenheit haben. Zur Vervollständigung 
des Gesammtbildes hier nur soviel, dass nach Norden hin ein Ueber- 
gang in die aus Urgestein bestehenden Tafelländer von Untercanada 
und Labrador stattfindet, während nach Süden das Gebirge ganz 
allmählich sich erniedrigt, um endlich unter das Flachland gewisser- 
massen unterzutauchen, das den Rand des mexikanischen Meerbusens 
umgibt. 

Für die Höhen Verhältnisse des Alleghanysystems ist es 
bezeichnend, dass die falten- oder runzelartigen, parallelen Gebirgs- 
ketten, aus denen es so vorwiegend zusammengesetzt ist, auf weite 
Erstreckungen von derselben Höhe sind und dass die Kämme viel 
mehr hervortreten als die Gipfel. Kühne Erhebungen sucht man 
in diesem Gebirge vergebens; eine Gleichförmigkeit, welche nichts 
hochgebirgsartig Gewaltsames aufkommen lässt, beherrscht das ganze 
System '). Kein Theil des Gebirges überragt irgend einen anderen 
in her vorragender Weise. Die bedeutendsten Erhebungen sind in 
der südlichen Hälfte des Gebirges zusammengedrängt, wo einige 
wenige über 2000 m. aufragen — eine Höhe, die allerdings nur 
wenig die mittleren Gipfelhöhen der nördlichen und mittleren Theile 
übertrifft, 

Nur unklar, gewissermassen verwischt heben sich zwei longi- 
tudinale Erhebungszonen aus der grösseren Zahl der Parallelketten 
heraus. Die eine liegt nach der atlantischen Seite, der Seite der 
Gebirgsketten hin. die andere nach der westlichen, wo das Tafelland 
vorherrscht. Wenn wir daher das Gebirge von der atlantischen 
Seite her überschreiten, kommen wir über eine Ebene, die immer 
welliger wird, indem sie langsam zum Fuss des Gebirges ansteigt, 

1) Am auffallendsten ist diese Gleichförmigkeit in den mittleren 1 heilen 
des Gebirges, in den Staaten New- York. New-Jersey nnd Pennsylvania. Dort 
bietet es das Bild „langer, zusammenhängender Bergwände, deren blaue Kanten 
eine einförmige, selten von Gipfeln oder Klippen unterbrochene Linie an den 
Horizont zeichnen." Guyot, On the Appalacbian Mt. System. 1861. 10. 

Kiti«l. Amerika. I. 4 



Digitized by Google 



III. Oherfläcln-ngestakung. 



dann in ein Gebirge aus Parallelketten und Längsthälern und end- 
lich über eine Reihe von Tafelländern, die leicht nach Nordwesten 
zu geneigt und von tiefen Querthälern durchschnitten sind. 

Viel deutlicher tritt hingegen eine Einsen kung hervor, welche 
«las ganze System seiner Länge nach durchzieht, indessen nichts 
als ein natürliches Produkt dieser beiden Erhebungszonen ist. Es 
ist gleichsam der negative Ausdruck derselben und man hat es 
treffend als die Negative Axe des Systems bezeichnet. Es ist das 
Grosse Thal der Alleghanies l ), das im Norden vom Cham- 
plainsec und dem Hudson ausgefüllt ist, das in Pennsylvania dem 
Susquehanna. in Virginia dem Potomac, in Tennessee dem Tennessee 
zum breiten Thale dient. Es trägt in seiner Erstreckung verschiedene 
Namen. In Pennsylvania heisst es Cumberland Valley oder Kittatinny 
Valley, weiter südlich Virginia Valley, in Tennessee Valley of East 
Tennessee. Im Nordosten und in der Mitte des Systems ist es 
durchschnittlich nicht mehr als 30 Kil. breit, in Virginia ist es noch 
schmäler und breitet sich aber in Tennessee bis zu 90 Kil. Durch- 
messer aus. Die auffallende Continuität dieser langgestreckten 
Einsenkung, welche von keiner einzigen bedeutenden Bodenanschwel- 
lung unterbrochen wird, ist einer der bemerkenswerthesten Charakter- 
züge in der Urographie von Nordamerika. Für den Verkehr zwischen 
Nord und Süd und für die Aufschliessung der Bodenschätze der 
Alleghanies ist das Grosse Thal längst von hoher Bedeutung geworden. 
Wir werden noch öfters auf dasselbe zurückzukommen haben. 

Wenn auch die Gliederung des Alleghanysystems zurück- 
tritt hinter dem Zusammenhang und der Aehnlichkeit der einzelnen 
Theile, welche hervorragendere Züge desselben sind als die Zerföl- 
lung und die Verschiedenheiten, so sind doch gewisse natürliche 
Marksteine vorhanden, die eine Gliederung des Gebirges erleichtern, 
und gewisse innere Verhältnisse, welche dieselbe erheischen. Es 
sind zunächst bedeutende geologische Unterschiede wahrzunehmen. 
Eine nördliche Abtheilung ist geologisch bedeutend älter als die 

1) Von Rogers The Great Apjtalachian Valley, von Guyot The Central Valley 
genannt. Als orographischen Zug von bedeutender Grösse, scharfer Ausprägung 
und hervorragender wirthschaftlicher Bedeutung bezeichnet mau es in den Ost- 
Staaten auch einfach als The Great Valley of the Alleyha nies. 



Digitize<3 by Google 



III. OberHächeiigestÄltung. 



51 



Theile, welche südlich davon liegen. Sie inuss zur Zeit der Silur- 
und Devonformation gehoben worden sein, während der ganze Kest 
des Systems erst nach der Kohlenzeit auftauchte. Gleichzeitig ist 
dieser nördliche Theil vom südlichen getrennt durch eine Einsen- 
kung, welche eine scharfe Grenzlinie innerhalb des Gebirges bildet. 
Es ist die Einsenkung, in der der Mohawk und Hudson flicssen 
und diese Einsenkung erhebt sich nirgends über 43 in., so dass 
eine Erhöhung des Meeresniveaus um diesen Betrag den ganzen 
Nordosten der Ver. St. sammt einem guten Stück von Canada zur 
Insel machen würde. Auch in der allgemeinen Richtung der Höhen- 
züge unterscheidet sich diese nördliche Abtheilung von der süd- 
licheren Hauptmasse des Gebirgssystemes, indem sie weniger ausgeprägt 
südwestlich und nordöstlich ist. Sie neigt eher dazu, eine südnördliche 
zu werden. Endlich macht der in der Mitte des Systems so streng 
durchgeführte Parallelisinus hier einer unregelmässigeren Gliederung 
Platz, welche zu einem Zerfall des Gebirges in mehrere verschiedene 
Gruppen führt. Diese nördliche Abtheilung des Allcghanysystems 
wird im Norden vom Meer und im Süden vom Hudson begrenzt 
und lallt also vorzüglich in das Gebiet der Neuengland-Staaten. 
Man kann sie.desshalb als die Gebirgsgruppe von Neueng- 
land bezeichnen. — Südlich von der Mohawk-Hudson-Depression 
schliesst sich an sie die mittlere Abtheilung des Gebirges an, welche 
man im Süden durch den Kanawha Ii. begrenzt. Diese Abthei- 
lung bildet einen nach Westen convexen Bogen, der im Norden und 
Süden am schmälsten und in der Mitte am breitesten ist, so dass 
er eine halbmondförmige Gestalt annimmt. Diess ist der Theil des 
Alleghany systenis , welcher dessen charakteristische Eigenschaften 
am schärfsten ausprägt. Im Osten aus einer grösseren Zahl paralleler, 
gleichförmiger, massig hoher Ketten zusammengesetzt, im Westen zu 
einem sanft abfallenden Tafelland herabsteigend, zwischen beiden das 
Grosse Thal der Alleghanics einschliessend, ist es der eigentlich typische 
Abschnitt des Gebirges und es ist ein günstiger Zufall, dass es diese 
mittlere Gruppe ist, von welcher der Name für das ganze Alleghany- 
System hergenommen wurde. Man bezeichnet sie am besten einfach 
als die M i 1 1 1 e r e n A 1 1 e g h a n i es. — In der dritten und südlichsten 
Abtheilung, welche die Hegion zwischen New-Kiver und den letzten 

4* 



Digitized by Google 



52 



III. Ohcrriächeiiffestaltung. 



Ausläufern des Gebirges umfasst, begegnet man neben einer stärkeren 
Erhebung der Kämme und Gipfel einer grosseren Verschiedenheit 
des eigentlichen Gebirgsbaues. Die Richtung wird entschiedener 
südwestlich, die östliche Randkette hebt sich schärfer von den 
weiter westlich gelegenen Ketten hervor, als es in den Mittleren 
Alleghanits der Fall war, und indem ihre Gebirgsmassen sich ver- 
breitern und erhöhen, entsteht hier in den Südlichen Alle- 
ghanies die höchste und massigste, in jeder Hinsicht gebirgshafteste 
Region des Gebirges in den Gruppen der Iron-, Unaka- und 
Smoky-Mts. 

Die N o r d - A 1 1 e g h a n i es. Dieser Abschnitt des grossen 
Kettengebirgs zerfallt in drei Theile: 1) die Adirondacks zwischen 
Mohawk-Hudson, Champlainsee, St. Lorenz und Ontariosee; 2) die 
Neuengländische Gruppe östlich vom Mohawk-Hudson und 
Champlainsee; 8) deren Verlängerung, das Nordende des ganzen 
Systems, das vom Quellgebiet des Connectitut durch Canada und 
Neu braunschweig zieht : die A c ad i s c h e G r u p p e. 

Die beiden letzten Abschnitte, die Nördlichen A 1 1 e g h a n i e s 
(auch Acadischcs Gebirgssystem genannt) durchziehen das ganze Ge- 
biet, das nach Norden und Osten von der grossen Hudson-Champlain- 
Richelieu-Depression gelegen ist, aber sie durchziehen es nicht als 
eine gewissermassen fremdartige, aus der Tiefe emporgestiegene Ge- 
birgsmasse. sondern das ganze Land ist ein grosses Felsplateau, von 
welchem die verschiedenen Gebirgszüge nur die höher emporragenden 
Theile darstellen. Drift, d. h. Schwemmschutt von eiszeitlicher Her- 
kunft überlagert nur zerstreut und in dünnen Schichten viele Theile 
dieses Felsgebietes, an dessen Zusammensetzung Gneiss und Granit den 
grössten Antheil haben. Diese Urgesteinsunterlage mit ihrer dünnen 
und lückenhaften Driftdecke erinnert an schwedische und schottische 
Verhältnisse und man sieht diese geologische Aehnlichkeit in der 
Landschaft, der Bewässerung, den Bedingungen des Ackerbaus 
sich häufig wiederholen. Zahlreiche Hügel, einige Bergketten und 
zwei grössere Gebirgsmassen heben sich aus demselben hervor. 
Im Norden . im Staate Maine überwiegt gleichwie in den an- 
grenzenden Theilen von Canada entschieden der Charakter des 
Tafellandes. Kein eigentliches Gebirge, nur höhere Hügel be- 



Digitized by Go 



III. Oberflüchengestaltuug. 



53 



zeichnen dort den Oberflüchenchitnicter ; über die Felsentafel, deren 
mittlere Höhe zwischen 300 und 600 m. schwankt, steigt am höchsten 
an die Gruppe des Mt. Katahdin (1642 m.), die völlig in der 
Richtung der White Mts. gelegen, mit ihr durch eine Hügelkette 
verbunden ist. Nach Westen hin zieht fast parallel eine zweite Kette, 
die der Heights ofLaud, die einen solchen culminirenden Gipfel 
nicht besitzt, aber ähnlich wie die erste mit den erst weiter südlich 
zu grösserer Entfaltung gelangenden Bergketten zusammenhängt. 
Sie endigt im Süden fast gleichweit entfernt von den Hauptgipfeln 
der White und Green Mts., von denen sie wie eine gemeinsame 
Abzweigung nordostwärts ausstrahlt. Nennenswerth ist die bedeu- 
tendste Erhebung Mt. Gasford (1402 m.). — Der Tafellandcharakter 
wird auch nach Süden hin gewahrt, wo noch in Sicht des Meeres 
der Grand Sachem zu 514 m. ansteigt und gegen den Long Island- 
Sund das felsige Land nur ganz allmählich von seiner im Norden 
250—300 m. betragenden Mittelhöhe abfällt. Als ein weites Becken 
ist das Connecticut-Thal in dieses Tafelland gesenkt und beiderseits 
umranden es bedeutende Bergketten. Westlich vom Thale des Con- 
necticut, zwischen ihm und dem Thale des Hudson, zieht die Kette der 
Taconic oder Taghan ik Range (Mt. Everett 803 m.), parallel 
mit ihr die Hoosik Range, die zusammen mit jener als der süd- 
lichere Theil der Green Mts. betrachtet werden kann. Im Saddle Mt. 
(109H m.) treten beide zusammen und von hier zieht nun in ziemlich 
beständiger nördlicher Richtung die zusammenhängende Kette der 
Green Mts. bis an den Abfall in das St. Lorenzthal in der Nähe von 
Quebec. Moody Mt. kann als das Nordende dieser Kette bezeichnet 
werden. Mt. Mansfield (1350 m.) und Killington Peak (12H7 m.) sind 
ihre hervorragendsten Gipfel. Zu bedeutenderen Höhen steigt aber das 
System im Osten des Connecticutbeckens an. Dort bilden in New- 
Hampshire die White Mts. ein kleines Gebirgsmassiv mit einer 
grösseren Anzahl von über 1500 m , hohen Gipfeln. Mt. Wa- 
shington, der höchste von ihnen, der höchste Berg zugleich der 
Nord- und Mittel - Alleghanies , erreicht 1019 m. Zahlreiche 

1) Wie k< in irgendwie hervorragender Berg im Gebiet der Ver. St. zu 
finden ist, dessen Höhe nicht zu irgend einer Zeit uberschützt worden wäre, so 
ist auch Mt. Washington lauge Zeit weit höher geschätzt worden als er wirk- 



Digitized by Google 



M 



III. Oberflächengestaltung. 



kleinere Höhenzüge gehen von diesem kleinen Massiv aus oder erheben 
sich selbständig aus dem Felsenplateau. Ich nenne die Blue Hills 
bei Boston (180 m.), die Calcot Mts. und Chain Hills am 
Unteren Connecticut, jene am rechten, diese am linken Ufer, die 
einzeln aufstrebenden Bergrücken Sunapee (1413). Monadnock 
(1133), Wachusett (1U4). endlich das Felseneiland Mi Desert 
(488) an der Küste von Maine. 

Im Westen dieser neuengländischen Höhenzüge erhellt sich die 
Gruppe der Adirondack s im nördlichen Ncw-York als eine eigene, 
geographisch wohlgesonderte Gebirgsregion. in sich zusammenhängend 
und von der Umgebung fast inselartig durch die drei grossen Thäler 
der St. Lorenz, Champlain und Mohawk geschieden, nach denen sie 
ziemlich gleichmässig abfallt. Wiewohl diese Erhebungsmasse aus- 
geprägter in einer Richtung als in den andern, nämlich südlich uud 
nördlich, etwa von Little Falls im Mohawkthal bis zu Tremblcau Point 
am Lake Champlain zieht, bietet sie dennoch keine Erhebungsaxe, 
sondern, wie ihr allseitiger Abfall anzeigt, nur einen Culminationspunkt 
und stellt, geologisch betrachtet, die Wirkung einer einzigen grossen 
Hebung dar. Auch in den Bewässerungsverhältnissen prägt sich dieser 
centrale Aufbau aus, denn wir haben keine langgestreckte, firstartige 
Wasserscheide wie in anderen Theilen der Alleghanies, sondern die 
Gewässer fliessen nach allen Richtungen der Windrose ab. Auch 
scheint die liebende Kraft ihre ganze Energie auf eine bestimmte 
Region gerichtet zu haben, die zwischen St. Lorenz und Lake Cham- 
plain gelegen ist und an deren Grenze sie spurlos erlischt. In scharfem 
Gegensatz zu den neuengländischen Bergen, die sich allmählich in 
das canadische Hochland verlieren, hört diese newyorker Gebirgs- 
gruppe am St. Lorenzthal eben so plötzlich auf, wie sie unver- 
mittelt aus dem Mohawk- und Hudsonthale sich erhob. Man unter- 
scheidet in dieser Erhebungsmasse trotz ihres innigen inneren Zu- 



lich ist. Die erste Messung (1784) bestimmte ihn auf eher mehr denn weniger 
als 10,000 Fuss, eine zweite (1804) auf 7005, eine dritte (1814) auf 6225 Fuss 
oder 1898 m. Die zwei zuverlässigsten unter den neueren Messungen sind eine 
trigonometrische von Coast Survey ausgeführt, und eine barometrische von 
A. Guyot; jene gibt 1919, diese li*18 m. an. Die erstere Messung scheint die 
zuverlässigste von allen zu sein, die bisher augestellt wurden. 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 55 

sammenhanges verschiedene natürliche Abschnitte. Als Tongue 
Mts., auch Palmertown oder Polack Mts. bezeichnet man eiuen 
östlichen Zug, der von Saratoga bis Ticonderoga reicht, wo er 
auf der Landenge zwischen Champlain- und Georgesee endigt. Am 
Westrand des Georgesees zieht eine andere Gruppe hin, die als 
K ayadarossera Mts. bezeichnet wird und ihr Ende bei Crown 
Point und Port Henry am Champlainsee findet (Pharao's Mt.). Weiter 
nach Westen zieht eine dritte Gruppe, die bei Split Rock am Cham- 
plainsee endigt und als East Moriah Hange (DixY Peak) von 
der West Moriah Range unterschieden wird, welche ihr Nord- 
ende bei Willsborough am Champlainsee findet. Die Gebirgsgruppe, 
welche westlich von diesen von Little Falls bis Trembleau Point 
zieht, die längste und breiteste von allen, ist die Gruppe der 
Adirondacks im engeren Sinne 1 ), welche die höchsten Gipfel 
dieses Systems (Mt. Marcy oder Tahawu 1540 m.) umschliesst. Es 
ist diess gleichzeitig der am weitesten nach Westen hinausgerückte 
der Adirondack - Gebirgszüge , von dem ein Tafelland mit allmäh- 
licher Senkung gegen die Seenregion des St. Lorenzsystems, zunächst 
gegen den Ontariosee abfällt. 

Indem wir die Hudson-Depression überschreiten, betreten wir 
das Gebiet der Mittleren Alleghanies, wo sofort ein ganz 
anderer Typus von Gebirgsbau uns entgegentritt. In Neuengland 
war der Kettencharakter nicht zu verkennen, aber es war schwer 
die Grenze zu bestimmen, wo das Tafelland mit seinen zahllosen 
Einzclerhebungen aufhörte und wo die doch nicht ganz klar ausge- 
prägten Gebirgsketten anfingen. Es bedarf des in die Augen sprin- 
genden Parallel ismus im Laufe des Hudson und des Connecticut 
mit den begleitenden Gebirgen, die ihre Thalränder krönen, um 
den Parallelismus der Ketten herauszufinden. Anders hier: In 
Pennsylvanien und Virginia) kann das Alleghanygebirge, ungeachtet 
der grossen Einförmigkeit seiner allgemeinen Gestaltverhältnisse, 

1) Entgegen dem gewöhnlichen Sprachgebrauch beschränkt E. Emmerns 
(Geology of New- York. 1&42. II. 11) den Namen Adirondacks auf die höchste 
Partie dieses Abschnittes, eine Ghruppt vereinzelter Gipfel, zu denen der höchste 
Punkt der ganzen Erhebungsmassen gehört. Er tässt dagegen den ganzen 
Abschnitt zusammen als f'lintou Range. 



Digitized by Google 



f><> 



OL Oberflächengestaltung. 



vermöge seiner ausgezeichneten Längsgliederung in mehrere natür- 
liche Abschnitte zerlegt werden. Zunächst sind die South Mts. 
(auch First Belt, Erste Reihe genannt) abzusondern, welche den 
Abfall des Gebirges nach der atlantischen Ebene zu bilden; sie 
zerfallen in einen nördlichen und einen südlichen Zug. Der erstere 
häugt zusammen mit den Jersey Highlands und den New- 
York Highlands und liegt in der Richtung der Green Mts. von 
Vermont, der andere ist als ein Ausläufer der Blue Ridge von 
Virginien "zu betrachten. Beide Züge erheben sich zu durch- 
schnittlich nur 200 m. hohen Hügelketten über die atlantische 
Ebene und verdienen den Namen von Bergen nur wegen ihrer 
innigen Verbindung mit den mächtigeren Theilen des Alleghauy- 
systems. Ihr äusserer Eindruck ist indessen gebirgsartiger als man 
nach ihrer geringen Höhe erwarten sollte; denn sie erheben sich 
ziemlich unvermittelt und steil und oft sind ihre Höhen noch mit 
Besten des einstigen Urwaldkleides bedeckt. Das Kitatin ny- 
Thal ist der zweite natürliche Abschnitt der pennsylvanisehen 
Alleghanies ; südlich von den South Mts. , im Norden von der 
Kitatinny kette begrenzt, ist es nichts anderes als der nördliche 
Theil des Grossen Utahs, welches als eine langgestreckte Furche 
das ganze Alleghanysy stein durchzieht. In seiner nordsüdlichen 
Erstreckung steigt es von 50 m. im Norden bis 180 m. im Süden. 
Auch dieses allmähliche Ansteigen ist ein Theil der Massenerhebung, 
welche im ganzen System von Nordost gegen Südwest hin zunimmt, 
bis sie in Virginien 600 m. erreicht. Die Oberfläche des Thaies 
ist wellig und hügelig. In dritter Reihe folgt die eigentliche 
Gebirgskette der Alleghanies. lange, schmale Höhenzüge 
von sehr gleichförmiger Erhebung, die getrennt sind durch lauge 
und enge Parallelthäler. Bald ziehen diese Kämme ununter- 
brochen einige Meilen dahin, dann sind sie wieder in regelmässigen 
Zwischenräumen eingeschnitten. Oft vereinigen sich zwei Höhen- 
züge, nachdem sie eine längere Strecke parallel gelaufen sind, an 
beiden Enden und schliessen dadurch ein langclliptisches oder 
kahnförmiges Thal ein. Kleine Tafelländer von der Höhe der Kämme 
treten nicht selten mitten unter den letzteren auf und haben den 
Anschein, als ob sie durch Verschmelzung von mehreren derselben 



III. Obertlächeugestaltung. 



57 



entstanden wären Nach Nordost fällt diese Kette mit den 
Catskill und Helderberg Mts. (Round Top 1160) gegen den 
Hudson ab; im Südwesten, wu sie unter dem Namen Clinch 
Mts. erscheint, geht sie ohne Lücke in die Ketten der Südalle- 
ghanies über. Weiter nach Westen hinaus entsprechen die Laurel 
und Chestnut Mts. den südlicheren Cumberland Mts. Tennessee's 
und das Tafelland von Ohio den Plains von Kentucky und dem 
Westabfall Tennessee's in s Mississippithal. 

In den Süd- Alleghanies finden wir nach dem auffallenden 
Parallelismus der mittleren gewissermassen wie im Spiegelbild eine 
ähnliche Abweichung von dem regelmässigen Bau der Gesammtkette 
wieder wie an ihrem Nordende, eine ähnliche stärkere Erhebung, die 
auf dem Grund einer um 250 — 360 m. höheren Gebirgsbasis sich 
noch bedeutender von der allgemeinen Kammhöhe der Kette abhebt, 
ein ähnlich mächtigeres Hervortreten der laurentischen und huroni-. 
sehen Schiefer und Gueisse, welche zwar nirgends im ganzen Verlauf 
des Gebirges verschwinden, besonders breit aber am Süd- und 
Nordende, den gebirgigsten Theilen des ganzen Systems, hervortreten. 
Man kann den Anfang dieses Südabschnittes beim Quellgebiete des 
New R. (Kanawha) suchen. Die eigentliche Blue Ridge erfahrt hier 
eine leichte Beugung nach Südwesten, während ein ostwärts ab- 
zweigender Gebirgszug ihren Namen erhält und bei 1500— 1750 m. 
Höhe die Wasserscheide zwischen den Gewässern des Küstenstriches 
und denen des Golfes bildet. Su wie in den mittleren Alleghanies 
es die Blue Ridge, die östliche Kette war, welche von den im Innern 
des Gebirges entspringenden Gewässern durchbrochen wurde, so ist 

1) Prinz Max von Wied sagt vom ersten Anblick der östlichen Kette dieses 
Thriles der Alleghanies: „Sie zeigt keine charakteristisch gebildete Kuppen oder 
ausgezeichnete Formen, wesshalb ihr Totalanblick nichts Malerisches hat. Dießen 
Charakter, wenig ausgezeichnete Cmrisse zu haben, zeigen, mit Ausnahme einiger 
Gegenden, besonders der schönen Catskill Mts.. die meisten Landschaften von 
Nordamerika.- (Reisen in N.- Am. I. 70.) Aehnlich Michaux : „Das Gebirge 
bestellt nur aus hintereinanderltegenden Kämmen, deren Zwischenräume von einer 
Menge kleiner Hügel ausgefüllt sind. Wenn man sich auf den höchsten Gipfeln 
befindet, so gibt die Menge dieser Krhebungen, die mit demselben l'rwald be- 
deckt sind wie das Sachen Land, und wo man noch kaum eine menschliche 
Wohnung wahrnimmt, fast dasselbe Hild wie das Meer nach einem Sturme." 
Michaux, Voyage ä l'Ouest des Mts. Allegh. 1804. 40. 



Digitized by Google 



58 



III. ObfrflächciigcstaUung. 



es nun die westliche, die Kette der Unaka und Snioky Mts., welche 
durch ähnliche Durchbrechungen die Funktion der Wasserscheide 
verliert. Aber der Parallelismus, und der innere Zusammenhang 
der Gebirgsketten, der bisher so streng festgehalten war, geht hier 
überhaupt verloren. Die Ostkette ist aus zahlreichen Gebirgsbruch- 
stücken zusammengesetzt, die kaum zu einer zusammenhängenden 
und regelmässigen Kette verbunden sind. Ihre Richtung wechselt 
häufig und sie bildet zahlreiche Curven. Ebenso ist ihre Erhebung 
unregelmässig. Einige Gruppen von 1500 m. und mehr sind durch 
lange Depressionen unterbrochen, in denen sich Klüfte bis zu 
700 m., also nahezu zur Höhe der inneren Hochthäler vertiefen. Die 
westliche Kette hängt inniger zusammen, ist im Ganzen höher, regel- 
mässiger in Richtung und Erhebung und wächst sehr gleichförmig 
von 1500 bis nahezu 2000 m. Die Gebirgsbasis wächst bis 300 m. 
und das Niveau der Thäler, die zwischen den beiden Hauptketten 
eingeschlossen sind, beträgt (XX) bis 800 m. Ihre Breite nimmt 
nach Süden hin zu, beträgt erst 50, dann bis zu 80 Kil. Zahl- 
reiche querlaufende Gebirgszüge, Querriegel, sondern dieselben von 
einander ab und schaffen Becken . in deren jedem ein anderer 
Zutiuss des Tennessee seine Quellen und seinen Oberlauf hat. 
Der nördlichste von diesen Querriegeln wird südlich vom Quell- 
gebiet des New. -R. durch die Roan und Big Yellow Mts. 
gebildet; ein nordwestlicher Ausläufer der Black Mts., der bis 
zum Bald Mt. sich erstreckt, ist der nächste; dann folgen die 
Pisgah mit den New Found Mts., die Great Balsam Mts., 
die Cowee Mts., die Nantihala mit den Valley River Mts. 
Die Gruppe der Black Mts. (Black Dome, auch MitehelPs oder 
Clingmann's Peak 2045 in., Balsam Cone oder Mt. Gnyot 2034 m.), 
die die höchsten Gipfel des ganzen Systems umschliesst, gehört z. Th. 
diesen Querriegeln, z. Th. der Blue Ridge an. Nach Westen sind 
diese Thalbecken von den zwar nur locker zusammenhängenden, 
aber in ihrem allgemeinen südwestlichen und nordöstlichen Streichen 
vollkommen übereinstimmenden Ketten der Iron, Smoky und 
Unaka Mountains (Smoky Dome in den Smoky Mts. 2030 in.) 
abgeschlossen. Es folgt dann die Fortsetzung des Grossen Thaies, 
welches nach Süden zu an Höhe in der Weise abnimmt, dass es in 



Digitized by Google 



III. Oberflächcngestaltung. 



59 



Virginien noch bis zu 800 m. ansteigt, um iu Tennessee, wo es 
dafür sich bis nahe an 100 Kil. in die Breite ausdehnt, nicht über 
300 m. Meereshöhe sich zu erheben. Clinch und Cumberland 
Mountains, die bereits dem Abfall des Systems angehören, be- 
grenzen dieses Thal im Westen. 

Ein hervorragend ausgedehntes und wichtiges Glied des Alle- 
ghanysystems wird durch die Hochebenen gebildet, die nach Nord- 
westen und Westen von den eigentlichen Gebirgsketten abfallen. Im 
Norden sind dieselben topographisch wie geognostisch als Fortsetzung 
des Tafellandes zu betrachten, auf dem die neuengliindischen und 
acadischen Gebirgszüge sich erheben. Sie treten mit ihren Schiefern 
und mit der unteren Silurformation an den St. Lorenz heran, dessen 
Felsenbette sie am rechten Ufer von den Seen bis zum Meere bilden 
und an dessen unteren Laufe sie mit der Urgesteinszonc zusammen- 
hängen , die nordöstlich von den Grossen Seen sich in Britisch 
Amerika weit nach Westen erstreckt. Nach Westen findet wesent- 
lich dasselbe statt. Tm nördlichen New-York laufen die Gebirgszüge 
in ein ganz flachhügeliges, seenreiches Land aus, und ihr am weitesten 
nach Westen vorgeschobener Posten, Whitcface (ca. 1500 m.), 
hebt sich schon iuselartig aus dem flacheren Lande heraus, das sich 
gegen den L. Ontario hin nordwärts senkt und unmerklich in die 
Seenplatte, die niedrige Hochebene übergeht, auf der bei 71 m. 
dieser See gelegen ist. Weiterhin fällt das Gebiet des Staates 
Ohio ganz in diesen westlichen Abfall der Alleghanics und wird 
durch ihn zu einer Reihe von flachen Hochebenen, welche von einer 
leichten Erhöhung, die nicht über 200 m. über den Spiegel des 
Eriesees sich erhebt, wasserscheidend durchzogen werden. Südwärts 
nach dem Ohio zu haben dieselben einen laugen und leichten, .nach 
dem Eriesee. dessen Spiegel in 172 m. M. H. liegt, einen steileren 
Abfall. Die grösste absolute Höhe dieser ganzen Region scheint 
ein Punkt der Wasserscheide zwischen Scioto und Miami zu sein, 
der auf 470 m. angegeben wird 1 ). 

1) J. S. Newberry, Bericht über die Gcol. Aufn. von Ohio. 1873. I. 40. 
Nach Newberry's Untersuchungen wirft eine grosse Zahl von Gesteinsfalten, 
parallel den Faltungen der Allcghanies und wahrscheinlich gleichalterig und von 
dwu gleichen Ursachen bestimmt wie sie. die Oberfläche dieser Hochebene iu 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 



Mueueippi 




Im Süden ist der Westabfall im All- 
gemeinen orographisch nicht erheblich ver- 
schieden von dem im Norden. Die Ver- 
schiedenheit liegt auf der geologischen 
Seite, wo die Zusammenziehung der oberen 
Steinkohlenformation in ein schmales Band 
und ihre Ersetzung durch Kalksteingebilde 
devonischer und carbonischer Abstammung 
auch die Oberflächengestalt beeinflusst. 
Die Kalkplateaux der Kentucky Pia ins 
und Tennessee's gehören hierher. Das 
charakteristischste Bild der Verhältnisse, 
die zwischen Gebirg und Mississippi hier 
herrschen, bietet der Staat Tennessee, 
welcher als ein Streifen von 1 0 55 ' Breite 
sich von der Unakakette bis zum Missis- 
sippi hinab zieht. Die verschiedeneu Ab- 
schnitte, aus denen sich dieser verhältniss- 
mässig schmale Laudstreifen zusammen- 
gliedert, geben in ihrtjr Aneinanderreihung, 
wie sie hier in der Natur vorkommen, 
eine sehr gute Vorstellung von dem all- 
mählichen Abfall und der Gliederung der 
Alleghanies gegen Westen zu. Die Gliede- 
rung ist gerade hier eine so klare, dass 
man über ihre Elemente nicht im Zweifel 
sein kann. Selbst die naive, unmetho- 
dische, aber oft sehr treffende Geographie 



flache Wellen, deren synklimale Zwischenräume 
die Thäler der nordsüdlich strömenden Ohio- 
Zuflüsse bilden. Sie deuten wahrscheinlich die 
äussersten Welleukreise der hebenden Wirkung 
an, welchen die Alleghanies ihr Dasein verdanken. 
Vielfach sind sie durch die Driftablagerungen 
bedeckt und an und für sich zu wenig markirt. 
um als Faktoren der Oberflächengestaltuug be- 
deutend hervorzutreten. 



Digitized by Google 



III. Oberriäohengestaltung. 



61 



des Volkes, die allerdings in Nordamerika etwas reger betrieben 
wird als bei uns, selbst die populäre Anschauung hat die meisten 
dieser orographischen Glieder im Sprachgebrauch längst gesondert. 
Im Osten haben wir zunächst die Unakakette, eine südliche 
Fortsetzung der Smoky-Range, die ihrerseits als das südliche Glied 
der grossen Ostmauer der Alleghany - Gebirgsmasse aufzufassen ist. 
Wiewohl schon so nahe dem Punkte, wo drei Breitegrade weiter 
südlich die Alleghanies sich in der Tiefebene des Golflandes ver- 
lieren, ist die Unakakette, eine der massigsten Erhebungen, zu 
denen es dieses Gebirge bringt; doch stehen ihre Gipfel an Höhe 
um etwas Weniges hinter denen der Smoky-Range zurück. Am 
Westabhang dieser Kette, wo die Gebirgsnatur der Alleghanies 
sich kurz vor dem Abschluss noch einmal grossartig entfaltet, 
steigen wir in das Thal von Ost-Tennessee herab , das der 
Tennessee in seinem oberen Lauf in südwestlicher Richtung durch- 
strömt. Ein Blick auf die Karte lehrt, dass wir es hier mit 
einem Abschnitt der grossen Einsenkung zu thun haben, welche 
parallel mit den Höhenzügen der Alleghanies vom Susquehanna 
bis zum Alabama zieht. Es ist allerdings kein glattes Wiesenthal, 
denn zahllose Höhenzüge, die sich von der Unakakette herabsenken 
oder parallel mit derselben in der Fortsetzung der grossen West- 
kette in nordöstlich - südwestlicher Richtung das Thal durchziehen, 
erfüllen dasselbe und einige von ihnen, wie die Clinch Mountains, 
erheben sich wie eigene kleine Gebirge in dem Thal, dessen Sohle 
sie allerdings in keinem Falle um mehr denn 300 m. überragen. 
Ihrer Form nach fallen sie fast alle unter den Begriff Ridges, denn 
sie stellen sich immer nur als scharfe schmale Kämme ohne be- 
deutende Einsenkungen oder Gipfelbildungen dar. Eine Gruppe, 
welche unter den Namen Red Ktwl)S oder Red Hills geht, macht 
hiervon eine Ausnahme, da sie aus Sandsteinrücken besteht, die 
durch tiefe Einsenkungen von einander getrennt sind. Aber das 
Streichen dieser Erhebungen ist durchaus parallel dem der Alle- 
ghanies selber und es ist natürlich, dass auch die Gewässer die ent- 
sprechende Nordost- und Südwest-Richtung nehmen: Es folgt hieraus 
auch , dass in Tennessee das Wandern across the country eine 
schwere Aufgabe heisst, während nichts leichter ist, als up oder 



62 III. < »bertiachengestaltung. 

down von einem Ende bis zum anderen das Thal zu durchziehen 1 ). 
Das Tafelland des sogenannten Cumberland-Gebirges schliesst 
sich im Westen an Ost -Tennessee au. Auch ihm ist das Nordost- 
und Südwest-Streichen mit der Alleghanykette gemein. Es ist eine 
Sandsteinplatte von 100 — 120 Kil. Breite und durchschnittlich 60 m. 
Meereshöhe, welche auf einer Kalkunterlage ruht. Seine Oberfläche 
ist sanft gewellt, doch ohne jeden tieferen Einschnitt, so dass weder 
seine Ueberschreitung in querer Richtung noch seine Durchreisung in 
Nordost - Südwest - Richtung erhebliche Schwierigkeiten bietet. An 
Jiidyes, den schmalen scharfen Kämmen, die vorzüglich aus senkrecht 
aufragenden Sandsteinschichten bestehen, fehlt es auch hier nicht und 
ebensowenig an Hügelzügen, die das Tafelland streckenweise in ein 
Gebirge verwandeln. Der Ost-Abfall ist steil und an vielen Punkten 
durchaus unvermittelt mit dem Niveau des Thaies von Ost-Tennessee, 
während nach Westen hin das Tafelland nicht bloss durch zahl- 
reiche pfeilerartige Ausläufer, sondern auch durch eine weiter aus- 
greifende Bodenerhebung von den tiefer liegenden westlichen Theilen 
getrennt ist. Vom Tafelland der Cumberlandberge herabsteigend, 
bewegt man sich bis gegen das Thal des unteren Tennesseeflusses 
hin in einer durchschnittlichen Meereshöhe von .280 — 320 m. Dieses 
niedere Tafelland, die Highlands genannt, ist eine Kalksteinplatte, 
in welche aber ungefähr in der Mitte eine beckenartige Vertiefung 
eingesenkt ist. Jene besteht in ihrer ganzen Erstreckung aus Berg- 
kalk, während das Central Häsin, wie jene Vertiefung genannt 
wird, einen Grund von obersilurischen Gesteinen aufweist. Dieses 
Becken, 27 Meilen lang und 12 — 15 Meilen breit, liegt in einer 
mittleren Höhe von 130 — 160 m.; bei seinem fruchtbaren Boden, 
seiner centralen Lage und dem leichten Verkehr, den es gestattet, 
ist es der bevölkertste Theil des Staates, der Garten von Tennesscc. 
Nashville, die Haupthandelsstadt des Staates, liegt in seiner Mitte. 

1) In diesem Thal von Ost-Teuuessee, das eine der schönsten und frucht- 
barsten Gegenden von Nordamerika ist, kommt auch die Thalform der Cores, 
unter der der Amerikaner ein weites, rings von hohen Bergen umschlossenes 
Thal, einen Thalgrund versteht, vorzüglich zur Ausbildung. Zahlreiche Thal- 
gründe dieser Art liegen zwischen den Ausläufern der Fnaka- und der Cumber- 
landberge. 



Digitized by Google 

i 



III. Oberriäi'hengestaltung. 



63 



Die amerikanischen Geologen sind geneigt, diese Vertiefung als ein 
altes Seehecken aufzufassen. Jedenfalls lässt sein geologischer Bau 
keinen Zweifel darüber, dass es durch Erosion der Bergkalksehichten 
entstand, welche ursprünglich die ganze Oberfläche der Highlands bis 
zum unteren Teanessee-Thal ohne Unterbrechung bedeckten. Geht 
man, immer in der Richtung der Längserstreckung des Staates, von 
diesem Centraibecken aus weiter gegen Westen, so überschreitet 
man neuerdings die Highlands, da dieselben ja das Becken von allen 
Seiten umfassen. Sie sind hier -indessen schon bedeutend niedriger 
geworden als in der östlichen Hälfte und ihre mittlere Meereshöhe 
beträgt nur noch 200 m. Von ihnen steigt man neuerdings in 
eine tiefergelegene Region hinab, in das Thal von West- Tennesset'. 
Der Tennessee, durch die Cumberlandberge von seinem südöstlichen 
Laufe abgelenkt, den wir ihn im Thal von Ost-Tennessee verfolgen 
sahen, umfliesst das Tafelland der Highlands im Süden und dann im 
Westen, wo er in ziemlich rein nördlicher Richtung zum Ohio 
hinabgeht. Es ist dieses von Süden nach Norden gerichtete Thal, 
in welches wir hinabsteigen, indem wir von den Highlands nach 
Westen gehen. Es ist ein schmaler Erosionscanal von nicht mehr 
als 16 Kil. mittlerer Weite, der in die Kalksteine der Highlands 
eingeschnitten ist. Seine beiden Ufer gehören sowohl den geo- 
graphischen als den orographischen Merkmalen nach entschieden 
dem Gebiete dieses Hochlandes an. Erst einige Meilen westlich von 
diesem Thal taucht der Bergkalk unter jüngere Formationen, die 
sich dann allmählich gegen das Tiefland des Mississippi zu senken. 
Sie bilden den Slopc oder Abhang von West-Tennessee. der indessen 
keinen sanften gleichmässigen Fall zeigt. Er wird in seinem öst- 
lichen Theile von einer Erhebung von 120 — 140 m. durchzogen, 
welche die Wasserscheide zwischen Ohio und Mississippi bildet, und 
lallt gegen die Fläche des Mississippithals mit jenen steilen, bastionen- 
artigen Hügeln ab, welche als die Bluffs einen so hervorragenden 
Zug in der landschaftlichen Physiognomie des Mississippithaies bilden. 
Zwischen jener Wasserscheide und diesem steilen Abfall senkt sich 
allerdings das Land mählieh gegen den Mississippi hinab, dessen 
Spiegel hier bei normal niederem Wasserstand 52 m. hoch liegt. 
Die Erhebung der Bluffs über dem Mississippi schwankt in der 



Digitized by Google 



64 



III. Oberflächengestaltung. 



Gegend von Memphis, die wir hier zunächst im Auge hahen, zwischen 
15 und 58 m. Die Mississippi-BottoMS, die Anschwemmungsehenen 
des grossen Stromes bilden das letzte Glied in der Kette der 
geologisch, orographisch und landschaftlich so sehr verschiedenen 
Formationen, welche wir vom Westkamm der Alleghanies bis hieher 
verfolgten. Ein grosser Theil der Bottoms steht regelmässig mehrere 
Monate unter Wasser, ein anderer ist von Altwassern, Seen und 
Sümpfen eingenommen, und nur der kleinste Theil ist angebaut. 
In der Gegend von Memphis, wo. ihr Gebiet auf einen schmäleren 
Streif zusammengedrängt ist, als weiter oben und unten, misst seine 
Breite GO, an der Nordgrenze Tennessee's 70 Kil. Wie im Osten 
die Bluffs, so bildet im Westen eine ähnliche Bildung, Crowley's 
Ridge, die Grenze dieses Thalbodens. 

Die Cordilleren 1 ) sind im Allgemeinen in der nördlichen Erd- 
theilhälfte Amerika's breiter entwickelt und reicher in ihrem Inneren 
gegliedert als in der südlichen, und sie erreichen das höchste Mass 
von Verbreiterung und Gliederung gerade in dem Gebiete der Ver- 
einigten Staaten. Nachdem sie in Mittelamerika und Mexiko sich 
weit von dem Charakter der südamerikanischen Hochgebirgskette. 

1) Ich behalte mit J. I). Whitney den spanischen Namen Las Cordilleras 
für die Gesammtheit der westlichen Gebirgserhebungen Nordamerika^ bei: „Da 
mit der Zeit der Name Andes ohne den Zusatz Cordillerus sich als Bezeichnung 
für alle Westgebirge Südamerika^ fest eingebürgert hat, so schlage ich vor, den 
letzteren ausschliesslich auf die nordamerikanischen Westgebirge anzuwenden . . . 
Es ist übrigens mehr Grund vorhanden, die Gebirgskette des nnrdamerikanischen 
Westens als Die CordiUeren zu bezeichnen, als es für die südamerikanische der 
Fall ist, denn die letztere, die viel einfacher in ihrem Aufbau, besteht ans 
einigen grossen Gebirgszügen und nicht aus einer grossen Anzahl kleinere (Cor- 
dilleras) wie jene." (Yosemite Guide Book 1870. 26.) Udingens wurde von 
den ersten Erforschern auch der Name Andes für das Felsengebirg angewandt, 
z. B. in James" Account of an Exped. to the Rocky Mts., 1823. I. 79. Die 
Nomenclatur der verschiedenen Abschnitte dieser Gebirgskette ist, um diess 
gleich hier zu bemerken, leider noch in einem sehr verwirrten Zustand. So 
gibt es für die Bezeichnung Kocky Mts., Kelseugebirge , ganz verschiedene Be- 
deutungen; denn einmal umfasst dieselbe bis zur Behringsstrasße hinauf die 
ganze Masse der östlichen Gebirgsgruppen der nordamerikanischen Cordiiieren. 
dann wieder bloss die Gruppen, welche in der Parkregion (nördliches Neu- 
Mexiko, Colorado, südliches Wyoming) sich erheben oder bei anderen in etwas 
weiterer Fassung den Ostrand der Cordillere, soweit diese nicht wieder zu einer 
einfachen Gebirgskette geworden ist. also bis etwa öf*° N. B., der Nordgrenze 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 



66 



der Anden, entfernt hatte, dort durch Ueberwiegen niedriger Tafel- 
länder mit nur zerstreut aufgesetzten Vulkanschloten ohne be- 
deutendere Gesammterhebung, hier durch ebenso entschiedenes Vor- 
wiegen gewaltiger Hochebenenbildungen über minder bedeutende 
Gebirgsketten, kehrt nun im eigentlichen Nordamerika die Gebirgs- 
iuasse des Westens wieder zu einem Typus zurück, der in Südamerika 
hautiger zur Ausprägung gelangt war und welcher bezeichnet ist 
durch die Einschliessung grosser Hochebenen zwischen hohen Ketten- 
gebirgen. Zwar erreichen dabei weder diese noch jene so grosse 
Erhebungen wie in Bolivia oder in Columbia und Ecuador, aber 
die Breitenausdehnung der Hochebene und die Zahl und reiche 
Gliederung ihrer Gebirge ist dafür viel grösser. 

Wir haben zunächst im südlichen Theile der Hochgebirgsregion 
unseres Gebietes einen Ausläufer der mexikanischen Hochebene, des 
Tafellandes von Neu- Spanien. Die Gebirge aber, die am Ost- und 
Westrand dieses Tafellandes und zum Theil auf seiner Oberfläche 
selbst lünziehen, setzen sich nicht über die Naturgrenze hinaus fort, 
welche im Nordwesten von dem Gila-Plateau und im Nordosten durch 
das breite Thal des Bio Grande gebildet wird. Wir begegnen dagegen 
nördlich von der Grenze der Ver. St. einem neuen Abschnitt der 
Cordilleren ; aber die ebeugenannte Einsenkung, welche zwischen Gila 
und Bio Grande die Gebirgsmassen Mexiko's von denen des eigent- 
lichen Nordamerika, des Rumpf)* dieses Continentes scheidet, und 
welche den auf dem mittelamerikanischen Landstreifen mehrfach 
vorkommenden Einscnkungen (Panama, Tehuantepec) entspricht, ist 
die letzte ihrer Art, denn nördlich von ihr zieht nun die Cordillerc 
mit unverändert hochgebirgshaftem Charakter durch die ganze 
Continentalhäfte bis über den Polarkreis hinaus. Sie zeigt auch 
hierin eine grössere Analogie mit den südamerikanischen Anden als 

ihrer starken Verbreiterung in den Hochländern des Westens der Ver. St 
lud welche Grenze soll man ihr gegen Westen zu ziehen? Wie und wo ist sie 
von den Wahsatch Mts. oder von der i'intah-Grnppc abzusondern? Wir werden 
die einzelnen Gebirgsgruppen so scharf wie möglich zu definiren suchen, aber 
wir werden uns dabei in keinem einzigen Kalle mit allen Autoritäten in l'eber- 
finstirnmung finden, denn gerade die Erforscher und besten Kenner jener 
Regionen weichen in ihrer Auffassung der einzelneu Gebirgsgruppen weit von 
einander ab. 

Ii »t 1,1. .Wrikn. l. Q 



Digitized by Google 



III. Obertiachengestaltung. 



mit den räumlich näher liegenden mittclamerikanischen und mexi- 
kanischen Gebirgsketten und diese Analogie, die über eine so weite 
Kluft weg sich erhält, ist einer der Gründe, die am überzeugendsten 
für den tieferen Zusammenhang der ganzen westlichen Gebirgs- 
massen, sowohl Süd-, als Mittel-, als Nordamerika s sprechen, einen 
Zusammenhang, von dem man übrigens nicht glauben sollte, dass 
er überhaupt angezweifelt werden könne *). 

Sehen wir einstweilen ab von den Kämmen und Gipfeln, deren 
allzu starke Betonung in einer so complicirt gebauten und vor- 
wiegend breitmassigen Hochgebirgsregion wie dieser nordamerika- 
nischen eher geeignet ist, den Einblick in das Gemeinsame der 
Erscheinungen zu erschweren, so finden wir, dass eine Hochebene von 
wechselnder, aber unter die Höhe von 12(JO m. nicht herabgehender 
Erhebung die gemeinsame Grundlage aller der anscheinend so ge- 
setzlos bald gehäuften, bald zerstreuten Gebirgszüge bildet. Dieses 

1) Man muss den Ausdruck, das die nordamerikanischen Cordilleren einen 
Theil des grossen westamerikanischen Erhebungssystems bilden, nicht mit der 
missverständlichen Behauptung verwechseln, dass sie eine Fortsetzung der süd- 
amerikanischen seien. Diese letztere hat Aulass zu vielen Debatten gegeben, die 
indessen angesichts der so klar vor Augen liegenden Thatsachen ganz unnütz sind. 
Der Zusammenhang im Rahmen des grossen Gebirgssystems der Cordilleren wird 
nicht aufgehoben durch Unterbrechungen der Continuitiit, wie sie an den Isthmen 
von Panama und Tehuantepec oder am unteren Colorado und Rio Grande ein- 
treten: auf der anderen Seite lassen es solche Unterbrechungen offenbar nicht 
zu, dass man von einer Fortsetzung, z. B. der Sierra Madre in die Felsengebirge 
rede. Die Glieder einer Kette setzen sich auch nicht in einander fort, aber 
sie bilden doch ein zusammenhangendes Ganze. So ist es mit diesen Gliedern 
der Cordilleren. Dieselben verdanken ihren Zusammenhang einer Kraft oder 
einer Summe vou Kräften, die alle in derselben Richtung wirkten, gerade wie 
die Kette ihren Zusammenhang einer Kraft dankt, welche die einzelnen Glieder 
im Hinblick auf ein gemeinsames Ziel mit einander verband. Die zerstreuten, 
aber unschwer in Eine Linie zu bringenden Hügel, die ein Maulwurf über ver- 
schiedenen Punkten eines Ganges aufwirft, bieten vielleicht ein noch treffenderes 
Bild dieses Zusammenhanges, der keine Fortsetzung ist. Indessen 
liefert gerade dieser Streit über Zusammenhang oder Geschiedenheit der einzelnen 
<i nippen der Cordilleren einen Beweis für die Oberflächlichkeit der landläufigen 
Betrachtung der Hochgebirge, welche über den äusserlich allerdings mächtigeren 
Kämmen und Gipfeln die soviel massigeren Gesaiumterhebungen vergisst. Er- 
hebungen, welche zwar nur die Fundamente der Hochgebirge, aber als solche 
wichtiger als alle hochragenden Kämme und Gipfel sind. Wo sich die Basis 
fortsetxt, braucht man nach deui Verbleib der Sierren nicht zu fragen. 



Digitized by Google 



III. OberHächi'ngestaltung. 



nie fehlende Fundament einer so be- 
deutenden Hochebene ist die allge- 
meinste Eigenschaft der gesammten 
Erhebungsmasse, und man muss ihre Be- 
ständigkeit als einen auszeichnenden Charakterzug 
derselben hervorheben und diess um so mehr, als 
die Anhäufung der Kämme und Gipfel auf ge- 
wissen Punkten und nach gewissen Richtungen 
einen grossen Theil dieses Fundamentes frei lässt, 
wo dasselbe dann als wichtiger integrirender 
Theil des ganzen Gebirgssystenies nicht zu ver- 
kennen ist. 

Als zweite gesetzliche Erscheinung tritt die 
eben erwähnte Häufung der Kämme und 
Gipfel an gewissen Punkten und nach 
gewissen Richtungen hervor. Zwischen dem 
35. und 45. Breitegrad ist die Häufung der 
Kämme und Gipfel am West- und Ostrand 
der Erhebungsmasse so ausgeprägt, dass man 
gewöhnlich diese Region als ein breites Hoch- 
ebenenbecken bezeichnet, welches nur am Rande 
im Westen und Osten von Gebirgsketten ein- 
gefasst sei. Diess klingt indessen etwas zu 
schematisch. Man kann wohl die im Westen 
begrenzende Gebirgsmassse als eine Gebirgskette 
bezeichnen, aber im Osten tritt nie diejenige 
einfache Gruppirung der Gebirge hervor, welche 
eine solche Benennung rechtfertigen würde: die 
begrenzende Gebirgsmasse bildet doppelte und 
dreifache, parallele und convergirende, strahlen - 
förmig angeordnete, gitterförmig verbundene 
Ketten und nur ihre Zusammenhäufung am Ost- 
rand gibt einen Grund ab, diese alle unter ge- 
raeinsame Gesichtspunkte zu bringen. Südlich vom 
35. und nördlich vom 45. Breitegrad tritt aber 
selbst diese Häufung an beiden Rändern, hier 



68 * 



HI. Oberflächengestaltung. 



flogen die Annäherung und Verbindung der beiden Kamm- und Gipfel- 
systeme, die sieb jenseits des 50. Breitegrades zur einfacheren Nord- 
eordillere verschmelzen, dort gegen die allgemeine Verflachung der 
lieliefformen zurück, welche nun die an sich minder bedeutenden Er- 
hebungen der inneren Hochebene, des Brehna, zu grösserer Geltung 
kommen lassen und damit das Uebergewicht der Randgruppen 
aufbeben. 

Als dritte Thatsache von allgemeiner Gültigkeit ist zu nennen 
das Vorkommen der höchsten Gipfel nur in den eben 
bezeichneten westlichen und östlichen Randgebirgs- 
massen, und zwar in einer Zone von etwa 500 Kil. Breite, deren 
Mittellinie von Denver nach Monterey westsüdwestlich verläuft und 
in der Sierra Nevada die Mt. Whitney - Gruppe, dann die höchsten 
Theile der Wahsatch Mts. und in Colorado die Hochgipfcl der Sawatch- 
und Park-Gruppe berührt. 

Endlich ist es in vierter Linie bezeichnend für die Relief- 
verhältnisse des ganzen Gebirgsgebietes und erlangt damit die Be- 
deutung einer allgemeinen Eigenschaft desselben, dass von den Ge- 
wässern, die in diesen quellenreichen Regionen entspringen, sämmt- 
liche grössere Ströme ihre Quellen in zwei beschränkten 
Abschnitten der östlichen Randgruppe haben, und zwar 
Missouri, Yellowstone, N. Platte, Snake R. (Columbia) und Green R. 
(Colorado) in der Wind River- Gruppe, Arkansas, Rio Grande, 
Grand R. (Colorado), S. Platte (Missouri) in der Park Range. Dass 
die Erhebungsmasse von diesen östlichen Randgebirgen nach Osten, 
Nordosten, Nordwesten, Südwesten und Süden abfallt, wird aus der 
Richtung klar, die alle diese Ströme einschlagen. Auf die Bedeutung 
dieser merkwürdigen Concentration der Quellgebiete für die Ge- 
schichte dieses Erhebungssystems werden wir zurükkommen. Aber 
dass es von der grössten praktischen Bedeutung ist, wenn eine so 
hochgelegene, von Gebirgeu umrandete Region in dieser Weise von 
# Gebirgswassern durchflössen ist, die mögbebst lange Wege auf ihr 
einschlagen und sogar, wie Columbia und Colorado, ihre ganze 
Breite kreuzen, ehe sie das Gebirg verlassen, ist ein Schluss, der 
sich aufdrängt. Es liegt hierin e i n e B e g ü n s t i g u n g der ganzen 
westlichen Erheb ungsmasse, welche dieselbe in Klima und 



Digitized by Google 



III. OlK'rtlävheugestaltuqf. . Gl» 

Culturfühigkeit über alle anderen gebirgigen Hochebenen von gleicher 
Ausdehnung erhebt. Eine weitere allgemeine Eigenschaft dieser 
Erhebungsmasse ist damit gegeben, eine Eigenschaft, welche von 
weitreichenden Folgen für die natürliche Ökonomie eines halben 
Continentes ist. 

Abschnitte natürlicher Gliederung, welche sich aus den Cor- 
dilleren Nordamerika^ im Gebiet der Vereinigten Staaten hervor- 

■ 

heben, sind die Gebirge, welche ihren Ostrand bilden, gewöhnlich 
als Felscngebirg (Rocky Mountains) zusammengefasst ; die Ge- 
birge des Westrandes, welche sich in die zwei grossen Gruppen der 
S i er r a Nevada und des K ü s t c n g e b i r g e s vertheilcn ; die Hoch- 
ebene des Grossen Beckens, welche zwischen beiden gelegen 
ist; Gebirge, welche auf der Hochebene sich erheben, 
ohne deutliche Beziehungen zu den östlichen oder westlichen Band- 
gruppen kund zu geben; endlich die Gebirge Neu-Mexiko\s und 
Arizona' s, welche als die südlichen Vertreter der Ost- und West- 
gruppe und der Gebirge der Hochebenen erscheinen, ohne bei meist 
vereinzeltem Hervortauchen, bei unzusammenhängender Anordnung, 
bei allgemein geringerer Hohe sowohl der Gipfel als aucli der Basis, 
von der sie aufsteigen, eine nähere Zusammengehörigkeit mit den- 
selben klar erkennen zu lassen. 

I>as Felsengebirg, der Ostwall der ganzen Erhebungsmasse, 
zeigt einen Bau von bemerkenswerther Eigentümlichkeit. Es hat 
wenig von dem inneren Zusammenhang und der Gleichförmigkeit, 
welche die Westmauer, die Sierra, auszeichnet. Wir haben wohl 
eine Reihe zusammenhängender Gebirgszüge, selbst eigentliche Ge- 
birgsketten, aber häufig unterbrechen breite Depressionen dieselben 
und ihre Richtung erscheint bei näherer Betrachtung als eine sehr 
wechselnde, ebenso die Erhebung, welche stellenweise durch Zu- 
sammendrängung einer grossen Anzahl von Gipfeln eine sehr be- 
deutende wird, um dann wieder weite Strecken hin auf niedrigeren 
Stufen zu verharren. Es erscheint auf den ersten Blick schwer, 
eine tiefere Ordnung in diesem Gewirr von Gebirgsketten und Ge- 
birgsmasseu zu entdecken. Nur negative Eigenschaften treten scharf 
hervor, wie der Mangel einer durchgehenden Kammlinie, einer fest- 
gehaltenen Richtung des Streichens der einzelnen Gebirgsketten, eines 



Digitized by Google 



III. Oberflächcngestaltung. 



festen Zusammenhangs der Gebirgsglieder , der besonders bei den 
fast unverbunden hinausgeschobenen vereinzelten Gebirgsgruppen wie 
den Black Hills, Little Rocky Mts. u. a. auffällt. Gegen sie treten 
gewisse Verhältnisse des Aufbaues, die auf grössere Strecken hin 
festgehalten sind, zurück. Man kann z. B. für die südliche Hälfte 
des Felsengebirges von der Sierra Moro bis hinauf zu den Snow 
Mts. die Einschaltung von Querketten zwischen die Längsgebirge, 
und die merkwürdigen gebirgsum landeten Becken, welche dadurch 
entstehen, die Parks, als eine Eigentümlichkeit des Gebirges be- 
zeichnen, welche besonders im Vergleich mit der Sierra klar hervor- 
tritt. Aber diese Eigentümlichkeit reicht weder im Süden noch 
im Norden über die angegebenen Grenzen hinaus. Im nördlichen 
Theil, soweit derselbe dem Gebiet der Ver. Staaten angehört, treten 
im Gegensatz dazu parallele Längsketten als die ausschliesslichen 
Produkte der gebirgsbildenden Kraft hervor, und im Süden, wo 
übrigens die Erhebungen zu gering sind, um Gebirgsbecken von der 
Grossartigkeit der Colorado-Parks zu erzeugen, ist dieselbe Richtung 
wenigstens die weitaus vorwiegende. Für jene Querriegel fehlt nörd- 
lich wie südlich jede deutliche Vertretung. Aber auch die Längs- 
ketten sind immer nur auf kurze Entfernungen mit einander in Ver- 
bindung zu setzen. So ist z. B. der Zusammenhang der Laramie Range 
mit der Front Range klar; ob aber die Wind River -Gruppe der 
Park Range entspricht, ist schon zweifelhafter und wo das südliche 
Aequivalent der Bighorn Mts. liege, wird Niemand zu sagen wagen, 
wie sehr auch die auffallende Aehnlichkeit , die sie in Form und 
Lage mit der Laramie Range bieten, wenigstens den Versuch nahe 
zu legen scheint, sio mit dieser Nachbarkette zu vergleichen 



1) Scheint nicht das Vorkommen von ausgebogenen Gebirgsketten , wie es 
Laramie und Bighorn Range und in minderem Grade fast alle östlichen Rand- 
kütten von Santa Fe bis zur Nordgrenze sind, eine gesetzliche Erscheinung zu Bein? 
Es ist in der That merkwürdig, dass gerade in diesen östlichen Randketten die 
Ausbieguug nach Osten, und nur sie, so häutig sich wiederholt, während in allen 
übrigen Thailen des Gebirges gebogene Ketten selten und in solcher Aneinander- 
reihung nicht mehr vorkommen. Die Geologie, welche uns lehrt, dass krystal- 
linische Urgesteine so gut den gebogenen wie den geraden Ketten des Kelsen- 
gebirges zu Gründe liegen, lässt den ursächlichen Kern dieses eigentümlichen 
Verhältnisses ebenso wenig erkeunen wie die vergleichende Orograjihie. l/ebrigens 



Digitized by Google 



III. Obertiachengestaltung. 



71 



Was man als Eigentliches Fels eng ebirge bezeichnet, ist 
die Gebirgsmasse, welche das südliche Wyoming, West- Colorado 
und Ost -Utah grossentheils erfüllt, im Osten aus den Plains steil 
aufsteigt und im Westen etwas sanfter nach dem Tafelland des 
Grossen Beckens abfallt. Auf diesem Raum, zwischen dem 37. und 
41. Breite- und dem 104. und 108. Längegrad, erhebt sich die 
compakteste Hochgebirgsmasse , die das Gebiet der Ver. Staaten 
kennt. Man kann das Green R.-Thal als eine natürliche Scheide- 
linie innerhalb derselben annehmen, welche sie in ein westliches 
und östliches Gebiet trennt; es ist das letztere, welches die ge- 
birgigsten und höchsten Abschnitte und gleichzeitig die wildesten 
umschliesst 1 ). 

Ihre machtigste Entwickelung erfährt diese Gebirgsmasse in ihrer 
südlichen Hälfte, dort wo im Gebiete des Staates Colorado die 
Ouellgcbiete dreier grossen Stromsysteme, des Rio Grande, Colorado und 
Arkansas sich begegnen. Sie ist hier 280 — 300 Kil. breit. Hier erheben 
sich in einer Linie von etwa 500 Kil. die höchsten Gipfel, zu denen dieses 
Gebirge innerhalb der Grenzen der Ver. St. ansteigt, nnd in ihr ist über- 
haupt der grösste Theil des Gebirges gelegen, der die Höbe von :i( MJi > m. 
übersteigt. Bereits wurde die bemerkenswerthe Erscheinung hervor- 
gehoben, dass in eine Linie, die man von der Mitte der ebengenannten 
aus westwärts nach dem Stillen Meere zieht , aurh die höchsten Gipfel 
der Wahsatch Mts. und der Sierra Nevada zu liegen kommen. Die Ge- 
birgsforseber des Westens glauben in einem Gürtel von 500 Kil. Breite, 
in dessen Mitte die genanute Linie verläuft, „den Strich der mächtigsten 
Wirkungen der Hebungskräfte" zu sehen'). Jedenfalls hebt sich das 
Gebirg weder im Süden noch im Norden so steil zu solcher Höhe wie 
hier, wo man im Mittelpunkt des Ostendes dieser Zone starker Erhebungen, 
in Denver, ein Hochgipfelpanorama von 2<)0 Kil. vor sich hat, eine Reihe 
schneestreifiger Gipfel, welche aus der hier 1500 m. hohen Ebene der 

scheinen die ostwärts ausgebogenen Inselguirlandeu der asiatischen Ostküste 
(8. Peschel, Neue Probleme, 1876. 29) ihr Dasein ähnlichen, aber in grösserem 
Massstab angelegten Gebirgsbogen zu danken. 

1) Eh ist von der Ost- bis zur Wabsatschkette ziemlich durchgehender 
Charakter, dass die Berge „nicht bloss wild im allgemeinen Umriss sind, sondern 
auch im Einzelnen ungemein klippig und zerrissen erscheinen, ausgenommen in 
den Parks und grösseren Depressionen, deren Hügel eine lokale Eiszeit gerundet 
hat. 14 C. Thomas in Hayden, Prelim. Report on Montana. 1872. S. 212. 

2) Gardener in Bulletin U. S. Geol. Survey. 1874. II. 74. Er nennt 
Denver (Col.) und Monterey (Cal.) als Endpunkte dieser Linie. 



Digitized by Google 



72 



III. Ouerhacheiipehtaltuui:. 



Plains sich so steil erheben, dass die 27m m., welche sie vom Fuss bis 
zum Kamme messen, in 30—40 KU. zu durchmessen sind. 

Von diesem verhältnissmässig niederen Standpunkt aus erblickt man 
bloss eine einzige Kette, welche als die vorderste, die vor dem Blick des von 
Osten Kommenden zuerst auftaucht, den Namen Front Range (auch Ka*t 
Hange oder wegen ihrer zahlreichen schneetragenden Gipfel Snowy Range) 
erhalten hat. Ihr gehören die classisr/tcn Rergc dieser Region an, jene oft- 
genannten Pike's Peak (4313), Lohrs Peak (4350), Gray's Peak (4372) u. a., 
welche nach den ersten wissenschaftlichen Erforschern der Fclsengebirge, 
den Führern der Expeditionen genannt sind, welche in den ersten .Jahr- 
zehnten unseres Jahrhunderts die erste sichere Kenntniss von den west- 
lichen Gebirgsregionen vermittelten. Vom Arkansasthal bis zu den Laramie 
Plains ist sie in einer Lauge von 3oo KU. hingelagert. Vom Kamm dieser 
Kette sieht man gegen Westen hin eine zweite und dritte, die parallel zu 
jener ziehen und aus deren langgezogenen Granitkammen ahnlich bedeutende 
Erhebungen hervortreten. Man hat der zweiten 380 KU. langen Kette 
den Namen Park Range beigelegt, weil sie es ist, welche jene merk- 
würdigen abgeschlossenen Thaler der Parks ') im Westen begrenzt ; Mt. 
Lincoln (4359) und Ruckskin Mt. (435X) sind ihre Hauptgipfel. Wiederum 
durch eine Depression von nicht über 35 KU. Rreite getrennt, in der 
Eagle R. und Arkansas R. tliessen , folgt nun in dritter Reihe die 
Sawatch Range (auch Saguaehe oder Arkansas Range), die die zahl- 
reichsten Hochgipfel trügt; Mt, Harvard (4385), Mt. Elbert (43(>7) sind 
die hervorragendsten der Gipfel« welche bis jetzt in ihr gemessen worden 
sind. Gegen Westen von ihr liegt die Gruppe der Elk Mountains, 
ein Haufen dicht zusammengedrängter steiler und hoher Hebungen, der 
von den Quellannen des Grand R. umflossen wird und aus dem neben 
einer grossen Anzahl wenig niedrigerer Castle Peak (43m) und Snowmass 
(425(>) hervorragen. Ein hoher Qucrriegcl verbiudet sie mit der Wahsateh- 
Kette. Parallel mit der Park -Range zieht von kleineren Hebungen die 
S a n g r e de Christo - Range, die von Wheeler als südliche Fortsetzung 
derselben betrachtet wird (Christone Peaks 1305) und die den Ostrand des 
San Luis -Thaies bildet. Nach Süden setzt sie sich in der Kette der 
Moro Peaks fort, welche den Ostrand des als Verlängerung des San 
Luis -Parkes erscheinenden Oberen Rio Grande- Thaies bilden. Weiter 
nach Westen folgen die nordöstlich streichenden Gebirgsketten der Sierra 
San Juan, Sierra de Plata (Mt. Aeolus 42X5 mt.) und Sierra Sau 
Miguel (Mt. Uncompangre 1341 m.) und zwischen den beiden ersteren 

1) „Zwischen diesen Ketten (Front und Park Rang« ) Hegen prosse De- 
pressionen, die stellenweis als Längsthälcr entwickelt, stellenweis durch Quer- 
hohen von perinperen Erhebungen in Becken petheilt siud und welche man Park« 
nennt - Gardencr a. a o. 7:5. 



Digitized by Google 



III. Oberflichengestaltung. 



73 



die nordwestlich gerichtete Sierra de los Pinos. Nach Westen von 
dieser Kette, also ungefähr westlich vom 108. Lüngegrad, liegt ein Tafel- 
land aus Gesteinen der Kreideformation, das als Grenzscheide zwischen 
dem System des Felsengebirges und dem des Grossen Deckens betrachtet 
wird. Im Allgemeinen sind die Abhänge der Ketten des eben beschriebenen 
Abschnittes des Felsengebirges ostnordostlieh und westsüdwestlich gewandt ; 
Front und Park Hange ziehen von n. 10 u ö. zu s. 3»> l) w., die übrigen 
von n. 30° ö. zu s. 15° w. Die Westabhäuge sind durchschnittlich etwas 
steiler als die östlichen , aber diese tragen machtigere Faltungen der 
Schichten als jene. Indem man die ganze Reihe der Ketten nach Westen 
hin kreuzt, findet man immer weniger steile Abhänge, bis sie in der 
Plata-Kette sogar verhältnissmässig sanft geworden sind. 

Unverhältnissmässig gross sind die Passhöhen in diesem Theile des 
Gebirges. Wenn man auch die Höhe des Argentinc- Passes, die zu nahe 
an HIOO m. angegeben wird, weiterer Pcstätigung anheimgeben will, so 
bleiben doch noch genug ziemlich sicher gemessene Höhen von 3000 bis 
3700 m. (Jones P. 3780, Lake Creek P. 3758, Weston's P. 35G0, Pcr- 
thoud P. 34GO, Cochetopa P. 3028), welche den vorwiegend wallartigen 
Charakter des Felsengebirges von Colorado klar erkennen lassen. Wo 
nach Norden zu dieser Charakter durch Auseinanderrücken der einzelnen 
Gebirgsketten aufgegeben wird, fällt auch sofort die Passhöhe bis auf 
zwei Drittheile derer, die man in Colorado beobachtet, denn die Pässe sind 
nördlich vom 41. Preitcgrad meistens keine Einschnitte der Gebirgskämmc, 
•sondern Lücken zwischen ganzen Gebirgsketten und ihre Höhe wird dann 
vorzüglich durch das Niveau der Hochebene bestimmt. Ks ist die erste, 
bez. südlichste von diesen Lücken, der Evans Pass (2378), welche die 
Paeihcbahn auf ihrem Wege ins Innere der westlichen Gebirgsmasse über- 
steigt 1 ). 

Narh Süden hin setzen sich diese Erhebungen in das Gebiet von 
Neu-Mexiko fort, wobei sie an Höhe und Masse rasch abnehmen und dem 
Typus der Gebirgszüge des Grossen Peekens sich nähern, Es ist die 
natürliche Folge dieser Abnahme, dass die grossen Erhebungsmassen sich 
in zahlreiche kleinere Ketten und Gruppen auflösen , und da gleichzeitig 
auch die Hochebene unter das Niveau sinkt, das sie in den nördlicheren 
Theilen des Gebirges einnahm . so ist eine allgemeine Abschwäehung des 
• orographischen Charakters der hervorragende Charakterzug der südlichen 
Ausläufer des Felsengebirges. Natürlich zieht diese Abschwäehung einer 
Parallelisirung derselben mit den nördlichen Hauptzügen enge Grenzen. 
Jenseits des 35. Dreitegrades muss man die Gebirge Neu-Mexiko's als 



1) Der höchst*» Punkt jedoch, den die Eisenbahn in dieser Einsenkung über- 
schreitet, Stat. Sherman, ist noch um 135 in. höher gelegen. 



Digitized by Google 



74 



III. OberflächengeBtaltung. 



eine Gruppe für sich betrachten, denn über ihn hinaus ist der Zusammen- 
hang nicht festzuhalten. 

Von den als solche zu erkennenden Ausläufern ist der Moro Pcaks, 
der Fortsetzung der Sangre de Christo -Kette, bereits gedacht. Ihr Süd- 
ende liegt bei Santa Fe; die etwas nördlich von hier gelegene Sierra de 
las Gallinas (Turkey Mts.) ist eine nordöstliche Abzweigung derselben, aber 
die in ihrer Richtung weiter südlich auftretenden Placer und Sandilla Mts. 
gehören bereits zu den eigentümlichen neumexikanischen Einzelerhebungen. 
Ein anderer Süd - Ausläufer erhebt sich jenseits des Arkansas in Gestalt 
derWet Mountains oder Sierra Mojada, die von der Front Range 
durch die 1675 m. tiefe Einsenkung getrennt sind, in der Canon City 
gelegen ist. Dieser Gebirgszug ist in Gestalt und Richtung dem südlicheu 
Theil der Front Range ähnlich, in Höhe ihm nachstehend. Er besteht 
aus einem Granitkern mit angelagerten Sedimentärschichten, aber einige 
seiner höchsten Gipfel sind Basaltkegel. Die Wet Mts. sind der Ostrand 
des Huerfano Parkes, der im Westen von der Sangre de Christo-Kctto 
umschlossen wird und dessen Fläche einige kleinere Rerggruppeu vul- 
kanischen Urprungs, die Veta Mountains, unterbrechen. Huerfano 
Butte ist ein Basaltkegel, der im Thal des gleichnamigen Zuflusses des 
Arkansas sich unvermittelt aus der Ebene erhebt. Der Doppelgipfel der 
Spanish Peaks, die wie südliche Aussendlinge der Wet Mts. erscheinen, 
ist nach Hayden ein riesenhafter Gebirgsicaü vulkanischen Ursprungs und 
das ganze Land zwischen diesen Gebirgen und den südöstlich von ihnen 
gelegenen Raton Hills ist durchzogen von Gängen vuJkaniseJten Gesteins'). 
Die ebengenannten bilden einen Bergzug mit breitem Kamme, welcher 
in der Wasserscheide zwischen dem Purgatorio R. und Canadian R. mit 
2400 — 2800 m. seine grösste Höhe erreicht. Hayden schätzt ihren 
höchsten Gipfel Raton Peak auf 250— 300 m. über dem Thal des Pur- 
gatorio. Er erstreckt sich von der Hauptkette ca. 60 KU. gerade ostwärts 
und endigt scharf abgebrochen beim Raton Pass (1708 m.) unter den 
wilden waldreichen Schluchten am Fuss der Basaltmasse, welche die Mesa 
Chicorica bedecken. Den Winkel zwischen ihnen und dem westlicher 
gelegenen Höhenzug der Baldy Range füllt ein Hochland tertiären Alters 
aus, das neuerdings durch seinen Lignit- und Eisenreichthum berühmt 
geworden ist und das im Osten von Bergzügen begrenzt ist, die am West- 
rand des Thaies des Canadian vom Raton Pass bis zum Cimarroncito 



1) Third Ann. Report. 1873. 153. Ebendaselbst S. 157 fasst er die Raton 
Hills Rammt Fishers Peak als „Theile einer Mesa. die ihren Lrsprung offenbar 
dem Leberrliessen eines vulkanischen Gesteins verdankt " Zahlreiche Mosa's 
oder Tafelberge bestehen aus Tertiärschichten, die durch eine Decke darüber 
ergossener Lava vor Verwitterung geschützt sind. 



Digitized by Google 



III. Oberflächi'usistaltuntf. 



75 



ziehen. Die Raton Hills selbst gestehen übrigens aus denselben tertiären 
Schichten wie dieses Platean. 

Als vorgeschobener Posten liegt im Osten die Sierra Grande, 
ein sehr nneigentlich so genanntes Kuppengebirg , das von breiter Basis 
sich zu einem einzigen etwa 2400 m. hohen Gipfel erhebt. Sie ist wahr- 
scheinlich vulkanischen Ursprungs. Mt. Ca pul in, der westlich und 
Laughlin Peak, der westsüdwestlich von ihm gelegen ist, sind es 
unzweifelhaft; ihre Höhe wird gleichfalls auf etwas über 2000 m. ge- 
schützt. Die Vega, welche diese Kegelberge zwischen sich einschliessen, 
ein flaches, von sanften Anhöhen und niedrigen Basaltterassen umgebenes 
Becken, hat 1900—9000 m. Meereshöhe. Noch weiter hinausgeschoben 
ist das grosse Tafelland der Mesa Chicorica, das eine nicht geringere 
Höhe als die Raton -Berge erreicht, und Fishers Peak (2186 m.), 
a somber outlier, übertrifft sie vielleicht noch ; aber gegen Osten und Süd- 
osten füllt es ab und ist jenseits der Trinchera, die von hier zum Purgatorio 
abfliesst, nicht über 2100 m. hoch. Seine Seiten sind am Südabfall von 
tiefen Schluchten durchzogen, welche ihrerseits von terrassenartig flachen, 
begrasten Abhänpcn unterbrochen sind, die durch zahlreiche basaltische 
Felsgetrümmer nach der Basaltdecke deuten, in deren Einhüllung der 
tertiären Schichten wohl die Ursache zu suchen ist, warum diese grosse 
Mesa sich erhalten konnte. Als eine weitere Gruppe von Südausläufeni 
des Fclscngebirges erscheinen die Gebirgszüge, welche auf der Westseite 
des Rio Grande-Thaies sich in der Richtung der San Juan-Kette erheben 
und zu jenem Thale dieselbe Beziehung aufweisen wie sie dieser Gebirgskette 
zum San Luis-Park zukommt. So wie das Rio Grande-Thal eine Fortsetzung 
des San Luis-Parkes, so sind die Ausläufer der San Juan-Kette eine Fort- 
setzung der westlichen Parkumrandung in die Umrandung jenes Thaies. 
Cerro de Navajo, Sierra delNacimiento und Jemez Mountains 
liegen in dieser Richtung, während die Höhenzüge des Parkes selbst sich in 
kleineren Erhebungen wiederholen, unter denen die basaltischen Cerillos, 
Sierra Bianca und Costilla Mountains hervorzuheben sind. 

Einen zweiten Mittelpunkt bedeutender Hebungen und 
Ausstrahlungen bildet die nordwestlich von der Colorado -Zone ge- 
legene Wind River- Gruppe. Diese beansprucht aus zwei Gründen 
eine hervorragende Bedeutung: aus orographischen, weil sie wie eine Art 
Knotenpunkt an der Süd-Abbiegung der bis hierher vorwiegend südöstlich 
ziehenden Felsengebirge sich erhebt und weil von ihr einige hervorragende 
Gebirgszüge in verschiedenen Richtungen ausstrahlen; aus hydrographischen, 
weil hier die Qucllgebicte von einigen der wichtigsten nordamerikanischen 
Ströme (Columbia mit Clarke's Fork und Snakc R., Colorado, Missouri, 
Yellowstone, Platte) sehr nahe zusammentreten. Vom Südpass beginnend 
zieht sie unter wachsender Erhebung nordwärts, wo sie im Fremouts 



Digitized by Google 



76 



III. Übcrflächengesttltang. 



Peak, diesem lange für die culminirende Spitze des Fclsengebirges ge- 
haltenen Berge, bei 41:57 m. ibre höchste Erhebung findet. Man siebt, dass 
es nicht so sebr die Höbe, welche ja in der Park- und Sawatch- 
Kette vielfach übertroffen wird, als vielmehr die centrale Lage inmitten 
von nach allen Seiten ausstrahlenden Gebirgszügen ist, welche dieser 
Gruppe ihre hervorragende Stellung anweist und welche ganz besonders 
ihren Einfluss auf die Richtung des Oberlaufs einer so grossen Zahl von 
Gewässern bestimmt. 

In der staffeiförmigen Gruppirung, welche wir als ein hervorragendes 
Merkmal der inneren Gliederung des Felsemrebirges bereits erkannt haben, 
ziehen von der Wind River -Gruppe einige Gebirgszüge nach Osten und 
Südosten, welche theils mit der Front-, theils mit der Park Range des 
eigentlichen Felsengebirges zusammenhangen. Die Rattlesnake Moun- 
tains ziehen zwischen Mighoni R. und North Platte R. nach Osten, wo 
sie mit den Red Rüttes (1*585 m.) abscbliesscn . um jenseits des letzt- 
genannten in der Laramie Range oder den Black Mountains 
(Laramie Peak ca. H«XK) m.), die südsüdöstlich ziehen, daher im stumpfen 
Winkel mit ihnen zusammentreffen, ihre Fortsetzung zu finden. Bei der 
Durehbruchstelle des Laramie R. ändern die letzteren ihre Richtung zu 
einer nahezu südlichen und treten damit in die Richtung der Front Range 
ein, mit der sie am South Paas (21**3 m.) so innig zusammenhangen, 
dass man sie ungeachtet dieser Depression als einfachen Nord- Auslaufer 
derselben betrachten könnte. Sweetwater Mountains und M e d i c i n e 
Bow Mountains sind niedrigere Ketten, nach innen oder westlich 
von der Laramie Range gelegen. Nach Norden hin scheint eine kaum 
weniger zweifelhafte Verbindung mit der östlichsten Kette der nördlichen 
Felsengebirge durch den Gebirgszug gegeben, welcher die merkwürdige 
Vulkan- und Dampfquellenregion am Oberen Yellowstone im Osten begrenzt. 
Wiewohl von den grössten Flüssen dieser Region an drei Stellen durch- 
brochen, ist doch diese Kette in zusammenhangender Erstreckung vom 
43. bis zum 47. Breitegrad zu verfolgen, wo bei allmählichem Zurückfallen 
des ganzen Gebirges gegen Westen zu in der Nahe des Passes Gate of 
the Mountains, durch den der Madison entfiiesst, die bisher in zweiter 
Reibe gestandene Deerlodge oder Mulfans Range als östlichste der 
Randketten des Gebirges an ihre Stelle tritt und über die Nordgrenze 
unseres Gebietes hinaus in derselben verharrt. Den Namen der Rocky 
Mts. weisen ihr, sowie den ihr zunächst gelegenen und am innigsten mit 
ihr verbundenen Ketten die amerikanischen Geographen ausschlicslich zu, 
wahrend den weiter nach Westen gelegeneu, sowie den im Osten vor- 
gelagerten kleineren Erhebungsmassen besondere Namen gegeben sind. 
So werden also als Rocky Mountains in diesem engeren Sinn die Ketten 
östlich und westlich vom Yellowstone-See bezeichnet, feruer die, welche 



Digitized by Google 



ni. Oberflächonpestaltunjy. 



77 



den Oberen Missouri einfassen, und die auf beiden Seiten des Flathead R. 
ziehenden, während bereits die von der Südbeugung des Snake R. ein- 
geschlossenen Gebirge als Snake River Mountains und Teton 
Range (Mt. Hayden 3920 mt.) unterschieden werden und die Blackfoot 
Mountains nördlich vom gleichnamigen Fluss, Red Rock Range 
westlich von Henry Lake, Red Mountains (Mt. Sheridan 3153 mt.) auf 
der Wasserscheide zwischen Heart und Lewis Lake, Elk Ridge im 
obersten Quellbezirk des Snake R. besondere Gcbirgsgruppen bilden. Wir 
haben nördlich von hier den bis jetzt am wenigsten genau erforschten Ab- 
schnitt des Felsengebirgcs und die Beziehungen und Zusammenhänge der 
verschiedenen Ketten und Gruppen sind nördlich vom 45. Breitegrad nur 
im Allgemeinen bekannt, selbst die Benennungen nicht festgestellt. Die 
Flüsse dieser Region sind als Förderer des Verkehrs wichtiger und darum 
besser gekannt als die Gebirge, die meist nach ihnen benannt werden. Snake 
River Divide, Bitter Root Mountains (Eagle Peak 3300 mt.), 
St. Mary's Range, Flathead Divide (Mt. Kishnena 2G14 m.) sind 
einige der bekannteren Abschnitte dieses Theiles des Felsengebirges. 
Eine merkliche Abnahme der Gipfel- und Kammhöhen ist für dieselben, 
wie für das ganze Gebirge in dieser Region bezeichnend und findet vor- 
züglich in der grossen Menge leicht gangbarer Pässe seine Ausprägung. 
Dem Passreichthum, der übrigens auch durch die reiche Gliederung des 
Gebirges in dieser Region gefördert wird, ist es auch zuzuschreiben, dass 
in früheren Jahrzehnten der Verkehr zwischen dem Inneren der Ver. St. 
und dem Stillen Meer die Gebirge vorzüglich hier im Norden überschritt, 
wie es denn auch gerade dieser Theil des Felsengebirges ist , welcher 
durch Lewis' und Clarke's Forschungen zuerst wissenschaftlich bekannt 
wurde. Dabei ist aber die Passhöhe dieselbe wie weiter südlich, indem 
die Gebirgsbasis, die Hochebene hier noch bei derselben Höhe verharrt 
wie dort. Boundary Pass (2241), Flathead Pass (2316), Lewis' und 
Clarke's Pass (1880) sind einige bemerkenswerthere Pässe der äusseren 
d. h. östlichen Ketten. Bei dieser geringeren Erhebung der Gebirge 
scheint auch der wilde, zerrissene Hochgcbirgscharaktcr des Südens milderen 
Formen Platz zu raachen, deren Entwicklung der einfache, vorzüglich auf 
krystallinischen Urgesteinen ruhende geologische Bau des Gebirges fördert. 
Hiervon machen allerdings die vulkanischen Regioneu eine Ausnahme, aber 
vulkanische Kräfte haben nur in der oberen Yellowstone-Region und westlich 
von derselben sehr wirksam in den Aufbau des Gebirges eingegriffen. 

Viel besser bekannt als die Masse des Gebirges sind in dieser Region 
seine Ausläufer oder Vorwerke, die aus der Hochebene der Plains sich 
oft unvermittelt und durch ihre scheinbare Vereinzelung doppelt auffallend 
erheben. Am schärfsten prägen diesen Vorwerkscharakter die Black 
Hills, die Schwarzen Berge, aus, welche als östlichste Vorposten der 



Digitized by Google 



78 



DL OberflächengesUltung. 



mittleren Felsgebirgregion zwischen dem 43. und 45. Breite- und dem 
103. und 105. Längegrad sich erheben. Die elliptische Gruppe (Haupt- 
axe 20° N. zu W.), in der sie zusammenliegen, ist ungefähr 160 Kil. 
lang und 100 Kil. breit. Die Höhe der Basis, von der sie aufsteigen, misst 
8<>0- 900 m., ihre höchste Gipfelhöhe etwas über 2000 m. Ihr Kern ist 
Granit, der einen Mantel von geschichteten Steinen an seiner Basis und 
seinen Seiten mit emporgehoben hat. Dass ihre Hebung nicht ausser Zu- 
sammenhang steht mit der Hebung der eigentlichen Felsengebirge, lehrt 
eine zwar nicht hohe, aber genügend deutlich ausgeprägte Bodenwelle, 
welche sie mit denselben verbindet. Merkwürdig, aber ihrem inselhafteu 
Bau völlig entsprechend, sind ihre hydrographischen Verhältnisse. Es liegt 
in ihrer centrirten Gestaltung, dass kein einziger betrachtlicher Fluss in 
ihnen entspringt, trotzdem sie als eine Oase von Wäldern, Feuchtigkeit 
und Quellenreichthum mitten in die Hochprärie hinein gerückt sind ; dagegen 
senden sie nach allen Himmelsrichtungen kleinere Bäche aus, welche ohne 
Ausnahme in die zwei das kleine Gebirg fast rings umgürtenden Arme des 
Cheyennc-Flusses, North und South Fork, münden; der erstere empfängt 
sogar die Hauptmasse seines Wassers aus dem Black Hill-Gebiet. 

Auch die weiter nördlich in ähnlicher Weise vorgeschobenen Judith, 
Pear's Paw und Little Rocky Mts. scheinen von ähnlichem geologischen 
Bau zu sein wie die Black Hills. Wenigstens wird eine Granitunterlagc, 
allerdings mit eruptiven Unterbrechungen, von ihnen angenommen. Ihre 
Lage schliesst sie jedenfalls den Black Hills und der weiter südlich ge- 
legenen Big Horn-Gruppe an. Eigentümlich, dass auch sie fast in einem 
Ringe, wie die Black Hills, von Flüssen umflossen sind, die ohne in ihnen 
zu entspringen, sich vorwiegend von ihren Zuflüssen nähren. Es scheint das 
anzudeuten, dass ihre Stellung inmitten der Hochebene nicht bloss eine 
insulare ist, sondern dass, ähnlich wie bei den Black Hills, in einiger Ent- 
fernung von ihrem Fussc sich das umliegende Land wie gestaut etwas erhebt. 

Als Gebirg am bedeutendsten und durch Lage, Höhe und weite Er- 
streekung der Ketten dem Felsengebirge am nächsten kommend von allen 
diesen vorgeschobenen Posten, ist die Big Horn-Gruppe, welche sich 
290 Kil. lang und 80 Kil. breit in 43° 30' N. B. und 102° W. L. in 
nordwest-südöstlicher Richtung erstreckt. Mit ihrem südlichen Ende, das 
aus modernen Eruptivgesteinen besteht, lehnt sie sich an die Wind River- 
Gruppe und erreicht hier eine Wildheit, die aus diesem Abschnitt einen der 
pittoreskesten, gleichzeitig aber unzugänglichsten Theile des Felsengebirges 
macht. Einige Gipfel dieser Gruppe erheben sich bis 3600 m. und sind 
daher mit ewigem Schnee bedeckt. Die Big Horn Mts. geben keinem 
bedeutenden Flusse Ursprung, aber sie senden eine Reihe von Gewässern 
dem Yellowstone R. zu, die zu dessen wichtigsten Zuflüssen im oberen 
Laufe gehören und von denen der grösstc derjenige ist, welcher seinen 
Namen von dieser Gruppe hat. 



Digitized by Google 



ni. Oberflächengestaltung. 79 

Den Westrand der grossen westlichen Erhebung kann man im 
Allgemeinen als das Gebiet der Sierra Nevada bezeichnen, denn 
diese Gebirgskette ist es, welche vom C. San Lucas bis zur Nord- 
grenze der Ver. Staaten dem paeifischen Kande des Continentes 
entlang läuft und damit den Wall bildet, mit weichem die Cordillere 
gegen das Stille Meer hin abfällt. Die Halbinselkette von 
Unter californien, die eigentliche Sierra Nevada, die 
Cascade Range sind nur verschiedene Namen für ein und die- 
selbe Gebirgskette, welche bis etwa zum 35. Breitegrad unmittelbar 
ins Meer abfällt, während sie von hier bis zum Puget Sund durch 
einen durchschnittlich vier Längegrade breiten Landstreifen von 
demselben getrennt ist. Das Küstengebirg, ein Gebirgszug von 
mittlerer Höhe und von minder einheitlichem Bau als die Sierra, 
füllt auf dieser ganzen Erstreckung die Lücke zwischen Hochgebirg 
und Meer aus, lässt aber zwischen sich und dem Hochgebirg breite 
und lange Thalbecken, die in Californien und Oregon von beträcht- 
lichen Flüssen durchströmt werden. An einigen Punkten treten die 
beiden Gebirge auf längere oder kürzere Strecken zusammen und 
sind dann nur nach geologischen Merkmalen zu trennen. Sowohl 
im Norden als im Süden finden sich solche Zusammenhänge. Im 
Süden ist es die Gegend um den Tejon-Pass (38° N. B.), wo Berg- 
züge von beiden Seiten sich so in einander drängen, dass es der 
geologischen Untersuchung vorbehalten bleiben muss, das geogra- 
phisch nicht mehr trennbare zu scheiden- 1 ); und im Norden ist im 
Shastagebiet die Annäherung gleichfalls eine so innige, dass auf topo- 
graphischer Basis eine Grenze nicht mehr zu ziehen ist. Freilich 

1) „Wir sagen einfach, dass wir alle diejenigen Gebirgszüge oder Ketten 
zum Küstcngebirge rechnen, welche seit der Ablagerung der Kreideformation 
gehoben worden sind, und dass wir auf der anderen Seite die vor dieser Epoche 
gehobenen als zur Sierra Nevada gehörend betrachten." (J. D. Whitney, Geology 
of California. 1865. I. 167.) — Es bedarf kaum der Bemerkung, dass dieses 
geologische Kriterion eben auch nur zu einer künstlichen Sonderung der Gebirge 
führen kann, so lange mau nicht nachgewiesen hat, dass das Ende der Kreide- 
formation in der That eine scharfe Grenze zwischen der Hebung der beiden 
Gebirgssysteme zieht. Dieser Nachweis ist gar nicht zu erwarten, denn die Gebirgs- 
hebungen zeigen sich nirgends bestimmt an die geologischen Epochen geknüpft. 
Wir werden sehen, dass auch Whitney selbst keine scharfe Trennung versucht. 



Digitized by Google 



60 



III. Oberfläehengestaltung. 



tritt noch weiter im Norden, in Oregon, beim 44. Breitegrad das 
Willamette-Thal in ähnlicher Weise wie in Californien das Joaquin- 
Sacramento - Thal trennend zwischen eine Keine von Gebirgszügen 
der Küste und das Hauptgebirge, aber eine so scharfe Scheidung 
wie in Californien greift nun nicht mehr Platz. Hier ist dieselbe 
dafür in aller wünschbaren Deutlichkeit vorhanden und gibt dem 
grössten Theile des Staatsgebietes , dessen Flächeninhalt immerhin 
dem des Königreichs Italien gleichzusetzen ist, einen Charakter 
von Einfachheit und Kegelmässigkeit, der sehr an die entsprechen- 
den Eigenschaften des Gesamratcontincntea erinnert und in der 
That Californien wenigstens in orographischer Beziehung zu einem 
sehr ächten Stück Nordamerika stempelt'). Es ist besonders der 
merkwürdige Parallelismus der beiden Gebirge , welcher der Ober- 
flächengestaltung des Pacific Slope zwischen dem 41. und 35° N. B. 
so grosse und einfache Züge aufprägt. Derselbe tritt sehr klar 
hervor, wenn man sich den Kaum, welchen sie in diesem Gebiete 
bedecken , der Länge nach so zerlegt denkt , dass fünf gleich- 
laufende Linien in Abständen von 88 Kil. in der Richtung N. 31 W. 
das ganze Gebiet durchschneiden. Die mitterc würde am West- 
rand der Sierra etwa von Visalia bis Red Bluff verlaufen, die 
nächstöstliche würde dem Hauptgrat der Sierra folgen und die 
höchsten Gipfel derselben zwischen Mt. Shasta und Mi Dana I c- 
rühren und die östlichste würde die Depressionen durchschneiden, 
welche am Ostfuss der Sierra zahlreiche Seen beherbergen, und 
würde von Klamath Lake bis zum Zusammenfluss des Gila mit dem 
Colorado reichen. Die erste Linie westlich von der Mittellinie würde 



1) End nicht bloss zu einem ächten Stück Nordamerika , sondern auch 
zu einem ächten Abschnitt eines grossen Continentes. Man muss diess immer 
betonen. Wir sind in Europa nicht daran gewöhnt, die Eigenschaften zu 
schätzen, welche einem Laude aus seiner Zugehörigkeit zu einem grossen Erd- 
theil erwachsen und manchmal grosse Yortheih« sind. Wir sind zu tief in den 
kleinen Masstäben unseres eigenen kleinen Erdtheils befangen. Aber eine so 
merkwürdige geographische Individualität wie das Land zwischen Tulare und 
Klamath und die Wiederholung derselhen in Oregon und im Washington - Terri- 
torium ist Produkt grosserer geographischer Verhältnisse. Noch mehr gilt dieses 
von anderen Abschnitten unseres (iebietes, vor allem vom Mississippibecken, 
das man ein groa*c»ntin,'Htnh* Gebilde in erster Keihe nennen möchte. 



Digitized by Google 



III. ( »berflächengestaltung. 



81 



am Ostrand des Küstengebirges etwa von Kern Lake bis Clear Lake 
ziehen und die westlichste wäre gegeben durch die Küste des Stillen 
Meeres zwischen C. Mcndocino und Punta Arguello. Diese fünf 
Linien fallen trotz ihres parallelen Verlaufs so ziemlich zusammen 
jnit den Grenzen der vier grossen natürlichen Landschaften Cali- 
fornieoi: Ostabhang der Sierra, Westabhang und Vorberge, Thal 
v«»n Californien. Küstengebirge. 

I>ie Sierra Nevada in dem Sinne, wie dieses Wort gefasst 
zu werden pflegt, ist auf Californien beschränkt, aber man erkennt 
unschwer, dass das Cascade ngebirge (Cascade Hange), das in 
derselben Entfernung von der See, derselben Richtung, derselben 
Breite und in ähnlicher Gliederung wie dieses californische Hoch- 
gebirge durch Oregon und Washington Territory zieht, mit dem- 
selben zusammengehört. Wir werden die beiden hier in Einem 
betrachten und weder in dem mächtigen Vulkan Mt. Shasta wie 
Einige, noch in Lassens Peak wie Xndere wollen, einen natürlichen 
Grenzstein anerkennen. Beides sind vulkanische Berge und es ist 
hei der vielfachen Regellosigkeit vulkanischer Erscheinungen selbst 
dann nicht gerathen, sie zu orographischen Marksteinen zu machen, 
wenn sie. wie es bei Lassens Peak allerdings in grossartiger Weise 
der Kall ist. den Gebirgsbau wesentlich beeinflussen. Selbst 
J. D. Whitney meint, dass irith proprhiif die Sierra Nevada als 
beim Lassens Peak endigend betrachtet werde, weil dort ..die 
ruetamorphischen Gesteine derselben in einem grossen Querriss ver- 
sinken und an ihre Stelle ein vulkanisches Tafelland tritt, dass sich 
nordwärts bis zum Mt. Shasta erstreckt 1 ) - , aber wenn er ein Paar 
Zeilen weiter sagt: „Jenseits dieser vulkanischen Kegion ist der 



1) J. D. Whitney. Yosemite Guide Book. 1*70. :1M. Auch (larence King 
sagt - „Die Krstreckung der Sierra Nevada nach Norden ist sehr schwierig mit 
• »vriauiifkMt zu bestimmen, denn geologisch gesprochen nimmt das Sierra 
Nevada - System ein weites Gebiet in Oregon ein. während es physikalisch be- 
trachtet mit Sit Shasta aufhört." Kr meint weiterhin: „Auch die Südgrenze 
ist schwer zu bestimmen, denn wo die Gebirgsmasso in die Colorailowiiste herab- 
steigt, kommt sie mit einer Anzahl von kleineren Berggrupi>eii in Berührung, 
die sich nach allen Kichtuneen verzweigen, um zuletzt sämmtlich unter den 
tertiären und quaternären Schichten jener Hegiou sich zu verlieren." Moun- 
tauieeriiig in the Sierra Nevada. 1S74. t! 

IfttMl, AaMika. I. 6 



Digitized by Google 



82 III. Oberflächengestaltung. 

■ 

Gebirgszug nordwärts durch Oregon und Washington Territory ver- 
längert mit ziemlich demselben Charakter wie in Californien, wenn 
auch bei bedeutend geringerer Erhebung/ so ist es eben nur mit 
propricty, aber jedenfalls nicht mit wissenschaftlicher Berechtigung, 
dass er jene Scheidung der Gebirge vornimmt. 

Von dem Uebergang in das Küstengebirge beim Tejon-Pass bis 

* 

zu Lassens Peak sind es 720. bis zu Mt. Shasta 880 Kil. und diess 
würde also die Länge der californischen Sierra Nevada sein, 
je nachdem man sie bei dem einen oder dem anderen von diesen 
Feuerbergen endigen lässt. Ihre durchschnittliche Breite kann auf 
120 — 130 Kil. zwischen Ost- und Westfuss veranschlagt werden, ist 
aber sehr ungleich zwischen dem Ost- und Westgehänge des Ge- 
birges vertheilt; der Westabfall ist viel sanfter als der östliche 
und bedeutend länger schon dadurch, dass er nach einem 1200 m. 
tieferen Niveau als dieser sich herabsenkt. Man steigt in der Gegend 
von Sacramento bis zu der daselbst bei 2130 ra. gelegenen Pass- 
höhe 19 m. pr. Kil. von Westen an, während man ebendort nach 
Osten hin 215 m. pr. Kil., also mit dem zehnfachen Gefall ab- 
steigt'). Im Süden, wo die Passhöhe rasch anwächst, beträgt der 
Anstieg von Westen 45 m. pr. Kil. bis zu der auf 3660 m. ge- 
stiegenen Passhöhe und 57 m. bis zu der Gipfelhöhe. Die all- 
mähliche Abnahme der Pass- und Gipfelhöhen von Süden (in 36° 
33' N. B., d. h. etwa in der Breite des Nordrandes von Owens 
Lake beginnend) nach Norden zu ist eine hervorragende Eigen- 
tümlichkeit der californischen Sierra Nevada. Die beiden Werthe 
gehen gradweise herab von der ebengenannten Breite bis zu Beck- 
worths Pass, der unter 39° 45* N. B. liegt, von wo an sie sich 
dann neuerdings um Weniges heben *). 

Der grosse Zug im Verlauf der Sierra Nevada ist -die im Norden 
eintretende Bedeckung derselben Schichten, welche im Süden und der Mitte 
überall klar zu Tage treten, mit den Lavaergüssen der nördlichen Vulkane. 
Während ihr geologischer Bau dadurch verdunkelt wird, verliert ihre 



1) Die Kntfernung von Mt. Dana zum Monosee am Ostfuss beträgt 9.6 Kil., 
der Abstieg aber *Hi5 Mt. 

2) J. I>. Whitney gibt im Yosemite Guide Book, 1870, 39 folgende Hohen- 
Ufel für die californische Sierra Nevada: 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 



83 



Orogaphic unter dieser Docke sehr bald jenen Charakter von grossartiger 
Einfachheit, welcher besonders in ihren centralen Thailen so deutlich 
hervortritt. Man weiss zwar, dass jene gewaltigen Massen vulkanischer 
Gesteine, welche besonders zwischen Lassens Peak und Mt. Shasta aus- 
gebreitet sind, dieselben geologischen Formationen bedecken, welche weiter 
südlich in den Golddistrikten klar zu Tage treten; diese Formationen 
erscheinen wieder westlich und nordwestlich von der Vulkanregion und 
zwar zum Theil mit demselben lithologischen Charakter und der Erz- 
führung, die sie im Süden und der Mitte des Staates auszeichneten, so 
dass sie zweifellos als eine Fortsetzung dieser gelten können. Wir sehen 
auch, dass Mt. Shasta selbst, ein Vulkan wie so viele Hochgipfel der 
Sierra, genau in der Hauptaxe des Streichens dieses Gebirgszuges liegt. 
Aber allerdings haben diese Theile der Sierra noch zu einer Zeit 
Störungen erlitten, wo die südlicheren bereits in dem Ruhestand angelangt 
waren, in welchem sie noch heute verharren. Wahrscheinlich zu gleicher 
Zeit wie in dem Küstengebirg sind hier Schichten der Kreideformation 
gehoben worden, welche man im Süden völlig ungestört findet ; sie liegen fast 
horizontal südlich von Shasta City und sind vielfach gestört nördlich von 
diesem Punkte. Die orographisehen Unterschiede prägen sich vor allem 
in der grossen Verschiedenheit des Sacramento- und S. Joaquin- Thaies 
aus. Dieses war in der ganzen Länge seines Hauptstammes eine breite 
Ebene, sanft geneigt von den Seiten und gegen Norden; jenes wird ein 
wildes Gebirgsthal, ein Canon von seinem Eintritte in die Vulkanregion 
an. und die weite Thalcbene, so charakteristisch im Joaquin -Thale, ist 
hier bei Red Rluff (südwestlich von Lassen's Peak) durch einen Querriegel 



Geogr. 
Breite 

■ 


Passhohen 


Meter 


Gipfelhöhen 


Meter 


36° 32' 




8*57 


Mt. Whitney .... 


4575 


37° 28' 


Pass ohne Namen . . . 


3780 


Red Slate Peak . . . 


4085 


37° 55' 




8282 




4033 


38 « 10' 


8onora-Pass 


3084 




3810 


38° 30' 


Silver Mt.-Pass . 


2681 


Silver Mt 


3334 


38« 45' 




2670 


Woods Peak .... 


3217 


38° 50' 


Johnson-Pass .... 


2237 


Pyramid Peak .... 


3076 


89« 10' 


Georgetown-Pas« . . . 


2170 


Keine dominirenden Gipfel ; 




39° 20' 




2151 


Kamm des Gebirges 150 bis 




39« 30* 


Henness-Pass .... 


2K33 


300 m. über den Pässen 




89« 38' 


Yuba-Gap 


2025 


Downieville Buttes . . 


2561 


39« 45' 


Beckwortb's Pass . • . 


1624 




2554 



6* 



Digitized by Google 



84 



III. OberHächcngeBtaKang. 



vulkanischer P'elsgesteine abgeschlossen und kommt, wie der unregelmüssige 
Oberlauf des SacramcntO zeigt, nördlich von hier nicht mehr zur Ent- 
faltung, wenn sie auch auf Strecken noch unter der Felsendecke hervor- 
tritt. Ein ausgedehntes Plateau von Tuffgestein und Kreideschichten nimmt 
in 301.» m. Meereshöhe das Thal in einer Breite von ca. «0 KU. ein und 
aus diesem erheben sich schroff die Bergzüge, welche in südöstlicher und 
nordwestlicher Richtung den nördlichen Thcil des Staates durchziehen. 
Zwischen dem nördlichen und mittleren Arm des hier von Westen her in den 
Sacramento Messenden Cottonwood Creek erheben sich die Bald Hills 
zu 360 m. Höbe: bäum- und strauchlose Erhebungen von seltsamen 
Denudationsformen. Weiter nach Norden steigen Höhenzüge bis zu 1000 m. 
aus dem Tafellande hervor und in der von Südosten gegen Mt. Shasta 
hinziehenden Kette der Trinity Mts. (Mt. Balley UKW m.) glaubt man 
die nördliche Fortsetzung des Hauptzuges der Coast Range zu erkennen. 
Diese Kette ihrerseits findet sowohl, was Richtung als geologischen Aufbau 
betrifft, ihre Fortsetzung in den Salmon Mts. (Shasta Balley 2331 m.) '). 
Es ist in dieser Region, dass sich jede Scheidung zwischen Küstengebirg 
und Sierra verwischt: „Die ganze Gegend ist ausschliesslich Gebirg. Weder 
Thal noch Ebene von irgend bedeutender Ausdehnung sind zu sehen und 
kein Anzeichen eines Bruches oder irgend einer Lockerung des Zusammen- 
hangs zwischen Coast Range und Sierra Nevada ist zu bemerken*).* Die 
Haupt verbindungsstrasse zwischen Californien und Oregon überschreitet 
diesen Gebircszug. Gray Mts. oder Marble Mts. oder (nach dem 
Zuflüsse des Sacramento, dessen Ostseite sie begleiten) M t. C 1 oud R a n g e 
werden G — 900 m. über das Thal sich erhebende Kalksteinhöhen genannt, 
die im oberen Sacramento-Gebiet als Vorberge der Sierra erscheinen ; ihr 
Gestein ist Kohlen- oder Bergkalk. Castle Range dagegen, die mit 
Castle Rock (ungefähr 7o<> m. über der ThalHäehc) schroff gegen den 
Sacramento abfallt, ist ein Ausläufer der Trinity Mts., die aber allerdings 
gerade in dieser Region noch gänzlich unerforscht sind. 

Aus dem lavabedeckten Hochlande dieser Region, dessen durch- 
schnittliche Höhe zwischen KMK) und 1200 m. betragt, erhebt sich der 
dominirende Gipfel der nordcalifornischen Gebirge, Mt. Shasta, zu 14ü3 m. 
Ein achter Vulkan von reinster Kegelform, ähnlich dem Vesuv zweigipflig, 
von einer Unzahl hleinerer Krater umgeben, tief herab mit Schnee bedeckt 
und selbst Gletscher tragend, die den höheren Gipfeln der südlichen Sierra 
fehlen, ist dieser einsame Feuerberg, dessen Thätigkeit übrigens lange 



1) '2500 m. ist die geschätzte Höhe- eines weiter nördlich an der (Juellf 
von Stewarts Kork gelegenen Gipfels. — „Balley scheint der indianische Aus- 
druck für einen kahlen Berg-. J. D. Whitney, GeoL of Calif. 18G5 I. 324. 

2) J. 1». Whitney, GeoL of Calif. iNJf,. i. VM. 



Digitized by Google 



III. Oberflächenpestaltuug. 



85 



erloschen scheint, eine der prossartipsten Erscheinunpcn der nordamerika- 
nisehen Hochpebirpswelt. Aber seine bedeutende Erhebung bleibt eine 
Thatsaehc für sieh, findet keine unmittelbare Fortsetzung oder Wiederholunp 
so wenig gegen Norden zu, wie sie 'sie im Süden hatte. Nachdem die Eava- 
massen, die der Shasta ausgeworfen hat, dünner werden und dann panz 
verschwinden, treten die Kreideschichten der Sierragehänge wieder an die 
Oberfläche und in der nächsten prösseren Gebirpskette nördlich vom 
Shasta. den Siskiyou Mts., deren höchster Gipfel auf 2100 m. peschätzt 
wird, bilden sie als Anlagerunp des Granitkerns panz wie in der südlichen 
und mittleren Sierra die Gchänpe des Gebirpes. Nur ein zweiter Vulkan- 
pipfel, Mt. Pitt (3000 m. peschützte Höhe), der in der nordwestlichen 
Verlängerung der Siskiyou Mts. sich am Westufer des Oberen Klamath 
Lake erhebt, scheint ein Mittelplicd zwischen den allerdings viel weiter 
nördlich pelepenen Oregonvulkanen und Mt. Shasta zu bilden. Nach der 
anderen Seite ist der Hcrgzug der Scott Mts. (1800 — 2000 m.), der sich 
im Süden an Siskiyou Mts. anschliesst, ein von vulkanischem Gestein allem 
Anschein mich panz freies, in peolopischer Hinsicht der Sierra ähnliches 
Gebirge, in dessen Schiefern selbst «1er Goldreichthum der mittleren Sierra 
wiederkehrt. Aber der orographisehe Aufbau erinnert nicht eben so sehr 
an die Sierra wie der geologische. „Die ganze Gebirgsmassc ist zu 1800 
bis 2400 m. gehoben, aber nicht in einer zusammenhängenden Kette wie 
in der Sierra Nevada, sondern in einer grösseren Zahl nnrepelmässiper, 
von einander unabhänpiper Massen, die durch erodirende Kräfte in einem 
solchen Masse zerklüftet und zerfurcht sind, dass sie ein Labyrinth von 
Graten und Gipfeln darstellen, die durch Canons oft bis 1500- 1800 m. 
tief von einander getrennt sind ')." Zwischen den Nordabhanp der Siskiyou 
Mts. und das Meer ist ein aus Serpentin und serpentinartipen Gesteinen 
aufpebautes Tafelland von 900 — 120«) m. Meereshöhe einpeschaltet. 

N o r d e n d e d e r S i e r r n N e v si d a. Wiewohl die Sierra jenseits 
der Einsenkung, welche die culminirenden Gruppen des Mt. Shasta 
und Mt. Pitt von einander scheidet, als Ca sc ad en geh i ige *) in der 
alten nordnordwestlichen Richtung weiterzieht und in der wichtigen 
Stellung des höchsten und längsten Gebirgszuges des pacitischen 
Küstengebietes, sowie der Westmauer der Grossen Hochebene des 
Westens sich behauptet, so verliert sie doch von hier an viel von dem 



1) J. D. Whitney, Oeolopy of California. 1865. L 360 

2) Der Bopriff Caneade Bange hat sich mit der Zeit bedeutend verengert, 
Koch bei Dana erstreckt sie sich vom Puget-Sund bis zum Golf von Californien 
(Geology of ü. 8., Explor. Exped. 184!*. X. 614), und Sierra Nevada ist ihm, 
perade umgekehrt wie jetzt, nur ein Nebenname für ihre südliche Hiilfte. 



Digitized by Google 



8« 



III. Oberflächengestaltung. 



geschlossenen , einheitlichen Charakter , der sie weiter südlich aus- 
zeichnet und ist trotz einiger hervorragender Gipfel, die ohne Aus- 
nahme Vulkankegel sind, fortan nicht mehr das mächtige Gebirge, 
welches sie zwischen dem 36. und 40. Grad war. Die Kammhöhe 
erhebt sich nur stellenweise über das Niveau der hier durchschnitt- 
lich bei 1500 m. liegenden Schneegrenze, und selbst die isolirten 
Vulkankegel erreichen nicht mehr die Höhe des Mt. Shasta. hinter 
welchen selbst der Kiese dieser Region, Mt. Rainier um 630 m. zurück- 
bleibt. Die mittlere Passhöhe bleibt noch um einige 100 m. unter dein 
Durchschnitt der Kammhöhe '). Die tiefen Einsenkungen und die 
Durchbrüche der aus dem Grossen Recken des Inneren kommenden 
Flüsse Klamath und Columbia lehren, dass die Geschlossenheit hier 
nicht mehr herrscht, welche die Sierra Nevada -Kette zu einer so 
scharfen Wasserscheide machte. Doch ist die Wasserscheide südlich 
vom Columbia schärfer ausgeprägt als nördlich von demselben und es 
steht diess in innigem Zusammenhang mit der einfacheren Struktur 
der südlichen Hälfte dieses Gebirges und der durch die Vulkan- 
ergüsse complicirteren der nördlichen; denn während dort auch im 
Einzelnen die allgemeine Richtung des Gebirges festgehalten ist, 
bildet hier jeder der mächtigeren Vulkane ein Gebirg im Gebirge 
und unterbricht oder verzerrt damit den Verlauf der Kammlinie; 
es tritt daher an die Stelle der selten unterbrochenen Geraden, die 
den Verlauf der Wasserscheide zwischem dem Tulare-See und dem 
Columbia bezeichnet, nördlich von dem letzteren eine Zickzacklinie, 
die ganz der dort vorherrschenden unregelmässigen Gruppirung der 
höchsten Gipfel und Kämme und dem Mangel an Zusammenhang 
zwischen denselben entspricht. Aehnlich wie Mt. Shasta weiter 
südlich so sind hier im Norden vom Nuahum Peak an alle 
höheren Rerge der Region, vor allem Mt. Hood (2880), Mt. 
S. Helens (2972), Mt. Adams (2920), Mt. Rainier (4404), 
Mt. Baker (3280) eben so viele Mittel- und Gipfelpunkte von 
kleinen Gebirgen, die in hohem Grade zerklüftet und zerrissen sind 
und deren vulkanische Produkte auf den Charakter des Land- 

1) „Die Hauptmasse des Cascadengebirges in Oregon ist selten über 5000 
oder 6000' hoch; ihre Höhen sind bloss Hügel im Vergleich zu den Hochgipfeln, 
die in einsamer Grösse aus der Kette hervorragen". J. D. Dana, a. a. 0. X. 615. 



Digitized by Google 



III. OberflächeMgestaltung. 87 



Streifens, in dem sie liegen (ungefähr 121 — 123° W. L.) und stellen- 
weise noch darüber hinaus eine bestimmende Wirkung üben. Die 
tertiären Schichten und Urgesteine, welche in diesem Gebiete die 
Reschichteten Grundlagen des geologischen Aufbaues bilden, sind 
schon, wie wir gesehen haben, von Lassens Peak ab vielfach 
unter vulkanischen Auswurfsprodukten begraben und diese Decke 
vulkanischer Gesteine wird nach Norden zu breitor und mächtiger, 
bis sie im Gebiet des unteren Columbia das ganze Land zwischen 
dem Westabhang des Cascadengebirges und dem Meere unter ihren 
Lavaschichten verhüllt. Die hervortretendste Eigenthümlichkeit im 
geologischen Baue Oregons ist nach Dana die Masse der basaltischen 
oder vulkanischen Gesteine, die über seine Oberfläche sowohl in der 
Nähe der hohen Gipfel der Cascadenkettc als in anderen Theilen 
des Gebietes weit verbreitet sind l ). Der Columbia fliesst eine 
grosse Strecke ausschliesslich durch Basalt, nur in den unteren 
«30 Kil. seines Laufes bilden Tertiärschichten seine Ufer, höher 
hinauf bestehen sie aus Basalt, der oft 37 — 180 m. hohe Wände, 
icaüs und palisailes, bildet, und aus vulkanischen Conglomeraten. In 
den hervorragenden Abschuitten des Stromes, jenen Nadeln und 
Klippen, die oberhalb Vancouver das Lower Cape Iloorn bilden, 
in den Gastodes, den Dalles, den Grand Rapids treten Basalte und 
balsaltische Conglomerate in kühnen Felsformen zu Tage. Bis nach 
Wallawalla erstrecken sie sich am Columbia und bis zur Kooskooski- 
Mündung an seinem südlicheu Arm (Lewis Fock). Auch in den 
Columbia Plains überlagert Basalt auf weite Strecken hin den Granit 
und Spuren vulkanischer Ergüsse fehlen nicht in dem weiten Gebiete 
zwischen ihnen und der Snake II. Hange. Es ist vorzüglich diese 
Bedeckung mit vulkanischen Gesteinen, welche den Oberrlächen- 

1) J. D. Dana, a. a. O. X. 645: „Basalte und Laven haben eine weite Ver- 
breitung im Oregongebiet. Sie sind längs des Columbia bis zu den Snake R.-Quellen, 
mit geringen Unterbrechungen durch das Willamcttethal und in den Ebenen südlich 
vom Okanagan verbreitet. Am Oberen Columbia bedecken sie ausgedehnte Strecken. 
Basalthügel mit charakteristischen Rundgipfeln sind weit verbreitet, sie ziehen 
40 Kil. weit nördlich und südlich von der Nordgrenze des Gebietes." Weiterhin 
bezeichnet er die Schichtung dieser Gesteine als ihren Grundzug, der besonders 
am Oberen Columbia hervortrete. Auch Spuren von säulenförmiger Anordnung 
sind vorhanden. 



Digitized by Google 



88 



III. Oberil&chengest&ltung. 



charaktcr, und wie wir weiterhin sehen werden, die hydrographischen 
Verhältnisse von Oregon und Washington Territ. bestimmt; sie 
macht vor allem den Westabfall der Cascadenkette nach dem Thale 
hin, das diese vom Küstengebirge trennt, viel unvermittelter als er 
in der Sierra Nevada ist. Im grössten Theil seiner Erstreckung ist 
es nicht durch vorgeschobene Hügel und leichtere Bodenwellen, 
sondern über Stufen von Basalt und Lava, dass man aus den Plaiiis 
am Willamette und Cowlitz zum Hochgebirge aufsteigt ; die untersten 
von diesen Stufen bezeichnen in den meisten Fällen auch immer 
die Grenze zwischen dem fruchtbaren Land und den barrens der 
Lavaketten. Indem auch in den zahlreichen fliessenden Gewässern 
dieser Unterschied der Bodenbeschatt'enheit sich klar ausprägt, kann 
überhaupt die scharfe Sonderung des Hochgebirges von dem west- 
lichen Thal als einer der hervortretenden Charakterzüge dieses nord- 
westlichsten Abschnittes der Vcr. Staaten bezeichnet werden. 

Südendc der Sierra Nevada. Wie gegen die Nordgrenze 
des Staates, so verliert auch gegen die Südgrenze hin die Sierra 
Nevada von der Einfachheit, welche sie in ihrem mittleren Verlaufe 
auszeichnet. Wie dort die Lavaergüsse, so greift hier die Störung 
der Schichten der Tertiär- und Kreideformation in die Einfachheit 
und Regclmässigkeit der Lagerungsverhältnisse ein und hier wie 
dort wird damit die Oberflächengcstaltung des ganzen Gebietes 
wesentlich verändert, Bis zum Passe Tejon finden wir den scharfen 
Unterschied zwischen Sierra und Küstengebirge darin, dass dort die 
Schichten, welche jünger als die Kreide, ungestört, also nach der 
Hebung des Gebirges abgelagert sind, während hier nicht bloss 
Kreide- sondern auch Tertiärschichten gestört und gehoben er- 
scheinen. Dieser Unterschied der Lagerung zeigt einen sehr be- 
deutenden Unterschied des geologischen Alters «1er beiden Gebirge 
an. Von dem genannten Punkte südwärts verschwindet derselbe 
jedoch, ohne dass ein Bruch oder sonst eine auffallende Störung 
der Gebirgsmasse sein Aufhören bezeichnete. Die beiden Gebirge 
scheinen zu verschmelzen. „Die grossen Hebuugslinien sind in der 
Richtung so gleichartig und so sehr von sekundären Hebungslinien 
durchsetzt, dass die orographischen Verhältnisse nirgends den geo- 
logischen Uebergang erkennen lassen, der nichtsdestoweniger be- 



Digitized by Google 



III. Oberflächeiigestaltung. 8!> 

steht Dieser Uebergang findet etwa halbwegs zwisc hen dem 
Pass Tejon und der Canada de las Uvas statt, und wenn man von 
diesem Punkte eine Linie südwärts zieht, hat mau westlieh Gebirge 
vom Alter des Küstengcbirgs und östlich solche vom Alter der 
Sierra, ohne dass eine andere als diese ideale Grenze sie von 
einander trennte. 

Im Westen haben wir zunächst die Sierra Sa. Monica, die öst- 
lich heim Passe Cahuenga beginnt, von Los Angeles westlich die Küste 
entlang zieht und mit dem kühnen Vorgebirge Point Mogu am Stillen 
Meere endigt. Im Westen hängt mit ihr zusammen und zieht ostwärts 
gegen den Pass Cajon die Sierra* S. Gabriel (gegen 100 Kil. lang und 
30—40 Kil. breit; Hauptgipfel nördlich von S. Antonio 3035 m.), welcher 
man wohl auch als Sierra S. Antonio oder als westlichem Auslaufer der 
S. Bernardino-Kettc auf den Karten begegnet. Sierra Sa. Anna ist 
eine ungewöhnlich zerrissene Gebirgskette, die in nordwestlicher und süd- 
östlicher Richtung sich ca. HO Kil. laug erstreckt und deren höchster 
Gipfel Mt. Downey 1730 m. hoch ist. Temescalc Range ist ein Ge- 
birgszug von geringerer Ausdehnung, der nördlich und nordöstlich von dem 
ebengeiiannten gelegen ist und dessen höchste Gipfel wahrscheinlich die 
Höhe von looo m. nicht erreichen. Die Inseln, welche der Küste gegenüber 
liegen, an der diese Gebirge sich erheben. Sa. Catalina, S. Barbara. 
S. demente und S. Nicolas, haben gleich den Gebirgen eine süd- 
östliche und nordwestliche Richtung Sa. Catalina ist 28 Kil. lang. 
;| — 7 Kil. breit, soll zu 900 in. aufsteigen und zeigt Spuren vulkanischen 
Aufbaues; S. Nicolas, 12 Kil. lang. f> Kil. breit und ungefähr 1*0 m. 
hoch, besteht ausschliesslich aus Sandstein, und S. demente ist ein 
Hasaltfels von .'55 Kil. Länge. ;{ Kil. Breite und über ;ioO m. Höhe. 

Die S. B c r n a r d i n o - K c 1 1 e (S. Bernardino .55.17 m.) ist der mächtigste 
Gebirgszug dieser Region. Der 1390 m. hohe Cajon-Pass trennt sie von der 
Sierra S. Gabriel, aber nach Südosten streichen bis über den Unteren 
Colorado hinaus und nach Sonora kleinere Ketten, die vollständig in seiner 
Richtung liegen, vorzüglich die Chocolate Mts., welche in derselben 
Weise die nordöstliche Umwallung der Colorado -Wüste bilden, wie die 
S. Bernardino-Kettc weiter nördlich die der Mohavc-Wüste. Als Zwischen- 
kette sind in das Thal zwischen der S. Bernardino- und der Sa. Anna- 
Kette die S. Jacinto Mts. geschaltet, welche an ihrem Südende bereits 
in die Depression der Colorado-Wüste hineinreichen, wo an ihrem Wcst- 
abhange Dry Lake 90 m. unter dem Meeresniveau liegt. 



1) J. I). Wbitney, Geoiogy of California 1865. I. 187. 



Digitized by Google 



IX) III. Oberflächcngcßtaltung 

Die Gebirge, welche in nordwestlicher und südöstlicher Richtung 
ziehend die südlichsten Theile des Staates Califoruien noch eben berühren, 
um von da in das Gebiet der californischen Halbinsel (Iiaja California 
der Mexikaner) einzutreten, welche sie in derselben Richtung durchziehen, 
werden gewöhnlich als Pen insular M t s. zusammengefasst. Es ist eine 
der wenigst bekannten Gebirgsregionen des "Westens. Nur derjenige Theil. 
welcher der nordamerikauisch-mexikauischen Grenze zunächst gelegen ist 
und durch welchen der Weg vom Stillen Meere nach dem Unteren Colorado, 
der sog. San Diego Trail, führt, wird ziemlich hautig von civilisirten Menschen 
durchschritten und von ihm, der etwa 160 KU. breit ist, haben wir eine 
Beschreibung J. S. Ncwbcrry's ') , der man entnimmt, dass topographisch 
wie geologisch dieser Zug und mit ihm wahrscheinlich die ganze Halbinsel* 
Sierra von Untercalifornien als eine Fortsetzung der Sierra Nevada er- 
scheint, dass sie vorwiegend aus granitischen und gneissartigen Gesteinen 
besteht, und dass es „ein Labyrinth von Bergzügen und Thalern\ dessen 
dürrer, wüstenhafter Charakter nur von wenigen Oasen unterbrochen wird 
und hinsichtlich des Klima's und der Vegetation im Ganzen mit der Natur 
der Depression übereinstimmt, welche als Colorado- Dorrt sich vom Ost- 
fuss dieses Gebirgszuges über den Colorado hinüber bis zu den Gebirgen 
von Arizona und Sonora erstreckt. 

Das Küstengebirge. Kehren wir nun zurück zu dem Ver- 

einigungspunkte der Sierra mit dem Küstengebirge, zu der Region 

des dchntable (/round, des strittigen Bodens zwischen diesen beiden 

Gebirgen, so sehen wir die Berge sich von beiden Seiten zu einer 

Art von Amphitheater um den Oberen San Joaquin und die Ebene 

des Tulare-Thales zusammeuschliessen. 2<M)0 — 2500 m. hohe Gipfel 

schauen von drei Seiten in diese Ebenen, die am Fuss der Berge 

bis zu 300 m. Tiefe aus Kies und Sand besteben, welche von den 

Bergen herstammen. 450 m. ist die Höhe der Ebene am Fuss 

dieses Gehirgshalbkreises, über den der Tejon-Pass in 1611 m. Höhe 

wegführt. 

Lassen wir mit den californischen Geologen das Küstengebirge 
Califoruiens, die Coast Range, an diesem Punkte beginnen und bis 
in die Region von Lassens Peak sieb erstrecken, so haben wir in ihm 
ein (iebirgssystem vor uns, das bei ca. 4(K) Kil. Länge (50 — 100 Kil. 
breit, und zwar in seinen nördlichen Tbeilcn breiter als in den 
südlichen ist. In unmittelbarer Nähe der Küste hinziehend, welche 



1) J. C. Ives, Report upon the Colorado R. 1861. Geology. 13. 



Digitized by Google 



III. Obcrflächengest&ltung 



91 



es durch ihren steilen, felsigen Charakter erhält, ist seine Richtung 
und Ausdehnung ziemlich klar aus der Küstenform dieser Strecke 
des Pacifischcn Abhangs zu ersehen. Von südlich des .'55. bis etwas 
nördlich vom 4U Breitegrad ist ihre Richtung nordnordwestlich 
und dieselbe ist auch die Richtung des Küstengebirges. Der süd- 
östliche Rückfall der Küste südlich vom &">.. ihre Einbuchtung 
unter dem 38. und ihre Nordnordostbiegung nördlich vom 40. Breite- 
grad bezeichnen drei Abschnitte der natürlichen Gliederung desselben. 

Während das vorwiegende Streichen des Gebirges ein nordnordwest- 
liches ist, treten dort am Südende einige westlich und östlich streichende 
Züge auf, deren Richtung auch in der Gruppirung der sfldcalifornischen 
Inseln ausgeprägt ist. Es sind die Sierra Santa Incz, die unmittelbar 
am Rand der Sta. Barbara-Strasse aufsteigt, Sierra Santa Monica, 
vom Cahuenga Pass nach Point Mogu ziehend, und Sierra Santa Su- 
sanna, die nördlich vom S. Fernando -Thale liegt. Die vier der Küste 
von S. Barbara gegenüberliegenden und mit ihr parallelen Inseln Anaeapa, 
Sa. Cruz, Sa. Rosa und S. Miguel können als Trümmer einer vierten west- 
östlichen Kette betrachtet werden. Nördlich von dieser Region der im 
Sinn der geographischen Breite geschehenen Hebungen folgt ein weiter 
Bezirk, wo dieselben mit den nordwestlich und südöstlich ziehenden Er- 
hebungen in ( onllikt gerathen sind; S. Rafael Hills und Cuyama Range 
sind hervorragendere Züge desselben. Aber erst vom Südendc der Sierra 
Sa. Lucia an ist es, dass die letztere Richtung entschieden zum Durch- 
bruch kommt. Diese Sierra ist überhaupt die dominhende in der ganzen 
südlichen Hälfte des Küstengebirges, dessen Meeresrand sie in der Länge 
von 150 Kil. bildet. Rir Abfall zu demselben ist so steil, dass auf der 
langen Strecke zwischen Piedras Biancas und Point Sur nicht einmal ein 
Pfad zwischen Gebirg und Meer hinführt. Als Sierra de las Salinas 
wird der Östliche Theil dieser Sierra bezeichnet, der aus einer Reihe von 
mit der Hauptkettc parallelen Erhebungen besteht und nur durch die 
Thäler des Carmelo und S. Antonio R. und der Zuflüsse des Arroyo seco 
von derselben getrennt ist. Als Palo Scrito Hills wird dieselbe in 
ihren nördlichen und als S.Antonio Hills in ihren südöstlichen Theilen 
bezeichnet. Endlich wird als Sierra Gavilan (oder Gavillan) der Ge- 
birgszug nördlich von der Salinas-Kettc unterschieden, der nach Osten hin 
mit der Mt. Diablo-Gruppe in innige Verbindung tritt. Diese letztere 
ist eiu ca. 210 Kil. langer und :M> — 45 Kil. breiter Complex von hohen, 
wellenförmig in einander übergehenden Erhebungen (high rolling hüls, nach 
Whitney) getrennt dureh enge Thäler und es ist in ihr, dass der Durch- 
bruch stattgefunden hat, welcher die San Francisco -Bai und damit 
das Thor schuf, durch welches das Innere Californiens mit dem Meere 



Digitized by Google 



99 III. Oberflachengestaltunp. 

in Verbindung tritt. Man unterscheidet als Contra Costa Hills den 
Bergzug, welcher den Ostrand der San Francisco -Hai bildet, der also 
San Francisco im Rücken liegt. Die Mt. Diablo-Berge im engeren 
Sinn. d. h. die um Mt. Diablo gruppirten Frhebungen schlicssen sich im 
Süden an diese an und mit den Namen Mt. Hamilton, Panoche, 
S. Carlos und Fstrella sind weitere Bergzüge bezeichnet, welche sich 
zwischen diesen und der bereits genannten Sierra de Gavillan erheben. 
Von ihnen durch die Hai getrennt sind die Bergzüge von S. Bruno, 
S. Mateo und Sa. Cruz, welche die Südhalbinsel der Bai von San 
Francisco durchziehen und welche wohl auch insgesammt unter den 
letzteren Namen zusammengefasst werden. Da« Nordende dieser Höhen 
liegt am Göhl in Gate, der Meerenge, die Meer und Bai verbindet, 
und ihr Südende pflegt man an der Bucht von Montcrey anzunehmen, und 
es wäre demnach die Fange dieses Abschnittes des Küstcngehircrcs 
ca. llo Kil. Seine bedeutendsten Höhen, die bis nahe an 12<>0 m. (Mt, 
Bache 1156 m.) sich erheben, befinden sich sammtlich am Südende und 
ebendaselbst erreicht er auch seine grösstc Breite von 40 Kil. Breite 
und Höhe nehmen gegen Norden hin ab, bis der ganze Gebirgszug beim 
Golden (Jäte sich ins Meer senkt. 

Wir begegnen nördlich von der Bai zunächst Ahnlichen orographisehen 
und geologischen Verhältnissen wie Midlich von derselben und die Gebirgs- 
züge erscheinen z. Th. als Fortsetzungen derer, die wir schon kennen 
gelernt haben. Sie wachsen wie diese von der Bai an in Höhe und 
Breite und zeigen denselben geologischen Bau. Aber ihr erster Höhe- 
punkt '), nach welchem sie hier genannt werden, M t. S. Helena (132-1 DU.), 
ist bereits ein erloschener Vulkan und der Frsprungsherd der vulkanischen 
Gesteine, welche von hier in östlicher und südöstlicher Richtung sich über 
»las Fand ausgebreitet haben. Die Tcrti.lr- und Kreideschiebten treten 
von hier an noch an vielen Stellen zu Tapc, aber Fruptionsprodukte aller 
Art haben sich über weite Strecken ergossen und nehmen an Masse zu. 
indem man nach Norden fortschreitet. An die Mt. S. Helena - Gruppe 
schliessen Bich die Pelevo- und Vacca- Berge an. von denen die 
letzteren die westliche Begrenzung des Sacramento-Thales bilden, wahrend 
die ersteren als ein verbindendes Glied zwischen ihnen und der S. Holena- 
Gruppo erscheinen. 

In den Gebirgszügen, die man nördlich vom 42. Breitegrad, also im 
Gebiet von Oregon und Washington Territory als Vertreter des californi- 
schen Küstengebirges betrachtet und welche man hier in einem grösseren 
Abschnitt auch mit demselben Namen der (Oregon) Coast Range belegt. 

1) Hin an sich weniger bedeutender, der Tamalpais (7!*2 in.), wird öfter 
genannt, wed er, an weit sichtbarer Stelle stehend, eine der Landmarken der 
Bai von San Francisco bildet. 



Digitized by Google 



III. Obernachengeataltung. 



»8 



ist eine allgemeine Aehnlichkeit mit jenem nicht zu verkennen. Zunächst 
bleibt das Verhältniss der Hohe und Masse hier insofern ein ahnliches wie 
in Californien, als das Küstengcbirg, wie der Sierra, so auch der Cascaden- 
kette als ein um Erhebliches minder hohes und massig entwickeltes, ein 
Xtbcngebirge, wenn der Ausdruck erlaubt ist, gegenübersteht. Dann ist auch 
hier das Küstengebirge im Norden und Süden aufgelöst in eine Reihe von 
Ketten, in deren Verlauf eine rechtwinklig zum Streichen des Haupt- 
gebirges, also Östlich und westlich gehende Richtung entschieden vorwiegt ; 
zwischen diesen beiden Zonen der Auflösung ist die eigentliche Coast 
Range von Oregon sehr ahnlich in Verlauf, Struktur und geologischem 
Rau, soviel wir von diesem wissen, dem Gebirgszug, der als ihr Vertreter in 
Nordcalifornien zwischen der S. Francisco-Bai und dem Shastagebiete sich 
ausbreitet. Man kann die schon oben genannten Siskiyou Mts. als den 
Anfang der südlichen Zone der Auflösung betrachten. Ihnen parallel laufen 
weiter nördlich die Rogue River Mts. und wiederum eine Strecke weiter 
nördlich die Calapooya Mts. und zwischen beide ist die nördlich und 
südlich verlaufende Kette der Umpqua Mts. eingeschaltet, die durch ihre 
Richtung bereits das eigentliche Küstengebirge ankündigt, das dann im 
Anschluss an das Westende der Calapooya Mts. sich vom 44. Rreitegrad 
bis zum Columbia erstreckt. Das Küstengebirge ist hier ein einfaches 
Kammgebirg und eine scharfe Wasserscheide. Nördlich vom Columbia, 
der das Gebirge rechtwinklig durchbricht, herrschen wieder Querketten, 
von denen die bedeutendste die Olympic Range (Mt. Olympus 24 HO m. 
nach älterer Mess.), die den Südrand der San Juan de Fuca-Strasse bildet 
und von der man annimmt , dass sie sich nach Norden in eine allerdings 
lückenhafte Gebirgskette fortsetze, der die Vancouvors-Insel, der Königin 
Charlotte-Archipel und die Küsteuinseln bis Alaska hinauf angehört en. 

Als ein einziges grosses tUnvimhchex , d. h. seinem Ursprünge nach 
mit der Gebirgshebttng zusammenhangendes Thal isl die zwischen den 
beiden Gebirgen in derselben Richtung wie sie verlaufende Einsenkung 
zu betrachten, die vom Tejon-Pass brs zum I'uget-Sund über zwölf Breite- 
grade zu verfolgen ist. Von den grösseren Küstenflüssen dieser Region 
Hiessen S. Joaquin , Sacramento und Willamette ganz. Klamath. Umpqua 
und Kowlitz zum Theil in derselben. 

Die Inneren Hochebenen der Cordil leren. Bei der all- 
gemeinen Betrachtung der Bodengestalt unseres Gebietes haben 
wir schon betont, wie nicht bloss die Gebirgsketten, sondern auch 
die Kette vom Iloehebenenbeeken , welche sie einschliessen , in Be- 
tracht zu ziehen sind, wenn man sich ein Bild von den allgemeinsten 
Grundzügen des Gebirgsbnues im westlichen Nordamerika machen 
will. Zwischen Sierra Nevada und Cascade Mountains im Westen 



Digitized by Google 



94 III. OborflächongesUltung. 

■ 

und den Felsengebirgen sammt ihrer südlichen Fortsetzung in den 
Gebirgen von West-Texas und Nordost-Mexico im Osten sind diese 
Becken eingeschlossen und bilden zwischen ihnen jene mächtigen 
Hochebenen, welche für die westliche Hälfte von Nordamerika von 
nicht geringerer Bedeutung sind als die grossen Gcbirgsmasscn. Die 
Thäler des Rio Grande, des Colorado-Gila und des Columbia bilden 
die Thore und Wege, die aus dem Inneren, des Gebirges nach den 
Terrassen führen, mit denen es beiderseits nach den Ebenen oder dem 
Meere abfällt. Am weitesten und am tiefsten eingesenkt von ihnen ist 
die Strecke zwischen dem mittleren Rio Grande und dem mittleren 
Gila. Hier würde ein Ocean, nicht viel höher als der Rio Grande 
bei El Paso, den nordamerikanischen Continent von Mexico trennen ; 
er würde die Wüste am unteren Colorado bedecken und über die 
tiefen Pässe südöstlich von Los Angeles weg einen Arm zum Stillen 
Meere senden, der Untercalifornien zur Insel machen würde. Diese 
Vertiefung, die am Unteren Colorado sogar unter das Meeresniveau 
herabgeht, trennt jene Kette innerer Hochebenenbecken in eine 
südliche mexicanische und eine nördliche nordamerikanische Gruppe. 
Bloss mit der letzteren haben wir es hier zu thun. Diese selbst 
zerfallt wieder in zwei grosse natürliche Abschnitte, die sowohl durch 
Gebirge als durch Depressionen von einander getrennt sind. Die 
Wahsatch-Kette und die Depressionen im Gebiete des Grossen Salzsees 
bezeichnen die Grenze zwischen einer östlichen und einer westlichen 
Hochebene im Inneren des Gebirges und die beiden werden wieder 
durch Höhenzüge, jene durch die Uintah-Gruppe . diese durch die 
Wasserscheide zwischen Columbia und Humboldt R., in nördliche 
und südliche Abschnitte getheilt, so dass wir vier grosse Hochebenen 
in dem Raum zwischen den beiden grossen Gebirgsketten haben: 
Das Grosse Becken, das von den Wahsatch Mts. im Osten und 
dem Colorado im Süden begrenzt wird, und von dem die Snake R. 
Plains die nördliche Fortsetzung bilden, die Laramie Plains 
im Gebiet des Green R. und das Becken des Oberen Colorado. 
Die beiden ersteren nehmen den westlichen, die letzteren den öst- 
lichen Abschnitt der grossen Hochebenen des Inneren ein. Sie finden 
ihre Nordgrenze an dem Gebirgsriegcl, der nördlich vom Columbia R. 
das Felsengebirg und die Sierra verbindet, während im Süden, wo 



Digitized by Google 



m. Oberflächengestaltung. 



95 



nicht die Colorado - Gila - Depression sie begrenzt , ein allmählicher 
Uebergang in die Hochebenenbasis stattfindet, aus der die Höhenzüge 
von Arizona und Neu - Mexico sich erheben ; das sogenannte Sierra 
Madre-Plateau ist in dieser Region noch in ihren Kreis zu rechnen. 

Den grössten Unterschied bedingen jedoch die Beziehungen 
dieser Hochebenen nach aussen hin und sie zerfallen in dieser 
Richtung in zwei grosse natürliche Abschnitte, je nachdem sie 
einem der Abfälle des Zwischengebirgs-Landes oder einer Kinsenkung ' 
desselben angehören. Jene fallen in den Kreis der grossen Strom- 
systeme des Westens (Missouri, Columbia, Colorado), diese lassen 
ihre Gewässer in Salzseen oder Salzsümpfen verdunsten. Es sind 
vorzüglich die letzteren , die wir hier zu betrachten haben. Ihre 
Grenze läuft im Westen hart an der Cascadenkette und der Sierra 
(flammt der Sau Bernardino-Kette) hin bis zum californischen Meer- 
busen und folgt im Osten der rechtsseitigen Wasserscheide des Colorado, 
der Wahsatch-Kette und der linksseitigen des Columbia. Im Norden 
und Süden verschmälert, erreichen diese abgeschlosseneu Becken 
ihre grösste Breite in der Linie des Grossen Salzsees, wo sie 
720 Kil. breit sind, während sie unter dem 37. Grad zu 300 Kil. 
zusammengezogen erscheinen. Es ist dieses Gebiet, welches man 
als das Grosse Becken des Inneren (Great Basin of the In- 
terior) zu bezeichnen pflegt l ). 

Der Boden dieses Beckens ist eine Hochebene, die von zahlreichen 
Berg- und Hügelzügen in vorwiegend nördlicher und südlicher, d. h. mit 
dem Streichen der grossen einschliessenden (iebirgszöge im Allgemeinen 
paralleler Richtung durchzogen ist. Es dürfte im Ganzen die Hälfte der 
Oberfläche des Beckens von Hergen und Hügeln, die andere von Thälem 
und sonstigen niederen uud ebenen Bodenformen eingenommen sein. Die 

1) Der Ausdruck Becken, wiewohl soit Kremont allgemein üblich, ist in dieser 
Anwendung auf einen grossen Theil der zwischen den Gebirgen liegenden Hoch- 
ebenen nicht zutreffend und sogar in gewisser Beziehung irreführend, denn es 
findet in denselben nichts weniger als ein allmähliches Abfallen der Ränder nach 
innen und der Mitte zu statt, wie wir es mit dem Hegriff eines Heckens ver- 
binden. Das Great Busin hat mit einem Becken nichts weiter gemein, als die 
erhabenen Ränder, die den AbHuss seiner Wasser nach aussen verhindern; nach 
innen zu fallen diese Ränder allerdings ab, aber die tiefsten Depressionen liefen 
wieder an den Rändern statt in der Mitte und diese ist von einem grossen 
Complex von Höhenzügen eingenommen, die theilweis an Hube nicht weit hinter 
den Raudgebirgeu zurückbleiben. 



Digitized by Google 



III. Oberflichengestoltung, 



tiefsten Theile bilden drei grössere Senkungen, eine im Westen, die andere 
im Osten, die dritte und grösste im Süden; die erstere zu 117-1 m. herab- 
gehend, nimmt ausser einer Anzahl kleinerer Gewässer den Humboldt R. 
in sich auf, in dieser (bei 129Ü m. gelegen) hat der Grosse Salzsee sein 
Bett gefunden, der von den Zuflüssen der Wahsatch- und eines Theiles 
der L'intah-Berge genährt wird, und auf ein noch tieferes Niveau sinkt das 
Berken in seinem südlichsten Auslaufer herab, wo die Mohave- oder Mojavc- 
Wüste zwischen der S. Bernardino-Kette und dem Colorado bei durchschnitt- 
lich 350 m. Meereshöhe den Südabfall des Inneren Beckens nach dem 
ealifornisrhen Meerbusen hin bildet. Der Begriff der mittleren Höhe ist 
bei solchen grossen inneren Verschiedenheiten ohne verdeutlichenden Werth, 
aber man kann sagen, dass der grösste Theil des Grossen Beckens zwischen 
l.'JOO und 15< M> m. Meereshöhe liegt. Von der westlichen Depression 
steigt die Hochebene langsam bis zur Mittelhöhe von 1800 m., welche in 
der Gegend der Quellen des Humboldt R. erreicht wird und fällt wenig 
vermittelt nach der Höhe des Grossen Salzsees ab, in welcher dann der 
grösste Theil des nordwestlichen Utah liegt. 

Die Gebirgszüge, die im Inneren des Beckens sich erheben, sind im 
Allgemeinen von gleichartigem Charakter, von JJOO — 1*00 m. über die 
Hochebene ansteigend, zerrissen, ohne ungewöhnlich steil zu sein. Ihre 
Thaler sind vorwiegend Schluchten, Canons. Ihr geologischer Bau, so 
wenig bekannt er ist . kann mit Sicherheit als ein sehr verwickelter be- 
zeichnet werden. Man findet die verschiedensten Sedimentschichten vom 
Urgebirg bis herab zur Glaeialformation , daneben Granite, Syenite und 
jüngere eruptive Gesteine, die oft weite Flachen in Form von Basalt- und 
Lavaströmen bedecken. Zersetzung und Erosion dieser Gebirge haben in 
den Thalern Massen von Detritus zu einer monotonen Gleichförmigkeit des 
Niveaus aufgeschüttet und in wenigen Thalern fehlt ein Alkali -Fiat, ein 
je nach der Jahreszeit sumpfiger oder trockener Salztümpel, wahrend die 
fliessenden Wässer mit wenigen Ausnahmen von kurzer Dauer sind. Nur 
wenige von diesen Gebirgszügen sind hoch genug, um eine hinreichende 
Masse von Schnee über den Winter hinaus festzuhalten und damit Bäche zu 
speisen, deren Existenz keine allzu ephemere ist. Von ihnen sind vorzüglich 
zu nennen: die West Humboldt Mts. (Star Peak ca. :>000m.) und East 
Humboldt Mts. (zahlreiche Gipfel von 3400— IJ800 m.), zwischen beiden 
der als Toyahes bezeichnete Gebirgszug (3000 — 3600 m.) und westlich 
von ihm die S hoshone Mts. Das mächtige, alpinstr von diesen Gebirgen 
sind die East Humboldt Mts., die die Quellgebiete einiger dauernden Flüsse 
und mehrerer nahezu süsser Seen in sich beherbergen, in deren Canons 
unzweifelhafte Gletscherspuren sich kundgeben und die in ihren höheren 
Regionen Bergseen tragen , welche die Feuchtigkeit bestündiger Schnee- 
felder nährt. Die durch die Depression des Seeret Valley abgetrennte 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltuug. 



97 



Kette der Clover Mts. ist als nördliche Fortsetzung dieses Gebirges zu 
betrachten, mit dem sie im allgemeinen Charakter übereinstimmt; ihre süd- 
liche Fortsetzung, abgetrennt durch den Fremont Pass, ist eine minder 
wilde, geologisch verschiedene, vorwiegend aus horizontalen Kalkstein- 
schichten sich aufbauende Gebirgswelt, in deren Kalkhöhlen zahlreiche 
Wasseradern zur Tiefe gehen, die dann am Fuss der Berge als wohl- 
thätige süsse Quellen in grösserer Zahl hervortreten. 

Durchschreiten wir das Grosse Becken von Osten nach Westen, so 
haben wir zunächst den Gebirgszug, der seinen Ostrand bildet, dieWah- 
satch Mts., die auf dem 112. Langegrad ziemlich gerade nördlich und 
südlich verlaufen und die wie ein riesiger terrassirter Wall langsam aus 
der höheren östlichen Hochebene aufsteigen, um steiler zu der erheblich 
tieferen westlichen Hochebene und dem Niveau des Grossen Salzsees ab- 
zufallen. Mit Ausnahme der Punkte, wo die tiefen Canon- Thaler des 
Ogden, Weber und Provo R. einschneiden, bietet dieses Gebirg an seinem 
Westabfall durchaus den Anblick einer fest zusammenhangenden Mauer, 
denn selten sendet sie hier Vorberge oder sanftere Abhänge in die Ebene 
hinaus, sondern stürzt in den meisten Fällen unvermittelt in die Schutt- 
halden ab, die ihren Fuss umsäumen. Nirgends tritt dieser Mauer- 
charakter schärfer hervor, als beim tiefsten Abfall des Gebirges, nämlich 
am Rande des Grossen Salz- und des Utahsees l ). Die Basis des Ge- 
birges ist schmal, durchschnittlich nicht über 80 Kil. breit, aber es erhebt 
sich bis zu 3000 m. und darüber (Belknap Mt. 3626, Lone Peak 3266 m.), 
ohne bei der vorwiegenden Massenentwickelung so hervorragende Gipfel 
hervortreten zu lassen, wie sie in den Hauptketten der Cordillcren häutig 
sind; die bedeutendste Erhebung des ganzen Gebirges ist in seiner Süd- 
hälfte zu suchen. Die mittlere Kammhöhe ist dagegen um so grösser und 
dürfte nicht viel hinter 3000 m. zurückbleiben. Im Westen scharf gegen 
tlie Hochebene abgesetzt, im Norden durch die Bear Mts. und Tcton 
Range und im Osten durch die Uintah Mts. mit dem Felsengebirg 
verbunden, ist dieses Gebirge nach Süden hin zu einigen Plateaux aus- 



1) Indem dieser steile Abfall die Bildung grösserer Thäler verbietet, kommt 
das Schmelzwasser aus den Schueeregiouen der Wahsatcb Mts. in einer Un&hl 
vom kleinen Felsencanälen zu Thal und die unwirkliche, steile Bodenform, die 
jede Cultur weit abzuweisen scheint, wird dadurch unmittelbar culturfördernd. 
I'nbeengt vom Schutt und Geröll einer Fiumare und von den Hochufern, die in 
grösseren Thälern die Benützung des Wassers zur Bodenbewässeruug oft un- 
möglich machen, sogar schon in die erforderlichen kleineren Adern abgetheilt, 
Hiesst es hier von den Bergen herab und erleichtert damit die Irrigation, ohne 
die dort nichts gedeiht, in sehr bemerkenswertlier Weise. Oer amtliche Beriebt 
spricht von Zehntausetulen solcher Wasserladen. C. Thomas in llaydeu U. S. 
Geol. Surve>y off Montana, lö72. 229. 

Katicl, AmiTikii. I. 7 



Digitized by Google 



98 



III. Olierflächengestaltung. 



einandergezogen, welche den Uebergang zu dem grossen Colorado-Plateau 
bilden: Thousand Lake Mts., Sevier- und Aquarius-Plateau 
ziehen gegen das Colorado-Plateau hin und über sie hinaas sind Linear-. 
Paria-, Buckskin-, Kanab- und Sanub- Plateau bereits an den 
Rand des Colorado -Thaies vorgeschoben. Gegen Südwesten bilden die 
Virgen Mts. und die kleinen Gebirgsgruppen, die die ausgebreitete Hoch- 
fläche des Esealante-Thales umlagern (Pahvan Range, Mineral 
Hange, weiter östlich Sevier Range). Auslaufer der Wahsatch-Kette. 

Schreiten wir von diesem hervorragendsten der Gebirge des Grossen 
Beckens nach Westen fort , so finden wir ein ähnlich massiges und 
machtiges Gebirge im Inneren nicht mehr. Aber an seine Stelle tritt 
eine Masse niederer Höhenzüge , die meist aus einfachen , langen , un- 
vermittelten , aber unter einander parallelen Ketten gebildet sind. Sie 
verlaufen der Mehrzahl nach nördlich und südlich, und dieselben Rich- 
tungen zeigen daher auch die Thaler dieser Region und zwar selbst da. 
wo sie, wie im westlichen Utah, zu breiten Flachen ausgezogen sind. 
Das Thal des Humboldt- Flusses macht nur scheinbar eine Ausnahme, 
von dieser Regel, denn es setzt sich vorwiegend aus aneinandergereihten 
durch Durchbrüche verbundenen Abschnitten solcher Thaler zusammen. 
Dieser merkwürdige, gewissennassen aufgelockerte Gebirgsbau herrscht 
selbst in dem früher gewöhnlich als eine bedeutende zusammenhangende 
Gebirgsmasse dargestellten Nordrande des Beckens. Schon Stansbury hat 
auf diese bemerkenswerthe Thatsache aufmerksam gemacht 1 ), die Zeug- 
nis* ablegt für die orogranhiseho Einheit des Grossen Beckens. 

Die einzige Variation in diesem ein- und gleichförmigen Bau wird 
durch die breiteren Thaler erzeugt, welche jeweils zwischen einigen Ketten 
von Höhenzügen eingeschaltet sind und Ausgangspunkte für eine nicht 
völlig willkürliche Gruppirung derselben abgeben können. Zunächst haben 
wir die Cedar Mts. und Thomas Range, eine Kette, welche das 
zum Südrand des Grossen Salzsees hinziehende Lone Rock Valley im 
Westen einschliesst und der weiter östlich Guyot Range gegenübersteht; 
zwischen dieser und der eigentlichen Wahsatch-Kette liegt Tu i IIa Valley: 
Des er t Mts., Towano Mts. und Goose Creek Mts. mit dem Felsen- 
meer der City of Rocks sind gesonderte kleine Gebirgsgruppen im nörd- 



1) „Per Nordrand des Grossen Beckens, oder die Erhebung, welche dasselbe 
vom Thal« des Columbia trennt, besteht nicht, wie man annahm, aus einer zu- 
sammenhängenden Gebirgskette, sondern aus einer Anzahl von langen, unver- 
mittelten, unzusanimenhängenden , nördlich und südlich erstreckten und durch 
Thaler getrennten Höhenzügen, welche eben so viel Wasserscheiden darstellen, 
von denen die Wasser einerseits nordwärts nach dem Columbia, andererseits 
südwärts nach dem Grossen Becken fliessen." H. Stansbury, Kxplor. of the 
Valley of the Great Salt Lake, 1853. 



Digitized by Google 



HI. Oberflächongestaltung. 



99 



liehen Theil der Salzseewüste. An ihrem Südrande erheben sieh in diehter 
Zusammendrängung ähnliehe Gruppen: Hawahwah Mts., Needle 
Range, Piüon Mts. Den Westrand der Wüste, von ihr durch White 
Valley getrennt, bildet die Kette der Goshoot oder Totsarr Mts., 
zwischen denen und den weiter westlich gelegenen Ungoweha Mts. 
Antel ope Valley eingeschaltet ist. In der nördlichen Verlängerung 
der letzteren Kette ziehen die Wachoi Mts., und beide zusammen bilden 
den Ostrand des S t e p t o c und des Cavc Valley, deren westliehe Ein- 
fassang von einer längeren Bergkette gebildet wird, die in verschiedenen 
Abschnitten versehiedene Namen trägt: Im Norden Antelope Buttes, 
an diese sehliessen sieh die Waroja Mts., an diese die Monttim 
Range, an diese die Egan Mts. und an der Südspitzc die Cedar 
Hange. Ein kleiner Höhenzug, die Toomuntz Range liegt in dem 
breiten Thal Ruby Valley, welche jene längere Kette von den bereits 
oben genannten East Humboldt Mts. trennt. In der südlichen Ver- 
längerung dieser ziehen die Hot Creek Mts. und in der auseinander- 
strebenden Gabel, die diese mit den Egan Mts. bilden, die Pimpehute 
M t s. und die R e v i 1 1 e e Mts.; Sierra-, R c v i 1 1 e e - und Hot Creek- 
Valley werden von diesen vier Ketten begrenzt. Lassen wir die weiteren 
südliehen Fortsetzungen dieser Höhen und Thäler einstweilen bei Seite und 
verfolgen die Ketten, die sieh um den Humboldt-Fluss gruppiren, so haben 
wir dicht hinter East Humboldt Range die zwei Ketten der Weahbah 
und Cooper Range, welche Pahunnupe Valley zwischen sieh ein- 
sehliessen. Weiter im Westen folgen die grösseren Ketten der bereits 
genannten Shoshone und Toyabee Mts., die den Westrand einer 
breiten Niederung (Fish Lake-, Smoky-, Guid c- Valley) bilden, 
ans der kleinere Gebirgsgruppen wie Cortez Mts., Cooper Peak, 
East Range sich erheben. Aus einem ähnlichen Thälereomplex erheben 
rieh weiter westlieh die Sonoma Mts., West Humboldt Mts., 
Look out Mts. auf dem linken und Antelope Mts., Trinity Mts. 
und Rabbit Hole Mts. auf dem rechten Ufer. Der Westabhang dieser 
Höhen schaut bereits auf die Depression hinab, in der Goose-, Pyramid-, 
Humboldt-, Tahoe-, Carson-, Walker Lake und andere Seen und Salz- 
sümpfe gelegen sind und jenseits deren die Sierra Nevada sieh erbebt. 
Washoe und Pine Nut Range sind kleinere Gebirgszüge dieser Region. 

Die Region südlieh und nördlich von diesen mittleren, durch die Paeitie- 
bahn, die sie durchzieht, zu besonderer Bedeutung gelangten Striehe des 
(irossen Beckens verhält sieh sehr verschieden in Bezug auf ihre Höhen- 
verhältnissc. Im Norden zunächst haben wir ein wenig erforschtes Ge- 
birgsgebiet zwischen Humboldt und Owyhec R., dessen Bau im Allgemeinen, 
wie wir bei Erwähnung des Nordrandes des Beckens schon hervorgehoben, 
dem oben geschilderten Typus der Hoehebeneugebirge entspricht, dessen 

7* 



Digitized by Google 



100 



III. Oberflächengestalt uiil' . 



Entwicklung in Masse und Höhe der einzelnen Ketten aber weit hinter 
den Gebirgszügen südlich vom Humboldt R. zurückbleibt. Santa Rosa 
Mts., Quins R. Mts., Steen Snow Mts., Pueblo Mts., Black 
Rock Range sind weiter nach Westen zu gelegene Bergketten, von 
denen die beiden ersteren parallel ziehen, während die drei anderen in 
einer und derselben Streichungslinie liegen. Westlich von ihnen scheinen 
Warners Range und die weit nach Norden hinausziehende Kette dor 
Blue Mts. in ähnlicher Weise eine und dieselbe Richtung zu verfolgen, 
die sich über sechs Breitegrade erstreckt. Winter Ridge zwischen 
Summer und Silver Lake ersetzt hier oben in Oregon die Washoe- und 
andere Ketten, welche in Nevada die Seen der Depression von einander 
scheiden. In den nordwestlichen Winkel zwischen Sierra und dem Columbia- 
fluss zieht eine Bergkette parallel dem Des Chuttes-Fluss, welche als 
Westausläufer der Blue Mts. bezeichnet zu werden pflegt. Ein Theil 
dieser Gebirge gehört indessen bereits dem Aussenrand des Beckens, d. h. 
seinem Abfall nach dem Stromgebiete des Columbia an. 

Von den Höhen, die südlich vom Humboldt R.-Gebicte ziehen, haben 
wir einige, die mit den Wahsatch Mts. zusammenhängen, ferner vereinzelte 
kleine Gebirge der Salzseewüste bereits kennen gelernt. Weiter westlich 
finden wir eine grössere Kette als Südausläufer der Egan Mts., die sich 
zusammensetzt aus der Ely-, Highland - und Me ad ow Valley Range. 
Vielleicht sind als secundäre Ausläufer von ihr die Mormon- und die 
Muddy Range anzusehen, die bereits zu der Wasserscheide zwischen 
dem Grossen Becken und dem Colorado gehören. Cedar Range ist 
ein vereinzeltes kleines Gebirg in dem Meadow Valley W r ash, welches 
östlich von der Ely -Kette sich ausbreitet. Weniger zusammenhängende, 
immerhin aber in derselben allgemeinen Richtung liegende Höhenzüge 
folgen im Westen, woGrant-, Quinn Canon- (2870 m.), Pahranagat 
Range (Quartz Peak 2042 m.) eine Kette zu bilden scheinen, von der 
vielleicht die Vegas Range ein südlicher Ausläufer ist. Reveille-, 
Kawich- und Beited Range dürften zu einer zweiten Kette zusammen- 
fassen zu sein, in deren südlicher Verlängerung unter dem 36. Breitegrad 
die Gruppen der T i m b e r - und S p r i n g*M t s. liegen ; die letzteren erheben 
sich mit einigen Gipfeln über 3000 m. (Charleston Peak 3307 m.), zu der 
grössten Höhe, die zwischen Wahsatch-Kettc und Sierra erreicht wird und 
die um so bedeutender erscheint, als in dieser Region bereits der Abfall 
der inneren Hochebenen nach Süden beginnt. Die Thäler in der Um- 
gebung der Spring Mts. liegen bereits zum Theil nur noch zwischen 600 
und 700 m. ; durch einen Wüstenstrich mit zahlreichen vereinzelten Berg- 
gipfeln wie Lane Mt., Gold Mt., Gold Hill, Grapevine Peak, 
Bear Mt., Kingston Peak u. a. von dieser Reihe getrennt (Ralston 
Valley, Ralston Descrt, Amargoza Desert sind Abschnitte dieses 



Digitized by Google 



* 



III. Oberflachengestaltuug. 101 

Wttstengebietes und die letztgenannte bildet bereits den Uebergang zur 
Mohave Desert), folgt eine weitere Reihe von Höhenzügen, die im Norden 
mit der Silver Peak Range beginnt, diePanamint- undAmargoza 
Mts. umschliesst und nach Süden in die vier Ketten der Kingston-, 
Funeral-, Telescope- und Darwin Range sich theilt. Death 
Valley liegt zwischen den beiden mittleren Ketten dieser Reihe, Ante- 
lope- und Salinas Valley scheiden dieselbe von der Kette der White-, 
Ingo- und Coso Mts., welche ihrerseits durch Owens Valley von der 
hier ausserordentlich steil abfallenden und ihre höchsten Höhen erreichenden 
Sierra getrennt sind. Zwischen ihnen, der San Bernardino-Kette und dem 
Colorado, liegt die Mohave-Wüste, die allmählich zur Colorado- Wüste und 
damit zum Stillen Meere und sogar noch unter dessen Niveau abfällt — 
ein Gebiet von 125,000 OKil. 1 ), in welchem wenig Höhen über 900 m. auf- 
steigen, und welches sogar in seiner nördlichen Hälfte in der Mohave 
S i n k zu 305 m. herabsinkt. Providence - und P a h u t a h M t s., die sich 
wahrscheinlich nur wenig über 2100 m. erheben, südliche Ausläufer der 
bereits zu den Uferketten des Colorado gehörenden Opal Mts., sind die 
einzigen nennenswerthen Höhenzüge in dieser weiten und wüsten Fläche, 
die einige der ausgeprägtesten Wüstenstrecken umfasst, welche Nordamerika 
aufzuweisen hat. 

Das Grosse Becken nimmt die westliche und südliche Hälfte 
der Hochebenenausbreitung zwischen Felsengebirg und Sierra ein, 
und die ächteste Wüstenregion ist in ihm abgeschlossen. Aber der 
ganzen übrigen Hochebene, von den kleineren Becken abgesehen, die mit 
Ausnahme der Columbia Plains nur eine geringe Bedeutung be- 
anspruchen, verleiht das fliessende Wasser einen Oasenreichthum, 
der den eigentlichen Wüstencharakter nicht mehr zum Durchbruch 
kommen lässt. Hinter der Steppe, die hier meist Strauchsteppe 
(Artemisia Plains, Sage Plains), und ihren Oasen, die tiberall die 
Ränder der Bäche und Flüsse, der Quellen und Seen umsäumen, 
tritt die Wüste soweit zurück, dass ihre schärfsten Ausprägungen 
wie Salzsümpfe, Salzseen, Sandebenen östlich vom Green R. nur 
noch in lokaler Beschränkung auftreten. Weder Boden noch Klima 
können die Entwickelung einer lückenhaften Cultur in dieser Region 
hindern, die an fliessendem Wasser so reich ist, und wir sehen die- 
selbe in der That sich nach allen Seiten hin ausbreiten, begünstigt 
durch die grosse Lebensader der Pacificbahn, die mitten durch die 



1) Nach 0. Low* Schätzung. Geogr. Mitth. XXII. 335. 



Digitized by Google 



I 



102 III. Oberflärheiigpstaltung. 

Laramic- und Green R.- Steppe führt, sowie durch den Erz- und 
Kohlenreichthum der Gebirge dieser östliehen Zwischengebirgs- 
Hochebenen. Sie verdient als Oasen regiun der inneren Huehebenen 
vim den wüstenhaften Becken derselben unterschieden zu werden. 

Das wichtigste Gebirg sind hier die Uintah Mts., deren bereits 
oben als Zwischenglied zwischen Wahsatch- und Felscugebirg Erwähnung 
geschah. Durch Sierra Escalante, Bishop Mts. und Elkhcad 
Range sind sie mit diesem, aber minder nahe als mit jenem, und mit 
keinem von beiden unmittelbar verbunden. In der Region des 41, Breitc- 
grades sind sie in der Lange von 240 Kil. als bedeutendes Karnmgcbirg 
zwischen beiden hingclagcrt; rings um ihren Fuss liegt, die Hochebene 
bei ca. 2050 in., der mittleren Höhe dieser Region. Birc breiten, offenen 
Canons, ihre ausgedehnten Vorbergketten, ihro gletschcrpolirten Nord- 
ub hänge, die nach Süden sich in das hohe Plateau der Green- und 
Uintah R.-Gebiete verlieren, machen sie indessen dem Felsengebirge ähn- 
licher als den Wahsatch -Hergen; sie stehen jenen auch an Höhe ihrer 
bedeutendsten Gipfel näher als diesen, denn mit 4120 und 4050 m. sind 
diese (Haydcn Peak und Dawe Peak) verzeichnet. Die Hochfläche, welche 
nordlich von ihnen gelegen ist, wird vom Green R., dem nördlichen Colorado- 
Arm, durchflössen und in ihrer nördlichen Hälfte als Colorado Desert, 
in der südlichen als Artemisia Barrens bezeichnet. Oestliche Aus- 
läufer der Wind River-Gruppe fassen weiter im Osten eine ähulichc Hoch- 
fläche ein, die durch die niedrige Wasserscheide zwischen Colorado und 
Missouri von den genannten gesondert ist, die Laramie Plains, durch 
welche, aus dem Nord-Park, seinem Ursprungsgebict kommend, der Nord- 
arm des Platte R. abfliesst. Der Vergleich dieser rings von Gebirgswällen 
umrandeten Hochfläche mit den ähnlieh umwallten Parks lässt keinen 
Zweifel, dass wir es auch hier mit. einer Parkbildung zu thun haben, die nur 
in erheblich grösserem Massstabe angelegt ist als ihre südlichen Homologa. 

Wie hier zu den Flussgebieten des Colorado und Missouri, so fällt 
weiter nördlich die innere Hochebene zu dem des Columbia ab. Dort 
sind jenseits des Snake R. die hervortretendste Gebirgsbildung der Hoch- 
ebene die Sa Im on R. Mts., deren Zusammenhang mit dem Felsengebirg 
durch die als Bitter Root Mts. früher bezeichnete nordwestliche Gruppe 
desselben nicht zweifelhaft ist. Als besonderes Becken liegen zwischen 
ihnen und dem Snake R. die Camas Prairie, deren Name an zwei 
verschiedene Wüstenbeckenbildungen, eine im Südosten, die andere im 
Westen der genannten Gehirgsgruppc vergeben ist. Die im Südosten ge- 
legene ist ein ächtes Wüstenbecken mit einem Salzsumpf, Godins Sink, 
und mehreren Salzseen, die westliche wird vom Salinen R. durchflössen. 
Nez Perces Pia in ist eine Fortsetzung der letzteren in dem Winkel 



Digitized by Google 



III. Obernachetige-staltiing. 



103 



zwischen Snakc R. und Clcar Watcr K. Am nordöstlichen Abhang der 
Salmon R. Mts. liegt Big Hole Prairie, die von den Quellarmen des 
Jefferson durchflössen wird, also bereits in das Missouri-Gebiet gehört. 

Von den nach Nordwesten sich herüberbiegenden Theilcn des Felsen- 
gebirges, denen die kleinen Gruppen Pyramid Peak, Tat u nah Hills, 
Palouse Hills angehören, vom Snake R. und dem Columbia R. ist die 
Great Pia in of the Columbia R. eingeschlossen, die als der nord- 
westlichste Ausläufer des Grossen Beckens zu betrachten ist und durch 
die scharfe Sonderung von den rings sie umfliessenden Armen des Columbia 
besonders scharf hervortritt. Nur in ihrer nordöstlichen Ecke, die von 
den Spokane Plains eingenommen ist, gehen einige Wässer zum 
Palouse R.; aber die eigentlichen Columbia Plains sind ein scharf aus- 
geprägtes Wüstenbeckeu, das in centraler Einseukung den Columbia 
Salt Lake bei 204 m. Meereshöhe trägt. Eine Eigentümlichkeit dieses 
Reckens ist die Grande Goolöc, ein Dcpressiousthal, das die Nordwest- 
biegung des Columbia abschneidet und für ein altes Bett desselben ge- 
halten wird. Es ist ein oasenartig fruchtbares Land. Weiter westlich, 
zwischen Columbia und Cascaden - Gebirge sind es die Ausläufer des 
letzteren, welche die Oberflächengcstalt des Landes bestimmen. Der 
Columbia kann hier als die Grenze des Grossen Beckens betrachtet werden. 

Die Cordilleren in Neu -Mexico und Arizona. Bei 

«ler Betrachtung der verschiedenen Abschnitte der Cordilleren 
hatten wir im Osten wie im Westen bei einem bestimmten Punkte 
Halt zu machen, wo bedeutende, zum Theil allerdings vorbereitete 
Aenderungen in Grösse und Aufbau der Gebirge das Vorbanden- 
sein natürlicher Grenzen anzudeuten schienen. Diese Aenderungen 
bestanden vorwiegend in Abnahme der Kamm- und Gipfelhöhen, 
zum Theil auch (Hochebene des Inneren) in Erniedrigung der ge- 
sammten Gebirgsbasis und als Folge dessen in einem wie dem 
anderen Falle in Auflösung des innigen Zusammenhangs, welcher 
in anderen Abschnitten der Cordilleren die Gebirge zu geschlossenen 
Gruppen zusammengefügt hatte. Wir erreichten im Felsengebirg 
wie in der Sierra diesen Punkt in den südlichen Theilcn, auf der 
Hochebene des Inneren in den südwestlichen, und wir konnten 
daraus schliessen, dass in der ganzen Breite des Gebirges eine 
Abnahme in der Energie der gebirgsbildenden Kräfte gegen Süden 
hin zu bemerken sei. Diese Kräfte haben aber mit ihrer ab- 
nehmenden Energie noch über ein weites Gebiet hin gebirgsbildend 
gewirkt, und es ist eben dieses Gebiet, welches wir nun als den 



Digitized by Google 



104 



III. Oberfl&chengestaltunR. 



südlichen Abschnitt der Gebirgsmasse des Westens der Ver. Staaten 
noch zu betrachten haben. Dasselbe fällt im Wesentlichen zusammen 
mit den Territorien von Neu-Mexico und Arizona. 

Es ist ein Grenzgebiet, das wir hier vor uns haben und darum 
kein Wunder, dass es Grenzfragen sind, welche hier die wichtigste 
Rolle spielen. Es ist eine doppelte Grenzfrage. Auch südlich 
von dem Gebiet der Ver. Staaten ziehen Cordilleren auf und an 
der Hochebene von Mexico hin, und dass sie demselben grossen 
Gebirgsystem angehören wie die nordamerikanischen, unterliegt 
keinem Zweifel. Ist nun unser Gebiet abnehmender Hebungskräfte 
als ein neutrales zwischen die beiden Abschnitte der Cordillere, den 
nördlichen und südlichen, geschaltet ? Oder begegnen sich beide auf 
demselben? Oder setzen sich gar ihre Züge über dasselbe fort? 
Wie alle Grenzfragen in der Natur sind auch diess hier schwer zu 
behandelnde Probleme, die man indessen am ehesten der Lösung 
dadurch nahe bringen wird, dass man die Thatsachen sich möglichst 
klar aussprechen lässt. 

Ein sogenanntes Südende der Felsengebirge haben wir in den 
Gebirgen um den Oberen Rio Grande, besonders den Raton Mts., 
bereits kennen lernen. Man umgeht es am Ostrand, wenn man 
vom Missouri nach dem Oberen Rio Grande, etwa nach Santa Fe 
reist. Der früher viel benützte Weg vom mittleren Arkansas 
nach Neu-Mexico windet sich zwischen Las Vegas und Santa Fe 
vollständig um das Stidende der Felsengebirgketten herum. Im 
Norden lässt man steile, hohe, schneegiptiige Gebirge, während im 
Süden theils vereinzelte kleinere Gebirgsketten, wie die Placer-, 
Sandanilla-, Manzana- Berge, oder weiterhin abgelöste, gleichsam 
vorgeschobene Theile der bis 2100 m. ansteigenden Hochebene von 
Neu-Mexico auftauchen. Jene kleineren Ketten und Gruppen sind nicht 
verschieden von den Berggruppen, die wie Inseln sich aus den dem 
Gebirgen vorgelagerten Hochebenensteppen erheben. Im Südwesten 
scheint der vielbcschrittene Weg von El Paso durch das Gila-Gebiet 
nach Californien nicht minder deutlich einen Abschluss der Gebirgs- 
ketten dos Inneren und der Sierra erkennen zu lassen ; denn man 
kann dort vom Rio Grande nach dem Gila reisen, ohne auch nur 
eine einzige wirkliche Bergkette zu überschreiten. Die dortigen 



Digitized by Google 



III. Oberflachengestaltung. 



Gebirgsketten reichen in der That nicht über das Quellgehiet des 
Güll hinaus und der alte Weg von Santa Fe nach Los Angeles 
(von Neu-Mexico nach Südcalifornieu) windet sich um dieses Südende 
herum, wie es der vom Missouri herführende am Südostende beim 
Kelsengebirg thut. Die Socorro - Berge , die man wohl früher für 
eine Verbindung der Felsengebirge mit der Sierra Madre in dieser 
südwestlichen Richtung ansprechen wollte, haben nicht die Fort- 
setzung nach Süden hin, welche eine solche Stellung erheischen 
würde. Eine Unterbrechung in dem Verlauf der Gebirgsketten 
findet also hier so gut wie im Osten statt, ist aber hier viel weniger 
auffallend, da wir schon auf der Zwischengebirgs - Hochebene, von 
der diese Region den südlichsten Ausläufer bildet, keinen dicht- 
gedrängten, massigen Ketten mehr begegneten. Indessen bleibt es 
zunächst nur eine Unterbrechung der Gebirgsketten, nicht der 
(iebirgsmasse. Diese erhält sich in ihren nördlichen und mittleren 
Theilen auf einem Durchschnittsniveau von 1500 — 2000 m., also 
auf derselben Höhe, welche der Hochebene, d. h. der Massen- 
Grundlage des Gebirges in der Zone der grössten Erhebung nörd- 
lich vom 38. Breitegrad zukommt und sinkt nur langsam nach 
Südwesten zu, wo die Colorado-Depression noch unter das Meeres- 
niveau herabgeht. Der weitaus grösste Theil des Gebietes lässt 
daher seine Gewässer in südwestlicher Richtung, der Richtung des 
Colorado und Gila, abfliessen, während nur unbedeutende Gewässer 
in südöstlicher, der des Rio Grande, gehen. 

Dass jene Unterbrechung der von Norden herabziehenden 
Höhen nur die Gebirgsketten und nicht die Masse des Gebirges 
betrifft, nimmt ihr viel von ihrer Bedeutung. Aber weiter nach 
Süden zu wird auch die letztere, die breite Basis und damit der 
Kern des Gebirges, etwas von jener Abschwächung berührt, welche 
im Norden nur erst die Kämme und Gipfelhöhen herabgedrückt 
hatte, und wir haben an der Südwestgrenze der Ver. Staaten jene 
nucrlaufende Depression des Gesammtgebirges , welche als Gila- 
Depression zu den bemerkenswerthen Zügen in der Oberflächen- 
gestaltung Nordamerikas, zählt und die eine erhöhte, auch praktische 
Bedeutung (vgl.o.S. 18) dadurch erhält, dass eine noch weitergehende 
Lockerung des Zusammenhangs der Gebirgsglieder sieh zu der 



Digitized by Google 



106 



III. ObprflacheriKPsultung. 



Senkung des Hochebenen -Niveaus gesellt. „In der Region des 
32. Breitegrades, sagt Einory, verlieren die Gebirgszüge sowohl 
der westlichen als der östlichen Kette ihren Zusammenhang und 
nehmen jene Gestalt an, welche im Westen sehr treffend als rer- 
lorrnc Berge (lost mountains) bezeichnet wird. Sie bewahren in- 
dessen ihre allgemeine nordwestliche und südostliche Richtung und 
beweisen damit, dass die hebend»' Kraft, welche sie erzeugte, die- 
selbe blieb, nur mit dem Unterschied, dass sie schwächer und in 
ihren Wirkungen minder regelmässig ward. Sie heben sich plötz- 
lich aus der Hochebene hervor und verschwinden ebenso plötzlich. 
Ks ist daher möglieh., indem man diese Erhebungen umgeht, das 
Gebirgssystem dieser Region in der Nähe des 32. Breitegrades fast 
ganz auf der Höhe der Hochebene zu überschreiten. Würde das 
Meer um 12<>0 m. steigen, so vermöchte ein Schiffer den Continent 
in dieser Gegend zu durchfahren, und er würde vom Golf von 
Californien bis zum Pecos gleiche Tiefen finden. Im Norden und 
Süden würde er Peak's und Sierra s haben, und zeitweise wäre seine 
Durchfahrt eng und gewunden. Bei El Paso würde er sich in 
Büchsenschussweite von beiden Ufern befinden V)." 

Indessen muss man die praktische Bedeutung dieser Depression 
nicht mit ihrer orographischen verwechseln. Sie stellt doch keine so 
entschiedene Unterbrechung des Gebirgszusamraenhangs dar, wie 
z. B. die Einsenkung der Panama- oder selbst der Tehuantepee- 
Eandenge. Sie ist weiter nichts als eine flache Einsattelung in der 
Hochebene, die nördlich und südlich von hier um ein Erhebliches 
höher ist. Andererseits tritt sie bedeutend hervor durch die an 
ihrem Südrande stattfindende Auflösung der mexikanischen Gebirgs- 
züge, welche eiue direkte Fortsetzung derselben in die nordamerika- 
nischen völlig ausschliesst. Die mexikanische Sierra Madre löst 
sieh südlich vom 32. Breitegrad ganz ebenso in kleine Höhenzüge 
auf. wie es vier Grade weiter nördlich das Felsengebirgc that. und 
ein geographisches Auge sieht in diesem Zusammentreffen der Auf- 
lösung zweier gewaltiger Glieder desselben Gebirgssysteras eine 
Thatsache von hervorragenderer Bedeutung, als in einer Hochebenen- 



1) Rep. on tlie t'. 8. aud Mex. Boiiudary Survcy. 1857. I. 41. 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 



107 



einsattelung. die noch immer Höhen von 1340 m. bestellen liisst 
und nicht 1000 m. unter die Durchschnittshöhe der Hoch- 
ebene herabgeht 

Nicht weniger scharf als nach Süden hin ist dieser südlichste 
Abschnitt der westlichen Gebirgsmasse der Ver. Staaten nach Osten 
und Westen abgegrenzt. Im Osten findet man jenseits des Rio 
Grande, der bis nach El Faso ziemlich direkt südlich fliesst, keine 
grösseren Gebirgsketten südlieh vom Üb*. Breitegrad, von dem Punkte 
also, wo wir die Moro- Kette als Ausläufer des Felscngcbirges haben 
endigen sehen. Im Westen haben wir bereits bei Betrachtung der 
Zwischengebirgs-Hochebencn den Unterschied des Landes dies- und 
jenseits des Colorado hervorgehoben. Indem dort der Colorado die 
tiefgelegeue Mohave- Wüste von der Hochebene Arizonas scheidet, 
zieht er eine Naturgrenze von der wünschenswerthesten Schärfe. 

In dem Gebiet, das auf diese Weise zwischen dem 36, und 
32. Breitegrad gelegen und vom Bio Grande und Colorado begrenzt 
ist, haben wir ein Hochebenengebiet von verschiedenen Höhen und 
Abfallsrichtungen und zahlreiche Kämme und Gipfel, die auf ihr 
rieb erheben. Als massigste Hochebcnenbildung erscheint das Co- 
lorado-Plateau, das den nördlichen Theil von Arizona ein- 
nimmt und dessen Mittelhöhe auf 1000 — 1700 m. zu schätzen ist. 
Sein Abfall ist ein vorwiegend südwestlicher. Das Gila- Plateau, 
1200 — 1500 m., füllt den südlichen Theil vor Arizona aus und hat 
westlichen und zum Theil nordwestlichen Abfall mit Ausnahme des 
Südrandes, von welchem die Gewässer bereits nach Mexico, also nach 
Süden, abfliessen. Das im Osten sich anschliessende Sie rraBÄad re- 
Plateau, welches den südlichsten Theil von Neu -Mexico durch- 
zieht, bildet einen breiten Hochebenenrücken, der Zuflüsse des Rio 
Grande von solchen mexicanischer Rinnenflüsse scheidet. Abfluss- 
lose Becken sind auf der ganzen Hochebene nur in lokaler Be- 
schränkung vorhanden und treten au Zahl wie an Ausdehnung 
zurück gegenüber dem unbedingten Vorwiegen des Abflusses in be- 
stimmten Richtungen. Am hervorragendsten unter ihnen ist die 
Paiuted Desert, die in Nord -Arizona zwischen Colorado und 
Colorado Chiquito sich ausbreitet und dem Colorado- Plateau an- 
gehört. Aber an die Hochebene schliesseu sich im Südwesten Senkungs- 



Digitized by Google 



108 



III. Oberflächengestaltung. 



becken an, die man gewöhnlich als Gila Desert zusamnienfasst 
und welche jenseits des Colorado ihre Fortsetzung in der früher 
genannten Mohave-Wüste finden. 

Hinsichtlich der Höhenzüge niuss vor allem hervorgehoben 
werden, dass von einer direkten Fortsetzung des nordmexicanischen 
Gebirgszuges der Sierra Madie auf die Hochebenen von Arizona 
und Neu-Mexico keine Rede sein kann. Es ist schon desshalb un- 
fruchtbar und irreleitend, eine solche Fortsetzung zu suchen, weil 
die Gebirge von Neu-Mexico und Arizona einem ganz anderen Typus 
angehören als der der mexikanischen Sierra Madre ist. Diese ist 
eine in weiter Erstrcckung zusammenhängende und geschlossene 
Gebirgskette von gleichbleibender Richtung des Streichens, Glied 
eines grossen Systems paralleler Ketten; jenes sind, wie wir ge- 
sehen haben, inselartig vereinzelte Höhenzüge, die sich wohl an- 
einanderreihen, aber nirgends zu eigentlichen, lückenlosen, ge- 
schlossenen Gebirgsketten zusammentreten. Man kann die beiden 
Gruppen als Stamm und Verzweigung in Beziehung setzen, aber 
man wird nie den Stamm als solchen unter den Verzweigungen 
wieder finden. Dennoch hat man es beständig versucht, und eine 
Sierra Madre finden wir noch heute auf allen Karten Neu-Mexikos 
in mehr oder minder weiter Ausdehnung niedergelegt. Als Rest 
irrthümlichcr Anschauungen und wegen der Täuschung, die ihr 
Name hervorzurufen geeignet ist, würde sie jedenfalls besser nur 
mit ihrem neu mexikanischen Namen Zuili Mts. bezeichnet *). 



1) Die Benennung Sierra Madre, die mehrmals iu wechselndem Sinne 
im südlichen Nordamerika wiederkehrt, ist eine der unklarsten, mit denen die 
Geographie dieser Region belastet ist. Es ist zunächst hervorzuheben, dass wir 
es hier mit keinem Eigen- sondern einem Gattungsnamen zu thtin haben, denn 
Muttergebirge sind für den Spanier alle grösseren Gebirgsketten, die scharfe 
Wasserscheiden bilden und zum Theil auch (nach Fröbel) die, welche einer Reihe 
von kleineren Ursprung geben oder zu geben scheinen. So ist es zu verstehen, 
dass dieser Name einer Gebirgskette in Nord-Mexico westlich von Durango und 
einer anderen in Neu-Mexico westlich vom Rio Grande beigelegt ist und dass 
sie selbst als Gcsammtiiame der nordmexicanischen Gebirge zwischen Anahuac 
und der Gila- Depression auftritt. Diese mehrfache Verwendung desselben Namens 
erregte unter anderen Missverstandnissen auch das, dass die beiden Muttergebirge 
eins seien, was doch thatsächlich so unrichtig wie möglich ist. Uebrigens ist in 
Neu-Mexico der Name Skrra Madre niemals eine mehr als lokal bekannte Be- 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltnng. 



109 



Wir finden zwischen Rio Grande und Colorado in unserem Gebiet 
vorzüglich drei grössere Gebirgsgruppen, deren Glieder sämmtlich in süd- 
östlicher und nordwestlicher Richtung ziehen und welche bezeichnet werden 
können als Gruppe der Zuni Mts., der Mogollon Mts. und der Pinal Mts. 
Jene ist am weitesten östlich, diese am weitesten westlich gelegen, und 
die mittlere liegt zwischen beiden inne. Das Quellgebiet des R. Colorado 
Chiquito trennt die östliche, das des R. Salado die westliche von der 
mittleren; innerhalb der westlichen kann das Thal des Oberen Gila als 
eine sekundäre Grenze zwischen zwei verschiedenen Abschnitten betrachtet 
werden. Man kann die dadurch gebildete Unterabtheilung als Gruppe 
der Calitro Mts. bezeichnen. 

In der Zuili-Gruppe tritt die Kette der Zufti Mts., die man auch 
als Sierra Madre bezeichnet, am schärfsten hervor; sie reicht als ein 
einziger Höhenzug vom 34. bis über den 36. Breitegrad hinaus, wo die 
Sierra de Chasca, die S. de'Tunecha und die S. de Garriso 
ihren nördlichen Abschluss bilden. Im Süden, wo sie gegen den Rio 
Grande hinzieht, liegen die kleinen Höhenzüge S i erra Magdalena und 
S. San Mateo in ihrer Richtung, und die grössere Sierra de los 
Mimbres mit ihrem südlichen Anhang der S. Florida, welche vom 

nennung gewesen und nur die Kette im nördlichen und nordwestlichen Mexico, 
welche dem Stillen Meer entlang zieht, ist allgemein als 8icrra Madre 
bezeichnet. Auch hat J. Fröbel (Rep. Smithson. Instit 1854) nachgewiesen, 
dass unter allen Umständen die Fortsetzung der mexikanischen Sierra Madre 
nicht in der Richtung des Felsengebirges, sondern in der der Sierra Nevada zu 
suchen wäre, und Etnory ist (a. a. 0. I. 40) gleich ihm der Ansicht, dass die 
mexikanische Sierra Madre etwas ganz anderes ist als der neumexikanische 
Höhenzug desselben Namens. Nach Emory meinen die Mexikaner mit Sierra 
Madre ein Gebirg zu bezeichnen, welches die Wasserscheide zwischen dem 
Atlantischen und Stillen Meere bildet; aber ein einzelnes Gebirg, dass diese 
Funktion erfüllt, gibt es weder in Mexico noch im Gebiet der Ver. Staaten, 
wiewohl auf der grossen Humboldt'schon Karte von Neu-Spanien eine zusammen- 
hängende und wasserscheidende Gebirgskette dieser Art, vom 21. bis zum 
42. Breitegrad sich erstreckend, angegeben ist. Dieselbe ist nach ungenauen 
Nachrichten und auf Grund jener irrthümlickon Verquickung der Gebirgskämme 
mit Wasserscheiden entworfen, welche im vorigen Jahrhundert vollen Cnrs 
hatte. Die Fremont'sche Karte (von K. Preuss gezeichnet und in U. S. Senate 
Miscellan. 1848, Nr. 148 mitgetheilt) zeichnet übrigens genau dasselbe. B«i 
Comra Wilkes (Map of Upper Calif. 1849) erscheinen die Zufti gar als Anahuac 
Mts., und bei Anderen muss die Sierra de los Mimbres als Bindeglied zwischen 
Sierra Madre und Felsengebirg herhalten. Emory's Karte (I8f>7) gibt zum 
ersten Mal das richtige Bild, indem sie die mexikanische Sierra Madre in der 
Richtung der neumexikanischen Pinaleno-Kette bis an die Grenze fortführt, und 
sie hat dabei das nennenswerthe Verdienst , den Namen Sierra Madre ganz aus 
dem Spiele zu lassen. 



Digitized by Google 



110 



III. Oberflächengestaltung. 



Sierra Madrc- Plateau gerad« nördlich dem Rio Grande entlang zieht, 
scheint, mit grösserem Rechte zu ihr als zu der Mogollon-Gruppe gezahlt 
zu werden. 

Die Mogol Ion- Gruppe schliesst sich an die ebengenannte durch 
die Sierra de Da tili, S. de Luer a, S. de Tule rosa und S. Bianca 
an. welche westlich und östlich ziehen. Als eine nordwestlich gerichtete 
Abzweigung von ihnen erscheinen die Mogol Ion Mts., welche mit den 
San Francisco Mts. (gleichnamiger Gipfel 3G74 m.) in das Colorado- 
Plateau ubergehen. 

Die Pinal-Gruppe beginnt im südlichsten Winkel des R. Gila mit 
der C o r d i 1 1 e r a d c 1 R i o G i 1 a , die durch die kleine Gruppe der White 
Mts. sich in die Pinal Mts.. Apache Mts. und Signal Mts. fort- 
setzt, welche ihrerseits mit dem San Francisco- Plateau und den 
Black Mts. sich dem Nordwestende der vorigen Gruppe vereinigen. 

Die Calitro-Gruppc. derjenige Theil der vorigen, welcher südlich 
vom R. Gila gelegen ist, umschliesst drei Parallelketten, deren erste aus 
den Chiricahui Mts. und den Pinaleno Mts., deren zweite aus der 
Sierra Ca 1 Uro sammt S. del Dragon und deren dritte und west- 
lichste aus den kleinen Gruppen der Sierra Kspuela, S. de Sa. Ca- 
tarina und S. Tortalita besteht. 

Die Bergketten dieser verschiedenen Gruppen schliessen Thalcr und 
Hochflächen zwischen sich ein, welche in einigen Fallen als üppige Oasen 
aus der dürren Hochebene hervortreten, in anderen Einsenkungen dar- 
stellen, in denen Steppen einen Salzsumpf umgeben. Die St. August in 
Pia ins zwischen Sierra de Datiii und S. de Luera, Valle de Sauz 
und Valle de las Piagas in der Pinal-Gruppe, das Zufii-Becken 
westlich von der gleichnamigen Gebirgskette, Navajo- und Tunecha 
Valley nördlich von derselben, Piagas de las Primas in der Calitro- 
Gruppc, Big Valley zwischen dem San Francisco- Plateau und dem 
Colorado, Long Valley zwischen Black- und Cerbas Mts. sind hervor- 
zuheben. Auch das Becken der Gila Desert am Unteren Gila ist zu 
«Uesen Thal- und Beckenbildungen zu zahlen. 

Zahlreiche vereinzelte kleine Höhenzüge. Berge und Hügel erheben 
sich in den Zwischenräumen der grösseren Gebirgsgruppen. Wir haben 
in der Gila Desert und den anstossenden Theilen der Hochebene ein 
ganzes System von niedrigen, parallel laufenden Höhenzügen, südöstlich 
und nordwestlich gerichtet, die in derselben Richtung über den Colorado 
weg und durch die Mohave- Wüste ziehen. Sierra del Gila, de la 
Cabeza, delTul, del Ajo, de la Nariz, Quijotoa, del Pajarito. 
de la Kstrella, Dome Mts., EagleMts., Granite Mts. gehören zu 
ihnen. Auf der Hochfläche, welche die Pinal- von der Mogollon- Gruppe 
trennt, erheben sich im Süden Peloneillo- und Pyramid Range, 



Digitized by Google 



m. Oberflächengestaltung. 



111 



Sierra del Diablo, S. del Harro. S. de Natalies, Beauchamp 
Peak, Punto de las Animas. Im Gebiete des Colorado ( biquito, 
also westlich von der Zuni- und östlich von der Mogollon-Gruppe sind die 
Blue Peaks, Calabasa Mts., Mesa de la Vaca. Mesa Bianca, 
Sierra Panoche und jenseits des Colorado Sierra Ab ajo, S. Lelate, 
Mesa Verde zu nennen. Oestlicb von der Zuni-Gruppc finden sich wenige 
vereinzelte Erhebungen wie Mesa Fachada, M. de losLobos, The 
Ne edles, Trap Rock, jenseits deren gegen das Rio Grande -Thal zu 
bereits die letzten Auslaufer des Felsengebirgs erscheinen. 

Die Region, in welcher diese zerstreuten, aber in Richtung und Höhe 
bemerkenswertli gleichartigen Höhenzüge ihre reichste Entwicklung er- 
reichen, die Gila-Wüste, ist durch den Unteren-Colorado besser aufge- 
schlossen als die meisten anderen Theile von Arizona und Ncu-Mexico. 
Das Thal d e s U n t c r e n C o 1 o r a d o, eine Reihe von Becken und Schluch- 
ten, ist zwischen sie und die Mohavewüste in einer so zu sagen gewaltsamen 
Weise eingeschaltet. Es verlauft gerade rechtwinklig zum Streichen der 
Höhenzüge, die es daher, soweit es sie berührt, sämmtlieh durchschneidet. 
Dieses eigenthümliche Verhalten macht es vor anderen geeignet, einen Ein- 
blick in den merkwürdigen Oberflächencharaktcr dieser Region zu gewahren. 
Man kann dieses Thal vom Colorado-Plateau abwärts als ein synklinales 
Becken und als eine um Weniges erhöhte nördliche Fortsetzung des 
Golfes von Californien betrachten. Die letzten H<)o Kil. des Colorado- 
Laufes sind in ihrer ganzen Länge von der Peninsuhir tlxtenaion der 
Sierra Nevada im Westen und von den vereinzelten, mit jenen parallelen 
Erhebungen der Mojave Mts., Black Mts., Cerbat Range, Aqnarius 
Rauge u. a. im Osten begrenzt. Die Oberfläche dieses Beckens ist aber 
keineswegs in ihrer ganzen Ausdehnung Tiefland. Ihren cigenthümlichen 
Charakter bezeichnet man am besten dahin, dass ihre Ebenen in ein . 
Netzwerk von Gebirgszügen gefasst sind, die kahl und felsig, nicht be- 
deutend hoch, aber in »eltsamsten Formen in allen Richtungen das 
Becken durchziehen. Die bedeutendsten von ihnen zeigen das für diese 
Gegenden normale nordwestliche und südöstliche Streichen . die anderen 
sind nur verbindende Zwischenglieder ; beide zusammen bilden aber Reihen 
von abgesonderten Becken, die sich am längsten meist in nordwestlich- 
südöstlicher Richtung erstrecken und die mit ihren Kies- und Sandebeneu 
die Wüste des Unteren Colorado bilden. In dieses Labyrinth von Höhen- 
zügen und Wüstenbecken stürzt der Colorado aus dem Tafellande herab, 
das am westlichen Fasse der Felscngebirge hingelagcrt ist. Er füllte wohl 
einst diese Becken aus, aber seine Wasser schufen ihm mit der Zeit einen 
kürzeren und rascheren Lauf in jenen unzähligen mächtigen Schluchten der 
Caüons, in denen er nun dem Meere zuströmt, Die beträchtlicheren unter 
diesen beckenbegrenzenden Bergzügen des unteren Colorado-Gebietes sind 



Digitized by Google 



llit III. Obernachengestaltung. 

von derselben geologischen Znsammensetzung wie die südlichen Auslaufer 
der Sierra Nevada in der Peninsular Range u. a., nämlich aus Graniten 
und gneissartigen Gesteinen aufgebaut; aber ihnen mischen sich alle 
Varietäten neuerer Eruptivgesteine vom Porphyr bis zum Obsidian und 
Bimsstein und es fehlt nicht an Zeichen von der Fortdauer, wenn auch in 
geschwächtem Zustand, der Kräfte, die hier in geologisch neuer Zeit 
vulkanische Ausbrüche bewirkten. 

Am Unteren Colorado sind vereinzelte Granithügel (auf einem der 
ersten derselben ist der Mittelpunkt der spärlichen Cultur dieser Gegend, 
Ft. Yuma erbaut), die aus der dürren Fläche der Colorado Desert tauchen, 
die ersten Vorläufer der Gebirge, die weiter oben den Colorado in tiefe 
Schluchten zwängen. 20 KU. oberhalb Ft. Yuma sind es die Purple 
Hills, die an den Fluss herantreten und ihm ein Felsenbett bereiten, 
das indessen durch die leichte Zerfallbarkeit des Granites, aus dem dieser 
Bergzug besteht, nicht jenen steilen, gethürrnten Charakter hat, den man 
weiter oben bei den in vulkanische Massengesteine und vorzüglich in 
Porphyr geschnittenen Canons beobachtet. Chimney Peak Range und 
Spire Range, Ausläufer der P u r p 1 e Hills, die zunächst folgen , drücken 
in ihren Namen den zerrissenen Charakter aus, der ihren Graten und Gipfeln 
eigen ist. Ihr Gestein ist Trapp und diesem ist wohl auch weiterhin im Co- 
Inradothal die häufige Tendenz zur Bildung thurm- und säulcnartiger Gipfel 
zuzumessen. Durch die Masse der Chocolate Mts. bricht sich der Strom 
ein tiefes Thal, während er die Riverside und Halfway Mts. an seinem 
rechten Ufer liegen lässt und nur ihren östlichen Fuss bespült. Die Monu- 
ment Mts. und die breithingestreckte Mob ave Range durchbricht er und 
diesen letzteren, die aus Granit mit zahlreichen Porphyr- und Trachytdurch- 
brüchen sich aufbauen, gehören The NeecUes, die Nadeln, eine der 
pittoreskesten Bergfonnen dieser Region an. Mit den etwas vom Ostufer 
zurückliegenden Black Mts. und den gleich ihnen südlich und nördlich 
ziehenden, noch weiter östlich gelegenen C erbat Mts. (auch Gcrbat Mts ; 
es werden auch beide Ketten unter diesem Namen zusammengefasst) tritt 
man zum ersten Male aus dem Becken, dem trough des Unteren Colo- 
rado, der hier in ca. ISO Mt. Meereshöhe fliesst, heraus und betritt die 
erste Stufe, welche zu dem Hochlande des Grossen Beckens hinaufführt, 
dem Hochlande, das die zahlreichen Quellen des Colorado und seiner Zu- 
flüsse nährt. Am Westrand treten gegenüber den Black Mts. die 
De ad M ts. auf, eine kleine Berggruppe, welche einen Ausläufer zu dem Ge- 
birgszug am Ostufer hinübersendet. Die Black Mts aber treten weiter nörd- 
lich an den Colorado heran, kreuzen ihn und bilden kurz unterhalb der 
Einmündung des Rio Virgen, den ersten der mächtigen Canons, die dieser 
Fluss zu durchströmen hat. Auf der anderen, der westlichen Seite ver- 
einigen sich ihre Ausläufer mit der Gruppe der Opal Mts., und mehrere 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 



wenig bekannte Bergzüge erstrecken sich von hier nach Utah hinein. Im 
Osten aber, woher der Colorado nun mit scharfer Biegung kommt, erhebt 
sich die Hochebene des Innern, die von den Black und Cerbat Alts, im 
Südwesten begrenzt wird. 

Die südlichen und südwestlichen Theile der Hochebene des Innern, in 
welche der Colorado und seine Nebenflüsse beim Herabsteigen von Hochland 
nach den Tiefländern der Colorado- Wfiste, ihre Canons, Schluchten bis zu 
18(>0 m. steiler Tiefe, gegraben haben, sind vorzüglich durch das un- 
geheuere Mass der Wasserwirkung die hier zur Aeusserung gelangt, 
eine der orographisch ausgezeichnetsten und eigenthümlichsten Regionen 
von Amerika geworden. „Ihr topographischer Charakter ist complicirter, 
als der eines Gebirges, weite Strecken sind nicht passirbar für Men- 
schen und ungeflügelte Thiere. Es ist nicht erstaunlich, wenn man 
die Ursache, welche aus einer Ebene, die aus Tausenden von 
Fussen sedimentärer Schichten besteht , solch ein Gebilde erzeugt, ausser- 
halb des Kreises der gewöhnlichen natürlichen Vorgänge sucht. Und 
doch ist es nichts wunderbareres als die Kraft des fliessenden Was- 
sers, welche diese gewaltigen Erscheinungen erzeugt hat. Es ist nichts 
zu sehen von Rissen und Spalten, die unterirdische stossende Kräfte sich 
hier geöffnet haben könnten ; selbst die Seiten der Thalschluchten, welche 
fast 2 Kil. senkrecht abstürzen, sind nicht unvermittelt 44 '). Indem wir diese 
Ebene in nordöstlicher Richtung durchmassen, schildert Newberry den An- 
stieg zur ersten Stufe des Tafellandes, überschritten wir, ohne es zu merken, 
die Trapplager und kamen auf unregclmässig gebettetes Geröll. Die 
Gewässer gehen von hier nach Norden, und in dieser Richtung werden 
die Rinnsale tiefer und tiefer, schneiden durch mächtige Sand- und 
Kiesbetten und kommen zuletzt bis auf die Fclsenunterlage, und indem sie 
auch diese erodiren, bilden sie Thalschluchten (Canons) , die zum Colorado 
hinabführen. Indem diese Canons allmählich an Zahl und Tiefe zunehmen, 
wird das ganze Tafelland von einem Abgrundlabyrinth durchzogen, dessen 
nahezu senkrechte Wände jede Ueberschreitung verbieten 4111 ). Der Ruinen- 



1) J. S. Newberry in Report upon the Colorado H. lH'Jo. Geology 45. 

2) Eberidas. Geol. 54. Kein neuerer Beobachter läugnet, dass diese Canons 
ausschliesslich den Wirkungen iles fliessenden Wassers ihr Dasein danken. 
Powell, der wohl am gründlichsten sie zu studiren Gelegenheit hatte, bestätigt 
vollkommen die Ansichten Newberry 's, der vorzüglich die vollständige Ceber- 
einstimmung der Schichten au den gegenüberstehenden Wänden der Canons, den 
Mangel jeder Störung ihres Paralhlismns und die Continuität des die Sohle 
bildenden Gesteines über die ganze Breite und mit den Wänden der Schlucht 
hervorhebt. Er selbst spricht sich aber entschiedener und klarer als Newberry 
über die geologische Seite der Krage aus: .Alle Thatsachen." sagt er, „die wir 
in Betreff der Beziehungen der Wasserwege dieser Ri'gion zu Bergen. Hügeln, 

Ka 1 1 e I , Amerika- l. 8 



Digitized by Google 



114 



III. Oberflächengestaltung. 



Charakter, welcher in einem milderen Masse den Scenerien jedes felsenhaften 
Gebirgs eigen ist, kommt hier mit einer Schürfe und Ausschliesslichkeit zum 
Ausdrucke, welche erstaunlich sind. Sehr bändig zeichnet Powell denselben, 
wenn er die Cafionrcgion , die man vom S. Francisco -Plateau über- 
blickt, in folgenden Worten schildert: „Die Ausdehnung und Grossartigkoit 
der Canonsysteme ist erstaunlich. Das Plateau ist in Mauern zerklüftet 
durch diese Abgründe und gleicht einem Ruinenfeld. Mcilenbreite Strecken 
sind weggeschwemmt, isolirtc Berge sind in ihren Klüften stehen ge- 
blieben, Spalten, die so tief sind, dass das Auge ihr Dunkel nicht zu 
durchdringen vermag, sind durch Felswände getrennt, die man glaubt 
umspannen zu können, und schlanke Thürme, die auf ihrer Grundlage zu 
zittern scheinen, schiessen tausend Fuss in die Luft" 

Neben den Cafions sind die Mesas charakteristische Oberflächen- 
formen dieser Region; wir haben sie anderwärts schon getroffen, aber sie 
sind nirgends so häufig und so massenhaft vertreten wie hier. Neu- 
Mexico kann man geradezu ein Mesa-Land nennen ; denn dort gibt es 



Canons und Klippen kennen, zwingen zu dem Schluss, dass die Flusssysteme 
hier von den Schichtenfaltungen und von der Erosion in ihren Richtungen be- 
stimmt wurden und ebenso auch von der Bildung der Lager und Hügel eruptiver 
Gesteine. * Und weiterhin hebt er hervor, wie es keine Faltungen und Biegungen 
gab beim Beginn der Denudation. Als dieselben aber anfingen sich zu bilden, 
sei diess nicht plötzlich geschehen; die Gesteine seien nicht durch grosse Con- 
vulsionen durcheinander geworfen worden, sondern langsam hätten sich die Ober- 
flächeuformeu verändert, so dass diese Aenderungen keine Wirkung auf die 
Richtung der Ströme übten. Diese Veränderungen gingen nicht rascher vor sich 
als die Erosion der Flussbetten, deren Richtung von jener nicht bestimmt wurde. 
Powell, Explor. of the Colorado R. 1875. '298, 201. Dass übrigens auch die 
Gesteinsbeschaffeuheit die Wirkung dieser von aussen her wirkenden Kräfte be- 
deutend unterstützt, hebt Newberry hervor. Ihm zu Folge ist als ein passiver, 
aber darum nicht minder wirksamer Faktor die bemerkenswerth leichte Zereetz- 
barkeit der Granite dieser Regionen, nicht zu übersehen und um so weniger, 
als die Granite hier den Kern aller bedeutenderen Gebirgszüge bilden: 
.Diesen Grauitgesteinen ist nahezu überall, wo sie auftreten, ein gemein- 
samer Charakter eigen, den sie mit den meisten Graniten der übrigen Ge- 
birgszüge desselben Systems im Coloradogebiet theilen; es ist das Vorwalten 
ihrer feldspathigen Bestandteile über die hornblendigen und vorzüglich die ver- 
hältuissmässig grosse Masse Albit, die sie enthalten. In Folge dieser ihrer 
mineralischen Zusammensetzung sind sie gewöhnlich hellfarbig und weich, sehr 
nachgiebig gegenüber den zersetzenden Einflüssen und bieten selten jene kühnen 
Umrisse dar, welche Gebirgen von solcher Höhe eigen zu sein pflegen. Wenig 
Vegetation bedeckt ihre Abhänge, und ihr geologischer Aufbau ist mit Einem 
Blicke zu erkennen." (J. S. Newberry, a. a. 0. Geol. 13.) 
1) Powell, Explor. of the Colorado R. 1875. 195. 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltting. 115 

keinen einzigen Höhenzug, der nicht in Mesas ausliefe, von solchen be- 
gleitet wäre oder sogar seihst als eine grosse Mesa gelten könnte. 
Der Name bedeutet im Spanischen Tisch oder Tafel, und werden mit ihm „die 
in Mexico so hautig vorkommenden Tafelberge und Terraintitufen genannt. 
Man muss das Wort bald durch Plateau , bald durch Terasse übersetzen" 
Die horizontale Lage der Schichten und ihre sehr verschiedene Zersetz- 
barkeit, welche in vielen Füllen durch ubergeflossene oder zwischen- 
geschaltete Lava-, Hasalt- oder Porphyrschichten zu einer sehr ungleichen 
wird, sind die Bedingungen der Mesabildung. Hechnet man aber jede 
flache und steilwandige Oberflachenform zu den Mesas, so fallen auch 
viele von Canons durchschnittene Schichtcncomplexe unter diesen Hegriff, 
und dieser Art von Mesabildung lägen dann dieselben Kräfte zu Grunde 
wie der Canonbildung, nur immer unter Voraussetzung horizontaler Schich- 
tung. Die ächten Mesas bleiben aber die Tafelberge der Hochebene, 
bei denen übrigens ein Zusammenhang mit der allgemeinen Erosion und 
Thalbildung ebenfalls nicht ausgeschlossen ist; sie tritt z. B. bei jenen 
hervor, die massenhaft im oberen Colorado -Gebiet vorkommen, von 
welchem sie CapL Beckwith, der mehrere Tagreisen zwischen ihnen durch- 
zog, folgendenuassen beschreibt: „Auf beiden Ufern des Grand R. er- 
heben sich die Gehänge rasch zu den steilen Abhängen der Mosas, 
welche 2<>— 50 Kil. rückwärts gegen die Berge zu sich erstrecken. Diese 
Tafelberge sind in Classen zu theilen , deren jede dasselbe Niveau fest- 
hält und aus denselben Formationen besteht, auch wenn sie an entgegen- 
gesetzten Ufern des Flusses liegt. Alle sind bedeckt mit einer mehr 
oder weniger dicken Schicht von vulkanischem Gestein, das seinerseits 
einige Fuss Erde trägt, auf welcher manchmal Baumgruppen sich er- 
heben. . . Während das Gefäll des Flusses ein sehr beträchtliches ist, scheinen 
diese Tafelberge ganz dieselbe Höhe zu bewahren und werden desshalb 
höher über dem Fluss, je mehr dieser fällt- *). Der inselartige Charakter 
dieser Tafelberge tritt besonders im Gegensatz zu den umgebenden Ebenen 
so scharf hervor, dass man es begreift, wenn 0. Löw die von den Moqui- 
Indianern bewohnten Mesas im nordöstlichen Arizona Olm Helgoland Arizonas. 
nennt : „Da lag vor uns, sagt er, ein weites sandiges Becken, kein 
grüner Punkt ist sichtbar, kein Baum, kein Strauch unterbricht die Mo- 
notonie der Gegend, nur 10 Meilen drüben im Westen heben sich kahle 
Sandsteinblöcke vom Horizont ab" 8 ). Dieses sind die Sandstein -Mesas 

1) J. Fröbel, Aus Amerika 1858. II. 132. 

2) Pacific II. R. Report 38 and 39" 1 Parallel. 1854. Tertiärschichten, die 
durch eine Rasaltdecke zu Mesas geworden, beschreibt auch ilaydrn vom Ost- 
fuss der Front Range des Felsengebirges. Sixth Anuual Report II. S. Geol. 
Surv. 1873. 101. 

3) P. G. M XX. 107. 

8* 



Digitized by Google 



11« 



III. Oberflächeugestaltung. 



der Moquis. Iiis an den äussersten Westrand des Colorado-Gebietes 
ragt übrigens die Mesa-Bildung hinüber; dort ist Table Mt. an der 
untern ealiforniscben Küste, unmittelbar südlich von der Grenze der Ver. 
Staaten, wegen seiner regelmassigen Tafelform eine der hervortretendsten Land- 
marken; er ragt 700 m. über die Küste hervor. Im Innern von Arizona und 
Neu-Mexieo werden die Mesas sogar zu Tafel-G e b i r g e n , so die sogenannten 
Mngollon Mts. oder Sierra de Mogollon (auch Mogoyon), welche auf den 
Karten als ein erheblicher Gebirgszug erscheinen, aber nichts anderes sind, 
als eine grosse Mesa „ein langgestrecktes Plateau, das von der 
Sierra Bianca aus in nordwestlicher Richtung sich bis zur Sierra de 
S. Franisco ausdehnt" ; seine durchnittliche Meereshöhe wird auf 2100 m. 
angegeben. Löw, der dieses Gebirge überschritt, nennt es ohne Weiteres 
Mesa und bezeichnet seinen südlichen Theil ausdrücklich als Plateau 1 ). 
Nichts anderes ist das S. Francisco Plateau, und viele der vereinzelten 
Höhen in der Gila- und Mohave-Wüste sind Mesas. 

Als Pässe dienen in diesem Gebiet, wie man bei der eigenthümlichen 
Gruppirung seiner Höhenzüge leicht begreift, meist nur Lücken zwischen 
«Ion einzelnen Berggruppen. Ketten und Mesas, und zwar Lücken, die 
bei der inselartigen Getrenntheit vieler dieser Höhen oft vollständig auf das 
Niveau der Hochebene herabsinken. Die begangenste Strasse Neu- 
Mexico's, die von Santa Fe nach El Paso durch vier Breitegrade hinzieht, 
führt sogar über keinen einzigen nennenswerthen Pass, da sie fast überall 
dem hinreichend breiten Thale des Rio Grande folgen kann. Nur in den 
bedeutendsten Gebirgsketten sind wahre Pässe, Einsenkungen der Kammlinie, 
zu überschreiten. Dahin gehören Zuni Pass (2423), Campbell und 
Washington Pass in der Zuüi-Kette, Conks Pass (1563) und Paso de 
los Mimbres in der Sierra de los Mimbres, Paso de las Animas im 
Sierra Madrc-Plateau, El Puerto del Dado (1656) in Chiricahui Mts., 
Railroad Pass zwischen diesen und den Pinaleno Mts. (1586), C actus 
Pass und ein anderer Railroad Pass nördlich von der Cerbat Range. 

Was von neumexikanischen Höhenzügen östlich vom Rio Grande liegt, 
gehört bereits entschieden der Abdachung der grossen Gebirgsmasse des 
Westens an. Nach Süden und Osten fällt sie stufenweise zu immer tiefer 
liegenden Ebenen oder Hügelländern ab, bis sie im Mississippithal und 
im Golf von Mexico in das Tiefland übergeht. 

In der Kette, die dem Rio Grande am nächsten liegt, erhebt sich 
von bemerkenswerthen Höhen am linken Ufer des Stromes, au der mexi- 
kanischen Grenze, die Sierra de los Organ os, das Orgelgebirg, ein 
hochaufgethürmter Bau von Felsenmassen, deren vertikale und oft säulenartigc 
Stellung Veranlassung zu ihrem Namen gegebenhat. Aber nur der mittlere 

1) I». 0 M. XX. 412. 



Digitized by Google 



III. Obertlaehengestaltung. 



117 



Theil der Kette bat diesen Charakter, und nordwärts wie südwärts lehnen sich 
geschlossenere und mehr in die Breite gebaute Gebirgsmassen daran. Die 
weiter im Süden am selben Ufer sich erhebenden Eaglc H t s. scheinen 
der gleichen Kette anzugehören. Nach Norden zu theilt sie sich in eine 
Sierra del Cavallo, welche nordwestlich dem Flusse entlang zieht, 
und eine Sierra Soledad oder San And reo, die sich in nördlicher 
Richtung von demselben entfernt. Zwischen sich haben beide die Strpprn- 
trrruxse der Jornada del Muerto, einer zu 220 — 240 m. über das 
Fussbett sich erhebenden basaltbedcckten Hochebene, die ungefähr 140 
Kit. lang sich zwischen den beiden Gebirgen hinzieht. Nach Süden, 
Westen und Norden in das Rio Grande-Thal abfallend, tindet sie nach 
Osten hin zwischen den Bergketten der Sierra de los Jumanes, Ca- 
rizo. Pajuno und Sacramento, die man gewöhnlich als Sierra 
Bianca zusammenfasst , eine Verbindung nach den Hochebenen des 
Pecos-Thales. Bis gegen Santa Fe hinauf ziehen in der allgemeinen Rich- 
tung jener beiden Gebirgszüge unzusammenhängendc , inselartig aus der 
Hochebene hervorragende Bergketten; die Sierra del Oso, die Man- 
Sana-, Sandilla- und PI acer berge sind die hervorragendsten unter 
ihnen. Man kann sie als den Westrand des Peeos-Tafellandes, als Grenze 
zwischen ihm und dem Rio Grande -Thal, betrachten. Mehrere Passe 
führen zwischen ihnen* durch nach dem Rio Grande hinab. Zwischen die 
Manzana- und die Jumaneskette ist als Gebirge eigener Art die 
Mesa della Jornada, ein basaltüberdeckter Tafelberg eingeschaltet, 
dessen flacher, fast glatter Umriss erheblich absticht gegen die Klippen- 
formen der wie Fclseninseln aus der Steppe des Plateaus sich erhebenden 
Berge der genannten Sierrcn. 

Die oben genannten östlicheren Ketten, die gegen den Pecos zu 
liegen, sind offenbar die Fortsetzung von südlicheren, bereitsauf mexika- 
nischem Boden gleichfalls zwischen Rio Grande und Pecos gelegenen 
Erhebungen, welche dort wie hier die Hochebene, auf der der Bio Grande 
Hiesst, wallartig umgürten und deren Uebergaug in die vorgela- 
gerten, nächst niederen Ilochebenenstufen der Pecos Plains vermitteln. 
Diese südlicheren Höhenzüge bilden eine Hauptkettc, die in verschie- 
denen Theilen verschiedene Namen trügt. Sierra de las Limpias 
ist eine Porphyrgruppc , ein Theil der aus demselben Gestein sich 
aufbauenden Kette, welche weiter im Norden als Sierra del Diablo 
und Sierra de Guadalupe (auch Apache und Salt Piain Mts.) 
auftaucht. Sie umsäumen den Abfall der ScheitelHächc des Rio Grande- 
Hochlandes nach dem Thale des Pecos zu'). Wunderbar phantastische 



1) Wenn sie, wie es den Anschein hat. an diesem Abfall theilnebraen , so 
erklärt sich ganz natürlich eint auf den ersten Blick auffallende Bemerkung 



Digitized by Google 



118 



III. Obertlächengestaltung. 



Säulen-, Tafeln-, Klippeu- und andere Absonderungsformcn zeichnen 
diese Gebirge aus, in denen eine deckenartige Flächenausbrcitung des 
Porphyr Ober anstehendes Kalkgcstein sehr deutlich zu sehen sein soll. 
Die Passhöhe betragt hier 1429 m. (Emory). Keine grössere Berggruppe 
als diese findet sich in dem Winkel zwischen Pccos uud Rio Grande 
bis zu den Eaglc Mts. am linken (texanischen) Ufer des letzteren; aber 
zahlreiche vereinzelte Berg- und Felsgruppen aus Quarzfels, Porphyr, 
Hornstein aufgebaut, unterbrechen auf der gauzen Hochebene die Ein- 
förmigkeit der Steppenlandschaft; Sierra San Jago, S. Corazon, 
Los Chisos. Los Bofec illos sind unter ihnen zu nennen. Weit hinaus 
bis zum Pecos vorgeschoben ist die Sierra C harrote, welche schon 
mehr zu den vereinzelten Höhen und Höhenzügen des westlichen Texas 
gehört. Am jenseitigen Ufer erheben sich in den Castle Mts. bereits 
Vorwerke des Felsplateaus des Llano Estacado. 

Die Ebenen und Hügelländer des Innern. Die 

Ebenen und Hügelländer, welche zwischen den beiden grossen 
Gebirgszügen des Westens und Ostens das Innere der Vor. 
Staaten ausfüllen, und die man kurzweg als die Ebenen des Inneren 
zu bezeichnen pflegt, haben wir an ihren Bändern, da wo sie an 
jene Gebirge grenzen, bereits kennen gelernt. In der allgemeinen 
Betrachtung der Oberflächenbeschaffenheit hatten wir ihren Thal- 
charakter zu betonen, welcher es bedingt, dass sie zum grössten 
Thefle mit dem Becken eines einzigen Stromes, des Mississippi, zu- 
sammenfallen. Von den Alleghanies sahen wir sie in der Seenplatte 
von New- York, in dem Tafelland von Ohio, den Kalksteinplateaus 
von Kentucky und Tennessee sich nach Werten hinaus erstrecken, 
von der Cordillere als wellige, von Vorbergen, gleichsam hinaus- 
zitternden Wellenkreisen der gebirgserhebenden Kraft, durchzogene 
Hochpräric sich aus Höhen von 1800 m. gegen Osten hinab 
senken. Die Einzelverhältnisse ihres Inneren und ihres Nordrandes 
zu betrachten, bleibt uns nun noch übrig. 

Die II o c h e b e neu des N o r d e n s. Im Norden tritt zunächst 
als ein bedeutsamer Zug die Wasserscheide hervor, welche canadi- 
sche Flüsse, die entweder dem Atlantischen Ocean oder der Hudsons- 
bai zufliessen, von denjenigen trennt, welche dem Mississippigebiet 
und damit dem Golf von Mexico angehören. Als Theil der canadi- 

J. Fröbel's (Aus Amerika 1858. II. 380), welch»? besagt, dass von der Westseite 
dieser GebilgSgruppe das Wasser nach der Ebene au ihrem Ostrande abäiesse. 



Digitized by Google 



III. Oberllächengestaltung. 



119 



sehen Seenplatte zieht diese Wasserscheide in einer Höhe von 
200 — 250 m. hart am Südrand der fünf grossen Seen hin, so dass 
nach diesen nur kleine Bäche ahfliessen, während, der Süd- und 
Westneiguug dieses Theiles der Ehene entsprechend, der grösste 
Theil der Bewässerung seinen Weg nach dem Inneren, dem Mis- 
sissippibecken zu, findet. Nur in der flachen Halbinsel Michigan, 
welche den Michigan- vom Huronensee trennt und in ihrem seen- 
reichen Inneren sich bis zu 90 m. erhebt, sowie in der zwischen 
Greeii Bai und Keechenaw Bai gelegenen Halbinsel zwischen 
Michigan- und Oberem See greift der nördliche Abfall dieser Wasser- 
scheide tiefer in das Gebiet der Ver. Staaten ein ; weiter westlich 
ist es im Gegentheil der südliche, der sich nach Britisch Nord- 
amerika hinüberschiebt. In der Verlängerung dieser Wasserscheide 
liegen westlich vom Oberen See und erheblich höher als die Seen- 
platte die Landhöhen von Minnesota, die als H a u t e u r des Ter res, 
Coteau des Grands Bois, Bois des Sioux und Coteau 
des Prairies unterschieden werden, und welche hier die Wasser- 
scheide zwischen dem Oberen See und dem Red R. auf der einen Seite 
und dem Mississippi auf der anderen bilden. Weiter westlich setzt 
der Coteau du Missouri diese wasserscheidende Erhebung im 
Gebiet von Dakota bis hart an das linke Ufer des Missouri fort, 
worauf dann am rechten Ufer in den zahlreichen Buttes, ver- 
einzelten Höhen, die zwischen Missouri und Little Missouri häufig 
sind, und weiterhin in der Fox Ridgc, Powder River Ridgc, 
Wolf Mts. bereits Ausläufer des Felsengebirgcs erscheinen 1 ). 



1) Dieser nördliche Hoehobenenstreif stellt eigentlich eine Verlängerung 
canadiseher Boden- und Oberflächenverhältnisse in das Gebiet der nördlichen 
Ver. Staaten dar. Wir haben jenseits der Grenze einen grossen Höhenzug, den 
allerdings weder Berge noch Hügel, sondern mir die Wasserscheiden bezeichnen, 
und dieser Höhenzug ist gleichzeitig wohlabgegrenztes geologisches Formations- 
plied, nämlich ein Complex azoischer oder Urgesteine, der sich inselgleich aus 
ringsum angelagerten Formationen jüugeren Alters erhebt. Die grosse Wasser- 
scheide zieht auf ihm vom Fuss der Felsengebirge zwischen den Stromsystemen des 
Satkatschewan und Athabasca-Mackenzie gegen Nordost zum Wollaston-See und 
von diesem in nordnordöstlicher Richtung zu dem arktischen Hochland, welches 
zwischen der nördlichen Hudsonsbai und dem Eismeer liegt und pengraphisch 
wie geologisch zu dieser grossen Landhöhe gehört; an dieselbe schliesst sich im 



Digitized by Google 



120 



III. Oberflächengestaltung. 



Betrachtet man naher dieses Land zwischen dem Westrand der Seen 
und den Felsengebirgen, das im Allgemeinen bezeichnet ist durch die 
Gebiete der Staaten und Territorien von Minnesota, Iowa, Dakota und 
Nebraska, so ist es äusserlich allerdings eine im Ganzen flache Re- 
gion, die im Osten und Norden vorwiegend hügelig (rolling), häufig 
sumpfig und streckenweise dicht bewaldet, im Südwesten breitflächig 
und wellig beschaffen ist. Aber dieses Flachland ist, wie wir ge- 
sehen, ebensowenig Tiefland, wie es die Prärien weiter südlich sind; es 
umschliesst vielmehr einige Tafelländer von nicht unbedeutender Erhebung 
und Krstreckung, Hochebenen, die auf die hydrographischen Ver- 
hältnisse Nordamerikas einen bestimmenden Einfluss üben. Vom Oberen 
See nach Nordwesten gehend, finden wir zunächst Tafelland von durch- 
schnittlich 300 — 400 m. Erhebung über das umgebende Land, zu welchem 
wir in nicht mehr als 30 Kil. vom Obern See (Niveau 183 m.) ansteige^ 
und das seine grösste Höhe im Qucllgebiet des Red R. findet, worauf es, 
nach Süden umbiegend, sich gegen das Thal des Minnesota hin in den 
Wellenhügeln der Prärie verliert. Es fällt im Ganzen nach Süden, von 
Westen und Osten aber nach seinem eigenen Inneren zu. Hie obengenannten 
Landhöhen von Minnesota sind seine natürlichen Abschnitte. Das Thal 
des Red R. , mehr eine grosse Ebene, eine Prärie als nur ein Thal, liegt 
120 m. tiefer als dieses Tafelland 1 ) und ist von 50^60 Kü. mittlerer 
Breite. Beim Fortschreiten nach Westen hebt sich das Land sehr lang- 
sam zu langen, wellenartigen Hügeln, die niedrig, gerundet, nur selten von 
einem canonartig tief eingeschnittenen Thal oder einer trockenen Qnücc, 
dem alten Rette eines Flusses unterbrochen sind. In dieser Region 
überschreitet mau die Grenze von Prärien und Plains, vertauscht 
graue Steppen für das grüne Wiesenland , Salzbccken für Süsswas- 
serseen , dorniges Gestrüpp für Wälder. Die Wellenhügel der Prärien 
werden hier höher, und alle Thäler ziehen südwärts, entsprechend der 
vorwiegenden Richtung flacher Rodenanschwellungen, welche sie von einander 
trennen. Aber auch hier ist die Fläche keine ununterbrochene. Vor- 
züglich zwei Tafelländer, die Coteaux, lange, breite, gleichmassige 



Osten das ähnlich felsige, ans Urgesteinen sich aufbauende Tafelland der Seenplatte 
an und greift im Süden mit den Coteaux in unser Gebiet herüber. 

1) „Nur die Anschauung selber kann einen Begriff geben von der eigen- 
thüralicheu Wirkung dieser ganz ebenen Fläche. Die Linie des Horizontes ist 
eine so vollkommene Gerade, dass sie zur Bestimmung der Höhe von Himmels- 
körpern dienen könnte. Als ich auf dieser Savanne stand und meine Augen 
anstrengte nach dem Anblick eines Gegenstandes, der etwas hervorragender 
wäre als ein Grashalm, dünkte mich, dass es keinen Fleck auf der Erde geben 
möchte, gleich passend, einen Breitegrad darauf zu messen." Ü. Owen, 
Geol. of Wisconsin. 1^52. 



Digitized by Google 



III. Oberflächcüigestaltung. 



121 



Erhebungen, durchsetzen sie. Ca. 60 KU. westlich von Lake Travers in 
40° N.B. und 97 0 30' 0. N. erhebt sieh der Coteau dcsPrairics und 
zieht in zwei Arme sieh theilend südlich bis zum Thal dos James Hiver, 
44° 15' N. B., und südöstlich bis in die Südwestecke von Minnesota 
hinein, wo er allmählich auf das Niveau der Prariehügel herabsinkt. Die 
Meereshöhe dieser Hochebene schwankt zwischen 570 und 030 m., und 
ihre Erhebung über dem Niveau des umgebenden Landes betragt 250 m. 
im Osten und 220 im Westen. Das andere Tafelland ist der Coteau du 
M issouri, das dem Laufe des Missouri vonFt.Sully bis zur Mündung dos 
Yellowstone folgt, dann nordwestlich abzweigt und in den Prärien jenseits 
der Grenze sich unmerklich verliert. In Höhe schwankt es von 600 bis 
700 m., in Breite von 50 — 80 Kil., aber seine Oberfläche ist minder 
gleichartig als die des vorigen und hebt sich stellenweise bis zu 60 m. 
über das allgemeine Niveau des Tafellandes. 

Ueber dieses weite Hochebenengobiet sind ungeheuere Schuttmassen 
vorstreut, welche bald Thüler ausfüllen, bald als Hügel und Hügelketten 
aufgeschüttet, bald als gleichmässige Decke über den Felsboden des Ur- 
gesteins ausgebreitet sind, oder als erratische Blöcke sich über die Hoch- 
flachen erheben. Es sind vorwiegend eiszeitliche Gebilde, die man als 
Drift bezeichnet. Natürlich haben in einem so weiten Gebiet von ein- 
förmiger Oberflachengestalt, wie es der nördliche Theil der Vereinigten 
Staaten ist, die Erscheinungen der Eisbedeckung und Ueberflutung, welche 
den sogenannten quateruären Zeitraum der Erdschichtc ausfüllten, den 
unbeengtesten Raum zu ihrer Entfaltung gefunden, und sind desshalb in 
einer Ausdehnung dort entwickelt, welche sie zu viel wichtigeren, ein- 
greifenderen Faktoren der Bodengestaltung macht als auf irgend einem 
anderen bekannten Abschnitt der Erdrinde. Ihre Produkte und Relikten 
bedecken, wenn auch nicht völlig lückenlos, den grössten Theil der nörd- 
lichen Hälfte von Nordamerika bis zu durchschnittlich 31) 0 N. B. Südlich 
vom Ohio sind sie nicht nachweisbar, wenn man zweifelhafte Vorkomm- 
nisse von erratischen Blöcken bei Philadelphia und Baltimore ausnimmt. 
Sie sind schwach vertreten in den Gebirgen und auf den beträchtlicheren 
Landhöhen, erreichen hingegen stellenweis beträchtliche Mächtigkeit auf den 
Ebenen und werden hier durch ihre weite Verbreitung und oberflächliche 
Lagerung das für den Ackerbau wichtigste Glied der geologischen Sehich- 
tonreihe. 

In dem ganzen Gebiete, wo man diese quateruären Ablagerungen 
trifft, ist der Felsgrund an denjenigen Orten, wo er die zur Festhaltung 
der Spnren nothwendige Beschaffenheit besitzt , in der Art geschliffen 
und gefurcht, wie man es von den Unterlagen der Gletscher beschreibt. 
In Canada , Neu - England und den Mittleren Staaten sind diese 
Gletscherspuren allgemein verbreitet; im Oberen Mississippigebiet sind sie 



Digitized by Google 



122 HL Oberflächengestaltung. 

in den Hügelländern, den grösseren Flnssthfllern und Seebecken häufig. 
Die Rieht nu der Furchen ist eiue vorwiegend nordsüdliche, wenn auch 
vielfach abgelenkt durch örtliche Verhaltnisse. In den Thälern gehen 
diese Spuren oft tief unter die jetzige Thalsohle und deuten an, dass ganze 
Systeme von in tiefcrem Bette fliessenden Strömen und Bachen, Fluss- 
systeme, die einem tieferen Niveau des Meeres entsprechen, zur Zeit der 
Eiswirkung bestanden. 

Diesem von Eisspuren durchfurchten Boden sind nun jene Drift 
Deposits aufgelagert, die wir am passendsten Diluvialgebilde nennen wer- 
den. Das unterste von ihnen ist ein zäher, blauer Thon, ungeschichtet, 
der zahlreiche kleinere Gerölle und stellenweis grosse Blöcke umschliesst. 
Man nennt ihn Bouldcr Clay, Schollenthon. Eine Varietät desselben, 
ein feiner, geschichteter, von Geröllen freier Thou ist der Erie Clay 
der nordamerikanischen Geologen. Dieser Thon Oberlagert an vielen 
Orten des Westens, vorzüglich in Ohio, eine kohlige Schicht, die häutig 
Wurzeln und selbst aufrechtstehende Baumstümpfe enthalt, welche ihr 
den Namen Forest Jicd haben beilegen lassen. Ausgedehnte Torf- 
lager, die jetzt von anderen Driftgcbildcn bedeckt sind, gehören derselben 
Zone an, in der zum ersten Male Reste vom Elephanten, Mastodon, Kiesen- 
biber u. a. Diluvialthieren gefunden werden, die auch in den späteren 
Quaternär-Gebilden nicht fehlen. Jünger ist die Gruppe mannigfaltiger 
Schwemmprodukte, die eine tiefe Senkung des Landes andeuten und die 
man als Lacustr ine Deposits, wohl auch lokal (in Ohio) als Delta 
Sand Deposits zusammengefasst hat. Es sind weisse, gelbe, blaue 
Thone, mit und ohne Geröll, fein oder sandig, geschichtet und unge- 
schichtet, oft unserem Löss ähnlich, unter dessen Namen sie wohl auch 
gehen, ferner Gerölle und Sande. Da sie häufig die hohen Ufer zusam- 
mensetzen, welche in den Ebenen des Nordwestens selbst bei geringer 
absoluter Höhe sich bedeutend von der Fläche des Landes abheben, 
so hat man sie auch Bluff Formatinn genannt. Endlich folgt über 
diesen Ablagerungen die letzte der ausgedehnteren Driftbildungen, der 
sog. Eisbergdrift, welcher unseren erratischen Bildungen in Form und 
Anordnung entspricht; das Material desselben sind Blöcke und Gerölle, 
nieist aus nah im Norden gelegenen Felsregioneu stammend und 20 — 40, 
selten bis zu KM) e. M. weit transportirt '); sie sind wenigstens zum 
Thcil auf Eisbergen nach Süden gekommen. Dass sich auch Reste alten 

1) In dieser oberflächlichsten und jüngsten der grossen Driftablagerungen 
hat man häufig gediegenes Kupfer, das auf den Nordrand des Oberen Sees 
zurückweist, und stellenweis auch Spuren von Gold gefunden. Es ist kaum 
nöthig zu sagen, dass diese Kunde ungegründete Hoffnungen erregten. Man bat 
tiefe Schachte abgeteuft, um dieses Kupfer zu graben, von dem zufällig einige 
Stücke auf Eisbergen über den Oberen See geschwommen wann. 



Digitized by Google 



III. Obcrflächeugestaltung. 123 



Gletscherschutts unter diesen erratischen Bildungen finden, ist indessen 
wahrscheinlich. Im Allgemeinen ist das Material der Driftgebilde im 
Norden gröber als im Süden 

Ablagerungen, die in Form und Vcrtheilung an die Drift- oder Dilu- 
vialgebilde erinnern, aber jünger als sie, wenn auch gleich ihnen Wirk- 
kungen grosser und weitverbreiteter Ursachen sind, sind die Terrassen- 
bilduugen an den Seebecken und in den Flussthülern, welche von früher 
höherem Niveau der Seen und von Ruhepunkteu in dem Sinken desselben 
Zeugniss ablegen. Auch alte Strandlinien der Seeküstc und marine Ab- 
lagerungen in heute binnenländischen Gebieten gehören hierher. Langge- 
streckte, gerundete Sand-, Geröll- und Schutthügel, vollkommen entsprechend 
denen, welche im Schottland Käme* und in Schweden Asars genannt werden, 
kommen in den höher gelegenen Theilen der Driftregion und besonders 
in den Wasserscheideregionen in weiter Verbreitung vor. Sie erhalten 
in Nordamerika, wo man sie von New- York bis nach Wisconsin hinüber kennt, 
den verständlichen Namen Ifog's Bade, Schweinsrücken. Ihr Material ist 
z. Th. einheimisch und gehört z. Th. ebenso fernen Hegionen an, wie das 
der erratischen Blöcke, und ist gleich diesen in der Kegel weder ge- 
schliffen noch gefurcht, aber immer geschichtet. Man betrachtet sie 
als Driftablagerungen, welche an Stränden stattfanden, wo Eisberge und 
Treibeis schmolzen und wo ihr Schutt von der Brandung gewissermassen 
gesichtet und von seinen feinsten Bestandteilen befreit wurde. 

Es ist nicht schwer, die jüngste Geschichte der Nordhälfte des 
nordamerikanischen Contincnts in der Scl'irift dieser Spuren und Reste 
zu lesen. Wir haben es hier mit einer Eiszeit zu thun, wie bereits an- 



1) Man möchte nach den Beschreibungen der erratischen Gebilde in Nord- 
amerika schliessen, das» dieselben dort viel liantijrer seien als in Europa, und die 
grossere Intensität der heutigen uordamerikanischen Winterkalte scheint diesen 
Sehluss zu bestätigen. Aber es ist auch zu erwägen, dass die Cultur dort zu jung 
ist. als dass sie diesen Spuren einer der merkwürdigsten geologischen Epochen so 
gefährlich hätte werden können wie bei uns, wo man sich schon genöthigt sieht, 
sie durch allerlei Mittel zu schützen. An Grösse stehen die erratischen Blocke Nord- 
amerikas nicht hinter denen unserer nordischen Ebenen zurück. Hitchcoek nennt 
einen von Bradford Mass., der über 2000 Tonnen wiegt. Newberry berichtet 
von einem in Ohio, der als dreiseitige Pyramide von 12. 12 und 15' Kanteiilänge 
aus unbekannter Tiefe über den («rund hervorragt; einer von 43' Länge und 
32' Breite liegt bei Witttugham in den Green Mts. Solcher, die mit einer Masse 
von 50— 100 Tonneu über den Grund hervorragen, gibt es nicht wenige. Urton 
berichtet von einem Streifeu erratischer Blöcke zwischen Dayton und Eaton 
(gleichfalls in Ohio), der 2 — 3 Meilen breit und so dicht ist. da* er die Cultur 
unmöglich macht (Geol. Survey of Ohio 1874. 83, 34). Schliffe und Furchungen 
Mi»d au diesen Blöcken nur ausnahmsweise zu sehen. 



Digitized by Google 



124 



HI. Oberhachengestaltung. 



gedeutet. Zu einer Zeit, die wahrscheinlich mit «1er der europäischen 
Eiszeit zusammenfallt, jedenfalls aher dieser in der Aufeinanderfolge der 
Erscheinungen entspricht, hatte die nördliche Hälfte von Nordamerika ein 
arktisches Klima , verlmnden mit wahrscheinlich bedeutenden Nieder- 
schlägen '), welche zu grossen Glctseherbildungen Anlast» gaben. Am 
Anfang und gegen Ende dieser Eiszeit waren die Gletscher lokale Gebilde ; 
sie waren aber während des stärksten Waltens der kältefördernden Be- 
dingungen so ausgedehnt, dass eine grosse Eismasse, die sich in südsüdöst- 
licher Richtung vorschob, ganz Neu-England bedeckte*), während andere 
grosse Gletscher die Gegenden östlich vom Mississippi uud nördlich 
vom Ohio bedeckten. Es ist oben eine Thatsache angeführt, welche 
zu beweisen scheint, dass der Contincnt , wenigstens in seiner nörd- 
lichen Hälfte in dieser Zeit eiuige 100 Fuss höher war als jetzt Aber 
auf die Eiszeit folgte eine Periode, welche man die Wasserzeit nennen 
könnte. Das Land sank, bis es mindestens 5<K>' unter seiner heutigen 
Höhe stand; die Kälte, das Eis, die Gletscher gingen zurück. Ein 
grosses Süsswassermeer bedeckte nicht nur die Kegion der Grossen 
Seen , sondern noch ein weites Gebiet ausser ihr. Der B<»tldrr 
Ctay wurde in dieser Zeit abgelagert, und ist wohl vorzüglich auf den 
Schlamm zurückzuführen, zu dem von den Gletschern die Schiefer- 
und Kalksteine zerrieben worden waren, und der nun beim Abschmel- 
zen der Eisdecke zurückblieb. Dieses trat besonders in dem Ohio- 
Gebiete ein. W r o krystallinische Gesteine anstehen, wie in Neu- Eng- . 
land, wird dieser Schlamm durch Sand und Geröll ersetzt. In stehendem 
Wasser, grossen Tümpeln, die beim Abschmelzen sich zeitweise an günstigen 
Orten sammelten, wurde feinerer Schlamm (Löss, Erie Clav) abgesetzt. 
Die Wälder and Moore, die auf dem einst gletscherbedeckten Boden 
wuchsen, führten zur Bildung der Forest Bah, die während der Senkung 
des Continents mit den neuen Ablagerungen des lAicustrhw Drift be- 



1) Bei der l'arallelisirung der Eiszeit mit den Zustanden, welche heute die 
polaren oder südpolaren Beginnen bieten, vergisst man merkwürdiger Weise so 
oft, dass ein arktisches Klima in unseren von Natur viel niederschlagsrcichereu 
Breiten zu grossartigeren Gletscherbildungen Anlass geben musste, als wir heute 
in dem von Natur ebenso niederschlagsarmen Grönland oder sonst einem Polar- 
land wahrnehmen. Auf Nordamerika, das wenigstens im Osten noch heute ein 
niederschlagsreiches Klima besitzt, wird diese Erwägung mit doppeltem Rechte An- 
wendung finden. 

2) Dana hat die Dicke dieser Eisdecke, dieses lee sheet, an ihrem Ursprung 
(Wasserscheide zwischen St. Lorenz und Hudsonsbai) auf 11,000' geschätzt; aus 
den Spuren in den White Mts. schliesst mau, dass daselbst das Eis <MMM)' dick 
floss und 6<HK)' Meereshohe erreichte, so dass ausser Mt. Washington nichts 
von dem ganzen Laude aus dem Kis hervorragte. (LI. of Oeol. 12.) 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 



125 



deckt wurden. Ueber diese streuten im Gebiete südlich von den grossen 
Seen schmelzende Eisberge die erratischen Blöcke und das Geröll, aus 
denen der Eisbergdrift besteht, während im Osten zur selben Zeit viel- 
leicht noch einige grössere Thälcr mit Gletschern erfüllt waren. 

Das Flachland des Inneren. Südlich von diesen Land- 
höhen, welehc man als die nördliche Ergänzung der Gebirgs- 
umrandung des nordamerikanischen Flachlandbeckens betrachten 
kann, erhält das Gefälle der Hochebenen und der Ebenen immer 
mehr eine westliche und östliche Richtung, und beide Richtungen 
finden ihr Ziel in dem Thalc des Mississippi, welches von St. Louis 
abwärts den tiefsten Theil der flachen Rinne darstellt, als welche 
hier das ganze Land zwischen Felstngebirg und Alleghanies erscheint. 

Man kann dieses gesammte Gebiet des Inneren in zwei 
grosse Abschnitte theilen, deren südlicher und kleinerer gebildet 
wird durch das Tiefland des Mississippi und der Golfküste, 
während der mittlere bei vorwiegend flachem Charakter nicht 
bloss kein Tiefland in dem ausgesprochenen Sinn der Mississippi- 
Niederungen , sondern in weiter Erstreckung eine ausgesprochene 
Hochebene und stellenweise ein Hügelland von nicht unbeträcht- 
licher Höhe ist. 

Den Abfall von den Alleghanies nach dem Mississippi zu haben 
wir kennen gelernt (s. o. S. GO). Der vom Felsengebirge bewahrt 
auch in den südlichen Theilen der Ver. Staaten zunächst einen 
ähnlichen Charakter wie im Norden , indem er gewissermassen 
als Fortsetzung der Hochebenenbasis des Gebirges von dem Fusse 
desselben langsam nach Osten und Süden zu abfällt. Bei der 
Höhe der Basis des Felsengebirges, die stellenweise über 1500 m. 
hinausgeht, haben wir es hier natürlich vorwiegend mit Hoch- 
ebenen zu thun, die bei ihrem sehr allmählichen Abfall erst 
in unmittelbarer Nähe des Mississippi zweifellosen Tief landcharakter 
annehmen. 

Eine merkwürdige Beständigkeit, Einfachheit und Grösse auch 
in diesen Verhältnissen! Alles Land westlich vom Mississippi kann 
entweder als Ebene oder als Gebirg bezeichnet werden, und es ist 
überall, wenn wir gegen Westen fortschreiten, zuerst Ebene und 
dann Gebirg. Jene steigt erst langsam an, zuerst nicht mehr als 



Digitized by Google 



126 



III. Oberfläebeugcstaltung. 



0.2 m. p. Kil., dann steiler und geht erst nach üher 1000 Kil. 
breiter Erstreckung in das Gebirge über, wo dann allerdings der 
Anstieg anfänglich bis zu 7 und 9 m. beträgt. Die Breite und 
das allmähliche Ansteigen der Ebene, sowie die Höhe, zu der das 
Hochgebirge sich aus derselben herausreckt, sind wohl in ver- 
schiedenen breiten Gürteln unseres Gebietes verschieden ; aber mehr 
oder minder scharf ausgeprägt finden sie sich tiberall vom Golf von 
Mexico bis zur Nordgrenze wieder. Das breite Flach- und Hügel- 
land, das allmählich Hochebene wird, und das Hochgebirge, das 
aus ihm im Westen emporsteigt , kehren selbst weit nördlich von 
der Nordgrenze unseres Gebietes mit grosser Beständigkeit wieder; 
sie gehören in der That zu den Charakteristischen Zügen der Öber- 
flächengestalt von Nordamerika Wie sie sich, wenn auch in ver- 
schiedenen Höhenverhältnissen , in diesem ganzen Gebiete wieder- 
holen, mag folgende Reihe von Profilen zeigen, die von Grad zu Grad 
durch das Gebiet zwischen Mississippi und Gebirge gelegt sind: 





32° N. B. 


35° N. B. 


39° N. B. 


41 0 N. B. 


45° N. B. 


48" X. B. 


W. L. 


Mittlere 


Mittlere 


Mittlere 


Mittlere 


Mittlere 


Mittlere 




Höhe 


Höhe 


Höhe 


Höhe 


Höhe 


Höhe 






Motor 


M.ter 




IM« 


JMer 


95- 96 


150 


200 


300 


30«) 


300 


460 


96- 97 


240 


240 


800 


360 


300 


360 


97- 98 


800 


360 


360 


490 


460 


460 


98— 99 


360 


460 


460 


600 


460 


460 


99—100 


460 


580 


600 


700 


600 


460 


100—101 


600 


750 


750 


790 


460 


460 


101-102 


910 


960 


960 


900 


600 


600 


102—103 


1370 


1220 


1220 


1070 


760 


660 


103_104 


1220 


1250 


1520 


1370 


900 


600 


104—105 


1220 


1370 


1830 


1830 


760 


600 


105—106 


1370 


1830 


2740 

• 


2440 


600 


670 



1) Ihr beständiges Zusammenvorkommen aber ein so weites Gebiet hin 
lässt leicht auch einen frenetischen Zusammenhang vermuthen, und es Liegt jeden- 
falls nicht fern, mit einem der besten Kenner des Gebietes anzunehmen . das» 



„das ganze Gebiet westlich vom Mississippi ein grosses Plateau sei, welches all- 
mählich gehoben wurde, his die Kruste der centralen Abschnitte, bis aufs Aeusserste 
gespannt, barstund langsam jene höheren Gebirgsketten emporstiegen, welche wir als 
Felsengebirge zusammenfassen - . F. V. Hayden, I., II. and III. Annual Report. 1873. 68. 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 



127 



Es erscheint uns nicht erstaunlich, wenn die Höhe, von der 
die Ebene am Fuss des Gebirges im Westen ihren Anfang nimmt, 
sich trotz der sehr bedeutenden Abnahme, welche das Gebirge in 
seiner eigenen Höhe zwischen Missouri und Rio Grande erfährt, 
keine sehr bedeutenden Verschiedenheiten zeigt. Wir haben die 
Hochebenenbasis als das beständigste Element in der grossen Er- 
hebungsmasse des Westens kennen gelernt, und mit ihr ist es, dass 
die Ebenen des Inneren in iniüger Beziehung stehen ; denn von ihr 
sind sie gewissermassen die Abdachung, die sich ganz allmählich 
nach der tiefen Rinne des Mississippi hin senkt. 

Die Grenze der Ebene gegen das Gebirge ist indessen nicht immer scharf 
zu bestimmen. Wo, wie in Wyoming oder Colorado, das Gebirge als ge- 
schlossene Kette erscheint, ist allerdings selbst der geologische Unterschied 
beider nicht weniger scharf als der orographische. Die Gebirgskette 
besteht aus krystallinischen Gesteinen, die beim Herauf- und Herausdrängen 
Gesteine von vorher horizontaler Lagerung hoben, falteten, überstürzten 
oder zersprengten. In dieser Art sind die Schichten, welche den Plains 
zu Grunde liegen, oft ziemlich weit in Falten geworfen und in der Nahe 
des Gebirges gehoben. So sind z. B. die Golden Hills, Boulder 
Hills und andere Vorberge der Colorado Front Range weiter nichts als Sedi- 
mentmassen, welche mit dem Gebirge zusammen gehoben wurden, und viele 
Meilen weit hinaus sind die Falten und Wellen der Plains wie Abschnitte 
von Wellenkreisen dicht hintereinander sichtbar. Die Schichten sind zuerst 
nur flach gebogen ; aber naher gegen das Gebirg zu wird ihre Hebung steiler, 
und in den dem Gebirge zunächst gelegenen Vorbergen treten bereits 
klippige Felskämme aus den weichen Formen der Unterlage hervor. 

Wo in Neu-Mexico das Gebirge in eine grosse Masse grösserer und klei- 
nerer Gebirgszüge aufgelöst ist, die insgesammt wie im Einzelnen das Felsen- 
gebirg von Colorado weder an Masse noch an Höhe erreichen, wird die Tren- 
nung eine schwierigere, und es kommen die Wirkungen der hier in grosser 
Ausdehnung in Aktion gewesenen vulkanischen Kräfte hinzu, um die Ab- 
grenzung zu erschweren. Die Spanish Peaks und die Raton Mts. hatten 
wir oben als Ausläufer des Felscngebirgs zu verzeichnen. Weiterhin am 
Oberen Cimarron bilden „Reihen kahler Kuppen mit schanzenförmigen 
Contreforts* (Fröbcl), die strahlenförmig von einem Knoten auslaufen und 
rasch ansteigend winkelförmige Ausschnitte der Präriefläche zwischen sich 
lassen, die äussersten Ostausläufer neumexikanischer Gebirgsgruppen. 
Point of Rocks, eine oftgenannte Landmarke auf der alten Karawancn- 
strasse vom mittleren Mississipi nach Santa Fe", eine Gruppe von Trapp- 
klippen, ist wie ein Vorgebirg in die Ebene hinausgerikkt. Rabbits 



Digitized by Google 



« 



128 III. Oberflächengestaltung. 

Ears, Round Mound, Pyramid Mt8., Waggon Mounds sind 
Namen vulkanischer Kegel oder Klippengruppen, die in der Region des 
letzten Abfalls des Gebirges in die hier zu lHU) — 2<HX» m. ansteigende 
Hochebene sich erheben. Insofern sie nur vereinzelte Wirkungen der- 
selben vulkanischen Kräfte darstellen, welche im Innern des Gebirges 
durch grosse Lavaströme und Vulkankegel einen so wesentlichen Antheil 
an der Gestaltung der Oberfläche jener Region nehmen, gehören sie noch 
dem Gebirge an. Wo vulkanische Gesteinsmassen über horizontale Schich- 
ten anderer Gesteine wegflössen, sie bedeckten und zum Theil vor Ver- 
witterung schützten, entstand noch jene andere Art von Gebirgsvor- 
werken, die durch einfache, energische Erosion solcher Schichten in be- 
stimmter Richtung entstandenen Mcsas, welche oft als abgelöste Stücke 
einer hinter ihnen folgenden Hochebene vorgeschoben erscheinen. Ihre 
steilen Abhänge und tischartig Hachen Rücken sind bezeichnende Züge, 
wie im Innern, so in der Vorberg-Landschaft dieser Region. 

Eine ganz eigentümlich scharfe Absetzung der Ebene gegen das Gebirg 
oder vielmehr der Ebene gegen die Hochebene, die an die Mesabildung 
erinnert, bedingt der geologische Hau im südöstlichen Neumexico und 
nordwestlichen Texas, wo der Llano Estacado, ein weites Sandstein- 
plateau von 97(>- — l-ifiO m. Meereshöhe und 70,000 □ Kil. Grundfläche, 
wie eine grosse Bastion in das um 500 — 800 m. tiefer liegende Land 
abfällt. Dieses Plateau ist den weiter zurückliegenden Gebirgen ähnlich 
vorgelagert wie die Hochebene der Plains in den nördlichen Bezirken; 
aber der Gesteinsunterschied sowohl hinsichtlich der Beschaffenheit als 
Lagerung liess nicht jene allmähliche Vermittelung mit der Ebene zu, 
welche noch im Gebiet des Arkansas die Plains so ganz allmählich in die 
Prärien überleitet. Vergessen wir übrigens nicht, dass direkt westlich 
von diesem grossen wüsten Tafelland keine quellennährenden Gebirge zu 
finden sind, deren Gewässer stark genug nach Masse und Fall wären, um 
diese Sandsteinfelsen zu durchbrechen. Es ist darin einer der Gründe 
der Existenz dieser Sandsteinwüste zu suchen , deren Starrheit sicherlich 
langst milderen Formen Platz gemacht haben würde, wenn ein Felsen- 
gebirg oder gar eine Andeskctte, die ihre Wasser über sie wegsendete, 
ihr im Rücken stände. 

Die Land höhe von Texas, welche die Wasserscheide zwischen 
den südwestlichen Mississipizuflüssen und den selbstständigen kleinen 
Flusssystemen von Texas bildet, nimmt den Ostabhang des Llano Estacado 
in sieh auf und fällt von da allmählig gegen Süden und Osten ab. Der 
Südabfall ist dabei der weitaus überwiegende, wie man an den Fluss- 
läufen sieht, welche südlich vom Red R. die westöstliche Richtung voll- 
ständig aufgebeu, um südwärts parallel mit dem Mississippi zu fliessen. 
Die Oberfläche dieser durchaus der Kreidefonnation angehörigen Erd- 



Digitized by Google 



III. Oherflaehengestaltttiig. 



schwelle ist wellig, von unbedeutenden Höhen durchzogen und steicrt im 
Westen zu 900 m. nn. Sic fallt in drei Terrassen zum Meere und zum 
Unteren Mississippi ab. von denen die erste nur eine Ausdehnung der 
Landhöhe in tiefere Niveaus ist. die statt des steppen- und felsenhaften 
Charakters dieser GrasHuren den zerstreuten lichten Baumwuchs trügt, 
welcher für die höheren und nicht schon zur Steppe gehörigen Theile 
von Texas bezeichnend ist; die zweite ist Diluvialgebilde, flache, nicht 
ganz baumlose Prärie, zu der auch die reichbewaldeten Thalsohlen (Bot- 
toins) der Flüsse zu rechnen sind; die dritte wird durch das niedrige, 
weithin kaum über das Meeresniveau erhobene Küstenland, dieselben 
alluvialen Küstenniederungen gebildet, welche von der Hudsonmündung an 
die ganze atlantische und (iolfküste Nordamerikas umsäumen. 

I>ie Wichita und Ozark Mts., ein sehr eigenthümlicher, wenn 
auch keiner der hervorragendsten Züge in der Oberflächengestaltung des 
Innern der Vereinigten Staaten, sind wegen ihres Zusammenhangs mit den 
Höhenzügen von Nordtexas an dieser Stelle zu nennen. Vereinzelte Hügel, 
die allerdings selten über 1< hh> m. und nie über 12<X> ansteigen, sind zunächst 
dem Ostrande des Llano Estacado vorgelagert. Ihre Höhe und ihr Aufbau 
aus geschichteten Gesteinen der Kreideformation stimmt zu sehr mit der 
Hochebene, die ihnen im Kücken liegt, als dass man nicht geneigt sein 
sollte, durch Erosion abgelöste, isolirte Theile derselben in ihnen zu 
sehen. Weiter nach Osten und Norden zu gesellen sich auch grössere 
Hodenwellen, und wo die reichlichere Bewässerung tiefe Thälcr in die Hoch- 
prärien gegraben hat, heben sich solche vereinzelte Hügel und Hügelzüge 
schärfer hervor, und wo sie dann in grösserer Zahl sich aneinanderreihen, 
wie z. B. in den San Sa ha Mts. am linken Ufer des Texas-Colorado 
oder in der Kette, die vom Südostende dieser über den Brazos weg zum 
Oberen Red K. sicherstreckt, geben sie grossen Abschnitten des betr. Ge- 
bietes einen stark hügeligen Charakter. Die Wie hita Mts. im Indianer- 
Territorium erscheinen üusserlich als eine etwas kräftiger entwickelte 
Fortsetzung derselben Höhenzüge, sind aber, geologisch betrachtet, scharf 
von ihnen unterschieden durch die Theilnahme krystallinischer Gesteine 
an ihrem Aufbau. Ihr Kern ist Granit. Dagegen sind die Höhen, welche 
an den Ufern des Süd-Canadian auftreten, wie die Natural Mounds, 
Antelope Hills, Delaware Ridge, Shawnee Hills nur Produkt 
starker Erosion in Bodenwellen von geringer Höhe. Die Ozark Hidge 
(auch mit dem vielvergebenen Namen Black Hills bezeichnet) anderseits, 
welche von der Mündung des Canadian zu der des Missouri zieht, hat 
wiederum Kerne krystallinischer Gesteine, um welche ältere Formationen 
angelagert sind. Sans Bois Mts. an der Mündung der beiden Canadian 
kann als Südende, Pine Bidge am Missouri als nordöstlicher Auslaufer 
der Ozark Hidge betrachtet werden, und die Washita Hills und 

Rittet, Amerika. I. «J 



Digitized by Google 



130 HI. Oberfiüchongtstaltiing. 

Devils Backbonc zwischen Arkansas und Red R. liegen in der öst- 
lichen Verlängerung der Sans Bois Mts. Sie alle sind Hügelzüge, deren 
höchste Höhen über 600 m. nicht hinausgehen, die indessen noch immer 
scharf genug sich vom Hintergrund ihrer Hachen Prärieumgebung abheben 
und durch ihre reiche Erzführung ein Gegenstand von hohem praktischen 
Interes.se für die betreffenden Gegenden sind. Stellenweise geht übrigens 
der Hügelcharakter vollständig unter dem der Hochebene verloren, so im 
südlichen Missouri, wo man als Ostende der Ozark Ridge nur noch ein 
Tafelland von '.i — 400 m. Aleereshöhe hat, das nach allen Himmelsrich- 
tungen langsam auf das Niveau des tieferen Prärielandes hinabsinkt. Dem 
geologischen Rau nach ist es Untersilur, und krystallinisehe Gesteine er- 
scheinen in seiner ganzen Erstreekung nur noch sehr vereinzelt in Forin 
einiger Kamme und Klippen granitischen Gesteins. 

Man ersieht aus diesen kurzen Ueberblicken, dass Tiefländer im 
strengen Sinn des Wortes im Inneren Nordamerikas nicht zu suchen sind. 
Die Ebenen, welche einen grossen Theil des Raumes zwischen den grossen 
Gebirgszügen des Ostens und Westens ausfüllen, sind Hochebenen von 
zum Theil sehr bedeutender Erhebung, und die Hügelländer, von denen 
sie stellenweise abgelöst werden, erheben sich durchaus auf hoch gelegenen 
Grundlagen. Selbst der Obertlächencharakter der weiten Ebenen ist ge- 
eignet, sie vom Tiefland scharf zu unterscheiden; denn die absolute Flach- 
heit, die für dieses bezeichnend ist, findet in unserem Gebiete sich nur 
längs der Flüsse und Seen. Jene wellige Bodenform der Prärien, welche 
die Amerikaner treffend mit einer von der Bewegung des Meeres her- 
genommenen Benennung roll hu/ bezeichnen, wird oft vollkommen hügelartig, 
und wo Wasserläufc einschneiden, entstehen wahre Miniaturgebirge, und 
diess ist besonders ausgeprägt in den Hochprärien , den steppenartigen 
Prärien des Westens, wo noch die heftig eingreifenden Wirkungen einer 
sehr ungleichen, auf kurze Zeiträume beschränkten, dann aber flutartigen 
Bewässerung hinzukommen. Von den Plains in der Region des Little 
Missouri sagt ein neuerer Forscher: „Die Plains sind nur dem Namen 
nach Ebenen. Der Mangel an Bäumen setzt sie in besonders hohem 
Grade den Wirkungen der Winde und des W r assers aus, und nirgends 
findet man daher eine grössere Unregelmässigkeit der Oberfläche, un- 
vermitteltere Erhebungen, steilere Abstiege, eine gebrochenere, zerrissenere, 
oft scheinbar uupassirbarc Gegend wie hier. Nirgends schneidet der Regen 
tiefer ein, nirgends reisst der Frost senkrechtere Spalten. Die meisten 
Flussbetten sind von dem zähen, gefährlichen Flugsand erfüllt. Der Rei- 
sende hat Uferbänke zu durchschneiden, scharfe Höhen abzutragen, Brücken 
und Dämme zu bauen, und jede gewonnene Meile ist ein Stück intelli- 
genter und geschickter Arbeit 4 *). 

1) R. J. Dodge, The Black Hills lhTG. 15. 



Digitized by Google 



III. Oberflächengestaltung. 



131 



Die Frage nach der Entstehung dieser Unebenheiten hängt mit der 
Frage der Entstehung der Prärien überhaupt zusammen; auf beide wird 
ausführlicher zurückzukommen sein. Lesquereux fasst sie als Erosions- 
erscheinnngen. „Ich habe tagelang die Vertiefungen der Prärien verfolgt 
und sah sie immer in niedriger gelegene und scharf markirte Betten 
oder selbst in Flussthäler übergehen ; in zahllosen Windungen, die an den 
umherirrenden Lauf mancher Bache in nahezu flachen Thalern erinnern, 
führen sie abwärts'' '). Anscheinend horizontale Prärien sind auf sehr weite 
und flache Abflussbetten zurückzuführen. Die Desor'schc Ansicht, dass das 
roilitvf der Prärien zu der Zeit entstanden sei, wo der Boden der Prärie noch 
unter Wasser stand, lässt Lesquereux nur für die Coteaux gelten, in denen er 
Inseln der alten Prärieseen erblickt. Natürlich bleibt aber die Boden- 
beschaflenheit nicht ohne wesentliche Rückwirkung auf den Charakter der 
Oberfläche, der vorzüglich nur da auf weitere Strecken entschieden wellig 
ist, wo lockere Gesteine seine Unterlage bilden, wie es in so hervorragen- 
der Weise in dem ganzen Präriengebiet nördlich vom Ohio der Fall. Die 
Prärie nimmt aber nicht selten auch die Formen des Tafellandes an, wo 
Gesteinsschichten von felsenhaftem Charakter ihre Unterlage bilden. 
Die Unterlage bedingt nicht selten sogar tiefergehende Unterschiede. 
Derjenige Thcil von Arkansas, z. B. welcher Flachland ist, unter- 
scheidet sich, wiewohl Prärie seinem Vegetationscharakter nach, dennoch 
erheblich von anderen Präriegebieten, und zwar ist es seine Felsunterrage, 
welche ihm eine eigentümliche Stellung anweist. Nur im Süden und 
Osten sind Prärien mit Alluvialboden zu finden, in dem grössten Theilc 
aber des Staates bildet Felsgcstcin ihre Unterlage, und hier verwandeln 
sie sich im Frühling unter dem Einfluss der häufigen Regengüsse, bei 
mangelnden Abflusswegen des Wassers, in binsen- und schilfbewachsene 
Ilalbsümpfe. Die Felsboden-Prärien sind im nördlichen Arkansas in zahl- 
reiche niedrige Höhenkämme zerlegt, zwischen denen klare Bäche fliessen, 
und welche da, wo der Boden ein compaktes Felsgestein, dürr und klippig, 
oft gänzlich vegetationslos erscheinen; bei grösserer Ausdehnung bilden sie 
Bairens, hochgelegene kleine Kalkplateaux. Die Thalgründe zwischen ihnen 
sind Hfdfprairies, Wiesen mit parkartig wachsendem Gehölz und Gesträuch*). 

1) J. Lesquereux, Geol. of Illiuois 1866. I. 243. 

2) Die Prairie d e. s Osagu cb in Süd-Kansas ist der Typus einer besseren, 
fruchtbareren Prärie dieser Art, in der der Fels nicht aus dem Boden tritt, 
sondern in hohem Grade befruchtend auf denselben durch seine Zersetzungs- 
produkte einwirkt. Wo der grobe Sandstein des Millstone-Grit an die Stelle des 
Kalkbodens tritt wie in West-Kansas, da erscheinen die Kämme der Bodenwellen 
ähnlich dürr und felsig, erheben sich aber mit 120 — 150 m. bereits über das 
Niveau der rt fanden Prärie zu unzweifelhaften Hügeln. Aus Millstone-Grit be- 
steht ein grosser Theil der Hügelregion des westlichen Arkansas. 

9* 



Digitized by Google 



189 



III. OberflftcheDge&taftung. 



Das Tiefland hat in Nordamerika einen bemerkenswert!) 
gleichniässigen geologischen Charakter und zeigt sehr einlache Yer- 
broitungsverhältnisse. Was wir im Abschnitt über den geologischen 
Bau als das Gebiet des Alluvium bezeichnet haben, das ist immer auch 
zugleich Tiefland, nämlich der atlantische Saum von Long Island 
bis zur Rio Grande -Mündung und die ganze eigentliche Sohle des 
Mississippithaies von der Missouri- Mündung abwärts. Aus dem 
ersteren tauchen einige insel- und halbinselartig vorgeschobene Stücke 
der unmittelbar hinter dem Alluvialsaum folgenden Tertiärfonnation 
hervor; aber im Mississippi -Tiefland haben wir ältere Gebilde nur 
an den Rändern, wo diese in den Bluffs bereits wieder den Tiefland- 
Charakter aufzugeben beginnen, um in das dahinterliegende Terassen- 
land überzugehen. 

Den Atlantischen Tieflandsaum kann man alsein Gebiet be- 
zeichnen, das zwischen Meer und Festland noch in geologisch neuen und 
neuesten Zeiten strittig gewesen, und dessen Zugehörigkeit zu dem einen 
oder dem anderen seihst heute in bestimmten Fällen zweifelhaft erscheint. 
Ein Theil davon liegt unter dem Mecresniveau hinter natürlichen oder 
künstlichen Dämmen, über die das Meer bei Sturmfluten hinüberschwillt. 
Bei den grossen Fluten von 1801 und 1824 war ein grosser Theil dieses 
Saumes mehrere Fuss tief vom Meere überschwemmt. In den Küsten* 
rlüssen, die meist von kurzem Lauf, aber vom Eintritt in den Tief landsauni 
an seeartig weit sind, gehen die Gezeiten hoch hinauf und verwischen 
weithin den Unterschied zwischen Süss- und Salzwasser, zwischen Fluss- 
und Meeresarm. Um so mehr ist diess möglich, als das Meer selbst mit 
unzähligen Armen sich in die vorgeschobensten Theile des Festlands, die 
Region der sogenannten St a-Ialamls, verflicht. Dieses Lagunengewirr, das 
die Küstensehifffahrt in dieser Region so sehr erleichtert, während es auf 
der anderen Seite die Annäherung an die Küste von der hohen See her 
erschwert, schafft eine Ueberpangsregion zwischen Meer und Festland, die 
stellenweis den Tieflandsaum in seiner ganzen Breite einnimmt. Dass die 
geologische Erforschung diesen Saum als eine junge Mecresbildung erkennen 
lässt, wurde hervorgehoben. 

Sehen wir einstweilen von Florida ab, so haben wir zunächst in 
Georgia nach Lyell's Beschreibung 1 ) ein Tiefland, das an den Atlantischen 
Oeean grenzt und die Sea-Islands sowie die Ebenen nmfasst, welche un- 
mittelbar hinter ihnen liegen. Seine Durchschnittshölie beträgt X — G m., 
wiewohl es an einzelnen Stellen bis zu 12 m. ansteigt; es erstreckt sich 



i) Ch. Lyell, Scond Visit t<> the U. S. löf>. r >. L 2f>U. 



Digitized by Google 



III. Oberflarhengestaltung. 



188 



90 Kil. landeinwärts und besteht aus Sand und Thon von sehr moderner 
Bildung, dessen Einschlüsse von organischen Resten alle heute lebenden 
Arten angehören. An einigen Orten enthalten diese Schichten Einlagerugcn 
von Süsswassergebilden mit Knochen ausgestorbener Säugethiere. Die 
Mächtigkeit der ganzen Ablagerung ist gering. Gehen wir landeinwärts, 
so steigen wir nach etwa 30 Kil. steil eine Terrasse hinan, die sich 20 m. 
über dem Tiefland erhebt und nach abermals 30 KU. zu einer zweiten 
Terrasse führt, die ungefähr eben so hoch über der zweiten wie diese 
über der ersten ist. Beide bestehen aus eoeänen Schichten. 

Nach Tuomey bilden dieselben Schichten in Süd-Carolina einen Streifen 
von 10 — 15 Kil. längs der Küste, dessen Höhe über dem Meere 2V« m. nicht 
überschreitet. „Keine bestimmte Grenze sondert sie von den Schichten, die 
gegenwärtig in Bildung begriffen sind, sie sinken ganz allmählich unter die 
Meeresoberfläche, und die Fossilreste sind oft mit denen der lebenden ver- 
mischt. So frisch sehen jene oft noch aus, dass es der Gegenwart der Reste 
von nicht länger hier lebenden Organismen bedarf, um uns sicher zu stellen, 
dass wir keine ganz jungen Muschelbänke vor uns haben" '). Dieselbe 
geologische Bildung ist in Nord-Carolina, am Potomac, in der Chesapcakc- 
Bai, auf Long Island, auf Nantueket, bei Boston, an der Küste von Maine, 
am Lake Champlaiu, am S.Lorenz zu finden. Rein paläontologisch betrachtet, 
ist kein Grund vorhanden, diese Gebilde zu trennen, denn ihre Fossil- 
einsehlüsse sind nicht verschiedener als sie auch heute bei solchem Unter- 
schied der geographischen Breite sein würden. Sie gehören alle in die 
Reihe der Ixiurcniian Formatiom nordamerikanischer Geologen. Aber 
ein erheblicher Unterschied liegt in der Höhe, bis zu der sie vorkommen, 
denn während sie an der Küste von Georgia häufig nicht über 1 m. hinaus- 
gehen, finden sie sich bei Montreal bis zu 1-10 m. gehoben. Einen weiteren 
Unterschied bezeichnen die erratischen Blöcke, die im Norden bis in die 
nordpennsylvanischen Thäler herab in diesen Gebilden häufig sind und 
im Süden gänzlich fehlen*). 

Die Golfküste ist von demselben Tieflandsaume umrandet, so weit 
sie dem Gebiet der Ver. Staaten angehört; bei Mobile hat Lyell sie der 



1) Heport on Geol. of S. Carolina. 212. 

2) l'eber die geologische Stellung dieser Alluvialgebilde siehe ausser Lyell's 
Travels in North America und A 8econd Visit to the U. S. besonders Desor On 
the Post-Plioccne of the Southern States (Am. J. S. 1852. II. iU), wo er den- 
selben ihren Platz zum Thcil neben der Champlain-Formation des Nordens als einer 
mit dieser gleichzeitigen Ablagerung anweist, zum Thcil aber auch sie mit 
den Fluss- und Seeterrassen des Nordens parallelisirt. Die Ablagerungen mit 
Seethierreßten entsprachen ihm zu Folge den Bildungen der Champlnin-Epoche, 
die mit Landtbierresten (Mastodon , Mylodon u. a ) den jüngeren Ablagerungen 
aus der Terrassenepoche. 



Digitized by Google 



13 t 



III. Obertiächcngestaltung. 



atlantischen Flachküste der Südstaaten ganz gleich befunden. Aus Texas 
haben wir eine genauere Beschreibung des Küstentieflandes durch F. Römer '), 
die keinen Zweifel übrig lässt an der wesentlichen Identität mit der atlan- 
tischen, nur ist dasselbe viel breiter, 50 KU. am Sabine und bis zu 
160 KU. am Texas-Colorado. Die Inseln und Nehrungen, die der texanischen 
Küste vorgelagert sind und die feuchten Nicderungs-Prarien dieser Küste, 
welche bei den Frühjahrsregcu oft mehrere Fuss unter Wasser stehen, 
reprüscntiren das texanische Tiefland, das auch in seinen geologischen 
Verhältnissen mit dem atlantischen übereinstimmt. 

Zwischen die Ebenen, die erst als Hochebenen und Hügelländer, dann 
als Ebenen von immer noch beträchtlicher Erhebung einerseits von dem 
Felscngebirg, andererseits von den Alleghanies nach dem Mississippi herab- 
ziehen, ist das Tiefland des Unteren und Mittleren Mississippi 
wie ein Keil eingeschoben. Die Spitze dieses Keils reicht im Norden bis zur 
Missouri-Mündung, wo die Erhebung des nördlichen nochebenenrandes be- 
ginnt. Es ist in dem kurzen Abriss der geologischen Geschichte unseres Ge- 
bietes, mit dem wir die Betrachtung seines geologischen Baues schlössen 
(s. o. S. 35), der Rolle Erwähnung gethan, welche das heutige Tiefland 
des Mississippi von der Missourimündung bis zum Meer in der Ent- 
wickelung des Continentes während der Kreide- und Tertiärzeit spielte. 
Von einem tiefen und breiten Meeresarm wurde es mit der Zeit zu einer 
seichten Bucht, in welche von Norden her Sümpfe. Inseln, Landzuugen 
hineinwuchsen, die sie immer mehr einengten und zurückdrängten und so 
mit der Zeit das sumpf- und lagunenreiche Tiefland schufen, das den 
Mississippi von der Schwelle der Seenplatte bis weit in den Golf hinaus 
begleitet. Noch heute bietet dasselbe bei Ueberschwemmungen des Mis- 
sissippi, die nicht selten sind, das Bild eines Mecresarmes tief ins Land 
hinein, oft bis zum Ohio hinauf. Es ist in der Ausfüllung dieser Bucht, 
dass die geologische Thätigkeit in der Südhälfte des Continentes sich 
während der ganzen Quarternärzeit am deutlichsten kundgibt. 

Wir linden hier über den tertiären Schichten zunächst eine geschichtete 
Geröll- und Sandmasse, von den Mississippi- Geologen Orange Sand oder 
Moditied Drift genannt, welche durchschnittlich zwischen 20 und 30, an 
einzelnen Punkten aber bis zu 60 m. mächtig ist. Ueber ihren fluviatilen 
Charakter besteht kein Zweifel; sie ist von Strömungen abgelagert, die 
in vorwiegend nordsüdlicher Richtung flössen *) und die, wo sie am kräftig- 
sten waren, Geröllc von oft bedeutendem Gewicht transportirten, während 
zwischen den Hauptströmungen an ruhigeren Stellen feineres GeröU und 



1) Texas 1849. 5. u. 366. 

2) „Das Geröll besteht aus Felsarten des Nordens.- Hilgard, A. J. S. 1871. 

ii. im. 



» 



Digitized by Google 



III. Oberfliulungostaltimg. 



185 



Sand zur Ablagerung kamen. Die Mächtigkeit dieser Ablagerungen fordert 
die Annahme einer ihnen vorangehenden bedeutenden Hebung, auf welche 
eine Senkung (wahrend der Champlain - Knoche) weit unter das vor der 
Hebung bestandene Niveau und endlich (in der Terrassen-Epoche) wieder 
eine Hebung mindestens bis zu dem ersteren Niveau folgte. Man ist 
Ober Zeit und Mass dieser Niveauschwankungen nicht einig und ebenso 
wenig über den Zusammenhang, in dem die Ablagerungen des Orange 
Samt mit den wahrscheinlich in der Zeit nicht sehr abweichenden Drift- 
bildungen des Nordens stehen. Der Name Modified Drift, den ihnen 
Hilgard u. A. beigelegt, soll andeuten, dass man ihn für eine den nordi- 
schen Driftgebilden gleichalterige Ablagerung halte, welche möglicherweise v on 
den gleichen, wenn auch in ihren Wirkungen sicherlich abgeschwächten Fak- 
toren bestimmt ward. Die bis heute vorliegenden Thatsachen genügen indessen 
nicht zur völligen Klarstellung der Beziehungen, die zwischen den Spuren und 
Produkten der Eiszeit im Norden und diesen grossen Geröllablagerungen im 
Süden obwalten; selbst die Verbreitung des Modified Drift über den 
ganzen Süden von Texas bis Maryland und Süd-Carolina ist zunächst nur 
eine im Allgemeinen angenommene und nicht unwahrscheinliche Erscheinung, 
deren nähere Untersuchung indessen zu wünschen bleibt. 

Der Champlain -Periode, einer Periode der Depression, rechnet man 
die Ufer- und Brackwasser-, Sumpf- und Lagunengebilde zu, die reich an 
PHanzcnresten sind, theilvveis sogar übereinandcrgelagerte Schichten von 
untergegangenen Wühlern umsehlicssen, und deren jüngstes Glied der Löss 
oder Bluff Silf ist. Dieser Löss des unteren Mississippi theilt bis herab 
auf die bekannten Concretionen (Lössmännehen) den Charakter des Löss 
des Nordens und Westens, unterscheidet sich aber von ihm durch den 
Mangel der Schichtung und der Beste von Süsswasserthieren. Beides 
erklärt man dadurch, dass seine Bildung vorzüglich in stagnirenden. aber 
durch die Flutwelle salzig gemachten Wässern stattgefunden habe. 
Ueber dem Löss liegt eine weit ausgebreitete Decke von gelbem Lehm, 
die oft 15 — 20' Dicke in der Nähe der grösseren Thäler erreicht und 
bis zu einer nöhe von fJ — 700' ansteigt. Für die Zeit ihrer Bildung mnss 
daher eine mindestens ebenso tiefe Senkung angenommen werden. Erst 
jetzt folgt die Terrassen - Epoche , die Ilcbungs/.cit , die im unteren 
Mississippigebiet weder durch Terrassen- noch Strandlinien bezeichnet ist. 
Unmerklich leiten dann die Ereignisse aus dieser Zeit zu der Gegenwart 
herüber. 

Die Obertlüchengestalt dieses Tieflandgebietes ist in unmittelbarer 
Nähe des Mississippi die eines gänzlich flachen niedrigen Schwemm- 
landes, das zu einem grossen Theil unter dem Niveau des Stromes liegt 
und in der That überall zu seinem Ucberschwemmungsgebiet gehört. 
Sümpfe und Teiche bedecken es in weiter Erstreckung. Iu wechselnder 



Digitized by Google 



1S6 III. Oberflädu'URfstaltunp. 

Entfernung hebt sich aus diesem Flachland, das man eigentlich noch 
zum Bette des Mississippi zu rechnen hat, die niedere Doppel-Terrasse 
der Bluffs, welche zu beiden Seiten das heutige Mississippithal begleiten. 
Man hat offenbar in diesen Bluffs alte Ufer des Stromes zu sehen, unter 
deren Niveau sich der Strom mit der Zeit eingesenkt hat. Sie entsprechen 
einander meistens in ihrer Erhebung und durchaus in der Reihenfolge 
der Schichten, aus denen sie zusammengesetzt sind. Zu unterst tritt ein 
Sandbett mit dünnen zwischengelagcrtcn Thonschichten auf, die reich an 
Pflanzenresten sind. Es gehört dem (hnwje Sund oder der hagtttngt 
Group der Mississippi-Geologen an, und die Pflanzenreste geben ihm nach 
der Meinung Safford's ein cocanes, in der Lesqucreux's, der sich jedoch 
nicht mit voller Bestimmtheit ausspricht, ein miocaues Alter. Darüber 
folgt der Bluff Lignit, die mächtigste Formation der Bluffs, welche gleich- 
falls aus Sandbetten mit eingelagerten Thonschichten besteht. Die Lignit- 
lager, welche übrigens durch die ganze Bluffformation fetzenweise zerstreut 
sind, erscheinen hier in grösserer Ausdehnung und bis zu 1 m. machtig. 
Ueber das Alter dieser Bildung ist man im Zweifel. Safford 1 ) schliesst 
dieselbe in seine eoeüne Lagrange - Gruppe ein. Ueber ihr folgen dann 
die jüngeren Bluffformationen. Zunächst der Bluff Grunl, eine Sand- und 
Kiesbildung mit einer Thouschicht an der Basis. Der Kies ist hautig 
durch eiscnoxydhaltigen Kalksintcr zu einer Xagelflue verkittet und besteht 
aus Kollsteinen von mittlerer Grösse, welche meist aus Bergkalksehirhten 
herstammen. Ueber diesem Kies liegt die oberste der Bluffschichten, der 
Blufflehm, der allen Beschreibungen nach, wie gesagt, eine entschiedene Aehn- 
lichkeit mit unseren Lössbildungen hat. „Ein kieselerdereicher Lehm, etwas 
kalkhaltig, von Hehler, graulichgelber Färbung, undeutlich geschichtet, mit 
Land- und Süsswasscrschneeken und hautig auch mit seltsam gestalteten 
Kalkconcretionen (Safford a. a.O. 433)»* Es ist wahrscheinlich, dass Knochen 
von Mastodon, Megalonyx und Castor, die in der Nahe von Memphis 
gefunden sind, diesem Bluff 'lehnt angehören. Man bezeichnet ihn 
seiner geologischen Altersstellung nach gewöhnlich kurzweg als Mississippi- 
Dihuium. 

Nachstehender Durchschnitt gibt die Mächtigkeit der Bluffschichten, 
wie sie bei Randolph (Tennessce) anstehen: 

1) Bluff-Lignit 27 m, 

2) Bluff-Kies 8 in., 

3) Bluff-Lehm 20 m. 

In Tenncssee heisst der ganze Westrand des Plateaus, wo er gegen 
das Mississippithal abfüllt, The Mississippi Bluff. Man kann denselben 
ohne erhebliche Unterbrechungen auf einer Linie verfolgen, die aus dem 



1) G«Ol. of Tennessce. I2S 



Digitized by Google 



III. Oborrlfichengestaltung. 



137 



nördlichen Theile des Staates Mississippi durch ganz Wcst-Tennessee und 
bis gegen Hickman in Kentucky zieht. Im grössten Theile ihrer Er- 
streckung ist die Linie der Bluffs durch einen mehr oder weniger breiten 
Streifen angeschwemmten Landes vom Ufer des Mississippi getrennt ; aber 
an vier Punkten tritt er unmittelbar an dasselbe heran und unterbliebt 
dadurch in wünschenwerthester Weise die ungeheuere Einförmigkeit der 
Landschaft am unteren Mississippi. Da das Ueberschwcmraungsgehiet 
durchgangig bis an die Bluffs reicht, sind diese auch die natürliche Grenze 
grösserer Orte gegen den Mississippi hin geworden. Alle bedeutenderen 
Städte oberhalb New -Orleans vorzüglich Vicksburg und Memphis (lihtff 
City genannt), liegen an den Bluffs, und mit Vorliebe hat man für dieselben 
ilie Punkte ausgewählt, an welchen diese Hügel, kleinen Vorgebirgen ver- 
gleichbar, an das Mississippibette herantreten. Als Chickastitc Bluff sind 
die vier Bluff- Vorgebirge im Gebiet von Tennessee den Mississipischiffern 
wohlbekannte Landmarken. Diese Bluffs erheben sich von 15 bis 50 m. 
über die Anschwemmungsebene des Flusses. 

Das Mississippi-Delta, auf dessen Betrachtung uns das nächste Capitel 
zurückführen wird, ist im wesentlichen dieselbe Alluvialbildung wie die 
Mississippi-Bottoms, nur mächtiger und in noch höherem Grade als sie mit 
dem Strome und durch ihn veränderlich. 

Kleinere Alluvialbildungen wurden in wechselndem Masse an den 
Rändern von Flüssen und Seen über das ganze Gebiet hin abgesetzt und 
bilden in den sogenannten River Bottoms oder Flussniederungen und in 
den Marschen und Mooren der Seegegenden vereinzelte Tieflandstrecken, 
die im Ganzen keineswegs unbedeutend und besonders auch durch 
ihre dichte Bewaldung selbst in sonst waldlosen Gegenden und durch ihre 
Fruchtbarkeit wichtig sind. Sie überlagern natürlich die Driftbildungen, 
wo solche vorhanden. Man theilt auch sie in Ablagerungen der Champlain- 
Lpoche, die weit über das Niveau der heutigen Alluvialwirkungen ansteigen, 
und der Terrassen-Epoche, deren Gebilde ohne Grenze in die modernsten 
Schwemmgebilde übergehen. 

Einen Theil des atlantischen Tieflandsaumes, aber einen bemerkens- 
wertb selbständigen und eigenartigen Theil bildet die Halbinsel Florida, 
die in Höhe und Küstenbildung zwar mit dem Tiefland der atlantischen 
und Golfküste übereinstimmt, jedenfalls aber eine völlig andere Entwickelang 
hinter sich hat , wie schon ihre sehr eigentümlichen Fluss- und Seehil- 
dungen und die Eilandketten ihrer Südspitze, vorzüglich aber ihre geologisch, 
orographisch und hydrographisch gleich scharf ausgeprägte Unabhängigkeit 
von dem Alleghany-Gebirge erkennen lassen, welches die übrige Ostküste 
in allen diesen Beziehungen bestimmt 1 ). Nur die Tertiärschichten, welche 

1) Eine gleich grosse Halbinsel, die nicht von einer Bergkette bestimmt 
würde, kennt die Geographie nicht. Dana hat es indessen dennoch versucht. 



Digitized by Google 



138 



III. Oberflächengestaltunp. 



den Fuss der Alleghanies umlagern, (rehen nach Florida hinein. Wir 
haben gesehen, dass von dem Südendc der Alleghanies terrassenartig die 
Kreide- und Tertiärschichten nach dem Meere zu abfallen. Die Ver- 
längerung der Tertiürterrasse erstreckt sich von Norden her in die Halb- 
insel herein und durchzieht ihre Nordhälfte als Bavkbone liiftye, als 
Rückgrat der Halbinsel, in Gestalt poröser Kalk- und lockerer Sandstein- 
schichten. In Mittelflorida, wo die Fernandina-Cedar Key-Eisenbahn diese 
Erhebung überschreitet, betragt ihre grösste Höhe über dem Meere nicht 
mehr als 55 m., und unter dem 28. Breitegrad findet sie ihr Ende. 
Zwischen dieser flachen Höhe und der atlantischen Küste liegt dann ein Strich 
sandigen Landes von durchschnittlich 60 Kilometer Breite, der eine Neigung 
nach Norden zeigt, eine so geringe Neigung indessen, dass der St. 
Johns EL, der diesen Strich durchfliesst, 400 Kil. oberhalb seiner 
Mündung nur etwas Weniges mehr als 1 Meter (3' G" E.) über Meereshöhe 
stehen soll') Den Boden dieser Region bildet eine meist nur von dünnem 
Humus überlagerte Sandschicht von 1—2 m. Dicke, welche von der 
Coquinu, einem Muschelconglomerat posttertiären Alters, unterlagert wird. 
Dieser junge Muschelkalk soll indessen nur in den nördlich von C. Ca- 
naveral gelegenen Thcilen Floridas vorkommen. Nach Westen fällt die 
Backbonc liidge sanft zum Meere ab, an dessen Ufern ein Tieflandsaum, 
dem der übrigen Golfküste entsprechend, hinzieht. 

Der südlich vom 28. Grad gelegene Theil von Florida ist ein merk- 
würdiges Niederungslaud von leicht westlichem Abfall, das nur insel- 
artig sich über IV» bis 2 m. erhebt, im ganzen aber ein Mittelding zw ischen 
Sumpf und See ist, dessen amphibische Natur sich verkörpert in dem 
seichten See Okeechobee und den eedernbewachsenen Morästen der ivVcr- 
glades. In diesem Theile der Halbinsel nehmen bereits die Rififkorallen am 
Aufbau des Landes Theil, und sowohl an der Küste als auch im Inneren 
begognet mau ihren Werken, die befremdend felsenhaft, als ob sie das 
Knochengerüst eines versinkenden Landes wären, aus den Sümpfen und Seen 
hervorragen. Agassiz schildert die Everglades als „eine weite Corallen- 
bank, aus einer Reihe mehr oder weniger paralleler Riffe gebildet, welche 
eines nach dem anderen vom Meeresgrunde bis zu dessen Spiegel herauf- 

Florida in Bezug zu setzeu zu den Gebirgserhebungcu Nordamerikas, indem er 
die Richtung ihrer Erstreckung in der der Cordillercn und der paeifischen 
Küstenlinie wiederfindet. Diese Uebereinstirumung bat für ihn Bedeutung, denn 
sie fällt zusammen mit einer der grossen Nordwest - Südostlinien, die zusammen 
mit den Nordost-Südwestlinien den Verlauf der Inselketten, Festlandumrisse und 
Gebirgsketten auf der ganzen Erde bestimmen sollen. El. of Geol. Rev. Ed. 30. 147. 

1) Nach Messungen, die der Staat Florida im Hinblick auf das Projekt 
einer Canalverbindung zwischen dem mittleren St. Johns R. und dem Atlantischen 
Meere ausführen Hess. 



Digitized by Google 



III. Oberfiacbengestaltung. 



13» 



gewachsen sind, zwischen welchen dann die Gezeiten und Strömungen, 
Sand- und Trümmer-Ausfüllungen gebildet und so das Festland allmählich 
erweitert haben, während Wogen und Brandung jene Riffe bis 12' hoch 
über den Seespiegel mit ähnlichem Material überschütteten" 1 ). Nach Tuomey 
machen es der Umriss und innere Aufbau des Walles, der die Everglades 
umgibt (und der stellenweise ti— 8 m. hoch ist, während die Meereshöhe 
der letzteren nicht über 2.5 m. betragen soll), ferner die Fossileinschlüsse 
sehr wahrscheinlich, dass er einst eine ähnliche Stellung einnahm wie 
die Keys. Es ist auch klar, dass eine Erhebung der letzteren um 3— G m. 
eine ähnliche Wirkung erzielen würde, indem die See von dem Räume 
zwischen Inselkette und Festland ausgeschlossen würde, wodurch ein neuer 
Evcrglade entstände, der nur durch grössere Länge von dem jetzigen ab- 
wiche *). Manglebäume siedeln sich auf den Riffküsten an und befestigen den 
Grund 3 ), während in zahlreichen Untiefen dazwischen das Wasser stehen 
bleibt und sich mit einer Menge Wasserpflanzen aller Art bedeckt, zwischen 
welchen man nur in Booten durchkommen kann. Die höheren und trockenen 
Riffe sind die sogenannten Hammocks, welche sich gleich Inseln aus dem 
tieferen grünen Sumpfe der Everglades erheben. Diese Formation dauert 
noch fort. Die Ketten der sogenannten Keys, welche die Süd- und 
Ostküste begrenzen und mit den Tortugas weit jenseits der Florida- 
Spitze endigen, sind nur neue Reihen von Hammocks, welche sich 
durch Meeresniederschläge dereinst mit dem Festland vereinigen werden 4 ). 
Wie an der Südküste die organische Kraft des Korallenwachsthums, so 
scheint es an der Ostküstc die Kraft des anschwemmenden Wassers in 
Flüssen und Meereswellen zu sein, die an der Weiterbildung der Halb- 
insel, an ihrem Hinausbau ins Meer arbeitet. Beide Faktoren zusammen 



1) Neues Jahrb. für Mineral. 1854. 225. 

2) A. J. S. I. 1861. 

3) „Es ist schwer, sich ein Gewächs vorzustellen, welches mehr dazu taugt, 
Inseln aufzubauen als die Mangrove. Ihre langen Hängefrüchte lallen in das 
seichte Wasser und schlafen in dessen Schlammboden Wurzeln; der Schoss. 
welcher bald aufgeht, sendet seinerseits Zweige senkrecht abwärts, die ins Walser 
tauchen und Wurzel fassen; neue Seitenzweige gehen von ihnen ab, verzweigen 
sich weiter und auf diese Weise wandern die Sprosslingc oft 20— 30 m. vom 
Mutterstamrae weg. Seetang und Treibholz fangen sich in ihren Schlingen, und 
so ist bald eine bleibende Insel hergestellt. Solche Inseln sind hautig au der 
Lee-Seite der eigentlichen Keys" (M. Tuomey in A. J. S. 1851 I. 3»2). 

4) L. Agassiz's Mitth. an die Am. Association, Cincinnati 1852. Aus/.ügl. 
in N. J. f. Min. 1854. 223. Tuomey. welcher iu A. J. S. 1851. I. 31K) einige 
Mittheilungen über die Geologie der Florida - Keys macht , nimmt leichte 
Hebungen für dieselben in Anspruch, und allerdings sind massive, gewachsene 



Digitized by Google 



I 



140 III. Obcrflächengestaltung. 

machen Florida in seinen südlichen und östlichen Theilen wahrscheinlich 
zum jüngsten Allschnitt des Gebietes, das wir hier betrach f en, sicherlich 
zu einem der jüngsten. Die aus solcher Jugend erwachsenden Ucbcrgangs- 
zustünde von Meer zu See und Strom, von Untiefe und Klippe zu Sumpf 
und Land haben, aus erd- und schöpfungsgeschichtlichem Gesichtspunkte be- 
trachtet, eine Allgemeingültigkeit, welche ihrem Studium einen besonderen 
Werth verleiht '). Nicht am wenigsten anziehend ist in dieser Richtung das 
Problem des floridanischen Abschnittes des Golfstromes. Es ist bekannt, 
dass der Golfstrom zwischen Florida und Tuba mit der grössten Strom- 
kraft durchmesst, welche er überhaupt in irgend einem Theilc seines 
Verlaufes aufweist, und er nimmt seinen Weg näher bei Florida als bei 
Uuha. Muss diess nicht eine bestimmte Rückwirkung üben auf die 
Ufergcstaltung dieser Halbinsel? Einige amerikanische Geologen haben 
diese Frage untersucht und bejaht, und die Ansicht J. Le Conte's, dass die 
geringere Geschwindigkeit des Innenrandes des Golfstromes bei seiner 
Umbiegung um die Südostspitze Nordamerikas die erste Ursache der 
Bildung von Florida sei, steht nicht allein: Der Golfstrom ist reich an 
Sedimenten, die er aus dem mexikanischen Golf mitbringt ; indem er aber am 
Innenrande seiner Umbiegung langsamer fliesst, muss er einen Theil dieser 
Schwemmstoffe fallen lassen, und durch sie ist der Grund zur Halbinsel 
Florida gelegt worden. Auf der so gebildeten Verlängerung bauten sich 
Corallen an, und der Wellenschlag that dann das Uebirge. um ihre Riffe 
und Inseln zu verkitten und zu erhöhen*) 

Anhang I. Gestalt und Ausdehnung der Küste der Ver. Staaten sind 
schon besprochen; es bleibt uns noch übrig, zu betrachten, wie die über- 
Hftchenformen des Festlandes , welche wir im Vorhergehenden kennen 
gelernt haben, sich unter den Meeresspiegel fortsetzen; mit anderen 

Riffe, wie er sie beschreibt, die 4' über den Meeresspiegel he rvorragen , nicht 
ohne stattgefundene Hebung denkbar. Die 250 Kil. lauge und durchschnittlich 
24 Kil. breite Kette der Florida -Keys betrachtet Tuomey als Produkt der 
Hebung eines grossen Korallenriffs, dessen Spitzen, wo sie Über das Wasser 
hervorragen, das Fundament der Keys bilden, deren fernere Erhöhung dann 
dem Sande zu danken ist. den die Wellen aufwerfen (a a. O. I. 3!>3). .1. 
Leconte sieht die Ursache dieser Hebung, die von Norden nach Süden fort- 
sebritt, in Sedimentbildunjien , welche der Golfstrom verursachte (A. .1. S. 
1S57. II. 51). 

1) Heber die Holle, die die tloridauischen Flüsse im Ausbau der Halbinsel 
spielen, s. u. IV. Flüsse und Seen. 

2) J. Le Conte bat seine Theorien in geistvoller Weise begründet in einem 
Aufsatz (>n tbe Agency of tbe Gulf Stream in the formation of the l'eiiinsula and 
the Keys of Florida. Am. Assoc. All'any 1S50, der nicht die Beachtung gefun- 
den hat, die er verdiente 



Digitized by Google 



III. Oberflächengcstaltung. 



141 



Worten, welcher Art der Abfall des festen Landes nach dem 
Meere zu in diesem Gebiete ist. 

Die atlantische Küste der Vereinigten Staaten bildet einen Theil 
des Westrandes des nordatlantischen Oceans, und da es eine der 
allgemeinsten Eigenschaften dieses Oceans ist 1 ), dass er an seinen 
Randern rasch zu bedeutender Tiefe abfallt , erwarten wir denselben 
raschen Abfall auch an der Küste, die wir hier im Auge haben, und nicht 
vergebens. Nord-Amerika erscheint in seinem Verhaltniss zu den Mceres- 
tiefen als eine Hochebene, die mit steilen Abhängen aus der Meerestiefe 
sich erhebt, und deren Rand- und Abfallslinie im Allgemeinen denselben 
Umriss hat, wie die gegenwartige Uferlinie des Continents. Die Tausend- 
faden-Linie zieht 5 — 8 Längengrade vom heutigen Ufer hin, indem sie 
dessen Contouren folgt. Sie nähert sich dem Lande am meisten beim 
(\ Hatteras und entfernt sich am weitesten in den nördlichsten Theilen 
unseres Gebietes zwischen C. Cod und C. Ann. Die Zweitausendfadcn- 
Linie folgt ihr in einer Entfernung, die überall geringer ist als diejenige, welche 
die Eintausendfaden-Linie vom Lande trennt. Die mittlere Entfernung 
zwischen den beiden betragt in unserem Gebiete 2 — 3 Längengrade. Das 
gleiche Verhaltniss herrscht im Golf, wo selbst vor der Mississippi-Mündung 
in Sicht des Südpasses des Delta die Meerestiefe von 9 auf 54 und eine 
kurze Strecke weiter auf 17<» Faden fallt, Für die Küsten des Stillen 
Meeres besitzen wir noch keine genügenden Messungen, um das Verhaltniss 
des Abfalles des Festlandes zur Meerestiefe genauer erkennen zu können. 
Was vorliegt, lässt soviel erkennen, dass eine Abweichung von der oben 
angeführten Regel dort nicht stattfindet. 

Wichtiger ist uns indessen zunächst das Verhalten des Landes am 
Ufer und des Meeresbodens in der Nähe des Landes. Wir können die 
atlantische Küste nach diesem Verhalten in zwei sehr verschiedene Abschnitte 
zerlegen: Einen kleinen Steilküsten- und einen sehr grossen Flachküsten- 
abschnitt. Steilküste haben wir bis zur Hudsonmündung, auf deren linkem 
Ufer zugleich mit dem unmittelbaren Herantreten der Urgesteine an das Ufer 
auch dessen- Fclsencharakter aufhört. Schon an der New Jersey-Küste 
beginnen Küstensümpfc, Lagunen, Dünenstriche, sichere Anzeichen nie- 
driger Küsten, und dieselben bleiben nun bestimmend für den Charakter der 
atlantischen Meeresufer bis nach Mexico hinein. 



1) Und nicht bloss dieses, sondern, in allerdings nicht immer so scharf aus- 
geprägter Weise, aller Oceane: „Ein grosser Zug geht durch alle Meere, nämlich, 
dass der Rand der grossen Continente und Inseln von der Tiefe einiger 100' 
unter dem Meeresspiegel in der Regel steil zu Tiefen von 10—12,000' abfällt." 
Capt F. J. Evans, Opening Adress British Association (Geogr. Sect.) 1876: „Un- 
gefähr in diese Tiefe (1000 Faden), kleinere Unregelmässigkeiten abgerechnet, 
fällt der wirkliche Umriss der Continente. - Von l'ourtalcs in P. G. M. XVI. j 



Digitized by Google 



142 



III. Oberflachengestaltung. 



Von der nördlichen Felsenküste ist der zwischen dem 45. und 44. 
Grad gelegene Abschnitt (die Küste von Maine bis Portland) und noch 
etwas über den letzteren hinaus eine achte Fjord-Küste. Ihre Lange, 
mit allen Buchten und Vorsprüngen gemessen, ist 4800 KU., wahrend 
sie in gerader Linie nicht mehr als 360 Kil. betragt'); also eine Küsten- 
entwickelung um mehr als das 13 fache ihrer geraden Erstreckung. Weiter 
südlich ist die seltsame Form des C. Cod Produkt einer an das Felsen- 
ufer von Neu -England angesetzten Dünenbildung, und an der Küste von 
Long Island haben wir die ersten ausgedehnten Flachküsten, die in jenen 
Dünen sich ankündigten. 

Am Hudson, an der Nordgrenze der Flachküsten, beobachtet man ein 
sehr merkwürdiges Verhaltniss hinsichtlich der Tiefen, nämlich eine zumTheil 
mit Grünsand, meist aber mit Schlamm gefüllte Schlucht, welche das 
Bette des Hudson in südöstlicher Richtung gleichsam auf dem Meeres- 
boden fortsetzt und zwar so, dass sie an Punkten, wo der übrige Meeresboden 
10— % »Faden tief ist, deren 30 und 40 aufweist. Diese Schlucht beginnt erst 
ausserhalb der New-York-Bai, wenig östlich von Sandy Hook. Es dürfte 
keinem Zweifel unterliegen, dass wir in ihr einen sicheren Beweis für eine 
Senkung der Küste haben, welche erst stattfand, nachdem sich der Hudson 
bereits eiu tiefes Bett gegraben hatte. Die Schlammbank der sogenannten 
Block Island Soundings, bei der dieser ('anal mündet, d. h. in das 
Niveau des übrigen Meeresbodens übergeht, stellt wahrscheinlich ein altes 
Delta, eine gesunkene Flachküste vom Typus der nachstsüdlich gelegenen 
New Jersey- und Delaware-Küsten dar. 

Derartige Unterbrechungen kommen weiter südlich nicht mehr vor. 
Der Meeresboden besteht hier im allgemeinen, wie auch nordwärts bis 
zum C. Cod , mit Ausnahme der oben angegebenen Schtommbank , aus 
Kieselsand, der rostgelb an der atlantischen, blendend weiss an der Golf- 
küste zu sein pflegt. Quarz mit wenig Hornblende und Feldspath lassen 
ihn unschwer als ein Zersetzungsprodukt der Urgcsteinszonc der Alle- 
ghanics erkennen, welche die Küste in so weiter Erstreckung begleitet. 
In allen Tiefen sind diesem Sand zahlreiche Bbizopodenschalen beigemengt, 
die aber erst durchschnittlich von der Hundertfaden-Linie an , wo die 
Globigerinen vorherrschend werden, den Sandkörnern an Masse gleich- 
kommen, um dieselben dann nach der Tiefe zu immer mehr zu überwiegen. 
Grünsandbildungen, die bekanntlich auch in die Klasse der zoogenen 
Meeresboden-Gebilde gehören, sind vorzüglich häufig in der Einbuchtung 
der Küste zwischen Süd-Carolina und Florida. Kleinere Bänke aus 
tertiärem Gestein bilden unwesentliche Unterbrechungen dieses im ganzen 
sehr regelmässigen Küstenabfalles. 



1) Wells, Wator Power of Maine 1809. 34. 



Digitized by Google 



III. Oberflächeugestaltung. 



143 



Merkwürdig schroff sehliessen diese für einen flachen Küstenahfall 
charakteristischen Meeresboden-Ablagerungen zwischen dem 25. und 20. 
Breitegrad ab. Sie verschmälern sich an der südlichen Hälfte der florida- 
nischen Ostküste bis zu der Insel Key Biscayne zu , die noch aus Kiesel- 
saud besteht; aber Eilande, die 8 Kil. südlich davon liegen, bestehen 
bereits ausschliesslich aus Korallenkalk; aus ihm bestehen von hier an die 
ganze Ostküstc Floridas und die vorgelagerten Eilande (Keys). Nur die 
Pine Keys, mehr nach Westen gelegen, bestehen aus Sand, der nun merk- 
würdiger Weise vom C. Sable an wieder erscheint und wie die ganze 
•übrige Golfküste der Vor. Staaten , so auch die Westküste von Florida 
mit seinen unfermecrii>chen Sandebenen umsäumt Erwähnenswerth ist 
der wenig steile und tiefe Abfall des Riffes der floridanischen Südostküste 
nach der Meerestiefe. Zwischen Cftp Florida und den Bahamas beginnt 
der Abfall bei GO Faden, und die Florida-Strasse erreicht hier keine 
grössere Tiefe als 370 Faden. Zwischen Key West und Havana geht sie 
auf 845 Faden hinab; aber in dieser Richtung, wie auch in der auf die 
Salt Key Bank zu (zwischen Florida und Cuba) wird der Abfall gemindert 
durch die Einschicbung des Pourtalös Plateau, einer Kalkfels-Platte, 
die parallel mit den Keys und südlich und östlich von denselben sich 
zwischen dem 25. und 24. Breitegrad hinzieht. Ihre Tiefe schwankt 
zwischen 90 und 250 Faden. Unterhalb dieses Fclsbodens sind es kreide- 
artige Polythalamienbildungen, welche den Roden der Florida-Strasse bis 
zu den grössten Tiefen bedecken. Die ausgedehnten Bildungen von ähn- 
licher Beschaffenheit und gleichem Ursprung in den Tiefen des Atlantischen 
Meeres und des Golfes von Mexico hängen durch diese Schichten der 
Florida-Strasse mit einander zusammen. 

Die Küste des Stillen Meeres ist im Gebiet der Ver. Staaten weder 
in Bezug auf die Verhältnisse ihres Abfalls noch auf die Gesteinbeschaffen- 
heit der nächstgelcgenen Strecken des Meeresbodens hinreichend genau 
untersucht. Wir wissen aber, dass in ihrer ganzen Erstreckung der felsige 
Charakter vorwaltet, und dass daher der Abfall stellenweis ein steilerer 
ist als an der atlantischen Seite; aber der Ostrand des Stillen Meeres 
macht keine Ausnahme von der allgemeinen Regel, die wir oben für den 
Abfall der Landmassen nach der Meerestiefe zu hervorgehoben haben. 
Ausser den südcalifornischen Inseln, die wir schon genannt haben, sind 



1] Von Pourtales macht auf die auffallende Abhängigkeit der Fauna vom 
Meeresbodeu aufmerksam, die sich dabei kundgibt. Zwischen C. Florida und 
C. Sable wurden viele Thierformen der sogenannten Carolina-Fauna von 
der eingeschobenen westindischen Korallenfauna gänzlich verdrängt. Die AusUru 
z. B. fehlen auf dem Korallenboden, während sie östlich und westlich davon auf 
dem Sande häufig sind. A. a. 0. XVI. 3!>5. 



Digitized by Google 



141 



III. Oberflächengestaltung. 



kleinere Küsteneilande und Felsklippen an dieser Küste häufig. Urge- 
steine, Gesteine der Silur- und Kreideformation , endlieh vulkanisehc 
Gesteine nehmen am Aufbau der californischen Küste Theil. 

Die Küste von Oregon ist nicht in demselben Masse wie die eali- 
fornisehe durch den Gebirgszug beeinflusst, der sie begleitet. Ein Küsten- 
gebirge ist hier wie dort vorhanden, aber es tritt nicht überall so nahe 
an die See heran, wie es das in Californien in seiner ganzen Erstrcckung 
thut. Im südlichen Oregon, zwischen der californischen Grenze und dem 
UmpquahflttSß, lässt es Raum für jene Schtmrzzandbctten, die oft bis zu 
f> Kil. sich ins Land hineinstrecken und flanke bis zu 30 m. Höhe bilden.* 
Den Goldreichthum, den sie an einigen Stellen geboten haben, hat ihnen 
einen gewissen Ruhm verschafft. In derselben Region sind die Duchten 
und Flussmünduugen durch Sandbänke so seicht, dass sie gewöhnlichen 
Segelschiffen Schwierigkeiten beim Einlaufen bieten. Vorzüglich die 
Columbia-Mündung verliert durch die Sandbänke . welche sie unsicher 
machen , viel von dem Werth , den sie als Mündung eines so grossen 
Stromes für den Verkehr nach innen und aussen beanspruchen könnte. 

Nördlich vom 47. Breitegrad treten im Gebiet des Washington- 
Territoriums ähnlich wie an der Küste von Maine Fjordbildungen auf. 
welche in Admiralty-lnlet und Puget-Sund Erhebliches zu der Gliederung 
der Küste beitragen. Es sind — eine bemerkenswerthe Ausnahme unter 
den Fjordbildungcn ! — keine krystallinisehen, sondern geschichtete Gesteine 
und zwar Tcrtiärgebilde, in welche hier die Meereskanäle und -buchten ge- 
schnitten sind. Bedeutende Tiefen in grosser Nähe der Küste, die in einzelnen 
Kanülen nah zu 2<h) Faden erreichen, lassen den Fjordcharakter erkennen. 

Anhang; II. Jüngere geologische Veränderungen haben 
wir im Gebiet der Ver. Staaten in den Wirkungen von Kräften zu suchen, 
die im Erdinnern ihren Sitz haben, sowie in denen erodirender und an- 
schwemmender Wasserkräfte. Die Aeusserungcn von eigentlich vulka- 
nischen Kräften sind in diesem Gebiete von bemerkenswerther Spürlichkeit. 
Nur unsicher, wahrscheinlich unbegründet sind die Berichte, welche von 
Vulkanausbrüchen in historischer Zeit sprechen ') So zahlreich die Vulkane 



1) J. D. Daua sagt (Wilkes, Expl. Exped. 184». X. BIO): „Es wird be- 
richtet, dass Mt. S. Helens und Mt. Hainier Spuren von Tliätigkeit in den 
letzten 3 — i Jahren gezeigt haben, und vor 50 Jahren soll Asche gefallen sein." 1 
und Fremout erwiihnt in seinein Kcport II. 1!»3, dass der erstere am 23. No- 
vember 1842 Asche ausgeworfen hafte. Beglaubigter ist die Angabe J. I) Whitney's 
in der Geol. of California I. 87, dass im December 1859 im Inneren des Mt. 
St. Helens eine trt mmdou* explonkm gehört worden sei , ähnlich einem starken 
Artilleriefeuer, und dass dasselbe den Boden rings umher habe erzittern machen. 
Die Angaben der Ohrenzeugen stimmten sämmtlich darin Uberein, dass das Ge- 
räusch aus dem Inneren des Berges gekommen und auf mehrere Meilen im l'ui- 



Digitized by Google 



III. Oberfiachengestaltuug. 



115 



und Lavabetten im Westen der Ver. Staaten auch sind, so scheinen sie 
doch alle erloschen oder lassen nur in da und dort hervorsprudelnden 
Thermen und in seltenen Gasquellen und Schlammvulkanen noch Spuren 
der Erdwarme erkennen, die sie einst zu mächtigen Leistungen antrieb. 
Wir haben keine Möglichkeit die Zeit der letzten grossen vulkanischen 
Thätigkeit im Westen genauer zu bestimmen; aber dass dieselbe nicht 
sehr tief in die Tertiärperiode hinabzurücken ist, steht ausser Zweifel. 
Ilayden ') nimmt z. B. an, dass die Trachyte des Ycllowstonc-Gcbietes in 
mioeäner und' plioeäner, die Basalte aber in einer Zeit ergossen worden 
seien, welche, geologisch gesprochen, nicht weit hinter der Jetztzeit zurückliege. 
Die Periode der grössten Intensität fällt vielleicht noch diesseits der Pliocän- 
zeit. Die Periode grösster Häufigkeit und weitester Verbreitung heisser 
Quellen versetzt er in die Pliocänzeit. Für Califomien sind jedenfalls keine 
früheren Zeitpunkte hochgradiger vulkanischer Thätigkeit zu setzen , als 
für das Gebiet des Felscngebirges, welches Ha) den hier zunächst im Auge hat. 
Dass nachweislich noch nach der Periode dieser vulkanischen Thätigkeit 
in Califomien Canons von »>t»0-- 800 m. Tiefe in metamorphischen Schiefern" 
ausgehöhlt worden sind, deutet jedenfalls darauf hin, dass ein längerer 
Zeitraum zwischen jener Zeit und der heutigen anzunehmen ist. Manches 
Jahrtausend muss für eine solche Bildung in Anspruch genommen werden, 
wie hoch man auch die aushöhlende Kraft des stürzenden Wassers an- 
schlage. J. D. Whitney *) zieht auch den in früheren Zeiten wahrscheinlich 
grösseren Wasserreichthum der Sierra zur Erklärung dieser tiefen und 
geologisch so jungen Thalbildungen herbei. 

Derjenige Ausläufer dieser einst so mächtigen vulkanischen Thätigkeit, 
welcher noch heute mit stellenweise bedeutender Wirksamkeit in die 
Oberrlächengestalt Nordamerikas eingreift, sind die Erdbeben. Dass sie 
wenigstens im Westen mit den schlummernden vulkanischen Kräften zu- 
sammenhängen, ist nicht zu bezweifeln, und wenn es auch bloss ihre dort 
viel grössere Häufigkeit und Intensität wäre, welche hiefür Zeugniss ab- 
legte, so wäre schon damit genügender Beweis geliefert. Wir finden aber 
ausserdem die meisten und häufigsten Erdbeben in den eigentlichen 
Vulkanregionen, und die Bedeutung einer Thatsache, wie z. B. der, dass 



kreis zu hören gewesen sei. Whitney ist geneigt, die Ursache desselben im 
Einsturz eines Hohlraumes zu suchen, wie sie in diesen Vulkanregionen vor- 
kommen. Was dagegen M. Lewis (in Travels of Capt. Lewis and Clarke 1801». 
.\M>4) von Bergen erzählt, welche im Inneren comprimirte Luft enthielten, die in 
Explosionen sich Luft mache, ist entweder eines der zahlreichen Trapper- 
mährcheu. die zu seiner Zeit Uber den Westen erzählt wurden, oder im besten 
Fall eine unklare Andeutung der Yellowstone-Geiser. 

1) V. Hayden, Ü ,fc Annual Rep. 1878 28, 43, 50. 

9) Geoi. of Calif. I. 285. 

Ratz-!. Am.rika. I. 10 



Digitized by Google 



140 



III. Oberflächengestaltung. 



das zerstörende Erdbeben vom 20. Marz 1872 gerade in der Vulkan- 
region von Owens Valley (Ostfuss der Sierra Nevada) seine grösste Kraft 
entfaltete, ist in dieser Richtung nicht misszuverstehen '). Wir können 
indessen glücklicherweise die Kraft der Erdbeben hier nicht mit sÜd- oder 
mittelamerikanischem Massstabe messen. Ist auch die Zahl der Erdbeben 
in Californien und Oberhaupt am Pacific Slope bedeutend, so sind sie doch 
nicht oft stark genug, um erhebliche bleibende Veränderungen an der 
Erdoberfläche, Zerstörungen u. dergl. zu erzeugen. Man kann sagen, dass wie 
die Zahl der Erdbeben der grossen Zahl der Vulkane und sonstigen Mittel- 
punkte vulkanischer Thätigkeit in diesem Gebiete entspricht, so auch die 
Schwache der erdbebenerzeugenden Kraft einfach der Reflex der fast ver- 
schwindenden Intensität der vulkanischen Kräfte in demselben zu sein 
scheint. Vor 1*50 sind die Erdbeben nicht registrirt, man berichtet bloss 
von einem sehr heftigen, das im September 1812 die Missionen S. Juan 
Capistrano und Vicjo in Süd-Californien zerstörte und 90—45 Menschen 
das Leben kostete. Zwischen 1709. dem Jahr der Gründung der ersten 
Mission in Californien, und 1812 sind sicherlich keine starken Erdbeben 
in den bewohnten Theilen von Californien vorgekommen, da sie sonst 
jedenfalls in den Annalen der Missionen ihre Stelle gefunden haben 
würden. Aber 1850 zahlte* man 5, 1851 0, 1852 12, 1*53 15. 1854 12, 
1855 11 — zusammen 61 in 0 Jahren. Der dritte Theil von diesen Er- 
schütterungen fällt auf die Gegend von San Francisco und den nördlich 
davon gelegenen Theil von Californien, der Rest auf Mittel- und Süd- 
Californien, und es ist in diesem letzteren Gebiet, dass dieselben sich mit 
dem grössten Grad von Heftigkeit äusserten *). Unter 99 Erdbeben, welche 



1) Dieses Erdbeben, welches am 20. Marz 1872 die paeifische Küste heim- 
suchte, erschütterte das ganze Staatsgebiet und noch Theile von Nevada. In 
Lone Pine, einem Dorf im Owens R.-Thal, fielen 50 Hauser ein und in diesem 
Thale dauerten die Stosse noch in der Zahl vou 3—4 jeden Tag einige Monate 
fort. Am selben Tag wurde ein Erdbeben in Utah und verschiedenen Theilen 
Mexico's und, was noch merkwürdiger, sogar in Kentucky verspürt. Am 14. Sept. 
desselben Jahres begann in Owens Valley das Erdbeben neuerdings mit heftigeren 
Stöss«n und unterirdischen Explosionen und dauerte einige Zeit, l'eber die Zeit 
seiner Fortdauer und den Zeitpunkt seines Aufhorens fehlen die Nachrichten; 
aber wir wissen, dass es durch zahlreiche Risse und Rutsche umgestaltend in 
die Oberflächenformen des genannten Thaies eingriff (A. J. S. 1872. II. 2. 
Ebendas. n. 310 von J. D. Whitney ausführlich beschrieben.) Eine gute Illustration 
der allerdings selten genügend beobachteten Wirkung der Erdbeben auf die 
Oberflächengestalt finden wir in dem Einsturz der mehr als 30 m. hohen Fels- 
zacke des Downieville Rütte am Yuma-rass, welcher 1852 bei einem Erdbeben 
stattfand. A. J. S. 1850. I. 22-1. 

2) J. R. Trask, A. J. S. 1850. II. 110. 



Digitized by Google 



III. OhcrHüchengestaltung. 



147 



vom 1. Janaar 1*72 bis zum 1. April 1*7«; im Gebiet der Vor. Staaten 
beobachtet wurden, kamen 42 auf das Gebiet des Pacific Slope sammt 
Hah, Arizona und Ncu-Mexico, davon nicht weniger als 31 auf Cali- 
fornien •). Auf die übrigen Thcile des Gebietes der Ver. Staaten vcrtheilten 
in dem selben Zeitraum die Erdbeben sich so, dass 28 auf die Neu-England- 
und Mittelstaaten, 12 auf die Atlantischen Südstaaten, 1) auf die Seeregion 
und den Nordwesten, 7 auf das Mississippibecken entfielen. Kein Erdbeben 
wurde aus dem Tiefland der Atlantischen und Golfküste, aus Florida und 
ans Texas gemeldet, und es ist wahrscheinlich, dass wir darin etwas mehr 
als nur einen Mangel an Beobachtungen zu erblicken haben; denn dieses 
Verhultniss entspricht der allgemeinen Hegel, dass die Kegionen der an 
Zahl und Kraft geringsten Erdbeben mit den grossen Tieflandregioncn, 
die der häufigsten und stärksten mit den Gebirgen zusammenfallen. 

Neu-England und die Mittelstaaten (New- York. Pennsylvanien, New- 
Jersey, Delaware) bieten das interessante Beispiel einer grossen Erdbeben- 
region, die keine Spur jüngerer vulkanischer Thätigkeit als aus der 
Sekundärperiode aufweist. Nach W. T. Brigham sind in den Neu-England- 
Staaten von 163H — 1872 22H Erdbeben gefühlt worden, und von vier 
früheren hat man indianische Ueberlieferungen. Jiemerkenswerther Weise 
fallen 14* davon auf die Zeit vom October bis Mürz und 74 auf April bis 
September. Mittelpunkte lokaler Erschütterungen scheinen die Gegend 
von Montreal, die Umgebungen der Merrimackmündung und die Gegend 
von New-Haven zu sein. Da seit den mesozoischen Trappausbrüchen keine 
Vulkanausbrüche in Neu-England vorgekommen sind, sieht J. D. Dana 
die Ursachen dieser Erdbeben in Zusammenziehungen und Ausdehnungen, 
Brüchen und lokalen Höhleneinstürzen *). Zerstörend war keines von all 
diesen Erdbeben, deren grösste Zahl nur eben zu fühlen war. Als die 
heftigsten Erschütterungen dieses Gebietes werden die vom 18. November 
1755 und vom 20. October 1870 bezeichnet. 

Im Gebiet der atlantischen Südstaaten sind die Alleghanics der Sitz 
der Erdbeben , und es ist besonders eine Region von nicht grosser Aus- 
dehnung in Nord-Carolina, welche von hanfigen und ziemlich starken Erd- 
beben heimgesucht wird. Es ist das Hochland zwischen Bluc Ridge und 
der UnakakcUe. Die dortigen Erschütterungen machten im Jahr 1873 und 
1874, wo sie Monate andauerten, viel von sich reden und sind mit der 



1) Nach Prof. Bockwood's dankenswerthen Zusammenstellungen in A. J. S 
1H72. II.. 1873. I., 1*74. II., 1876. II. Die Häufigkeit der Erdbeben in Cali- 
fornien spricht sich auch in Namen aus. In Calituriiicn gab es eine Hahia de 
l<» Temptora (Erdbeben-Bai), und die Amerikaner, welche schon in den ersten 
Jahren nach ihrer Besitznahme des Landes so zahlreiche Erdbeben zählten, 
nannten es ein Ktrthqmike Vountry 

2) Memoire Biston Sic. of N. II. II 1 und A. J. S. ls71. I. 301. 

10 • 



Digitized by Google 



148 III. Obernachengestaltung. 



Zeit in den amerikanischen Zeitungen zu vulkanischen Eruptionen aus- 
gewachsen. Aber wenn dieses übertrieben ist, wie natürlich, so sind sie 
nach ihren Wirkungen, über die wir unverfängliche Berichte haben '), doch 
immer zu den wirksameren Erdbeben zu rechnen. Ad verschiedenen 
Punkten beobachtet man Spalten von verschiedener Lange und Breite, 
bis zu I'/j Kil. lang und 1 in. breit, die sehr zahlreich und in deren 
Nahe die Baume massenweise gestürzt sind. Auch kleine Hügel von 
2—3 m. Höhe sind über einzelnen aufgeworfen. Die Wirkungen solcher 
Erschütterungen sind in dem genannten Hochland im Quellgebiet des 
Pine Creek, dann zwischen dem Tuckasagec R. und Cowee Iii, am 
Valley River Mt. und am Hayewood Mt. zu beobachten, durchaus in 
Granitgebieten, und an einem oder dem anderen Ort sollen sie seit 1812, 
wo man sie zum ersten Mal beobachtete, in Zwischenräumen von 2 bis 
3 Jahren wiedergekehrt sein und sollen nach jeder neuen Aeusserung 
das gesammte Ansehen der Region, die sie erschütterten, bis zur Unkennt- 
lichkeit umgestaltet haben. In Betreff der Kraft, welche ihnen zu Grunde 
liegt, ist eine Meinung kaum zu äussern ; jedenfalls sind ihre Aeusserungen 
unverkennbare Erdbebenwirkungen. Dass Rauch aus diesen Erschütterungs- 
spalten aufgestiegen sei, # wie einige Beobachter gesehen haben wollen, ist 
kaum wahrscheinlich; aber Geräusche, „dem Sprengen in einem tiefen 
Schachte ahnlich, erst explodirend, dann rollend," werden von den Beob- 
achtern fast einstimmig berichtet. 

Für die verhaltnissmässige Seltenheit der Erdbeben in Tieflandern 
ist das Mississippibecken Nordamerika** ein ebenso treffender Beweis wie 
manche andere Tieflander; aber von der geringeren Kraft der Erdbeben 
in vulkanlosen Tiefländern hat dasselbe Mississippibecken eine sehr her- 
vorragende Ausnahme aufzuweisen. Durch die Erdbeben von 1811/12 
sind vom südlichen Theile West-Keutuky's bis tief nach West -Tennessee 
hinein die Bluffs, welche dort steil gegen den Mississippi abfallen, in 
bemerkenswerther W T eise erschüttert worden. Sie bestehen aus diluvialen 
Lehm- und Sandablagerungen, und in diesen sind Spalten von mehreren 
im m. Länge nicht selten. Ihre Breite schwankt zwischen ' » und Ü m. 
Ursprünglich gingen sie sehr tief, aber sie sind mit der Zeit wieder in 
etwas aufgefüllt und sehen jetzt wie trockene Fluss- oder Canalbetten 
aus; ihre gegenwärtige Tiefe schwankt zwischen lundö m. Oefters be- 
obachtet man ganze Gruppen solcher Spalten, die in derselben Richtung 
verlaufen und zum Theil miteinander in Verbindung stehen und nach 
aussen hin sich in kleinere Spalten gleichsam verästeln. Sand, Kies und 
Lignit aus tieferen Schichten sind stellenweise bei jenen Erschütterungen 



1) T. L. Clingmau, Karthquake of N. Carolina. Ausz. in A. .). S. 1875. 
I. 55. C. (i 1{o<Uw<mhI, ohcmlas. 331. 



Digitized by Google 



III. OberHachengcstaltung. 



149 



aufgeworfen worden und bilden jetzt kleine Hügel auf der überdache 
«ler Bluffs. Gleichzeitip fanden zahlreiche Senkunpen grösserer Strecken 
unter Bildunp von ShiAlioles statt. 

Auch ein See, Beelfoot Lake im Mississippithal von Tennessee, ver- 
dankt seinen Ursprunp den Shakes von 1811, indem das Bett eines 
Flüsschens theilweise pehoben und dadurch der WasserabHuss verhindert 
wurde; ebenso wurden Eilande im Mississippi aufpeworfen. Ein anderer 
kleiner See bei New -Madrid verlor sein Wasser durch das Erdbeben. 
Ch. Lyell plaubt, dass diese Erdbeben, welche vom 1*>. December 181 1 
an mehrere Monate hindurch sich im unteren Mississippithal sehr fühlbar 
machten und in Spuren bis zum Jahr 1822 und vielleicht noch spater sich 
kundthaten, im Zusammenhang standen mit den Erderschütterunpen, welche 
im Marz 1812 so grauenhafte Yerwüstunpen in Venezuela anrichteten '). 

Am Unteren Colorado deuten ungewöhnlich starke Schlammablage- 
rnnpen im Becken des New R. und den mit ihm zusammenhängenden 
Lapunen und das Vorkommen abpestorbener, durch Ueberschwemmuiip 
petödteter Mezquitehaine Veranderunpen im Niveau des Colorado an, welche 
nach Fröbel's Meinung*) zu pross sind, um, wie es gewöhnlich peschieht, 
durch Veranderunpen in der Masse der Niederschlage erklart werden zu 
können. Er meint sie auf Schwankungen des Bodens zurückführen zu 
müssen, und führt, um die Möglichkeit hebender und senkender Bewe- 
gungen des Bodens durch unterirdische Kräfte nachzuweisen, eine Sol- 
fatara an, welche an der Nordscite des Unteren Colorado noch immer in 
Thätigkeit ist ; möglicherweise würden also auch hier Erdbeben im Spiele 
gewesen sein. 

Weniper auffallend , aber in den letzten Wirkungen wohl viel pross- 
artiper als alle Erdbeben, greifen die sekulären Schwankungen in 
die Form der Continente, in ihre Umrisse und ihre Oberfläche ein. In 
der jüngsten Epoche seiner geologischen Geschichte hat Nordamerika be- 
deutende Veränderungen dieser Art erfahren. Eine Senkungsepoche, eine 
Periode der l)ej>ression , folgte der Eiszeit, und ihre Spuren sind mit 
Sicherheit über den nördlichen Theil der Vereinigten Staaten von der 
Atlantisehen Küste bis Orepon und (Kalifornien und mit Wahrscheinlichkeit 
auch bis an die Ufer des mexicanischen Golfes zu verfolgen. Es ist die 
Chamjdahi-Epoehe, Ihr gehören Terrassen in fast allen grösseren Fluss- 
thälern der Ver. Staaten, Strandlinien an den Rändern der Seebecken, die 
nicht selten in die Flussthälcrterrassen sich fortsetzen, Ausfüllungen kleinerer 

1) Ch. Lyell. Princ. of Geology, 1868. II. 106. Vgl. auch Safford, Geol. 
of Tonnessee, 186!). 113 und Humphreys and Abbot, Rep. on Mississippi R. 
1858. 51., wo es heisst: r Selbst gegenwärtig noch werden leichte Sttisse in der 
Umgegend von New Madrid nicht selten verspürt." 

2) J. FrObel in Smithson. Keport 1854. 291. 



Digitized by Google 



150 



III. Oberflädiengestaltiing. 



Teiclie und Tümpel (Shell Marl, aus Anhäufungen von Muschel- und 
Sclincckcnschalen in solchen Decken gebildet, weist häufig auf diese Epoche 
zurück), Strandlinien an der Meeresküste und endlich , die zuerst den 
Namen gaben, marine Ablagerungen in jetzt binnenländischen Gegenden, 
wie Champlain- und Ontariosee, an. Die Depression wuchs an der Ostküste 
des Contiuentes von Süden nach Norden; sie betrug im Süden Neu-Eng- 
lands 8, in New Hampshire bis GO, am Champlainsee 120, bei Montreal 
140 m. An der Küste des Stillen Meeres erreichte sie gleichfalls einige 
hundert Fuss. Eine Senkung, wenn auch in viel geringerem Masse, fand 
wahrscheinlich auch an der Golfküste statt. 

Durch eine Hebungsperiode, die diese ablöste, die sog. Terrassen- 
epoche, treten wir in die Gegenwart herüber. Es ist diese Periode, 
in der die Hebung der Terrassen stattfand, welche Zeugniss von der 
Senkung der vorigen Epoche ablegen. Kleinere Schwankungen in der 
Höhe des Landes. Senkungen und Hebungen finden bis heute statt; aber 
Senkungen und Hebungen von so weiter Ausdehnung wie die der Cham- 
plain- und Terrassenepoche gehören in Nord-Amerika der Geschichte 
des Contiuentes an; es sind vielleicht auch jene zunächst noch zu lücken- 
haft und noch zu sehr im Werden, um in ihrer ganzen Bedeutung schon 
erkannt werden zu können. 

Am ausgedehntesten scheint von diesen beschränkteren Bewegungen 
eine sinkende zu sein, die sich an der atlantischen und vielleicht auch 
an der Golfküste kundgibt. Den ersten Beweis für ihr Vorhandensein 
finden wir an der äussersten nordöstlichen Ecke der Küste der Ver. 
Staaten, in den Fjordbildungen von Maine. Vor Jahren schon hat J. 
D. Dana die Fjorde von Oregon und Washington Territory als Zeugnisse 
jüngerer Senkungen angesprochen ') und indem er alle Fjorde als gesunkene 
Thäler betrachtet*), ist die Senkung ihm zu Folge auch für die Nordostküstc 
der Ver. Staaten anzunehmen, welche wir hier im Auge haben. Weiter nach 
Süden zu, wo die Fjorde aufhören, müssen andere Massstäbe gesucht werden, 
um das Vorhandensein der Küstenschwankungen zu bestimmen und die 
verschiedensten Erscheinungen deuten dort auf Senkungen hin. Un- 
zweifelhafte Spuren von Senkungen in einer jungen Zeit finden sich 
zunächst an der Küste von Massachusetts und in der Dclawarc-Bay, 
wo ganze Wälder der sogenannten Weisscedcr (Cupressus thujoides) unter 
das Mecresniveau gesunken sind. Lyell fand das Holz aus diesen sub- 
marinen Wäldern ähnlich dem, welches aus Torfmooren kommt. An der 
Küste von New Jersey sollen mehrere Generationen von solchen Bäumen 
übereinander vorkommen. Dr. Bresley zählte an einem Wurzclstock von 



n Wilkos, Explor. Expcd. X. 695. 
2) Manual ot' Geology, Hev. Ed. 548. 



Digitized by Google 



III. ObirHächengestaltung. 



151 



1.8 m. I)., der aufrecht stand, wie er gewachsen war, 1080 und an einem 
unter demselben liegenden Stamme 500 Jahresringe. „Fünfzehnhundert 
Jahre wurden also ganz zweifellos als das Alter eines einzigen kleinen 
Theiles des gesunkenen Waldes festgestellt, dessen Tiefe übrigens noch 
nicht genau bekannt ist u '). An der Küste von Georgia und zwar an der 
Mündung des Altamaha R. fand Lyell aufrecht stehende Baumstämme 
von Cupressus und Pinus in den Uferwanden von Salzsümpfen unter Flut- 
höhe, an Orten also, wo heute weder das Niveau noch die Bodcnbe- 
schaffenheit ihr Aufwachsen erlauben würde. Sand- und Schlamm- 
schichten, in denen selbst wieder hohe Cypressen wurzeln, bedecken sie, 
und Lyell zieht aus ihrem Vorkommen den Schluss, dass „erstens ein alter 
Wahl um mehrere Fuss unter Wasser gesetzt wurde, wobei seine Bäume 
durch die Wirkung des Salzwassers abstarben ; dass sie dann bis auf den 
Wasserspiegel herab abfaulten, worauf Sand auf die Stümpfe geweht 
wurde, und dass endlich, nachdem der Boden durch Schwemmgebilde wie 
in einem Delta erhöht war, auf den Trümmern des alten Waldes ein 
neuer aufwuchs" *). Das Vorkommen von Lagunenriffen an der Südküste 
Florida's setzt nach der fast allgemein angenommenen Darwinschen 
Theorie der Korallenbauten eine örtliche Senkung voraus; aber einer der 
Wenigen, die die Florida-Riffe eingehend untersucht haben, L. Agassiz, 
spricht sich gegen diese Annahmen sehr bestimmt in seiner oben bereits 
genannten (s. o. S. 110) Mittheilung aus, wo es heisst: „Die Thatsachc, 
dass die Key s und Strandanlagerungen, welche allmählich entstanden 
sind , sich nur genau bis zum Meeresspiegel erheben , liefert einen 
unzweifelhaften Beweis, dass der Grund, über welchen sich das Hauptriff 
von Florida erstreckt, keinen Nivcauwechscl erfahren und sich weder 

1) Ch. Lyell, See. Visit to the U. S., 1855. I. 34. In A. J. S. 1857. II. 341 
bringt G. II. Cook weitere Beweise für ein fortdauerndes Sinken der Küste von 
Long Island, N. Jersey und Martha's Vineyard. E. Hitchcock (Geol. of Massa- 
chusetts 1835. 121) hält es für wahrscheinlich, dass längs der ganzen atlantischen 
Küste von Massachusetts submarine Wälder vorkommen Im Hafen von Nantucket 
fand man unter 1,2 m. Sand Torf und Hölzer (Ahorn, Eiche, Buche, Cypresse). 
das Ganze 2* i m. unter Ebbestand. Aehnliche Funde hat man an der Nord- 
seite von Cap Cod, bei Martha's Vineyard, in der Bai von Provincetown gemacht. 

2) Ch. Lyell, a. a. 0., I. 249. W. Bartram, der treffliche Beobachter, der 
1792 seine Reisen durch Nord- und Süd-Carolina u. s. f. herausgab, hat übrigens 
auch diese Erscheinung schon beobachtet: „Jeder Pflanzer an der Küste von 
Carolina, Georgia und Florida bis zum Mississippi, sagt er, sieht deutlich, wenn 
er die Salzmarschen der Küste unter Cultur bringen will, dass er seine Drainir- 
gräben nicht über 3 — 4 Fuss tief legen kann, ohne auf Stümpfe von Cypressen 
und anderen Bäumen zu stosseii , die ebenso dicht stehen , wie sie jetzt in den 
Sümpfen wachsen." Er schliesst daraus richtig, dass eine Senkung stattgefunden 
haben müsse. W. Bartram. Travels etc., London 17!>2. 



Digitized by Google 



ir>2 



III. Oberflächengestaltung. 



gehoben noch gesenkt hat." Und weiter von den fandfest gewordenen 
Kiffen der Hammoeks: „Die Einförmigkeit auch ihrer Höhen liefert einen 
weiteren Beweis, dass seit Keginn der Korallenbildung in dieser Gegend 
ein Höhenwcchsel nicht stattgefunden hat- l ). 

Zahlreiche und mit die klarsten Beweise für in nachdiluvialer Zeit 
stattgefundene Bodensehwankungeu liefert das Mississippidelta und 
seine Umgebungen. Seine Entstehung ist ohne Zuhülfenahme grosser seku- 
lärer Schwankungen geradezu unverstandlich. Auch ohne so klare Beweise 
stattgehabter Niveauschwankungen, wie wir sie aus dem oberen Theile des 
Dclta's sogleich anzuführen haben werden, spräche schon die grosse Tiefe der 
Schlammablagerungen des eigentlichen Delta genügend deutlich für Senk- 
ungen, welche allein im Stande waren, eine über 2<M) m. senkrechte Tiefe hin- 
ausgehende Anhäufung solcher lockeren Absätze zu ermöglichen. Aber wie 
an manchen Küsten zeugen auch hier die versunkenen , in der Tiefe auf- 
rechtstehenden Wälder am unzweifelhaftesten für die Senkung des Bodens. 
An der Basis von einer der ersten Hochuferbildungeu , denen man 
HussaufwArts gehend begegnet, bei BatonKouge, 60 Kil. oberhalb New 
Orleans, befinden sich die deutlichen Beste eines Waldes, wie er jetzt in 
den sumpfigen Landstreifen vorkommt, welche den Unteren Mississippi zu 
beiden Seiten begleiten und in etwas höherem Niveau, gleichfalls im Bluff 
begraben, Reste eines Waldes, wie er auf den höheren Uferrandern vor- 
zukommen pflegt. Bartram entdeckte diesen fossilen Wald schon 1777, 
später wurde er von Carpenter (18:JH) und Lyell (184(>) untersucht. Der 
untere Wald liegt im Niveau des Mississippispiegels bei Niederwasser, 
der obere ist von ihm durch eine Thonschicht von 3,6 ra. getrennt und 
wird seinerseits von 22 in. Lehm und Sand bedeckt, in welche noch zwei 
dünne Lagen pflanzlicher Reste eingeschaltet sind. In den Resten der 
beiden begrabenen Walder ist nichts zu sehen, was sie von den heute in der- 
selben Region wachsenden Waldern unterschiede. Die ganze Erscheinung 
ist nicht anders zu erklaren, als durch die Annahme, dass eine starke 
Senkung der Mississippi-Ufer die einst bewaldeten Strecken so lange unter 
Wasser hielt, bis sie mit den Sedimentschichtcn bedeckt waren, unter 
welchen sie jetzt begraben sind. 

Ob die Versandungen texanischer Hafen, wie z. B. die des Hafens 
von Indianola in der Matagorda-Bai, auf Bodenhebungen oder auf der 
Anschwcmmungsthatigkeit der dortigen sedimentreichen Flüsse beruhen, 
muss dahingestellt bleiben. Uebrigens wird auch von der nahen Küste 
von Tamaulipas, also jenseits des Rio Grande, Landgowinn verzeichnet 



1) In seiner oben S. HO angeführten Abhandlung. Wir haben einige 
Beobachtungen, die den seinen widersprechen, ebendaselbst angefahrt. 

2) O. Pescheh Neue Probleme. 1870. 102. 



Digitized by Google 



III. Oberfl&chengest&ltang. 



158 



Dass dagegen mit Sicherheit die Theilnahme der tcxanischen Küste an 
den Hebungen der Champlain- Epoche festgestellt werden kann, wurde 
oben bereits erwähnt. 

An der Küste des Stillen Meeres sind hei so vorwiegend steilem 
Abfall die Zeichen der Hebungen oder Senkungen schwerer zu deuten, 
als an der Tierlandküste der atlantischen Seite. Dass die Fjorde von 
Oregon und Washington Territory als Zeugnisse jüngerer Senkungen an- 
gesprochen werden, haben wir erwähnt. Weiter südlich scheinen ausge- 
prägte Küsten- und Thal - Terrassen , die indessen noch nicht geo- 
logisch genau auf ihren Inhalt untersucht sind, im Gegensatz hierzu 
auf Hebungen zu deuten, die indessen möglicherweise schon früheren 
Perioden der Geschichte dieses Continentes angehören. Dass die sehr 
klar hervortretenden Terrassen in den Flussthälern von Oregon und 
( alifornien ihr Vorhandensein nur einer Hebung verdanken können, 
war schon Dana völlig klar, und er disrutirte diese Frage zur selben 
Zeit, als Ch. Darwin seine schönen Untersuchungen über die Terrasscn- 
bildungen Südamerika'* anstellte. Am Unteren Columbia und am Cow- 
litz würde diese Hebung ihm zu Folge 12 — 15; weiter oben am 
Wallawalla 35 — 50; am Unteren Willamete 15 18, am Unteren 
Sacramento 18—20, im Oberlauf desselben Flusses 80, oberhalb seiner 
Mündung 65 — 80 m. betrafen haben. Reste eines unter Wasser stehen- 
den Waldes, im Columbia oberhalb der Caseaden beobachtet, scheinen 
nicht sowohl für stattgehabte allgemeine Senkung als für einen Landrutsch 
von örtlicher Beschränkung Zeugniss abzulegen. 

Ausgeprägte Terrassenbildungeu, meist in zwei Stufen, sind an allen 
diesen Flüssen zu finden, am schönsten sieht man sie aber nach Dana's 
Beschreibung am Willamette , wo man im Thalgrund eine lote und eine 
high prairie unterscheidet; letztere ist 12 — Kim. über der ersteren 
gelegen, meistens steil von ihr abgesetzt, und tritt auf beiden Seiten 
2—3 Kil. vom Fluss zurück '). Von der weiten Verbreitung der Küsten- 
terrassen an der paeifischen Küste der Ver. Staaten hat G. Davidson 
Kunde gegeben*) und es ausser Zweifel gesetzt, dass sie auf Hebungen 
hindeuten. Ob aber diese Hebungen neu oder alt, entscheidet er nicht, 
und neuere Arbeiten über diesen Punkt liegen nicht vor. Kine Mittheilung 
F. Sheperd's 3 ), der zu Folge man in der S. Francisco-Bai aufrechtstehende 
Bäume rolhUindiff versteinert gefunden habe, ist von keiner Seite bestätigt 
worden. Derselbe erwähnt dort einer indianischen Ueberlieferung, nach 
der die Golden Gates einst Festland und die Gegend von San Francisco 

1) Wilkcs, Explor. Fxpcd. X. 076. 

2) Proceed. Cal. Acad. of Sciences V. 90. 

3) A. J. S. 1852. II. 153. 



Digitized by Google 



154 



III. Obertiächengestaltung. 



dagegen von einem Meeresarm bedeckt gewesen sei, der bei Monterey 
die Wasser des Sacramento und S. Joaquin ins Meer führte 

Neubildungen und Zerstörungen, die, soweit unsere Beob- 
achtungen reichen, von Schwankungen des Hodens unabhängig sind, können 
wir iu grösserer Ausdehnung nur an den Tieflandküsten, in unserem Falle 
also an der des Atlantischen Meeres und des Golfes, erwarten. In den 
meisten Fallen zwar werden die örtlichen Zerstörungen, welche die 
Meereswellen an den Küsten üben, beim Maugel oscillatorischer Bewegungen 
durch entsprechend ausgedehnte, wenn auch, wie natürlich, ganz anders 
gestaltete Neubildungen ausgeglichen. Aber in einzelnen Füllen sind die 
Verluste, die das Land durch die Bewegung des Meeres erleidet, so 
beträchtlich, dass sie nicht durch Neubildungen kurzer Hand aufzuwiegen 
sind. So wird der Landverlust, den der Otsrand von Nantucket in den 
fünf Jahrzehnten vor 1830 erlitt, auf einen Streifen von 5 — 8 m. Breite 
angegeben. Aehnlich soll Cap Cod an seiner Ostseite immer mehr zer- 
stört und dafür an seinem Westufer durch Anschwemmung verbreitert 
werden. Andererseits ist die Flachküste am Südostende des Cap ('od im 
letzten Jahrhundert einige Kilometer seewärts vorgeschoben, nach Einigen 
mit der Schnelligkeit von 10— 20 m. im Jahr, und der Ilafen von Chathain 
ist dadurch versandet. Aehnliches wird von Nauset und der Westküste 
von Nantucket berichtet. Im Hafen von Nauset sind seit Menschen- 
gedenken Untiefen in Marschwiesen verwandelt worden 1 ). An der Küste 
von New -York wachst die Landspitze Sandy Hook durch langsame An- 
lagerung in den Schifffahrtseanal, der den Haupteingang zur Bai von New- 
York bildet. Die praktische Wichtigkeit dieses Laudzuwaehsos hat an 
diesem Punkte genaue Untersuchungen anstellen lassen, welche ergeben 
haben, dass die Ursache dieses Anwachsens in wechselnden Ein- und 
Ausströmen zu suchen ist, welche ihrerseits von den Gezeiten bedingt 
sind und beim Aufeinandertreffen einen raschen Niederschlag ihrer Se- 
dimente erfahren. Den regelmassig wirkenden Ursachen entsprechend ist 
dieses Anwachsen ein sehr regelmässig fortschreitendes. Prof. Bache be- 
rechnet den jahrlichen Durchschnittszuwachs in den letzten 12 Jahren 
auf 100 m.*). Weit in die See vorspringende Auslaufer der Ostküste von 
Nantucket werden derselben Ursache zugeschrieben. Dass die Gezeiten 
auch auf die Art und Weise der Ablagerung von Niederschlägen an den 
Küsten einwirken, werden wir im folgenden Abschnitte an derselben 
Flachküste sehen , und von der Wirkung des Golfstromes auf die Ge- 
staltung eines so bedeutenden Gliedes des Contincntes wie der Halbinsel 



1) Zusammenstellungen dieser und ähnlicher Erscheinungen bei E. Hitchcock 
Geol. of Massachusetts, 1836. 136 u. a. 

2) A. J. S. 1857. 16. 



Digitized by Google 



III. Ohfrnachfngcstaltuug. 



155 



Florida haben wir bereits gesprochen. Die Ansicht, dass auch der noch 
naher bei der atlantischen Küste Nordamerikas vorbeiHiessende Labrador- 
strom nicht ohne Wirkung, und zwar crodirendc Wirkung", auf die Form 
des submarinen Abfalls des Continentes sein könne, ist von amerikanischen 
Geographen in vermuthender Weise aufgestellt worden '). — 

Im Ganzen und Grossen ist das Gebiet der Ver. Staaten, wie wir 
nun zu überschauen vermögen, in der jüngsten Periode der Erdgeschichte 
geringeren Veränderungen unterworfen gewesen, als viele andere Theile 
der Erde. Seine Vulkane sind in Ruhe, seine Küsten erleiden geringe 
Schwankungen und sind nicht in auffallendem Masse der Zernagung durch 
Wellenschlag und Sturmfluten ausgesetzt. Die machtigste Wirkung dürften 
gegenwärtig wohl die Flüsse und Ströme auf die Umriss- und ObcrUächen- 
formen des Landes ausüben, theils durch Erosion im Inneren, theils durch 
Anschwemmung an den Rändern, und es kann wahrscheinlich derjenige Punkt 
dieses grossen Gebietes, wo ihre Wirkung sich vereinigt mit derjenigen 
riffbauender Korallen, nämlich die Südostspitze von Florida, als die Re- 
gion der eingreifendsten Veränderungen durch kräftiges 
Wachsthum bezeichnet werden. 

1) J. D. Dana, El. of Geology. Rev. Ed. 655. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 

Günstige Bedingungen für grosse Süsswasseransammlungen in Nordamerika. Die 
Ströme und Flüsse. Ihre natürliche Gruppirung. Stromsysteme: Mississippi. 
Flüsse der Alleghany-Region. Zuflüsse des St. Lorenz und der Grossen Seen. 
Die texanischen Flüsse und Rio Grande del Norte. R. Colorado. Flüsse der 
Zwischengebirgs- Hochebenen. Columbia. Küstenflüsse des Stillen Meeres. - 
Die Seen. Die Seenplatte. Das Seengebiet des St. Lorenz. Die Seeugebiete 
der Nord-Alhgluuiics und von Minnesota. Seen der Plains. Salz- und Natron- 
seen. Die Seen und Sümpfe der Hochebenenbeeken. t'eberschweiuuuiugs- und 
Küstenseeu. — Anhang 1. Quellen und Hohlen. Anhang II. Zur Geschiebe 

der Ströme und Seen in Nordamerika. 

Wenn wir in weiten Flächen, in hohen und massigen Gebirgen, 
in beckenartiger Zusammenlagerung beider und in sanftem Abfall 
zum Meer die Bedingungen zur Bildung mächtiger Ströme gegeben 
sehen, und in weiten Hochebenenbildungen von ziemlich gleich- 
bleibender Höhe die Umstände, welche der Entstehung grosser 
Binnenseen günstig sind , so sind nirgends auf der Welt mehr 
mächtige Ströme und mehr grosse Binnenseen zu erwarten als in 
Nordamerika und am meisten in dem südlichen Theile dieser Erd- 
theilhälfte, dem Gebiete der Vereinigten Staaten. 

In der That ist dieses Gebiet ungewöhnlich ström- und seenreich, 
und wir hatten bereits in der Einleitung hervorzuheben, wie be- 
zeichnend die massige Vertretung dieser beiden Formen des Flüssigen 
auf der Erde für die geographische Physiognomie des ganzen Landes 
sei. Ein Biesenstrom, wie der «Mississippi , und noch vier Ströme, 
von Stromgebieten, die über 500,000 □Kil. umfassen, daneben der 
grösste Complex von Süsswasserseen, den man kennt, ein Gebiet halb 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



157 



so gross wie Deutschland mit Süsswasser bedeckend, und diess alles 
in die Hälfte einer Erdtheilhälfte zusammengedrängt: Weder Süd- 
amerika noch Asien, die sonst an grossartigen Entwicklungen das 
Bedeutendste leisten, bieten Aehnliches. Es gibt kein anderes Ge- 
biet, wo die Stromgebiete der grossen Ströme zwei Drittheile der 
Oberfläche bedecken, wie in den Vereinigten Staaten, und wo daneben 
noch eine so gewaltige Anhäufung des süssen Wassers in Seebecken 
stattfindet. 

Was zunächst die Ströme und Flüsse anbetrifft, so umschliesst 
das Gebiet der Vereinigten Staaten drei grosse Wasserscheiden, 
eine östliche, eine nördliche und eine westliche. Die östliche wird 
gebildet durch das Alleghany-Gebirge, die nördliche durch die Land- 
höhe, auf deren östlichem Ende die grossen Seen liegen, und die 
nach Westen hin sich als Coteau des Prairies und Coteau du 
Missouri fortsetzt, die westliche durch die Gebirgsmasse der nord- 
amerikanischen Cordilleren. Die A lieg hau y- Wasserscheide 
entsendet einerseits ihre Gewässer nach dem atlantischen Meere, 
andererseits nach dem Mississippi, und damit nach dem Golf von 
Mexico; die nördliche lässt einen Theil den grossen Seen, den 
anderen dem Oberen Missouri und Mississippi , den kleinsten aber 
der Hudsonsbai zufliessen; die westliche ergiesst von der Ost- 
Dud Südostseite ihre Gewässer in den Golf von Mexico, und zwar 
vorzüglich durch den Mississippi, von der West- und Südwestseite 
nach dem Stillen Meere, und umschliesst daneben noch einige 
grössere Binnenseen, die die Mündungsbecken besonderer kleiner 
Stromsysteme darstellen. Da der Abfluss von der nördlichen Wasser- 
scheide nach der Hudsonsbai sehr unbeträchtlich, eigentlich nur 
eine örtliche Ausnahme von beschränkter Ausdehnung ist, so lässt 
man gewöhnlich das Gebiet der Vereinigten Staaten bezüglich seiner 
Bewässerung in drei grosse Abteilungen zerfallen, deren Scheidung 
durch die zwei meridionalen Gebirgsketten bewirkt wird. Man er- 
hält auf diese Weise ein Gebiet östlich von den Alleghanies, eines 
westlich von der Cordillere und ein drittes, das zwischen beiden 
gelegen ist und sie an Grösse weitaus tibertrifft; das entere führt 
seine fliessenden Wasser nach dem Atlantischen, das zweite nach 
dem Stillen Meere, das dritte nach dem Golf von Mexico ab. 



Digitized by Google 



158 IV. Strömt?, Flüsse und Seen. 

Diese Eintheilung, die im Ganzen gewiss zutreffend ist, wird 
indessen «loch nur den grossen Zügen des Systems der fliessenden 
Wasser von Nordamerika gerecht. Wenn diese auch liier , wie in 
allen Verhältnissen des gross und einfach angelegten Landes, am 
meisten hervortreten, so fassen sie doch nicht Alles in ihren Kähmen. 
Das ist bei der Ausdehnung un«l weiterstreckten Meeresbegrenzung 
des Gebietes nicht möglich. So gehören z. B. die floridanischen 
Gew ässer w eder der östlichen noch der westlichen Seite der Alleghany- 
Wasserscheide an , und die texanischen entfliessen derselben Seite 
der westlichen Wasserscheitle wie der grössere Theil der Mississippi- 
Zuflüsse, ohne indessen in das Stromsystem des Mississippi zu ge- 
hören; sie bilden offenbar eine Gruppe für sich, an deren Spitze 
billig der halbmexikanische Rio Grande del Norte seinen Hätz 
findet. Diejenige Eintheilung der nordamerikanischen Flusssysteme 
wird jedenfalls die beste sein, welche diese kleinen Gruppen nicht 
über den grossen und beherrschenden vernachlässigt. Sie wird damit 
nicht bloss das Verdienst der Sachtreue, sondern auch das an- 
zustreben haben, aus den hydrographischen Verhältnissen das Bild 
des eigenartig begabten Landes kaum weniger klar hervorleuchten 
zu lassen, als es aus den orographischen und geologischen uns 
entgegentrat. Eine solche Eintheilung würde etwa folgende Gruppen 
unterscheiden, deren genauere Abgrenzungen und Eigenschaften die 
nähere Beschreibung in der hier gegebenen Reihenfolge darlegen 
wird : 

1 ) Stromgebiet des Mississippi : a. das Zuflussgebiet des Mis- 
souri ; b. der Obere Mississipi ; c. die Zuflüsse aus der Al- 
leghany-Region (Ohio); d. Arkansas und Red River; e. Delta. 

2) In der Alleghany-Region : a. einfache Küstenflüsse der Nord- 
ostküste; b. Flüsse, die nach dem Atlantischen Meere fliessen 

* 

und ihre Quellen jenseits des östlichen Kammes der Allegha- 
nies hüben; c. Küstenflüsse der Südost- und der Golfküste 
bis zur Mississippi-Mündung; d. Floridanische Flüsse. 

3) Im Gebiet der Grossen Seen : a. direkte Zuflüsse des St. Lorenz ; 
b. Zuflüsse der Grossen Seen; c. Red R. of the North. 

4) Rio Grande de! Norte und die anderen texanischen Flüsse. 

5) Stromgebiet des Colorado. 



Digitized by Google 



IV. Strümp, Flüsse und Seen. 



15!) 



6) Binnenflüsse des Grossen Beckens. 

7) Stromgebiet des Columbia. 

8) a. San Joaquin, Sacramento, Willamette ; b. kleinere Küsten- 
flüsse des Stillen Meeres. 

Das Stromgebiet des Mississippi begreift in sich den 
grössten Theil des Inneren der Vereinigten Staaten und besteht daher 
vorzüglich aus dem Flach- und Hügelland, das den Kaum zwischen 
Felsengebirgc und Alleghanies und zwischen Seenplatte und Golf 
ausfüllt. Es umfasst einen Flächenraum von 3,150,000 □ Kil. 
(57,000 QM.) und wird also nur von den Gebieten der beiden süd- 
amerikanischen Riesenströme und des Ob, des grössten asiatischen 
Stromes, an Flächenausdehnung übertroffen. Seine Hauptquellen 
liegen im Felsengebirge, in den Hochebenen des nördlichen Grenzge- 
bietes und in den Alleghanies. Die grösste Ausdehnung erreicht das 
Mississippi-Stromgebiet in der Region des 45. Breitegrades, wo es im 
Osten bis zum 70. und im Westen an den 114. westlichen Lüngcgrad 
reicht. Von Süden nach Norden gemessen erstreckt es sich über 
28 Breitegrade, also nahezu über die ganze nordsüdliche Ausdehnung 
des Gebietes der Ver. Staaten. Den allgemeinsten Umrissen nach 
ist es ein Dreieck, dessen Spitzen an der Mississippimündung, am 
Xordwestfuss des Felsengebirges und am Nordende der mittleren 
Alleghanies liegen, und von dem zwei Seiten, die nach Südwesten 
und Nordosten gewandt sind, bedeutend länger sind als die dritte, 
die nach Südosten schaut. Die Westspitze reicht um fünf Breite- 
grade weiter nordwärts als die östliche, und die Nordostseite ist in 
ihrer östlichen Hälfte tief eingebuchtet durch das Hereinragen des 
St. Lorenz - Stromgebietes 1 ). Der Hauptcanal des Mississippi liegt 

1) Liebhaber geographischer Homologien seien auf die merkwürdige Aehn- 
lichkeit in den äusseren Umrissen des Mississippi -Stromgebietes und denen des 
nordamerikanischen Halbtontinentes aufmerksam gemacht, eine Aehnlichkeit, die 
in Südamerika sich im La Plata- Gebiet wiederholt: Starkes nordwestliches, 
geringeres nordöstliches Hinausragen, Breitenentwickelnng nach Norden, Zu- 
spitzung gegen Süden, Einbuchtung im Nordosten finden sich am Mississippi- 
gebiet ebenso ausgeprägt wie an dem Halbcontinent, dem dasselbe angehört. 
Cordilleren und Alleghanies bestimmen in beiden Fällen die westlichen, öst- 
lichen und südlichen Umrisse, und was für ganz Nordamerika die Hudsonsbai, 
ist für das Mississippigebiet deren südliche Repräsentation, die Gruppe der 
Grossen Seen. 



Digitized by Google 



160 



IV. strümf, Flüsse iintl Seen. 



firm äussersten Ostrand des Gebietes um aeht Längengrade näher 
als dem äussersten Westrand, es ist also der westlich von dem- 
selben gelegene Theil des Stromgebietes grösser als der östliche 
und der Strom muss daher als ein vorwiegend dem Westen an- 
gehörender bezeichnet werden. Demgemäss wäre der Missouri als 
Hauptarm des Mississippi zu betrachten, und entspricht in der That 
diese Betrachtung dem Sachverhalt mehr als die zufidligere, aber 
übliche, welche den Oberen Mississippi als Hauptarm, den Missouri 
als Nebenmiss ansieht. Dieser Betrachtung ist der Mississippi ein 
in vorwiegend südöstlicher Richtung fliessender Strom, der das 
Innere der Vereinigten Staaten diagonal durchmesst, aber gegen den 
Unterlauf hin durch zunehmende Verschmälcrung des Continentes 
und Zusammenrücken der West- und Ostgebirge immer mehr aus 
der südöstlichen in eine südliche Richtung gedrängt wird. 

Der Hauptarm des Mississippi, der Missouri, hat seine Quellen in 
einem gebirgigen, aber trotz seiner Gebirgsnatnr regenarmen Gebiet, und 
diese Thatsache macht es erklärlich, dass trotz der Ausdehnung seines 
Qucllgebictcs die Wassermasse, welche er dem gemeinschaftlichen Bette 
des grossen Mississippi zuführt, verhältnissmassig gering, geringer selbst 
als des Ohio ist. Ohne Zweifel verdunstet auch ein grosser Theil der 
Wasser, die vom Westen herab dem Missouri zufliessen auf dem weiten 
Wege, den sie in den Plains zurückzulegen haben. Von der nördlichsten 
Quelle, die der Milk R. ihm zusendet, fliesst der Missouri 10 Längengrade 
bis über die Kinmündung des Yellowstone hinaus östlich und von da in vor- 
wiegend südsüdöstlicher Richtung der Vereinigung mit dem Mississippi zu. 
Seine bedeutenden Zuflüsse strömen ihm alle in derselben Richtung zu, in der 
er selbst in seinem ersten Drittel Hoss, d. h. in westöstlicher, und er 
nimmt sie daher sämmtlich auf seiner rechten Seite auf. In sein linkes 
Ufer mündet kein einziger Fluss von Bedeutung. Das grosse Stromnetz 
des Missouri erscheint daher als ein einseitiger Zweig, der von Nord- 
westen nach Südosten mit scharf gegen Nordosten gekehrter Ausbiegung 
gebogen ist und dessen Nebenzweige alle nach der rechten Seite und 
zwar in vorwiegend geraden, fast senkrecht auf dem Hauptzweig stehenden 
Richtungen ausstrahlen. 

Das Quellgebict des Missouri ist um den Union Peak, einen der be- 
deutenderen Berge der Wind River-Oruppe (ca. 4300 m.) zu suchen, 
welcher bei 43° 30' N. B. und l to° W. L. gelegen ist. Einen Längen- 
grad westlich und einen Breitegrad nördlich von denselben entspringen 
vier der äussersten Zuflüsse des Missouri: Big Horn, Yellowstone, Ma- 
dison und Oallatin R. Die zwei letzteren bilden zusammen mit dem zwei 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



161 



Längengrade weiter westlich entspringenden Jefferson die drei eigentlichen 
Quellarme (Forks) des Missouri. In tiefen und wilden Thalern fliessen 
sie nach Norden, um heim 46.° N. B. sich zum Missouri zu ver- 
einigen , der von hier einige Meilen in einem der wildesten Canons des 
Westens, zwischen 370 in. hohen Wanden dunkeln Granits („auf den 
ersten .'i Meilen ist kein Fleck zu linden, ausgenommen einer von einigen 
Yards, wo ein Mann zwischen dem Fluss und seinen thürmeuden Ufer- 
wänden stehen könnte") fliesst, der von Lewis und Clarke, seinen ersten 
Entdeckern, den Namen Gate of the Rocky Mts. erhielt. Nachdem der 
Fluss nordöstlich den Gebirgszug der Snow Mts. umflossen hat, der ihn 
bis etwa zum 48." in eine wesentlich nördliche Richtung zwang, steigt 
er in die Vorberge der Rocky Mts. und zum westlichen Saum der grossen 
Hochebene der Plains in einer Reihe von Fällen herab, deren fünf be- 
sondershervorragende gezählt werden; 7.7, 1.8, 13, 3.7, 23.4 — zusammen 
49.6 m. fällt hier der Fluss, und diese Fälle sind auf eine Strecke von 
18 KU. vertheilt. Der letzte uud höchste wird als der Great Fall 
of the Missotm bezeichnet. Kurz nach der Aufnahme des nördlichen 
Zuflusses Sun R. tritt dieser rasche Fall ein, und es sind die nördlichen 
Ausläufer der Yorberggruppc der sog. Belt Mts., über die der Missouri 
mit diesen Fällen weggeht. Unmittelbar unter den Fällen ist er schiffbar, 
aber man rechnet die Schitfbarkeit gewöhnlich von dem 450 Kil. weiter 
unten gelegenen Ft. Benton an, in dessen Nähe nach Aufnahme der von 
Norden kommenden Marias und Monekis R. die Berge für immer ver- 
lassen werden. Der ungefesselte Gang durch die Plains prägt sich dann 
alsbald in einem viel mehr gewundenen Laufe aus. 

Der südliche Theil des Quellgebietes des Missouri ist von den Quellen 
des Yellowstone und Bighorn R. eingenommen. In der Gegend des 110. 
Länge- und des 44. Breitegrades liegt jene in den letzten .lahren so oft 
genannte Yellowstone - Region , die vom Congress der Ver. Staaten zum 
Nationalpark, d. h. zu einem für immer im Besitz der Ver. Staaten bleiben- 
den, der freien Ansiedelung verschlossenen Gebiete bestimmt wurde. Wir 
werden des Ausführlicheren auf diese wunderbare Gruppe von Dampf- 
und Heisswasserquellen , von heissen Seen und seltsamen Stalaktiten-Ge- 
bilden zurückzukommen haben. Der Yellowstone windet sich durch schmale, 
steilwandige Thälcr, die an einigen Punkten vollständig unpassirbar sind, 
bis zu dem Punkte, wo er seinen ersten bedeutenderen Zufluss. (Marks 
Fork, aufnimmt. Von hier bis zur Mündung eines anderen, grösseren, 
gleichfalls von Süden her am rechten Ufer einmündenden Zuflusses, des 
Rimhorn R., ist der Fluss 450 — 550 m. breit, frei von Fällen, ein rasches 
und klares Gewässer. Kr ist aus den Bergen herausgetreten, und Capt. 
Raymonds sagt, dass er im Sommer bis zu f'larks Fork mit 1 m. tiefgehenden 
Booten zu befahren sei. Aber vom Bighorn R. an wird er trüb, wie der 

Katiel, Amerika. I. 11 



Digitized by Google 



1<>2 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



Missouri, und vom Powder R. an «leicht er auch durch Flachheit der 
Ufer, zahlreiche Sandbänke, dichthebuschtc Eilande, Veränderlichkeit der 
Tiefe und der Umrisse dem Missouri vollkommen, in den er dann bei 
Ft. Union mündet. So ungünstig wie der Missouri soll er übrigens für 
die Dampfschifffahrt nicht sein. 

Kehren wir aber zum oberen Missouri zurück, um ihn auf seinem 
Wege bis zur Yellowstone-Mündung zu verfolgen, so finden wir ihn zu- 
nächst unterhalh der Falle ein tiefes cafionartiges Thal als klaren Fluss 
in einem reinen Kieselbette durchströmen. Die Ufer sind 60 — 90 m. 
hoch. Von der Mündung der Monekis und Marias R. an Macht sich 
dieses Thal zum Niveau der Prärie ab, und eine Strecke fliesst der Missouri 
mit zahlreichen Windungen, hautige Inseln einschliessend, in ebenem Land. 
Aber die Gruppe der Bear Paw Mts. zwängt ihn neuerdings in ein Felsen- 
thal voll grotesker Säulen und Walle aus braunem quadrigen Sandstein. 
Bis zu 180 m. erheben diese oft tauschend ruinenartigen Felsmauern 
ihre Zinnen, und tief ins Land hinein ziehen sie sich, einer enormen in 
Trümmer gefallenen Stadt zu vergleichen. Dem Anschein entspricht hier 
das Wesen: die Hegion ist so unfruchtbar und dürr, wie es die Strassen 
einer Todtenstadt sind. Wie ein Hainichen zwischen den Steinen zwangt 
da und dort ein Weidenbusch sich hervor. Dieses ist das Uebfa JmjvI, 
die Mmnaise Tnrc der Trapper. Dann senken sich die Thalwände 
wieder und machen stellenweise Wiesen und Wäldern Raum. Aber die 
Wälder bestehen nur aus halb strauchartigen Weiden, Espen und Kirsch- 
bäumen. Von der Mündung des von Süden kommenden Musselshell R. 
an tritt die Felsnatur des Ufers nur noch an vereinzelten Punkten auf. 
Aber die Klarheit des Gebirgsstromes macht von hier allmählich einer 
immer wachsenden Trübung Platz, die in dem Wegwaschen der aus weichem, 
oft schlammartig lockerem Sandstein bestehenden Ufer eine unerschöpfliche 
Quelle findet. Ungefähr halbwegs zwischen Ft. Benton uud der Yellowstone- 
Mündung hat der Missouri die Eigenschaften angenommen, die nun seinen 
vorwiegenden Charakter bis hinab zum Mississippi bilden; er ist bereits 
breiter als seiner Wassennasse zukommt (bei der Mündung des Milk Et. S(H), 
hier am Yellowstoue looo — 12« H> m.), sein Boden bleibt Sand, der in ver- 
änderlichen Bänken sich da und dort anhäuft und die Schifffahrt erschwert. 
Die Ufer sind zurückgetreten und haben fruchtbare Niederungen zwischen 
sich gelassen; an der Nordseite sind sie nur noch der Abfall der liollinf/ 
Prairie, an der Südseite werden sie höher, tragen aber genügenden Gras- 
wuchs. Er ist der ächte Steppenstrom geworden, der in seinem vielge- 
wundenen Lauf, seinem flachen, übermässig breiten, beständigen Verände- 
rungen unterworfenen Bett, seinen ebenso unzahligen als unbeständigen 
Inseln und Sandbänken, dem ungeheueren Schlamm, mit dem er gesättigt, 
ist. si< h zum (lebirgs^trom, der er bis zu den Mauvaises Terres war, nicht 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



weniger gegensätzlich verhält, als die Steppe seihst zum Hochgebirge. 
Er bleibt nun von der Mündung des Yellowstone an ebenso sehr derselbe, 
wie es im Wesentlichen die Gegenden bleiben, die er durchmesst, die 
Plains und die Prärien. Seine Breite bei mittlerem Wasserstand verharrt 
bis zur Einmündung in den Mississippi bei 1500 — 1H<K> m., wie sie denn 
für einen Strom von dieser Grösse sich überhaupt merkwürdig gleich 
bleibt; aber der Unterschied seiner Wassermassen bei Hochwasser und 
bei Niederwasser ist ein sehr bedeutender. Ebenso der seiner Tiefe ; er war 
bei der Mündung des Marias R. nicht ganz 2 und ist an der Mündung in den 
Mississippi 20 m. tief. Nur einen Wechsel in dem landschaftlichen Charakter 
seiner nächsten Umgebungen hat man auf dieser Strecke von 15 Längen- 
graden zu constatiren, den Baumreichthum nämlich, der von der Mündung 
des Platte K. an an die Stelle der Raumarmuth tritt, die den Oberen 
Missouri charakterisirt, soweit er nicht im eigentlichen Gebirg floss : Erst 
östlich vom %. Langenbrand treten Wälder ausserhalb des Gebietes seiner 
feuchten Niederungen auf und damit, kann man sagen, ist er aus dem 
Prärien- in das Waldgebiet übergetreten. 

Von den Zuflüssen, die der Missouri unterhalb des Yellowstone em- 
pfängt, sind Niobrara, Platte (Nebraska) und Kansas bemerkenswert!). 
Per ersterc entspringt in den Vorbergen der Rocky Mts. in der Nähe 
des Rawhide Pk. bei ca. 104 W. L., fliesst als klarer Rergfluss erst in 
den Thälern, dann über die Plains in breitem Rette, um bei 102° 30' W. 
L. in einen Canon einzutreten, dessen Wände bis zu 180 m. empor- 
steigen und durch ihr enges Zusammentreten und steiles Aufsteigen das 
Flussthal auf weite Strecke völlig unwegsam machen; aber die tiefe Ab- 
geschlossenheit dieses Wasserlaufs in seinem engen Felsenthal lässt hier 
mitten in der dürrsten Steppenregion eine Oase entstehen, die Räume 
und Graswuchs in ihren Schluchten nährt, wie man sie nur wieder am 
Gebirgsrand findet. Die Mündung in den Missouri geschieht nach längerem 
ziemlich direkt westlichen Laufe in den Plains bei ca. 977*° W. L. Der 
Platte oder Nebraska R„ der grösste ZuHuss des Missouri nach dem 
Yellowstone, entspringt mit zwei Hauptarmen (N. Fork und S. Fork) in 
dem eigentlichen Felsengebirge zwischen dem 43. und 39. Rreitegrad. 
Die Gewässer seines Quellsystems berieseln den ganzen Ostabfall des 
Felsengebirges zwischen Rattlesnake Mts. und Pike's Peak. Es sind Ge- 
birgsflüsse. raschlliessend, kiesreich, klar bis zu der Vereinigung des Nord- 
und Südarmes (ca. 101 u W. L.) ; hier treten die Uferhöhen weit zurück, 
so dass ein Thal von 4^ 10 e. M. Rreite entsteht, das mit seinem Wasser- und 
Grasreichthum, sammt dem ebenen Weg, den es bietet, nicht bloss, wie ein 
Bericht (Lt. Warren) sich ausdrückt, „eine der besten Fahrstrassen von sol- 
cher Länge in der Welt", sondern überhaupt die natürliche Strasse vom Un- 
teren Missouri bis an den Fuss der Felsengcbirge darstellt. Der grösste Theil 

11« 



Digitized by Google 



164 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



der älteren Ansiedler des Far MV.s/ sind auf dieser Strasse gekommen. Eine 
ebenso gute Wasserstrasse bietet leider der Platte nicht, denn es gehört zu 
seinen Eigentümlichkeiten, dass er sehr gleichmassig die geringe Wasser- 
masse über sein weites Bett ausbreitet. Er hat bei Hochwasser nicht 
ganz 2 m. und kann bei Niederwasser fast an jedem Punkte gefahrlos 
überschritten werden, sofern man den trügerischen Boden der Flugsand- 
bftnke zu vermeiden weiss. 

Der Kansas ist der südlichste und wasserarmste der Missouri- 
zuflüsse. Seine Quellen liegen schon nicht mehr im Gebirg, sondern auf 
den Plains, nahe beim östlichen Gebirgsabhang in etwa UM 0 W. L. Ein 
Nordarm fliesst von hier als Republican Fork, ein Südarm als 
Smoky Hill Fork ostwärts und beide vereinigen sich zwischen dem 
94. und Längegrad. Der erstere wird als Hauptqucllarm betrachtet 
und trügt daher auch den Namen Kansas. Als bedeutendere Zuflüsse 
sind nur Solomons und Sa 1 ine Fork, die in den südlichen Arm münden, 
und Big Blue R. zu nennen, der nach der Vereinigung beider sich in den 
Kansas ergiesst. Im Allgemeinen entspricht der Kansas in Lage der 
Quellen , Ausdehnung des Quellgebietes und Richtung des Laufes dem 
Niobrara und ist gleich ihm so wasserarm, dass seine Zuflüsse einen 
grösseren oder geringeren Theil des Jahres hindurch wasserleere Sand- 
und Kiesbetten darstellen. Die geringe Wassermenge hat den Kansas keine 
Bedeutung für den Verkehr gewinnen lassen, wiewohl in einzelnen wasser- 
reichen Frühlingcn Dampfer bis Fort Riley am Zusammenfluss der bei- 
den Hauptquellarme gelangt sind. 

Unterhalb des Kansas empfangt der Missouri von der rechten Seite 
noch einige Zuflüsse aus den Ozarkbergen, von denen Osage und Gas- 
conade R. zu nennen sind. Die linke Seite ist dagegen schon vom 
Einfluss des Yellowstone an auffallend arm an grösseren Zuflüssen, und 
die wenigen nennenswert hen, die er auf dieser Seite aufnimmt, wie Da- 
kota und Sioux R. fliessen merkwürdiger Weise in einer Richtung, 
welche gerade rechtwinklig auf der der rechtsseitigen steht und mit der 
des Missouri selber gleichlaufend ist. Coteau du Missouri und Coteau 
des Prairies, die nordsüdlich ziehenden Landhöhen, sind es, welche dem 
mittleren Missouri und diesen linksseitigen Zuflüssen die nordsfldliche 
Richtung ertheilen. Auch der zwischen beiden einmündende Vermilion 
R. folgt derselben. Nach Osten hin folgt derselben Richtung der Obere 
Mississippi, theilweise getrennt vom Missouri-Grbiet durch den Red R„ 
der gleichfalls im Sinn der geographischen Länge, aber südnördlich fliesst. 
Alle diese Flussrichtungeu zeigen an, dass östlich vom Mittleren Missouri 
der südliche und nördliche Abfall der Landhöhen an die Stelle tritt des 
östlichen Abfalles der Plains von dem Felsengebirg nach dem Mississippi- 
Thal; da^s indessen die eine Richtung dabei nicht die andere auslöscht, 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flusse und Seen. 



1Ü5 



sondern in theilweiser Geltung lässt, zeigt die starke östliche Ablenkung, 
die die vorwiegend südliehe Richtung des Missouri auf der ganzen Strecke 
unterhalb der Ycllowstone-Müudung erfahrt. 

Die Masse des Wassers, welche der Missouri in den Mississippi ergiesst, 
ist ' s von dem, welches der Mississippi ins Meer führt. Das Missvcrhaltniss 
zwischen dieser Wassermasse und der Grösse des Stromgebiets wurde bereits 
hervorgehoben. Für die Schiffbarkeit des Missouri ist dasselbe entscheidend, 
denn indem es die Vcrtheilung dieser Wassermassen über ein sehr ausge- 
dehntes Gebiet bedingt, bleibt nur beschrankten Theilen des Missouri-Systems 
diejenige regelmässige Wassertiefe, welche erforderlich ist, um grössere 
Schiffe zu tragen, und die Region starker Winterkalten, in die der grösste 
Theil desselben hineinragt, tragt noch dazu bei, die Schiffbarkeit zu be- 
schranken. Bei Sioux City wird die Schifffahrt durch Eis im zweiten 
Drittel des November, bei Leavenworth Anfang Decembers unterbrochen und 
erst Mitte Mai beginnen die Frühlingsregen, die dann 2— 2 Vi Monate lang 
die Wasser hoch geuug steigen machen und damit die Schifffahrt für einige 
Zeit ermöglichen. Das Sehneewasser des Felsengebirgs erreicht Anfangs Juli 
den in der Ebene fliessenden Missouri unterhalb der Platte-Mündung, und es 
ist von diesem ZuHuss, dass die Schifffahrt oberhalb der Niobrara-Mündung 
wesentlich abhängt. Die Abhängigkeit der Schiffbarkeit des Unteren Mis- 
souri von den Fluten seiner Qucllgebietc macht natürlicher Weise die 
Schifffahrt zu Thal leichter als die zu Berg, und es ist jedenfalls nur 
jene, der man eine grössere Entwickelung voraussagen kann 1 ). 

Wenn auch der Obere Mississippi weder nach den Wasser- 
massen, die er in das gemeinsame Bett des Grossen Mississij>j)i bringt, 
noch nach seiner Entfernung von der Mündung als der Hauptquellarm 
des grössten Stromes von Nordamerika gelten kann, so ist er doch schon 
in seinem Lauf von den Quellen bis zum ZusammenHuss mit dem Mis- 
souri einer der bedeutendsten Ströme von Nordamerika. Bei dem Um- 
fang seines Stromgebietes, das man auf ,'tf8,<XK) OKU. bestimmt hat und 
der grossen Masse Wassers, die er führt, bleibt es eine bemerkenswerte 
Thatsacbe, dass weder er noch seine Zuflüsse ihre Quellen in gebirgigen 
Regionen haben. Die Meereshöhe seines Quellgcbicts beträgt kaum 500 M. 



1) 1H5I» ging ein Dampfer der American Für Company den Missouri bis 
Ft. Beutou, also über die Marias R. -Mündung hinaus. 1860 folgten ihm iwei 
weitere, und derselbe Punkt ist seitdem öfters erreicht worden. Die gewöhn- 
lichen Boote dieser Company haben 0,9—1,4 m. Tiefgang und pflegen bis zur 
Yellowstone-Mundung, unter entständen auch bis zu der des Milk R. zu gehen. 
Sie nehmen bis zum Yellowstone 150—200 Tonnen Ladung und machen diu 
Bergfahrt von 1900 e. M. in 22—25 Tagen. 



Digitized by Google 



IV. Strome. Flüsse und Seen. 



und dasselbe ist von Sümpfen und Seen durchzogen und durch Sand- und 
Geröllhügel unterbrochen , welche den Driftbildungen angehören. Als 
eigentliche Mississippiquelle, die übrigens in diesem Gewirr von Sümpfen. 
Seen und tragen, vielvcrzweigten Wasserläufen schwer festzustellen war. 
hat Schoolkraft 1832 den von ihm und seinem Geführten Lt. Allen soge- 
nannten Itasca-See (von den Chippewähs Omoschkos Sagaigon, von den 



— 



» - - — 



f - 




Canadiern Lac la Diebe genannt) bestimmt, eine Wasserfläche von 12 Kil. 
Lange und 1— .{ Kil. Breite, tief, klar und tischreich und von einem 
Inselchen unterbrochen, das bei 141) m. Lange 15 m. in der Breite 
misst und 2«)— ,'5U' über den Seespiegel hervorragt. Die Lage dieses Sees 
ist 17" 11' N. B. und 95° 02' W. L. 5 Bäche ergiessen sich in ihn und 
von diesen ist einer, der grösste, dessen Quelle lo Kil. vom Itasca-See 
entfernt und bei seinem Einfluss in diesen *{* — Im. tief und 4—6 m. breit 



Digitized by Google 



IV. Strom»', Flüsse und Seen. 



167 



ist, als der eigentliche Infant Mississippi zu betrachten. Die Meereshöhe 
des Itasca-Sees, von seinem Entdecker Schoolcraft auf 4*0 M. pe- 
schätzt, ist nach Nicollet's späteren Messungen auf 511, M. bestimmt 
worden. Der Gipfel der Hauteurs des Terres, wenn man von einem sol- 
chen hier sprechen kann, wurde von demselben auf 545,1 M. festge- 
gestellt. 

Der Mississippi verlässt den Itasca mit einer Breite von etwa 10—12 
m. und einer Tiefe von 7* m. und erreicht in dem nahen Lake Tra- 
vers, einem klaren , insellosen See von 20 Kil. Länge bei 8 KU. Breite, 
seinen nördlichsten Punkt. Zwischen diesem und dem nächsten See, 
Gass Lake, hat der junge Mississippi bereits eine Breite von .'15 — 45 m. 
und eine Tiefe von VI* in. Durch eine grössere Zahl von Strom- 
schnellen gelangt er von der höheren Stufe des erstgenannten Sees 
zu der niedrigeren des letzteren, und nachdem er noch die Winnipec-Sccn 
durchflössen, nimmt er seineu ersten grösseren Zntluss, den aus dem 
Leech L., dem grössten der Mississippi-Owllseeu, kommenden Leech R, 
auf. Neuerdings erfährt er zwei Fälle, einen von <j m. in 300 m. an 
einer Peckagama genannten Oertlichkeit, den anderen bei den sog. Little 
Falls. Nachdem er von der Linken den Swan R. aufgenommen, bildet 
er 6 Stromschnellen, bis zu dem Zufluss, der ihm die Wasser des Sandy 
Lake zufährt. Durch diesen Zufluss und den in den Sandy Lake sich 
ergiessendeu Savannat R. führt der kürzeste Canoe-Weg vom Oberen Mis- 
sissippi nach dem Oberen See via Fond du Lac R. Es folgen an weiteren 
Zuflüssen von der rechten (w.) Seite Pine R. und Crow-wing oder De 
Gorbeau R. Der letztere ist der bedeutendste Zufluss, den der Missis- 
sippi oberhalb der Fälle von St. Anthony erhält , nahezu so gross und 
wasserreich wie der Hauptarm selbst. Er bezeichnet gleichzeitig das 
Heraustreten des Mississippi aus demjenigen Theile seines Gebietes, welcher 
auf der Seenplatte von Minnesota liegt, d. h aus seinem eigentlichen 
Quellgebiete. Diese Scheidung zögert nicht, sich in der Natur des 
jungen Stromes und seiner Umgebungen auszuprägen. So wie ein grosser 
Seenreichthum immer ein jwjentUivIws Stadium der Entwicklung eines 
Stromsystemes anzeigt, so ist auch hier die Menge grosser und kleiner 
Seen ein deutliches Zeichen , dass der Fluss sich noch kein genügend 
tiefes und direktes Bett gegraben hat. Seine unzähligen Windungen, die 
vorwaltende Seichtigkeit und Breite seiner Wasser, die oft zu weiten 
Röhrichtsümpfen austreten, die Niedrigkeit seiner Ufer deuten in der- 
selben Richtung 1 ). 

1) Die Schilderung, welche Schoolcraft vom Oberen Mississippi entwirft, 
wie er zwischen den Winnipec-Seen und den Peckagama-Fiillen erscheint, hat 
einen geiierelleu Werth: „Der Fluss windet sich in wahren Irrbahneu durch 
eine weite Prärie, die mit hohem Gras, Wasserreis und Binsen bedeckt ist. 



Digitized by Google 



1B8 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



Mit einer Insel von betrachtlicher Ausdehuung, welche in der Mündung 
des De Corbeau R. liegt, beginnt nun die Schaar der dichtbewaldeten 
Kilande, welche diesen Theil des Stromes erfüllen. Ihre Bewaldung mit 
Ulmen, Ahornen, Walnuss und Eichen sticht scharf ab von dem Schilf 
und den ärmlichen Föhrenhainen, die im Quellgebiet die Ufer der Räche 
und Seen umgaben. Gleichzeitig werden die Ufer höher, steigen steil bis 
zu 18 m. über das Sommerniveau an und strecken sich in Prärien 
hinaus, welche hier zum ersten Male als ächte Buffalo Vlains bezeichnet 
werden können. Sic tragen kräftigen Graswuchs und da und dort Büsche 
verzwergter Sckwarzeichen. Kurz , man ist in einer anderen Region : 
Mau ist von der Seenplatte, die oft genug einem Süsswassermeere gleicht, 
in die Region der Prärien, der Bluffs, der Uferwälder, der bestimmt be- 
grenzten Flussläufc herabgestiegen, man hat das Quellgebiet verlassen und 
steht am fertigen, wenn auch nur erst im Beginn seiner Bahn befind- 
lichen Flusse. Die hohen Ufer treten jetzt öfters zu Schluchten zusam- 
men, durch die sich der Strom, und oft mit starkem Fall, durchzuzwängen 
hat. Bänke harten Gesteins (Granit?) überwindet er in einer grösseren 
Anzahl von Stromschnellen. Liltle Falls und Big Falls unterhalb der 
Einmündung des Elk It., die sechs Prairie Falls zwischen dieser und der 
Mündung des von Osten (links) kommenden St. Francis R., endlich der 
bedeutendste Fall des Oberen Mississippi , die St. Anthony Falls , die 20 
m. in 1,2 Kil. fallen, gehören in diese Kategorie. Sie bilden ge- 
wissermassen das Thor, durch das man die Prärieregion verlässt, um in 
die engen und steilen Kalkstein-Bluffs einzutreten, die von hier ab eine 
weite Strecke das Thal des Stromes bilden. Noch zwei Stromschnellen 
von minder bedeutender Höhe, die Rock Island Rapids (6,8 m. in 
21 Kil.) und die Des Moincs Rapids (6,4 m. in 18 Kil.), unter- 
brechen den Thalgang des Stromes zwischen hier und der Missourimün- 
dung, ohne indessen einen erheblichen Einfluss auf seinen Werth als 
Wasserstrasse zu üben und ohne irgend eine landschaftliche oder sogar 
geologische Grenze in der Art der Fälle von St. Anthony zu markiren. 
Den landschaftlichen Charakter dieser ganzen Strecke bestimmen am 
meisten die zahlreichen Inseln, auch hier noch in grosser Ausdehnung 
bewaldet, welche sich in das Bett des Stromes drängen und denselben 



Diese Träne ist durchschnittlich 3 M. breit und wird begrenzt von Zügen 
dürren Sandes, deren Erhebung massig ist und die mit Gelbfohren bestanden 
sind. Der Fluss bespült bald die Düne der einen, bald die der anderen Seite 
und fliesst bald in der Mitte zwischen beiden. Seine Windungen halten nicht 
ihres Gleichen. Wir bewegen uns in Einer Stunde nach allen Linien der Wind- 
rose und glauben, uns durch ein endloses Labyrinth zu winden, ohne unserem 
Ziele näher zu kommen. Wenn wir in unseren Cauoes sassen , konnten wir 
uns in einem ungeheueren Röhricht verloren glauben." 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. IM 

zu zahlreichen Abzweigungen, Slmtghs, zwingen, die indessen in dem mitten 
durch in der Durchschnittshrcite von V« Kil. ziehenden Hauptkanal 
nirgends mehr vollständige Schwellen bilden. 

Die grösseren Zuflüsse des Oberen Mississippi kommen rechts von 
NO., links von NW. Unter den rechten Zuflüssen folgen die grösseren 
in folgender Reihe: Minnesota oder St. Peters R., .Iowa, Des Moi- 
nes; unter den Linken : St. Croix, Chippewa, Wisconsin, Rock und 
Illinois R. 

Die Quelle des Minnesota oder St. Peters R. liegt am Nordrandc 
des Coteau des Prairies bei 578 m., nahe bei den Quellen einiger süd- 
lichen Red R. -Zuflüsse, so dass sich der Minnesota mit dem Gebiete dieses 
zur Hudsonsbai gehenden Flusses nicht minder innig berührt als der Obere 
Mississippi selbst, für welchen jener möglicherweise in früheren Epochen der 
Erdgeschichte eine grössere Bedeutung gehabt haben kann, als ihm heute zu- 
kommt. Die ungewöhnliche, in cur keinem VerhAltniss zu seinem Wasser- 
reichthum stehende Breite des Minnesotathaies, und zwar nicht blos in sei- 
nem unteren, sondern auch in seinem oberen Theile bis hinauf zum Lake 
Travers, seinem Quellsee, hat schon früher die Aufmerksamkeit der 
amerikanischen Geologen erreut; auch die massenhaften Geröllablage- 
rungen dieses Thaies, die sich bis zum Lake Travers und Lake Winnipeg 
* fortsetzen, stimmen nicht zu der verhältnissmässig geringen Bedeutung, 
welche heute der Minnesota unter den Flüssen des Mississippigebietes 
beansprucht. Major Warren hat neuerdings die Ansicht aufgestellt, dass 
der Minnesota früher den Winnipepsee zum Quellsee gehabt und dessen 
Wasser zum Mississippi geführt habe. Eine Niveauveränderung um wenig 
mehr als 100 m. richtete die Schranke auf. welche heute als Wasser- 
scheide den Lake Winnipeg vom Lake Travers trennt und des ersteren 
Wasser zur Hudsons-Bai abfliessen lässt 

Durch die scenartigon Ausbreitungen Bigstone Lake und Qui Parle Lake 
und über die Stromschnelle der Pattersons Rapids fliesst der Min- 
nesota dem Mississippi zu, in den er nach einem Laufe von circa 
6*5 Kil. hart unterhalb von St. Anthony Falls als bedeutendster 
Zufluss mündet. Der Jowa, der aus dem Red Cedar R. und Clear 
Creek zusammenfliesst , mündet von derselben Seite fast 700 Kil. weiter 
unten, und in dieser ganzen Länge mündet kein einziges grösseres, wohl 
aber zahlreiche kleinere Gewässer. 125 Kil. weiter abwärts mündet 
wiederum von derselben Seite der zweitgrösste Zufluss des Oberen Missi- 
sippi, der Des Moines, nach 645 Kil. langem Lauf. Derselbe hat an 
der Mündung 135 m. Breite, aber wenige Kil. oberhalb derselben erschwert 



1) G. K. Warren. An Essay emic. important Physical Features etc. 
VV'ash. 1H75. 



Digitized by Google 



170 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



eine 15 Kil. lange Stromschnellenstrecke die Schifffabrt bei jedem anderem 
als hohem Wasser. St. C roix R., der oberste von den grösseren linksseitigen 
Zuflüssen mündet KM H» Kil. oberhalb der Vereinigung des Oberen Mississippi 
mit dem Missouri und hat 27(1 KU. Lauflämie. Seine Quellen liegen in 
kleineren Seen der Seenplatte südlich vom Südwestende des Oberen 
Sees bei 21*0 m. Meereshöhe, und diese selbe Lage auf der Seenplatte 
und in ähnlicher Höhe ist charakteristisch für die Quellgebiete aller übrigen 
linksseitigen Zuflüsse. Chippewa R. mündet nach 265 Kil. Lauflänge 
030 Kil. oberhalb der Missourimündung. Wisconsin R. folgt 210 Kil. 
weiter abwärts mit 530 Kil. Lautlänge, dann kommt der kleinere Rock 
R. mit 390 Kil. und der Illinois, der schiffbarste aller Zuflüsse des 
Oberen Mississippi, derjenige zugleich, dessen Quellen dem Michigansee 
am meisten genähert sind, und der eben desshalb die grösste Bedeutung 
als Verbindungsglied zwischen Mississippi-Region und Region des nord- 
atlantischen Beckens, spec. des St. Lorenzgolfes gewinnt. Der Illinois mündet 
nach einem nordöstlich-südwestlichen Lauf von 63."» Kil. 38 Kil. oberhalb 
der Missourimünduug. •/« seiner Länge können fast zu jeder Jahreszeit 
von Booten mit 0,9 m. Tiefgang befahren werden. 

Das mittlere Gefäll des Oberen Mississippi ist bei einem Laufe von 
2130 Kil. von den Quellen bis zur Missourimündung 0,6 m. per Kil. und 
vertheilt sich folgendermassen auf die einzelnen Theilstreckeo : 





Entfernung 


Meereshöhe 


Gefall 




. 2130 


Kil. 


514 m. 


— m. 




. 2120 


n 


484,5 „ 


5.38 „ 






•• 


44« - 


0,40 „ 






- 


431 „ 


0,36 „ 


Mündung «los Leech R 


. 1775 




417 „ 


0,17 .. 


Oberende der Peckagama Falls . . 


. 1790 


* 


412 - 


0,1<» „ 






M 


397 „ 


' 0,22 „ 


Mündung des Sandy Lake R. . . . 


. 1535 


V 


385,5 r 


0.29 ^ 






*« 


362 d 


0,24 „ 




. 1305 


1* 


348 „ 


0,29 „ 






V 


206 „ 


0,90, 




. 822 


n 


196,5 - 


0,06 „ 






0 


184,5 „ 


0.19 d 


Oberende der Rock Island Rapid« . 


. 496 




155 „ 


0,20 „ 




. 472 




148 d 


0,45 n 








117 „ 


0,10 „ 



Diese Zahlen beziehen sich auf den Niederwasserstand, dessen mitt-. 
lerer Unterschied von Hochwasserstand ungefähr 6,5 m. bei Sandy Lake 
R. und St. Raul, 3 — 4 m. bei La Crosse, ungefähr 5 m. bei Rock Island 
und 11 m. an der Mündung des Missouri beträgt. Dass diese Unter- 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



171 



schiede verhältnissmässig gering und diess besonders im Vergleich zum 
Ohio und den anderen Zuflüssen sind, liegt vorzüglich an der flachen 
Beschaffenheit des Beckens dieses Stromsystems, an seinem grossen Scen- 
reichthum, den breiten Flussbetten, dem allmählichen Uebergang der 
Jahreszeiten in einander und endlich in dem vergleichsweise trockenem 
Klima des höheren Theiles dieses Beckens, dessen mittlere Regenmenge 
auf 95 mm. geschätzt werden kann. Die aus dem Oberen Mississippi 
sich ergiessende Wassermasse wird auf 106,000 engl. Cubikfuss per 
Sekunde angegeben. Das Wasser des Oberen Mississippi ist von dem 
des Missouri unterschieden durch eine viel grössere Klarheit, welche seiner 
Herkunft aus vorwiegend felsigen Kegionen entspricht. 

Durch den Zusammenfluss des Missouri und des Oberen Mississippi ent- 
steht der mächtig Mutende, trübe, wasserreiche Flachlandstrom des Un- 
teren Mississippi, der nach vielgewundenem, vorwiegend nordsüd- 
lichen, im oberen Theile leicht nach Osten und im unteren nach 
Westen ausgebogenem Lauf unter 29° N. B. in den Xordrand des Golfes 
von Mexico mündet. Sein Bette ist entsprechend der Bodengestalt des- 
jenigen Theiles des Inneren von Nordamerika, den er hier durchflicsst, 
ein vorwiegend rlachuferiges und nur in dem Abschnitt zwischen dem Zu- 
sammenfluss der beiden grossen Hauptarme des Stromes und der Ohio- 
Mündung treten Felsyesteine in seine Zusammensetzung ein, die jedoch 
sowohl am rechten, als am linken Ufer von beträchtlichen Tieflandstreifen 
unterbrochen werden. Von der Ohio-Mündung an fliesst der Strom vor- 
wiegend in seinem eigenen Alluvial^ebiet und tritt nur auf einige kleinere 
Strecken näher an die Stufen heran, die über die flachen und niederen 
Alluvialschichten sich zu den höher gelegenen Kegionen des Ostens und 
Westens erheben, wobei, entsprechend der Thatsache, dass die Stufen nach 
Osten, gegen die Alleghanies zu, rascher ansteigen als nach Westen, der 
Fluss an seinem östlichen oder linken Ufer ihnen häutiger begegnet, als 
am westlichen oder rechten. Die geologische Zusammensetzung dieser 
Bluffs ist bereits oben beschrieben (S. 136), ebenso die Beziehungen der 
an der linken Seite auftretenden zu dem Abfall der Allcjihany-Uebirge 
(S. 63). Am linken Ufer sind von ihnen besonders nennenswerth die 
60 m. hohen Columbus Bluffs hart unterhalb der Ohio-Mündung in Ken- 
tucky, die Chickasaw Bluffs in Tennessec. die Bluffs bei Vicksburg 
(90 m.), Natchez, Port Hudson, Baton Rouge (50 in.); zwischen diesen 
Punkten hat der Mississippi auf einer Strecke von 400 Kil. fast 
beständig die linksuferige Terrasse zum Ufer. Auf der rechten Seite 
treten nur bei New Madrid (Missouri) und Helena (Arkansas) höhere 
Terrassen in nenneuswerther Ausdehnung in die Uferbildung ein. Der 
Bluff am letzteren Orte ist eine Verlängerung von ( rowley's Ridge. dem 
Höhenzug, der die Wasser>cheidc zwischen St. Francis und White K. bildet. 



Digitized by Google 



172 



IV. Strome, Flusse und Seen. 



Zwischen diesen Ufern ist das constante Bett des Stromes am brei- 
testen in der Nähe der Ohio-Mündung, wo es lRto m. Durchmesser er- 
reicht; bei Natchea ist die Breite auf L300, bei Baton Rouge auf '.Mio 
und zwischen CaroUton und der Delta-Gabelung auf 750 m. gesunken. 
Der mittlere Querschnitt der Wassermasse bei Hochwasser ist IS — 20,0» 
□ in. und die Wassermasse, die sich in der Sekunde ermesst, wird auf 
li»,:{00 Kubikmeter angegeben. Die Mündung des Missouri liegt 127 m. 
über der Meeresflache, und das mittlere Gefall de* Unteren Mississippi 
beträgt daher nicht mehr als 0,<X*> rn. pr. KU. Dasselbe nimmt von der Mis- 
souri-Mündung bis zum (iolf ab, und zwar ist unterhalb Natchez das Gefälle 
durchschnittlich die Hälfte und unterhalb CaroUton ein Viertel des- 
jenigen, welches man oberhalb Memphis beobachtet. 

Beträchtlich ist nun noch der Antheil, den an der beständig fort- 
gehenden und im Ganzen gleichmässigen Zufuhr dieser grossartigen Wasser- 
massen die Zuflüsse nehmen, welche unterhalb der Vereinigung des Mis- 
souri und Mississippi sich in den Hauptstrom ergiessen. Der grösste der- 
selbe, der Ohio, ist sogar als einer der Hauptarme zu betrachten, denn 
nicht bloss bringt er die grösste Wassermasse, sondern er ist es auch, 
durch den die sehr wichtige Ausdehnung des Mississippi - Gebietes nach 
Osten zu in die AUeghany-Region Statt hat. Der Ohio ist in der Thal 
ein nicht weniger wichtiges Glied dieses Strom-Systems, als es der 
Obere Mississippi ist. 

Der Ohio hat seine Hauptquellen im Alleghany-Gebirge , und es 
folgt daraus, dass er den östlichen, genauer gesagt, den nordöstlichen 
Theü des Mississippi-Stromsystemes bildet. Der Alleghany aus den 
pennsylvanischen und der Monongahela aus den virginischen AUegha- 
nies vereinigen sich bei Pittsburg (215 m. über dem Meere) zu einein 
350 toij m. breiten Flusse, der von hier an unter den Namen 
Ohio in wesentlich südöstlicher Richtung zum Mississippi Hiesst. Aus- 
ser den AUeghauy-Zuflüssen , die den grössten Theil seiner Wasser 
bringen, empfängt er allen südlichen Ahfluss der Seenplatte, die sein 
Gebiet im Norden begrenzt, von der Ostspitze des Erie-Sees bis zur 
Südspitze des Michigan-Sees. Dort bezeichnet die Wasserscheide zwischen 
Alleghany und Susquehanua die östliche, hier die zwischen Wabash und 
Illinois (mit Kaskaskia) die westliche Grenze des Ohio-Gebietes, während es 
im Süden die Cumberland Mts.. jener südwestliche Theil der Alleghanies 
sind, welche dasselbe von dem Quellgebiet des Alabama scheiden. Das 
Areal, das also im Norden die Seenplatte, im Osten das Alleghany-Ge- 
birge, im Süden die südwestlichen Ausläuter dieses und den Abfall zum 
Golf-Tiefland, im Westen das Mississippithal im engeren Sinn zu Grenzen 
hat, umfasst 5.')0,000 u KU., und der Ohio durcliHiesst es in einer Länge 
von gegen 2100 M., wovon 1570 seinem schiffbaren Laute von der Ver- 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



173 



cinipunp des Monongahela und Alleghany bis zum Mississippi angehören. 
Bis zu diesem Vereinigungspunkt ist sein Fall in den ersten 80 Kil. 1,8, 
in den nächsten HO 1,3, in den folgenden 110 0,9, in den letzten 4f> 
endlieh 0,6 m. Von hier an ist die Strömung des Ohio eine gleichmäs- 
si«e, sanfte, die nur bei Louisville in den Falls of the Ohio durch eine 
Reihe von Stromschnellen unterbrochen ist, welche ihn 6,1 m. in 5 Kil. 
durchmessen lassen, die aber an allen übrigen Punkten 0,12 m. per Kil. 
nicht überschreitet. Der gewöhnliche Spielraum zwischen Hoch- und 
Niederwasser ist 8 m., aber zwischen den Kxtremen beider betragt der 
Unterschied 13,4 m. Die Breite des Ohio ist im oberen Drittel (von 
Pittsburg au gerechnet) 300, an der Mündung 750 m. Durch Hochwasser 
nimmt dieselbe ungefähr um V* zu. Die geringsten Tiefen über den 
Hanken gehen bei Niederwasser im obersten, seichtesten Drittel des Flusses 
bis 0,3 m. herab, und die Schifffahrt ist daher in den Monaten niedersten 
Wasserstandes (August bis October einschl.) nur mit kleinen, ganz riachen 
Fahrzeugen möglich. Die Wassermassen, die der Ohio jahrlich in den Missis- 
sippi ergiesst, berechnet man auf derer, die dieser ins Meer führt. 

Der wichstigste Nebenfluss des Ohio ist der Tenncssce, der seine 
Quellen, 5 Ilreitegrade von denen des Ohio in südöstlicher Richtung ent- 
legen, in den Alleghanies hat. Clinch R., Holsten R., Nolleckucky R., 
French Hroad R. und Little Tennessee, die alle ihre Quellen zwischen 
dem 37. und 35.° N. B. haben, treten zum Tennessee zusammen, 
der in einem grossen nach Süden gerichteten Bogen unter Aufnahme 
des Hiawassee von der Linken und des Elk R. und Duck R. von 
der Rechten dem Ohio zufliesst und nahe dessen Mündung sich in ihn 
ergiesst. Gewöhnlich wird der mittlere Quellann, Holsten R., als der 
eigentlirhe Qucllarm des Mississippi angesehen ; ihn verdoppelt erst der 
French Broad R., dann der Clinch R., worauf er einen Fluss von unge- 
fähr 360 m. Breite bildet, als solcher mit der Schnelligkeit von 0,8 m. 
per KU. über die 36 M. langen, flachen Stromschnellen der sog. Muscle 
Shoals fliesst und nach ruhigem Lauf (zwischen Chattanooga und der 
Mündung 0,11 m. per Kil.) in 87,1 m. Meereshöhe in den Ohio mündet. 

Cumberland R. ist der zweit bedeutendste Zufluss des Ohio und hat 
gleich ihm und dem Tennessee seine Quellen in den Alleghanies und 
zwar in dem mittleren westlichen Abschnitt derselben, welcher Cumber- 
land Mts. genannt wird. Dieses Quellgebiet liegt also zwischen den» Ten- 
nessee und dem mittleren Ohio, nordwestlich von «lern ersteren und süd- 
lich von diesem. Sein Lauf bildet mit dem des Tennessee einen con- 
centrischen Bogen. Der Fall dieses Flusses nach der Ebene ist be- 
deutend und lasst ihn nicht zu der breiten Entwickelung kommen wie 
den Tennessce, hinter dem er allerdinps auch in Länge und Wasser- 
masse zurücksteht. Er ist nur 590, jeuer dagegen 960 KU. schiffbar. 



Digitized by Google 



174 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



Er hat im oberen Lauf einen Fall, wo er 17 m. über Conplomcratpestein 
herabstürzt. Tiefer unten peht er über die Stromschnellen von Smith's 
Shoals IG m. in 9 Kil. und hat aber von Nashville abwärts nicht mehr 
über 0,1 m. per Kil. Gefäll. 

Der Wabash, der prösste der rechtsseitipen Zuflüsse des Ohio, ist 
dem Cumberland an Grösse zu verpleichen. Er hat seine Quellen ziem- 
lich in der Mitte zwischen Erie- und Michipansee und wenip südlich von 
einer Linie, die die Südränder der beiden verbindet. Dem Hauptquell- 
ann fliessen im Quellpebiet Eel, Salamonie und Mississinewa Et, zu, dann 
kommen im weiteren Lauf von der Hechten Tippecanoe, Embarras und 
Little Wabash R. und von der Linken die kleineren Zuflüsse Kock, Ra- 
coon und Patoka und der bedeutendste von allen White Ii., der mit sei- 
nen beiden Armen West Fork und Fast Fork nicht weit hinter dem 
Wabash selbst zurücksteht. Wabash R. ist ca. 570 Kil. schiffbar; er hat 
auf dieser Strecke nur ca. 0,6 m. per Kil. Gefäll. Green R. und Ken- 
tucky R. sind Zuflüsse, die aus den Allephany-Vorbcrpen (spec. den 
nördlichen und westlichen Theilen der Cumberland-Kette im Staate Ken- 
tucky) kommen. Der perinpe Fall, der beiden hoch hinauf eipen ist, beim 
Green R. 0,18 m. per Kil. in den letzten 285 Kil., beim Kentucky 0,51 
per Kil. insgesammt, beweist, dass sie zu den eipentliehcn Gebirpszuflüssen 
nicht mehr pehören, und sie sind eben desshalb in beträchtlicher Strecke 
ihres Unterlaufes schiffbar. 

Von weiteren nennenswerthen Zuflüssen erhält der Ohio auf seiner 
rechten Seite, also vorzüplich von Norden, Miami mit White Rh Little 
Miami, Scioto, Hocking, Muskingum, ShenanpoR.. auf seiner 
linken oder südlichen Salt R., zwischen Green und Kentucky, weiter 
oben Lickinp (pepenüber den beiden Miami's mündend). Sandy, 
Guyandotte, Great Kanawha und Little Kanawha R. 

Der nächste prössere Zufluss des Mississippi ist der S. Francis R., 
dessen Quellen in den letzten Nordost ausläufern der Ozark Mts. liepen, und 
dessen Flusspebiet von dem des Arkansas durch leichte Höhenzüpe getrennt 
ist , welche vom Cap Giraudeau (Missouri) bis Helena (Arkansas) als Sehne 
der Ostbiegung des Mississippi sich erstrecken. In einer mit dem Missis- 
sippi wesentlich parallellen Richtunp fliesst er in dem Theil des Mississippi- 
Tieflandes, den man S. Francis Bottom nennt, südwärts und hat bei 
610 Kil. Länge in den letzten 360 Kil. seines Laufes nicht mehr als 
0,03 — 0,2 m. per Kil. Gefäll. Von den 27,000 □ Kil. seines Stromgebietes 
pehören 16,0<>o dem Ueberschwemmunpspebiet des Mississippi an, so dass 
der prösste Theil des Flusses eigentlich mehr wie ein Nebenarm oder ein 
Altwasser desselben als wie ein selbständip fliessendes Gewässer erscheint. 
In der That steht er schon vor seiner eipentlichen Mündunp durch 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



175 



eine Reihe von kleineren Auslassen mit den Randseen des Mississippi 
und damit mit diesem selbst in Verbindung. Er ist schiffbar 130 Kil. 
seines Unterlaufes und der durchschnittliche Wassererguss per Sekunde 
betragt 8<X) Cubikmcter. 

Der nächstfolgende, von Westen kommenden Zufluss, der Arkansas, 
zeigt in Erstrcckung und Verlauf eine Aehnlichkeit mit dem Missouri, welche 
nicht oberflächlich ist. Man kann diesen grössten westlichen Zufluss des mitt- 
leren Mississippi mit einem Abschnitte des Missourisystems vergleichen, wel- 
cher gebildet würde durch den Platte R. und denjenigen Theil des Missouri, 
welcher unterhalb der Platte-Mündung (also ungefähr unterhalb Omaha) 
fliesst. Dieses südliche und untere Stück des Missouri-Stromsystems bietet 
einen so merkwürdigen Parallelismus mit dem des Arkansas, wie er selten 
vorkommen dürfte. North Platte und der Obere Arkansas, der Kansas und 
der Canadian, der Untere Missouri und der Untere Arkansas scheinen 
dieselben Gewässer, nur um 4 Breitegrade verrückt. Die Aehnlichkeit 
erstreckt sich auf die Lage der Quellen und Mündungen, auf die allge- 
meinen Verhältnisse des Gefälls, auf Grosse, Veränderlichkeit und Be- 
schaffenheit der Wassermassen. Wir haben hier offenbar nicht bloss zwei 
Kanalsystemc, die zwei Hälften eines und desselben Gebietes entwässern, 
sondern die auch selber durch Gebiete sehr ähnlicher Boden- und Klima- 
beschaflfenheit gelegt sind. Man erkennt unschwer hierin einen weiteren 
Beweis für das Vorwalten gleichartiger Bedingungen über weite Strecken 
hin, das dem ganzen Westen der Ver. Staaten einen so ausgeprägten Zug 
von Einförmigkeit, aber allerdings von contincntal-grossartiger Einförmig- 
keit aufprägt. Die Quellen des Arkansas liegen im Felsengebirg Colorado'*, in 
den Bergen, die den Westrand des South Park bilden (Sawatch Mts.). Bei 
39° N.B. und 100 W.L. und in ca. 3000 m. Meereshöhe entspringend und 
sofort fast gerade östlich fliessend, nimmt der junpe Strom den nächsten Weg, 
um das Gebirge zu verlassen, so dass er in den ersten 240 Kil. seines Laufes 
schon auf die Hälfte der Höhe seiner Quellen herabgestiegen ist. Bei so 
raschem Lauf und der Bodenbeschaffenheit dieses Gebietes, die wir 
kennen, versteht es sich von selbst, dass dieser obere Abschnitt des 
Arkansas ein Cafionfluss ist, und zwar ist sein Canon einer der engsten 
und wildesten dieser von schluchtenhaften Thälern tief zerklüfteten 
Region. Er hat beim Anstritt aus dem Gebirge eine Breite von ca. 
6«) m. und 1— IV» m. Tiefe. Doch bewahrt er nicht lang die Klarheit 
und Raschheit des Gebirgsflusses. Schon ca. 50 Kil. unterhalb seines 
Austrittes aus dem Gebirge wird er trüb, und die Salzsteppen, die er 
durchttiesst, führen ihm brackisches Wasser zu. Er wird so seicht , dass 
er jenseits des 104. Längengrads, wo er die Hügelregion der Plains verlässt, 
um in die flacheren Theile derselben einzutreten, überall durchschreitbar 
ist ohne andere Schwierigkeit als die der Flugsandbänke. Seine Durch- 



Digitized by Google 



176 



IV. Ströme. Flüsse und Se«n. 



schnittstiefe in den l'lains erreicht nicht 1 in. Sein Thalgrund erbebt sich 
selten mehr als wenige Fuss Oher sein Niveau und seine Breite ist durch- 
schnittlich 140 M.. erhebt sich aber stellenweise durch Windungen. Zertheil- 
ungen und Inselhildungen auf das Zehnfache. Seine sog. Hottom Lands, die 
tiefsten Theile des Thalgrunds, ein oasenhaft mit Gras und manchmal auch 
Baumen bewachsener Strich, sind 1 — 5 Kil. breit. Der Eintritt des Omarron 
erzeugt eine Röthung des bis dahin blassgraucn Flusswassers und eine Ver- 
mehrung der festen schlammigen Bestandttheile in demselben. Die Farbe ist 
jetzt „ein Roth, das nicht viel verschieden ist von dem des menschlichen Ar- 
terienblutes, und durch Absatzbildung erhalten die Ufer und Hanke die gleiche 
Farbe" '). Nicht weit von hier beginnt die fruchtbare Region, und die 
letzten 1027 Kil. vor der Mündung des Verdigris R. abwärts sind bei 
hohem Wasserstand schiffbar, bei einer Breite, die zwischen 300 und 
600 m. schwankt, und einer Minimaltiefe von nicht unter 0,3 m. zwischen 
Verdigris-Mündung und Little Rock und von 0,(1—0.8 m. von Little Rock 
abwärts. Der Arkansas hat drei Hochwasser, deren grösstes das sommer- 
liche, welches von der Schneeschmelze des Hochgebirges verursacht wird 
und von Mai bis Juli dauert , wahrend ein kürzeres von 2 Wochen im 
Februar in Folge der Winterregen im unteren Lauf und ein drittes, 
ebenso kurz dauerndes im November als Folge der nerbstregen im unteren 
Laufe eintritt. 

Nur zwei Nebenflüsse des Arkansas erlangen eine grössere Bedeutung: 
Canadian R.. der im mittleren und White R., der im untereu Laufe 
einmündet. Der Canadian R. hat seine Quellen im südöstlichen Theile 
der Felsengebirge, wo er im Raton-Pass bei ca. 1800 m. Meereshöhe ent- 
springt. Von allen grossen Flüssen des Ver. Staaten-Gebietes ist er es, 
der das dürrste Land durchtliesst , und es gilt dieses vorzüglich von 
seinem Hauptarm, der South Fork oder Gualpa R. genannt wird; einen 
grossen Theil des Jahres hat derselbe auf weite Strecken seines Bettes 
kein fliessendes Wasser, und ■/« der Wassermasse, die er dem Arkansas 
zuführt, bringt ihm sein nördlicher HauptzuHuss North Fork. Nur die 
letzten 300 Kil. des Laufes dieses Flusses sind durchaus von fruchtbaren 
und bewaldeten llottom Lands einpefasst; weiter oben überwiegt der dürre 
Sand je weiter man nach Westen geht, und westlich von üü.° W. L. halt 
das Wasser selbst wechselnde Mengen von Kochsalz und Bittersalz in 
Lösung, die in manchen Fallen dasselbe zu salzig oder zu bitter für den 
taglichen Gebrauch machen. Salzausblühungen sind in seinen Umgeb- 
ungen häutig-'). 

1) Capt. Bell in Long, Exp. to the Rocky Mts. 1823. II. 172. Der Cimar- 
ron heisht wegen dieser Eigenschaft in seinem unteren Laufe Red Fork. 

2) Major Longa, a. O. II. 72. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



177 



Ganz anders ist White K , der unterste ZuHuss des Arkansas, be- 
schaffen. Kr hat seine Quellen in ungefähr .'M> m. Meereshöhe in den 
Ozark Mts., die von SW. her sich in den Winkel zwischen Missouri 
und Unteren Mississippi einschieben und einen grossen Theil der Staaten 
Arkansas und Missouri mit ihren selten über tXK) m. hohen Hügeln erfüllen, 
durchmesst dann von etwa 5»JO KU. oberhalb der Mündung an einen 
breiten Strich rolhmleUr JSärir und tritt ungefähr 110 Kil. von der 
Mündung entfernt in die sumpfigen Niederungen des Mississippi ein, 
welche häufig von seinen Ucbcrschwemmungen zu leiden haben. Seine 
Wasser sind weisslich und trübe. Im Gebiet starker Winter- und Früh- 
lingsregen gelegen, hat er bedeutende Fluten zwischen .Januar und Juni, 
meist im Marz und April. Sein Fall ist im grössten Theile seines Laufes 
gering — 0,03 m. per Kil. in den unterhalb der Mündung des Black R. 
gelegenen 5G<> Kil. 

Von kleineren Nebenflüssen sind folgende zu nennen: Zum Oberen 
Arkansas gehen Huerfau o (r), Purgatory (r), Two Butte (r), Wal- 
nut (1), G ood (r), Shawocospah (r), Little Arkansas (r), Cimar- 
ron ir), Verdigris mit Neos ho, Spring und Klk R. (1); zur North 
Fork: Middle R.; zur South Fork: Moro, Canada Secco, Alamo 
und Mustang (reck; zum White R.: Black, Current, Cache, 
Buffalo und Little Red R. 

Ein Hottomfluss, der ganz die Verhältnisse des Francis R. wieder- 
holt, ist der Yazoo H., der kurz oberhalb Vicksburg einmündet. Sein 
Stromgebiet von ;J5,UU) Q Kil. liegt vollständig am linken Thalgehäng und 
über die Hälfte desselben fällt in das linksuferige Ansehwemmungsgebiet 
des Mississippi und ist wegen häufiger Verflechtungen mit den direkten 
Zuflüssen des letzeren schwer von ihm zu trennen. Jedenfalls fällt bei 
grossen Ueberschwemmungen ein grosser Theil seines unteren und mitt- 
leren Laufes mit dem Mississippi zusammen, der dann gerade in dieser 
Region seine Ufer weit landeinwärts sucht '). Die Quellen des Yazoo liegen 
nicht mehr als ra. über seiner Mündung und er durchläuft zwischen 
den beiden Tunkten eine Strecke von x<Hi Kil., so dass also durchschnitt- 
lich nicht mehr als (>,ul m. Gefäll auf den Kilometer kommen. Seine 
äusserste Quelle liegt im Horn Lake, einem kleinen See der Bluffregion 



]) Gegen geringere Ueberschwenimnngen des Mississippi bietet indessen 
gerade seine Verbindung mit dem nahezu parallel mit ihm Hiessendeu Yazoo 
einem Theile des l'eberschwemmungsgebietes wirksamen Schutz, indem dieselbe 
einen rascheren Ablauf des Wassers ermöglicht Nach Huiuphreys and Abbot 
(a. a. O. S. KJ) haben ausserdem die alljährlich bei Hochwasser eindringenden 
Gewässer des Mississippi durch Schlammabsätze die Ufer der aus dem Missis- 
sippiRiimpf nach dem Yazoo abdiessenden Bache erhöht und damit ein nicht un- 
wirksames System natürlicher Dämme geschaffen. 

Kalcl. Amerika. I. 12 



Digitized by Google 



178 



IV. Strom«', Flusse und Seen. 



von Memphis. Er führt den Namen Cold Water It., bis zur Einmünd- 
ung des Tal Iah atchee, von wo er dessen Namen bis zur Einmündung 
des Yallahusha tragt, der ihm endlich seinen gebräuchlichen Namen 
Yazoo zubringt. Sein Wasscrerguss per Sekunde wird auf 1230 Cubikm. 
berechnet und seine mittlere Breite in den unteren 380 Kil. seines Laufes, 
In denen er schiffbar ist, betragt 260 m. 

Indem einem rechtsuferigen Zuflüsse von ganz demselben Charakter 
wie der Yazoo sich ein weit aus Westen kommender Strom gesellt, ent- 
steht der Red It., der seinerseits, im Ganzen betrachtet, eine durch- 
gehende Achnlichkeit mit dem Arkansas zeigt, wie sie nur in einem so 
grossartig einförmig aufgebauten Gebiete wie dem des nordamerikanischen 
Westens möglich ist. Die Quellen des Red lt. liegen bei 8f» w W. L. in 
ca. 800 m. Meereshöhe. Er Hiesst bis zum 7*5. Längengrad ziemlich 
direkt östlich, fallt aber beim Eintritt in das Mississippi-Tiefland nach 
Südosten ab und hat desshalb seine Mündung um 4 Breitegrade süd- 
licher als seine Quellen. Sein Flussgebiet ist daher nur ein schmaler 
Streifen, der zwischen dem Gebiet der texanischen Flüsse und dem Ar- 
kansas von SU. nach NW. zieht. Aber dieser Streifen schliesst alle 
Variationen westamerikanischen Naturcharakters in kaum geringerer Voll- 
ständigkeit ein, als es das in so viel grösseren Verhältnissen sich aus- 
breitende Arkans.18- oder selbst das Missouri-Gebiet thut. Eine Salzsteppe 
wie die des Llano Estacado, ein erst dürres, dann fruchtbares Praricland, 
ein HQgclland voll Wühlern und Seen und endlich der sumptigste uud 
üppigste Abschnitt des Mississippi-Tieflandes, sind die Gebiete, die der 
Ued lt. mit seinem Flußgebiet von iMl\»hk) □Kil. bedeckt. Eine solche 
Zusanmiendrängung aller Contrastc, die die Westhälfte des nordamerika- 
nischen kontinentes bietet, ist übrigens nur möglich in Folge des unge- 
wöhnlichen Hervortretens der dürren Hochebencnregion des Inneren gegen 
Südosten, die gerade im Quellgebict dieses Flusses ihren Höhepunkt er- 
reicht, Auch in dem ungemeinen linterschied der Regenmenge, »lie an 
den Quellen .575 und an der Mündung h\'2b mm. betrügt, prägt sich diese 
Ztisammendrängung aus; bei der geringen Länge des Flusses (l'.MiO Kil.) 
kommt fast auf jeden Kilometer seines Laufes von der Quelle bis zur 
Mündung ein Millimeter Zunahme der Regenmenge. 

Die Thatsache, dass die Quelle des Red lt. am Ostabhang des Llano 
Estacado liegt, setzt ohne Weiteres die Existenz eines Canon voraus, 
durch den dieselbe ihren Weg nimmt, um aus dieser dürren Hochebene 
herauszukommen. Schon die Quelle selbst ist von 180—210 m. hohen 
Felswänden umgeben, die nur wenige Meter von einander abstehen, und 
die ersten 90 Kil. seines Laufes sind von ebensolchen Wanden eingefasst. 
So lange bleibt er innerhalb der Felsenwüste. Nach seinem Heraustreten 
ist er ein wasserarmer Fluss in sandigem Bette, das viel breiter ist als für 



Digitized by Google 



IV. Strome, Flüsse und Snm. 



17!» 



seine gewöhnliche Wassermasse nöthig scheint und das in der trockenen 
Jahreszeit stellenweise gänzlich wasserleer wird. Sein Wasser ist noch 2 U < Kil. 
von der Quelle salzig und wird erst trinkbar von dem Eintritt des Flusses 
in die Witchita Mts. an, aus denen der erste bedeutende ZuHuss, N. Fork, 
erhebliche Massen süssen Wassers in das Bette des Gypsiriisfen-Flussrs 
ergiesst. Diese Berge sind bewaldet und genügend bewässert, aber eine 
Waldregion anderer Art durchfliegst der Red. B. in den Cross-Tiinbirs, 
jenem merkwürdigen l((—. r »o Kil. breiten Strick bewaldeten Landes, der in 
der Gegend des 97. und «JH. Längengrade! vom Arkansas bis zum Brazos 
in südwestlieber Richtung sich ungefähr 650 Kil. weit hinzieht — eine 
parkartig offene, von Wiesen und Haiden unterbrochene Waldlandschaft, 
deren Bäume fast ausschliesslich die zwei düfreliebenden Eichenarten 
Post Oak und Black .lack sind. Oestlich von diesem Waldstreif mündet 
der sog. Falsche Washita, mit dem vereinigt der Bed B. in das 
Mississippi-Tiefland eintritt, wo die Bewaldung dann sofort eine so dichte, 
dass schon bei 648 Kil. oberhalb der Mündung durch herabgeschwemmte 
Baumstämme jenes berühmte Bed Ii. Haff, das Grosse Ftoss gebildet ist, 
das in einer Länge von 21 Kil. den Flussverkehr hemmt. Unterhalb 
dieser merkwürdigen Bank geht der Fluss nun ohne grösseres Ilindcrniss 
«lern Mississippi zu. Nur bei Alexandria geht er über zwei unbedeutende 
Stromschnellen weg, aber er wird von diesem Punkte ab, wo die Ufer- 
höhen zurücktreten, dem Verkehre sowohl als der gesummten Cultur «ler 
Umgebung nicht bloss zum Ilindcrniss, sondern öfters zu einer grossen 
Gefalir durch seine Ucberscbwcmmungen, welche beim Zusammentreffen 
von Hochwassern und Stauungen besonders im Mündungsgebiete grosse 
Dimensionen annehmen können. Im Ganzen ist er hier zwar schmäler 
als in dem Wüstengebiet (beim Heraustreten aus dem Llano Estacado 
820 m. gegen 270, die er an der Black B.-Mündung bei mindestens 10 
mal grösserem Wasserreichthum misst!). aber seine Tiefe verhält sich um- 
gekehrt wie seine Breite, denn sie übersteigt im Steppengebiet selbst bei 
Hochwasser kaum 2 in., während sie im Unterlauf das 8 fache erreicht. 
Soweit der Strom im Tiefland geht, ist er daher dauernd und bequem 
schiffbar, aber oberhalb Shreveport's ist die Schifffahrtszeit auf :) Monate 
beschränkt und selbst in diesen begegnet man Schwierigkeiten. Es ist 
begreiflich, dass bei der grösseren Kürze des Laufes und der allgemeinen 
geringeren Ausdehnung des Quellgebietes die Fluten rascher verlaufen 
und dicss vorzüglich bedingt es bei der Bolle, welche die Hochwasser in 
der Beschiffung dieser Art Flüsse spielen, dass der Bed R. weit weniger 
günstige Verkehrsverhältnisse bietet als z. B. der Arkansas. Das Unft 
trägt übrigens auch seinen Theil Schuld an diesem ungünstigen Zustande. 
Die Zeit des hoben Wasserstandes währt von Deeember bis Juni oder 
Juli. Das Wasser des Bed B. ist ähnlich dem des Arkansas röthlieh gc- 

12* 



Digitized by Google 



ISO 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



färbt und trüb; und diess ist der Grund seines Namens, an Stelle dessen 
übrigens das iudianisebe Keehcsqueono , wenigstens für den Oberlauf, 
auch noch gebräuchlich; er erhält diese Farbe beim Durchmessen der 
rothen Thonschiebten im Gebiete seines Oberlaufes. 

Von Zuflüssen des Red R. sind im Steppengebiet North Fork (\), 
Sonth Fork (r), Salt Fork (1), Pcasc R. (r); im Hügelland 
False Washita (1). Hig Witchita (r), Bluc (1), Clear Boggy(l), 
Mi d die Boggy (1), Littlo R. (1); im Unterlauf Sulphur Fork (r), 
Big Cypress (r), Saline Bayou (1), vorzüglich aber Washita oder 
Ouachitta (1) zu nennen. Der letztere ist überhaupt der bedeutendste 
Zufluss, den der Red R. empfängt, und Fourche au Cadeau, Li ttle Mis- 
souri. Saline und Bartholomew oder BarthelcmyR. sind Qucll- 
arroe desselben. Indem er bei seinem Kaufe nach S. noch einige, 
übrigens nicht sehr bedeutende Zuflüsse wie Bayou d'Arbonnc, 
Bayou Lutre und Boeuf Bayou aufnimmt, wird er zu einem be- 
deutenden Flusse, der im Unterlaufe den Namcu Black R. erhält und 
nach einem Lauf von 800 KU. in den Red R. hart oberhalb dessen 
Ausmündung in den Mississippi sich ergicsst. Die Höhe der entferntesten 
Quellen dieses Flusses, die in den östlichen Ozark Mts. gelegen sind, 
wird auf GSO m. angegebeu, aber sein Gefäll per Kil. erhebt sich in den 
letzten 450 Kil. seines Laufes nicht über 0,05 m., so dass er, abgesehen 
von seinem höheren Ursprung, in die Klasse der Bottom- oder ThalHüsse 
des Mississippi, des S. Francis, White und Yazoo R. zu stellen ist. Dem 
letzteren noch ähnlicher, ist Bayou Tcnsas, der in den untersten Ab- 
schnitt des Black R. mündet und dessen Ufer alljährlich vom Mississippi 
überflutet werden, so dass er im eigentlichsten Sinne weniger ein Zufluss 
als ein Nvbetifluss desselben zu nennen ist. Seine Quelle liegt nicht mehr 
als 1(5,5 m. über seiner Mündung um! er entfliesst einem der Nchcnwn 
des Mississippi (s. u.) wie der Yazoo. Sein Durchschnittsgefäll beträgt 
0,07 m. per Kil. 

Unterhalb des Reil R. ist oberhalb des Delta's kein selbständiger 
Zufluss des Mississippi auf der rechten Seite zu nennen, aber auf der 
linken finden sich zwischen Yazoo-Mündung und Delta einige selbständige 
kleinere Gewässer, von denen Big Black und Homo Chitto R. die 
bedeutendsten sind. 

Indem der Red R. einen Theil seines Wassers nicht in den Mis- 
sissippi, sondern in den parallel mit demselben nach dem Meere gehenden, 
jedoch auf diesem Wege mehrmals mit ihm durch Seitenzweige sich ver- 
bindenden Bayou Atchafalaya ergiesst, haben wir mit der Red R.-Mündung 
bereits die obere Grenze des Mississippi-Delta's') erreicht. 

1) Es ist nicht überflüssig, zu bemerken, dass die Amerikaner den Begriff 
Delta, gerade mit Bezug auf den Mississippi, häutig weiter fassen, als es peo- 



Digitized by Google 



H*. Strome, Flüsse und Seen. 



181 



Der Rayon Atrhafalaya kann vermöge dieser verflechtenden 
Seitencanäle bereits als eine Abzweigung des Unteren Mississippi betrachtet 
werden, wie sie für die Deltabildungen charakteristisch sind, doch keines- 
wegs ohne Weiteres als eine Gabelung des Stromes, was er allerdings 
auf den ersten Blick zu sein scheint und wofür er auch früher gewöhnlich 
gehalten wurde. In ahnlicher Weise zweigt am rechten Ufer Bayou 
Ibb er Tille unterhalb Baton Rouge ab, um einen Theil der Mississippi- 
Wasser nach den Seen von Maurepas, Pontchartrain und Borgnc zu 
ergiessen , die ihrerseits in den Golf abfliessen. Plaqucminc ist ein 
Bayou der linken Seite, der mit dem Atchafalaya sich verbindet. Ebenso 
zweigt auch Bayou Lafourche auf der Linken ab und geht direkt, 
zum Meere. Er ist die letzte nennenswerthe Abzweigung, nach welcher 
der Mississippi nun 300 Kil. bis zu seiner aussersten Mündungsgabel 
ungetheilt bleibt. Man muss die Geologie des Delta's kennen, um die 
Bedeutung dieser einzelnen Theile zu verstehen, die mit dem Mündungs- 
abschnitt des grossen Stromes verflochten erscheinen. 

Diese Bayous zeigen in ihren Ufern und Betten keine Spur von 
einstiger grösserer Breite oder von grösseren Wassermassen, die in ihnen 
sich bewegten. Dir Verlauf zeigt nur wenige und leichte Biegungen. 
Wirbel, Strömungen, Unterwaschungen sind in ihren Gewässern selten. Ihre 
Breite erhebt sich im Mittel nicht über 60 m., ihre durchschnittliche Tiefe 
nicht über 2 m. Die Geschwindigkeit ihres Fliessens schwankt zwischen 
0,28 und 1,15 m. per Sek. B. Atchafalaya empfangt im Jahresdurchschnitt 
1430, riaquemine 150, La Fourchc CO Cubikm. per Sekunde aus dem 
Mississippi. Sie sind also allem nach jedenfalls nicht als Mündungsarme 

graphisch herkömmlich ist So sagt Safford (Geol. of Tennessee 119): „Pas 
Mississippi-Delta, welches bloss die Fortsetzung der Plains nach dem Golf von 
Mexiko ist" und Iiailey: „Der Anfang der Anschwcmmungsebene oder des Delta's 
des Mississippi kann da gesetzt werden, wo noch Felsgestein in situ beide Ufer 
bildet, also etwa 7 M. oberhalb der Ohio-Mündung, bei dem Punkte, dfr als 77w 
Chain* bekannt ist." (Ebend. 11».) Aber die Autoritäten in Mississippifragen, 
Hnmphreys und Abbot (a. a. 0. 422), lassen das Delta da beginnen, wo der 
Mississippi den ersten Mündungsarm entsendet: „Dieser Punkt liegt am Ursprung 
des Bayou Atchafalaya. der daher als die Nordgrenze des Delta's angenommen 
wird, wiewohl wir nicht glauben, dass die Mündung des Stromes jemals an dieser 
Stelle lag." Diese Auffassung stimmt mit den Hegeln, welche man in der Ab- 
grenzung der Deltabildungen allgemein befolgt und die u. a. früher schon Lyell 
dieselben Grenzen ziehen liessen : „Oberhalb dieses Punktes (Abzweigung des Atcha- 
falaya) empfangt der Mississippi Nebenflüsse, unterhalb desselben gibt er selber 
welche ab, die in Form von zahlreichen Armen und Canälen seine Wasser dem 
Meere zuführen." (Second Visit to tbe U. S. II. In wieweit in diesen 

(irenzen das Mississippi-Delta homolog ist anderen grossen Flussdelta's, wird 
aus den weiterhin mitzutheilenden Angaben hervorgehen. 



Digitized by Google 



1H2 



IV. Strome. Flüsse und Seen. 



zu bezeichnen, da mir ein so unbedeutender Theil der Mississippi-Wasser 
in ihnen den Weg zum Meere findet; es entspricht dagegen allen That- 

— "V-n saclien » Aw wir kennen, am 

y I ff besten, wenn wir einfach 

\\n^r>\ Canüle in ihnen sehen, wie 

sie jedes Hache um! tief- 
gelegene, t'ebersehwemmun- 
gen ausgesetzte Land durch- 
ziehen, AbHfisxe der trä{ien 
Gewässer sumptifier Marsch- 
gegenden. Kin ganz anderes 
Bild gewährt jedoch Bayou 
La T e c h e . gleichfalls der 
linken Seite angehörend, der 
in den Grand Lake mündet. 
Kr Hiesst in einem alten 
Flussbette, das an der Aus- 
niündung 4<H) m. breit ist. 
während das heutige Bett 
des Bayou nicht über 180 m. 
misst. Das Bett ist in die 
unverkennbaren Schwemm- 
gebildc des Red IL einge- 
graben, die sich scharf von 
denen des Mississippi unter- 
scheiden, und die Richtung 
des Bayou unterstützt die An- 
nahme, dass man es hier mit 
einem alten Mündungsann 
des Red R., vielleicht mit 
dem ganzen früheren Unter- 
laufe desselben zu thun habe. 

Die geologischen Forsch- 
ungen über das Mississippi- 
Delta 1 ) schienen früher einen 
völlig anderen Bau erkennen 
zu lassen, als man auf 
Grund der Meinung ver- 

F%. 0. Oberer Tbeil des Mi««i,sip r i-l>eltas. 




1) S. Hinnplireys and Abbot a. a. O 432. Ch. Lyell, See. Visit to the 
F. S. 1855. II. Cap. XXXIV und Prinnples nf (ieolopv XI"- Ed. I. 4.% Hilgard 
in A. .1. S. 1871. I. L>:is, 35ti, 4*25. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



188 



muthet, dass das gesammte Mississippi-Delta eine allmählich durch den 
Strom ausgefüllte Vertiefung, eine einfache Zuschüttung sei. Es unter- 
lagen Damlich die gewöhnlichen Sand-, Kies- und Schlammbänke, die in 
jedem grösseren fliessenden Wasser gefunden werden, eine Schicht harten, 
blaugrauen Thones.'dic von der Ohio-Mündung bis /um Delta hinab nirgends 
im Strombett fehlt und im unteren Theile des Stromgebietes sogar über 
dem Wasserspiegel gefunden wird. Es ist ein Thon von feinem Korn, 
der wegen seiner grossen Zähigkeit und Dichte im feuchten Zustand sich 
schwer in Wasser löst und der keine Aehnlichkeit mit irgend einem der 
Absätze haben soll, welche der Mississippi beute bildet. Ob man aber 
daraus schliesscn darf, dass er überhaupt nicht zu den Alluvialbildungen 
des Mississippi gehöre, ist zweifelhaft, wiewohl nach Humphreys' und 
Abbot's Angabe derselbe blaue Thon unter den Eocünschichten der 
Vicksburg Muffs liegt und dem Mississippi-Bett nicht jener glatte, gleich- 
förmige Anschwemmungscbarakter eigen ist, welcher einem ausschliesslich 
durch Alluvion gebildeten Strombette zukommen sollte. Dieser blaugraue 
Thon erhebt sich zu Hügeln und Kämmen, die den Querschnitt des 
Mississippi-Bettes zu einem sehr unregelmässigen machen. Die Armut Ii 
an Fossileinschlüssen macht es unmöglich, denselben mit einer bestimmten 
geologischen Schicht zu parallclisircn ; doch ist es gewiss, dass von 
alttertiären oder gar Kreideschichten, die Humphreys und Abbot zu 
erkennen meinten, hier keine Hede sein kann. Soweit Fossileinschlüsse 
von bestimmbarer Beschaffenheit gefunden wurden, waren es Reste jetzt- 
lebender Golfmollusken, möglicherweise mit einigen plioeänen gemischt, 
aber man kann mit Sicherheit behaupten, dass diese Thone nicht älter 
sein können, als die jüngere Pliocänzeit. Ililgard setzt wenigstens die 
oberen Deltaschichten in die Zone seines Küsh'njtliociin , das von Lyell 
als Postpliocän bestimmt wird*). 

Welches indessen das Alter und der Ursprung dieser Thonmassen 
auch sein möge, so unterliegt es keinem Zweifel, dass dieselben eine sehr 
weite Verbreitung haben und dass sie vor allem die Grundlage des eigent- 
lichen Delta's bilden, die von anderen Anschwemmungen nur dünn verhüllt 
wird. Die oft citirten Ergebnisse der Bohrungen artesischer Brunnen im 
Deltagcbiet stellen die ausserordentliche Mächtigkeit dieses Gebildes 
ausser Frage. Eine der zuverlässigsten Untersuchungen dieser Art, die 
bis zu 178 m. vordrang 1 ), fand schon 0,G m. unter der Bodenoberfläche 
eine 5,7 m. mächtige Lage dieses Tbones, deren unterste Schiebt mit 
Pflanzenresten erfüllt war und von da an bis zu der genannten Tiefe 



1) Gh. Lyell, Principles. XF Ed. I. 456. 

2) 1854 in New Orleans ausgeführt und von Dr. Benedict beaufsichtigt und 
beschrieben. S. Iliimpbreys and Abbot a. a. 0. KU. Lyell, Principles. XI* Ed. I. 455. 



Digitized by Google 



18-1 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



wechsellagerten Thon- und Sandlager, jene bis zu 19,3, diese bis zu 
2«,8 m. machtig, und die Bohrung endigte in einem Thonlager von unbe- 
stimmter Mächtigkeit, das noch bis zu 9 m. angebohrt wurde. E. W. 
Ililgard') hat in dem blauen Thon, der bei derartigen Bohrungen in New 
Orleans zu Tage gefördert wurde, nicht weniger als 50 verschiedene 
Molluskenarten gefunden, wovon 40 bestimmbar waren, und von diesen 40 
leben 36 noch jetzt im Golf, wahrend 1 neu sind, ferner Corallen- und 
Rhizopodenreste. Pourtales fand Rhizopoden massenhaft in demselben Thon. 
Andere Bohrungen haben ahnliche Resultate hinsichtlich der Mächtigkeit des 
Mississippi-Alluviums im Delta gegeben und es ist wahrscheinlich noch zu 
niedrig gegriffen, wenn Ch. Lyell als Durchschnittstiefe des Delta's 170 m. 
annimmt. Wenn man erwägt, dass 20 Eil seewärts vom Südpass bereits 
»5 Faden Tiefe, 10 KU. weiter 114, und bei 50 Kil. Entfernung von dem- 
selben 152 Faden gemessen werden, so erscheint jene Durchschnittstiefe 
jedenfalls nicht zu hoch berechnet. Was aber das Material anbetrifft, das 
hier zusammengesehwemmt ist. so ist kein Zweifel, dass es in den tieferen 
Theilen der aussersten Delta- Abschnitte wesentlich von derselben Beschaffen- 
heit sein wird, wie in der oberen Deltaregion, auf die jene Bohrungen 
und Berechnungen sich beziehen, d. h. es sind überall Niederschlage aus dem 
Mississippi, nur modihVirt durch Berührung mit dem Seewasser des Golfes, 
an dessen Rande und in Berührung mit dem sie ursprünglich abgelagert 
wurden, Niederschlage von vorwiegend feinthoniger Beschaffenheit und 
Reste von See- und Brackwasserthieren umschliessend. 

Wenn sich so die Meinung hinfallig zu erweisen scheint, dass das Bette 
des Mississippi nicht in seine eigenen Schwemmprodukte, sondern in alt- 
tertiare oder Kreidesehichten gegraben sei, so wird auch von nebensäeh- 
licher Bedeutung der Frage, ob innerhalb dieses Alluviums das Mississippi- 
Bett grössere Veränderungen der Lage erfahren habe oder nicht. Dass die 
auf den ersten Blick nicht unwahrscheinliche und früher allgemein ange- 
nommene Meinung, es seien die grösseren Bayou's und vorzüglich B. 
Atchafalaya alte Mündungsarme des Mississippi, sich nicht bestätigt, wurde 
hervorgehoben. Warum aber dennoch nach der Seite dieser grösseren 
Bayou's zu, nach der rechten und westlichen Seite hin, die grösste Masse 
der Alluvien abgelagert worden ist, bleibt eine offene Frage. Die erst- 
genannten Mississippi-Forscher, Humphreys und Abbat, sind der Meinung, 
dass es vorzüglieh Strömungen an den Mündungen des Stromes seien, 
theils durch den Golfstrom, theils von Winden verursacht, welche das 



1) Fi. W. Ildgard in A. .1. S. 1871. I. 238. Die 4 neuen Mollnskenarten 
schienen mioeänem Typus am nächsten zu stehen, aber Conrad, dem sie zur 
Bestimmung vorlagen, wagte es nicht, ihr Nichtvertretensein in der so unvoll- 
kommen bekannten heutigen Golffanna als unzweifelhafte Thatsache festzustellen. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



185 



Sediment, das der Mississippi ins Meer herabführt, sich mehr nach der 
einen als der anderen Seite hin vertheilen lassen. 0. Peschel nimmt diese 
Meinung auf) und führt zu ihrer Unterstützung die auffallende Thatsache 
an, dass der Mississippi gerade da, wo seine Delta-Ausbreitung beginnt, 
eine plötzliche Ablenkung nach 0. erführt. Nahe liegt hier der Gedanke, 
dass man es in dieser Ablenkung mit einer Wirkung des Golfstromes zu 
thun habe, dessen Strömung man noch au den Passen verspürt und 
der gerade hier entschieden von W. nach 0. fliesst. Es wird durch 
diese Strömung das Wasser des ausmündenden Stromes nach 0. ab- 
geführt und in dem todten Winkel, der dadurch an der Westseite ent- 
steht, füllt die grösste Masse der Sedimente nieder und wird noch vermehrt 
durch die Schwemmstoffe der weiter westlich mündenden Küstenflüsse, die 
zwischen Küste und Golfstrom ostwärts abgelenkt werden, ferner durch 
die allerdings nicht sehr betrachtlichen Niederschläge, welche die Bayou's 
zuführen. Wir finden ahnliche Wirkungen mit ahnlichen Resultaten am 
Nil und an anderen Flussdelta's. Dass auch die regelmässig wehenden 
Winde dieser Region nicht ohne Einfluss auf die Gestalt des Delta's sind, 
sei es durch direkte Ablenkung, sei es durch Erhöhung oder Erniedrigung 
des Niveau's der Küste, ist nicht zu bezweifeln, aber wir kennen mit 
Ausnahme der allgemeinen Bemerkungen, welche Humphreysund Abbot über 
diesen Punkt machen*), keine Untersuchung über die Wirkungen dieser 
interessanten Faktoren, welche auch Peschel in seiner oben angeführten 
Untersuchung über „Die Deltabildungen der Ströme 44 ausser Acht lässt. 

Der südlichste und ausserstc Thcil des Delta's ist eine lange, 
schmale Landzunge, die HO Kil. weit in den Golf vorspringt ■) und au 
ihrem Ende sich in drei Aeste theilt, deren jeder 1 oder 2 Ausmündungs- 
canäle, Passe, in sich schliesst. Pass ä l'Outre, North Fast Pass, 
South Pass und South West Pass sind die Namen der grösseren 
von diesen facherartig auseinander strahlenden Mündungen, die übrigens 
nicht alle von gleicher Bedeutung für den Wasserabfluss des grossen 
Stromes sind. Unbedeutend sind einige Nebenmflndungen , die von jenen 
Hauptcanälcn sich abzweigen, wie South Fast Pass, Grand Bayou, 
North Pass. Der SW. Pass ist es, durch den gegenwartig die grösste 
Masse der Wasser des Mississippi sich ergiesst , wahrend allem Anschein 
nach iu früheren Zeiten verschiedene andere Mündungen in ähnlicher 
Weise Hauptmündungen waren. Nach Humphreys' und Abbot's Angabe 
entlässt derselbe 0,34 der Wassermasse des Mississippi, wahrend durch 



1) Neue Probleme der vergleichenden Erdkunde. 1.S7G. 134 

2) A. a. O 450. 

3) Von New Orleans bis zur Lotseenstatiou Balize am SW. Pass sind es 
170 Kil. zu Wasser und 135 in gerader Linie. 



Digitized by Google 



IST, IV. Ströme, Flüsse und Seen. 

•Ion Pass ä l'Outre 0,23, durch den North East Pass (»,22 und durch den 
South Pass 0,08 ausströmen. Der liest von 0,13 findet seinen Weg durch 
verschiedene Nebencanäle. Die mittleren Tiefen und Breiten sind für den 
South West Pass 17,8 und 410, für den North East Pass 11,3 und 8. r >o, 
für den Pass ä l'Outrc 11 und 115, für den South Pass 10,3 und 240 m. 
Die grösstc Tiefe findet sich im SW. Pass hei 21,5 in. Diese Mündungs- 
gabeln des Mississippi sind jederseits von einem 200 — 300 m. breiten 
Hachen, sumpfigen, ried- und weidenbewachsenen Landstreifen eingefasst. 
der nicht mehr als 1 m. Ober den Wasserspiegel hervorragt. An der 
Äusserst en Mündung besteht er nur noch aus einem Sandstreif, der durch 
zahlreiche ( anale in flache Eilande von unsicherem Bestände zertheilt 
erscheint. Die Wasserbreite innerhalb dieser Flachufer bleibt dieselbe 

bis etwa 12 KU. von der 
Mündung, wo sie anfängt 
sich unter gleichzeitiger Ver- 
ringerung der Tiefe zu erwei- 
tern; diese wird am gering- 
sten nach aussen von der 
Mündung, wo auf der liar 
die mittlere» Wasserhohe bis 
zu 3 1 /« m. herabgeht. 

Diese liars oder Bänke, 
die den Mündungen des 
Mississippi vorgelagert sind, 
sind von hoher praktischer 
Bedeutung, denn auf ihrem 
Anwachsen oder Zurückgehen 
beruht die grossere oder ge- 
ringere Wegsamkeit dieser 
Eingangst bore, welche zu der 
grössten natürlichen Ver- 
kehrsstrasse und einer der 
ersten Handelsstädte Nord- 
amerika^ führen. Sie be- 
stehen ans demselben zähen 
Schlamm, der überall die 
Ufer und das Bette des Fil- 
teren Mississippi bedeckt und 
sind die höchsten Kämme der 
Schlammkegel, welche mit allmählichem Abfall die submarine Fortsetzung 
und breitere Basis des Delta bilden. Sie fallen langsam nach aussen, 
«ler See zu und rascher nach innen, gegen den tieferen Theil des Mündungs- 



Digitized by Google 




IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



187 



canales. Ihren Ursprung hat man offenbar in der Abschwäehung der 
Hütenden Bewegung des Stromes beim Zusammentreffen mit dem Itfeer- 
wasser zu suchen, die gerade liier stattfindet, und in erster Reibe 
jene »Schwemmstoffe zur Ablagerung gelangen lässt, welche auf dem 
Grunde des Strombettes fortgerollt werden. Es scheinen nach allen 
genaueren Untersuchungen, die vorliegen, vorzüglich diese Stoffe zu sein, 
welche die Schlammbänke aufbauen, wahrend das feinere Sediment weiter 
hinaus geführt wird. Dass diese letzteren ihrerseits die Grundlage zum 
Fortwachsen der Delta-Arme bieten, steht ausser Zweifel, sobald man die 
leider noch nicht genügend vervielfältigten, indessen an und für sich nicht 
unwahrscheinlichen Beobachtungen als sicher annimmt, dass die Ufer 
der Pässe jahrlich um einen gewissen Betrag nach dem Golfe hinaus- 
wachsen. Wahrend der jährlichen Hochwasser wachst die Bank bis zur 
Oberflache und ragt bei niedrigerem Wasserstande dann über sie hervor, 
aber das nächstjährige Hochwasser bildet sich neuerdings einen f'anal in der 
jungen Ablagerung und lasst seine eigenen Niederschlage vor derselben 
niederfallen, so dass beim Mangel störender Einflüsse ein regelmässiges 
Hinausschieben der Delta-Enden erfolgen müsste. Aber diese letzteren 
sind allerdings gerade hier so wirksam , dass die Frage der Wachs- 
th ums weise und Wachsthumsgrösse und damit mittelbar des 
Alters des Delta nur unter beständiger Beachtung der die Deltabildung 
theils fördernden theils störenden Verhältnisse beantwortet werden kann. 

Einige Faktoren, welche bei der Entscheidung über diese Fragen zu 
berücksichtigen sind, wie die Grösse der Wassermassen des Mississippi, 
die Tiefe des Meeres an ihrer Ausmündung, die Grösse und Richtung 
ihrer Abflusscanäle haben wir bereits kennen gelernt. Welches ist aber 
die Masse der festen Stoffe, die der Mississippi jahraus jahrein in den 
Golf hinausführt? Verschiedene Untersucher haben verschiedene Mengen 
angegeben, die indessen sämmtlich um V«m als den Antheil fester 
Bestandteile in einem bestimmten Gewichtstheile Wasser und um 100 bis 
120 Millionen als die Zahl der Cubikmeter fester Bestandteile schwanken, 
welche der Mississippi jährlich in den Golf führt. Man hat auf Grund 
dieser Annahme berechnet, dass der Mississippi jährlich eine Fläche von 
einer E. Quadratmeile 7—8 m. hoch mit seinen Sedimenten bedecken 
möchte. Vorzüglich in zwei Formen ist es, dass diese Sedimente ins 
Meer gelangen: Als Schlamm, der im Wasser schwebt, und als Schlamm, 
Sand und Kies, die der Strom an seinem Boden fortwälzt. Indessen bilden 
die im Wasser schwebenden oder suspendirten Bestandteile die weitaus 
grösste Masse der Srhwemmstoffe des Mississippi und das Delta besteht 
darum gleich dem übrigen Anschwemmungsgebiet vorwiegend aus Schlamm. 
Ob und welche Veränderungen dieser Schlamm in der Berührung mit 
Seewasser erfährt, ist noch nicht festgestellt; aber Thatsache ist es, dass 



Digitized by Google 



188 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



die ungewöhnlich zahlreichen pflanzlichen Stoffe, die er einschliesst , im 
l>eltagel)ict durch ihre Zersetzung cigcnthümlichc Erscheinungen in hervor- 
ragender Ausdehnung hervorrufen (s. u. Mudlumps). 

Die eigentümlich schmale, schwächliche Gestalt , mit der das Delta 
des Mississippi sich in den Golf hinausstreckt, ist nicht geeignet, ihm 
ein so regelmassiges Wachsthum zu gestatten, wie man es von anderen 
Flussdelta's kennt. Wenn wir eine Zahl für seine Wachsthumsgrösse 
ansehen , so kann es nur auf die Autorität derer hin geschehen, 
die am tiefsten in die Erforschung der Schwemmgcbilde des Mississippi 
eingedrungen sind. Es ist werthvoll , zu wissen . welche Ansicht diese 
Forscher von der Wachsthumsgrösse des Delta sich bilden. Indessen halten 
solche Zahlen keinen absoluten Werth, denn hier scheint das sicherste 
Ergebniss aller Messungen die Erkenntniss zu sein, dass das Delta ein sehr 
unrcgelmässiges Wachsthum habe und dass dem Zuwachs an einem Ende 
häufig eine Abnahme an einem anderen entspreche. Man hat sogar glauben 
können, dass das Delta wenigstens nicht sichtlich wachse und einige 
Thatsachen schienen ein Zurückweichen anzudeuten. Indessen bedeuten 
dieselben einfach nur Schwankungen von örtlicher Begrenztheit. 

Lyell erzählt, wie er die Charlevoix'schc Karte der Mississippi- 
Mündung:, welche den Zustand derselben im Jahre 171G darstellt, mit dem 
Thatbestand im Jahre 184(1 verglich: „Wir waren erstaunt, sagt er, wie 
genau diese Aufnahme an den meisten Punkten die Zahl, Form und 
Richtung der Sehlammbänke und Bayous darstellt, die in der Gegend der 
Balize gefunden werden. Die Lotsen, denen wir die Karte zeigten, 
gaben zu, dass man glauben könne, sie beruhe auf Aufnahmen der letzten 
Jahre, wenn nicht Schlammbänke sich an den Mündungen der Bayous 
gebildet hätten in Folge der veränderten Lage der Hauptmündung." Ebenso 
berichtete ihm Bringier, ein erfahrener Ingenieur von New Orleans, dass 
die Verhältnisse der Mündung in den letzten 40 Jahren merkwürdig 
stationär geblieben seien, und ein anderer Ingonieur, M. Dunbar, der die 
heutigen Tiefcnverliältnisse mit den französischen Sondirungen von 1740 
verglich, fand erstaunlich geringe Unterschiede. Auch Capt. Graham, ein 
Uegierungsingcnieur, fand, dass der NO.-l'ass seit 100 Jahren nur 1 e. M. vor- 
gerückt sei'). Immerhin befindet sich ein altes spanisches Gebäude, welches 
als das Mn<jitzin auf den Karten niedergelegt ist , gegenwärtig (500 Yards 
näher beim Meer als es auf der Karte angegeben ist, und die Hauptmünd- 
ungen sollen sich nach den Angaben einiger Lotsen in 6, nach anderen 
in 24 Jahren 1 e. M. in den Golf hinausgeschoben haben. Es scheint aber, 
als ob die neubildende Kraft des Stroms und die zerstörende des Meeres sieh 
bis zu einem gewissen Grade die Wage halten und dass in einem verhält- 

1) Se. . Visit to the U. S. II. Iii*. 



Digitized by Google 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



189 



nissmassig so kurzen Zeitraum wie der, um den es sieh hier handelt, ihre 
Wirkungen sicli manchmal aufheben. Sobald der Strom eine geringere 
Masse Wasser durch einen seiner Mündungscanalc schickt, erlangen die 
Wellen des Meeres eine grössere zerstörende Kraft. Jedes Jahr, sobald 
die Zeit der Hochwasser vorbei ist, gehen die üezeiteu in allen Canalcn 
hoch hinauf und schwemmen manche Schlantmbank, manchen neugebildeten 
Uferrand weg, welche zur Zeit des Hochwassers sich gebildet hatten. 
Allerdings bringen sie auch manchen Gegenstand aus der Tiefe und 
werfen ihn an die Ufer, und aus dem Hallast versunkener Schiffe sollen 
sie schon ganze Hanke aufgeworfen haben. Doch tritt dicss hinter 
ihrer zerstörenden und wegführenden Thatigkeit weit zurück. Andererseits 
sind Falle nicht selten, in denen ein Hochwasser beim ersten Anprall jene 
Schlammhügel der Mudlumps, die oftmals Inseln von 1 Acre Ausdehnung 
bildeten, spurlos wegschwemmt. Die Karten von Gould, welche 17G4 — 71 
aufgenommen wurden, und die neuesten von Talcott (1H.JH) und Humphreys 
und Abbot (1H|J(I) lassen beim Vergleich erkennen, dass der Südpass 
innerhalb der Zeit, die zwischen jenen früheren und diesen neueren Auf- 
nahmen gelegen ist, um 6V» Kil. zurückgegangen ist und es scheint sogar 
kaum zu bezweifeln, dass selbst in dem kürzeren Zwischenraum der beiden 
neueren Aufnahmen, also in 22 Jahren, eine Dank von :\ Kil. Lange 
und */< Kil. Breite von den Wellen verschlungen wurde. So scheinen, 
wie unzweifelhaft auch das Wachsthum des Dclta's im Ganzen ist, doch 
im Einzelnen und besonders in den an die OberHäehe tretenden Er- 
scheinungen grosse Schwankungen die Regel zu sein. Sehr richtig bemerkt 
Lyell zu den Landvcrlusten des Delta's: „Die Abschwemmung mag sich 
vielleicht nicht in bedeutende Tiefen erstrecken, aber sie zeigt nicht 
bloss, wie schwer es ist, das Durchschnittstcmpo des Wachsthums durch 
kurzzeitige Beobachtungen zu bestimmen, sondern auch, in wie grosser 
Ausdehnung die zunächst auf den Banken des Delta-Endes abgelagerten 
gröberen Schwemmstoffc späterhin weggetragen und in dünnen Schichten 
über weite Flüchen ausgebreitet werden können ')." 

Der Mississippi tritt indessen nicht bloss hier an seinem Mündungs- 
ende als eine sehr energisch aufhauende und zeitweise ebenso energisch 
zerstörende Kraft auf. Wir haben Zerstörungen und Neubildungen an 
seinen Nebenflüssen vor sich gehen sehen und beobachten dieselben im 
grössteu Masse in seinem Laufe von der Vereinigung des Missouri und 
Mississippi bis hinab zum Delta. Bei dem geringen Gefall des Stromes 
Und der vorwiegend Hachen Beschaffenheit seiner Ufer ist es begreiflich, 
dass sein Schwentmgebiet ein ungewöhnlich ausgedehntes ist. Bei Cap 
Girardeau, einem Tunkte «<> Kil. oberhalb der Ohio-Mündung, beginnt es 



1) Lyell, rrincipk's XP VA. I. 45S. 



Digitized by Google 



100 



IV. Strom»', Flüsse und Seen. 



mit erheblicher Breite, ist an der Ohio-Mündung HO KU. breit, zieht sieh 
gegen die Muffs von Memphis hin bis auf 45 Kil. zusammen und erweitert 
sich bei der Einmündung des White II. wieder bis auf 12« > Kil., um dann 
als breite Ebene unter mehrmals wechselnder Verengerung und Er- 
weiterung sich bis zu seiner grössten und wirksamsten Ausbreitung im Delta- 
gebiet zu erstrecken. Man kann sagen, dass die Grösse des Mississippi 
sich in dieser Ebene klarer ausprägt als in «lern Strome selbst, der trotz 
des Wasserrcichthums, der ihm in Ohio. Arkansas und Hed U. und in un- 
zähligen kleinen Flüssen zuströmt, in fast gleicher Breite von der Missouri- 
Mündung bis zum Meere verharrt. Entfaltet er sich auch stellenweise noch 
bis zu 2 1 i und selbst .'{ Kil. Breite, so geht doch seine mittlere Breite nicht 
über HU) m. hinaus — dieselbe Breite, die er schon beim ZusamtncnHuss 
des Oberen Mississippi und des Missouri misst, wiewohl jeder einzelne von 
Beiden zu dem Punkte der Vereinigung kaum schmaler herankommt. Es 
bewährt sich hier die Regel, dass eine Vermehrung der Wassermasse keine 
entsprechende Vergrösserung des Stromes in der Breite bewirken muss, 
sondern dass sie öfters sogar eine Verschinälerung hervorbringt. 

Dieselbe Flachheit des Geländes, die dem Anschwemmungsgebiet des 
Stromes eine so grosse Ausdehnung verleiht, bedingt natürlicherweise auch 
eine bedeutende Unregelmässigkeit des Laufes, ausgeprägt in unaufhörlichen 
Windungen, vielen Inseln und Bänken, zahllosen Seitenarmen, die halb 
oder ganz vom Hauptbette abgeschnitten sind, und vor allem in häutigen 
Veränderungen der Iireitc , Richtung und Tiefe des Stromes, sowie der 
allgemeinen Gestalt seines Bettes. 

Die Eigenschaften, die den Biegungen aller sanft Hiessendcn Gewässer 
eigen sind, fehlen auch den Gurven des Mississippi nicht. Sic haben die 
Anschwemmungsbänkc an ihrer coneaven Seite, und sie zeigen sehr stark 
die Tendenz zur Abschneidung der stärkeren Biegungen durch verkürzende 
Canäle, welche jenen zahlreichen sichel- und halbkreisförmigen Seen 
Ursprung gibt, welche zu beiden Seiten, vorzüglich häutig aber an der west- 
lichen, die Bänder des Stromes begleiten. Die Uferdämme des Mississippi, 
seine natürlichen Anschwemniungsränder, sind im Allgemeinen, wie es bei 
einem Tief landstrom natürlich . wenig über seinen Wasserspiegel erhaben 
und sind häutigen Uebcrschwcmmungen ausgesetzt;, sie sind durchschnitt- 
lich :\ Kil. breit und fallen landeinwärts sachte zu jenen ausgedehnten 
Strecken des Mississippi-Schwemmlandes ab, welche unter dem Niveau des 
Stromes liegen, vorwiegend sumpfig und oft grosse Theile des Jahres hin- 
durch überschwemmt sind. Die Bildung dieser höheren Kandeinfassung ist 
unschwer zu verstehen, wenn man bedenkt, dass bei jeder L'eberschwemm- 
ung die gröberen Schwemmstoffe gleich zuerst schon am Bande des Bettes 
niederfallen, das überschritten wird, während der feinere Schlamm weiter 
hinaus getragen wird. Die unmittelbaren Ufer des Stromes sind daher 



Digitized by Google 



IV. Ström.', Flüsse und Seen. 



H>1 



auch aus anderem Material aufgebaut als die tieferliegendcn Tlieile seines 
Schwemmgebietes; jene bestehen vorwiegend aus Sand und Kies, diese 
sind Schlammlagcr und oft genug dauernde Sümpfe. 

Die Vegetation des Mississippi-Thaies ist eine so reiche und üppige, 
und am meisten gerade in den Schwemmgebieten, dass die Mitwirkung 
vegetabilischer Trümmer- und Zerfallstoffe, die in allen Anschwemmungen 
der Flüsse eine grosse Rolle spielt, hier als eine besonders kraftige und 
wirksame zu erwarten sein wird. Und sie ist es in der That. Welche 
Wirksamkeit die sich zersetzenden Prlanzcnstoffe in den jüngeren Theilcn 
des Delta's entfalten, kann man an den Mudhmips sehen. Dass es oft 
genug zusammengewirrte Baumstämme und Gesträuche sind, die den 
Kern einer neuen Strominsel bilden, lehrt tausendfach die Beobachtung. 
Die starren Formen geben den Schlammansammlungen gewissermassen 
Halt. Trcibholzausammlungen, welche man treffend natürliche Flösse nennt, 
bleiben nicht selten in irgend einem geschützten Winkel, auf einer Bank, 
an einer Mündung liegen, bedecken sich erst mit Schlamm und dann mit 
einer üppigen Vegetation, und werden so mit der Zeit zu kleinen Inseln. 
Treibholz, das durch irgend einen Bayou in eines der vielen Altwasser 
gelangt , die als kleine Binnenseen den Mississippilauf zu beiden Seiten 
begleiten, bildet öfters schwimmende Inseln in denselben. Wenn aber 
Taxodien auf solchen Massen Wurzel fassen, werden sie mit der Zeit zum 
Stilllicgeu gezwungen, denn diese Baume senden starke Wurzeln in die 
Tiefe , welche wie Anker das junge Eiland festhalten. So geht auch im 
Strome selbst die Bildung einer Insel ziemlich regelmässig in der Weise 
vor sich, dass Treibholz auf einer Sandbank strandet, dadurch Anlass zu 
ungewöhnlicher Anschwemmung und in der Folge die Möglichkeit eines 
Pflanzenwuchscs bietet, der vorzüglich durch seine festwurzelnden, zäh- 
lebigen Weiden für die Befestigung des noch unfesten Gebildes bedeutend 
ist. Die regelmässigen Frühlingshochwasser bringen ihre SchweminstolFc 
höher als bisher an die Insel heran und lassen diese, falls sie sie nicht 
zerrissen haben, bedeutend höher zurück, als sie vorher gewesen. Folgen 
niedere Wasserstande, so bleibt Sand und Staub, die der Wind aufwühlt, 
hier hängen und nicht lang dauert es, bis die rasch wachsenden Espen (Cottou- 
Wood) Schatten und Moder für reichlichere Vegetation herzubringen. 
Günstig gelegen wächst ein solches Eiland von diesem Punkte an rasch 
bis zu der Grösse, wo raschere Wellen ihm Schranken setzen, aber es ist 
allerdings immer nur auf der Sandbank, dass es aufwächst, und wenn irgend 
ein Wirbel, irgend eine neue Strömung in seiner Nähe zu wühlen beginnt, 
kann es in viel kürzerer Zeit, als es entstanden, wieder weggespült werden. 
Liegt es dagegen an einem Punkte, von dem der Strom sich allmählich 
entfernt, so kann es mit der Zeit mit anderen Gebilden ähnlichen Ursprungs 
und mit dem Ufer zu einem neuen Stück angeschwemmten Landes zu- 



Digitized by Google 



193 



IV. Strom«!, Flüsse und Seen. 



sammenwachsen. Tcbrigcns können Anhäufungen entwurzelter Bäume für 
sieh allein schon Neubildungen von hervorragender Ausdehnung und oft 
beträchtlicher Dauer erzeugen. Das grosse Roß des Red EL wurde oben 
(S. 179) erwähnt. Ein anderes im Atchafalaya bildete im Jahre 181«; 
ein zusammenhängendes Floss von IG KU. Länge, 2,5 m. Tiefe und 220 m. 
Breite, das mit dein Steigen und Fallen des Stromes stieg und fiel. Als es 
nach 18.J5 mit einem Zeitaufwand von 1 Jahren weggeräumt ward, waren 
Bäume von 1H m. Höhe auf ihm aufgewachsen. 

Minder grossartig, aber gefährlicher sind einzelne grössere Bäume, 
besonders von den geraden und schwerverweslichen Cyprcssen, welche mit 
ihren Wurzeln im Boden des Stromes gleichsam verankert sind, mit dem 
zweig- und ast beraubten Wipfel aber zum Wasserspiegel heraufragen. 
Unsichtbaren Klippen vergleichbar, bilden sie eine schwere Gefahr für 
die Schifffahrt auf dem Mississippi und seinen unteren Nebenflüssen. 
Manches Schiff hat sich au solchen Shags oder Planlos einen Leck 
gerannt Ihre Häufigkeit machte sie früher gefürchtet er als jede andere 
Gefahr der Mississippi-Schifffahrt, so dass schon in den 30er Jahren ein 
Dampfer der Vereinigten Staaten eigens dazu bestimmt ward, die Snags 
aufzusuchen und zu beseitigen. 

Wiederum anderen Ursprungs sind jene ausgedehnten Lager von in 
Schlamm vergrabenen, aher aufrecht stehenden Bäumen, vorzüglich Taxo- 
dien, welche mau sowohl im Delta als auch in den übrigen Theilen des 
Ansehwemmungsgcbietes, und hier besonders in den Jthtff's, begegnet. Zu 
New Orleans stösst man sehr häutig schon einige Meter unter Meereshöhe 
auf Lager von Bäumen und Baumresten, die /.um Theil offenbar ange- 
trieben und wagrecht übereinander geschichtet, zum Theil aber am Orte ge- 
wachsen und noch heute senkrecht stehend und wurzelnd getroffen werden. 
Hier ist es ein Sinken des Bodens, das sie anzudeuten scheinen. Wo 
sie dagegen, wie in den Bluffs, über dem Wasserspiegel und zwar oft in 
mehreren Zonen übereinander sich linden, geben sie häutig Zeugniss von 
stattgefundenen Erhöhungen des Bodens, wenn auch nicht immer durch 
unzweifelhafte Hebung, sondern nur durch Anschwemmung. Man sieht 
deutlich, wie in den Cgpnss Strümps, die noch heute die Alluvialebenen 
des Mississippi in ihren tieferen, sumpfigen Theilen auf weite Strecken 
lückenlos bedecken, Schlamm und Sand vom überschwemmenden Strome 
hereingeführt, der Boden dadurch mit der Zeit erhöht und neuen Ge- 
schlechtern von Bäumen Raum bereitet wurde, die dann ihre Wurzeln 
schon über denen der alten einsenkten '). 

1) Es ist eigentlich missverständlich , wenn man von „fypressenwiildern, 
die übereinander im Löss stehen- spricht. Das rebereinanderstehen ist sehr 
oft weiter nichts als das durch die Erhöhung des Anschweiuniuugsbodeus ganz 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



193 



Die Uebcr schwemmungen sind bei jedem grösseren Flusse ein 
wesentliches Werkzeug der Wirkungen, sei es zerstörender, sei es neu- 
bildender, die er übt, denn alles, was er ausserhalb seines engeren 
Bettes vollbringt, kann er nur durch das Uebersteigen seiner Ufer leisten 
und oft ist dieser nach der gewöhnlichen Annahme abnorme Theil 
seiner Thätigkeit bedeutender als das gewöhnliche An- und Abschwemmen 
an den Randern oder am Grunde seines Bettes *). Der Mississippi erhalt 
seine Zuflüsse aus so verschiedenen Theilen des weiten Gebietes der 
Vereinigten Staaten, dass natürlich auch seine Wasserstande und beson- 
ders seine Ueberschwemmungen von einer Reihe verschiedener Ursachen 
bedingt sind. Während seine nördlichen Zuflüsse einen grosseu Theil 
ihres Wassers aus den Schneefeldera des Fclsengebirges erhalten, sind 
es bei den südlichen schon halbtropische Monsunregen , welche die reich- 
lichsten Zuflüsse speisen. Ks würde diese Ungleichheit grosse Unregel- 
mässigkeiten auch in den Wasserstand des Mississippi bringen, wenn 
nicht die Wassermassen, welche die einzelnen Zuflüsse herbeibrachten, 
so sehr verschieden wären. Diese Verschiedenheiten gleichen sich gegen- 
seitig aus. Der Ausdehnung des Missouri-Gebietes entspricht z. B., wie 
wir bereits hervorhoben , keineswegs die Wassennenge, die aus ihm dem 
Mississippi zufliesst und so wirkt der Missouri nicht nach dem Mass 
seiner Grösse auf das Sinken und Anschwellen des Mississippi ein. Der 
Obere Mississippi und der Ohio bringen umgekehrt verhältnissmassig 
reichliche Wassermassen und dasselbe gilt von den Tiefland-Zuflüssen, die 
steh dem Uauptstrom in seinem unteren Laufe gesellen. Diese machen 
daher zu gewissen Zeiten den letzteren viel mehr anschwellen , als nach 
ihrer geringen Grösse zu erwarten wäre. Wie erwähnt, erhalten die 



natürlich bedingte Ilüherlicgen der Basis jüngerer im Vergleich zu derjenigen 
der alteren Bäume. Die Altersbestimmungen des Mississippi-Delta, die sich auf 
die alten Cypressensümpfe stützen, leiden öfters an dieser Verwechselung. 

1) Ohne Zweifel sind unsere landläufigen Auflassungen von Strömen und 
Strnmwirkungen viel zu sebr an das normale enge Bette der Messenden Gewässer 
gebunden und passen zwar gut auf einen hoebuferigen Strom wie den Colorado 
oder auch den Columbia, welchen grosse reberschwemmungen unmöglich ge- 
macht sind, nicht aber auf Tiefiandströme , die uach Art des Mssissippi oder 
des Amazonenstroms einen grossen Theil des Jahres weit über ihr Bette hinaus- 
gehen und gerade zu dieser Zeit stärker mit Schwemmprodukteu getränktes 
Wasser faJbren als zu irgend einer anderen und stärkere uud dauernde An- 
schwemmungen ausserhalb ihres Bettes bilden als innerhalb desselben. Für die 
tiefere Auflassung der Bedeutung solcher Ströme bat das Schwemmgebiet grösseren 
Werth als das Bette, in dem sie fliessen, und man hat diess wenigstens beim 
Amazonenstrom auszudrücken versucht, wenn man ihn sammt dem endlosen 
Gewirr seiner Zuflüsse als das Sümcasscrmcer Südamerika s bezeichnete. 

RftUel, Amerika. I. 13 



Digitized by Google 



194 IV. Strome, Flusse und Seen. 

wichtigsten Zuflüsse in diesem Stromgebiet merklich verschiedene Maasen 
atmosphärischer Niederschläge und führen dem entsprechend auch sehr ver- 
schiedene Wassermassen in das Hauptthal ab. Das Dcltagebiet hat 
«0,9 Zoll jahrlichen Regenfalls mit vorwiegendem Sommer- und Winter- 
regen; der Red R.und seine Zuflüsse rliesscn von Westen her durch Gebiete, 
die zum Theil nur 20,8. weiter östlich 10,7, uud an der Mündung 55,6 Zoll 
jährlichen Regens empfangen, wobei die Sommer- und Frühlingsregen vor- 
walten; der Arkansas hat im Quellgebiet 19,2, gegen die Mündung 
.'{9,5 Zoll Regenhöhe mit vorwaltendem Sommer- und Frühlingsrcgen; 
der Missouri kommt aus einer Gegend mit (von W. nach 0. fort- 
schreitend) 16,6, 13,1, 20,2, 33,9 Regenhöhe und theils mit Sommer-, 
theils mit Frühlingsregen; der Ohio kommt aus Gegenden, die (von 
0. nach W.) 36,5, 30,8, 44,5, 54,2 Regeumenge mit vorwaltendem 
Sommer- und Frühlingsregcn haben; und der Obere Mississippi endlich 
kommt aus einem Gebiete, das (von N. nach S.) 27,3, 35, 43.3 
Zoll Regenhöhe mit vorwaltendem Sommer- und Frühlingsregen auf- 
weist. Wahrend nun diese Niederschlagsmengen in den verschiedenen 
Gegenden sehr verschieden über die Jahreszeiten vertheilt sind, bedingt 
doch ihre Summirung, dass das Steigen und Fallen des Stromes von der 
Ohio-Mündung an bis herab au den Golf wesentlich unter Einem Gesetze 
steht. In dieser ganzen Erstrcckung beobachtet man drei Jahresperioden 
höchsten Wasserstandes, welche den regenreichen Uebergangszeiten von 
Sommer zu Winter, von Winter zu Frühling, von Frühling zu Sommer 
entsprechen. Der Frühlingswasscrstand wird durch die Schneeschmelze 
der nördlichen Gegenden der höchste, aber für die Sommerhöhe sind die 
spaten Frühjahrsregen des Westens — am Ostabhang des Felsengebirges 
fällt ein Drittel der Jahres-Rcgenmengc in der zweiten Hälfte des Früh- 
lings — am einflussreichsten. Umgekehrt wird der Frost und die Winter- 
trockenheit im N. zur Hauptursache des niederen Standes der Monate 
Januar und Februar, während das Minimum des Wasserstandes im 
Oktober ein Gesammtprodukt der klimatischen Zustände des Mississippi- 
Heckens darstellt. 

Die unmittelbaren Gründe der zeitweiligen grossen Ueberschwcm- 
mnngen des Mississippi sind unter kein Gesetz zu bringen, aber die That- 
sache, dass die grosse Mehrzahl der reberschwemmungen, von denen wir 
genaueren Bericht haben, in den Spät frühling fällt uud die Beobachtungen 
der Nebenflüsse lassen nicht zweifeln, dass es in den meisten Fällen das 
Znsammentreffen einer raschen Schneeschmelze mit reichlichem Frühlings- 
regen ist, welches den Ueberschwemmungen zu Grunde liegt. Nach den 
Beobachtungen, die im Laufe unseres Jahrhunderts gemacht sind, kommt 
durchschnittlich auf jedes zweite Jahr eine grosse Ueberschwemmung, bei der 
Wassermasse und Stromgeschwindigkeit sich im Unteren Mississippi nahe- 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



105 



zu verdoppeln. Grosse Theile des Schwemmlandes werden dann unter 
Wasser gesetzt und ausser der Versumpfung und Verschlammung der 
tiefer liegenden Umgebungen sind eingreifende Veränderungen an den 
Ufern, Inseln, Altwassern u. dgl. als Folge jeder grösseren Ueber- 
schwemmung zu constatiren. 

Das Hochwasser von 1K5H, das noch keines der grössten war, 
hatte unter anderem folgende Wirkungen: Die Uferstrecken, welche 
zwischen Cairo und Memphis unter Wasser gestanden hatten, waren mit 
Sandschichten bis 0,8 m. Höhe bedeckt; die Sandbänke zwischen Cairo 
und der Red River -Mündung waren merklich höher geworden und die 
Aushöhlung an den ihr ausgesetzten Uferstrecken war überall in unge- 
wöhnlichem Masse fortgeschritten; an einigen Orten war die Lage der 
Sandbänke und Aushöhlungen eine ganz andere und zehn mehr oder 
minder bedeutende Inseln waren durch Ausfüllung der sie vom Lande 
trennenden Arme zu Landzungen oder es waren doch jene Arme sehr 
schmal und seicht geworden. Rechnet man zu diesen abnormen Ver- 
änderungen die gewöhnlichen An- und Abschwemmungen, welche Jahr 
für Jahr ohne Unterbrechung vor sich gehen, so stellt sich der grosse 
Strom als eine sehr veränderliche Grösse dar, deren Beständiges vorzüg- 
lich in dem Wechsel seiner eigenen Zustände uud derer der Umgebung zu 
suchen ist. Der grosse Schlammreichthum, den vorzüglich die westlichen 
Zuflüsse aus den lockeren Tertiär- und Kreidegesteinen ihrer Gebiete 
herbeibringen, spielt dabei keine kleine Rolle. Unter gewöhnlichen Um- 
ständen enthält das Mississippi -Wasser 0,7 per Mille Gewichtstheile feste 
Bestandteile und etwa den zehnten Theil dieser Menge rollt es ausserdem 
in gröberer Form am Grunde des Nettes mit sich. Auf 100 — 120 Millionen 
Cubikm. schätzt man die Masse der festen Bestandtheile , die der 
Mississippi in einem Jahre ins Meer führt und unter der Annahme, dass 
das Delta 30,000 □ Kil. Oberfläche und lfiO m. durchschnittliche Tiefe 
habe, hat Lyell jene bekannte Rechnung gemacht, dass die Bildung des 
Delta s in dieser Breite und Tiefe etwas über 30,000 Jahre in Anspruch 
genommen haben dürfte — eine Rechnung, die leider so lange ein 
Phantasiestück ist, als wir die Veränderungen nicht kennen, welche inner- 
halb einer so langen, für uns unübersehbaren Zeit in Bodenbeschaffenheit 
und Klima dieses grossen Stromgebietes und in Tiefe, Breite, Gefäll und 
Richtung seiner einzelnen Flüsse und Nebenflüsse Platz gegriffen haben. 
Es ist eine Rechnung mit unbekannten Grössen. — 

Zum Schluss sei unter den vielen und verschiedenen Schwemmgebilden 
des Mississippi eines hervorgehoben, das in seinem Delta eine gewisse 
Rolle spielt und welches kein anderes Stromdelta, soweit wir wissen, mit 
dem des Mississippi theilt. Mudlumps nennt man Schlammhügel, welche 
in dem Theile des Delta's, der zwischen der äussersten Landspitze und 

13* 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flusse und Seen. 



den Bar>, den Mündungsbanken gelegen ist, sieh zeitweilig 
von dem Grunde in Komi von Bodenanschwellungen erheben 
und nicht selten es sogar zu einer Höhe von einigen Fussen 
über dem Meeresspiegel bringen und meistens mit dem 
Ausbruch einer schwachen Salzquelle oder einer Gasaus- 
strömung zum Stillstand kommen, um nach einiger Zeit, 
wenn die Kraft, die sie hob, zur Ruhe gekommen ist, wie 
ein Krater in sich selbst zusammensinken und, wenn 
die zerstörende Macht des Wassers es erlaubt, vielleicht 
noch Jahre hindurch einen kleinen, mit einer salzigen 
Lagune erfüllten Ringwall zu bilden, der in hohem Grade 
an die sceumschliessendeu Maare erloschener Vulkan- 
regionen erinnert. Sind diese seltsamen, unerwartet, an 
unerwarteten Punkten und hantig entstehenden Gebilde 
an und für sich ein Gegenstand hohen Interesses, so 
werden sie es noch mehr durch ihre praktische Be- 
deutung für die Schiffbarkeit der Mündungscanale des 
Mississippi. 

Die MtUÜumpa liegen alle l 1 /»— 5 KU. von der Axe 
des Hauptstroms zwischen der Deltaspitze und den vor- 
gelagerten Schlammbanken. Ihre Erhebung kann mit sehr 
verschiedener Schnelligkeit geschehen; von einem sacularen 
Tempo bis zur Zunahme um mehr als V* m. in LM Stunden 
sind alle Abstufungen vertreten. Eine Hebung von 1 e. Zoll 
per Stunde ist thats&chlich beobachtet und Hebungen von 
sichtbarer Geschwindigkeit werden berichtet und sind 
nicht unglaublich. Ein Waehsthum um */> m. in einem 
Monat scheint ein uormales Tempo zu sein. In «1er Regel 
wird die Hebung bedeutend langsamer, sobald der Schlamm- 
hügel sich über den Wasserspiegel erhoben hat. Es erfolgt 
dann fast in allen Fallen bald eine Oetinung an der Spitze, 
aus der Gas oder ein Schlammstrom oder beide zugleich 
sich ergiessen; mit anderen Worten: Her Schlammhügel 
wird zum Gettos einer Gas- oder Schlammquelle. Am 
häufigsten sind diejenigen Quellen, welche Schlamm und 
- Gas ergiessen. Von ihnen fand Hilgard allein auf einem 
1 Acre grossen Eiland in der Mündung des Pass ii l'Outre 
nicht weniger als 8 in Thatigkeit , neben vielen ruhenden, 
die ihn alle so lebhaft an die toskanischen Schlammvulkane 
erinnerten, dass sie sogar sein geographisches Rrtcusstsein 
stutzen machten. Die grössten hatten bis zu IG m. Durch- 
messer am Boden und ergossen 12 — 15 Liter Schlamm per 



Digitized by Google 



IT. Ströme. Flüsse und Seen. 



197 



Minute, die kleinen gaben nicht mehr als '/» — 1 Lit. von sich. Der Schlamm, 
der abfliesst, trocknet schichtenweis an den Seiten dieser Hügel und gibt 
ihnen eine Zwiebelschalenstruktur, die auf Querrissen klar hervortritt. Das 
austretende Gas ist immer brennbar und in der Regel besteht es aus Sumpf- 
gas mit geringen Beimengungen von Kohlensaure und Stickstoff, also aus den 
ersten Produkten der pflanzlichen Zersetzung •). Das Wasser, das zugleich 
ausfliesst, ist verdünntes und im Uebrigen wenig verändertes Scewasscr. Der 
Schlamm endlich, welcher immer die Hauptmasse der Ergüsse ausmacht, 
ist von rahmartiger Zartheit, enthalt manchmal Reste von Fluss- und See- 
thieren, besonders Foraminiferen, auch von durchaus macerirtem Holz und 
kann, nach seinem feinen Korn zu urtheilen, nur in erheblicher Tiefe abgesetzt 
worden sein. Dass der Druck der oberflächlichen, gröberen Deltaschichte 
auf diese zartere und flüssigere Mittelschicht die Ilauptursache des Hervor- 
brechens der Schlammströme ist , ist kaum zu laugnen , wenn man die 
örtliche Beschränkung derselben auf die Region des grössten Wachsthums 
des Delta's in Betracht zieht, und diese Annahme, die Oh. Lyell zuerst 
begründete, wird durch die Erfahrung unterstützt, dass bei Hochwassern, 
welche immer zu grösseren Niederschlägen und dadurch Vermehrung des 
Druckes führen, die Thatigkeit der Schlammvulkane eine erhöhte wird. 
Die in der Tiefe durch Zersetzung der Pflanzenstoffe erzeugten Gase 
dürften keine andere als eine sekundäre Rolle dabei spielen. Hinsichtlich 
der Dauer dieser Gebilde ist bemerkenswerth die Constanz der Lage, die sie 
manchmal behaupten: so sind einige hervorragendere, im SW. Pass 
und im Pass ä l'Outre gelegene seit 25 Jahren bestandig in Thatigkeit. 
Die meisten setzen indessen ihre Schlamm- und Gasergüsse nur wenige .lahre 
fort und werden dann von Wind und Wellen langsam gleichgemacht. 

Die Plusssysteme des Atlantischen Abfalls der Ver- 
einigten Staaten gehören mit Ausnahme der floridanischen dem 
Alleghany-System und dem Tieflande an. das zwischen dieses und 
den Atlantischen Ocean sieh einschiebt. Sie sind zahlreich, aber 
keines ragt durch Grösse hervor; neben den Stromsystemen des 
inneren und nördlichen und seihst neben denen des paeifischen 
Nordamerika erscheinen sie unbedeutend und sie erlangen nur 

1) S. Analysen in A. .1. S. 1S71 I. 42<i. Ebcndas. ist S. 215 die Analyse 
des Oasws gegeben , das bei einer Briniiienbnlirimg in New Orleans in grosser 
Meng»« hervorstromte. Massenhafte Gasentwicklungen sind in und bei New Orleans 
bei Bohrungen, die zwischen 10 und 10" m. tief gehen, so gewöhnlich, das» man sogar 
früher daran dachte, diese brennbaren Oase y.u Beleucbtungszwecken im Grossen 
Mi verwenden. Zu solchem Zwecke sind indes» diese Entwicklungen doch zu 
vorübergehender Natur. 



Digitized by Google 



198 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



dadurch stellenweis einen gewissen Einfluss auf die Umrissgliederung 
des Landes, dass ihre Mündungsbuchten durch Gezeiten und Wellen- 
schlag erweitert und zu grösseren Meeresbuchten erweitert wurden, 
an deren Rändern in vielen Fällen grössere Mittelpunkte des Sce- 
verkehres sich gebildet haben. Aber wenn das, was sie für das 
Land bedeuten , welches sie durchmessen , sehr weit zurücksteht 
gegen die Rolle, die ein S. Lorenz, Ohio, Columbia oder Colorado, 
jeder in seinem Gebiete, spielen, so haben, umgekehrt wie dort, die 
Eigenschaften dieses Landes und vorzüglich seine Culturstellung 
ihnen an einigen Punkten eine Bedeutung gegeben, welche weit 
hinausreicht über die natürlichen Gegebenheiten und welche nicht 
unpassend der historischen Bedeutung altouropäischer Flüsse ver- 
glichen worden ist. Einige sind grosse Verkehrsstrassen , andere 
wichtige IndustriefÖrderer geworden , auf einige strahlt der Ruhm 
der Städte zurück, die von ihren Wellen bespült werden und auf 
andere fiillt der Glanz von Ereignissen , die in der Geschichte des 
jungen Landes gross und denkwürdig sind. Alle wälzen ihre Wasser, 
die, Dank dem nahen quellenreichen Gebirge, ausnahmslos sehr 
reichlich fliessen. durch Gegenden, die in Amerika zu den dichtest 
bewohnten gehören; keiner fliesst, wie es im Westen manchem 
grösseren beschieden ist, von Menschen ungesehen und ungehört 
seinem Meere zu. Wie klein sie daher vergleichsweise auch sein 
mögen, so ist doch keiner wenigstens ohne die Bedeutung, welche eine 
höhere Cultur den Orten verleiht, an denen sie ihre Stätte findet. 

In Ursprung, Grösse und Verlauf sind diese atlantischen 
Flüsse treue Abbilder der Bodengestalt des Landes, das sie durch- 
messen, und nach der Gliederung dieses Landes sind auch sie zu 
gliedern. Wo die Nord-Alleghanies den alten Felsboden in Neu- 
England in einige grosse Parallelfalten gelegt haben , gehen die 
Flüsse parallel diesen Falten nordsüdlich; wo in den Mittel- 
Alleghanies die Parallelfalten länger und ihre einzelnen Züge 
lückenloser werden, während gleichzeitig die grössten Erhebungen 
nach S. und W. rücken, da fliessen alle grösseren Gewässer 
zuerst innerhalb des Gebirges südnördlich, um dann rechtwinklig 
durchbrechend westöstlich zum Meere abzufliessen ; wo endlich in 
den Süd-Alleghanies die höchsten Gebirgsfalten sich am Ostrand des 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 199 

Systems finden und ein breites Flachland sich zwischen es und das 
Meer einschiebt, da gibt nur noch der östliche Abhang des Gebirges 
atlantischen Flüssen Ursprung, während alles andere den Mississippi- 
Zuflüssen zufällt; aber im Flachland finden hier jene den Raum, sich 
zu breiten und wasserreichen Tieflandflüssen auszubilden. Die Golf- 
Zuflüsse östlich vom Pearl R. gleichen ihnen im Gesammtcharakter, 
in Ursprung und Verlauf, während die Floridas eine Gattung für 
sich darstellen. 

Unter den neuengländischen Fluss- Systemen bilden zunächst die 
von Maine eine eigene Gruppe, deren Besonderheit schon durch den 
Seenreichthum des Inneren, der sich nirgends mehr im atlantischen 
Gebiete wiederholt, und durch die Fjordküste sich anzeigt. Weitere 
Eigentümlichkeiten lüsst eingehendere Untersuchung erkennen. W. 
Wells, der in seinem Ruche The Water Power of Maine, lHGi», S. 11 ff. 
die hydrographischen Bedingungen von Maine in einer eingehenderen 
Weise behandelt, als es bis jetzt von irgend einem anderen der atlan- 
tischen Stromsysteme gesagt werden kann, findet dort besonders ein- 
flussreich den Felscharakter der höheren Theile der Berge und Kämme 
des Acadischen Systems, welcher den Abfluss der Niederschläge be- 
schleunigt, ihre lockere Zerstreutheit über das Land, welche die Nieder- 
schläge sowohl als die Gewässer gleichmassiger vertheilt werden lässt, 
ihre geringen Höhen und sanften Abhänge, die einen ruhigen Abfluss ge- 
statten, die dichte Bewaldung der Berge an ihren tieferen Abhängen, welche 
die Wirkungen der vorwiegenden Nackth it der Höhen wieder aufwiegt. 
Wenn die Berge von Maine auch nicht hoch genug sind, um ewigen 
Schnee zu tragen, so speisen sie doch mit ihrem schmelzenden Schnee 
die Bäche bis Hude Juni und die White Mts., die dem Androscoggin und 
Saco Zuflüsse senden, verlieren auch im Sommer ihren Schnee nicht 
ganz. Dass das Bergland von Maine im Allgemeinen seine höchsten Er- 
hebungen im Westen erreicht und dass sein Haupt abfall südwärts gewandt 
ist, bedeutet einen Einfluss auf die hydrographischen Verhältnisse, der 
sich im Ursprung und Lauf der Gewässer klar ausprägt. Die Thäler 
sind meist breit und geräumig und die Wasserscheiden so wenig scharf 
ausgeprägt, dass besonders zwischen den in entgegengesetzter Richtung 
abtliessenden St. John- und Penobscot- Quellarmen sogar Gemeinsamkeit 
des Ursprungs eintritt und zwar in der Weise, dass sie ihre Quellen in 
einem und demselben Sumpfe haben. Diese Erscheinung ist in Maine 
gar nicht selten und tritt besonders bei Hochwassern häutig und deutlich 
zu Tage '). Endlich ist auch die besonders grosse Härte und schwer- 

1) „So dass jenes geographische Curiosutn von Flüssen, die sich mit ihren 



Digitized by Google 



900 IV. Strömt'. Flüsse und Seen. 

zersetzliche Beschaffenheit der Felsgesteine als ein Faktor der hydro- 
graphischen Verhältnisse za nennen. Dieselbe bedingt zum Theil die 
geringe Tiefe, die zahlreichen Unebenheiten und Windungen, Wasserfalle 
und Stromschnellen der Flüsse — überhaupt alle jene von geringer 
Einwirkung des Wassers auf die Gesteine abhangigen Erscheinungen, 
welche im Falle der Flüsse von Maine noch mehr hervortreten durch das 
geringe Gefall. 

Man zählt 5151 Flüsse und Zuflüsse auf der Karte von Maine, aber 
von ihnen sind nur wenige gross genug, um sie über ihre nächste Um- 
gebung hinaus wichtig erscheinen zulassen, l'enobscot. 4Hu Kil. lang. 
270 m. breit bei Bangor, mit einem Stromgebiet von 21.000 □KiL und 
einen jährlichen Wassererguss von 1* Milliarden Cubikm. ; Kennebec. 
UtiU Kil. lang, 260 m. breit bei Augusta, Stromgebiet von 14.5u> [jKil. 
und einem jährlichen Wassererguss von 6*3 Milliarden Cubikmeter. 
A n droscoggin, 320 Kil. lang, mit einem Stromgebiet von DUM) □ Kil. 
und 3 Vi Milliarden Cubikm. jährlichem Wassererguss; Saco, 150 Kil. lang, 
mit einem Stromgebiet von :i5<>o O Kil. und 1 Vt Milliarden Cubikm. 
jährlichem Wassererguss. Als Grenzflnss gegen New Brunswick ist der 
St. Croix (158 Kil.) und als ein bedeutender Fluss derselben britischen 
Colonie, welcher in seinem Oberlaufe Maine in der Länge von .'l.'Ui Kil. 
durchströmt, der St. John zu nennen. 

Im südlichen Theil von Xen-England münden nur zwei grössere Flüsse, 
aber ein dritter, der bereits im Gebiet von New York mündet, ist nach 
Ursprung und Richtung ihnen nahverwandt und bildet mit ihnen neben der 
Gruppe der Maine-Flüsse eine «leichberechtigte zweite natürliche Gruppe 
fliessender Gewässer der Nord-Alleghanies. Der erste und unbedeutendste 
von den dreien ist der Mcrrimac, der seine Quellen in den White Mts. 
bat , denen er in südlicher Richtung entfliesst ; er bleibt in dieser Rich- 
tung den ganzen Weg. den er durch New Hampshire nimmt, aber in 
Massachusetts stösst er an die vorgeschobenen Berggrnppen des Monadnoc 
und des Wachusett und biegt nun östlich ab, um nordöstlich von Boston bei 
Newbury Port zu münden. Der zweite, südlichere, der Connecticut 
ist der Ilauptfiuss Neu-Englands, der durch vier Staaten dieser Gruppe 
flicsst: Vermont, New Hampshire, Massachusetts und denjenigen, der von ihm 
den Namen hat ; seine Ufer sind der fruchtbarste und mit der schönste 
Theil Neu-Englands und er bildet die grösste natürliche Verkehrsader 
dieser Region. Seine Quellen liegen nahe der canadisehen Grenze in 



Zuflüssen verflechten und nach entgegengesetzten Richtungen abflicssen, jene 
Erscheinung, die im Falle des Canals zwischen Orinoco und Amazonenstrom der 
eingehendsten HetrachtunR von einem Humboldt gewürdigt wurde, bei uns sich 
mehr als einmal wiederholt- M. Wells, The Water Tower off Maine. lNtf. 14. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



201 



New Hampshire und sein westlicher Quellarm, Halls K., ist eine Strecke 
weit Grenzflüsschen pegen Canada (s. o. S. 19). Dieser Arm nimmt schon 
in New Hampshire einige Nebenflüsse auf: Den oberen und unteren 
Ammonoosuc, Sugar und Ashuelot R. ; in Vermont: Pasumsie, 
• Wells, White, Quechee, Black, Williams und West It.; in 
Massachusetts: Millers, Deerfield, Chickopee, Westfield R.; 
in Connecticut: Farmin g ton R. Nach einem Laufe von 460 Kil. 
mündet der Connecticut bei New Häven in den Long Island-Sund. Sein 
Stromgebiet bedeckt 20,500 Q.-Kil. 

Der Hudson, der Fluss New Yorks (520 Kil. lang, 30,000 Q.-Kil. 
Stromgebiet), ist eines der wichtigsten und interessantesten unter den 
fliessenden Gewässern von Nordamerika. Kr findet auch in anderen 
Erdtheilon wenige seines Gleichen. Zunächst lehrt schon ein Blick auf 
•lie Höhenkarte, dass er eine bevorzugte Stellung einnimmt, denn er 
fliesst in der grossen und wichtigen Depression, die die nördlichen 
Alleghanies von den mittleren scheidet, indem sie vom Atlantischen 
Ocean quer durch das Gebirg in nordwestlicher Richtung nach der 
Senkung der Grossen Seen zieht. In einem Theile dieser Depression 
Iiiesst der Hudson von Albany ab, in einem anderen sein NebeuHuss 
Mohawk R. Sein Oberlauf aber ist in eine nicht minder bemerkens- 
werthe Furche des nördlichen Alleghany- Systems gebettet, die die 
Green Mts. von den Adirondacks trennt und in welcher eine flache 
Wasserscheide Zuflüsse des Hudson und des S. Lorenz trennt. 

Unschwer erkennt man in dieser Furche einen Theil jenes Grossen 
Thüles der Alleghanies, das von Quebec bis nach Tennessee einer ganzen 
Reihe von Flflssen zum breiten, natürlichen Hotte dient, und die Geologie 
dieser Region lasst keinen Zweifel darüber, dass jene Wasserseheide 
zwischen Hudson R. und I.ake Champlain nur eine Erscheinung von sekun- 
därer Bedeutung, durch spatere leichte Hebungen erzeugt ist und dass noch 
in der Eiszeit Lake Cliainplaiii und Lake George demselben Meeresanne zum 
Bette dienten, der weiterhin im Thal des heutigen Unteren Hudson seine 




Fig. 9. Dun-liM luiitt «I..« Hu<1*)iiUm1i-h »n«i <\vn l'alltsulen n. von NVw York, 
a. 8jf.Tiitinch«"r linris*. 1>. TrfetsUcIier Sandstein. c. Pfckriiföraigf Diorit-Kinl.iK'TunB. 

Verbindung mit dein Meere fand. Dieses letztere Thal ist ein dynamische» 
Thal im schärfsten Sinne des Wortes, eine Spalte, die zwischen Urgestein 
und triassischen Schichten klafft und deren Profil unmittelbar nördlich 



Digitized by Google 



202 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



von New York durch eine Einlagerung von Diorit, die 130 m. liohe, 
aus Säulen zusammengesetzte, steil abfallende Ufer bildet, noch verschärft 
wird. Bis etwas über Albany hinauf ist dieses Thal eigentlich mehr eine 
schmale Fortsetzung des Meeres als ein Flussbette im gewöhnlichen Sinn. 
Breit und tief, von den Gezeiten 230 KU. von der Mündung aufwärts/ 
also mehr als seiner Gesammtlänge , bewegt , ist in dieser Region der 
Hudson nicht bloss nach der Wassermischung halb Fluss, halb Meeres- 
arm, sondern er zeigt auch in seinem ganzen Charakter Kiemente von 
beiden seltsam verschmolzen. So ist denn in der That auch seine verkehrs- 
fördernde Wirkung mehr der einer Meeresbucht als eines Flusses zu 
vergleichen, denn er trägt grosse Schiffe bis nach Troy hinauf, und wo er 
an seiner Mündung den prächtigen Hafen von New York bildet, zeigt er 
nichts von Verschlammung und Versandung, die die Mündungen anderer 
grosser Flüsse fast unzugänglich machen, sondern ist seeartig klar 
und tief). Die Quellen des Hudson liegen in den Adirondacks und senden 
in zwei Zweigen ihre Gewässer dem Vereinigungspunkte zu, der 65 Kil. 
unterhalb der Quellen gelegen ist. Der einzige nennenswerthe ZuHuss 
des oberen Hudson ist der Sacandaga H. Nachdem er nach dessen 
Aufnahme unter zahlreichen Stromschnellen in den oberen Tbeil seines 
nahezu geradlinig nordsüdlich verlaufenden Bettes eingetreten ist, nimmt er 
den Mohawk K. auf, der am Südabfall der Adirondacks entspringt und 
sich dem Hudson 270 Kil. oberhalb seiner Mündung verbindet. Er wird 
von hier an 400, weiter abwärts bis zu 1500 m. breit und in der Gegend 
der Palissaden verbreitert er sich der Mündung zu bis zu 2 Kil. Sein 
Fall von Albany bis zur Mündung beträgt 45 m. 

In Pennsylvanien Messen die Gewässer des Ostabhanges der Alle- 
ghanies in :5 grösseren Flusssystemen dem Meere zu, nämlich in dem des 
Delaware- Schuylkill, des Susquchanna-Juniata und des Potomac, denen 
sich das des Brandywine als ein kleineres sekundäres Becken anreiht. 
Die des Westabhanges gehen durch den Alleghany. Monongahela und 
Beaver R. dem Ohio und damit dem Golf von Mexiko zu und nur in 
einem kleinen Abschnitt durch den Genesee R. zum Eriesee und damit 
zum nördlichen Atlantischen Oeean. 42,5110 □ Kil. des Staates fallen 
den mittelatlantischen Flusssystemen, 31,<><K) denen des Golfes, MKO dem 
des S. Lorenz zu. Es ist die gemeinsame Eigenschaft dieser Fluss- 

1) Es wurde übrigens bereits (.s. o. S. 142) auf eine Schlammbank hinge- 
wiesen, die vor der IIudson-MiiiiduiiK wie ein versunkenes Delta in der Meeres- 
tiefe liegt. Ganz dasselbe rindet man nach Dana (El. of (Jeol. 544) vor der 
Mündung des Connecticut und diese beiden submarinen Scldammbänke werden 
auf Senkungen der Küste zurückgeführt. Dieselbe Senkung erklärt den meeres- 
buchtartigeii Charakter der unteren Hälfte des Hudson-Bettes. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



203 



Systeme, dass die Wasserscheiden, welche sie trennen, durchaus niedrig 
und durch zahlreiche Pässe miteinander verbunden sind , so dass die 
vorwiegend gebirgige Beschaffenheit des Staates gerade durch die zahl- 
reichen breiten und flach abfallenden Thaler in Bezug auf den Verkehr so 
aufgewogen wird, dass selbst zwischen den atlantischen Flusssystemen und 
dem des Ohio der Verkehr verhältnissmüssig leicht bewerkstelligt wird. 

Die atlantischen Flüsse dieser Region gehören der mittleren Gruppe 
an. Der verschiedene Gebirgsbau fjibt ihnen einen anderen Ober-, das 
Küstentiefland, das vom Hudson an sich vorznlagern beginnt, einen 
anderen Unterlauf, als wir bei den neuengländischen fanden, wahrend die 
scharfe Absetzung des Gebirges vom Küstentiefland ihnen den gemein- 
samen Zug eines scharfen, unvermittelten Hervortretens aus jenem in 
dieses aufprägt. Stromschnellen, Klusendurchgänge, oft Wasserfälle be- 
zeichnen fast bei jedem einzelnen Fluss der Mittel -Alleghanies den Ueber- 
gang vom Gebirge ins Tiefland. Auch dass die starken Gezeiten des 
Atlantischen Meeres in den Tiefland -Abschnitten dieser Flüsse weit 
hinaufgehen und tiefe und breite Aestuarien" in die Küste schneiden, 
gehört zu den Charakterzügen dieser Flüsse. 

Der nördlichste von ihnen, der Delaware, ist 19t) Kil. lang. Er 
hat seine Quellen auf der Westseite der Catskills, von wo zwei Zweige, 
der westliche Mohawk oder Cooquago und der östliche Pop ac ton 
zusammenHiessen, um an der Grenze Pennsylvaniens sich zu vereinigen. 
In vielgewundenem Laufe durchbricht dann der Delaware die ganze Breite 
der Alleghanies und durchmesst u. a. eine sog. Water Gap, eine 3 Kil- 
lange Schlucht, deren Felswände bis f)(H) m. aufsteigen. Am unteren 
Ende dieser Schlucht nimmt er den Le Ii ig Ii, seinen grössten Nebenfluss. 
auf, durchbricht noch einige Höhenzüge und bildet zahlreiche Strom- 
schnellen, bis er bei Trenton mit einem Wasserfall und einer scharfen 
Südwestwendung in das Küstentiefland hinaustritt. Xahe seiner Mündung, 
schon im Aestuar-Gebiet . empfängt er den Schuylkill. Bis nach Phila- 
delphia, also 65 KU. oberhalb der Mündung, ist der Delaware für die 
grössten Schiffe fahrbar. Seine Mündung erweitert sich zu der tiefen 
Meeresbucht der Delaware - Bai. — Der nächstsüdliche Alleghany-Fluss, 
Susquehanna R., ist zwar einer der grössten der atlantischen Flüsse 
der Ver. Staaten überhaupt, denn er hat einen Lauf von 640 Kil., und ein 
Flussgebiet von r»L>,!MM> Q.-Kil., aber er steht an Verkehrsbedeutung dennoch 
weit hinter dem Hudson und selbst dem Delaware zurück, da die Chesa- 
peake-Bai, in die er mündet, so tief in das Land einschneidet, dass nur 
ein schmaler Raum zwischen Gebirg und Meer übrig bleibt, der einzige, auf 
dem der Gebirgsfluss sich zum ruhigen, breiten Strome entfalten kann. Die 
Gezeiten gehen daher nicht höher als H Kil. von der Mündung aufwärts und 
höher geht auch nicht die grosse Schifffahrt. Die Quellen des Susquehanna 



Digitized by Google 



90t 



IV. Strömt', Flüsse und Seen. 



liegen weit auseinander; ein östlicher Zweig kommt aus dem westlichen 
New York, ein westlicher vom Westabfall der pennsylvanisehen Alleghanies; 
nach ihrer Vereinigung fliessen sie südwärts und nehmen den Juni ata, 
der ahnlichen Ursprung und Lauf wie der westliche Quellzweig, nur weiter 
nach SW. zu hat, auf. Ein Nebenfluss des östlichen Quellzweiges 
ist der Che mang. — Der Potomac, hxO KU. lang, entspringt in den 
Alleghanies von Maryland und Virginien, ist aber über die Hälfte seines 
Laufes Tieflandstrom, in dem die Gezeiten 175 Kil. weit aufwärts gehen, 
der bis Washington die grössten Kriegsschiffe trägt und mit 15 Kil. breiter 
Münduug in die Chcsapeake-Ilai sich mehr fortsetzt als mündet. Ober- 
lialb Washington wächst sein Gefäll rasch an , zahlreiche Stromschnellen 
und Engen, unter denen der Pass von Uarpers Kerry als eine der gross- 
artigsten Sceuen nordamerikanischer GcbirgMiatur hervorzubeben ist, 
machen ihn zum ächten Gobirgsstrom , dessen Gcfäll allein auf «1er 
Strecke zwischen der Mündung des Savage K. und Washington :>:>5 m. 
beträgt. Als bedeutendster Zufluss des Potomac ist der 1 K* i Kil. lange 
Shenandoah zu nennen, der von S. her, dem Westabfall der vir- 
ginischen Rlue Hidge entlang, ihm zuflicsst. — Weiter südlich münden in 
den unteren Abschnitt der Chesapeak-Rai Rnpahannok und York K., 
deren Quellen in der Rlue Ridge von Virginia, aber am Ostabhange liegen. 
Sie eröffnen ilie Reihe der Küstenflüsse der Südstaaten, die, mit Aus- 
nahme des nächstfolgenden James R., nicht mehr aus dem Innern des 
Gebirges, sondern von seinem nächsten Rande kommen. Der Rappahaunok 
ist 210 Kil. lang, wovon 170 schiffbar sind, der York R. hat zum nörd- 
lichen Quellarm den Mattapony, zum südlichen den Pamraunkee. 
der in den äussersten Vorbergen der Alleghanies seinen Ursprung hat. 
In dem grössten virginischen Uluss, demJamesR. haben wir den letzten 
Vertreter des Typus der mittleren Alleghany-Flüsse, die ihre Quellen im 
Inneren des Gebirges haben und erst nach Durchbrechung einer Reibe 
von Bergketten in das Tiefland hinaustreten. Seine Quellflüsse sind 
Jackson und Cowpa sture und .'150 Kil. von der Mündung an ist er 
sebitfbar. Einzig nennenswerth von seinen unteren Nebenflüssen ist der 
Appomattox, der in sein Aestuar mündet. 

Von hier an sind es die südlichen Zuflüsse dos Ohio, die «las Innere 
des Alleghauy- Gebirges durchströmen und den atlantischen Tiefland- 
flüssen nur den Ostabfall übrig lassen. Die letzteren gehören daher nur 
noch in ihrem Äussersten Quellgebiet dem Gebirge an und sind im 
Ganzen einfach als Küstenflüsse zu bezeichnen. Der Roanoke entsteht 
aus dem Zusammentluss des Staun ton und Dan an der Südgrenze 
Yirginiens, durchflicsst Nordcarolina und mündet in den Albemarle- 
Sund. Selbständig mündet in dieselbe Ducht von Norden her nach kurzem 
Lauf der Clin wa Ii. der aus dem Zusammenfluss des Melier r in und 



Digitized by Google 



IV. 'Ströme, Flüsse und Seen. 



906 



Nottaway entsteht. Pamlico 11. nennt man «las Aestuar des TarK., 
der den Fish int? Creek aufnimmt und in den Pamlico-Sund mündet- 
In denselben Suud ermesst sieh der Neuse lt. Zwei kleinere von N. 
kommende Flüsse der Küstensümpfe Nordcarolina's vereinigen sich mit 
dem Cape Fear 11., der ihnen bei der Mündung seinen Namen gibt, 
wo sie zusammen die Bucht von Wilmington bilden. Der Greut P edec 
entsteht weiter südlieh aus Yadkin und Rock R. und mündet in die 
Win) ah -Bai (Südcarolina), nachdem er noch den Little Pedce und 
L) • nc h e s Creek aufgenommen. Der nächstsüdlich mündende Black R. 
ist ein kleinerer Küstenfluss. Nach ihm folgt Santee R., der aus der 
Vereinigung des Congaree und Wateree oder Catowba entsteht. 
Congarec entsteht seinerseits aus der Vereinigung des Broad R. und 
Saluda. — Die unbedeutenden KüstenHüsse Cooper und Ashley bilden 
durch ihre gemeinsame Mündung den Hafen von Charleston. DerKdisto 
erzeugt südlich davon durch gabelige Mündung die gleichnamige Küsten- 
insel und zahlreiche Bache, die nicht einmal den Namen KüstenHüsse 
verdienen, bilden von hier bis zur Grenze von Florida breite Müiidungs- 
buchteii, die die Küste in mehrere hintereinander liegende lnselrcihen zer- 
fallen und eine breite Zone von weder dem Lande noch dem Wasser, 
weder dem Fluss noch dem Meere allgehörigen Marschen. Buchten und 
Canälen bilden. Der Savannah (isn Kil., 2:"»,<mh> Q.-Kil. Flussgebiet) 
einer der grössten atlantischen KüstenHüsse, der am Südende der Alleg- 
hanies mit den zwei Quellarnien Kiowee und Tugalo entspringt, der 
Altamaha, aus dem ZusauimenHuss des Oconee und Ocmulgee ent- 
stehend, San ti IIa und St. Mary 's R., der den AbHuss des grossen 
Okefinokee- Sumpfes darstellt, münden in dieses marschige Küstenland. 
Alle vier sind den grösseren Theil ihres Laufes für Dampfboote schitfbar, 
aber St. Mary's R. ist wegen des vortrefflichen Hafens, den seine Münd- 
ung bildet, besonders hervorzuheben. 

Einige Flüsse des Golfgebietes haben gleich den letztgenannten ihren 
Ursprung im Südende der Alleghanies, von dem sie jedoch nicht in öst- 
licher wie jene, sondern in südlicher Richtung abfliessen. Auch in anderen 
Eigenschaften reihen sie sich ihnen an, da sie gleich ihnen durch Tief- 
land in ein HachufriKcs Meer gehen. Nur die grössere Breite des Tief- 
landstreifens an der Golfküste und das in Folge dessen minder gleich- 
massige Gefftll bedingt zum Unterschied von jenen längeren Lauf und 
breitere Entfaltung. Der östlichste von ihnen, Appalachicola, entsteht 
aus dem Flint R., der am Ost- und dem Chat ahochee, der am West- 
abhang der Bluc Ridge entspringt. Trotz des Wasserreichthums, den er 
aus einem Gebiet von gegen 10,0m U KU. zieht, ist er doch nur ver- 
hflltnissmässig wenig schiffbar. Nur Iiis zur Vereinigung der hehlen 
Arme, also nicht über 10U Kil. von der Mündung aufwärts können kleinere 



Digitized by Google 



-ja; 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



Schiffe ohne Schwierigkeit gelangen. Die näehstwestlichen C hoctanat- 
ehie and Yellow K. sind kleine Küstenflüsse mit grossen Aestuarien, 
ebenso die verschiedenen Küstenflüsse, die östlich vom Appalachicola in 
den Golf münden, wie Oklokonee und Ocilla. Fscambia ist ein 
grösserer Fluss dieser Art, der mit seiner Mündung den ausgezeichneten 
Hafen Pcnsacola bildet. Der grösste aber von diesen Golfflüssen ist der 
Doppelfluss des Alabama und Tombigbcc (1040 Kil., 82,<M*> Q.-Kil.), 
die zusammen, nachdem sie durch mehrere Querarme sich verbunden, als 
Mobile R. in die Mobile-Hai münden. Dieser Mobile Ii. ist indessen 
nur ein Gewirr von verschiedenen . unter sich verflochtenen Mündungs- 
armen, deren westlichen man Mobile, und dereu östlichen man Tensaw 
II. nennt. Eiu vollständiger Zusammenfluss findet nicht statt. Der Alabama 
entsteht aus Coosa uud Talapoosa, die beide vom Westabhang der 
Bluc Iiidge kommen, und nach ihrer Vereinigung fliesst ihnen der aus 
derselben Quelle kommende Cahawba zu. Tombigbee entsteht weiter westlich 
aus einem gleichnamigen Quellarm und dem Black Warrior, die in den 
südlichen Ausläufern der Cumberland Mts. ihren l'rsprun« nehmen. Die 
Sehitfbarkeit reicht auf dem Alabama bis nach Montgomerv AI., auf 
dem Tombigbee bis Columbus Miss. Weiter westlich folgt als grösserer 
Küstenttuss der Pascagoula, der deu Chiekasawha aufnimmt, und 
ein weiterer grösserer Küstenfluss, der Pearl R., mündet bereits in das 
Deltagebiet des Mississippi. 

Ein eigenartig selbständiges System von fliesseiulen Gewässern 
bilden die Flüsse von Florida. Keiner ist durch Grösse aus- 
gezeichnet, aber die besondere Stellung, die sie unter den Flüssen 
Nordamerika^ einnehmen, verleiht ihnen ein Interesse, das erd- 
geschiehtlichen Werth hat und nicht von Grösse oder Wassermasse 
abhängt. Es genügt , auf das oben (S. 137 ff.) von der Boden- 
gestult Florida'» Gesagte hinzuweisen, um eigenthümlieh geartete 
Bewässerungsverhältnisse in dieser Halbinsel voraussehen zu lassen. 
So wie es keine Halbinsel von ähnlicher Bodengestaltung gibt, so 
gibt es auch keine von ähnlichen hydrographischen Verhältnissen. 
Die Richtung ihrer Flusslüufe ist ebenso merkwürdig wie ihre 
Beschaffenheit, die Art, wie sie untereinander und mit den zahl- 
reichen Seen verbunden sind , ist höchst eigenthümlieh und nicht 
weniger ist es die Geartetheit der letzteren, welche uns alle nur denk- 
baren Uehcrgänge zwischen nasser Tiefland-Prärie, Tümpel, See, 
Lagune und Fluss in den verschiedensten Verbindungen vor Augen 
bringt. Die ganze Halbinsel, kann man sagen, vorzüglich aber ihre 



Digitized by Google 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



207 



Südhälftc ist grossentheils noch kein eigentlich festes Land, sondern 
ein Mittelding zwischen Land und Wasser. 

Die eigentliche Halbinsel Florida kann in ihrer nördlichen Hälfte bei 
aller anscheinenden Einförmigkeit als aus zwei sehr verschiedenen Theilcn 
zusammengesetzt angesehen werden: Einem von der Golfküste allmählich 
bis zu 72 m. ansteigenden und nach 0. ebenso allmählich abfallenden 
Hachen Höhenrücken und einem Flachland, das im (). vorgelagert ist und 
mit einer sehr Hachen, einförmigen Dünenküste sich ins Atlantische Meer 
senkt. Zwischen beiden Hiesst der St. Johns K. (720 Kil., 66,000 Q.-Kil.), 
der wie ein langgestreckter See die fast ausschliesslich aus S. und W. 
kommenden ZuHüssc aufnimmt und in seinem Hachen und breiten Bette 
bei unmerklichem Gefüll zum Meere führt. Sein Qnellgebiet lioprt wenig 
südlich vom 29. Breitegrad , wo Lake Monroe und Lake Apopka die 
äussersten Sammelbecken darstellen, welche von zahlreichen trügen Sumpf- 
bäehen und von noch viel mehr Zuflüssen gespeist werden , die ohne 
deutliche Betten aus den weiten, hier schon zu den Fverglades überleitenden 
Sümpfen in diesen Seen zusammenlaufen. Der AbHuss des L. Monroe geht 
zum L. George, an dessen Ausmündung man gewöhnlich den eigentlichen 
S. Johns R. beginnen lässt. Oklawaha K. mündet in diesen unterhalb 
der Ausmündung und führt ihm ausser den Wassern des L. Apopka auch 
die des Orange L. zu. Weiter abwärts mündet von der rechten Seite 
noch der Abfluss des Duifs L., welcher ausser dem in das Mündungsbecken 
mündenden Pablo t'reek der einzige rechtsseitige Zutluss von Bedeutung 
ist. Von der linken Seite mündet in der Nähe des :$0. Breitegrades 
Black t'reek, dessen Quellen nahe bei denen des Suwannee R. auf dem 
Höhenrücken von MittelHorida liegen. Die sceartipe Breite von durch- 
schnittlich t Kil., welche der Fluss bereits wenijj unterhalb Dun's Lake 
erreicht, und mit Ausnahme einiger unbedeutender Einschnürungen bis 
nahe an die Mündung bewahrt, zeigt genügend an, dass diese Zuflüsse 
ihm keine sehr bedeutenden Wassermassen zuführen, sondern dass es in 
erster Reihe die Seen und Sümpfe seines Quellgebiets sind, aus denen er 
seinen Wasserreichthum bezieht. 

Das tiefste Wasser in der Mündung des St. John ist. 28 m., aber 
diese Tiefe findet sich nur in einem schmalen ('anal, der von zahlreichen 
Bänken durchsetzt wird, über denen nur 2 — 2,5 in. Wasser steht. 
Schiffbar ist er bis an das südliche Ende des L. Georpe für Schiffe bis zu 
2.5 in. Tiefpang, für kleinere bis in sein Quellpebiet. Ob der St. Johns R. 
.'5KO Kil. oberhalb seiner Mündunp wirklich nur 3' ? e. F. über dem 
Meere liegt, wie man angibt, muss der Bestätigung durch genaue 
Messungen vorbehalten bleiben, aber sicherlich ist sein Gefäll ein ganz 
ausserordentlich geringes. 

Der bedeutendste Fluss auf der Westhälfte der Halbinsel, der 



Digitized by Google 



208 



IV. Ströme, Flüsse and Seen. 



höheren Hälfte, ist der Suwannec, der den Westabfall des nordflorida- 
nischen Höhenrückens in vorwiegend südlicher Richtung hinahHiesst. Er 
empfangt nördlich Zuflüsse aus Südgeorgia und östlich aus dem mittleren 
Florida. Alapaha ist unter den ersteren, Santa Fe IL unter den letzteren 
der nennenswertheste. Amixuni (oder Withlocoochy), Hillsboro, der in 
die Tampa-Bai, Peasc Creek, der in Charlotte Harbour mündet, sind 
weitere westHoridanische Flüsse, deren Quellen in den höheren Theilen 
des Inneren von Mittelflorida liegen. 

Einen ganz anderen Typus von fliessenden Gewässern. Mitteldinge 
zwischen Sümpfen, Seen und Flüssen findet man südlich vom Pease Creek 
und dieser bildet bereits einen Uehergang zu denselben, denn sein Quell- 
gebict ist voll von Seen und seeuartigen Sümpfen und nur das stärkere 
Gefall seines Untcrlaufes prägt ihm unzweifelhaften Flusscharakter auf. 
Der nächstsüdlichc Flu>s der Westküste, Caloosahatchee R., ist ein 
Austluss des Okeechobee-See's, nimmt aber seine Wasser nicht unmittelbar 
in einem einzigen breiten Canal auf, wie andere See -Abflüsse, sondern 
erhält sie aus den Sümpfen, die den See im W. und S. umgeben und 
während der regenreichen Zeit des Jahres regelmässig von ihm über- 
schwemmt werden. Zahlreiche Abflüsse dieser Sümpfe und besonders 
der der Westküste zunächst gelegenen, mit Taxodien bewachsenen, welche 
als Big Cypress zusammengefasst werden, münden in den südlichsten 
Theil der Westküste, deren Rand sie hier in das Eilandgewirr der 
Thoitsfintl Islands zerschneiden. Es sind seichte, schilfreiche Canäle. die 
gewöhnlich von der Küste ans in lagunenartiger Breite ein Paar Dutzend 
Kilometer ins Innere zu verfolgen sind, dann aber allmählich seichter 
werden und durch immer stärkeres l'eberwiegcn ihrer Schilf- und Binsen- 
vegetation ohne bestimmte Grenze in die grossen Sümpfe übergehen, 
deren Wasserüberschuss sie abführen. Die Taxodien, welche gern in 
seichtem Wasser wachsen, machen diesen Uehergang noch unmerklicher. 
Aehnliche Abflüsse zeigen die Mangrove-Sümpfe der Südküstc. An der 
Ostküste reichen im südlichsten Theil die Sümpfe (hier Ere>(jla<U$ 
genannt) bis an den Rand des Meeres, so dass es hier ausser Chi's Cut, 
der in den südlichen Theil der Key Biseayne-Bai mündet, keinen grösseren 
Abtluss gibt, und nördlich vom 2tl. Breitegrad nehmen sie zwar gleichfalls 
einen lagunenhaften Charakter, ähnlich denen der Südwestküste an. aber 
die Lagunen werden hier zu parallel mit der Küstenrichtung laufenden 
Haffen, die durch schmale Sandnehrungen vom offenen Meere getrennt sind. 
Ein Damm flacher Sandhügel, der ganz wie aus alten Nehrunuen zusammen- 
geschoben erscheint, schiebt sich zwischen die Küstenlajjuncn und die 
Sümpfe des Inneren ein und verhindert die Draiuirung der letzteren nach 
der Ostküste hin, so dass für den weitaus grössten Theil der Ercrg/adea 
ein Abtluss nach W und S. hin, theils unmittelbar, theils durch Vermitte- 



Digitized by Google 



IV. StrOme, Flüsse und Seen. 909 

lung des Okceehobee-Sees anzunehmen ist. Der Miami ist einer der 
Abflfiase des Kvergladc-Sumnfes, ein Fluss, der einen Weg durch die 
halbmondförmige Kalksteinmauer gebrochen hat , die diesen Sumpf um- 
randet, Der Miami tritt aus den Everodes mit einem kleinen Fall. 
Der Kalksteinwall, welcher die Evcrglades umgibt, ist hier ß— 8 m. hoch, 
wahrend die letzteren nur - 2Va m. Ober Meereshöhe liegen sollen. 

Den Everglades fliesst auch ein grosser Theil des nördlich von hier zur 
Krde kommenden Wassers zu und zwar hauptsächlich durch den Hinnen- 
tluss Kissimee R.. der aus dem Sammelbecken des gleichnamigen Sees 
den Abflugs des zwischen 27 und 2H" N. H. und östlich vom Pease Creek 
yeletrenen Theiles von Florida zuführt. Weiter hinauf sind au der Ost- 
küste nur noch Lagunen von der eben beschriebenen Lage und Beschaffen- 
heit, die in seltenen Füllen (und wahrscheinlich nie für die Dauer) seeartig 
abgeschlossen sind, wie Lake Worth, oder Auslässe haben, und zwar 
meist mehrere, wie .Indian R. und Halifax R. 

Das Stromsystem des S. Lorenz nimmt, mit dem Aestuar 
Ins zur Insel Anticosti gemessen, einen Fläehonrauni von l,:57S.OÜO 
□ Kil. (2r>.<XK> (1. □M. > ) ein. Der Gestalt und Lage nach ist 
es ein unregelmässiges nach SW. gerichtetes Parallelogramm von 
ca. lfiOO Kil. Länge und 4<K> Kil. mittlerer Breite. Von dem 
Flächeninhalt entfallen 358,000 □Kil. auf die Grossen Seen und 
den Mündungsgolf, während 1,020,000 n Kil - Jie Oberfläche des 
von dem Strom und seinen Nebenflüssen drainirten Gebietes beträgt. 
In das Gebiet der Vereinigten Staaten fallen von diesem letzteren 
1 >.( H K) □M.. ferner die Halbscheid der Grossen Seen, die von 
der politischen Grenzlinie halbirt werden. Dieser zu den Vereinigten 
Staaten gehörige Theil des S. Lorenz-Stromgebietes liegt mit Aus- 
nahme eines kleinen Abschnittes am Westende des Oberen Sees ganz 
auf der Südseite des S. Lorenz-Thaies. Selbstverständlich halbiren 
wir hier dieses in seiner Gosammtheit für die Vereinigten Staaten 
so wichtige Stromsystem nicht nach politischen Rücksichten, sondern 
betrachten es als ein Ganzes. Wir tbeilen es nur insofern, als wir 
die grossen Seen, welche dasselbe aneinanderreiht und welche, wenn 
auch vom oberen Theile des S. Lorenz durchflössen, doch weit aus 
dem Rahmen des Stromsystemes heraustreten, als selbständiges 
geographisches Gebilde auffassen. 

Als Quelle des S. Lorenz nennt man die des längsten Zuflusses 

Rat 7,1. Amerika. I. 14 



Digitized by Google 



L'10 IV. Strümp, Flüsse und Sonn. 

des Oberen Sees, des S. Louis H. (S. Lewis), welche unter 48° HO' 
X. B. und ungefähr 9.T* W. L. gelegen ist. Wenn man indessen 
die grossen Seen als ein fast selbständiges System von Wasserbecken 
ohne Rücksicht darauf betrachtet, dass es das Wasser des Stromes 
ist, den man von ihrer Ausmündung an S. Loren/, nennt, welches 
sie erfüllt, so liegt der Anfang des S. Lorenz an dem Punkte, wo 
der Ontario-See sich an seinem XO.-Knde zu flussartiger Schmalheit 
zusammenzieht. Wenn auch stellenweise Krweiterungen unterhalb 
dieses Punktes nicht fehlen, so ist die Wassermasse doch von hier 
an in engere Schranken gezwängt und verliert selbst für den Anschein 
nie mehr den ersten und eigentlichen Charakterzug des Stromes, 
das Fliessen. Die Richtung des Stromes ist von hier an entschieden 
nordöstlich und entspricht damit der Richtung der Xord-Alleghanies, 
an deren Westabfall hier der Lorenz-Strom eine ähnliche Senkung 
ausfüllt, wie der Ohio es weiter südlich, nur in entgegengesetzter 
Richtung fliossend. thut. Der Ontario-See liegt in derselben Kill- 
senkung, während beim Niagara die mittelsilurische Stufe eine un- 
verkennbare Grenze zwischen dem oberen, der eigentlichen Seeregion 
ungehörigen und dem unteren oder Stromabschnitt des S. Lorenz- 
S} stemes zieht (s. u. S. 2.'>7 über die Oberflächengestalt der See- 
region). Der Nordrand dieser Senkung, der die Wasserscheide 
zwischen Zuflüssen des S. Lorenz und den lludsonsbai - Flüssen 
bildet, ist die Fortsetzung desselben Landrückens, der das nördliche 
Ufer des Oberen See's bildet und von da ostwärts ziehend die Land- 
höhen des Inneren mit dem Hochland von Labrador verbindet Den 
Südrand bildet in seiner ganzen Erstreckung der nordwestliche Ab- 
hang des Alleghany-Systems (s. o. S. 54. 59). Zwischen den beiden 
Hochländern fliesst der S. Lorenz wie in einem weiten Thal, aber, wie 
auch in der Seeregion, näher der rechten (s.) als der linken (n.) 
Seite desselben. 

Die Grenze «1er Vereinigten Staaten erreicht den Fluss seihst nur auf 
der nicht langen Strecke zwischen seinem Anstritt ans dem Ontario-See und 
dem 45. Breitegrad; ahwarts von liier verharrt sie vorwiegend am Thai- 
land, d. h. auf der Wasserscheide. Diese Wasserscheide ragt nur in der 
Region des grossten Zuflusses, den der S. Lorenz von der rechten Seite erhalt, 
des Richelieu R. zwischen Adirondacks und Green Mts., tiefer nach S. 
hinab. In der südlichen Verlängerung derselben lliesst der Hudson R. und 



Digitized by Google 



IV. Strome. Flusse und Seen. 



LM1 



für den Verkehr ist dieses Thal, das sich nicht üher (»00 in. erhebt, 
nicht ohne Bedeutung, wie denn seine Zugehörigkeit zu dem Grosse« 
Thal der AUeghanUs (s. o. S. 50) ihm eine hervorragende Stellung unter 
den orographiseh bedeutsamen Absehnitten Nordamerika^ anweist. Die 
einzigen grösseren Zuflüsse, die der S. Lorenz von S. und 0. her 
empfangt , Richelieu und Francis R . gehören dieser Einsenkung an. 

Im Gegensatz zu diesen, den gebirgigeu Charakter ihrer Ursprungs- 
gebiete durch verhältnissmfissig kurzen und ungehemmten Lauf bezeu- 
genden Zuflüssen sind die von der linken Seite kommenden die Abflüsse eines 
seereichen flachen Hochlandes, auf welchem die Gewässer breit und unter 
mancherlei Hemmungen sich bewegen. Die Aehnlichkeit dieses Gebietes 
mit der Seeregion westlich und nördlich vom Oberen See ist eine hervor- 
tretende; aber die unfertige Stromentwicklung erstreckt, sich hier noch tiefer 
in die Flussgebiete hinab als in jenem gefallreicheren Gebiete. Ottawa, 
S. Maurice und Saguenay IL. die grössten Zuflüsse dieser Seite, sind 
durch den Seereichthum ihres Gebietes, die seeartigen Erweiterungen, 
zu denen sie selber anschwellen, die Verbindungen, welche innerhalb der 
Flusssysteme stattfinden, die grossen Weitläufigkeiten ihres Laufes bis 
zur Mündung hinab ausgezeichnet. An diesem Charakter nimmt der 
S. Lorenz in seinem felsigen, vom Plateau-Charakter noch nicht ganz 
befreiten Bette selber Theil. S.Francis-, St. Louis- und St. Peter- 
See sind ebenso viele seeartige Erweiterungen im Helte des Stromes, 
der trotz des hoben geologischen Alters, das ihm wahrscheinlich zukommt, 
einen durch vielbehinderte Strömung bezeichneten unvollkommeneren oder 
jugendlicheren Zustand eines Stromes noch nicht überwunden hat. 

Leber die Zuflüsse der grossen Seen siehe unten S. 2'M) den Abschnitt, 
der von den letzteren handelt. 

Der Red R. of the North, der als der einzige zum Gebiet der 
Hudsons-Rai gehörige Fluss Nord-Amerika s eine Sonderstellung unter 
allen anderen fliessenden Gewässern unseres Gebietes einnimmt, Hndet 
insofern am passendsten seine Stelle bei den Flüssen der Seeregion. als 
er gleichfalls einer Seeregion angehört, die in Lagerung, Richtung, Bau 
der einzelnen Seen und Flüsse ihre Aehnlichkeit mit der Region der 
Grossen Seen nicht verkennen lasst und als eine Fortsetzung derselben 
erscheint. 

Als Quelle des Red R. of the North wird herkömmlich Lake 
Travers 1 ). der Quellsee desjenigen Armes genannt, der auch als 



1) Der Name soll andeuten, dass der See nahezu quer zu der Richtm^ 
liegt, in der Big Stone und Qui Parle Lake sich erstrecken. W. II. Keating. 
Exp. to Peters R. II. 6. 

14 * 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



Swan Et. von dem aus NO. kommenden längeren ZuHuss Ottertail R. 
unterschieden wird. Er liegt in 20.' I m. Mecre-höhe. ist 21 Kil. lang, 
aber kaum mehr als 2 Kil. an irgend einem Punkte breit. Er liegt 
mehr als .'50 m. unter den Prärien, die ihn umgeben, und vom Bigstone L., 
der dem Minnesota oder Peters R. Ursprung gibt, trennt ihn nur eine 
schmale Landenge, welche häutigen Uebersehwemmungen ausgesetzt ist. 
Denjenigen Theil, aus welchem Swan K. austliosst, den nördlichen, nennt man 
auch Bufl'alo Lake. Iiis /um Zusammcnfluss mit dem Ottertail R. ist 
Swan R. ein seichter Fluss. der sogar stellenweise in den trockenen 
Monaten wasserlos ist. Ottertail Lake, in dem der östliche, viel 
längere Quellarm des Red R. of the North seinen Ursprung nimmt, ist 
einer der seichten, mit erratischen Blöcken erfüllten Seen, die für 
diese Driftreginn so charakteristisch sind. 1 Kil vom Ffer ist er kanm 
1 m. tief, seine Lange betragt ls, seine Breite tl Kil. Der Ottertail R. 
verlässt ihn an seinem südwestlichen Ende, wo die Prärie lo— 12 m. über 
di m Seespiegel liegt. In den ersten .'»<> Kil. seines Laufes ist der Fluss 
ausserordentlich gewunden und reich an Seen . die er. wie zu einem 
Maschenwerk, durch seinen vielgewundenen Lauf verbindet. Er tritt bei 
21MI m. Meereshöhe mit dem Swan R. zusammen. Der Red R. steigt dann 
durch eine Kette von Stromschnellen erst in südlicher, dann westlicher, dann 
südöstlicher Richtung auf ein tieferes Niveau herab. Wenig unterhalb dieser 
Stromschnellen hört die Bewaldung der Ffer auf und der Fluss Iiiesst 
nun in Prärie-Ufern . die bei mittlerem Wasserstand durchschnittlich 
10 — lf> m. hoch sind. Nur in der Nähe der Einmündung des Ottertail R. 
und der Nordbiegung des Flusses sind dieselben niedriger und überragen 
beim sommerlichen Hochwasser noch nicht um 1 m. den Wasserspiegel. 
Da von hier nordwärts die Neigung des Strombettes ebensosehr auf 
Aushöhlung durch den Fluss als auf dem natürlichen Abfall des Lande« 
nach N. zu beruht, wachsen die Ufer an Höhe und messen unter 46* lo' 
wiederum 1» m. Das Gefäll des Stromes ist zwischen der Südbiegung und 
Pembina (MX; m. per Kil.. die Entfernung von Ottertail L. bis Pembina 
71H) Kil. Pembina liegt bei 226 m. Ueber Ul" N. B. hinaus reicheu die 
Prärie-Ufer, die waldlos sind. Erst bei Ki" 2.T setzt wieder ein Wald- 
streif ein, der von hier an den Fluss bis hinab nach Pembina auf beiden 
Seiten begleitet. In derselben Breite beginnt die Klarheit, welche der 
Mass bewahrte, einer Trübung Platz zu machen, die von den Thon- 
schichten stammt, welche 150 Kil. von hier an sein Bette bilden 1 ). Die 
Zuflüsse des Red R. sind von geringer Grösse. Auf der westlichen Seite 

1) Diese Thons« lochten geben ihm indessen nur eine milchige Trübung, 
während das Bramiroth , das dem Flusse den Namen verleiht, von dem von 
rechts her in der (iejfend des 4M. Breitegrades einmündenden Znfluss Red Fork 
gebracht wird, aus dem der Red L. kommt. 



Digitized by Googl 



IV. Ströme. Flüsse und Seen. 213 

ist der grösste Shayenn ° R. (Ahfluss des Dcvils Lake) der an der 
Mündung 20 ni. breit ist; wei^r nördlich folgt Pembina K., der aus 
•lern L. Mc Intosh kommt; von der östlichen Seite kommt Red Pork 
oder Ii cd Lake R., der der jjrösste aller Zuflüsse ist, die Red K. 
innerhalb der Grenzen der Vereinigten Staaten empfangt. Er ist an der 
.Mündung 30 m. breit. Jenseits der Grenze mündet der grösste Zutluss, 
der Assiniboine R. , dessen südlicher Nebenrluss Souris oder 
Mousc R. mit einer tiefen Schlinge in das Gebiet der Vereinigten 
Staaten herüberreicht. 

Die Flusse von Texas unterscheiden sich von den Golfzurlütsen 
der Vereinigten Staaten westlich vom Mississippi durch Merkmale, welche 
ihnen tbeils die Eigentümlichkeiten der Hodengestalt, thcils die des Klima's 
ihres Gebietes aufprägen. Was oben (S. 128) über die Oberflächen- 
gcstaltung von Texas gesagt wurde, klsst voraussehen, dass die Flüsse 
dieses südwestlichsten Abschnittes der Vereinigten Staaten eine thcils östliche, 
theils südliche Richtung einschlagen und im Ganzen und Grossen ohne sehr 
bedeutende Hindernisse ihren Weg nach dem Meere verfolgen werden. Wir 
wissen, dass Texas das Gebiet ist, in welchem der im N. vorwaltend westliche 
Abfall von den Cordilleren gegen den Mississippi zu allmählich südlich wird. 
Der Red R. des Südens, der, wenn auch in den Mississippi tliessend. doch 
ein halb texanischer Fuss ist, zeigt in seinem westlichen Ober- und seinem 
südlichen Unterlauf deutlich diesen Wechsel und auch die eigentlich 
texanischen Flüsse lassen denselben da erkennen, wo sie weit genug nach 
X. hinaufreichen, wie man deutlich am Rrazos R. sieht. Die kleineren 
und dann auch der halbmexikanische Rio Grande sind davon ausgenommen, 
aber eine allgemeine Richtung nach SO. hin, die im Unterlauf immer südlicher 
wird, ist auch ihnen eigen. Ks ist ferner für sie alle bezeichnend, dass 
ihr oberer Lauf in trockeneren Gegenden liegt als ihr unterer und dass 
dieser in eine lagunenreiche Tieflandregion fallt. Der letztere Umstand 
l;Vs>t sie alle im unteren Laufe schiffbar werden. Mit Ausnahme des 
Rio Grande durchfliegst keiner von ihnen eigentliche Gebirge, was ihnen 
allen eine bemerkenswerthe Glcichmässigkcit des Laufes gibt, die am 
häutigsten nur im Mündungsgebiet durch überreiche Hegengüsse unter- 
brochen wird; aber die Thatsache, dass ihre obersten Qnellgebictc 
in leicht zerfallenden Schichten der Krcideformation liegen, macht sie 
ungemein sehlammrcich und aus derselben urossentheils dürren Hegion 
empfangen sie, auch darin den ächten SteppenHüsseu des Missouri-Gebietes 
vergleichbar, saUgeschwangerte ZuHüsse. Intermittirendc Flüsse (Fiumaren 
oder Arroyos) sind unter ihren obersten Zuflüssen nicht selten »). Dem 



1) Die Fiumaren werden hier Arrvyw (spau. Wort für Bach) genannt. Wie 
ihre Beschaffenheit gleicht auch ihre Entstehung der der Fiumaren Sud-Kurepa's. 



Digitized by Google 



214 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



entsprechend sind auch plötzliche Anschwellungen etwas Gewöhnliches 
und dieselben sind für die Communicationen ein grosses Hinderniss und 
für den Unvorsichtigen nicht ohne Gefahr. Fuhrleute, welche auf dem 
Thalhoden eines Gewässers dieser Art ihr Nachtlager aufgeschlagen, sind 
schon oftmals sammt Wagen und Vieh von der unerwarteten Flut mit 
weggeschwemmt worden. Pas permanente Wasser der Flüsse dieser 
Gegend ist ein klares Quellwasser, dessen Quantität durch atmosphärische 
Niederschlüge wenig EinHuss erleidet. Aber die Flussbetten sind zugleich 
der AbHusscanal für atisgedehnte PrärieHächen und Hügelland Schäften, 
welche bei trockenem Wetter ganz wasserlos sind . bei heftigen Güssen 
aber eine sehr grosse Regenmenge empfangen. Von dieser dringt in den 
glatten und harten Boden nur wenig ein und die ganze Wassermasse, 
welche von einem Räume von oft mehr als hundert Quadratmeilen ablauft, 
drangt sich in einem tiefen und engen Flussbett zusammen und füllt 
zuweilen mit einer Schnelligkeit, die keine Rettung zulässt, dasselbe «». 
10 und mehr m. an. Man hat einen Masstab für die Höhe und Wild- 
heit, welche diese Flüsse erreichen können, an dem Treibholz, das z. R. 
Fröbel in den Gipfeln hoher Räume am Devils R. und am Guadalupc 
(Texas) hangen sah'). 

Her grösste von ihnen ist der Rio Grande del Xorte, Rio Bravo 
oder Rio del Norte, der überhaupt der grösste der Flüsse des Südwestens 
ist, doch allerdings seiner Lage nach nur theilweise in das Gebiet der 
Vereinigten Staaten gehört, insofern er im unteren und einem Theile 
des mittleren Laufes GrenzHuss gegen Mexiko ist . dem auch ein be- 
trächtlicher Abschnitt seines Flussgebietes angehört. Seine Länge wird 
auf 2800 KU., die Ausdehnung seines Stromgebietes auf (ji'n.om [jKil. 
(11,300 DM.) angegeben. Indem er fast auf seiner ganzen Länge 
zwischen den östlichen, bald gebirgs-. bald hochebenenhaften Ausläufern 
der nordamerikanischen Cordilleren fliesst , ist er vorwiegend Gebirgs- 
uud HochebeneuHuss, aber es ist im Vergleich zu den beiden anderen 
Strömen des W., denen man dieselbe Ligenschaft zuerkennt, für ihn 
bezeichnend, dass er meist in der Richtung der Gebirgs- und Hügel- 
ketten Hiesst . die von dem breiten Recken des San Juan-Parkes an. in 
den seine Quellbächc herabsteigen, bis zur Sierra de los Orgunos. ihn 
wie die Ränder natürlicher Thalbecken begleiten. List von der Sierra 
Bianca an legen sich auch in seinen Weg Gebirgsketten, die er in 

Sit- sind eine natürliche Folge der sehr ungleichen Vertheilung des Regens über 
das Jahr; die Süudtluten, die oft nach niehrmonatlicher Dürre das Land ülier- 
schwemmen , graben in kurzer Zeit tiefe und breite Betten, die sie stellenweis 
mit sehr gros>en (ierollmusscn erfüllen und in welchen selten langer als einige 
Monate sieh etwas mehr als Tümpel halten. 
1) Frobvl, Aus America. 11. 324. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



215 



tiefen Canons durchbricht ; darauf tritt er nach Aufnahme seines grössten 
Nebenflusses, des Pecos, in das texanischc Hügel- und Tiefland ein, in 
welchem er in derselben Richtung wie alle anderen texanischen Flüsse 
dem Meere zufliesst. 

Die Quellen des Rio Grande liegen unter 37 — 38° N. B. im Gebiet 
des Staates Colorado, in jenem südlichen Theile des Felscngebirges, 
welcher als Sierra la Plata sich von den Elk Bits, südwärts erstreckt. 
Die (Quellen des Arkansas und des Grand R. (Colorado) liegen ganz in 
der Nähe und sind nur durch einfache Gebirgsketten von ihnen geschieden. 
Nach Durchbrechung der S. .Juan-Kette tritt der junge Fluss in das 
weite Thal des San Luis-Parkes ein, in welchem er sich südwärts wendet, 
um seinen Weg durch das grosse natürliche Thal zu nehmen, welches 
von den parallelen Bergzügen des südlichsten Felsengebirges und dessen 
Ausläufern im östlichen Ncu-Mexico gebildet wird. Er Hiesst im S. Luis-Park 
bei 2300 m. und fallt mit dem Südabfall der Hochebene bis Pefia Bianca 
(nahe bei der Einmündung des Galisteo) auf 1,010, bis Jsleta auf llioo, 
bis El Paso auf 1150 m. Sein Gefäll ist auf dieser ganzen Strecke so 
bedeutend , wie man es von einem dem hochgelegenen Qucllgebiet eben 
entflossenen und im Gebirge fortrliessenden Gewässer erwartet. Zwischen 
Pefia Bianca und Jsleta betragt das Gefall 1,1» m. per Kil. Bei El Paso trägt 
der Fluss schon durchaus den Charakter eines Hochebenenflusses. Wenig 
Zuflüsse und rasch wachsende und sinkende Wassermengen bei vorwalten- 
der Wasserarmuth , welche es sogar zeitweilig ermöglicht, Tagreisen im 
trockenen Bett des Flusses zu machen, sind bezeichnend für seinen Lauf 
in «lieser Region. Unter seinen Zuflüssen sind innerhalb derselben nur 
R. Puerco, der aus dem Innern Ncu-Mexiko's, also von W. herankommt 
und vielleicht die kleineren weiter oben mündenden R. Chamas und 
Galisteo, jener von der rechten, dieser von der linken Seite zu nennen. 
Bemerkenswerth ist innerhalb der allgemeinen Armuth an Zuflüssen, 
welche diesem Abschnitt eigen ist . noch die besondere Armuth an 
denselben, welche die Ostseite vor der Westseite auszeichnet. — Von 
El Paso an nimmt der Rio Grande eine vorwiegend südöstliche Richtung, 
welche ihn auf einem von dem Streichen der Cordilleren und Cordillcren- 
Ausläufer im Allgemeinen bestimmten Wege nach dem nordwestlichen 
Winkel des Golfes von Mexiko hinabführt, allwo er als mexikanisch- 
amerikanischer Grenzfluss zwischen Matamoras und Brownsville unter 25° 
5tV N. B. sich ergiesst. Die Mündung ist wie bei allen texanischen 
Flüssen eine seichte und nebt erst durch die Vermittelung von Marschen 
und Lagunen ins Meer. Hinter seiner Mündungsbarre ist der Fluss 
nicht über 400 m. breit und wird von flachen Sandufern eingefasst, 
hinter deren dünenartigen Hügeln zahlreiche Lagunen und Salzmarschen 
liegen. Ein schmaler Arm zweigt bei San Martino ab, um einen selb- 



Digitized by Google 



216 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



ständigen Weg durch die Laguna Madre nach dem Meer zu rinden. 
Von hier bis Brownsville und Matanioras ist der Lauf des Flusses so 
viel und eng gewunden, dass die Schlingen seiner Windungen sich 
stellenweise nahezu berühren. Die unteren H70 KU. seines Laufes sind 
in gerader Linie nicht mehr als 1*20 KU. lang. Erst oberhalb dieser 
beiden Grenzstädte, die (dem Laufe des Flusses nach) 75 Kit von 
der Mündung gelegen sind, werden die Ufer des Rio Grande ganz 
Haches Anschwemmungsland, wie am Unteren Mississippi, und etwa 
15«) KU. von da Hussaufwärts erstreckt sich in der Thalniederung einer 
der fruchtbarsten Striche Nord-Amerika's. 

Verfolgt man den Rio Grande etwas näher von seiner Mündung 
aufwärts, so ist es zuerst bei der Mündung des S. Pedro, dass die Ufer 
gebirgigen Charakter annehmen und diesen behalten sie dann, wenn auch 
die eigentlichen Gebirgsketten nur stellenweise unmittelbar an den Strom 
herantreten, bis in die höchsten Theile des Qucllgebietes. Oberhalb der 
Salado-Münduug wird das Bette des Rio Grande felsiger und der Fall 
des Stromes rascher. Stromschnellen treten hier zuerst auf und eine 
von ihnen, Las Islitas, welche ca. GO KU. unterhalb Fagle Pass liegt, ist 
selbst für kleinere Boote nur beim sommerlichen Hochwasser passirbar. 
Zwischen Eagle Pass und der Kinmündung des aus dem texauischen 
Hügcllandc kommenden S. Pedro R. folgt wieder ein breiter Streifen 
fruchtbaren Flachlandes, der für den fruchtbarsten Thcil des ganzen 
Rio Grandc-Thalcs erklärt wird '). 

Von der S. Pedro-Mündung ca. G< )0 KU. aufwärts, etwa bis Prcsidio 
del Norte, ist das Thal des Stromes fast nichts anderes als ein einziger 
Canon, dessen Wände, mächtigen Ruinenmauern vergleichbar, in wagrecht 
gelagerte, stellenweis 3<X) m. hohe Kalkstcinschichten geschnitten sind. 
In kleinerem Massstabe wiederholt sich hier die Canonlandschaft des 
Colorado-Gebietes. „Die Kalksteinmauern werden von einer unendlichen 
Menge von Hügeln, 40 m. hoch, gekrönt, die alle denkbaren Formen an- 
nehmen. Das ganze Land wird von tiefen Arroi/ns oder Canons durch- 
schnitten, die als Miniaturschöpfungen derselben Kraft erscheinen, welche 
den Rio Grande-Canon schuf. Bei ihrer Kinmündung in den Strom 
bilden sie Fälle oder Stromschnellen, welche durch abstürzende Feis- 
und Krdmassen gebildet sind; dieselben sind zahlreich, manche ge- 
fährlich und machen die Schifl'fahrt unmöglich. 15 KU. oberhalb der 
Pccos-Mündung ist der Strom eine einzige Kette von Stromschnellen, und 
seine mittlere Geschwindigkeit ist D — 10 KU. per Stunde').- Auf viele 
Meilen langen Strecken ist kein Platz zu Huden, wo ein Boot zu landen 



1) W. II. Emory, ü. S. and Mix. Bouiidary Survey 1*57. I. 70. 

2) Lt. Mithler iu V. S. and Mcx. Bound. Survey 1857. I. 78. 



Digitized by Google 



IV. Ströme. Flüsse und Seen. 



217 



vermöchte . geschweige denn ein der Besiedelung zugängliches Ufer- 
gelände. Die steilen l'fer erschweren selbst die Ccberschreitung des 
Stromes, welche auf dieser wilden Strecke nur an wenigen Punkten mit 
Leichtigkeit zu bewerkstelligen ist. Der sogenannte Comanche-Pass, hart 
unterhalb des Gebirgszuges Los Bofecillos gelegen, ist der besuch- 
teste und öftest genannte von diesen Uebergangspunktcn. Bei Presidio 
del Nortc mündet an der mexikanischen Seite der Co lieh os ein, ein 
wasserreicher Zutluss, der ziemlich regelmässig jeden Spätsommer den 
unmittelbar unterhalb seiner Mündung gelegenen Abschnitt des Kio 
Grandc-Thales überschwemmt. 

Oberhalb der Conchos-Mündung ist das Thal noch ca. 35 Kil. lang 
eine l — ti Kil. breite, grasreiche Niederung, es wird dann schmäler und 
Hügel und vereinzelte Berge begrenzen es. Aber ungefähr IKO Kil. 
unterhalb EI Paso legt sich die Bergkette der Sierra Bianca in den Weg. 
die in einem machtigen Canon-Thnle durchbrochen wird. Vom oberen 
Ende dieses Canons bis nach El Paso erstreckt sich dann eine 
10— 15 Kil. breite Thalniederung, deren Boden sich wenig über das 
Niveau des Stromes erhebt. 

Der grösste NebenHuss des Rio Grande ist der Pecos, ein Achter 
Hoehebencnfluss, dessen Quellen in den Südauslilufern des Felsengebirges 
in Neu-Mexiko liegen und der in vorwiegend südlicher Richtung dem Rio 
Grande zufliesst, in welchen er sich auf mexikanischem Gebiete ungefähr 
950 Kil. von dessen Mündung ergiesst. Er trägt in seinem Wasser die 
Kennzeichen des Landes, das er durchmesst, deutlich an sich. Er ist 
nach einem Beobachter „in der That eine Masse sich fortwälzenden 
rothen Schlammes und sein Wasser schmeckt, als sei es aus allen Salzen 
zusammengemischt'"). Gleich dem Rio Grande Hiesst er eine weite 
Strecke durch enge Caüons, die in seinem unteren Laufe eine nicht 
minder grossartige Elitwickelung erreichen als die des HauptHusses. 

Die unteren ZuHüsse von der mexikanischen Seite (Rio Salado, 
S. Juan, Alamo) sind im Gegensatz hiezu klare Gebirgswasser, deren 
Quellen in felsenhafteu Gebieten der nordmexikanischcii Gebirge liegen. 
Der Salado überwindet einen beträchtlichen Fall 12 Kil. oberhalb seiner 
Mündung in den Rio Grande. 

Die Möglichkeit einer wenigstens zeitweisen Dampfschiff fahrt besteht 
auf dem Rio Grande bis zur Mündung des San Pedro oder Dcvils R.. 
die von der See, nach «lein vielgewundenen Lauf des Stromes gemessen, 
H5o Kil. entfernt ist. Gewöhnlich wird indessen nur die Zahl von 
Gm— 650 Kil. für die Schiffbarkeit des Rio Grande angegeben und 



1) Lt. Michler a. a. O. I. 79. „Der Pecos verdient besser seinen anderen 
mexikanischen Namen J'uercu," setzt er hinzu. 



Digitized by Google 



218 



IV. Ströme. Flüsse und Seen. 



höher hinauf gebt in der That die praktische Vcrwerthnnp dieses Stromes 
zu Schifffahrtszwceken heute norh nicht. An seiner Mündung ersehwert 
das Einlaufen eine Harre, flher welche ein Canal von nicht üher f> und 
und nicht unter 4 e. F. Tiefe wegfahrt. Sie hesteht im Gegensatz zu 
den Mündungsbftnken anderer mexikanischer Flüsse, z. B, der harten 
Sandhank des Uio Hrazos. aus weichem Schlamm, was die Gefahr der 
strandenden Schifte vermindert. Da die Mündung den vorherrschenden 
Winden gerade gegenüber liest, ist wenig Aussicht zu einer sehr wirk- 
samen Vertiefung oder zu Schutzhauten vorhanden. 

Eine Reihe von Inseln, welche im unteren Rio Grande liegen, 
gehören je nach der Lage des Tiefwasserbettes des Stromes an ihren 
Seiten theils zu den Vereinigten Staaten, theils zu Mexiko. Elf liegen 
unterhalb Ringgold Rarracks, sind klein und fast werthlos, aber oberhalb 
dieses Punktes liegen einige grössere, wie Reaver Island und Las Ad- 
jonUs, welche fruchtbaren Hoden haben. Zusammen mit den zahlreichen 
Ränken, die häufig gangbare Furten quer durch den ganzen Strom legen, 
nehmen diese Eilande dem Rio Grande viel von dem Werth, den er als 
Greuztluss zwischen zwei so sehr verschiedenen und einander so wenig 
freundlich gesinnten Völkern haben könnte: sie sind es, welche es den 
beiderseitigen Grenzbewohnern so leicht machen, die Grenze, sei es an- 
greifend oder sich zurückziehend, zu überschreiten. 

Von den ganz texauischen Flüssen ist der grösstc der Hrazos It., 
welcher lux» Kil. lang, ziemlich die Mitte des Staates durchmesst und be- 
sonders durch seine Mündung wichtig ist , deren Lagune für Seeschiffe am 
zugänglichsten von allen Huchten der texauischen Küste. Im oberen Lauf 
besitzt er, gleich mehreren der texauischen Flüsse salzhaltige Zuflüsse, wie 
sie unter den Steppengewässern nicht selten sind. So enthält das Wasser 
des öfteren Hrazos Gyps, Kochsalz und Chlormagnesium und hat einen wider- 
wärtigen Salzgeschiuack. der sogar zur Verlegung eines Forts (F. Relknap) 
Anlass gegeben haben soll, da die Pferde das Wasser des Flusses nicht 
trinken wollten'). Sein Hett ist sehr breit, enthält aber nur wenig Wasser, 
solange nicht Platzregen dasselbe angeschwellt haben. Grosse Unregel- 
mässigkeiten des Wasserstandes sind ihm mit allen anderen Flüssen und 
Rächen dieser Region gemein. Der ZuHuss Clear Kork ist vor anderen 
texauischen Flüssen, die in der Regel rothe Erde aufgeschlämmt ent- 
halten, durch sein klares Wasser ausgezeichnet, das über Kalkstein lliesst. 
Den Colorado (Texas- Colorado) kann mau einen Rruderstrom des Hrazos 

1) Low und Ibtssh-r in Geogr. Mittle XIX. 451». Nach einer dort mit- 
getheilti n Analyse von <>. Low enthalt das Wasser des Rio Hrazos. südostlich von 
Kiowa Peak, U,17l'.5 Gyps, 0,S4H»1 Kochsalz, <M»:i'»l Cliloniiagnesium und Spuren 
von schwefelsaurem Natron. 



DigitizedjDy Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



219 



nennen, denn er hat seine Quellen in demselben salzreichen Steppengebiet 
südlich vom Llano Kstarado, durchmesst dasselbe Hügelland und mündet 
in demselben Küstenstrich. Er gleicht ihm in den Eigenschaften seines 
Wassers und in seiner Thalbildung. Seine Mündungslaguuc ist die 
Matagorda-Bai , deren Mündung (Paso de Cavallo) mit l Dl. Tiefe zwar 
zu den zugänglicheren gehört , die aber im Innern so seicht , dass die 
hinfahrt in den Fluss selbst grösseren Schiffen nicht möglich ist, Weiter 
nach W. folgen die kleineren Flüsse G u a d a 1 u p e und S a n A n t o n i o , 
die zusammen in die Ducht von S. Antonio münden, Mission H. und 
Aransas, die die Bucht von Copano zur gemeinsamen Mündungsbucht 
haben, Nueces, der in die Corpus Christi- 1 Jucht und San Fernando, 
der in die Bucht El Grulo mündet. Diese westtexanischen Flüsse, von 
welchen der Nucecs der grösste, haben das gemein, dass sie ihre Quellen 
nicht mehr im Steppenhochland von Nord-Texas, sondern in dem Hüpelzug 
haben, der südlich von demselben in nordöstlicher Richtung den Staat 
durchzieht und in dessen nordöstlicher Verlängerung die Ozark Mts. von 
Arkansas liegen. Da ihre Quellen dem Meere näher liegen, von dein ein 
weniger breiter Tierlandstreifen sie trennt, sind sie von stärkerem Qef&U 
und geringerer Schiffbarkeit als die entgegengesetzt sich verhaltenden ost- 
texanischen Flüsse. Sabine undXeehes, die in die Sabine-Bucht oder 
den Sabine-See münden, Trinidad (mit 520 Kil. Lauflänge der grösste) 
und San Jaeinto sind unter diesen hervorzuheben. Sie alle gehören 
dem Tieflandgebiete von Texas an. selbst ihre Quellen liegen z. Tb. in 
demselben und nur die des Trinidad reichen in das Hügelland hinauf. 
Sie sind im grössten Theil ihres Laufes PrärieHüssc, breite, langsam 
und gleichmässig strömende und wasserreiche Gewässer. Trinidad K. "wird 
durch diese Eigenschaft zum schiffbarsten Fluss in Texas, der in * s seiner 
Länge von Dampfern befahren wird. 

In einem Lande wie Texas, wo die Cultur vorwiegend vom Hamb' 
her ins Innere vordringt und au einer seichten Küste wie der texanischen, 
die in ihrer 400 Kil. langen Krstreckung keinen einzigen puten Hafen hat. 
werden die Flussinündungen von besonders prosser Bedeutung. Sind sie 
auch ausnahmslos von veränderlichen Sandbanken umgeben, über denen 
selten mehr als :{ m. Wasser stehen, so bieten sie doch immerhin die 
besten Ankerplätze und in der That Huden wir alle texanischen Häfen in 
den Flussmündungen, und man kann sagen, dass der grösste Nutzen, den 
derzeit die texanischen Flüsse dem Lande bringen, in den Buchten 
beruht, die sie in die Küsten einschneiden. Zwischen Bio Grande und 
Matagorda-Bay ist der Charakter der texanischen Küste ganz gleich- 
artig: bei allmählich zunehmender Seichtigkeit des Meeres als erste 
Küstenliuic eine Inselkette von mehreren loo m. bis b Kil. breit und 
an verschiedeneu Stellen von Canälen durchbrochen, in deren Mündungen 



Digitized by Google 



220 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



veränderliche Sandbänke liegen. Seichte Lagunen, deren Breite ungefähr 
dieselbe wie die der Küsteninseln und ebenso wechselnd wie sie, 
trennen diese Inseln vom Festland. Diese Lagunen sind durchaus 
seicht. Sabine Lake ist voll Austerbanken, Galveston Ray, an keiner 
Melle tief, hat Bänke mit 1,5 m. Wasser, Matagorda Bay hat in ihren 
('analen nicht über ;i m. Wassertiefe mit Ausnahme des nahezu i m. 
tiefen Schifffahrtscanais. Die westlichen Lagunen Aransas und Espi- 
ritu Santo sind noch seichter und der Haupteingang in die Nucccs- 
Lagunc hat nur 1,3 m. Wasser. Dann folgt die ausserordentlich Hache 
l'räric des Küstentietlandes , deren Boden die sehlammbeladenen Flüsse, 
die alle durch kalkreiche Schichten der Kreideformation Hies.sen. mit Kalk 
getrankt haben. Weiter nach 0. zu tritt die Lagunenbildung zurück, 
indem Marschen an die Stelle der Meeresarme treten, die an der west- 
texauischen Küste die Nehrungen vom Festland trennen; aber es münden 
auch hier die Flüsse in seichte, seeartig ins Land einschneidende Buchten, 
welche man mit Wahrscheinlichkeit als erst in der Entstehung begriffene 
Lagunen betrachten kann. Mit den Lagunen verschwiudeu auch die 
Kfisteninseln , deren östlichste, die vor der Mündungsbucht des Trinidad 
gelegene Insel Galveston Island, wie ein losgerissenes Stück Düne er- 
scheint, das man insofern als ein Gebilde jenes Flusses betrachten kann, 
als es ein Erzeugniss der Gegenwirkungen der an die Küste anprallenden 
Strömulmen des Meeres gegen die anschwemmende Thätigkcit der beiden 
in die Bai fallenden Flüsse darstellt. Es ist seiner Bodenbeschaffenheit 
nach ein Haches Anschwemmungslaud, wie der ganze Küstenstreif von 
Texas. 

Der Colorado des Westens. Naturgcmäss zerfallt das 

Colorado-Becken in zwei Abschnitte, einen kleineren, der zwischen 

dem Gebirgsland des Westens und dem Meere liegt, und einen 

grösseren, der dem genannten Gebirgsland angehört; jener gebt in 

grossen Tbeilen seiner Erstreckung unter das Meeresniveau hinab. 

dieser liegt in weiter Ausdehnung bei 2(XX) m. und mehr; dieser 

umfasst ? /s, jener Vs des ganzen Stromgebietes. Im N., 0. und W. 

umgürten dieses Gebiet Berge, die bis in die Region des ewigen 

.Schnees binaufragen und die die Quellen des Colorado nähren; 

im 8. lallt das Land rasch zu grosser Tiefe und endlieb selbst 

bis unter das Meeresniveau hinab und in dieser Depression liegt 

die Mündung des Colorado. Das ganze Gebiet betleckt einen Flächcn- 

raum von 582,000 □Kil. (10,575 g. M.). 

Der Colorado entsteht aus der Vereinigung des Grand R. und des 
Green R. Grand H. entspringt aus einer Gruppe von Gebirgsseen, die 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



•-21 




Fi*-. 10. M.itMr Ck&on, 



Digitized by Google 



222 



IV. Ström*'. Fldsso und Seen. 



vom ewigen Schnee der Front Range in der Gegend von Longa Peak 
gewahrt werden. Gewöhnlich wird ein grösserer See. Grand Lake, in 
welchen diese kleineren Seen abfliessen, als die Quelle des Grand R. 
bezeichnet, die demnach in 4<i" 17' N. B. und ln. r » M 4M' W. L. gelegen 
wftre. Green R. hat seine Quellen weiter nördlich an dem Ausgangspunkt 
so vieler weit auseinander strebenden Gewässer, am Fremonts Peak in der 
Wind R.-Gruppe. unter 43- IT»' X. P,. und 109« l.V W, L. Gleich wie am 
ersteren sind Alpenseen, die der ewige Schnee des Felsengebirges nährt, 
die Quellen dieses Flusses, der länger als der Grand R. ist und bei seiner 
mit der des Colorado zusammenfallenden Richtung als eigentliche und 
!laiipt<|uclle betrachtet wird. Die Zuflüsse beider Arme sind in ihren 
obersten Abschnitten Gebirgsflüsse . die in ausnahmslos tief eingeritzten 
Thälern tliessen: aber die Thäler der dauernden Flüsse sind verschieden 
von denen, welche nur in den regenreichen Jahreszeiten Wasser haben 
und einen Theil des Jahres als Finmaren trocken liegen ; jene haben breite 
Flussbetten von mehr oder weniger wechselnder Ausdehnung, wahrend 
diese eng und häufig von Fällen und Schnellen unterbrochen sind. Der 
Green H. tliesst durch ein Gebiet, wo die Hochebene durchschnittlich 
:J»mi m. über seinen Spiegel ansteigt : aber gegen die Fintah-Kette zu werden 
die l'fer niedriger, indem das Niveau der Hochebene sinkt, und an dem 
Fusse derselben Hiesst der Green R. in einem geräumigen und ziemlich 
ebenen Thal. Hein Gebiet der höheren Ffer gehören jene merkwürdigen 
Frosionsbildungen der Alrotr Lands an. welche sich im Thale des Bitter 
Creek finden, dichtgedrängte Canons, die die Seiten der Hochebene zer- 
klüftet haben und meist nur durch schmale Pfeiler stehen gebliebener 
Felsmassen von einander getrennt sind. „Das ganze Fand ist auf diese 
Weise in unregelmässige, kantige Blöcke zerklüftet, die als Wälle, Thürme 
und Schanzen tiefe Thäler und höhlenartige, dunkle Schluchten um- 
stehen').- 

Die ersten Canons hat dieser Arm des Colorado sich in den Uintah 
Mts. gegraben, die er «pier durchbricht. Die Mitwirkung der Gebirgshebung 
an «1er Canonbihlung , die wir schon bei «ler Besprechung der Oberfläehen- 
gestaltnng (s. o. S. 113) hervorgehoben, scheint sich dabei besonders klar zu 
zeigen, indem hier ein Zweifel daran, dass «ler Strom sein Bette, so tief 
es ist , selbst in die Schichten gegraben hat , die ihn heute einfassen, 
nicht möglich scheint. Die Schichten der Canonwände entsprechen sich 
auf beiden Seiten vollkommen, sowohl in Mächtigkeit als in Lagerung, 
während Aufeinanderfolge und geologischer Bau das Fintah - Gebirge als 
eine der jüngsten Bildungen in der Gebirgswelt des Westens erkennen 
lassen. Für den neuesten Erforscher dieser Region besteht kein Zweifel 



1) J. W . Powell Expl. of the Colorado R. 1875. lfvj. 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



223 



daran, dass „der Fluss das Recht des Aelteren halte, denn er Hoss. 
ehe das Gebirge entstanden war. . . . Der Fluss bewahrte sein Niveau, 
wahrend die Berge gehoben wurden, gerade wie die Sage in derselben 
Kbene verharrt, während der Stamm, den sie durchschneidet, sich gegen 
sie bewegt. Der Fluss war die Säge, der das Gebirge entzweischnitt" '). 
.Man betritt von Norden kommend den Fintah-Canon des Green R. durch 
Fläming Gorge; die erste Schlucht wird Red Canon genannt, dann 
folgt eine 45 KU. lange Thalwcitung. Browns Park genannt, die 
in der Axe der Erhebung oder Faltung der Fintah-Kette liegt und die 
Höhe dieses Cafionpasses darstellt, und südwärts steigt man durch Split 
M t. Canon zu den südlichen Vorbergen der Fintah-Kette hinab. In der 
Nähe des .'17. Breitegrades treten Grand und Green K. zusammen und 
ihre Wasser Hiessen von hier an als R. Colorado in vorwiegend westlicher 
Richtung, wobei sie von Nebenflüssen von O. und S. her den San Juan, 
dessen (Quellen in der gleichnamigen Sierra liegen, und den Colorado 
Chiquito aufnehmen, der in den Zuui und Mogollon Mts. und den ihnen 
benachbarten Gruppen entspringt und einen der wasserärmsten Theile 
von Arizona durchmesst Aus den südlichen Wahsatch-Uergen mündet 
dei Virgin R. auf der rechten Seite. Nachdem der Fluss hier zwischen 
den l'lateaux. mit denen das Wahsateh-Gcbirgc abfällt, und dem Colorado- 
Plateau sich in den mächtigen Schluchten des Marble und Grand Canon 
durchgearbeitet, biegt er in der Nähe des llf>. Fängegrades plötzlich 
nach S. um und rliesst nun in wesentlich derselben Richtung dem 
Golfe zu, wobei er von nennenswerthen Zuflüssen bloss noch denGila R. 
aufnimmt. 

Dieser Ist an seiner Mündung nicht mehr als 15 m. hreit und sein 
Bette ist hier ebenso seicht und von veränderlichen Anschwenimuugsbänken 
durchschnitten wie das des Colorado. In den meisten Theilen gleicht es 
dem des Colorado, nur scheint der Fluss mehr Sand zu führen und damit 

1) Powell a. a. O. 1 53. Auf die Lage der Tliälor zu den Schichten wird 
hielwi besonderes (iewicht gelegt und unsere übliche Classification in Fauns- und 
Quer-, in antiklinale und Synklinale Tüftler genügt diesen geologischen Specu- 
latiouen nicht mehr. In der Fintah-Kette hat der Green II. nach Powell von 
Qlterthälern (linkliiinle. die in einer Kalte verlaufen, httaklinalc, die dein 
Kall der Schichten folgen, (tuiilliiudc , die demselben entgegengesetzt verlaufen; 
von Längsthäleru antUclitiaif , welche antikliimleu Axen folgen, nt/nklintllf . die 
Synklinalen Axen folgen, intmokluiate , welche in der Richtung des Streichens 
zwischen den Axen der Kalten verlaufen. 

2) O. Low berichtet, dass der Colorado Chiquitn nach der Angabe der 
Moqui's nur während 5 Monaten im Jahr Wasser führe. Kiigefähr balbwegH 
/wischen Sunset-f rossing und der Mündung fand er den Kluss im Spätsommer 
wasserleer, während er bei dem erstgenannten Ort noch % l% in. tiefes. Hiessendes 
Wasser hatte. 



Digitized by Google 




Digitized by Google 



IV. Ströme. Flüsse und Seen. 



225 



l,V<> 

. G*lt\va llnliCoruitu 
Katze 1, Amerika. I. 



seine flacheren Umgebungen ganz zu bedecken; 
auch durchfliesst er meilenweit Gegenden, die 
völlig weiss bedeckt mit alkalinischcn Ausblüh- 
ungen und demgemäss fast vegetationslos sind. 
Eine solche absolut wüste (iegend durchfliesst er in 
seinem mittleren Lauf, und ein Nebenfluss, den er 
in dieser Gegend aufnimmt, trägt mit grossem 
Hecht den Namen Kio Salado. Der Oberlauf und 
das Quellgebict liegen in den dürren Thailen des 
südlichen Arizonas und Neu-Mexiko's und der Fiu- 
maren-Charakter, häufige Salzführungen, heftige 
Schwellen u. dergl. ergeben sich daraus von 
selber. Ausdauernd sind alle diese Gewässer nur 
im obersten Lauf und auch hier nur unter der 
günstigen Bedingung quellenreicher, bewaldeter, 
ziemlich hoher Gebirgszüge. Der Gila empfängt 
von S. her den Santa Cruz lt., der seine 
Quellen in den Gebirgen der mexikanisch-ameri- 
kanischen Grenze in der Nähe des 110. Länge- 
grades hat. Er ist ein nur zeitweis versinkender 
Fluss bis hinab gegen Tucson, da sein Oberlauf 
durch eine Gebirgsregion geht, die nie ganz wässer- 
tes sein kann. Unterhalb Tucson verliert er sich 
vollständig in der Wüste und besteht den grössten 
Theil des Jahres nur aus einer Kette von Tümpeln 
bis zu seiner Einmündung in den Gila. 

An die Stelle der Kette von Stromschnellen und 
Katarakten, welche bis zu der Südbiegung hin den 
Lauf des Colorado ausmacht, tritt unterhalb der- 
selben eine mildere Form des Stromlaufes, welche 
bezeichnet ist durch längere Strecken glatteren und 
ruhigeren Wassers. Black Canon ist der letzte 
stürmische Abschnitt, der in 40 Kil. Länge 25 
bis 30 Stromschnellen hat, aber es ist bei mitt- 
lerem Wasserstande bereits möglich, ihn zu be- 
fahren. Auch die Strecke bis zum Pyramid 
Canon hinab ist noch reich an Stromschellen, 
aber wenige gehen unter 1 m. Wassertiefe hinab 
und es ist mit Vorsicht möglich, sie zu passiren. 
Gerade die engsten Canons, wie Painted und 
Pyramid Canon, bieten den besten Wasser- 
weg, ebenso die Cauälc, zwischen den in diesem 

15 



Digitized by Google 



22G 



IV. Strömt», Müsse unil Seen 



Abschnitt dos Stromes häutig vorkommenden Inseln. Völlig unpassirhar 
sind aber seihst sie hei Hochwasser, das Spuren der enormen Höhe, 
in der es in den engen Canons flutet , 15 m. über der mittleren 
Wasserhöhe hiuterlilsst. Weiter unten treten in den Ausweitungen des 
Colorado-Thalcs, die man als Mojave- und Chemo huevis-Thal 
bezeichnet, zum ersten Mal Flachufer und Sand- und Kie«d)änke auf, mit 
denen eine neue Gattung von Verkohrsschwiorigkoiton beginnt. 

Begeben wir uns von hier unmittelbar in das Mündungsgebiet des 
Stromes, um von dort an seinen Lauf aufwärts zu verfolgen, so erscheint 
zunächst seine äussersto Mündung als eine Verschmälerung des Golfes 
von f alifornien, die allmählich in den unteren Theil des Stromes 
überführt. 

Der Golf von ('alifornien ist beiderseits von steil abfallenden Küsten 
cingefasst, die unmittelbar zu Bergen von bedeutender Höhe aufsteigen. 
Seine Gewässer sind nahezu frei von Kiffen und Bänken, besonders auf 
der westlichen oder ealifornischen Seite, und ihre Tiefe ist nur unter- 
brochen durch vulkanische Kelseninseln der Küste, die in grosser Zahl 
vorhanden sind. Nur am Nordende wird das Wasser des Golfes seichter und 
sinkt an der Colorado-Mündung auf 5 Faden ') und der Hoden ist dort nicht 
felsig, sondern mit grauem, fettig anzufühlendem Schlamm bedeckt. Aber 
selbst hier noch ist ein seltsam sehitfförmig gestalteter Felsen von 70 m. 
Höhe. Ship Hock genannt, die hervorragende Landmarke, gleichsam ein 
Vorposten der Felsklippon. die weiter (dien das Colorado-Thal umstarren. 
Hei diesem Ship Hock misst die Tiefe noch 17 — 20 Faden*), geht 
aber von hier an rasch zu grosser Seichligkeit über, die schon vor 
den Inseln Montagne und Goroe sich auf 2V» — 3 Faden erniedrigt. 
Das Wasser beginnt schon zwischen Ship Hock und den Inseln eine 
röthliche Farbe und Trübung anzunehmen und der Hoden besteht aus 
Schlamm. Diese Mflndungsinseln setzen sich in eine 20— 24 Kil. breite 
Hank fort, über der nicht mehr als :{ m. Wasser stehen und «reiche 
die ganze Flussmündung querüber versperrt. Jenseits derselben hat der 
Fluss bis zur Grenze der Gezeiten 4 — 11 m. Tiefe. Das Land ist 
hier zu beiden Seiten der Ufer ein breites, Haches Schwemmgebiet, 
das durch die Springfluten ') häufigen Ceberschwemmnngen ausgesetzt. 

1) Ives, Colorado Explor. Kxped. 1861. 26, 

2) Lt. Derby mass liier 1850 20 Faden, während Ives 1856 nur noch 
17—18 Faden fand. „Da der Hoden bemerkenswert!! flach und gleichförmig ist. 
so scheint es hienach, als ob sich der Oolf gegen sein Knde zu rasch auffalte" 
(Col. F.xp. Hydrogr 8). 

.'5) Eine bemerkenswerthe Erscheinung sind diese Springfluten in der Colorado* 
Mündung, welche bis ,'Jf) Kil. oberhalb der Mündung die Schilffalirt schwierig 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



227 



in seinen Umrissen deltahaft schwankend, von zahlreichen Canälen durch- 
zogen, in Bänke und Inseln zerschnitten. Man hat keine sicheren 
Messungen der Grösse der Schwankungen in Neubildung und Anschwem- 
mung, aber sie sind durch die eigentümlich wilde Natur dieses Flusses 
wahrscheinlich grösser als in vielen anderen Deltagebietcn. Wenigstens 
berichtet .Ives, dass „die Verschiebungen des Canals, der Ufer, der 
Inseln und der Bänke so beständig und rasch vor sich gehen, dass eine 
genaue Beschreibung, die sich auf die Erfahrungen einer einmaligen 
Untersuchung stützt. Dicht bloss im folgenden Jahr, sondern vielleicht 
schon nach dem Verlauf einer Woche oder eines Tages unrichtig 
befunden werden würde" 240 KU. von der Mündung aufwärts bis 
Ft. Yutna erstreckt sich diese Region des Schwemmlandes, in der das 
Flussbett aus nichts als Schlamm und Sand besteht. Der Strom ist hier 
schmäler als Deltaströme im unteren Lauf zu sein pflegen , er misst 
200- 800 ID.; seine Tiefe ist 2 — 6 m., sinkt aber über zahlreichen 
Sand- und Schlammbänken unter 1 m. herab. Die Stromgeschwindigkeit 
beträgt beim niederen Wasserstand 4 KU. per Stunde, beim höchsten, 
der :J m. über jenen hinausgeht, 8— 10 KU. Im Mai und Juni fängt 
der Colorado an zu wachsen, der höchste Stand wird Anfangs Juli 
erreicht. 

Von Ft. Yuma aufwärts tritt man in die Hügel- und Beigregion des 
Colorado ein und damit ändert sich nun sehr rasch der Charakter des 
Flusses. Ks gilt dabei die Regel: Je steiler die Ufer, desto tiefer und 
gleichmässiger das Bett. Zwar sind anfangs, trotz der Berg- und Hügel- 
umgebung, die Ufer noch von Schlammbänken umsäumt und zahlreiche 

und unsicher machen. Sie erreichen eine Höhe von 7—9 m. und eine Schnelligkeit 
von 8—12 KU. per Stunde Eine starke Flutwelle von 1.3—2 m. Höbe (bore) 
geht ihr voran. Die Nippfluten haben nur 3 m. Höhe und eine Schnelligkeit 
von 4 — ö KU. per Stunde. Man kennt die Gesetze dieser Erscheinungen noch 
nicht. Haid ist es der Vollmond und bald der Neumond, der sie erzeugt. Stack 
tntler gibt es nicht, die ausgehende Ebbe begegnet der Flut und die Strömung 
s.tzt sofort um. 

1) A. a. 0. Hydropr. !>. Er fügt später hinzu, dass das Material der Cfer 
und Bänke. Flugsand und zarter Schlamm, so beweglich sei, dass diese ungemein 
leicht ihre Stelle verändern: „Häutig kann man ein Boot über eine Stelle weg- 
bringen , wo mau beim ersten Berühren des Grundes 6 — 8" zu wenig Wasser 
fand." Andererseits ist es eine anerkannt»' Thatsache, dass zwischen der Mündung 
und Ft. Yuma bei niederem Wasserstand kein Dampfschiff seinen Weg machen 
kann, ohne mehr als einmal auf den Grund zu gerathen; man untersucht dann 
den Grund und passirt die Bank, nachdem man durch Vor- und Zurückbewepnng 
den Sand aufgelockert hat. Treibholz ist im Strome selten von gefährlicher 
Grosse und Stärke zu finden, aber es ist über die Ufer in erheblicher Meng« 
zerstreut. 

15« 



Digitized by Google 



228 



IV. Strömt-, Flüsse und Secu. 



Untiefen machen auch liier noch die Schilffahrt gefahrlich, aher sie sind 
nicht mehr so zahlreich wie im Mündungsgebiet, und im Cane-Brake 
Canon passirt man die letzten von den grösseren Hanken, um freilich 
schon 2 Kil. weiter oben den ersten der Stromschnellen zu begegnen, 
welche von nun an das grösste und nie ganz zu überwindende Hinderniss 
jedes nicht ganz ephemeren Verkehres sind und bereits den schluchten- 
und fallreichen Charakter des mittleren Colorado-Laufes verkünden. 

Die Binnenflüsse des Grossen Beckens. „Ein hervor- 
ragender Zug in der Gestaltung des amerikanischen Continentes ist 
das Fehlen grosser, abflussloser Flussgebiete und regenloser Hegionen 
im Inneren. Mit Ausnahme kleiner Gebiete, wie das des Salzsees, 
münden alle nordamerikanischen Flussläufe in die See. Die Aus- 
dehnung des Landes, das von nach der See gehenden Flüssen 
drainirt wird, ist hier grösser als in irgend einem anderen Theile 
der Welt. Es folgt daraus, dass wir grössere Thalgebiete, länger 
und breiter als die der alten Welt, besitzen." Mit diesen Worten 
hebt Maury 1 ) einen Vorzug hervor, der Nord-Amerika in hervor- 
ragender Weise vor allen andern gleich grossen Continental-Gebieten 
auszeichnet und der von allen Theilen dieses Halbeontinentes dem 
Gebiet der Vereinigten Staaten am meisten zu Gute kommt. Gerade 
dieses müsste durch die Lage seiner Südhälfte im Passatgürtel am 
meisten zu den Wüstenbildungen neigen, wenn jene Art von Boden- 
beschaffenheit, die die Abflusslosigkeit begünstigt, weit verbreitet 
wäre. Statt dessen sind die abflusslosen Hecken, wo sie eine 
nennenswerthe Ausdehnung erreichen, auf jenes Gebiet beschränkt, 
das wir als das „Grosse Hecken des Innern ", in Gestalt einer Reibe 
von EinSenkungen im westliehen Theil der Hochebene kennen gelernt 
haben, die zwischen dem Felsengebirg und der Sierra Nevada das 
Innere der nordamerikanisehen Cordilleren ausfüllt. Die oro- 
graphisehe Beschaffenheit dieser Landschaft (s. o. S. IUI) lässt keinen 
Zweifel darüber, dass dieselbe der wüstenbildenden Tendenz des 
trockenen Klima s günstige Bedingungen bietet, wiewohl andererseits 
ebensowenig die Tendenz auf Einengung dieses abflusslosen Gebietes 
zu übersehen ist. welche auf* der Nähe steiler und wasserreicher 
Gebirge beruht, die auf allen Seiten es umgeben und breite Theile 

1) In l>e Bow's Iudustr. Resources of the \V. States 1852. 3»i7. 



Digitized by Google 



IV. Strömt-, Flüsse und Sein. 



239 



seiner Peripherie für ihre oft freilieh nur mit Mühe durch die 
Wüste sich durcharbeitenden Abflüsse (Zweige des Missouri, Co- 
lumbia und Colorado) in Anspruch nehmen. 

Es sind vorzüglich zwei Gruppen von Flusssystemen, welche gezwungen 
sind , abHusslos in diesem Becken zu verharren . und zwar Hegen sie, 
wie es der in der Mitte erhöhte, an der West- und Ostseite eingesenkte 
Boden desselben bedingt, am westlichen und östlichen Bande des Grossen 
Beckens. Die einen werden gespeist von den Gebirgen des östlichen 
Randes und vorzüglich der Wahsateh-Kettc , die anderen von denen «les 
westlichen , also der Sierra Nevada , und zum Theil auch von höheren 
Gebirgen des Innern wie z. B. den Humboldt Mts. In dem Wahsatch- 
Gebirge und dem östlich an dasselbe anschliessenden Uintah - Gebirge 
entspringen die Flüsse, die den Grossen Salzsee speisen: Bear K. und 
Weber R., die am Ostrand, Jordan, der am Südrand einmündet und 
das Wasser des Utah-Sees bringt, welcher seinerseits von einer grossen Zahl 
kleinerer Flüsse und Bache aus der mittleren Wahsatch-Kette gespeist 
wird. In dem südlichen plateauartigen Ahschluss derselben Gebirgskette 
liegen die Quellen des Sevier K., der den Sevier-Sec bildet 

Am Westrand umgürtet eine lange Reihe abrlussloser Flösse und 
Seen das Hochebenenbecken. Im südlichsten Winkel lassen Fiumaren 
der Chocolate Mts., der S. .lacinto und Sa. Anna Mts. ihr spär- 
liches Wasser zum Dry Lake zusammenrinnen. Weiter nordöstlich Hiesst 
der Mohave R. in den temporären Salzsumpf des Mohave Lake. Owe ns R., 
der zwischen Sierra Nevada und den Ingo Mts. nach S. flicsst, bildet 
Owens I,. Rio Ida und Walkers R. vereinigen sich zu Walkers L. 
Pyramid L. wird durch Truckee R. gebildet. Eine Kette von Salz- 
seen und -Sümpfen wird durch Bäche gebildet, die von Warners Range 
herabkommen. Die Flüsse, die in der Mitte des seltsamen Wüsten- 
abschnitts der (irrat Pfain of the Columbia zusammenrinnen. scbliessen 
im N. diese Reihe der Randtlüsse »les Grossen Beckens ab. Ausser 
ihnen beherbergt dieses letztere aber noch in seiner Mitte ein centrales 
Flusssystem , das seine ZuHüssc aus den zahlreichen Höhenzügen erhält, 
die das Innere des Beckens erfüllen und deren höchste. Fast- und West 
Humboblt und Slioshone Mts., die reichlichste Wassennenge dem begreif- 
licher Weise nicht sehr wasserreichen Flusse zusenden. Nur die höchsten 
Gebirgszüge können hier einem Flussysteme von nennenswerther Aus- 
dehnung Ursprung gehen. Die gewöhnlichen, nicht über KHK) m. aus 
dem Hocbebeneuscbutt aufragenden Höhen haben nur schmale Bächlein 
in ihren tiefsten Schluchten und spärliche Quellen an ihrem Fusse und 
beide versiegen bald nach ihrem Hervorbrechen, nachdem sie ein paar 
Q.-Kil Landes durebfeuchtet und mit der Zeit auch durchsalzen haben. 
Die Züge der West- und East Humboldt Mts. und die zwischen 



Digitized by Google 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



beiden sich erhebende Kette der Toyabes Mts. gehören zu den wenigen 
unter den Gebirgen des Grossen Reckens, welche eine sehr erhebliche 
Wassermassc zu Thal senden und sie verleihen einem Strome Ursprung, der 
diesen Namen in der That verdient. Die Quellbäche des Humboldt R. 
kommen von ihnen herab. Die Toyabes Mts. senden den Abfluss ihres 
Ostabhanges dem Smoky Valley zu, während an ihrer Westseite der 
Reese R.. der bedeutendste Zufluss des Humboldt R., entsteht, der in- 
dessen, wiewohl noch von dem Abfluss der Shoshone Mts. verstärkt, nur 
bei besonders grossem Wasserreichthum diesen erreicht ; gewöhnlich zer- 
theilt er sich schon vorher in eine Anzahl von Zweigtlüssehen, welche im 
Sand versiegen. Vom Westabhang der East Humboldt Mts. fliessen die 
Quellen des Südarmes des Humboldt R. zusammen, während der Abfluss 
vom Ostabhang einige Seen bildet. Der Humboldt R. mündet nach 
ungefähr 450 KU. langem Lauf in den gleichnamigen See, welcher seiner- 
seits den grossen Sumpf des Humboldt Sink speist. Nirgends wasserreich, 
an keinem Punkte schiffbar, meist die Breite von einigen in. nicht über- 
schreitend, kann dieser Fluss nur in einem so ungemein dürren Lande wie 
es Nevada ist, Bedeutung gewinnen. Durch seine Wasser wird er aber der 
Schöpfer einer Kette von Culturoascn, die nur durch künstliche Bewässerung 
gehalten werden, und in seinem vielgewundenen Thal fand die Pacifie-Bahn 
den praktikabelsten Weg durch die Wüste der inneren Hochebenen. 

In Süd-Californien bilden die Zuflüsse des Tulare-Sees, unter denen 
Kern R.. KawcahR. und Kings R. hervorzuheben sind, ein besonderes 
System , dessen Mittelpunkt der genannte See bildet, das aber nicht als 
vollständig abflusslos gelten kann, insofern Kings R. vor seinem Eintritt 
in den Tulare-Sce einen grossen Sumpf passirt, der seinerseits mit dem 
Qucllsystcm des Joaquin R. zusammenhängt. Kings R. gehört demnach 
zwei Systemen an. Völlig ohne Abfluss, ein Wüstenfluss fast im Sinne 
der arabischen Wadi's ist dagegen Mohave R., der so wenig constant 
ist, dass man nicht im eigentlichen Sinn von einem Mohare-Fluss, sondern 
nur von einem Bett des Mohave sprechen kann. Die Oberfläche dieser 
Fiumare ist an vielen Punkten ebenso trocken und sandig wie der um- 
gebende Wüstenboden, das Wasser fliesst unter einer Sanddecke, nach 
deren Durchbohrung man allerdings stets auf Wasser stösst. Die Aus- 
mündung dieses zweifelhaften Gewässers liegt im Mohave oder Soda Lake. 

Wenn es auch ausserhalb dieses Gebietes der dürren Hochebenen 
des Westens keine grossen Flüsse mehr gibt, die des Abflusses nach der 
See zu entbehren, so bleibt doch, soweit die aus klimatischen Bedingungen 
hervorgehende Dürre herrscht, also in» ganzen Gebiete der Pleins, 
eine wenigstens theil weise Ab flusslosigk e it das Merkmal zahl- 
reicher, auch grösserer, fliessender Gewässer. Die Bewässerung der 
Prärien nimmt im Laufe des Jahres sehr ungleiche Verhältnisse an. 



Digitized by Google 



IV. Strömt'. Flüsse und Seen. 



2M 



Im Frühling scheinen alle ihre Vertiefungen Betten von Bachen und Seen 
zu sein, wahrend man im Sommer nur noch die grössten Flüsse als 
solche, alle kleineren hingegen trocken oder zu einem elenden Wasser- 
fadlein zusammengesehwunden findet. Von 0. nach W. nimmt diese 
Umrleiehartigkeit in der Weise zu, dass der Wasserreichthum der 
ephemeren Flüsse grösser, die Zeit seiner Dauer aher immer kürzer 
wird. Der sommerlichen Vertrocknung verfallen hier sogar grosse Flüsse, 
wie wir z. II. heim Canadian II. und anderen Nehentlüssen des Arkansas 
schon ohen zu berichten hatten, und seihst ein so grosser ZuHuss des Missouri 
wie der Platte R. wird auf lange Strecken fast bis zur Trockenheit seicht. 
IJei der Spärlichkeit und unregeluhlssigen Wasserführung der Flüsse 
bleibt auch Kaum genug für kleinere abllusslose Hecken, die die Drainage 
irgend einer Terrainfalte einem Salzsee oder Salzsumpf zuführen. In 
den Filimaren werden bei der Salzhaltigkeit des Bodens die Tümpel, in 
die »1er Fluss wahrend der trockenen Jahreszeit zerfallt, zu kleinen Salz- 
seen und ihre Zahl kann so gross sein, dass zeitweilig ein ganzer Fluss- 
ann salzhaltiges Wasser führt. Häufig spricht sich schon im Salzgehalt 
der Quellen der Salzreichthum des Steppenbodens aus. Den Beispielen, 
die wir von salzhaltigen Flüssen schon früher gegeben (s. o. S. 17C>, 213), sind 
als besonders bezeichnend noch die Zutlüsse des Cheyenne K. zuzufügen, 
welche aus den Black Hills kommen; dieselben sind eine Musterkarte der 
Figenthümlichkeiten, welche so viele Flüsse und Flüsschen der l'lains aus- 
zeichnen. Mehrere sind alkaliuisch, andere salzig und warm, zwei von 
ihnen versinken eine Strecke weit, um weiter unten starker hervorzu- 
brechen. Dabei sind die Black Hills ein reich bewässertes Gebiet, aber 
die gyps- und salzhaltigen Thone der am Ostrand des kleineu Gebirges 
Heuenden Bad Lands gehen noch in ihren Aufbau ein und sind es. die 
das Wasser so manches klaren Baches ungenies>bar machen, wahrend der 
lockere Boden der Umgebungen die lebhaften Gebirgsbadie stellenweise 
nach Art der Fiumaren versiegen hlsst und die Bildung abrlussloser Becken 
in unmittelbarer Nahe des Gebirges als keine sehr entfernte Möglichkeit 
erscheinen h'isst. 

Das Stromgebiet des Columbia R. (770.000 □Kil. oder 
14,000 g. [3]M.) nimmt den nordwestlichen Winkel des Gebietes 
der Vereinigten Staaten ein. Die Wasserscheiden des Grossen 
Beckens und des Colorado im S., des Missouri im 0., des Saskat- 
sebewan im N. bilden seine Grenzen, in denen aus zwei grossen 
Quellgebieten, einem nördlichen und südlichen, die durch die AbHüsse 
Clarke's Fork und Snake Ii. bezeichnet sind, die Gewässer vom 
Westrand des Felsengebirges zwischen dem 43. und 53. Breitegrad, 
ferner von den Gebirgen des nördlichen Grossen Beckens und eines 



Digitized by Google 



232 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



kleinen Theiles der Cascade Range und des Küstengebirges von 
Oregon nach dem Stillen Meer abmessen. Das Flussgebiet hat die 
Gestalt eines nach binnen zu breiten, gegen das Meer hin rasch 
sich verschmälernden Keiles, dessen wesentlich nördlich und südlich 
gerichtete Länge seine östliche und westliche Breite um mehr als 
das Doppelte übertrifft. Auffallend tritt in dieser Gestaltung des 
Stromgebietes der Eintiuss der Bodengestaltung hervor, welche es 
auch wesentlich ist, die ihm zu so grosser Ausdehnung desselben 
verhilft. Die zur Meeresküste wesentlich parallele Erstieckung der 
Gebirgskette verbietet den einzelnen Bächen und Flüssen das 
unmittelbare Abmessen nach dem Meere, sie sammeln sich in diesen 
Depressionen und bringen aus denselben bereits erhebliche Flüsse 
dem Columbia zu, der diese Ketten quer durchbricht. Diesem 
Parallelismus der Gebirgskette danken die Zuflüsse und Quellarme 
des Columbia ihre weite Erstieckung gegen S. und N. und diese 
zwischen Meer und Binnenland gelagerten Schranken dämmen so 
das Stromgebiet des Columbia zu der last unnatürlichen meri- 
dionulen Breite auf, in der wir es über 10 Breitegrade zwischen 
Gebirg und Meer sich erstrecken scheu. 

Die nördlichen yuellHüssc des Columbia sind entsprechend dem in 
ihrem Ursprungsgebiete vorherrschenden Parallclismus des Gebirgsbaues 
vorwiegend nördlich und südlich laufende Gewässer, die fast ohne Aus- 
nahme mit einigen von den Seen in Verbindung stehen, die in den 
Lang>thälern dieses Theiles des Felsengehirges so häutig sind. Der 
Obere Columbia mit dem Salmon Lake, der Cootenay Ii. mit 
dem F 1 a t b o w Lake, der C a n o e II. mit dem Oberen und Unteren 
Arrow Lake sind auf britischem Gebiete; Flathead It. und Lake, 
Big IH ae k f oo t. Hellgate und Bitter Koot K. auf amerikanischem 
die obersten ZuHüsse des Nordannes, des Clarkc's Fork, den man 
gewöhnlich als den tif/i ntlivhtn Columbia, als den Hauptarm des Stromes 
betrachtet. Die vier letztgenannten sind die Qucllarmc des Clarke's Fork 
im engeren Sinne. Von N. her Hiesseu noch Nehoyalpitnu EL, 
Okinakane R. und Lake, Similkamin, Mechow, Pischone R. 
und Che lau Lake demselben Arme zu und von NW., aus den Bergen des 
Washington-Territorium Hiesst ihm der Yakima R. zu, der aus Nachess, 
Atahnama, Pisco und zahlreichen anderen Armen zusammentlicsst und in den 
Columbia hart oberhalb seiner Verbindung mit dem Südann mündet. Die 
linksseitigen Zuflüsse sind viel geringfügiger, nur Spokane II. mit 



Digitized by Google 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



SM 



Coeur d'Alene und St. Joseph aus den Ritterroot Mts. ist auf dieser Seite 
nennenswert]). Der Südann, SnakcR. oder Lewis 1 Fork genannt, tiat 
seine Quellen noch etwas weiter westlich als der Nordann, in jener vor- 
geschobenen Gcbirgsgruppc , die wir als die Wind River Mts. kennen 
gelernt haben. Snake und Henry 's R. sind die obersten Quellllüsse. 
Pannack R. aus der Wahsatehkette, Bruncau, Owyhee. Malheur, 
Rurnt, Fowder, Grandrond, Wallawalla R. vorzüglich vom Grossen 
Recken sind Zuflüsse, die auf der linken Seite von S. und W., Malade, 
Roisee, Salmon, Mormon, Rock, Kuskuski, Chcrann-I'nlousc 
R., solche, die rechts von N. und S. her aus den Salmon und Ritter Root 
Mts. einmünden. 

Nach dem Zusammenflus^ dieser beiden Hauptarme geht der Columbia 
in wesentlich westlicher Richtung dem Meere zu, ohne aber die Merk- 
male eines grossen Stromes im Unterlauf so klar auszuprägen, wie die 
Grösse des Stromgebietes, das hinter ihm liegt, und die Wassennasseu 
erwarten lassen, welche er bis hichcr in sich aufgenommen hat. Er 
bleibt bis zum Meere ein Gebirgsstrom und man hat Recht, sein Strom- 
system ein noch umuhcickvltcs zu nennen, da ihm ein so wesentlicher Theil 
des normalen Stromsystcms, nämlich der ruhige, breite, zum Meer hinab- 
gleitende, durch Delta oder Aestuar mündende Unterlauf fehlt. Dass er 
dein Theile des Felsengebirges, durch den er Messt, den Namen 
Cascadengebirge gegeben hat. ist für den Strom selbst ganz bezeichnend. 
Er ist 1200 in. breit beim ZusaininenHuss «1er Hauptarme, wird aber 
15o Kil. unterhalb Ft. Nez Perce bis 75 m. eingeengt und Hiesst hier 
in den Ihdks (Rinne) zwischen hohen Rasaltwilnden unter so starker Ein- 
engung, dass beim sommerlichen Hochwasser der Wasserspiegel l'J in. über 
den Winterstand steigt. Hei diesem hohen Stande ist jede Reschitfuug un- 
möglich, bei Niederwasser kann sie bloss unter Schwierigkeiten ausgeführt 
werden. ttO Kil. unterhalb der Dalles folgen die eigentlichen Casauhs, durch 
welche der Columbia das Gebirge verlässt. Er fallt hier auf einer Strecke 
von A Kil. 12 — 15 in. und macht durch die damit verbundenen Strom- 
schnellen die Schifffahrt unmöglich. In hohen Wasserfallen stürzen in 
diesem Durchbruch zahlreiche kleinere ZuHüsse dem Columbia zu und 
die rechts und links aufragenden schneebedeckten Gipfel des Mt. Hood 
und Mt. Helens rahmen eine der reichsten Flussscenericn Amerika's 
ein. Indessen sind mit dem Eintritt in das Küstengebiet noch nicht 
alle Hindernisse umgangen. Schon 15 Kil. unterhalb der Cascaden 
ragt eine hohe Basaltwand, Cap Boom genannt, aus dem Strome 
hervor und bildet für die Schifl'fahrt eine schwierige Stelle, wenn der 
Sturm, vereint mit der Strömung, das Wasser gegen sie antreibt. Von 
der Eüngc von 180 Kil.. die der Strom von den Cascaden bis zur 
Mündung misst , fallen 120 Kil. in das Gezeitengebiet und von einigen 



Digitized by Google 



'SM 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



Einengungen durch Felsen abgesehen, schwankt die Breite zwischen 4 
und 7 KU. Willamette von S. und Cowlitz von N. sind neuneiis- 
werthe ZuHüsse, die er noch auf dieser Strecke empfangt In den unteren 
21 KU. seines Laufes ist der Columbia durchschnittlich ß Kil. breit 
und mit Ausnahme eines ( anales an jedem Ufer ganz von einer seicht- 
liegenden Masse von Sc hwemmgebilden eingenommen. Breite Sandbänke 
strecken sich von den Vorgebirgen, die seine Mündung einfassen und 
nur 10 Kil. Kaum zwischen sich lassen, ins Meer hinaus, die südliche 
is Kil. lang und 'A breit, die nördliche ß Kil. lang und 2 breit. Zwischen 
beiden bleibt ein Canal von ca. IN Kil. Breite, vor dessen Mündung 
eine dritte Sandbank sich angelegt hat. Die Oberfläche der ganzen unter 
Wasser liegenden Anschwemmung ist nicht mehr als 12<> LI Kil. 

Flüsse von Califoniien und Oregon. Californien hat zweierlei 
Flusssysteme; die einen bewässern das Innere, d. Ii. die Niederung 
zwischen Sierra Nevada und Küstengebirg , die anderen haben ihre 
Quellen an dem seewärts gewandten Abhang des letzteren und fliessen 
von da nach kurzem Lauf ins Meer. Der ersteren sind es zwei: 
Sacramento in der nördlicheil. S. Joaquiu in der südlichen Hälfte 
des Staates, die von N. und S. zusaiiimenflicssen, beim 3S. Breitegrad 
in der Mitte des Thaies von Californien sich vereinigen und in der 
Bucht von S. Francisco in das Meer ausmünden. Der Sacramento 
entspringt in und hinter der nordöstlichen Sierra Nevada in den 
Umgebungen von Mt. Shasta und Warners Bange; der an den letzteren 
entspringende Quellann heisst Bit B. San Joaquin hat seine sichere 
Quelle in der Sierra Nevada; in feuchten Wintern, wo er aus den 
Sümpfen nördlich vom Tularc-Sce Zufluss empfangt, liegen seine Quellen 
am Tejou-I'ass, aber für gewöhnlich bilden die Flüsse, die in den 
Tulare-See münden, ein abflussloses System. (S. o. S. 2IM>.) Durch das ganze 
Gebiet besteht die Begel, dass es der Zuflüsse vom Küstengebirge viel 
weniger sind als von der Sierra. In der 600 Kil. langen Strecke von 
Mt. Shasta bis Tejon fliessen etwa 12 Bäche vom Küstengebirg «lern 
Sacramento und S. Juaquin zu, und diess sind meist Fiuniareu, während 
aus der Sierra zahlreiche Zuflüsse und unter ihnen so beträchtlic he wie 
Fit, Feather, Yuba, American, Cosumucs, Mokelumnc, 
Cala veras, Stanislaus, Tuolumne, Merced B. diesen beiden 
Flursteinen zuströmen. Nur die südlichsten von ihnen werden im 
Sommer wasserarm, ohne indessen zu völligen Fiuniareu zu werden. 
Dagegen hat Süd- Californien westlich der Sierra gar keine aus- 
dauernden Flüsse, alle seine Gewässer sind Fiuniareu, deren Thäler nur 
in der Regenzeit mit Bächen, aber allerdings oft sehr stürmischen, 
erfüllt sind '). 

1) Kine für das Wesen der Fiuniareu bezeichnende Thatsache wird vom 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



Mit seinen Quellen gehört der Rio Yaqui, der bedeutendste Fluss 
von Sonora, noch diesem südwestlichen Theile der Vereinigten Staaten 
au. Dieselben liegen in den Guadalupo und C'hiricahui Mts. und bilden 
zwei grössere Quellengruppeu in oasenartigen Thälern unweit vom 
Guadalupe-Pass. 

Wahrend in Süd-Californien das Ilinflberrcichen der Wüste bis an 
den Hand des Meeres die Ent Wickelung eines Flusssystemes ähnlich dem 
dos S. Joaquin und Saeramcuto ausschliesst, rindet sich in Oregon unter 
ganz ahnlichen orographischen und noch günstigeren klimatischen Ver- 
hältnissen ein ahnliches Flusssystem, das des Willamette, der am 
Faseadengebirge und den Calapoya Mts. entspringt und in westlicher 
Richtung dem Columbia zutliesst , in den er bei Portland mündet. 
Zahlreichere Zuflüsse , die er aus dem Küstengebirge erhalt, zeigen ' den 
Unterschied au, der zwischen dem Ostabhang dieses Küstengebirge' in 
Kalifornien und in Oregon besteht, vorzüglich die reichere, transversale 
Gliederung dieses Abhanges im Gegensatz zum californischcn. 

Die Flüsse des Küstengebirges sind in sich sehr verschieden 
in Richtung, Grösse und Gefall, aber sie sind im Vergleich zu den anderen 
kurz und dünn. Ihre Wasserarmuth (südlich vom .'JH. Breitegrad findet 
sich keiner unter ihnen, dessen Bewässerung dauernd wäre) blsst die 
geringere Niederschlagsmenge erkennen, welche das Küstengebirge vor der 
Sierra auszeichnet. Das Küstengebirge ist reicher au Messenden Ge- 
wässern, die nach aussen, dem Meere zu, als an solchen, die nach innen 
abtliessen. Aber nicht alle Hiessen so kurz und gerade vom Gebirgskamin 
zum Meere, wie die grosse Mehrzahl der kleineu KüstenHüsse von Washington 
Terr., Oregon und Californien es in denjenigen Theilen des pacitischen 
Abhanges thut, wo die Höhenzüge unmittelbar zum Meere abfallen und 
völlig ohne Lüngsthaler sind. Dieser einfache Zustand findet sich weder 
In S. noch im N. und an beiden Enden treten Flüsse auf, die, mit dem 
Massstab der KüstenHüsse gemessen, hervorragend sind. So der Sahnas, 
der zwischen der Sierra Sa. Lucia und der Kette dos Mt. Diabit» wie in 
einem Längsthal Hiesst und Eel R., der in ähnlicher Weise das Küsten- 
gebiet Nord-Californieus bewässert. Wo im Süd-Oregon das Küstenge birge 
von einer Gruppe unregelmassiger Höhenzüge unterbrochen wird, finden 

San Diego K. berichtet, in welchem „im Deeemher 1M!> nach einer regnerischen 
Nacht, die sein sandiges Bett völlig gesättigt hatte, plötzlich der obere Fluss in 
(iestalt einer schäumenden Wassermasse erschien, die mit der Geschwindigkeit 
eines schnellen Fussgängers sich bewegte und bald das Flussbett mit einem 
raschen Strome füllte. Im folgenden Jahr kam beim Maugel örtlicher Kegcnfälle 
das Wasser langsam und mit Unterbrechungen an" (Kmory cit. bei Hittell. l!e- 
sources of California 1871. 4.). 



Digitized by Google 



23« 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



Müsse, die in der Sierra entspringen, Lücken, um einen kurzen Weg na«*h 
dem Meere sieh durch das erstere zu bahnen. Klamath, Kogue und 
l'inpqua R. gehören zu ihnen. In Washington Terr. , wo dieselbe 
Autlösung noch weiter schreitet, gibt es ebensowohl KüstenHüsse, die in 
westlicher, als solche, die in nördlicher Richtung, und zwar letztere von 
der Olympie Hange, nach dem Puget-Sund abHicssen. Unter den ersteren 
ist Chehales nennenswerth. Cowlit/. Hiesst von der Sierra dem 
Columbia zu. 



Die Seen. Das Gebiet der Vereinigten Staaten ist sehr seen- 
reich und es wird in dieser Beziehung nur von den nördlich von 
seinen Grenzen gelegenen Theileu Nord-Amerika's erreicht. Dass 
die Bodenbeschafl'enheit der Bildung und Ansammlung grösserer 
Massen stehenden oder nur unmerklich abfliessenden Wassers günstig 
ist, wurde schon hervorgehoben. Leicht geneigte Hochebenen zeigen 
sich in allen Erdtheilen besonders geeignet, Seen auf ihrer Ober- 
Hache anzusammeln und es ist gerade diese Bodenform, welche in 
unserem Gebiete in grosser Ausdehnung vertreten ist. Nach ihnen 
sind die Tiefländer durch Ileichthnui an Seen ausgezeichnet, aber 
bei diesen ist häutig die Verbindung mit grossen Flüssen eine zu 
innige, als dass sie so scharf ausgeprägte Individualitäten zu bilden 
vermöchten wie die Ilochlandseen. Sie sind häutig nur Erweiter- 
ungen im Unterlauf der Flüsse und bei manchen ist es schwer zu 
bestimmen, ob man See oder Sumpf vor sieb habe. Auch manche 
Gebirge sind nicht arm an Seen, sofern ihr Abfall nicht zu steil 
und ihre Thaler nicht zu eng sind. Endlich gibt es abflusslose 
Hegionen, deren allgemeine Bodengestalt an und für sich der See- 
bilduog vielleicht nicht sehr günstig ist, die aber durch einen er- 
höhten Band daran verbindert sind, ihre Gewässer nach aussen zu 
entsenden, wesshalb dieselben in den tiofstgelegenen Theilen ihres 
Innern sieh sammeln und dort, je nach dem Grade der Verdunstung, 
Salzseen oder Salzsümpfe bilden. 

Wir finden diese vier verschiedenen Arten von Seen, jede in 
grosserer Zahl, in unserem Gebiet«' vertreten und vermögen alle 
Seen, die wir hier zu betrachten haben, ohne Zwang in eine dieser 
Kategorien: Hochebenen-Seen, Gobirgs-Secn, Tiefland-Seen, Abfluss- 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



237 



lose Seen einzureihen ; jede von ihnen hat ein natürliches Ver- 
breitungsgebiet, welches erkennen lässt, dass diese Unterscheidungen 
nicht ohne Begründung in der Natur selber sind. 

L Hochebenen- Seen. Im N. der Vereinigten Staaten ragt 
aus Britisch Nord - Amerika eine breite Hochebene herein, der 
man wegen ihres Seenreichthums den Namen der Canadisehen 
Seenplatte beigelegt hat. Der vorwiegend felsige Charakter, den 
ihr der geologische Aufbau aus Gesteinen der ältesten Formationen, 
der huronischen und laurentischen, verleiht, ergänzt sich mit ihrer 
Bodenbeschaffenheit zu einem Complex von Bedingungen , wie 
man sie nicht günstiger für die Ansammlung stehender Wasser 
«lenken kann. Vielleicht ist , wie wir noch sehen werden , auch 
die geologische Geschichte dieses Landstriches der Seenbildung zu 
Gute gekommen. Man könnte den ganzen Theil der Vereinigten 
Staaten, welcher zwischen Missouri und S. Lorenz-Golf und zwischen 
der nördlichen Grenze und dem 42. (Jrad gelegen ist, als Seenplatte 
bezeichnen. Ungefähr in der Mitte dieses Striches liegt die Gruppe 
der Grossen Seen, dieser typischen Hochebenen - Seen , östlich von 
diesen linden sich zwei sehr seenreiche Gebiete in Maine und im 
nördlichen New York, im W. derselben ist der Boden von Wisconsin 
und Minnesota von unzähligen Seen durchsetzt und auch die Halb- 
inseln, welche die Grossen Seen von einander trennen, sind reich 
an kleinen Seen. Andere Hochebenen, die im Gebiete der Vereinigten 
Staaten vorkommen, sind im Gegensätze zu dieser nordischen Seen- 
platte durch Armuth an Seen ausgezeichnet. Weder die Hoch- 
ebenen, mit der die Alleghanies nach NW. abfallen, noch die. 
welche dem Felsengebirgc vorgelagert sind , noch auch die grossen 
Hochebenen zwischen Felsengebirg und Sierra Nevada beherbergen 
viele von den Seen, welche wir hier als Hochebenen-Seen bezeichnen. 
Im ersten Fall ist die Neigung zu gross, im zweiten gesellt zu dieser 
sieh die Dürre des Klima's, im dritten haben wir es nur mit der 
abflusslosen Abart der Hochebenen-Seen zu thun, die gleichfalls 
sehr oft durch dürres Klima erheblich in ihrer Entwicklung ge- 
hemmt sind. 

Die Gruppe der Grossen Seen besteht aus folgenden 5 Seen: 
Oberer See, Michigan-, Huronen-, Eric- und Ontario-See, die zwischen 



Digitized by Google 



238 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



den Breitegraden 411 und 41 und den Längegraden 76 und 93 
gelegen sind. Der Obere See reicht am weitesten nach N. und W.. 
der Erie am weitesten nach S. und der Ontario am weitesten nach 
(). Sie sind so gelagert, dass der Obere See, Michigan- und Huronen- 
See eine (iruppe für sich bilden, in welcher der ei*stere und der 
letztere auf derselben nach SW. offenen Curve liegen, während der 
zweite von dem Punkte aus. wo sie zusammenhängen, wie ein An- 
hängsel sich in dem Bogen, den sie bilden, nach S. ertreckt Die 
ganze Gruppe gewährt so das Bild eines dreizähligert Pflanzenblattes, 
dessen Einzelblätter einem gemeinsamen Stiele entspringen. Die 
andere (Iruppe umsehliesst Erie- und Ontario-See, die 2 kleineren 
der 5 Seen, und hängt mit der ersten an der nach S. gewandten 
Spitze des Huronen-Sees zusammen. Die Richtung, in der diese 
beiden Seen gelagert sind, ist vollständig die des S. Lorenz, des 
grossen Stromes, welcher dem Ontario-See entfliesst, nämlich eine 
nordöstliche und sie scheinen im Gegensatz zu den breiten, 
geräumigen Becken der drei anderen bereits durch ihre Schmalheit 
und übereinstimmende Richtung den Uebergang in diesen Strom zu 
bilden, wie sie denn die untersten der ganzen Gruppe sind. Der 
Flächenraum, den sie einnehmen, beträgt 230,000 QKil. (41SOQM.). 

Diese Seen liegen in einer Einsenkung der Seenplatte , deren 
Händer bezeichnet sind durch den Verlauf der Wasserseheide zwischen 
den Seen und der Hudsons- Bai einer- und den Seen und dem 
Mississippi andererseits. Die II ö henverh ä 1 1 n i s s c derselben 
entsprechen dem Hochebenen -Charakter der ganzen Landschaft. 
Zwischen dem Oberen See und dem oberen Lauf «les Mississippi 
besteht die Wasserscheide in Wisconsin aus Flachland , aus dem 
Bodenwellen von 8 — 10 m. und in seltenen Zwischenräumen 
lange Höhen von 30 — (50 m. sich erheben. Die Klippen kristal- 
linischen Gesteins, welche am oberen Wisconsin sich ein paar 
Hundert Fuss über den Spiegel dieses Flusses erheben, sind eine 
Ausnahme in diesem ganzen Gebiet. Die Wasserscheide hebt sich 
bei ihnen bis 300 m. über dem Spiegel des Oberen Sees. Der 
Höhenzug, welcher den Oberen See im Gebiete des Staates Michigan 
begrenzt und westwärts nach Wisconsin hinüberzieht, übersteigt 
nirgends erheblich die Höhe von 330 m. Die grösste Erhebung 



Digitized by Google 



IV. Strömt 4 , Flüsse und See». 



2W 



der Huron Mts. geht nicht über 410 m. hinaus und die Trap Range, 
die sich von Keewenaw Point westwärts erstreckt, erreicht in den 
Porcupine Mts. 415 m. Diese Höhen , welche den L. Superior an 
seinem Südrande umgürten, werden in geringer Entfernung vom 
See erreicht und das (lefall von ihnen zum Seespiegel hinah ist 
daher bedeutend (s. o. S. 120). Nicht so rasch, aber von weiter- 
reichender Wirkung ist das Gefall von diesen hohen Seerändern 
Dach S. zu , welches einer Reihe der bedeutendsten Zuflüsse 
des Mississippi und dos L. Michigan einen vorwiegend südlichen 
Lauf gibt. 

Im Staat Ohio ist die Wasserscheide zwischen Ohio und Krie-See, 
mit anderen Worten zwischen Mississippi und S. Lorenz eint' flache, 
vorwiegend sumpfige Hochfläche, über die hinweg man in ein paar 
Stunden von den Anfingen eines Flussgebietes zu denen eines anderen 
gelangt. Die zahlreichen Erhebungen , welche gepflogen worden 
sind, um die beiden durch Canäle zu verbinden, haben die Hohe 
dieser Wasserscheide an verschiedenen Punkten zu 110 — llüni. über 
dem Erie-See und zu 70 — Hii) m. über dem Ohio festgestellt. Die- 
selbe Wasserscheide ist im Staat Illinois noch schmäler, indem ein 
Mittelding von Sumpf und See, Petit Lac. sich zwischen die Quelle 
des Chicago-Flttsschena und des Des Piaines R. einschiebt, welcher 
dem Illinois und damit dem Mississippi zufliesst. Bei hohem Wasser- 
stand wurde dieser sumpfartige See, der mit den beiden Flüssen in 
Verbindung steht, schon vor der Canalanlage befahren, welche 
später auf diesem Wege den Michigan-See mit dem Mississippi ver- 
band '). Am Ostrand des Michigan-Sees ist die Wasserscheide nicht 
breiter und beträgt z. H. zwischen Wisconsin und Fox R. , wo 



1) W. II. Keating schreibt von diesem Punkte: „Wir waren entzückt, als 
wir hier zum ersten Male diese interessante Tliatsache tlcr Scheidung von 
(Jewässern, die derselben Quelle entspringen, und ihres AhHusses in verschiedenen 
Richtungen beobachteten. Wiewohl zur Zeit als wir hier waren, kaum genug 
Wasser vorhanden war. um unseren Kähnen die Durchfahrt zu gestatten, so 
konnten wir doch nicht zweifeln, dass der Weg im Frühling ein praktikabler sein 
mi^se". (S. Lontrs Kxped. to S. Peters Hiver 1894. I. IM). Allerdings wird hinzu- 
gefügt, dass die T'oriaijr zwischen den beiden Seen in der trockenen Jahreszeit 

90 e. M. breit sei. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



eine flache, häufig überschwemmte Prärie eine Portage bildet, nicht 
mehr als 2500 Yards. 

Westlich von hier ist ausser einigen Trapphügeln von ISO bis 
600 m., die in der Gegend von Montreal sich erheben und den 
steilen Thalhängen, die die Flüsse stellenweise in die Driftdecke 
gegraben haben, kein anderer scharf hervortretender Zug der 
Oberttächcngestaltung zu bemerken, als die aus mittclsilurischem 
Gestein gebildete Stufe, über welche zwischen Erie- und Ontario-See 
der Niagara stürzt. Diese Stufe tritt ungefähr in derselben Höhe 
und Beschaffenheit wie an den Niagarafällen an einer Reihe von 
verschiedenen Punkten der Seeregion auf. Im \V. begegnet man 
ihr in dem Landstreif, der die Green-Bay vom Michigan-See trennt. 
Am SOdrand der Halbinsel Michigan hinstreichend, hilft sie im 
Huronen-See die Gcorgian-Bay abtrennen und zieht durch West- 
Canada und den Isthmus des Niagara nach dem Hudson-Thale, wo 
jünger- silurische und devonische Schichten auf ihr die Catekill- 
Hiigel aufbauen, mit denen sie sich dann an das Alleghauy-System 
anschliesst In der Seeregion spielt diese bemerkenswerthe Stufe 
desshalb eine so bemerkenswerthe Holle, weil auf ihrer Höhe die 
4 oberen Seen liegen, an ihrer Basis aber der unterste, der Ontario. 
Der Höhenunterschied beider von 102 m. zeigt den Unterschied 
zwischen Oberfläche und Basis dieser Stufe, während die Gering- 
fügigkeit des Niveau-Unterschiedes zwischen dem westlichsten und öst- 
lichsten der auf der Stufe gelegenen Seen, des Oberen und des Erie- 
Sees, die nur 10,5 m. beträgt, die weite Erstreckung erkennen lässt, 
die die Stufe in nahezu demselben Niveau durch zwölf Breitegrade 
hindurch verharren lässt. Es zeigt sich natürlich auch in der 
grossen Verschiedenheit des Gefälles der Seen und des S. Lorenz, 
denn dieses beträgt auf der 1920 Kil. langen Strecke vom West- 
rand des Oberen Sees bis Quebec zwar durchschnittlich 0,09 in. 
per Kil., aber während diese Zahl als Mittelzahl gelten kann für 
das Gefiill vom Fuss der Niagara-Fälle bis Quebec, ist das Gefäll 
vom Westrand des Oberen Sees bis zum oberen Hand der Fälle nicht 

i 

mehr als 0,015 m. per Kil. 

In anderer Hichtung ist der geologische Bau der Seeregion 
eine Sache von Bedeutung, denn die Lage und Anordnung der 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 241 

5 Seen ist wohlbegründet in den geologischen \ erhältnissen ihrer 
Umgebungen. Der Nordrand des Oheren Sees in seiner östlichen 
Hälfte und der des Iluronen -Sees besteht aus kristallinischen 
Gesteinen der eozoischen Formation, der Südrand säumitlicher 
Seen aus silurischen und devonischen Gesteinen. Der Obere und 
der Härenen -See lullen eine Lücke zwischen zwei geologischen 
Formationen aus, die weit von einander getrennt sind, während die 
anderen in silurischem wie der Ontario, oder in sibirischem und 
devonischem Gestein wie der Michigan und Eric liegen. Von jüngeren 
Formationen tritt nur die der Steinkohlen in einem nicht grossen 
Bezirke der Saginaw Ray (Iluronen - See) in die Begrenzung der 
Seebecken ein. Man wird den Einfluss der geologischen Verhältnisse 
auf die Lage der zwei nördlichen Seen nicht läugnen ; dass aber 
auch die Lagen- und Gestaltverhältnisse der übrigen Seen nicht 
unberührt blieben von der geologischen Beschaffenheit ihrer Um- 
gebung, wird die nähere Betrachtung zeigen. 

Lake Superior, der Obere See (ind. Kitschigami), ist von Gros Cap 
bis Fond du Lac 560 Kil. lang und zwischen Grand Island und Neepigon 
Bay 210 Kil. breit, seine Küste ist 2300 Kil. lang und seine Oberfläche 
bedeckt 81,0(10 □ Kil. Seine Form ist minder einfach als die der anderen 
grossen Seen dieser Gruppe, denn zahlreiche Aus- und Kinsprünge unter- 
brechen die allgemeine Ualbmondform seines Umrisses. Thunder Bay, 
Black B. und Neepigon B. am Nonlufer, Batcheewagaung und 
Tequamenon B. am Südostrande. Keweenaw, Chaquamegon und 
Iluron B. am Südrande, Fond «1 u Lac am Westende sind tief ein- 
gesrbnittene Buchten. Zwischen Keewcnaw B. und Chaquamegon B. liegt 
die Halbinsel Keewcnaw und andere grössere Halbinseln, von den zahllosen 
kleineren Vorgebirgen abgesehen, liegen zwischen Fond du Lac und Chaipia- 
ntegon B., zwischen Black B. und Neepigon B. Die Umrisse des Südrnndes 
sind weniger zerklüftet als die des Nordrandes. Die Nordufer sind felsig, 
reich an Vorgebirgen und tiefen Buchten und von zahlreichen felsigen 
Inseln umsäumt, unter denen St. Ignace an der Oeffnung der Neepigon 
Bay 110 und Pic Island an der Oeffnung der Thunder Bay 290 m. 
Höhe erreichen. Hier bilden vulkanische Gesteine den Band des Stü- 
beckens, aber der Südrand besteht vorwiegend aus sibirischen Sandsteinen 
und Drift - Comglomeraten und ist weniger zerrissen und klippig. sondern 
von sanften geschweiften Umrissen, die auch an den Inseln sich kundgeben. 
Die ihm vorgelauert en Apostle Islands, am oberen Ende des Sees ge- 
legen, sind niedrige Sandstein- und Drift-Inseln. Grand Island, in der. 

Ratzel. Amerika. I. l«i 



Digitized by Google 



242 



IV. Ström»', Flüsse und Seen. 



Mitte der Längserstreckung des Sees gelegen, ist gleichfalls aus Sandstein 
aufgebaut, der am Nordrand zu hohen Klippen ansteigt um im S. sich all- 
mählich /.um Seespiogel zu senken. Einige niedrige Inseln und Inselgruppen 
aus Sandstein, die gegen das Ostende zu liegen und gleichfalls in das 
Gebiet des Südrandes gehören, sind ohne weitere Bedeutung (Sandy I., 
Maple I., Isle Parisien. Iroquois I.. Insel in der Batehee- 
w a gau n g-B a i am Südost ende, Mo utrea 1 , Lizard und L e ec h Island 
am Ostufer). Isle Royale und Michipicoten, die zwei grössten Inseln des 
Sees, gehören nicht den Küsteninseln an, sondern bestehen aus jungen 
eruptiven Gesteinen'), die sich zum Thoil nördlich vom See wiederfinden. 
Isle Royale ist 72 Kil. lang und 11 Kil. breit und bedeckt -17;"» Li Kil. 
Ihr Bau ist ein sehr eigentümlicher durch die Nebeneinanderlagerung 
einer grösseren Anzahl von Fclskämmeu. die bis zu ISO m. hoch sind und 
parallel mit der Längsaxe der Insel verlaufen. Indem sie aus einer Grün- 
steinvarietät bestehen, welche harter ist als die, welche in den tieferen 
Theilen der Insel sieh findet, setzen sie dem Zerfall einen grösseren Wider- 
stand entgegen und es kommt dadurch, dass sie in Form von Eilandketten 
weit über die Enden der Insel hinaus, aber streng in derselben Richtung 
wie sie fortstreichen. Im Innern der Insel sind die Zwischenräume zwischen 
diesen härteren Kämmen mit Seen, nassen Prärien und Sümpfen erfüllt. 
Michipicoten I. ist eine Grünsteinmasse von 210 m. Höhe und 28 Kil. 
Länge, die nichts von den Eigentümlichkeiten des Baues von Isle Royale 
besitzt. Das lange Riff Stannard Rock in Mitten des Sees ist ein 
Sandsteinfels, der durch Einwirkung vulkanischer Hitze gehärtet ist'). 

Die beckenartige Umrandung gestattet dem Oberen See kein weit 
ausgedehntes ZuHussgcbiet. Er ist überall in nicht sehr grosser Entfernung 
von seinen Ufern von hohen felsigen Rändern umzogen. Ein Granit- 
zug sondert im X. und W. die Zuflüsse des L. Superior von denen 
der Hudson-Bai und des Mississippi und bildet f / 3 der Länge des cana- 
dischen Ufers. Am Südrand bildet ein anderer Granitzug die Höhen, 
denen die Huron Mts., Gruppen gedrängter, rundkuppiger Bügel, angehören. 
Einem Trappzug, der von Keewenaw Point westwärts zieht, gehört die 
halbmondförmige Gruppe der Porcupine Mts. an. Einige verhältnissmässig 
nicht unbedeutende Erhebungen bilden auch die Driftablagerungen in der 
Nähe des Sees und es bestehen z. B. Grand Sable (105 m.) und Point 
Iroquois (108 m.) ganz aus glacialem Schutt. 

L. Superior empfängt seine Wasser aus mehr als 80 Flüssen, unter 
denen indessen kein einziger stromartige Grösse erreicht. Die Wasser- 
scheiden, welche seine Zuflüsse von denen der übrigen Seen und der benach- 

1) S. Geologische Karte der Isle Royale in Köster and Whitney. Rep. on 
(ieol. of L. Superior Land Distr. 1850. 

2) Foster and Whitney a. a. O. I. 20. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



barten Strom Systeme des Mississippi und Red. IL sondern, bilden gleichsam 
einen zweiten erhöhten Kami, der in geringer Entfernung von dem eigent- 
lichen Raiide des Sees diesen umzieht und im S., 0. und W. demselben 
am nächsten bleibt. Von W. kommt der S. Louis R. . dessen Quellen, 
da sie am weitesten westlich gelegen sind, gewöhnlich als die Quellen des 
S. Lorenz-Stromes betrachtet werden. Bei seiner Einmündung in den See 
hat dieser Fluss eine Nehrung gebildet, hinter welcher eine lange Lagune, 
die mit der Küstenlinie des Sees parallel läuft, wie eine Art Mündungs- 
Reservoir lies Flusses erscheint. Diese Lagune ist z. Th. von Sümpfen 
umgeben, die nach Lage und Beschaffenheit als Produkte der ausfüllenden 
Thätigkeit des Flusses erscheinen, und eine Bank mit 2,ö' m. Wasser liegt 
in ihrer Mündung. Sie ist an einigen Stellen 7 — 8 m. tief, aber ihre 
mittlere Tiefe ist auf nicht mehr als 3—4 m. zu veranschlagen. Auch 
weiter oben im Fluss finden sich stellenweis noch tiefe Stellen bis zu den 
Stromschnellen der sog. Fmich Rapids, aber dieselben wechseln häufig 
mit Untiefen, so dass für mehr als 1,8 m. tief gehende Fahrzeuge hier 
keine SchitFfahrt möglich ist. Der Ontonagon ist der grösste der von 
S. kommenden Zuflüsse ; er entsteht aus drei Armen, deren einer einem 
grösseren Binnensee , dem Agogr bic oder Kleinen Fischsee cntHiesst , der 
ca. 210 m. über dem Niveau des S. Superior liegt. Das Gebiet, das 
dieser Fluss mit allen seinen Zuflüssen einnimmt , ist nicht mehr als 
•Juso CJKil. gross, aber er ist für die Schifffahrt wichtig durch den Hafen, 
den seine Mündung bildet. Montreal. Black und Tresqu'Isle R. 
sind weitere südliche Zuflüsse des S. Superior von etwas mehr als der 
gewöhnlichen Länge und Breite und von dem ersteren ist besonders hervor- 
zuheben, dass er mit einem Katarakt von 27 m. Höhe in den See mündet. 
Sturgeon R., der in Keewenaw Bay mündet, ist der AusHuss des 
Portage Lake, eines Sees von ca. .'10 Kil. Umfang, der quer über der 
Rasis von Keewenaw Point liegt. Die Portage zwischen dem Nordwestende 
dieses Sees und dem L. Superior. von dessen Ufern er hier kaum 1 e. M. 
entfernt ist. bildete schon zur Zeit der Entdeckung dieser Region einen 
wichtigen Uebergangspunkt des Verkehres zwischen dem Seegebiet und 
den westlicher gelegenen Gegenden. Oestlich von Keewenaw Point münden 
zahlreiche kleine Flüsse, deren Quellen ausnahmslos auf dem Scheitel der 
erhöhten Uferumrandung liegen und die daher einen kurzen und raschen 
Lauf haben, der sie werthlos für die Schifffahrt macht. Einige von ihnen 
bilden indessen an ihren Mündungen brauchbare Ankerplätze. Tequa- 
menen oder T a h q u a m e na w IL, «1er in die gleichnamige Rai mündet, 
ein H>5 Kil. langer, theilweis schiffbarer Fluss, ist noch unter den Flüssen 
der Südküste hervorzuheben. 

St. Mary'sR., welcher L. Superior mit L. Huron verbindet, ist erst 
ein ostwärts gerichteter viclgewundencr, seichter, 1 — 2 Kil. breiter Canal. 

16* 



Digitized by Google 



244 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



Bei St. Marys Falls (Sauts Ste. Marie) stürzt er 5,6 in. ül»er eine Samlstein- 
bank, theilt sich dann in 2 Arme, welche Iii vorwiegend südlicher und 
südöstlicher Richtung die Insel Sugar I. unirliessen, und deren nördliche 
sich zum Eittle L. George, der südliche zum Mud E. erweitert. Sie um- 
fliessen weiterhin Neebish I. und St. .Josephs 1. und münden in den 
Huron E., indem der nördliche in denjenigen Theil mündet , welcher als 
Georgian B. bezeichnet wird, wahrend der südliche seine Wasser dem 
eigentlichen L. Huron zuführt. Der ganze Fanal ist im Vergleich zu den 
beiden Seen, die er verbiudet , seicht zu nennen, seine tiefsten Punkte 
gehen nicht über 20 in. hinaus und sein Fahrwasser ist von beiden Seiten 
her, mit Ausnahme det Stromschnellen, von Hachen weit hereinragenden 
Ufern eingeengt. Indem die Inseln, welche in St. Marys II. begannen, sich 
in Drumond I., Cookburn I., Mauitouliu I., Fitzwilliam I. 
und kleineren fortsetzen und auf die von S. bereinigende Halbinsel zu- 
laufen, sondern sie den ganzen See der Breite nach in jene zwei Abschnitte 
der (ieorgian Bay und des eigentlichen L. Huron, welche im Kleinen 
ahnlich zu einander gelagert sind, wie L. Saperior und L. Michigan. 

L. Huron, der Buronensee, ist ca. 400 Kil. lang und mit Oeorgian 
Bay 300 Kil. breit, und seine Oberflftche bedeckt 52,000 □KU. Er 
empfangt seine Wasser ausser aus dein E. Superior auch aus dem 
L. Michigan durch die Mackinaw-Strasse ; seinerseits steht er mit dem 
Erie-See In Verbindung durch St. Clair H. In Eage, Umriss und Küsten- 
gestaltung ist er das Gegenstück des E. Superior. Gleich ihm ist er reich 
an Halbinseln, Buchten und Inseln, (ieorgian Bay, eine Bucht von 
270 Kil. Eange und 115 Kil. Breite, bildet seinen nordöstlichen Abschnitt. 
Saginaw Bay bildet einen tiefen und breiten Einschnitt in seinem West- 
rande. Match edash und Nottawasaga Bay sind kleinere Buchten 
an der Nord-, Thunder Bay eine ebensolche an der Westküste. Von 
Zuflüssen des Buronen-Secs sind nennenswert» Freue h H., der den 
Nipissing-See und einige kleinere canadische Becken, und Severn. der 
den Simcoe-See drainirt. Beide münden in die Gcorgian Bay. 

Ein (anal von »;<> Kil. Fange und G Kil. Breite, Straits of 
Maekinac, verbindet den E. Huron mit dem E. Michigan, der 
57.<h>o lj Kil. bedeckt. Von den Inseln, die an seiner schmälsten Stelle 
liegen, ist Bois Blane eine bewaldete Fläche von 40 Kil. Einfang, 
die grösste, wahrend Mackinaw, die nur 5 Kil. im Durchmesser und 
95 m. Höhe misst, durch ihre beherrschende Eage ( Gibraltar of the Lahrs) 
die wichtigste ist. Die Ufer des L. Michigan lassen in ihren sauft ge- 
sehweiften Umrissen nicht den Unterschied verkennen der zwischen dem 
geologischen Bau seines Ileckens und demjenigen des E.Superior besteht. In 
seine Umrandung treten nur Sedimentargesteine und zwar von vorwiegend 
lockerer und weicher Beschaffenheit ein. Daher sind die Ufer flach, der 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



215 



See selber in ihrer N.11ic seicht, die Landzungen und Duchten selten, die 
Inseln sparsam vertheilt und klein und nur an den ÜcfTnungen nach der 
Green-Bai und nach den» Huron L. zu grösseren Gruppen vereinigt. Der 
hervorragendste Zug in der Umrissgestaltung dieses Sees ist die Ducht 
Green Bay, die durch zwei von N. und S. zusammenstrebende Land- 
zungen und durch zwischen ihnen liegende Inseln (Potawatomee-, Rock-, 
Summer Island u. a.) im 0., von der Küste von Wisconsin im W. begrenzt 
ist. Traverse Bay ist in den Nordwestrand der Halbinsel Michigan 
eingeschnitten. Noquet Bay liegt nördlich der Green-Bai gegenüber. 
Die einzige grössere Inselgruppe des Sees ausser der ebengenannten ist 
die (iruppc der Beaver I", die zusammen mit den Fox undManitou 
I" in der Nordhälftc des Sees liegen. 

Die Region der grösston Zuflüsse des Michigan liegt im NW., von wo 
ihm zunächst der Monomonec R. zuströmt, der aus dem Brule und 
Pine R. entsteht und dessen Stromgebiet 7<XX) □ Kil. einnimmt. Brule 
R. hat seine Quelle im gleichnamigen See und empfangt einen HauptzuHuss, 
Mcquacumecum , von N. her; beide bildeten in Indianerzeiten wichtige 
Wege für den Verkehr zwischen den Gegenden westlich vom Michigan und 
sft'Uich vom Superior. Der östliche Arm des Menomouee ist der Machi- 
gamig R., dessen Quellen in den Huron Mts. :580 m. über dem Sccspiegel 
liegen und von dem L. Machigummi (310 m. über L. Superior) eine 
Erweiterung darstellt. Der Mcnomonec selbst ist eine Kette von Strom- 
schnellen und Katarakten, die ihm trotz seiner bedeutenden, stellenweis in 
2<H> m. Breite daherHutenden Wassermassen keine Bedeutung für den 
Verkehr gewinnen lassen. Great und Little Benkuencsec Falls sind 
pittoreske Wasserfalle dieses Flusses. . Nach S. folgt Fox. R., der Aus- 
Huss des Winnebago-Sces, aus dem er in nordöstlicher Richtung der 
Green-Bai zutliesst. Dieser See empfangt seine Wasser aus N., W. und 
S. durch die Hauptzutlüsse Wolf und Waupaca R. und aus den 
Green Lakes. Seine Lange betrügt 360 Kil., sein Stromgebiet umfasst 
1<;,7<NI Kil. Milwaukee (120 Kil.), Manitowocnnd Shcboygan R. 
gehören zu den unbedeutenderen Zuflüssen, welche der L. Michigan von 
W. her empfangt. Am Südrand ist der kleine Chicago R. bedeutend für 
den Verkehr durch die Canalverbindung Dm dem Mississippi geworden. 
Am Ostrand empfangt der Michigan -See den grösseren Theil des Ab- 
flusses der Halbinsel Michigan. Manistee, Maskegon, Grand, Kala- 
•mazoo und Josephs R. erstrecken ihr Quellgebiet über die Wesfhalfte 
der Halbinsel hinaus und lasseu dem Huronen- und Eric-See nur die kleinere 
Hälfte übrig. « 

St. Clair R. führt aus dem Huronen-See nach dem Krie-See als ein 
zuerst völlig Hussartiger, in der Mitte des Isthmus zwischen beiden Seen 
sich zum See (St. Clair L.) erweiternder Canal, der von besonderer Be- 



Digitized by Google 

i 



216 IV. Ströme, Flaue und Seen. 

deutung für «Iii- Seeregion wegen seiner Schiffbarkeit ist. Bei einem 
platten Gefall \on 0,0»; in. per Kil. neben bedeutender Tiefe und Breite 
ist dieser Canal der eiuzige voq Natur schiffbare Verbindungsweg zwischen 
zwei Seen, der in der ganzen Iiegion zu finden. Detroit H. bildet den 
unteren Thefl dieser Verbindung, o.rt- -5 Kil. breit und 35 Kil. lang, Hiesst 
er vom St. ( lair I,. aus in südwestlicber und südlieber Richtung zum 1,. 
Erie und bat auf der ganzen Strecke uiebt mehr als 0.6 ni. Fall. In 
der bedeutenden Tiefe, die seine Schifffahrt völlig hindernisslos macht, 
in der Geringfügigkeit seiner Niveauschwankungen, deren mittlere jähr- 
liche Grösse 0,5 in. nicht überschreitet (sie hob sich nicht über 2,5 in. 
zwischen den mehrerwahnten (s. u. S. 249) extrem niederen und extrem 
hohen W asserständen von 1819 und 18:>H>, endlich in dem Unterschied 
der Ufer, die auf der Westseite flach und z. Tb. sogar sumpfig, auf 
der 0>tseite steil und felsig sind, bekundet auch dieser kurze Fluss 
seine Zugehörigkeit zu dem System der Grossen Seen. Einige kleine Zu- 
flüsse, die er empfangt (Ii. Houge bei Detroit. K. aux Uanards auf 
der canadischen Seite) sind kaum Dcnnenswerth. Au>ser einigen kleinen 
Eilanden umschliesst der Detroit K. eine grössere Insel. Grosse Isle, die 
an seiner Mündung in den L. Erie gelegen i>t. 

L. Erie, der südlichste See des S. Lorenz-Systems und der zweit- 
letzte in der Seenkette, ist 405 KU. laug, 50 — 90 Kil. breit, misst 
1050 Kil. im Umfang und bedeckt 24,000 □Kil. OberHache. Er ist also 
kleiner als die drei nördlichen und westlichen Seen, doch grösser als 
L. Ontario, der nachstöstliche. Seine schmal-elliptische Form und die 
Einfachheit seiner Umrisse hlsst ihn ebenso wie den L. Ontario bereits 
als eine Uebergangsform vom See zum Strom erscheinen. Nur einige 
kleinere Vorsprünge und Einbuchtungen (South Foreland oder Point Pelee. 
Languard Point, North Foreland oder Long Point am Nordufer, Miami 
Bay und Sandusky Bay am Südufer, Pigeon Bay am Westrande), ferner 
eine Inselgruppe im westlichen Thcil zwischen S. Foreland und Sandusky 
Bay gelegen (Point Pelee I. mit 24 Kil. Umfang), bringen einige Gliederung 
in die im Ganzen sehr einfachen Umrisslinicn dieses Sees. Seine hervor- 
ragendste Eigenthüinlichkeit, die ihn von den Bämmtlicheii anderen Seen 
des Systems unterscheidet, ist aber seine geringe Tiefe, die nur am unteren 
Ende über 35 m. hinausgeht und die begleitet ist von einer schlammigen 
Beschaffenheit des Bodens, welche ebensowenig bei den anderen Seen 
gefunden wird *). Man pflegt den See nach den verschiedenen Tiefen 

1) Diese schlammige Beschaffenheit des Seebodeiis im L. Erie ist sicherlich 
nicht bloss durch den Absatz der Schwemmstoffe bedingt , welche aus den drei 
höher gelegenen Seen und den wenigen einmündenden Flüssen herabkommen, 
sondern zu einem erheblichen Theile tragen die uns leicht zerbröckelndem Kalk- 
stein bestehenden Her dazu bei. Längs der Ufer bilden die Zersetzungsprotluktc 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



247 



in mehrere Abschnitte zu theilen. die gewissennassen tera.ssennrt.ig nuf 
einander folgen. Der Theil von Point Pelee aufwärts hat Hachen Hoden von 
8 — 10 m. Tiefe, der Boden der mittleren Abtheilung, die sieh von der 
genannten Insel bis Long Point erstreckt , ist gleichfalls flach und geht 
zu 20— 24 m. herab, und der des dritten, untersten Abschnittes, welcher 
erhebliche Ungleichheiten aufweist , erreicht stellenweise in den untersten 
Theilen 70 m. Tiefe. In der Nahe der Ufer sind die Tiefen durchaus 
gering"). Hedcutende Zuflüsse erhalt der L. Eric weder von der cana- 
disehen, noch von der amerikanischen Seite. Nennenswert!) sind Grand U. 
(1U5 KU. lang), der am Nord-, Mannte« und Sandusky EL, die am 
Südufer einmünden. 

Das Wasser des Eric -Sees führt der Niagara K. in den Ontario- 
See. Er hat dabei jenen Höhenabstand zu durchmessen, der dem 
letzteren See sammt dem S. Lorenz- Recken von den vier oberen Seen 
trennt (s. o. S. 240). Die Schranke, die dieser Abstand ihm entgegen- 
stellt, gehört silurischen Gesteinen und zwar vorwiegend den Format ions- 
gliedcrn des Medina-Sandsteins, der Clinton-Gruppe, des Niagara-Schiefers 
und dqs Niagara-Kalkes an. Unter ihnen liegen untersilurische Schichten, 
die das Bette des Ontario-Sees, über ihnen obersilurische (Helderberg- 
Gnffppe), die das des Eric-Sces bilden. Die Wand des Niagara -Falles 
und die steilen Wände, die den Niagara-Fluss bis zu seiner Mündung in 
den Ontario einengen, zeigen den Abbruch dieser Schichten, dem man 
ansieht , dass er durch Eingriff von aussen her und zwar, wie der Augen- 
schein zeigt, durch Erosion entstanden ist. Der Gestcinsbeschaffeuheit 
nach ist dieser So hiebt encomplex vortrefflich geeignet, den Gegenstand 
einer machtigen erosiven Thatigkeit zu bilden, denn über seliiefrigem 
nicht sehr festem Sandstein liegen weiche Schiefer, welche ihrerseits von 
quadrig brechendem Kalkstein bedeckt sind. Der Gang der Erosion ist 
demnach in der sehr effektiven Form eines Bergrutsches zu denken: Die 
weichen Schiefer werden durchtränkt, erweicht uud weggewaschen, kaum 
minder rasch der Sandstein an ihrem Grunde, und der Kalkfels, der die 
Hauptmasse der zu zerstörenden Felswände bildet, bricht dann zusammen, 
da er ohne Unterlage ist. 

der Kalkstein- und Schieferschichten hohe Bänke, in welche die einmündenden 
Bäche tief einschneiden. Unterirdische Wasserläufe hohlen sie aus und machen 
Landschlüpfe zu einer nicht seltenen Erscheinung. Bei stürmischem Wetter 
trägt das Wasser des L. Erie meilenweit von den Ufern eine dicke Sehlamm- 
farbe und wo die Ufer aus so lockerem Material bestehen, wie in der <K> Kil. 
langen und stellenweise 2f> m. mächtigen Drifthank des Südostufers, graben die 
Wellen bei jedem Sturme sichtbare Zeichen ihrer Thätigkeit ein. 

1) Lt. H. W. Bayfield's Karte (Brit. Adm.) gibt als mittlere Tiefe des 
L.Erie 18— 17 Faden au und diess kann als Mittelzahl noch heute als richtig gelten 



Digitized by Google 



21 S 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



Der Niagara Ii. fliegt bei seinem Austritt aus dem Erie-See die 
eisten 3 Kil. ziemlich rasch, erweitert sieh dann, nachdem er die Insel 
Grand Island umflossen hat. bis zur Ilreite von 'A — 1.5 Kil, und erscheint 
hier fast wie ein ruhiger See voll kleiner flacher Inseln. Von Illack Kock 
am Austritt aus dem Erie-See bis zum Anfang der Stromschnellen betragt 
der Fall nicht mehr als 4,6 m. Aber in deu Stromschnellen, die dem 
eigentlichen Fall vorangehen, durcheilt der schmaler werdende Fluss auf 
der kurzen Strecke von ir><*> m. einen Fall von lf> m. und stürzt dann 
über die Felsenschrauke 4S. 7 m. tief ab. Durch eine tiefe Schlucht von 
2 — UX) m. Weite eilt der Strom den Outario-See zu, indem er auf der 
Strecke von den Fällen bis Queenstown (11 Kil.) einen Fall von :J1 m., 
in den 11 Kil. aber von Uuecnstown bis zum Ontario-Sec nur von 1.2 m. 




überwindet, so dass auch «lieser Abschnitt zu einer Kette TOD Strom- 
schnellen in seiner oberen Hälfte wird. 2 Kil. unterhalb des Falles, 
wo das bis dahin enge 1 Jette sich rasch erweitert und in einem rechten 
Winkel abbiegt und ferner der aus härterem Stein bestehende Thalurund 
sein Bett nicht eben so tief werden lasst wie weiter oben and unten, 
stürzt der Strom unter heftigem Wirbeln und Branden über zahlreiche 
Blöcke hinweg, die seinen Lauf hemmen. Man nennt diese Stelle die 
Whirlpool Rapid*. Die Wassermasse, welche der Niagara führt. ist ver- 
schieden geschätzt worden. Die sicherste Sehätzune ist die Barrett'*, welche 



■ 



Digitized by Google 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



349 



zu 554,000 Cubikm. per Min. gelangt 1 ). Der Fall des Niagara besteht 
aus zwei durch eine Insel getrennten Füllen, deren grösserer Horsc- 
shoe Fall, der zu Canada gehört, 550 m. breit ist. wahrend der kleinere 
American Fall nur 18Q m., die Insel zwischen beiden aber ungefähr 
500 m. breit ist. 

L. Ontario, der letzte und kleinste in der Kette, hat Kil. Länge 
bei 55 Kil. mittlerer Breite und bedeckt 16,200 GKU. Oberfläche. Ganz 
wie der Eric ist er von halb stromartigein. schmalem und regelmässigem 
l'mriss und seine Ufer, die den Schichten der Silurformation, vorzüglich 
den unteren Kalksteinen angehören, sind nirgends klippig oder steil; sie 
steigen im N. ohne Unterbrechung zu breiten sanften Ebenen au, 
während dem Südufer entlang eine alte Küstenlinie In 5—12 KU. Ent- 
fernung vom heutigen Ufer in Gestalt eines 50 — 60 m. hohen, aus Sand- 
und Kiesablagerungen bestehenden Höhenzuges gelagert ist; sie bildet als 
Jjihr lUd<jc einen hervorragenden Zur in der OberHüehengestaltung des 
nordöstlichen New York. Nur der nordöstliche Abschnitt des Sees ist 
reich gegliedert, indem dort, offenbar durch Ilereiuziehung eines Theiles 
des an kleineren Seen überreichen Gebietes zwischen Ottawa und S. 
Lorenz in die Umgrenzung des Ontario, tiefe Buchten eingreifen (Bay of 
Quinte, Pr. Edward Bay, Chalmont Bay, Hay Bay), welche ausser einigen 
kleineren Landzungen die Pr. Edwards-Halbinsel abgliedern und eine 
Reihe von Inseln bilden, unter denen Amtierst L und Galloo I. hervorzu- 
heben sind. Nach Lage, Grösse und geologischem Bau finden diese Inseln 
ihre Fortsetzung in der Gruppe der Thousand Islands, die die Mündung 
dieses Sees in den S. Lorenz R. einnehmen, und von denen Wolfe L noch 
halb zum See und halb zum Strom gehört. Die durch zwei Landzungen 
abgesonderte westliche Ecke des Ontario wird Burlington Bay genannt. 
An Tiefe überragt der Ontario trotz seiner tieferen Lage um ein Erheb- 
liches den Eric-See; man gibt seine Durchschnittstiefe auf 15<) m. an, was 
bei «lein Umstand, dass seine Meereshöhe nur 70 m. beträgt, ein llinunter- 
ragen unter den Meeresspiegel um mehr als seine halbe Tiefe bedeutet. 
In die westliche Hälfte des S. Ontario fallen weder von N. noch von S. 
grössere fliessende Gewässer mit Ausnahme des Niagara. Aber die 
Osthälfte empfängt von S. den Gene sc c und Oswego und von O. den 
Black lt., welches grössere Flüsse des nördlichen New York sind 
und die Wasser einiger grösseren Seen dieses Theiles der Vereinigten 
Staaten (s. u. S. 25H) in den Ontario führen. Am Nordrand mündet der 
weit hinauf schiffbare Tren t lt., der einige Seen von Ober-Canada, vor- 
züglich Rice und Sturgeon L., drainirt. 

Im Ganzen und Grossen wird die Wassermenge dieser Seenkette 
denselben Gesetzen gehorchen, wie die irgend eines grossen Stromes, denn 

1) Geol. of Nfw York IV. 401. 



Digitized by Google 



I 



960 IV. Strömt', Flüsse und Seen. 

sie selber stellt ja in der That nur eine Reihe von Erweiterungen im 
Bette eines grossen Stromes dar. So hat sie denn ihre Oscillationen und 
am Erie-See schwankt z. B. nach langjährigen Beobachtungen der jährlich 
niederste Wasserstand von November bis Marz und entfällt am häutigsten 
auf .lanuar, während die Zeit des höchsten Wasserstandes zwischen Juni 
und August variirt und ebenso häufig in den Juni wie den Juli fällt. 
Aus den vor 1*51 angestellten Beobachtungen gab man die mittlere (irösse 
der jährlichen Schwankung für Cleveland (Erie) zu 0,1 m., für Buffalo zu 
«VJ7. die grösste Differenz zu 0,(17 für den ersteren und 0,39 für den 
anderen Ort. Grössere Perioden des Fallens und Steigens scheinen gleich- 
falls Perioden reicherer und geringerer Niederschläge zu entsprechen. 
So beobachtete man in Detroit einen niedersten Wasserstand im Sommer 
1*11», einen höchsten im Herbst 18.'i8 und zwischen beiden Extremen, die 
1,6 m. auseinanderlagen, fand ein allmähliches Steigen vom Minimum bis 
zum Maximum statt. Von IH'.iH bis 1841 fiel das Niveau allmählich, 
1842 hob es sich ein wenig und von 1843 — f>l sank es neuerdings. 

Schon früh wurde man auch auf seltsame Bewegungen ihrer Wasser 
aufmerksam, welche, wie häufig auch beobachtet, noch heute nicht genügend 
erklärt sind. Im Ontario beobachtete schon Charlevoix „eine Art Strom 
und Rückstrom, indem die Klippen in der Nähe der Ufer im Zeitraum 
einer Viertelstunde mehrmals von Wasser überflutet und wieder entblösst 
wurden, wenn auch im Febrigen der Spiegel des Sees vollkommen glatt 
war". Mackenzie beobachtete ein solches mehrere Stunden währendes 
Oscilliren bei Grand Portage im L. Superior. Bradstreet war Zeuge einer 
plötzlichen Anschwellung des L. Erie. die so stark war, dass sie einige 
Boote ans Ufer warf, ohne dass man eine sichtbare Ursache für sie hätte 
angeben können. Besonders in den Flussmündungen machen sich solche 
Anschwellungen bemerklich und nehmen dort völlig die Gestalt der liurcs. 
jener mächtigen Flutwellen an. die man in den Flussmündungen der Küsten 
mit starken Gezeiten wahrnimmt. Bei ruhigem See beobachtete Gov. 
Clinton eine plötzliche Schwellflut dieser Art von 9 e. F. in der Mündung 
des Otter Creek am L. Erie und dieselbe wurde noch an einigen anderen 
Flussmündungen in ähnlicher Stärke beobachtet. Aehnliche Erscheinungen 
berichtet Gass vom L. Michigan. Whitney und Foster beschreiben eine 
ganze Weihe solcher plötzlichen Niveauschwankungen, die sie am L. Superior 
beobachteten ') und die im Sachlichen mit den älteren Beobachtungen 
übereinstimmen. Auch die bemerkenswerthe Thatsache, dass häufig auf 
eine solche plötzliche Niveauschwankunn ein Sturm folgt , ist schon vor 
ihnen beobachtet, wie denn schon Prof. Mathes in der Green-Bai einen 
Zusammenhang zwischen Schwankungen des Seeniveau und des Luftdrucks 



1) Rep. on the Gcol. and Top. of L. Superior Land-I »istritt 1850 L 51. 



Digitized by Google 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



üöl 



nachzuweisen \ersuehte '). Jährliche Xiveauveränderungcn sind in allen 
fünf Seen mit Bestimmtheit nachzuweisen und zwar, wie zu erwarten, 
im Zusammenhang mit den Armierungen der Wassermassen, die die 
ZuHüsse herbeibringen. I)ie Yerglciehung mit den meteorologischen 
Beobachtungen hat keinen Zweifel darüber gelassen, dass dieselben von 
der grösseren oder geringeren Menge der Niederschlüge abhängen. Man 
hat auch von Schwankungen gesprochen , die in bestimmten grösseren 
Zeiträumen (5—7 Jahre) sich bewegen sollten, aber die Beobachtungen 
haben sie nicht bestätigt. Die Beobachtungen, welche Prof. Dewey von 
1M5— 59 an der Mündung des Gencsee B. angestellt hat, bestätigen die 
Richtigkeit vorgenannter Resultate auch für den Ontario. Auch hier war 
von keinem periodischen Steigen und Fallen die Bede, sondern die 
Schwankungen des Seespiegels, die nicht über 1,4 m. hinausgingen, er- 
wiesen sich durchaus als von den gewöhnlichen Ursachen der Trockenheit 
und der starken Niederschläge abhängig. 

Unvollständige Beobachtungen über Gezeiten in den Grossen Seen 
wurdeu schon frühe gemacht. Dablon's (Kilo), P. Andre's (1072) und I). 
Hontan's (1689) Berichte enthalten Mitteilungen über regelmässige Be- 
wegungen, die auf Ebbe und Flut zu deuten scheinen, die sie indessen 
nicht von unregelmässigen, durch Winde und Strömungen erzeugten Be- 
wegungen zu sondern vermochten. In neuerer Zeit sind die einschlägigen 
Beobachtungen systematisch angestellt worden und als Resultat derselben 
fand J. D. Graham U,14 e. F. oder i V * e. Z. als die mittlere Höhe der 
halbtägigen Flutwelle im Lake Michigan und für die Zeit ihres Eintrittes 
'Mi Minuten nach dem Meridiandurchgang des Mondes; den Unterschied 
zwischen Ebbe- und Flutstand weist er zu 0.25 e. F. nach und meint, es 
sei wahrscheinlich, dass „wenn man die Wirkungen der Winde und aller 
anderen Störungen aussondern könnte, welche unregelmässige Schwankungen 
des Scespiegels veranlassen, eine halbtägige MondHut von Vs (e.) F. nach- 
zuweisen möglich sei"'). 

Die Meinung G. M. Dawson's (Nature 30«« April 1874), dass die 
Fluktuationen der Grossen Seen mit den SonnenHecken-Perioden zusammen- 
hängen, ist einstweilen nur als ein interessanter Versuch zu verzeichnen. 

Bei Untersuchungen der Tiefen des Lake Supcrior, die 1*71 vom 
Lake Survey unternommen wurden, stellte es sich heraus, dass alle tieferen 
Theile (109 Faden ist die grösste Tiefe) mit einem gleichmässigen, thonigen 
Niederschlage bedeckt sind, der sehr zart und von graulicher oder bläu- 



1) Ebendaselbst sind zahlreiche altere Beobachtungen dieser Erscheinung 
mitgetheilt. Siehe auch die Zusammenstellung (iov. Clinton** in Trans. X. York 
Lit. and Phil Society II. 1. 

•J) J. B. Graham, A. Lunar Tidal Wave in Lake Michigan. Pbilad. 18W). 5. 



Digitized by Google 



252 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



Iii her Färbung ist. (Interhalb :5(>- 4<> Fa<len nahm man keine Abweichung 
von der Temperatur von 4° wahr, während zur Zeit dieser Beobachtungen 
(August) die Oberflachentemperatur zwischen 10 uu#r 13° schwankte. 

Die kleinen Hochebenen-Seen. Die Hochebene, in welcher 
das Bett dieser Grossen Seen durch einen Verein unter- und ober- 
irdischer Kräfte ausgehöhlt ist, hat die seenerzeugende Fälligkeit, 
welche ihrer Bodenförm und Bodenbeschaffeuheit innewohnt, in 
diesen Hiesenbecken nicht erschöpft. Wie sie selber nur das Süd- 
ende einer grossartigen nordainerikanischen Seenregion bilden, so 
gibt es auch Seen in Menge ausserhalb ihrer fünfglicdrigcn Gruppe, 
und besonders nach NW. hin, in der Richtung der anderen grossen 
Seen von Britisch - Nordamerika , bilden Tausende von grossen und 
kleinen stebendeu Gewässern gewissermassen ein Mittelglied zwischen 
diesen und den nordwestlich von hier gelegenen grösseren Seen der 
Winnipeg -Gruppe. Das Land ist nördlich vom St. Croix und vom 
Wisconsin so bedeckt mit Seen, grossen und kleinen, dass es stellen- 
weis unmöglich ist, nach irgend einer Richtung 10 Kil. zu gehen, ohne 
auf einen derselben zu stossen. In Minnesota allein zählt man beiläufig 
10,000 Seen, unter denen eine ganze Anzahl von mehr als 200 Q Kil. 
sich befindet. Wir haben in Europa nur auf der finnischen Seen- 
platte eine entfernt ähnliche Ansammlung stehender Wasser. Einige 
von diesen Seen sind wichtig als Quellbecken beträchtlicher Flüsse, 
einige wegen der Erleichterung, die sie dem Verkehr bieten, andere 
durch gewisse Eigenthümlicbkeiten in ihrer Beschaffenheit. Man 
kann sie nach ihrer geographischen Verbreitung in verschiedene 
Gruppen theilen , deren eine von den Seen des Nordwestens und 
der westlieben Seenregion, die andere von den Seen der nördlichen 
Hochlandschaften der Alleghauies gebildet würde. Eine andere 
Eintbeilung aber, die wir bei Norwood finden, geht tiefer in ihren 
Bau und gegenseitige Lagerung ein. Dieser Kenner der Seeregion 
theilt in seiner eingehenden Beschreibung des Nordwestens') die 
Seen dieser Gegenden in zwei grosse Gruppen, solche, ,die unter 
sich und mit Flüssen zusammenhängen, gewissermassen Ketteij bilden, 
und isolirte, die sichtbaren Ab- und Zuflusses entbehren. .Jene 
Abflussseen sind besonders zahlreich in den Quellgebietcn der 

1) D. I). Owen, Report Geol. Surv. of Wiscousin etc. Phil. 1852. 218. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



253 



Flüsse, die dem Gebiet des Oberen Mississippi, des Red R. und des 
Oberen Sees angehören. Die Seen der Mississippi-Quellen (s. S. 166) 
geben ein gutes Beispiel der Forin- und Grössen Verschieden- 
heit, welche für diese Art sehr bezeichnend ist. Grosse und kleine 
Seen von höchst mannigfaltigen Formen, verbunden durch seichte 
und schmale Bäche, die oft nicht einmal für ein Birken - Canoe 
Fahrwasser genug bieten, seicht, inselreich, dicht bestanden mit 
ganzen Feldern des «ogen. Wasserreises (Zizania aquatiea), wo 
sie Erweiterungen von Bächen sind .oder in Bewegung erhalten 
werden durch Bäche, welche sie durchströmen — bilden sie ein 
vollkommenes Netz über dieses weite Gebiet, dessen einzelne Faden- 
und Maschengruppen jeweils bestimmt sind durch die Zugehörigkeit 
zu einem Flusse oder Bache und untereinander zusammenhängen 
durch Seen von nur zeitweiligem und in der Richtung zweifelhaftem 
Abfluss oder durch Seen, welche durch ihre Lage auf Wasserscheiden, 
also zwischen Quellgebieten verschiedener Flusssysterae, dazu be- 
fähigt sind, bei hohen Wasserständen, wie die Schneeschmelzen und 
Frühlingsregen sie bringen, nach mehreren Seiten ihre Wasser zu 
entsenden und damit zu Bindegliedern zwischen verschiedenen Fluss- 
systenien zu werden. Ein solcher Verbindungssee ist z. B. Upper 
St. Croix L. zwischen Bois brule und St. Croix Ii. Wahrscheinlich 
sind Mississippi und Big Fork R. (Red It. - System) in ähnlicher 
Weise mit einander verbunden und ähnliche Verbindungen . oft 
dauernder Art, sind zwischen kleineren Zuflüssen des L. Superior 
und des Mississippi keine Seltenheit. Der Name Undine Iteyion, 
welchen Nicollet (in Erinnerung au das Undinen -Mährchen) der 
Seengruppe im Quellgcbiet des oberen Mankato, eines Nebenflusses 
des Minnesota, beigelegt hat 1 ), würde nicht übel auf die ganze See- 
region des NW. passen, deren Seen und Flüsse wie eine ungemein 
zahlreiche, durch die verschiedensten Verwandtschaftsbande mit 
einander verknüpfte Familie erscheinen. So kann auch der Quell- 
see des Red It., L. Travels, gleichzeitig als einer der Quellseen 
des Minnesota angesehen werden, da er bei Hochwasser, d. h. einen 
grossen Theil des Jahres hindurch, an seinein oberen Ende sich mit 



1) \ie\>. l_'pp«*r Mississippi II 17 



Digitized by Google 



IV Strome, Flüsse und Seen. 



demselben in Verbindung Betet Der obere Minnesota hat aller- 
dings seine äusserstc Quelle im Pole-Cat L., einem nur etwa 5 Kil. 
im Umfang messenden See am Südrand des Coteau des Prairies, 
alier er fliesst in der Entfernung von nur einigen 100 Yards au 
dem L. Travers vorüber und nimmt bei hohem Stande Wasser von 
demselben auf. Nimmt man hinzu, dass der Swan oder Sioux It., 
der Abfluss des L. Travers nach dem Red It.. in der trockenen 
Jahreszeit zu einer Fiumare wird . die nur wenige Tümpel enthält, 
so sieht man, dass die Verhältnisse und Beziehungen dieser Seen 
und ihrer verbindenden Flusscanäle in solchem Grade schwankend 
sind, dass z. B. L. Travers zwar in erster Reihe Quellsee des Red 
It., daneben aber auch ein Zutiusssee des Minnesota und zeitweilig 
sogar ein abflussloser See ist 1 ). Dass Aenderungen in der Ahfluss- 
riehtung dieser Seen, wie wir o. S. 100 angedeutet haben, unter 
solchen Verhältnissen unschwer und öfters eintreten konnten, ist be- 
greiflieh. Ks gibt auch ganze Ketten von Seen in dieser Region, 
die offenbar früher durch Räche mit einander zusammenhingen, nun 
aber von einander gesondert sind, solange nicht der Ueberfluss des 
Regens sie austreten lässt. Weniger Bodenhebungen , als vielmehr 
Erhöhungen durch Anschwemmung oder Torfbildung scheinen diese 
Trennungen bewirkt zu haben, die übrigens sehr leicht eintreten in 
einer so vorwiegend flachwelligen Gegend. Zwischen den meisten 
Seen westlich von St, Croix und Bois Brule R.. die heute den grössten 
Theil des Jahres hindurch isolirt sind, gab es einst solche Ver- 
bindungen und die fruchtbarsten Thalgründe dieser Region sind 
solche trocken liegende Verbindungscanäle und Seearme. Oft sind 
diese Seen durch Flüsse verbunden . deren Bett schwierig in der 
Sumpf- und Wasserfläche abzugrenzen ist. durch welche sie fliessen. 
Sie strömen so langsam, dass sie sumpfartig erscheinen und man 
schifft viele Meilen durch sie hin, ohne einen I ferfleck zu finden, 
der trocken genug wäre, um zum Lager benützt werden zu können. 

Von diesen Abflussseen, die dauernden oder zeitweiligen Abfluss 
nach irgend einer Seite haben, sind die Isolirten Sa n zu trennen, 



1) Vgl. Keating. Expetl. to St. Potors R. 1*24. H. 120. 225. und Xicollet, 
Rep. Upper Mississippi K. 1K43. 27. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



266 



die schon durch ihre Form und Grösse sich erheblich unterscheiden. 
Sie sind kleiner, selten von mehr als 2 Kil. Durchmesser und in 
der Kegel von kreisrundem, ovalem oder halbmondförmigem l'mriss. 
Viele von ihnen liegen in 20 — 30 m. tiefen trichterförmigen Ver- 
tiefungen, deren begraste Wände sich amphitheatralisch nach der 
Tiefe senken, wo der Spiegel des Sees in ungestörter Ruhe liegt, 
und es ist wahrscheinlich, dass diese mit unterirdischen Wasser- 
läufen zusammenhängen. Diejenigen Seen dieser Gruppe dagegen, 
welche an der Oberfläche liegen, können bei sehr hohem Wasser- 
stande einen Abfluss, sei es auch nur durch Durchsickern ihrer 
Rasenufer, gewinnen. Diese isolirten Seen sind wegen ihrer Klein- 
heit und dem geringen Nutzen , den sie dem Verkehr gewähren, 
minder wichtig und natürlicherweise auch viel weniger bekannt als 
die Abflussscen. aber sie sind nicht minder zahlreich, vielleicht sogar 
zahlreicher als sie. Man findet sie am häufigsten in jenen Gegen- 
den, deren Boden aus Sandstein besteht oder mit mächtigen Drift- 
ablagerungen bedeckt ist , und sie bilden mit erratischen Blöcken, 
Gesehiebelagern und Torfmooren zusammen die charakteristischen 
Züge der Morünenlandschaft. Die Rolle, die die lUmhlns, die 
Felsblöcke des eiszeitlichen Schuttes, in den Seen dieser Region 
spielen, ist nicht gering. Mille Lacs z. B. ist von einem Lärchen- 
sunipf, der tiefer liegt als der See, durch einen vorwiegend aus 
Steinblöcken zusammengehäuften Wall von 3 — 4 m. Höhe getrennt. 
Solche Wälle und Aufstauungen finden sich auch an anderen Stellen. 
Inseln, die bis zu 7m. über den Wasserspiegel hervorragen, be- 
stehen ganz aus Steinblöcken und es gibt Fortages, die vorzüglich 
aus blockreichem Driftschutt aufgeschüttet sind. Auch die Apostle 
Islands im L. Superior sind Drift -Inseln. Die Flüsse erfahren nicht 
minder die Hemmnisse dieser Schuttaufhäufungen und der Missis- 
sippi wird in seinem oberen Lauf durch sie zu zahlreichen Strom- 
schnellen gezwungen. Die Sceneric der Seeufer ist häufig durch 
die in grosser Verwirrung über einander geworfenen Blöcke des 
Driftschuttes, welche dieselben umgeben, wild und ihre Ränder durch 
dieselben unzugänglich. 

Die öftest genannten von diesen Seen sind die Qnellseen einiger Strome 
und Flüsse, welche wir bereits kennen gelernt haben: Itasca-, Gass-, 



Digitized by Google 



256 



IV. Ströme, Flüsse uud Seen. 



Lee cli-, Winibigoschiseh-, Swan-, Sandy-, Kadikomeg L. 
im Quellgebiet des oberen Mississippi, Digstone und Travcrs L. in 
dem des Minnesota, Ottertail und Travers L. in dem des Red H. 
wurden neben manchen anderen Quellseen kleinerer Zuflüsse des Mississippi 
und der Seen bei den betr. Flusssystemen erwähnt. 

Erwähnenswert]! sind von anderen etwa noch Mille La es, ein 
seiebter See, in welchen südwestlieh vom Lake Superior die grösste 
Wassermasse zu finden und der ea. 28 KU. lang und 24 Kil. breit ist. 
Die Masse von Felsblöcken in seinem ohnehin seichten Wasser scheint 
ihn in eine Masse gesonderter Tümpel zu zerlegen und daher der Name. 
In der Seengruppe des Fox und Rock R.-Gebietes ragt L. Winne bago 
hei vor, ein ovaler See von 15 Kil. L., 16 Kil. Hr. und 5:{i) QJ Kil. Obcr- 
flftche. Horicon L. in seiner südlichen Verlängerung, die Gruppe der 
Green Lakes u. a. sind mit ihm, be/.w. mit seinem Ausfluss, dem 
Fox H. verbunden. Sturgeon L. verbindet durch einen weiten Sumpf L. 
Wlnibigoschisch und Red L. mit einander. Der letztere, einer der 
grössten dieses Gebietes, misst 4f) Kil. in der Lange, besteht aus zwei 
durch einen 1 Kil. breiten Arm mit einander verbundenen Decken, 
ist seicht und inselarm. Aus dem südlichen Decken entsendet der 
See seinen Wasserübertluss zum Red R. , wahrend er in der oben- 
genannten Weise in nassen Jahren mit den Mississippi -Quellen eom- 
municirt. 

Die eigenartigsten Seen sind indessen die, welche eine grosse Kette 
zwischen dem Oberen See und Winnipeg-See bilden und durch welche die 
Grenze hinzieht, welche hier die Vereinigten Staaten und Canada von 
einander trennt. Ks sind AbHussseen, welche ihre Gewässer in den 
Winnipeg senden und einige von ihnen, wie La Croix L., Rainy L. 
(1540 O Kil. oder 28 CJMcilen), L. of the Woods (45oo CJ Kil. oder 
8.t □ Meilen) gehören zu den grösseren der Seenregion. Die Ununter- 
scheidbarkeit von Seen uud Flüssen, die Jugendlichkeit des ganzen 
See- und Fluss-Complexes ist nirgends so ausgeprägt wie hier; nirgends 
ist es schwerer, die Grenze zwischen beiden zu ziehen. Rainy IL, welcher 
den Abrluss des Rainy L., Winnipeg R., welcher den Abrluss des L. of 
the Woods bildet, sind Flüsse, in welche zahlreiche Seen eingeschaltet 
sind, welche auf weite Strecken hin selber seeartig breit oder wiederum 
durch Driftbankc und Gesehiebeblöcke unterbrochen und zertheilt sind. 
Auch ihre Umrisse deuten diesen zwitterhaften und unvollsandigen Charakter 
an. Desonders mannigfaltig ist die Gliederung und Umrisslinie des Ver- 
milion L. Dieser See besteht aus einer Folge von tiefen Duchten, 
Einsprängen, Sackgassen, Felsenvorgcbirgen und Inseln, die aus ihm ein 
Labyrinth machen, in dessen verschlungenen Gangen es schwer ist, 
seinen Weg nach einem bestimmten Punkte zu finden. Noch insel- 



Digitized by Google 



IV. StrOme, Flttnte und Seen. 



iV»7 



reicher als dieser ist der mit Inseln röllii/ bcsättr Nemakan L„ 
der gleichfalls in die Seenkette des Yermilion K. gehört. Lac du 
Flambeau, der auf den Karten als eines der grösseren Wasserhecken 
dieser Region erscheint, ist in Wirklichkeit einem Complex kleiner, durch 
schmale Arme mit einander verbundenen Seen Ähnlicher als einem ein/igen 
See. Seine Umrisslinie wird dadurch eine äusserst unregelmüssige und 
er ist sehr reich an Inseln. Um ihn herum liegen zahlreiche kleinere 
Seen, die durch 1—3 KU. hreite Landstreifen von ihm getrennt sind. 
Wepetangok. M ashkegwagom a, Trout, Upper Hock, Lower 
Rock L. gehören in dieser Weise gleichsam noch in sein Gebiet. 

Die Hochebene der Seenplatte ist. auch in ihren östlichen Auslaufern. die 
sich bereits an den Fuss des Alieghauy-Gebirges anlegen, nicht seenarm, aber 
bei im Allgemeinen stärkerem Gefall kommt es nicht mehr zur Bildung so 
grosser und vielverzwcigtcr Seen wie im W. Südlich vom Michigan-See sind 
keine Seen vorhanden, die erwähnenswert h wären. I)ie Halbinsel Michigan 
hat neben zahlreichen kleinen Seen nur wenige grössere ; von der südlichen 
Randplatto des Erie-Sees tliesst L. Chautauque zum Alleghany R. ab. 
Dagegen beginnt südlich vom Ontario im Staate New York eine neue 
Ansammlung von Seen, die bis an die atlantische Küste hinüber eine 2 
bis I Grade breite Zone bilden und ihre Wasser theils dem St. Lorenz, theils 
den Flüssen Ncu-England's zusenden. Man kann drei Gruppen in ihr unter- 
scheiden: eine westliche, die durch den Genesee R. drainirt wird; eine 
mittlere: die Adirondack-Seen : eine östliche: die Seen von Ncu-England. 
[He letztere umsehliesst die zahlreichsten und grössten Seen und erzeugt 
in Maine neuerdings, wenn auch in kleinerem Massstabe, eine Unter- 
brechung des Zusammenhanges des Festen und Trockenen, die sehr an die 
Zustände im NW. erinnern. 

Auf dem südlichen Theil der Seenplatte liegen zunächst südlich vom 
Ontario neben einigen kleineren die Seen Oneida und On o n d aga. Her 
erstere ist 2H Kil. lang und i» Kil. breit und seine Tiefe wird auf nirhl 
über HO F. angegeben' ; der andere i^t ungefähr H Kil. lang, 1.5 Kil. breit 
und 20 m. tief Heide sind von Sehwcmmgcbildcn umgeben und zu grosser 
Tiefe mit denselben erfüllt'); der Onondaga-Sec ist sogar nur das halb- 
ausgefüllte südliche Hude einer alten tieferen Aushöhlung, die mindestens 
ho ni. tief ist. Ein kleinerer See dieser Gruppe, L. So dorn, ist öti m . tief. 

Südlich von der Hehlcrherg-Kette liegt in New York eine andere 
Gruppe von Seen, welche gewisse Gemeinsamkeiten in der geologischen 
Lage und dem Hau ihrer Recken zeigt. Sie sind sämmtlich in Gesteinen 



1) Oeol. of New York \M2. III. 1*41. 

2) Onondaga-S< e zeigt Schichten von Seethnn (lake mail) vnn 2 m. und mehr. 
K a 1 1 • l Am* tila 1. 17 



Digitized by Google 



258 



IV. Ströme, Flüsse uud Seen. 



der Krie-Gruppe und südlich von dem Kalksteinzug des Ilelderberg-Hügel 
gelegen, alle lang und schmal von Gestalt. Ihre Tiefen sind betracht- 
lich, aber sie sind an ihren Ausmäudungen seicht. Die Schichtenlage 
ihrer Umrandung lässt keine Faltung, sondern nur Aushöhlung als 
Grund dieser Beckenbildung erkennen. Von \V. beginneud, haben wir 
zunächst Cayuga L., 2üO KU. lang, 3 Kil. breit und 120 m. tief. 
Dann Otscgo L M 11 Kil. lang* 2,f» Kil. breit, und Schuylers L. 
u' Kil. lang, die beide Quellseen des Susquehanna sind. Cazcnovia 
Otis co (-4,5 Kil. lang), Skaneateles (21 Kil. lang, 1*7 m. tief), 
Owasco (15 Kil. lang) sind die östlichen. Die Adirondack-Seen 
liegen theilweise im Waldgebirg der Adirondacks selber, theils, und zwar 
der Mehrzahl nach, auf der kleinen Hochebene, welche als ein Theil der 
Seenplatte vom Westabhang des Gehirges gegen den St. Lorenz und On- 
tario hinzieht. Es sind Seen mittlerer Grösse, deren bedeutendste wie 
Saranak, Hocket, Schroon, Long L. nicht über 50 □ Kil. Ober- 
fläche hinausgehen. Im Gebirge bilden sie, hier den Quellgebieten des 
Hudson R. und einiger kleinen Zuflüsse des Richelieu R. zugehörend, 
Dutzende von dunkeln, waldumrandcten Hecken; in der Hochebene flechten 
sie mit ihren trägfliessenden Abflüssen und Yerbindungscanälen ein Seen- 
netz zusammen, das mit grosser Treue im Kleinen die Bewässerungsver- 
haltnisse der Seenplatte des NW. wiederholt. 

Zwischen dieser Gruppe und den neuengländischen Seen nehmen eine 
besondere Stellung die beiden langen Thalseen ein , welche in der Ein- 
senkung zwischen Adirondacks und Green Mts. (s. o. S. 50, 54) gelegen 
sind. Der nördliche, L. Champlain (180 Kil. lang, 0,8—22 Kil. breit), 
ist das Sammelbecken des Richelieu R., durch den er zum St. Lorenz 
abfliesst. Die Insel Grande Isle liegt in seinem nördlichen Abschnitt. L. 
George, der ungemein reich an kleinen bewaldeten Eilanden und Klippen 
ist, gilt für den poesievollstcn der Seen des nordamerikanischen Ostens. 

In Maine liegt das Ostende der Seenplatte, die hier noch einmal 
einen ungewöhnlichen Reichthum entfaltet. Hier kommt ein See auf je 
44 □Kil. Oberfläche und 1 QKil. See auf 14,3 □ Kil. Land. Man zählt 
1568 Seen mit 4400 □ Kil. Oberfläche. Die nennenswerthesten sind 
Moosehead im Quellgebiet des Kennebec (ungefähr 2(10 □Kil.), Sebago 
im Gebiet des Presumpscott (110 □Kil.), Schoodie in dem des St. 
Croix (600 Kil.), Chesumcook in dem des Penobscot (48 □ Kil.), Um- 
bagog in dem des Andro>coggin (40 □Kil. 1 ). Südlich von hier sind 

1) Wo Seen eine so weite Verbreitung erlangen wie liier, gewinnen sie auch 
eine höhere praktische Bedeutung, welche die Bewohner jener Gegenden sehr 
wohl zu schätzen wissen. In seiner „Water Power of Maine" (Augusta IHM. 27) 
liebt Wells hervor, wie sie den I cberschuss vou heftigen Regen und Schnee- 



Digitized by Google 



IV. Strönip. Flüsse und Seen. 



259 



noch einige grössere und zahlreiche kleinere Seen durch New Hampshire 
und Massachusetts zerstreut und von ihnen ist \V i n n epis c <>ge e , der 
in den Merrimac ahHiesst - , mit 15H □Kil. der grösste. Die kleinen 
reichen in erheblicher Zahl bis an den Hudson 1 ), werden aber west- 
lich und südlich von da im gesammten mittleren und südlichen Alleghany- 
Gebiet so selten, dass bedeutendere Seen daselbst nicht zu nennen sind. 
Einige Flüsse, wie Susquehanna und Lehigk haben Quellseen, die über die 
Grösse von Tümpeln hinausgehen, der Lage nach jedoch mehr den Nord- 
ais den Mittel-Alleghanies zugehören *). 

II. Gebirgseen. So reich an Seen die Hochebenen in Nord-Amerika sind, 
so arrn daran ist der grösste Theil der Gebirge. Von den mittleren und süd- 
liehen Alleghanies gilt dies, wie gesagt, in solchem Masse, das man sie eigent- 
lich seenlos nennen kann, wenn man nicht tümpelartig aufgestaute Quellen 
einiger Flüsse als Seen auffassen will 1 ). Im Verhältnis* zu ihrer Grösse ent- 
halten die ( ordillcren fast eben so wenig. Man begreift es, wenn man er- 
wagt, dass Hochebene und Gebirgsketten, diese beiden Fleinente des (iebirgs- 

schmelzen in den .Jahreszeiten des l'eberHusses für die Zeit der Trockenheit 
aufbewahren , wie sie helfen, die Zahl und Heftigkeit der reherschwemmungen 
zu vermindern und wie sie die Eisgänge mildern, indem ihr Fis beim Aufthauen 
viel mehr zerfallt und langsamer zu Thal geht als das verhiiltuissmassig auch viel 
massigere Flussi is. Dass die Flüsse in einem Klima wie dem von Maine im 
Winter nicht sehr wasserarm werden, verdankt man ebenfalls den Seen, die 
endlich in ihren breiten und tiefen Becken viel Niederschlagswasser sammeln, 
das anders in die Tiefe sickern würde. 

1) Fnter den kleineren Seen dieser Region ist Wenham L. wichtig and 
berühmt durch das klare Fis, zu welchem in der Kalte neucnglandischcr Winter 
seine Oberfläche gefriert und welches in grossen Massen zur Ausfuhr gebracht 
wird. Der See ist l's Kil. lang und 12 m. tief und empfangt sein Wasser aus 
Quellen, die ihm wenig Salze und uoeh weniger Luft zuführen; zusammen mit 
der grossen Kälte, welche das Fis dieses Sees in grossen Blöcken bewahrt, in 
denen es gebrochen wird, bedingt diese Reinheit des Wassers, dass es weniger 
leicht schmilzt, als das gewöhnliche See- und Fhisseis. .1. Ch. Lyell, See. Visit 
to tbe F S. 1855. II. 207 

2) Die Grenze des Vorkommens von Seen fallt in Pennsylvanien nach 
Rogers ((»eol. Rep. lötJS. I. 37) völlig zusammen mit der Grenze der Kies-, 
Sand- und Lehinlager, welche der Driftbildung angehören und es ist in diesem 
Zusammenhang als bemerkenswerth hervorzuheben, dass Uber die ganze eigent- 
liche Sffret/im, der Vereinigten Staaten, wie auch (anada's, dies,. Driftgebilde 
verbreitet sind. 

Ii) „Ks ist bemerkenswerth, dass es in den Alleghanies keine Seen gibt, 
da alle Flüsse das (Jebirge durch Querspalteu oder Schluchten verlassen, die 
solche langgezogene Erhebungen, wie die des Jura oder der Allcghanuics, stets 
begleiten - (Lyell, Sec.ond Visit II. 210) 

17* 



Digitized by Google 



IV. Ströme. Müsse und Sein. 



aufbaus, welche sonst /u einer einzigen geographischen Individualität 
vereinigt sind, hier auseinanderrücken und als zwei neben einander ge- 
lagerte, aber pesonderte Dinge erscheinen. Die Gebirgszüge des südlichen 
und mittleren Felsengebirges enthalten weniger Hochebenenhaftes als die 
meisten anderen Hochgebirge, es sind steile schmale Erhebungen mit 
tiefen Thalern von starkem Gefall. Für Seen ist hier in seltenen Fallen 
Raum genug und wir haben denn in der That weder in Neu-Mexico, noch 
Arizona oder Colorado grössere Seen zu nennen. Kleine Gebirgsseen in 
den l^uellgebieten dei Müsse, wie sie in allen Gebirgen vorkommen, fehlen 
allerdings auch hier nicht und in den Paiks von Colorado sind dieselben sogar 
häutig. In den nördlichen Cordilleren ändert sich indessen dieses Verhält- 
nis^- durch das Auseinandertreten der Gebirgsketten und die Verbreiterung 
der Grundlage, auf der sie sich erheben. Auch vulkanische Kräfte waren 
hier thätig, um das Terrain für grössere Stauungen und damit für See- 
bildungen günstig zu gestalten und wir haben in Folge dessen vorzüglich 
im Gebiet der Missouri-Duellen eine grössere Anzahl eigentlicher Gebirgs- 
seen. Hier hat der M ad i soll K. seine (Quelle in einem ca. t>U Acres 
grossen See. Madison F., dein Reste eines grösseren Sees, der durch die 
Vertiefung des AbHuss-l anon's grösstenteils trocken gelegt ist. von dessen 
einstiger Ausdehnung aber zahlreiche Spuren vorhanden sind. Westlich 
von ihm liegt, durch einen wasserscheidenden Höhenzug getrennt, der 
nicht mehr als 10 m. über den Vellowstone F. sich erhebt, S hoshone 
oder De Lacey's F.. der den östlichen, wie der nordwestlich von hier 
liegende Henry F. (10 Kil. lang) den westlichen Quellsee des SnakeR. 
bihlet. Shoshone F. ist 18 Kil. lang und 12 Kil. breit. Sein AhHuss 
durchströmt ca. 7 Kil. weiter südlich einen zweiten See von (! Kil. Fänge, 
der Fewis F. genannt wird 1 ). Hin östlicher Quellarm des Snake II. ent- 
fliegst dem Ilcart F., einem kleinen See südlich vom Yello wston e F. 
Der letztere ist der hervorragendste unter den Gebirgsseen dieser Region ; 
seine Fänge beträgt i»n, seine grösste Breite ."»(> Kil. Unter den zahl- 
reichen kleineren Seen, die vorzüglich nördlich von der Seengruppe des 
oberen Missouri- und Columbia-Gebietes gelegen sind, ist zunächst Cliff 
F. zu nennen, eine vierannige Ausfüllung von Klüften im vulkanischen Ge- 
stein, ein anscheinend abflussloser, dennoch mit Süssvvasscr erfüllter See. 
Der Abfluss scheint unter den vulkanischen Trümmergesteinen seiner Um- 
gebung zu geschehen. Flathead, Kalispelm oder Fend Oreille 
(5-1 Kil. lang. 12 Kil. breit), Coeur d'Alene F. sind grössere Seen des 

1) Der Madison F. der Karten ist das. was wir mit llayden (6** Report 244) 
Shoshone F. nennen und was lVterinaiui s »»blättrige Karte als De Facy's F. 
bezeichnet Derselbe erhielt den ersten Namen, als man ihn noch für den 
tyiellsec des Madismi 1«. hielt; den letzt» reu aber legte ihm De Facey hei. der 
i»72 eine Karte dieser Region veröffentlichte. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Sem. 



261 



nördlichen Felsenpcbirpcs, die Abflugs nach dein südlichen Ann des Columbia 
liahen. An kleinen Seen ist daneben kein Mangel, wie denn in schuttauf- 
pedämmten Teichen selbst an den Kämmen der wasserarmen Gehirne des 
Grossen Beckens die Quellen fast jedes ein/einen grosseren Flusses liepen. 

In den Black Hills, der vorgelagerten Fclspruppe des nördlichen Felsen- 
pcbirpcs. gibt es keinen grösseren See als einen im Red Valley, der nicht 
panz einen Kil. lanp und 2<H) in. breit ist ; ein kleinerer liept in seiner 
Nähe und beide werden durch Quellen an ihrem Grunde popeist. An 
kleineren abrlussloscn Seen ist dagegen in dem Grenzgebiete zwischen 
Hochgebirge und Plains, dem die Black Hills angehören, in der panzen 
Frstreckung von Neu -Mexico bis Britisch -Amerika kein Manpel. 

Auf einer ähnlichen Grenzlinie liepen weiter westlich, wo die Sierra 
Nevada und das Cascaden-Gebirpe sich mit den Hochebenen des Inneren 
berührt, zahlreiche Seen, halb Hochebenen-, halb Gebirpsseen , einipe ab- 
Husslo«, einipe in die Quellgebiete der Flüsse dieser Bepion hineinpezopen. 
Zu den letzteren pehört F. Chelann im Washinpton -Territorium, derauf 
der Grenze zwischen den Columbia Plains und dem Hochgebirge von N. 
her in den Columbia mündet. Eine Strecke weiter südlich folpen die drei 
Klamath -Seen, von denen zwei Qucllbccken des gleichnamigen nördlichen 
ealifornisehen Flusses sind, wahrend der dritte isolirt Hegt und abflusslos 
ist. Upper Klamath F. nimmt den Sprapue B. in sich auf, der den 
weiter östlich gelegenen Silver F. draiuirt und einen ZuMuss aus dem 
zweiten Klamath-See. dem Klamath Marsh, erhalt, einem :i<> Kil. breiten. 
Hachen Becken, das zur Zeit der Schneeschmelze sich mit Wasser füllt, 
in der trockenen .Jahreszeit aber an weiten Strecken seiner Bänder zu 
prünen Wiesen wird. Als ihn Fremont sah. bestand er aus einem Complcx 
von Tümpeln, die über eine weite Grasebene zerstreut lapen. Weiter 
nach S. folpt in derselben Einsenkunp Goose F . ein etwa f><> Kil. langer 
und l*0 Kil. breiter See, dem Fit B. entHiesst. Weiterhin i-t F. Talioc, 
der sich in den Truckee B. ergiesst , dem Ostabhang der Sierra so 
nahe gerückt, dass er von einem Auslaufer derselbeu umfasst wird. Kr 
liegt in einem 80 Kil. langen, .HD Kil. breiten und ca. LOOO m. tiefen Thal, 
welches zwischen zwei Gratkümmen der Sierra Nevada eiupcM-hlossen ist. 
Man nennt dieses Thal Lafce Vitlln/ und der See füllt seine untere Hälfte. 
F. Tahoe hat <i<M> ; ]Kil. Flächeninhalt und ö<iu in. Tiefe; die Meeres- 
höhe seines Spiepels ist lX'jo m. Fallen Feaf F. ist ein kleinerer sehr 
schmaler See von T> Kil. Fänpe . der in demselben Thal, unpefähr s Kil. 
von F. Tahoe. aber in einem höheren Niveau als dieser liegt. Cascade 
F. liept in ähnlich geriiiTer Entfernung von F Tahoe, aber höher als 
Fallen Feaf L. '). 

1) Diese kleinen Seen sind, ebenso wie die Cfer des F. Tahoe selbst, mit 
Moränenschutt umgeben und ihre Aehnl ebkvit in Lage und Fmriss mit pe- 



2f>2 



IV. Strömt', Flösse uml Seen 



Im Küstengebirge ist der einzige grössere See Clear L., der mitten 
im Gebirge ein Wasserbecken von in KU. Lange und — 15 KU. Breite 
bildet. Cache Crock führt seinen Wasserüberfluss nach dem Sacra» 
mento ab. Im südlichen Küstengebirge sind L. Elizabeth und Alamo 
L. kleinere Seen, wahrend seine nördlichsten Ausläufer, die im Wash- 
ington-Territorium ans Meer herantreten, an der buchtenreichen Küste 
von Pugct Sund einige Fjordseen umschliessen. 

Eine eigenthümliche Mittelstellung nimmt die Gruppe der zwischen 
den südlichen Theilen des Küstengebirges und der Sierra gelegenen Tu- 
lare-Seen ein, welche ihr Wasser bald in den 8. Joaqitin ergiesscn, bald 
als ein abrlussloser See sich darstellen. Die Tulare-Seen sind breite und 
seichte Wasserflächen, mit flachen, marschigen l'fern, ohne Terrassen und 
Uferabhängen. Sie nehmen den tiefsten Theil des Tulare -Thals ein und 
erhalten den Abrluss des breiten Westabhanges der Sierra Nevada süd- 
lich vom S. Joaquin, also von einer Kammlänge von mindestens :5<Ht Kil. 
Drei der Flüsse, die sich in sie ergiessen. Kern lt., Kings K. und Caweea 
oder Four Creeks It.. sind nicht unbedeutend, führen stets Wasser und 
sind selbst noch im Spätsommer vom schmelzenden Schnee angeschwollen. 
Trotz dieses Zuflusses fehlt es an den Rändern der Seen nicht an Zeug- 
nissen dafür, dass sie auf dem Wege sind, einzuschrumpfen 1 ). Der grosse 
dieser Seen ist der Tulare L. mit ca. 10lM) QKil. Oberfläche und die 
kleineren Kern. Bucnavista und Goose F., welche die Eigenschaften 
stehen gebliebener Tümpel in einem austrocknenden Sumpfe haben. 

III. Tief landseen. Kino eigene Art von Seen sind dieWasseransammlungen 
auf den wenig geneigten Flächen des Tieflandes, wo sie besonders als Er- 
weiterungen der Flüsse, als seitliche Begleiter derselben in Form von abge- 
schnittenen Armen und Windungen, als Febergäuge von Acstuarien zu 
Mündungsseen weit verbreitet sind. Fs sind meistens, entsprechend ihrer 
Abhängigkeit von fliessenden Gewässern oder von den zeitweilig stärkeren 
und schwächeren Niederschlägen . Seen von geringer Tiefe und vou sehr 
veränderlicher Grösse. Sie finden ihre grösste EntWickelung an den Tief- 
landrändern des Golfes und man kann sie den bisher angeführten als 
Tieflandseen gegenüberstellen. In die Heilte dieser Seen gehören 
vor allem L. Borgnc und L. Pontehart i ain (letzterer mit L. Maure- 



wissen Buchten des letztgenannten macht einen genetischen Zusammenhang der 
ganzen Gruppe wahrscheinlich. Jedenfalls sind sie einst alle Gletscherbetteu ge- 
wesen. In ihre Gruppe gehört auch der kleinere Donner L., an dem die 
l'acitic Bahn vorb< itulirt. 

1) W. V. Blake mass in der Nahe dieser Seen am Ocoya Creek die Ver- 
dunstung des Wassers im August und bestimmte sie zu etwas über 2 in. jähr- 
lich oder 4,052,UOU Gallonen für den Tag und die UM. A. J. S. 1»ÖG. L 866. 



Digitized by Google 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 268 

pas, seiner westlichen Bucht) am linken Mississippi- Ufer, welche in 
offener Verbindung mit «lern Meere stehen ; ferner am rechten Ufer eine 
Seen-Gruppe, deren einzelne Glieder man als Erweiterungen des Bayon 
Atchafalaya betrachten kann: Grand L., L. Verret, L. Palour de; 
und eine andere, welche bereits dem Delta im engeren Sinne angehört: L. 
Was ha, L. Cataouatche. L. Fields. Die Mündungslaguncn der 
texanischen Flüsse gehören in diese Gruppe. Tief landseen, die ausnahms- 
los Erweiterungen von Zuflüssen und Altwasser sind, finden sich in grosser 
Zahl weiterhin im Tiefland des unteren Mississippi und seiner Zuflüsse. 
Im Red R.-Gebict sind Black L., Saline L., L. Bistineau, L. Bodeau, 
L. Kerry, Cross I... und im Saline K.-Gebiet L. Catahoula zu nennen. 
Zwischen St. Francis R. und Mississippi liegen L. I'eraisco, S. Johns 
I... S. Mary 's L., L. Nicormy, t'astor L. 

Im Mississippi - Thal selber liegt eine grosse Anzahl kleinerer Seen, 
meist abgeschnittene und abgeschlossene Windungen des Flusses — 
tausende , wenn man die kleineren Gewässer hinzurechnet. Diese Seen 
sind durchaus von dem Charakter der Uebcrsehwemmungsseen, wie 
mau sie überall in den Tiefländern findet, welche die Ränder grosser 
Flüsse einfassen: Seicht, oft zwischen See und Sumpf mitten inne 
stehend, teichartig, wo sie kleiner sind, sehr veränderlich in Höhe und 
Ausbreitung des Wasserspiegels, einen Theil des Jahres hindurch durch 
Ueberschwemmungen in den Strom selbst mit einbezogen gehen sie 
durch die Sedimente, welche jede Ueberschwemmung in ihnen zulässt, 
der Auffüllung rasch entgegen. Aus den Schlingen des Mississipi-Stromes, 
welche durch Sendimentbildung oder durch eine Bodenhebung von dem 
ersteren abgeschnitten wurden , entstehen mit Vorliebe die halbmond- 
förmigen Seen (s. Fig. 6 auf S. 182) der Mississippi -Niederungen , welche 
zu den charakteristischen Erscheinungen der unmittelbaren Umgebungen 
des Mississippi gehören. L. Concordia bei Vidalia ist einer der grösseren 
und ein gutes Beispiel solcher Altwasserseen. Er ist 24 Kil. lang und 
nicht über 14 m. tief. Da der Mississippi in der Nahe dieses Sees bis 
zu 45 in. Tiefe erreicht, so ist die Seichfigkeit dieses abgeschnittenen 
Arms wahrscheinlich den Absätzen zuzuschreiben . welche das alljährlich 
in die Seen eintretende Ueberschwemmungswasser bildet, indem es eine 
Masse Schlamm einführt, dem jeder Ausweg versperrt wird. Diese Seen, 
deren es 13 allein zwischen der Arkansas -Mündung und Bäton Rouge gibt, 
scheinen auf diese Weise eine erhebliche Rolle in der Auffüllung des 
Mississippi -Thaies zu spielen. 

Die texanisehc Küste setzt zunächst die Lagunenbildungen des 
Mississippi -Delta's nach W. zu fort. Jedes Flüsschen, das hier in die 
See mündet , durchfliesst vor der Ausmündung eine Lagune oder einen 
Küstensee und die verschiedensten Knfwirkt lungsstufen von der ersteren 



IV. Ströme, Flusse und Sich. 



Iiis zur letzteren treten hier neben einander auf. L. M cnnrnton ist 
ein entschiedener Küstensee. L. Calcasieu, «1er sieh breiter naeh dem 
Meere zu öffnet, nähert sieh der Kamme. Mud L. und Salt ine 1,. thun 
dasselbe in noch höherem Grade und weiter westwärts werden die Münd- 
ung* -Lugunen immer breiter und erhalten weitere Oeffnungen. «> dass 
sie schon entschiedene Meeresbuchten bilden, Ucbrigens auch das weiter 
zurückliegende . leicht ansteigende Küstentiefland von Texas zeigt seinen 
wenigstens theilweis marinen Ursprung durch salzreiche Seen und zahl- 
reiche vegetationslose, salzgetrünkte Hecken, her Schluss liegt nahe, dass 
diese Tümpel Reste von Lammen und dass das Flachland aus aufgefüllten 
Lammen besteht. Fmory trlauhte Merkmale davon zu finden, dass die süd- 
ötlichen Passatwinde, die " ■ « des Jahres mit bedeutender Kraft wehen, die 
Lammen mit Seewasser füllen, aber beständig unterbrochen werden durch 
Landwinde, die mit derselben Heftigkeit Süsswasser in dieselben treiben. 
Dieses Wechselspiel befördert die Sediinentbildung. 

Keieh an Tieflandseen ist auch Florida, die niedrige Halbinsel, 
• von deren eigenartigen BewüsserungsverhAltnissen auch die besten von 
unseren Karten der Vereinigten Staaten immer noch ein. wenn ich so 
sagen kann, viel zu compactes Bild gehen, das der amphibischen Wirk- 
lichkeit nicht entspricht. Finem so eigenartigen Stück Land, wie es der 
ösi liehe und südliehe Theil der Halbinsel ist, kann man in einein müssigen 
Massstab und mit den üblichen Darstellungsweisen unserer Kartographie 
gar nicht gerecht werden. Um so überraschender ist aber das Bild, 
welches uns eine möglichst detaillirte Specialkarte von Florida gibt. 
Eine solche zeigt zwischen 20*15' und 27*30* N.B. fast nur Sumpflaud, 
das in den Niederungen des Kissimee noch über den 2«. Breitegrad sich 
hinaus erstreckt. Nur im 0. und S. umgibt ein Damm trockenen Landes, 
aus Korallenfels neuer Bildung bestehend, dickes wie schwammartig durch- 
tränkte Gebiet und im W. sind inselartige, uuzusammenhängende BAnke des- 
selben Gesteines, zerrissenen Resten eines Dammes, wie der östliche ist, 
vergleichbar, vorgelagert 1 ). Das Innere zerfallt in mehrere verschiedene 
Gebilde. Zwischen dem 27. und 2*. Breitegrad haben wir Abwechselung 
von Pine -Barren (höhergelegene, sandige Strecken, die mit Föhren be- 
wachsen sind) mit trockenen und nassen Prärien: die trockenen Prärien, 
die man hier findet, werden durch zeitweilige Ocbcrschwemmnngen unter 
Wasser gesetzt, da sie alle TicfprArien Sind. Zahllose kleine Seen, unter 
denen am zahlreichsten Teiche von 200- 1000 m. Durchmesser sind, und 
deren Zahl mit 1OU0 nicht erschöpft ist, liegen in allen Vertiefungen. 
Ihre grosse Zahl und ihre regellosen, launenhaften Gestalten lassen ihre 
Ursachen erkennen: Ks sind Tümpel, die in den natürlichen Vertiefungen des 



l) Leber allgemeinen Aufbau und Entstehung dieses Gebietes s. o S. 13H 



Digitized by Google 



IV. Stnime, Flüsse und Seen. 



2G5 



welligen Tiefprariebodens stehen geblieben , zufällige Bildungen . die 
leicht veränderlich sind. laichte Aenderungen der OberHächengestalt be- 
dingen demgemäss entsprechende Aenderungen ihrer Form und Lage. So 
sehen wir sie in der breiten Landzunge zwischen Tampa Kay und Char- 
lotte Ilarbonr als einzelne Tümpel weit zerstreut, dicht neben einander 
liegend, aber in der Regel gesondert, und ebenso in dem Striche, der 
zwischen dem Ostrand des Okeeehobee-Sces und der Küste sieh von 
Indian IL bis Jupiter Inlet erstreckt. Hingegen treten sie südlich und 
nördlich von diesen Tümpelgruppen zu tlussartig verzweigten CanAlen zu- 
sammen, die in Sümpfe einmünden und selber einen mehr sumpf- als 
Huss- oder seeartigen Charakter an sich tragen. Man kann sie je naeh 
der .Jahreszeit als Flüsse. Seen oder Sümpfe finden , denn sie sind das 
erstere, wenn sie l'eberfluss, und das letztere, wenn sie Mangel au 
Wasser haben. 

Von diesem zwitterhaften Wesen sind anch grössere see- oder sumpf- 
artige Gebilde dieses Gebietes nicht frei, von denen Okeechobee-See 
und Kvergladcs (s. o. S. 208) besondere Erwähnung verdienen. Der 
Okeechobee-See 1 ) wird genährt von einem grossen Theil der um- 
gebenden Sümpfe und ist bei seiner Seichtigkeit i3 — I m. mittlere Tiefe) 
seliwer von denselben abzugrenzen; er ist in seiner ganzen Erstreckung 
völlig flachufrig und sein Wasser steht in der sommerlichen Regen- 
zeit über einem sehr grossen Theil dessen, was sonst sein Ufergelflnde 
ist. Auf weite Strecken ist er auch in der trockenen Zeit nichts als ein 
mit seichtem Wasser bedecktes Röhricht und man begreift bei so zweifel- 
hafter Abgrenzung leicht . dass die Angaben über seinen Umfang und 
seinen Flächeninhalt (gewöhnlich zu .'5i>00 □Kil. angegeben) nur sehr 
schwankend sein können. Kinige Eilande, den Ifammocks der Everglades 
entsprechend, erheben sich aus seiner Flut. Neben den ZuHüssen aus 
den im N. und 0. ihm umgebenden Sümpfen, die in der Form eines un- 
merklichen Durehsickcrns in sein Recken gelangen, ist Kissimee R. als 
der einzige klar erkennbare Zufluss zu nennen. Derselbe setzt den 

1) In Uteren Werken wird der Name des Sees Mayaro gegeben. Einige 
gaben ihm IT» g. M. Umfang. Andere 8 g. M. Länge und ö g. M. Breite. Seine Grösse 
war die Ursache der zerstuckten, veränderlichen Form, in der Florida auf den 
alteren Karten erscheint. Noch Forbes (Sketches of the Florida 1821. 101) 
glaubte, dass man durch den S. Lucia von O. in den See gelangen und durch 
den Delaware nach W. ibn wieder verlassen könne und prophezeite ihm daher 
als «1er zukünftigen Strasse zwischen dem Atlantischen Meer und dem Golf von 
Mexico eine grosse Zukunft. Man glaubt sogar die alten Fabeln, die einst 
Florida umwoben, sich wieder beleben zu sehen, wenn man dort liest, dass „der 
See seine grosse Wassermasse aus Quellen und durch einen unterirdischen Canal 
beziehe, welcher -einen Ursprung im N.. wahrscheinlich in den Alleghanies, habe". 



Digitized by Google 



26»; 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



Okcechobee in Verbindung mit den grösseren Seen, die unter dem 
28. Breitegrad sich um den Kissimec und Cyprcss L. gruppiren. 
Ebenso unmerklich wie ein grosser Theil des ZuHusses geschiebt auch 
zum Theil der Abtluss durch jene zahllose: Camlle, die in der Region 
der Jausend Inseln sieb nach der Südwestküste Florida's zu öffnen, aber 
der Caloosahatchee H. ist der einzige AbHusskanal, der in unzweifel- 
hafter Flussgestalt von den Sümpfen am Westrand des Okcechobee bis 
zu seiner Mündung in Charlotte Harbour zu verfolgen ist. 

Als ein Mittelding zwischen sehr seichten Seen oder Lagunen uud 
einem überschwemmten Tieflandgebiet kann man auch die Sümpfe be- 
zeichnen, welche im Tiefland der atlantischen und Golfküste in grosser 
Ausdehnung vorkommen. Der grösste von ihnen, der G reat Di s mal 
oder Di sinal Swamp, welcher theils in Virginien und theils in Nord- 
Carolina liegt und 60 Kil. lang bei 30 KU. Breite ist, gleicht „einer 
breiten überschwemmten Thalebene, die mit allen Arten von feuchtigkeit- 
liebenden Baumen bewachsen ist" 1 ). Der ganze Sum|if liegt etwas höher 
als seine trockenen und feuchten Umgebungen und hat einen torfartig 
dunkeln, von vegetabilischen Kesten erfüllten , halbllüssigeu Boden. Nur 
an der Westseite liegt das unmittelbar an ihn grenzende Land höber 
und von hier empfängt er die Zullüsse, deren Wasser ihn durchtränken 
und die er nach den andern Seiten hin ablliesseu lässt. Der Mittelpunkt 
des Sumpfes dürfte 3 — 4 m. höher gelegen sein als seine nördlichen, öst- 
lichen und südlichen Ränder. Diese höhere Mitte ist von einem See von 
11 Kil. Länge und 7 Kil. Breite eingenommen, dessen grösste Tiefe 4 m. 
beträgt. Unter den Gewächsen des Great Dismal sind die beiden sumpf- 
liebenden Coniferen Cupressus th/oides und Taxodium distichum die hervor- 
ragendsten; sie bedecken den ganzen Sumpf mit einem ziemlich dichten, 
rasch wachsenden Wald, dessen Bäume einen sehr erbeblichen Autheil 
an der Ansammlung vegetabilischen Stoffes haben, welcher den Boden 
des Sumpfes ausmacht 4 ). Aehnliche Sümpfe kommen weiter südlich im 
ganzen Küstengebiete des Atlantischen Meeres und des Golfes vor. Einer 
der grössten ist Okefinokee Swamp im südlichen Georgia, welchem 
der S. Mary's R. entHiesst. 

Es mag hier endlich auch der Ort sein, von den sogen. Wet Prairies 
zu sprechen, den nassen Prärien, die in den Beschreibungen des Inneren 

1) Lyell, Travels iu Nord America 1845. I. 187. 

2) Nach Lyell (a. a. O. 140) besteht, dieser Boden bis auf einen geringeu 
Bruchtheil aus torfartigem, organischem Stoft , der imlessen viel weiter in der 
Zersetzung vorgeschritten ist als der eigentliche Torf, indem seine Gruudmasse in 
einen schwarzen Brei ohne erkennbare Pllanzenreste umgewandelt ist. Nur die 
Abkühlung 'der Luft durch die starke Verdunstung ist nach diesem Gewahrsmann 
im Stande, die völlige Zersetzung der Prianzensloffe in Dismal Swamp zu verhüten. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



von Nord- Amerika eine so grosse Holle spielen. Sie sind nicht so häufig und 
ausgedehnt, wie man auf Grund der Annahme glaubt, dass das Prüriengebiet 
eine einzige grosse Fläche sei . von der das Wasser der atmosphärischen 
Niederschlüge nur langsam abHiesse. Wir haben schon hervorgehoben, 
dass die Oberflächcngestaltung der Prärien eine vorwiegend wellige, selbst 
hügelige ist ; nach den Flussläufen zu ist durch langdauernde Erosion ein 
Gefäll ausgenagt und ausgehöhlt worden, welches den Mittelpunkt eines von 
Flüssen umgebenen Abschnittes der Prärie gewöhnlich auch zugleich zum 
hörhsten Punkte macht. Dass es trotzdem an Hachen Stellen und sogar 
Kiuscnkungcn nicht fehlt, liegt in der Natur der im Allgemeinen doch viel 
mehr flachen als bergigen Kegion, und da zudem der Präriebodeu viel 
Wasser aufsaugt und nur langsam wieder abgibt, so sind allerdings nach 
den sehr ausgiebigen Hegengüssen des Frühlings weite Gebiete morastig 
und stellenweise mit stehendem oder unmerklich abfliessendem Wasser 
bedeckt. „Das ganze Land ist wie ein durchfeuchteter Schwamm, aber 
sobald «las Wasser abnimmt, bedingt die Porosität des Hodens und die 
starke Verdunstung in einem so allseitig offenen Lande eine sehr rasche 
Austrockuung •)." Nur da, wo das Gefäll noch geringer als es in der 
Prärie im Ganzen zu sein pflegt, oder wo der Roden sogar eingesenkt ist. 
bildet länger stehendes Wasser die Moräste und Tümpel der Wet Prairies, 
die also eine Erscheinung von örtlicher Heschränktheit darstellen und 
weder für die hydrographischen Verhältnisse noch für die ökonomische 
Ausnütznng des Landes von irgend erheblicher Hedeutuug sind. 

IV. Abflusslose Seen, d. h. Seen, deren Waaser keinen Aus- 
weg in's Meer findet, haben in Nord-Amerika ihre natürliche Stelle 
auf den Hochebenen, welche im lernen W. zwischen den zwei grossen 
Hauptketten der Cordilleren, dem Felsengcbirg und der Sierra 
Nevada, sich ausbreiten und ebensowohl durch die Gebirgsumrandung 
als ihre im Ganzen gleichartige, im Einzelnen aber durch zahlreiche, 
kreuz und quer ziehende Höhen gegliederte Obcrflächcngcstalt 
die Bildung geschlossener Becken begünstigen. Auch die übrigen 
Hochebenen tragen stellenweis zahlreiche Becken dieser Art, aber 
während sie dort in grossen Einsetzungen Seen von bemerkens- 
werther Grösse bergen, gehen sie hier selten über das Mass von 
Teichen und Tümpeln hinaus, die zwar zahlreich, aber im Einzelnen 
unbedeutend sind. 

Der Seenreichthum dos Grossen Beckens führt in erster Reihe 
auf die unvollkommene Erosion zurück, welche bei der Dürre 

1) James Hall, The West. IM». 10». 



Digitized by Google 



2KH 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



des Klimas nur mit den unvollkommensten Mitteln arbeitete 
und deren Leistungen häufig von den regellosen Wirkungen vul- 
kanischer Kräfte durchkreuzt wurden. Die Mehrzahl dieser Seen 
liegt daher in den natürlichen Falten der Gebirge, welche weder 
völlig ausgewaschen, noch ganz mit Schutt erfüllt werden konnten, 
wie in Gegenden kräftigerer Erosion. Einige sind durch vul- 
kanische Gesteine, andere durch Schuttlager aufgedänimt. einige 
liegen sogar hinter Moränen, wie z. 15. Fishers L. 1 ), und andere 
haben ihr Becken in einem alten Krater gefunden. 

Die grosse Mehrzahl der abflusslosen Seen sind Salz- oder Brack- 
wasser-Seen. Salzhaltigkeit des Bodens tritt zuerst nordwestlich von 
den Mississippi-Quellen im Gebiet der Wasserscheide zwischen Red R. 
und Missouri auf. wo sie im Allgemeinen an die zunehmende Regen- 
armuth geknüpft erscheint. Es fallen hier zeitweise im Sommer erheb- 
liehe Regenmengen und in besonders feuchten Jahren werden sogar 
manche der abflusslosen Salzbccken drainirt, aber die Trockenheit und 
die im Sommer verhältnissmässig grosse Wärme der Luft befördern 
die Verdunstung und schaffen immer wieder kleine Salzseen und 
^alzsümpfe. Mit der Zeit werden grosso Gebiete durchsalzen. 
Dana sagt von Oregon: „Ausser der Waldregion des Küstenlandes 
scheint kein Theil des Territoriums ganz frei von der Durch- 
tränkung mit Salz zu sein . . . Man kann dieses Vorwiegen des 
Salzes als ein Zeugniss dafür betrachten, dass das Land vom Meere 
bedeckt gewesen. Sein Verbleib im Boden wird befördert durch 
die Trockenheit des Klima's. u Die Mittheilung Gilbert 1 « in G. M. 
Wheeler s Reports"), dass das Wasser, welches man aus gegrabenen 
Löchern am Ufer des Colorado erhält , und welches ohne Zweifel 
durchgesickertes Flusswasser, salzig ist, während das des Colorado 
selbst vollständig trinkbar ; ferner die ebendort erwähnte Thatsache, 
dass Wasser aus gegrabenen Löchern am Rande des Sevier L. sal- 
ziger ist als das Wasser des Sees selbst, gehören hieher. Die 
wechselnde Durchfeuchtung und Austrockuung des Vferbodens hat 
in demselben Salz aufgespeichert und wahrscheinlich tritt an die Stelle 



l) Wheeler's Report. III. 1875. U2. 
'2) Vol. III. 1*75. 108. 



Digitized by Google 



IV. Ström«-, Flusse und Seen. 



2<l!> 



«les in feuchtem Erdreich seewärts strebenden Abflusses eine land- 
wärts gerichtete, durch Trockenheit des umgebenden Erdreiches be- 
dingte Aufsaugung. 

Der äussere Anblick «1er Salzseen ist einförmig. Folgende 
Worte Von Richthofen's können als Beschreibung des Typus gelten, 
von «lern sie alle wenig abweichen: „Um den seichten Salzsee oder 
auch oft an seiner Statt, wenn er ausgetrocknet ist, liegt eine 
Kruste weisser Salze, oft hinreichend mächtig für technische Aus- 
beutung. Dann folgt ein King von salzhaltigem, gelbgrauem Boden, 
erst noch kahl, dann etwas weiter ab sich allmählich mit Pflanzen 
bedeckend, die die Natron- und Kalisalze lieben. Wenn es regnet, 
ist es dt>rt morastig. Nach dürren Tagen ist der Boden aus- 
getrocknet un«l verwandelt sich leicht in einen ausserordentlich 
feinen gelben Staub, den der leiseste Luftzug aufwirbelt. In wei- 
terein Abstand vom See folgt «las für das ganze Great Basin 
charakteristische monotone Graugrün «les sogen. Sage Brush. Auch 
hier noch lockt der Hegen Salze aus dem Boden und dieser besteht 
ans derselben feinen gelben Erde wie im centralen Theil. Ganz 
allmählich steigt die Oberfläche nach allen Seiten an'). u 

Wir halien hei «1er allgemeinen Metrat htang «les grossen Herkens 
(S. ^5 ff.) drei grössere Kinscnkunucn in dem Bezirke ilesselhen kennen 
lernen: Zwei abgeschlossene am Ost- und Westrand und eine nach «lern 
Meere zu steh öffnende am Südende des Beckens. In den beiden abge- 
schlossenen Senkungen liegen zahlreiche ahriusslose Seen und auch die 
dritte umi südlichste Einscnkung entlässt nicht alle ihr«- Wasser nach 
dem Meere, sondern bildet gleich den erstereu Salzseen und Sümpfe. Nach 
diesen drei Kinsenkungen gliedern sich die abtlusslosen Seen des Grossen 
Beckens natürlich in drei Gruppen. 

Die östliche Gruppe umschliesst im Grossen Salzsee, den grössten 
abtlusslosen See Nord - Amerika s, der am' Fuss des Wahsatch- Gebirges 
und am äusserst««!! Ostrand «les Grossen Beckens einen Flftehenraum 
von 15 — UM M» L Kil. bei ö(i Kil. Lange und 2H KU, Breite einnimmt. 
Er empfangt seine Zuflüsse vorzüglich ans S. und 0., wo hohe Gebirg«' 
ihn umgeben, wahrend an den Nord und Westrand die Wüste hinreicht. 
In eine nordöstliche Ausbuchtung mündet «ler Gebirgsstrom des Bear lt., 
welcher die Ostseite des nördlichsten Theiles der Wahsatch-Kette, den 

1) Von RicbthoiVn, China. 1«77. I. 177. 



Digitized by Google 



270 IV. Ströme, Flüsse und Seen. 

man Bear River Mts. nennt, umtliesst und an «1er Westseiie derselben 
zum See herabkommt; ein nordwestlicher Zutluss von ihm ist der Malade R. 
Am östlichen Ufer tritt Weher R., am südlichen der Jordan ein. Der 
letztere ist der wichtigste und ausgiebigste von diesen Zuflüssen; er kommt 
aus dem Utah-See, welcher einen halben Breitegrad südlich vom 
Grossen Salzsee gelegen ist und gleich ihm mit dem westlichen Ufer an 
die Wüste grenzt, wahrend auf allen anderen Seiten zahlreiche Bache 
ihm zufliessen; Timpanogos R., der aus der Uintah-Kette kommt und die 
Wahsatch-Berge durchhricht, ist der grösste von seinen Zutlüssen. Der 
Utah-See liegt 58 m. höher als der Grosse Salzsee und kann als das 
Sammelhecken der ZuHüsse hetrachtet werden , die dieser von S. her 
empfängt. Per Jordan, durch den er seinen Ueberbchuss dahin abführt, 
ist ein breiter, von vorwiegend flachen Ufern eingefasster. zur Bewässerung 
leicht zu benützender Fluss. der nur in seinem obersten Laufe bald nach 
dem Austritt aus dem Utah-See etwas von dem wilden Charakter annimmt, 
der den Flüssen dieser Region selten fehlt. Kr durchbricht dort die 
Traverse Mts., einen östlichen Ausläufer der Oquirrh Mts.. der quer über 
das Thal nach den Wahsateh-Bergen hinzieht. Von links ohne jeden 
dauernden Zurluss, nimmt der Jordan von rechts eine grosse Menge von 
Gebirgsbächen auf. Er ist einer der wasserreichsten, regelmässigst fliessen- 
den und darum nützlichsten unter den Flüssen des Grossen Beckens. 

Die Gestalt des Grossen Salzsees wird durch einen weit von N. her- 
einragenden Landvorsprung (Promontorj Point) und durch mehrere 
Felseninseln, die 150 — "HR) m. über seinen Spiegel sich erheben, zu einer 
reich gegliederten. Antelope Island (2KXJ m.) ist die grösste der 
Inseln, durchaus felsig. Stansbury I. (2HH) m.) wird bei niederem 
Wasserstande landfest; dasselbe gilt von Strong's Knob (1490 m.). 
Carrington 1. (1480 m.) ist eine Felsklippc. an die eine breite Sand- 
und Schlammbank angesetzt ist. Noch mehrere kleine Kilande sind durch 
den See zerstreut. Man sollte in der Nähe dieser so steil abfallenden 
Fclseninseln bedeutende Tiefen erwarten, nimmt aber nichts davon wahr, 
da selbst zwischen den beiden erstgenannten Inseln die Tiefe nicht über 
11 m. beträgt. Diese Zahl bezeichnet überhaupt die grösste Tiefe, welche 
im See sich findet, aber nur an einigen Stellen desselben vorkommt. 
Im grössten Theil der Westhälfte, am Ostrand und in der langen Bucht 
zwischen dem letzteren und Promontory Point geht die Tiefe nicht unter 
2 m. herab und beträgt auf weiten Strecken nicht 1 in. Die tiefsten 
Stellen finden sich in der Mitte. — Die Tiefe des Utah-Sees soll noch 
geringer sein, nirgends über 4,8 m. hinausgehen; sie ist am Süd- und Ost- 
randc am geringsten. Mit den steil aufragenden Höhen der Umrandung ver- 
glichen, scheinen diese geringe Tiefen anzudeuten, dass der Auffüllungs- 
process hier seit lange im Gange ist. 



Digitized by Google 



IV. Ströme. Flüsse und Seen. 



271 



Auf allgemeine und nicht ganz sichere Beobachtungen hin nimmt man 
an. dass der Grosse Salzsee gegenwärtig ungefähr 4 m. höher sei als zur 
Zeit der ersten Besiedelung seiner Ufer durch die Mormonen. 1S52 will 
man das erste Steigen wahrgenommen haben. Iiis dahin glich die Ver- 
dunstung des Herbstes den starkereu ZuHuss in Folge der Schneeschmelze 
und der Frühlingsniederschläge aus und die Schwankungen erhoben sich 
nicht über 0,4 m. Aber von 1852—56 seien grössere Schneefälle in den 
Gebirgen vorgekommen und im Jahr 1856 sei der See nahezu 2 m. höher 
als 1S52 gestanden. Dann sei ein Sinken eingetreten, welches 1861 0,6 m. 
unter den tiefsten Stand der Zeit vor 1852 herabging, worauf ein neuer- 
liches Steigen bis 1868 den Wasserspiegel nahezu 4 ID. über den Stand 
von 1861 erhob und die Fläche, die der See bedeckt, um die Hälfte 
vergrösserte. Seit 186K soll der See sich auf dieser Höhe halten, eher 
steigen als fallen, und seine Schwankungen sollen 0,6 m. betragen. Am * 
21. Juli 1874 hat man bei Black Rock, einem Eiland, das vor 1852 eine 
Halbinsel bildete, eine Säule errichtet, an der Steigeu und Fallen des 
Sees gemessen weiden soll'). Fremont gibt als Zusammensetzung des 
Salzes im Grossen Salzsee in Procenten : Kochsalz 97.H, Chlorcalcium 0,6, 
Chlorniagnesium 0.2. schwefelsaures Natron 0,2, Gyps 1.1*). L. I). Gale 
bestimmte das speeifisehe Gewicht des Wassers desselben zu 1,17 und 
fand 22,4 feste Bestandteile, die sich folgendermassen vertheilten: Koch- 
salz 20,2, schwefelsaures Natron 1.8, Chlorniagnesium 0,25, Chlorcalcium 
Spur 1 ). Seit diesen Analysen sind keine weiteren von genügender Ver- 
trauenswürdigkeit veröffentlicht. C. Thomas reproducirt in seiner Be- 
schreibung des Grossen Beckens 4 ) die Zahlen Stansbury's und Gales'. 

Mit so hohem Salzgehalt ist das Wasser eine der stärksten natürlichen 
Soolen und seine grosse Dichtigkeit verleiht ihm einige merkwürdige 
Eigenschaften. „Niemand kann sich, ohne es selbst erfahren zu haben, 
eine Vorstellung von den merkwürdigen Eigenschaften dieses Wassers 
machen. Ein Mensch kann auf demselben in ausgestreckter Lage auf dem 

1) Ks mag Bolchen Niveau- Veränderungen zuzuschreiben sein, was Stansbury 
von Curtle hlnntl sagt: „Wenn man sich ihm von der Wasserseite nähert, liisst 
es regelmässig geschichtete l'fer erkennen, die durch völlig wagrechte und 
scharf gezeichnete Strandlinien in verschiedenen Höhen über einander gesondert 
sind. Es schien als ob das Wasser in Zwischenräumen auf ein tieferei 
Niveau herabgegangen sei und die Spuren seiner früheren Hohe den Abhängen 
des Hügels eingegraben hätte. Fast bis zum Gipfel folgten diese Linien über 
einander und waren an der Nordostseite am schärfsten ausgeprägt." (Kxplor. 
Great Salt Lake. 185:1. 16(1). 

2) Exp. to the Rocky Mts. 1S45. 15s. 

3) Stansbury. Expl. Great Salt L. 1853. 419. 

4) In Hayden's Rep. V. 23-1. 



Digitized by Google 



272 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



Kücken liegend treiben und Kopf, Hals, Anne bis zu den Ellbogen und 
die Füsse bis zu den Knieeu ausser «lein Wasser babeu. Nimmt man 
eine sitzende Stellung ein, so bleiben die Behältern über dem Wasser, 
wenn man zur Erhaltung des Gleichgewichtes die Arme ausstreckt. Den- 
noch ist es wegen der beständigen Neigung der Heine, sich über die 
OberHäche zu heben, schwer, in dem Wasser zu schwimmen; die Boolc 
ist so stark, dass das kleinste Theilchen derselben in den Augen die 
heftigsten Schmerzen erzeugt. Würgen und Erbrechen sind die Folgen, 
wenn man sie \ erschluckt. Ich zweifle, ob der beste Schwimmer sich 
vor dem Ertrinken bewahren könnte, wenn er in diesem See bei starkem 
Wellenschlag zu schwimmen baben würde ')•" Dass mit den Niveau- 
schwankungen , welche dem abwechselnd stärkeren oder schwächeren 
ZuHuss von Süsswasser zu verdauken sind, auch das speeitisehe Gewicht 
. und der Salzgehalt sich ändern, ist sicher, wiewohl über den Betrag dieser 
Aenderungen nichts Genaueres bekannt ist. 

Sevier L., in welchen der gleichnamige Fluss südwestlich vom 
Utah L. mündet, ist ausser dem Grossen Salzsee der einzige grössere 
Salzsee in dieser östlichen Einsenkung, von dem jedoch wenig Näheres 
bekannt ist *). Zahlreiche kleinere sind dagegen über das Wüsten- 
gebiet im W. des erstcren zerstreut. Grössere, die seltener den Namen 
See, den ihnen der Gebrauch beilegt, als den von Tümpeln und Sümpfen 
verdienen, folgen in den thalartigen Einsenkungen zwischen den nördlich 
und südlich ziehenden Gebirgen des Grossen Beckens, gleichsam in den 
Maschen des Netzes von Höhenzügen, welches über die Hochebenen hier 
gezogen ist. Alkali F 1 a t , A 1 k a 1 i Lake. Mnd L a k e , S o d a E a goo n , 
Salt Deposit, Fiel d of Salt sind bezeichnende Namen solcher An- 
sammlungen von Wasser und Salz, in denen oft die Menge des letzteren 
die des erstcren überwiegt und die immer den tiefsten Tunkt eines der 
zahlreichen Hecken bezeichnen, in welche das eigentliche Grosse Hecken 
hier zerfällt. Goshoot E., Franklin E., Ii u Ii y E., Kish E., die 



1) H. Stansbury, Report. 1853. 212. 

2) Einer der Topographen der Haydeu-Expedition, Smith, hat neu Südrand 
dieses Sees umwandelt und unsere sehr mangelhafte Kenntnis« der ganzen 
Hegion wenigstens dahin erweitert, dass er sich überzeugte, wie der Sevier 1*. 
kein Salzsumpf oder .Nim*, sondern ein wirklicher See, dessen Wasser indessen 
wahrscheinlich salzig sei. Einige Flusse, die den Westabhang der östlichen 
Handgebirge lierabHiesseu und im Summer und Herbst im Saude der l'laius ver- 
sinken, erreichen den See wahrscheinlich in regenreicheren Zeiten des Jahres 
(Hayden, Prel. Rep. Montana. 1872. 233). Auch von Whceler's Expedition ist 
Sevier L. besucht worden und wir verdanken dieser die erste Analyse seines 
Wassers, das nach O.Low in lOOTheilen enthält: ti,2:) Chlomatrium, 1,34 schwefel- 
saures Natron, 1,03 Chlorwagnesiuui, 0,01 Gyps und eine Spur von Chlorcalriuin. 



Digitized by Google 



IV. Ströme. Flüsse und Seen. 



Tümpel der Ralston Desert und der Lava Fields gehören ebenfalls hieher. 
Sie alle trauen denselben einförmigen Charakter wie ihre wüstenhaften 
Umgebungen und nur der grössere oder geringere Grad von Aus- 
troekung bedingt einige Unterschiede in denselben, llüufig beobachtet 
man auch in diesen Thalern eine Abnahme in der Grösse der von 
dem Wasser aus den Randgebirgen herabgebrachten Sehwenimprodukte 
nach der Mitte zu, von den Blöcken an den Berghängen bis zu »lern 
feinen Thon, der die Mitte einnimmt und dort harte , absolut vegetations- 
lose Platten, oft von einer Ausdehnung von mehr als 20 □ Kil. bildet. 
Diese Thonplatten sind die Drjf Lake» der Amerikaner. Die Vegctations- 
losigkeit derselben Thonplatten beruht auf dem fest zusammengebackenen 
Zustand ihrer Masse. Man findet dieselben nicht in den Thalern, welche 
längere Ebenen zwischen zwei Höhenzügen darstellen, sondern nur in den 
abHusslosen muldenförmigen; dort herrscht grober Kiesboden. Am häufigsten 
findet man abgeschlossene Seen und Sümpfe am Ostabhang der höheren 
Gebirgszüge, der in der Regel viel steiler und zerissener ist als der 
westliche und weniger Schnee hat, den er aber beim Schmelzen rasch 
abströmen lässt — alles Bedingungen, die die See- und Sumpfbildung in 
grosser Nähe begünstigen. Ruby- und Franklin L , die so am Ost- 
abhang der Fast Humboldt Mts. liegen, haben süsseres Wasser als die 
Mehrzahl dieser Hochebenen-Seen. Es gibt, um diess hier einzuschalten, 
Seen, die anscheinend abflusslos sind und deren Wasser dennoch nicht 
oder nur sehr wenig salzig ist. Diess gilt vom Mountain Lakelet, 
Stockton Pond, Cedar Valley-Pond und den meisten Seen, deren 
Recken einstige Vulkankrater sind. Im ersteren Fall gibt die Zusammen- 
setzung des unteren Seerandes aus trümmerhaftem Lavagesteiii, in den 
letzteren das beschränkte Gebiet, das der Auslaugung offen steht, die Er- 
klärung an die Hand. Cedar Valley-Pond ist ein Tümpel von ganz neuer 
Entstehung 1 ), Stockton Pond verdunstet alljährlich bis zur völligen 
Trockenheit. 

Eine Einsenkung. ähnlich der des Grossen Salzsees, trennt die höheren 
Theile des Grossen Beckens von dem Hochgebirge, welches im W. sie 
umrandet. Von beiden Seiten fliessen Gewässer in dieselbe ab und einige 
von ihnen, welche in kein nach dem Meere ausmündendes System Hiessen- 
der Wasser einbezogen sind , bilden abHusslose Seen. Wir haben eine 
Kette solcher Seen am Ost - und Westabhang von Warner's Range. 

1) „Kr ist seit der Resiedelung dieser Region entstanden und bedeckt 
einen Landstrich, der einst seitens der Bundesregierung als eine Futter -Reser- 
vation aus dem übrigen cultivirbaren Lande ausgeschieden worden war. Kr 
verdankt seinen Ursprung oder seine Wiedereutstehuiig augenscheinlich dem- 
selben allgemeinen Klimawechsel, welcher in derselben Zeit den Grossen Salz- 
see beständig bat steigen lassen." \\ heeler Rep. III. 113, 

Ratio), Amerika. I. 13 



Digitized by Google 



•274 IV. Ströme. Flüsse und Seen. 

Summer I... Albert L., (loose L. (22 Kil. lang, Ö Kil. breit) folgen 
in Zwischenräumen von 30— 40 Kil. auf einander. Die beiden ersteren 
sind stark salzig und der letztere hat in der Fiumare von Drew's 
Valley einen zeitweiligen AbHuss. welcher keine so grosse Concentration 
der salzigen Bestandteile zulässt. Oestlich von Warner's Hange ließt eine 
Kette von mehreren Seen und Sümpfen, die mit einander in einer Ab- 
Hussverbindung stehen, welche die Wasser des nördlichen den südlichen 
zuführt. Dort haben wir Süsswasserseen, hier Salzsümpfe. Von hier gegen 
W. liegen Wright und Lower Klamath L. als isolirte Becken mitten 
in der Gruppe der Klamathseen. Weiter südlich folgen Honey (18 Kil. 
lang. 7 Kil. breit), P y r a m i d (ungefähr 45 Kil. lang und 30 Kil. breit in 
der feuchten Jahreszeit), näher der Sierra Winnemuka (20 Kil. lang, 
15 Kil. breit, mit Pyramid L. durch einen tiumarenartigen Abfluss des 
Truckee verbunden). Mono (in einem Vulkankrater), Walker (Sammel- 
becken des Rio Ida oder Walkers R. (70 Kil. lang, .'$0 Kil. breit), Owens L. 
(Sammelbecken des gleichnamigen Flusses, 24 Kil. lang. 14 Kil. breit). 
Humboldt L. ist eine Wasserfläche von 52 Kil. Lange und 15 Kil. 
Breite; er ist seicht und sein Wasserreichthum, der übrigens je nach der 
Jahreszeit sehr verschieden ist, steht in keinem Verhältniss zu der Lange 
des Flusses, dessen Wasser er empfangt; dieser Fluss nimmt jedoch in 
seiner unteren Hälfte keinen einzigen erheblichen Zurluss auf und ein 
grosser Theil seiner Feuchtigkeit versickert in dem Schuttboden der Thaler, 
die er durchmesst, und verdunstet in der durstigen Luft der dürren 
Hochebene. Aus diesem See fliesst das Wasser südlich nach einem Sumpfe 
ab, in welchen von der entgegengesetzten Seite auch der kleinere Garson L. 
(30 Kil. lang, 15 Kil. breit) seinen Wasserübertluss ergiesst. Der Sumpf, 
den sie so zusammen bilden, heisst an der einen Seite Carson Sink 1 ), 
auf der anderen Humboldt Sink und wird sammt seiner Umgebung als 
Humboldt Dcsert bezeichnet. In der Jahreszeit der Schneeschmelze 
sind seine trockeneren und feuchteren Stellen alle mit einander und mit 
den beiden Seen zu ainer Wasserflache von bis zu 1000 Q Kil. vereinigt. 
Mud L. (ca. 1000 □Kil.) ist ein grosser Sumpf, der die Wasser des 
Ouinn's It. aufnimmt und in der feuchten Jahreszeit durch Fiumaren, mit 
Pyramid und Winnemuka L. in Verbindung, tritt und diesen den 



1) „Das Wort Sink hat in seiner Anwendung auf Flüsse zweierlei Bedeutung 
in der Wüste. Sein Gebratich als Zeitwort bezieht sich auf das Verschwinden 
eines Flusses durch Absorption, alter seine gewöhnliche Anwendung als Haupt- 
wort entspringt einer Täuschung, die indessen heute seltener geworden ist als 
der Gebrauch des Wortes Der See, Tümpel oder Sumpf, in den ein Sumpf 
mündet und in welchem dessen Wasser verdunstet, wird falschlich als Sink be- 
zeichnet. Humboldt Sink, Sink of the Sevitv, Sink of the ('hnlk (Weck sind der- 
artige missverstandlicbe Benennungen". (In G. M. Wheeler's Kep. III. 1S75. 107.) 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



275 



Wasserüberschuss zuführt, der bei abgeschlossener Lage ihn zum grössten 
See dieser Hegion machen würde. 

Indem südlich von hier die höheren Gebirgszüge, vor allen die Sierra 
selber, zurücktreten oder sich erniedrigen und gleichzeitig die natürliche 
Trockenheit der Passatregion zu noch schärferer Ausprägung kommt, treten 
an die Stelle der wasserreichen, wenn auch kurzen Flüsse jener Region 
die Fiumaren und an die Stelle der Seen die Sümpfe; die letzteren 
bleiben indessen bei aller Wasserarmuth häufig und es ist Kegel, dass 
jeder Höhenzug, selbst jede JJerggruppe, einen Sumpf, das Sammel- 
becken ihrer Feuchtigkeit, an ihrem Fusse liegen hat. In der Mohavc- 
Wüste liegt Soda oder Mob ave L., das Becken, in welches der Mohave- 
Fluss mündet, bei 305 m., an einem der tiefsten Punkte der Wüste, als 
eine Einsenkung, die mit einer dicken Salzkruste bedeckt ist. Aehnliche 
Salzbeckeu sind auch an anderen tiefen Punkten dieser Wüste zu finden. 
Auf der anderen Seite der Bernardino-Kctte liegt in der Colorado-Wüste 
der Salzsumpf Dry Lake, nahezu 100 m. unter dem Meere, der 
ausser dem unbeständigen Seitenabfluss des Colorado, dem New R., kleinere 
Zuflüsse der S. Jacinto- Berge aufnimmt. Es sind diese trockenen Seen 
hier im SW. nirgends ungewöhnliche Erscheinungen. Einige sind be- 
standig trocken, andere haben zur Regenzeit Wasser, andere sind theil- 
weise Sümpfe. In den heissen und trockenen Plateau- Gegenden von 
Arizona und Neu-Mexico kennt man diese tafelartig ebenen, hartkrustigen 
Flüchen (Dry Lagoons, Playas) besonders auch wegen der Luftspiegelungen, 
die über ihnen häufig sind , da die Bodenbeschaffenheit dieselben be- 
sonders begünstigt. Sic erreichen gegen 0. und N. zu nirgends grosse 
Ausdehnung, da alle grösseren Thaler von den ZuHüssen des Colorado 
drainirt werden. 

Als Gila-Lagune wird ein tiefes, braunes, etwas salziges Gewässer 
von geringem Umfang bezeichnet, welches in der Gegend der Pirna-Indianer 
am mittleren Gila liegt. Es ist mehr Quclltümpel als See. Hieher ge- 
hören auch die kleinen Hachen Seen oder Tümpel, die von den Neu- 
mexikanern Cienagas oder Cenegales, d. h. Sumpflöcher, genannt werden 
und die da und dort auf den Plateaux zerstreut liegen, welche den Abfall 
der Südausläufer der Felsengebirgc nacl^ Osten vermitteln. Binsen um- 
säumen ihre Ränder und zahlreiche Wasservögel halten sich bei diesen 
kümmerlichen Oasen auf. 

Im Küstengebirg begünstigen weder die klimatischen Verhältnisse noch 
die Bodenformen die Bildung ausgedehnter abflussloser Becken. Es ist eine 
örtliche Wirkung vulkanischer Kräfte , wenn man in der Nähe des Clear L. 
mehrere kleine abflusslose Berken und unter ihnen den merkwürdigen Borax 
L. findet, der eine Vertiefung einnimmt, welche vom Clear L. durch einen Wall 
vulkanischer Eruptionsprodukte abgesondert ist. Die Ausdehnung dieses 

18* 



Digitized by Google 



270 



IV. Strome, Flüsse und Seen. 



Sees ist je nach der .Jahreszeit sehr verschieden. Whitney fand ihn 1863 
gegen 1 Kil. lang und 4<x> in. hreit und kaum 1 m. tief, sah aher Zeug- 
nisse einer früher doppelt so grossen Länge und hörte, dass er vor den 
regenreichen Jahren lHOl und 18t>2 trocken gelegen hahe. Der See 
wurde 1K5K entdeckt und bald darauf begann man die Boraxsehicht auf 
seinem Boden auszubeuten. Eine Untersuchung des Wassers ergab im 
Jahr 18Ü3 2401,5 gr. feste Bestandteile auf die Gallone, worunter Koch- 
salz, kohlensaures und borsaures Natron (vom letzteren 535 gr.)'j. Im 
südlichen Küstengebirg kommen in dürrerem Klima einzelne abflusslose 
Becken vor. Wir rechnen nicht die zeitweis abHusslosen Tulare-Seen 
hieher, aber es liegt z. B. in der Mitte des Thaies, welches das Temescal- 
von dem Sa. Anna-Gebirge trennt, eine Lagune, in der der S. Jacinto-Fluss 
verschwindet. Eine Anzahl von Flüssen «1er südwestlichen Gebirge ver- 
lieren sich in Salzseen, welche bereits auf mexikanischem Gebiet liegen, so 
St. Maria, Guzman und Jaqui R. Aehnlich wie die Salzseen des 
Grossen Beckens sind auch diese brackisch zur Regenzeit und bis zur 
Untrinkbarkeit salzig in der regenlosen Zeit. Der R. Mimbres, der dein 
L. Guzman zutiiesst, erreicht ihn nicht, sondern verliert sich in einer Ebene 
nördlich von demselben. 



Anhang I: Quellen und Höhlen. Ausser den Quellen, welche 
namhaften Flüssen und Strömen Ursprung geben, gibt es noch zahl- 
reiche andere, welche bemerkenswert!) sind durch besondere Eigenschaften, 
ilie ihnen innewohnen, durch die Lage, die sie einnehmen, oder durch 
ihre Verbreitung. Sie erlangen eine besondere Bedeutung in sonst 
wasserarmen Gegenden, wie sie in dem Gebiet der Vereinigten Staaten 
so verbreitet sind, und in den grossen Flachlandern, wo die Ent- 
fernung der Gebirge die kleineren Wasseradern selten macht und die 
Wege von einem Flusse zum anderen sehr gross werden. Der Werth 
der Bodenfeuchtigkeit, und besonders der Quellen, wächst in demselben 
Masse, als die atmosphärischen Niederschläge unregelmässiger und spär- 
licher werden; er ist daher am grössten in den dürren Hochebenenland- 
schaften des Westens. Es erscheint uns keineswegs übertrieben, wenn 
0. Low von den Quellen Ncu-Mexieo's sagt, dass sie. die z. Th. direct ganz 
unabhängig von Regen sind, Oasen in der wüstenartigen Umgebung bilden 



1) Nach Hittell (Resources of Calif. 1*74. 33-') wurde die Boraxgewinnung 
aus diesem See durch die ausgiebigen Regen von 1867 und lbOö unterbrochen 
und nicht wieder aufgenommen. Dafür bat die Ausbeutung ausgetrockneter Borax- 
sren in Nevada, w<> sie vom Humboldt R. bis zum Colorada vorkommen, einen 
erheblichen Aulschwung genommen. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



L>77 



und dort eine „solche Wichtigkeit erlangen wie in cnltivirten Landern eine 
presse Stadt". Kr beschreibt die Quellenoasen im Gebiet der Navajo- 
Indianer folpendermassen : „Die Quellen, die man da und dort antrifft, 
sind mit grünen Wiesen umgeben, dieselben dehnen sich jedoch selten 
über */4 M. (e.) aus. An jeder solchen Quelle wohnen ein Paar Nava.jo- 
Familien mit ihren Schafen und Ziepen 1 )." Die Mehrzahl der Quellen 
empfanpt ihr Wasser aus höherliegenden Schichten, in deren Zwischen- 
räumen Regen und Thau zusammen- und abwärtsfliessen. Ein kleinerer 
Theil ist vulkanischen Ursprungs. Dass der Hoden in der That in tieferen 
Schichten Feuchtigkeit enthalt , lehrt die von 0. Löw mitpetheilte That- 
sache, dass Maiskörner in oberflächlich panz dürr aussehendem Boden 
aufpehen, wenn sie Vs — V* m. tief pepflanzt werden*). Gerade im wasser- 
armen Inneren der Gcbirpsrepion des W. wird die Vertheilunp der Quellen 
eine ausserordentlich unrepelmässi<ie durch die Massen von Gesteinsschutt, 
der die Flanken der Berpe verhüllt und durch die weite Verbreitunp 
\ulkanischer Gesteine, welche vielfach die natürlichen Wasserlaufc be- 
decken oder ablenken. Nur die Mesa's, diese Tafelberpe . die in Neu- 
Mexico, Arizona und längs des ganzen östlichen Abfalls der Felsenpebirpe 
so hautip sind, lassen zahlreiche Quellen zu Tage treten und zeigen eine 
gewisse Repelmässigkeit in der Vertheilunp derselben. Die Mesa's sind 
meist so gebaut, dass Schichten von verschiedener Dichtigkeit über ein- 
ander liegen und zwar so, dass sie uach einer Seite hin leicht geneigt 
sind. Die Quellen treten hier meistens an den Böschungen auf. Die 
weniger zahlreichen Quellen an der Fallseite der Mesa's sind in der 
feuchten Jahreszeit wasserreicher als die der schmaleren und steileren 
Seite. An kalten Quellen ist Neu -Mexiko besonders im 0. nicht arm, 
wo sie an den Abhängen der Mesa's zahlreich hervorsprudeln. Bei 
Bacon Springs, Defiance, Ft. Wingatc, auf den Reservationen der Navajo- 
[ndianer und bei den Moqui - Dörfern sind sie in der oben erwähnten 
Weise die Ursache kleiner Oasen. Im VV. dieses Hochebenengebietes 
bietet das Campo tjuuule am Gila in der Nahe der Pirna -Dörfer eine 
trrössere Quellengruppe, deren grasbewachsene Umpebunp ein beliebter 
Laperplatz der Karawanen ist. Sie haben die Form tiefer Wasserlöcher, 
die in den Rasen einer ebenen Thalflache eingesenkt sind. Ihnen ähnlich 
sind die Natural Wrllx in der (regend des Guadalupe- Passes in Xcu- 
Mexico, eine Gruppe von tiefen, steilrandigen Löchern, die mit.milchigem, 
aber trinkbarem Wasser gefüllt sind, welches in einem bald nachher ver- 
siegenden Bache abfliesst. 

Am Rand des Grossen Salzsees und auf seinen Inseln treten zahl- 
reiche Quellen zu Tage, die je nach den Jahreszeiten von sehr ver- 

1) P. G. M. 1H74. 400. 

2) P. G M. 1874. 40!>. 



Digitized by Google 



278 



IV. Ströme, Flüsse und Sc n. 



sehiedoncr Beschaffenheit sind. Im Frühliir; und Frülisommer nährt 
sie der schmelzende Schnee, der ihnen genug süsses Wasser hringt ; 
sobald aber dieser ZuHuss aus höheren Regionen nachlässt , findet der 
salzgeschwängerte Boden Zeit, ihnen von seinen Bestandteilen zuzuführen, 
und die vorher süssen Quellen werden nun im Herbst und Winter zu 
Mineral- oder Salzwassern. 

Die Quellen Nevada's erfreuen sich im Allgemeinen keines sehr guten 
Hufes. W. W. Bailey sagt vom Wasser einer der heissen Quellen auf der 
Wasserscheide zwischen Humboldt und Truckee Et, : „Wenn man es hat kalt 
werden lassen , ist es doch noch den meisten jener elenden Dekokte der 
0:1 Kiemente vorzuziehen , welche in Abwesenheit des yenuinc artkic in 
dieser Gegend als Wasser cursiren 1 )." 

In den Prärien draussen sind die Quellen nicht minder wichtig wie 
hier auf der Hochebene. Im Sommer findet man sehr wenig Wasser in 
den Prärien südlich vom 40. Breitegrad, da die kleineren Ströme alle 
vertrocknen, selbst wenn das Jahr ein nicht besonders trockenes ist. und 
wegen des Wald- und Wassermangels werden uie Niederlassungen für 
lange Zeit auf die Thäler des Missouri, des Kansas und ihrer grösseren 
Zuflüsse beschränkt sein. Uebrigens muss man die Wasserarmuth der 
Prärien nicht nach dem Bilde beurtheilen, das eine kleine oder mittlere 
Karte ihres Gebietes entrollt, denn hier fehlt es ebensowenig an lliessen- 
den Gewässern wie in unseren feuchtesten und fruchtbarsten Regionen 
und sogar Ströme rollen ihre Wasser durch diese baumlosen Ebenen. Aber 
wenn man hört, dass die Quellenlosigkeit mit zu den bezeichnenden 
Eigenschaften der Prärien gehört , gestaltet sich die Sache anders. Den 
Mangel der Quellen könnte man allerdings schon aus der ungemein ge- 
ringen Zahl von Zuflüssen folgern, welche die Flüsse da erhalten, wo sie 
durch Präriengebiet (Hessen, aber diess ist nicht immer ein Zeichen von 
Wasserarmuth. Auch die geringe Zahl der Quellen würde diess nicht 
sein, solange sie auf ein enges Gebiet beschränkt wäre. Aber die Prärien 
sind in dem grössten Theil ihrer weiten Erstreckung in ungewöhnlichem 

1) Am. Naturalist. IV. 32. lieber die Möglichkeit, durch Anlegung von 
artesischen Brunnen dem au so vielen Punkten des Westens empfindlichen 
Mangel au flicssendetn Wasser abzuhelfen, spricht sich Gilbert dahin aus, dass 
die notbigü'Contiiiuitat der Schichten und die unterirdische Drainage, welche 
eine wesentliche Bedingung für die Erhaltung eines reinen Wassers ist, nicht an 
vielen Punkten vorhanden seien. In der Caüou-Rcgion des Colorado und seiner 
Nebenflüsse ist die natürliche Drainage zu allgemein, in der Region der ab- 
flusslosen Becken ist auf süsses Wasser nur in seltenen Fallen zu hoffen und 
ebendaselbst ist die Continuität der Schichten eine zu geringe. Er halt jedoch 
z.B. die Westseite des Sevier -Thaies für eine günstige Lokalität zur Anlegung 
artesischer Brunnen. (Wheeler Reu III. 116). 



Digitized by Google 



IV. Strömt'. Flüsse und Seen 



27<> 



Grade quellenarm. In dem afftudiclien Prürietigcbict.dem Gebiet, das man 
als Grasprärie im Gegensatz zum Steppenland der Plains bezeichnet und 
dessen Westgrenze man bei ungefähr 100° W. L. ziehen kann, tritt in- 
dessen diese Quellenarmuth in anderen Formen auf als in den Steppen, die 
jenseits dieser Grenze liegen. „Es ist wahr, dass die Oberfläche wasser- 
arm ist. besonders im Sommer kann der Reisende tagelang reiten, ohne 
einem Bächlein oder selbst nur einer Pfütze zu begegnen. Aber anderer- 
seits ist es eben so wahr, dass man Wasser in der grössten Fülle überall 
in einigen Fussen Tiefe findet. Wir haben wenige Punkte gefunden, wo 
man beim Graben in die Tiefe kein Wasser erhielt und wo das Brunnen- 
graben so leicht und im Allgemeinen so erfolgreich wäre. Gewöhnlich 
hat man kein Felsgestein zu durchsinken; unter dem Humus kommt eine 
Schicht harten Thons, dann Kies, dann wieder Thon und das Wasser 
rindet sich dann in einer Schicht feinen , reinen Sandes. Die Tiefe der 
Brunnen kann zwischen 12 und 40 F. schwanken, liegt aber gewöhnlich 
bei 18 — 25. Thatsächlich besteht also kein Wassermangel, aber das 
Wasser ist eben nicht immer an der Stelle zu rinden, wo es der Farmer 
in grösserer Menge braucht ')." 

Mehr gegen das Gebirge zu , wo die abflusslosen Becken häutig 
werden und in Folge davon der Boden durchsalzen ist , erhalten viele 
Quellen einen starken Salzgehalt und verlieren damit den Werth, den 
sie sonst für die Bewässerung des Bodens gewinnen könnten. Zahllos 
sind die Salzquellen schon in Nebraska, wo sie meist in Depressionen 
der Oberfläche liegen. Durch Verdunstung des salzhaltigen Wassers be- 
decken sich Hunderte von Acres in diesen tiefen Lagen mit Salzkrusten. 
Eine der Quellen kommt in der Dicke eines Mannsarmes aus dem Boden, 
aber im Ganzen sind die Salzquellen weniger stark als zahlreich und der 
Gesammtertrag der verschiedenen Werke, die sich mit ihrer Ausbeutung 
befassen, übertrifft nicht 100,»KHJ Kil. Sic werden nach W. hin stärker 
und eine Reihe von Salztümpeln, die solchen Quellen ihr Dasein verdanken, 
rindet sich uoch am Abhang des Felsengebirges in Colorado, wo aber be- 



1) James Hall, The West , ils Soil etc. Cincinnati 18-18. 105. Früher 
schrieb man dem Felsengebirge eine grossere Bedeutung für die Quellenbildung 
in der Träne zu. als es in Wirklichkeit hat. „Ist es nicht wahrscheinlich, dass 
ein grosser Theil des Wassers, das als Hegen in den ausgedehnten Ebenen an 
der Ostseite der Fe Isengeb irge fällt, den lockeren und porösen Bodeu durch- 
sinkt, bis er auf eine festere Schicht trifft und zu Wasselfäden oder selbst 
Bächen gesammelt durch unterirdische Canäle in der Richtung des allgemeinen 
Abfalles des Landes abriiesst V" (E. James, Long s Exp. to the Rocky Mts. 1823. 282.) 
Den grossen Quellenreichthum der Ozark Mts. glaubte man damals nicht anders 
erkläien zu können als mit der Annahme, dass an ihnen diese unterirdischen 
Bäche sieh statteten und als Quellen aufstiegen. 



Digitized by Google 



'JSO 



IV. Ströme. Flüsse und Seen. 



reits wieder süs^e Quellen in grösserer Zahl mitten unter ihnen auftreten, 
(tanz gewöhnlich sind natürliche! Weise die Balzhaitigen Quellen in dem 
gallgeschwängerten Boden des Grossen Berkens. Nicht bloss Kochsalz, 
sondern auch Glauber- und Bittersalz . Soda , Borax und andere Salze 
treten in ihnen auf. Virpin Salt Well, in der Nähe des Zusammen- 
flusses des Rio Yirgen mit dem C olorado, ist ein merkwürdiger natürlicher 
Soolhrunnen in einer trichterartigen Vertiefung, die oben ca. 90m« im 
Durchmesser hat und in welcher ca. 15 m. unter dem Niveau der Plains 
ein Wasserspiegel von :16 m. Durchmesser steht. Das Wasser ist stark 
gesalzen. Ebenso gebaut, doch kleiner, ist Üevils Hole am Fuss der 
Ilouse Hange in Utah; der Wasserspiegel misst 5 m. und das Wasser ist 
brackisch. Kinen tieferen Ursprung haben die Soolquellen des Ostens, die 
aus den unterirdischen Steinsalzlagern der paläozoischen Formationen 
gespeist werden. An ihnen sind in den atlantischen Staaten New York, 
West -Virginia , Pennsylvanien , West -Ohio und Michigan besonders reich. 
Die Quellen von Onondaga in New York lieferten bis vor wenigen Jahren 
allein die Hälfte alles in den Vereinigten Staaten erzeugten Kochsalzes. 

Mit besonderer Kraft treten Quellen aus den Kalkschichten hervor, 
welche im SW. der Vereinigten Staaten den Cordilleren und im Inneren 
dem West- und Südabfall der Alleghanies vorgelagert sind. Bemerkens- 
werthe Erscheinungen dieser Art Huden sich in Mittel -Florida, wo 
zahlreiche Sink*. Senklöcher bis zu Hipo m. Durchmesser, von rasch- 
fliessenden unterirdischen Bächen im weichen Kalkstein ausgewaschen sind; 
ihnen entspricht die grosse Zahl kräftiger Quellen, welche derselbe Theil von 
Florida aufweist, und die oft nichts anderes sind als die wieder hervortreten- 
den Bäche, die in jenen Gruben verschwunden waren. Die Grube, in der die 
Wasser des Alachua Creek verschwinden, um unterirdisch zum Orange L. 
abzutlicssen, und ein eskalier, von unterirdischen Quellen gespeister See bei 
Talahassce sind benierkenswertherc Erscheinungen dieser Classe. Aehn- 
lich brechen Flüsse des westlichen Texas, die ihre Quellen in dem Kreide- 
plateau haben, mit solcher Kraft und Wasserfülle aus dem Gestein hervor, 
dass sie .schon Mühlwerke am Ursprung treiben könnten" Comal, 
S. Marc, S. Antonio gehören zu diesen starkquclligen Flüssen, deren seichter 
Unterlauf sonderbar contrastirt mit der Wasserfülle ihrer Quellen. Einen 
ähnlichen Ursprung haben Bäche, die mit von Anfang an grossem Wasser- 
reichthum den Anhäufungen von Trümmergestein entlliessen; es sind 
Bäche, die an einem Orte in dem spaltenreichen Gesteinsschutt versickert 
sind und nun neu gesammelt wieder hervortreten. In den Snake R. mündet 
ein solcher unterirdischer Bach in der Nähe des Rock Ureek. Wieder 
anders ist die Entstehungsweise starker Süsswasserqucllcn im unteren 



1) Römer. Texas 1*4f». 214. 



Digitized by GpQgk 



IV. StrOme, Flüsse und Seen. 



2*1 



Columbia-Gebiet. Der Unterjrrund besteht hier unter der Humusschicht 
zunächst aus Kies , der bis 10 m. mächtig wird , dann aus Flugsand von 
unbestimmter Mächtigkeit. Dieses Flugsandbett , sowie die scharfe Son- 
derung der von der Grasnarbe zusammengehaltenen Humusschicht von 
den darunter liegenden Kiesmassen scheiut die Ursache der merkwürdigen 
temporären Quellen und der Ucberschwemmungen zu sein, welche durch 
dieselben öfters die Tiefprärien des Columbia betrifft. Das Wasser steigt 
hier von unten auf, hebt die Humusschicht, schwellt sie an und durch- 
bricht sie endlich an mehreren Orten 1 )- — Während manche kleinere Flüsse 
in Tennesee und Kentucky allsommerlich verschwinden, sind die grossen 
und kleinen Quellen, die aus den Spalten des Kalkgebirges hervorkommen, 
im Sommer höchstens etwas weniger wasserreich, trockneu aber nie aus. 
Auch sie bringen offenbar einen Theil des Wassers zu Tage , das aus den 
Flussbetten der Oberfläche verschwunden ist. Beim Herausströmen aus 
der Tiefe sind diese Quellen oft von Luftströmungen begleitet, welche 
stark genug sind, um eine Kerze zum Verlöschen zu bringen und die 
keinen Zweifel au dem innigen Zusammenhang der unterirdischen Wasser- 
läufe mit der Oberfläche zulassen. 

Heisse Quellen als Zeugnisse vulkanischer Thätigkeit sind im 
W. nicht selten und mehrere von ihnen zeigen hervorragende Eigenthüm- 
lichkeiten, so z. Ii. Steambout Spring am Abhang von Lassen's Peak, 
welche eine erhebliche Masse kochenden Wassers ergiesst und umgeben 
ist von Dampfspalten, die über einen Kaum von 2- — 3 Acres zerstreut sind 
und heisse Dämpfe aushauchen. In eine Quelle dieser selben Region 
strömt heisser Dampf ein und schleudert ihr Wasser 2*7« m. hoch auf. 
Hin See heissen Wassers, 180 m. lang und 90 m. breit, {Boiling Lake) 
findet sich in ihrer Nähe, von hohen Felswänden umgeben , die durch ihn 
sehr rasch zersetzt werden. Auch die heissen Quellen und Mofetten üben 
einen energischen zersetzenden Eintluss auf die Laven um Lassen's Peak*')- 
Ein Gemeng von Thermen von DO — \)H n und Dampfquellen sind auch die 
California Geysers, die in dem Thal eines Zuflusses des Russian K. 
nördlich von San Francisco gelegen sind. Die ersteren sind von der 
atmosphärischen Feuchtigkeit hinsichtlich ihrer Wassennengc abhängig 
und haben mit eigentlichen Geysern nichts gemein 1 ). Ferner kennt man 
warme alkalinische Quellen am Fuss der Sierra Sa. Monica und heisse 
Schwefelquellen bei Sa. Barbara. Sogar am Krater von Mt. Shasta sind 
noch Solfataren in Thätigkeit 4 ). In der Nähe des Borax-Sees ist durch 



1) Wilkes Expl. Exped. X. *>06. 

2) J. I). Whitney, GeoL of Cal. I. 311. 

3) Ebenda«. I. 93. 

4) Ebendas. I. f>5. 



Digitized by Google 



2S2 



IV. Strome. Flüsse und Seen. 



Solfatarcn ein Sehwefellager von mehreren Hektaren Oberfl&cbe gebildet 
worden. Borax kommt ausser in Seen dieser Region (s. o. 27t'») auch in 
Quellen vor. Am oberen Sacramento liegen bei Red Bluff einige warme 
(25" C.) Quellen, die Kochsalz, liorax , Schwefel- und Kohlenwasserstoff 
halten. 

Bei der weiten Verbreitung, welche die vulkanische Thatigkeit im Cor- 
dilleren-Gebiet gefunden, sind Thermen auch in anderen Theilen desselben 
nicht selten und eine grosse Menge von ihnen bildet am oberen Yellowstone 
und Madison R. einen Complex von Heisswasser- und Dampfquellen, die 
zu den grossartigsten Erscheinungen ihrer Art zu zahlen sind. Die 
G e yser-Region am oberen Yellowstone und Madison, die 
1869 zuerst von Cook und Folsom besucht und 1H71 von der geologischen 
Aufnahmscommission unter Hayden in ihrer ganzen Ausdehnung aufge- 
nommen und beschrieben wurde"), ist als Nationalpark der Vereinigten 
Staaten, d. h. als ein Gebiet, dessen Ausnutzung zu wirtschaftlichen 
Zwecken verboten und das als ein Park dem Volke reservirt ist, 
sammt ihren Umgebungen in der Ausdehnung von 168 d. [JM. durch 
Gesetz vom 1. Marz 1872 ausgeschieden. — Wenn m:in am Yellowstone- 
Fluss aufwärts geht, begegnet man in der Nahe der Mündung des Gar- 
diner R. der ersten Gruppe heisser Quellen, die in einer Höhe von 1690 
bis 2000 m. gelegen sind und 5 [jKil. mit ihren kalkigen Niederschlagen 
bedecken. Eine von ihnen liefert einen Wasserstrom von 2 m. Breite, 
0.6 m. Tiefe und 52-55° C. Warme; vier andere von 38—49" C. ent- 
springen in der Nahe in Becken von 2-3 m. Durchmesser. Kleine Seen 
von 50—100 m. Durchmesser stehen in EinSenkungen, welche die Lage 
alter Quellen anzuzeigen scheinen. Ein Hügel von 60 m. ist durch eine 
dicke Sinterkruste in eine weisse Masse verwandelt und an seinen Seiten 
treten in verschiedenen Höhen heisse Quellen in halbkreisförmigen Becken 
hervor. Der Gipfel des Hügels ist eine Flache von 150 — 200 m. Durch- 
messer, in welche eine grössere Zahl von Quellbecken eingesenkt ist; 
das grösste der letzteren hat 7 und 9 m Durchmesser. Kegel von 15 in. 
Höhe und 6 m. Dicke, aus demselben Kalksinter bestehend, erheben 
sich da und dort zwischen den Quellen und zeigen die Lage heisser 
Quellen an, die zu fliessen aufhörten und sich schlössen, als der Druck 
von unten nicht mehr genügte, um das Wasser über diese Höhe hinaus- 
zutreiben. Aehnliehe Hüllen aus Kalksinter umgeben andere heisse 
Quellen, deren Dampf sie durch enge Spalten entlassen. Heisse Quellen, 
die mit dem Plateau des vorgenannten Hügels im gleichen Niveau 
liegen, senden Strahlen von 0,6—1,2 m. Höhe empor und weisen eine 



1) Eingehend beschrieben in F V. Hayden, I'rel. Report. Geol Survcy 
of Montana. Wash. 1872. Auszugl. in 1». G. M. 1872. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



283 



Temperatur von 72° C. auf. Die zahlreichen Spuren älterer Heisswasser- 
quellen, welche überall neben den jetzt thätigen auftreten, scheinen anzu- 
deuten, dass die hier wirksamen Kräfte einst in noch grösserem Masse 
tbfttig waren als sie es heute sind, und eine Ui — 50 m. mächtige Sinter- 
schicht, welche hoch über der Lage der jetzigen Quellen sich befindet, 
legt Zeugniss ab für Hebungen des Bodens, die nach der Entstehung dieser 
Quellen und ihrer Ablagerungen stattfanden. 

Das eigentliche G eyser-G ebiet des Yellowstone liegt weiter auf- 
wärts um den Yellowstone -See, dessen Becken wie ein ungeheuerer alter 
Krater zwischen die 3 — 4000 m. hohen Hochgipfel der Tetons, des Emigrant 
Peak, der Madison und Gallatin Bits, eingesenkt ist. Etwa 8 Kil. ober- 
halb der wilden Scenerie der Fälle und des Grossen Canon des Yellow- 
stone liegt eine Gruppe von Dampf- und Schlammquellen, unter welchen 
die sog. Locomotivc Jet, die aus der schornsteinförmigen Oeffnung Dampf 
mit dem Geräusch einer llochdruckmasehine ausstösst, ferner eine siuter- 
überdeckte Dampfquelle von ( J2 U C. Wärme, in welcher der Dampf die 
Wassermassen jeweils 1,2 m. hebt, und heisse Schlammquellen in Becken 
von 4 — tJ m. Durchmesser hervorzuheben sind. 3 Kil. weiter oben bc- 
tinden sich in einer neuen Gruppe von Dampf- und Schlammquellen welche, 
die den Schlamm b' m. hoch emporschleudern und eine, die die Bäume 
umher bis 25 m. Höhe mit Schlamm bewirft, eine in einer Grotte mit 
brandungsartigem Gebrüll aufwallende und eine andere , aus deren 30 m. 
breitem Schlammbecken in Perioden von 3' * Stunden eine heftige Wasser- 
und Dampfexplosiou erfolgt, worauf sie einen b* m. hohen Strahl 15 Minuten 
lang emporsendet. Auch hier haben zahlreiche erloschene Quellen Schorn- 
stein- und thurmartige Hüllen aus schneeweissem , von Schwefel gelb ge- 
rändetem Sinter zurückgelassen. Am Westufer des Sees tinden sich weiterhin 
2<>Obis3(>0 thätige Dampf-, Heisswasser- und Schlammquellen, von denen 
einige Becken von 15 m. Durchmesser ausfüllen. Eine andere Gruppe 
liegt an einem als Fire Hole II. bezeichneten ZuHuss des oberen Madison 
R. und unter ihnen sind pulsirende Quellen, ächte Geyser, häutig. 
Die Temperaturen schwanken von 50 — 90' C. and es Hei hier den Beob- 
achtern auf, dass die blendend weissen Auskleidungen von Kiesclsinter, 
welche eine so grosse Zierde der Quellbecken sind, sich nur in den 
beissesten Quellen tinden, während in denjenigen, wo die Temperatur 
unter <I5" beträgt, dieser Niederschlag überall Eisenoxyd enthält. Hier 
steigt aus einem Quellbccken von 155 m. Durchmesser eine bis 20 m. 
hohe Wassersäule; eine Quelle füllt einen 30 m. langen und nur 
1—3 m. breiten Riss im Gestein aus, eine dritte liegt auf einem 
15 m. hohen Hügel von weisser Kieselerde und hat 40 m. Durch- 
messer, eine vierte hat sogar ein Becken von 70 m. und Reihen von 
Quellen sind durch Canäle verbunden, in denen das heisse Wasser dem 



Digitized by Google 



984 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



Fire Hole H. zuströmt. Man mag wohl glauben, dass die ganze Gegend, 
von erhöhtem Standpunkte aus gesehen, das Bild einer Fabrikstadt bot, 
die aus Tausend Schloten Hauch und Dampf entsendet. Hin Theil der 
Quellen liegt tiefer als der andere in demselben Thal und man unter- 
scheidet ein unteres und ein oberes Geyser-Becken , von denen jenes mit 
75 rjKil. das weitaus grössere ist; aber es ist in dem 8 □ Kil. grossen 
oberen Berken, dass die Geyser-Phänomene sich am schönsten zeigen. Hier 
steigen aus pulsirenden Heisswasserquellen Wasserstrahlen bis 70 und 80, 
Dampfsäulen bis IM H » m. in die Höhe. Ks bedarf kaum der Erwähnung, 
dass es an anderen Spuren vulkanischer Thätigkeit bei so kräftigen Andeu- 
tungen, wie diese unzähligen Quellen sie geben, nicht fehlt. Einige der 
höchsten Berge dieser Gegend sind mächtige Vulkankegel mit ausgebrannten 
Kratern, Basalt und Tuff bedecken den grössten Theil des oberen Yellow- 
stone-Gebietes und ein heftiges Erdbeben, das die Erforschungs-Expedition 
am Ufer des Yellowstone-Sees erlebte, erinnerte an die unterirdischen 
Kräfte, die dem Feuer, das jene Quellen wärmt, vergesellschaftet sind. 

Colorado ist reich an warmen Quellen und ebenso Utah; im ersteren 
Staate werden die Colorado Sj/rings am oberen Arkausas, dann ähnliche 
Quellen in den Parks bereits von zahlreichen Kranken besucht. Einige 
warme Quellen an einem Nebenflüsse des Oberen Arkansas, welcher Fon- 
taine qui bottiUc heisst. hat schon Fremont gemessen (1843) und es ist 
bemerkenswert]), dass seitdem die Temperatur derselben sich um einige Grade 
erniedrigt zu haben scheint, da J. C. Peale bei seinen Messungen vor 
einigen Jahren (1H72) niedrigere Temperaturen bei nicht erheblich ab- 
weichenden Lufttemperaturen erhielt'). 

Im Thal des Jemez-Flusses (Neu-Mexico) liegen zwei Gruppen warmer 
Quellen, die man dort als Ojos cafiontes bezeichnet. Die obere Gruppe 
besteht aus 42 Quellen, deren Wärme von 36 — 40" C. variirt und aus 
deren Absätzen (hauptsächlich Uhlornatrium, schwefelsaures Natron, Car- 
bonate von Kalk, Magnesia und Natron, dann Kieselsäure, Eisen. Lithion 
bilden die festen Bestandteile) sich ganze Hügel und Höhlen gebildet 
haben. Die untere Gruppe, etwa 3 Kil. von den anderen getrennt, hat 
11 Quellen, deren eine ein großer Sprudel von 7tl n C. 

G. K. Gilbert hat sämmtliche Thermen der Vereinigten Staaten 
zusammengestellt, welche die mittlere Jahrestemperatur ihrer Umgebung 
um 8" C. übersteigen und eine Karte gezeichnet, welche ihr Verbreitungs- 
gebiet erkennen lässt*). Man sieht auf dieser Karte, dass das Mississippi- 
Tiefland und die Atlantische Tiefebene vollkommen thermenfrei sind. 
Nur in Arkansas kennt man heisse Quellen, aber hier sind die Ozark Mts. 



1) Haydens 6»h Anuual Report. 1873. 108. 

2) Wheeler, Rep. 1*75. III. Plate III, 



Digitized by Google 



IV. Strömt, Flüsse und Seen. 285 

in der Nähe. Im Allcghany- Gebiet kennt man 15, in der Gebirgsregion 
des W. 121 Lokalitäten mit einer oder mehreren, oft vielen lieissen 
Quellen. Dass die Zahl der Quellen mit dem Grade der Erhebung und 
Störung der Schichten zusammenhangt, scheinen diese Thatsachen nicht 
weniger klar zu lehren als die, dass auf demselben Raum, auf dem das 
Colorado-Plateau 5 Thermen zeigt, die eigentliche Gebirgsregion des W. 
deren 13 erkennen lässt. Bemerkenswerth sind auch die Unterschiede 
in den Temperaturen dieser Quellen; unter K2, deren Temperatur man 
gemessen, sind im \V. 45 mit über 55° ('., im 0. nur 2 mit solch hoher 
Temperatur. 

Mineralquellen verschiedenster Art sind in dem weiten, mineralreichen 
Lande natürlich weit verbreitet. Der salzhaltige Säuerling von Saratoffd 
Sjiinrjs im Staate New York dürfte der erwähnenswertheste von ihnen 
allen sein, da er zum besuchtesten Gesundbrunnen des Landes geworden ist. 

Petroleum, welches in seiner Verbreitung durch die unterirdischen 
Regionen öfters dieselben Verhältnisse wie das unterirdische Wasser auf- 
weist, tritt, diesem ähnlich, auch vielfach in Quellen zu Tage. Wo es frei- 
lieh in synklinischen Recken vorkommt, wie in West-Pennsylvanien, wird 
es nur durch artesische Rrunnen erbohrt und wo es in Höhlungen und 
Spalten der Schichten verborgen ist, müssen diese Höhlungen und Spal- 
tungen angebrochen werden, um es zu Tage treten zu lassen. Aufsuchcr 
von Oelquellen betrachten Gegenden , wo die Schichten sehr gefaltet und 
gebrochen sind, als besonders günstig, indem sich an diese veränderten 
Lagerungsverhältnisse oft Höhlungen binden, aus denen man das Oel 
gewinnen kann. Wo es auf Verwerfungslinien und zwischen antiklinalen 
Rogen auftritt, kann es leichter als Quelle erscheinen. In Folge ge- 
wisser Zufälligkeiten gibt es indessen keine Oelregion, in der nicht auch 
Oelquellen vorkämen. Man kennt Petroleumquellen, häutig mit Salz- 
quellen verhunden. in Californien (Plioeän), Utah und Colorado (Lignite 
der Kreideformation). Nord-Carolina und Connecticut (Trias), West-Virginit n 
(nahe der oberen Grenze der Steinkohlen-Formation), West-Ohio und West- 
Pennsylvanien (Devon) Kentucky (Kohlenkalk). Die ergiebigen Petroleum- 
Vorkommnisse sind indessen bekanntlich nicht diese natürlichen Quellen, 
sondern erbohrte Rrunnen. 

Höhlen sind gewöhnlich die ausgetrockneten Retten unterirdischer 
Flüsse oder die Spalten, aus denen solche als Quellen hervorbrachen; 
sie finden daher ihre Stelle ganz natürlich an der Seite der Quellen. 
Quellenrciche Gebiete und Gebiete, in denen die Systeme der unterir- 
dischen Drainage in scharfer Ausprägung vertreten sind, sind in der Regel 
auch reich an Höhlen. So ist der Kohlenkalk von Kentucky in seinem 
südlichen Gebiet ungemein höhlenreich und das besonders in den höheren 
Schichten, die mit Erden und Alkalien durchsetzt sind, denen die Tendenz 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen 



zur Salzbildung und Ausblühung und damit zur Erleichterung der Zer- 
setzung unabhängig von dem fliessenden Wasser innewohnt. Die grösste 
von diesen Höhlen. Mammoth Cave in der Nahe des Green R., soll 
223 Verzweigungen aufweisen in der Gesammtlange von 220 KU. und man 
berechnet, dass ihr ganzer Hohlraum nicht unter 12 Mill. Cub.-Yards 
betrage'). In viel geringerer Zahl und Grösse kommen Höhlen in dem 
sog. Grindstone Grit, einem durch Kalk verkitteten Sandstein vor, «ler 
unter dem Kohlenkalk lagert. 

Eine der charakteristischen Erscheinungen dieser Kalksteingebiete 
sind ausser den Höhlen die Senkungen, die unvermittelt, aber in grosser 
Zahl den Boden durchsetzen ; sie sind besonders häufig in West-Tennessee 
und Kentucky, wo sie als Sinkhohs einen auffallenden Zug in der Boden- 
gestaltung bilden. Man sieht welche von 100 m. Durchmesser, die bis 
zu 1000 Hektaren bedecken. Bire Bildung ist dem iiiessenden Wasser 
zuzuschreiben, welches unterirdische Höhlen und Gange auswascht und 
mit der Zeit die Unterlagen bestimmter Bodenabschnitte wegführt, bis 
dieselben endlich unter dem Gewicht der überlagernden Massen einsinken. 
Die meisten haben am Grunde Risse und Spalten, welche das Wasser 
abtliessen lassen, aber wo diese Risse verstopft sind, haben sich kleine 
Teiche gebildet. In manchen bedeckt kühles (^uellwasser den Grund, 
welches in Verbindung steht mit unterirdischen Wasserläufen. Diese 
Sinlholes sind besonders in Kentucky auch für die Landwirtschaft nutzbar 
gemacht worden, indem man in ihnen die Schweine hegt; dabei werden 
sie mit der Zeit zu künstlichen Sümpfen oder Seen, da durch den Abfall 
der Thiere die Abfiussspalten sich verstopfen. 

Die ausgedehnten Kalklager der Alleghanies sind auch in anderen Re- 
gionen nicht arm an Höhlen. Virginien hat eine Blowing Cave, d. h. eine 
Höhle, welche einen starken Luftstrom aussendet und dieselbe wiederholt sich 
in kleinerem Masse in New York bei Betlehem (Albany Cy.). Grössere 
Höhlen im Kalkstein der Helderberg-Gruppe finden sich bei Sehoharie 
(Ball's Cave u. a.) und die untere Abtheilung dieser Gruppe ist über- 
haupt höhlenreich. In Pennsylvanien ist die Knochenhöhle von Bort 
Kennedy, in devonischem Kalke 40 Kil. von Philadelphia gelegen, 
bekannt geworden; sie umschloss nach Cope 2 ) Reste von Trilophodon, 
Megalonyx, Mylodon. Ursus pristinus — im Ganzen 30 Wirbelthierarten 
postpliocflnen Alters. Eine andere, im Aurora! UmraUme von Ost-Penn- 
sylvanien aufgedeckte, zeigte Reste von demselben geologischen Alter. 



1) Genl. Survey Kentucky 1S5G. I. 81. Selbst im Inneren der Mammuth- 
Höhlen findet mau Beweise dafür, dass die Fluten der Eiszeit sie durchströmten, 
in Ablagerungen, die in die Gasse des Mudified Drift gehören. 

2) Proc. Am. Phil. Soc. XII. 15. 



Digitized by Google 



IV. Ströme. Flüss« uml Seen. 



287 



Im kalkreichen Gebiete zwischen den Grossen Seen, dein Mississippi und 
Ohio sind in der sog. Rlei-Region Höhlen kein seltenes Vorkommen. Sie 
bieten nichts besonders Remerkenswerthes. An pittoreskem Reiz vergleicht 
man berühmten t uropaischen Höhlen die californischen Bower Cave und 
Caveville C'ave. Die erstere ist am nördlichen Arm des Merced R. 
in Californien gelegen. Sie ist gebildet durch eine an der Oberfläche 
breite, nach unten hin erweiterte Kluft im Kalkstein. Ihr Grund trägt 
einen kleinen See, an dessen Rand ein kraftiger Ahorn aufwachst, der 
seine Krone über die Spalte hinausreckt. Die Höhe der Höhle über dem 
Spiegel ihres kleinen Sees ist l\0 m. Caveville Cave ist eine Tropfstein- 
Höhle im mittleren Californien, pittoresk, wie solche Höhlen zu sein pflegen, 
doch keine der grössten ihrer Art. 



Anhang II. Zur Geschichte der Flüsse und Seen in den Ver- 
einigten Staaten. Bis zum Schlüsse der Devonzeit, wo der heutige nord- 
amerikanisohe Continent nichts als ein Conglomerat von Inseln in einem 
weiten Meere war, muss die Entwickelung der Flösse und Ströme von Nord- 
Amerika vorwiegend auf die Gebiete der damals langst trocken liegenden 
azoischen Ablagerungen beschränkt gewesen sein. Solange Inseln, RitTc, 
seichte Mecresarme die Regionen der heutigen Felsengebirgc und 
Alleghanics, der Wurzelgebiete der grössten Ströme Nord-Amerika's 
einnahmen , konnte von grösserem fliessenden Gewässer als in den 
beschrankten azoischen Gebieten sich zu entfalten vermochten , keine 
Rede sein. Dana glaubt indessen, dass mit. dem Schlüsse der Devonzeit 
der Hudson vielleicht schon in seinen gegenwartigen Grenzen und der 
S. Lorenz von Montreal aufwärts als Süsswasserströme bestanden. In 
der Zeit der Kohlenformation war das Ohio-Thal eine Region grosser Sümpfe, 
die mit Kohlenptlanzen bewachsen waren. Das Mississippi-Thal war im 
unteren Theile Meer und im oberen dürfte nur unter häutigen Oscillatiouen 
des Bodens die Thalbildung fortgeschritten sein. Das Gebiet des Missouri 
war noch zur Kreidezeit grösstenteils mit Meer bedeckt und ebenso das 
des Yellowstone und des Rio Grande. Wie das des unteren Mississippi 
sich durch allmähliche Verengerung eines alten einst breiten Meerestheils 
erst in der Tertiärzeit entwickelt haben dürfte, wurde oben besprochen. 
Am Ende der Tertiärzeit griffen im nördlichen Theil der Vereinigten 
Staaten bis zu ungefähr 40° n. Br. herab die Oscillatiouen des Bodens 
(s. o.S. 149) und die Driftbildungen (s. o. S. 121) wirksam in die Entwickelung 
der Flüsse und Seen ein, aber die ersteren, wenn auch zeitweilig in mit 
Schutt übervollen Thälern tliessend, blieben meistens in ihren Bahnen, 
wo sie nun in höheren Niveaux fliessen als früher. In der Gegenwart 



Digitized by Google 



288 



IV. Strome. Flüsse und Seen 



sind an einigen Punkten durch Bergrutsche die Flussläufe verändert worden, 
an anderen sind Wasserfälle beschäftigt, Felsbetten zu vertiefen und ihre 
eigene Lage allmählich zurückzuschieben und während manche der Seen 
auf den Hochebenen des \Y. wahrscheinlich durch Klimawechsel in der 
Abnahme begriffen sind und der Austrocknung entgegengehen, welche 
wahrscheinlich schon manche ereilt hat. sehen wir in anderen den Wasser- 
spiegel sich erhöhen und erbreitern, ohne dass wir die genaueren Ursachen 
dieser Veränderung anzugeben vermöchten. 

Dana vermuthet die Anfänge der Geschichte der (irossen Seen in einer 
der entlegensten Epochen der geologischen Geschichte unseres Continents, in 
der Zeit, in der die huronischen Schichten der azoischen Formation zur 
Ablagerung gelangten. Die Seeregion liegt zwischen der Zone der süd- 
lichen und nach S. zu wachsenden nachazoischen und der der stabileren 
azoischen Formationen des Nordens. Im Zwischenraum beider ist die Ent- 
stehung der Einsenkungen, die heute von grossen Wassermassen erfüllt 
sind, eben so wenig erstaunlich wie es die weite Verbreitung von Er- 
hebungen eruptiver Bildung daselbst ist'). Die grosse Mächtigkeit, welche 
silurische Formationen in der Umgebung des Oberen Sees erreichen, 
scheint das frühere Vorhandensein bedeutender Depressionen anzudeuten. 
Das Thal des S. Lorenz bestand bereits nach der Zeit azoischer Ab- 
lagerungen als ein Meerbusen, der zwischen den in der älteren Silurzeit 
trocken liegenden azoischen Schichten von Canada und den Adirondacks 
bis gegen Ottawa reichte. In der letztgenannten Epoche füllten Schichten 
der älteren Silurformation diesen Golf so aus. dass er bis Quebec ein 
schmaler Canal ward , der einen Seitenzweig in der Einsenkung des 
Champlain-Sees abgab. Von da an erfuhr die Seeregion keine hervor- 
ragenden Veränderungen mehr bis zur grossen Senkungsepoche der post- 
tertiären Zeit und wahrscheinlich war, wie erwähnt, der S. Lorenz oberhalb 
Montreal schon zur Zeit der Devonformation ein Süsswasserstrom. Als aber 
das Diluvialmeer die Küsten von Maine und Neu-Schottland bedeckte und 
von der Hudsons-Bai aus tief nach Süden in das heutige Festland herein- 



1) Agassi/, wies den Trapp -Ausbrüchen eine hervorragende Rolle in der 
Gestaltung der Umrisse des L. Superior und in der Form und Lagerung seiner 
Inseln zu. Nach der E. de Bcaumout'scheu Methode, die Gebirge nach ihren 
vorwaltenden Richtungen zu gruppiren und in der i'ehercinstiinmung der Kich- 
tung einen Ausdruck genetischer Ucbereinstimmung zu sehen, stellte er sie in 
«> sogenannte Systeme zusammen: „Sechs verschiedene St/stniis of Dykcx, jedes 
aus einer besonderen Varietät von Trapp bestellend, parallele Hohen bildend, 
die in demselben System parallel, in den verschiedenen Systemen von ver- 
schiedener Richtung sind" (Lake Supcrior 1ST>0. 423), lasst er sie nicht bloss 
die Umrisse des gesammten N'ordufers bestimmen, sondern auch die ersten De- 
pressionen erzeugen, die dem See den Ursprung gaben. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 



reichte, ragte aurh ein Meeresarin bis zu der Einrenkung, die heute ()n- 
tario-See ist und ein zweiter, der in südlicher Richtung abging, erfüllte 
das Becken des Champlnin-Sees. Dieses Meer hat bei Montreal und am 
Champlain-See Spuren hinterlassen, welche ihm eine Tiefe von 17<> in. zu- 
erkennen lassen. Reste von Waltischen, die die Meeresanne belebten, 
wurden an den Ufern des letzteren 45 m. über der Meereshöhe gefunden. 

Dr. Edm. Andrews hat aus den Verschiedenheiten, die man in der 
Zusammensetzung, den Lagerungsverhültnissen und der Ausdehnung der 
Seeufer -Terrassen wahrnimmt , Schlüsse auf die jüngere Geschichte der 
Seen gezogen. Er verlegt die Bildung der obersten Terrasse an «las Ende 
der Driftperiode, nimmt ein darauffolgendes Fallen des Wassers auf sein 
heutiges Niveau, ein erneuertes Steigen bis zur obersten Terrasse, ein 
darauffolgendes Fallen bis zur mittleren, wobei diese gebildet ward, und 
endlich ein Fallen auf das heutige Niveau an. Aus der Grösse der 
Terrassen und der Zeit, die zu ihrer Bildung erforderlich, zieht er 
seine Schlüsse auf die Zeiträume, in denen diese Schwankungen sich 
bewegten und findet 5300— 7500 Jahre als die Zeit , welche seit der 
Bildung der obersten Terrasse verflossen sein könnte'). L. Agassiz 
gibt in seinem Lake Superior'j die klarste Beschreibung dieser alten 
Uferlinien: Wie überall, sagt er, sind die Sceufcr mit Sand und 
Kies bestreut , welche bis zu einer gewisUn Grenze von den Wellen 
angespült werden. Die höchsten Ablagerungen sind noch im Bereich 
heftiger Stürme und sind innerhalb desselben von jeder Vegetation ent- 
blösst. Dann kommt ein anderer Strand, aus gröbcrem Material gebildet 
und der Wirkung der höchsten Wellen entrückt, wie die allerdings arm- 
liche Vegetation von Cryptogamen und einigen kleinen krautartigen Pflanzen 
beweist. Noch weiter entfernt vom Rand des Sees sieht man weitere 
Strandlinien, mit mannigfaltigen Krautern, Strauchern, Baumen und be- 
sonders üppigen Flechtenpolstern überzogen. Der sanfte Abfall ihrer 
Terrassen zeigt an, dass der See längere Zeit in ihrem Niveau gestanden 
haben muss. Ueber ihnen erheben sich steilere Ablagerungen von Geröll 
und Sand, die vom See ausgewaschen und aus deren Material tiefer- 
liegende Terrassen gebildet wurden. So kann man Terrasse überj Terrasse 
verfolgen und besonders klar treten sie in Buchten und an anderen ge- 
schützten Stellen des Strandes hervor; oft liegen 2 oder 3 nahe beisammen, 
bald 6, bald 12 m. von einander entfernt, dann folgt wieder ein flacher 
Anstieg zu einer neuen steileren Terrasse; u\lo, selbst 15 solcher Terrassen 
übereinander sind oft an einer einzigen Stelle, den Stufen eines riesigen 
Amphitheaters gleich, zu beobachten. 



1) Trans. A. S. Chicago II. 

2) 1850. 99. 

Batffl, Am-rik... I. 19 



Digitized by Google 



2T»0 



IV. Ström«-. Flüsse und Seen. 



Dass L. Ontario und die südlich von ihm gelegenen Seen dos nörd- 
lichen New York nur durch Aushöhlung entstanden seien, wird von einigen 
Geologen behauptet 1 ). Die tebereiustimmung der geologischen Lagerung 
an ihren Rändern lässt kaum eine andere Deutung zu. Man ist jedoch über 
die nähere Ursache der Aushöhlung nicht eben so einig. J. S. Newberry, 
der auch glaubt, dass die Gletscher der Eiszeit in Betten Hossen , die 
im Allgemeinen mit dem Laufe der heutigen Hauptfiüsse zusammenfallen, 
nimmt ausgedehnte Eis/.eitgletseher auch für die Seeregion an'). Ihm zu- 
folge Hoss ein grosser Gletscher in einem späterhin mit Drift ausgefüllten 
Bette, mindestens 40 in. tief, vom Huronen-See in den Erie-See, der 
damals kein See sondern ein ausgehöhltes Thal war; in diesem floss der 
Gletscher durch einen gleichfalls spater ausgefüllten Canal auf der ca- 
nadischen Seite in den Ontario und fand von da, sei es durch den Mohawk- 
Hudson oder den S. Lorenz, seinen Weg ins Meer. Ein zweiter Gletscher 
füllte das Bett des Michigan-Scev aus und fand sein Ende südlich im 
Mississippi-Thal, das damals tiefer war als jetzt. 

Das Gebiet der Grossen Seen liegt so sehr im Mittelpunkte der 
eiszeitlichen Driftbildungen , dass wir einerseits wohl kaum fehlgehen, 
wenn wir seinen Einsenkungen die hervorragendste Stelle unter den Boden- 
gestaltungen anweisen, welche die Ansammlung und Fortbewegung von 
grossen Eismassen, sei es j#s Gletscher, sei es als Eisberge begünstigten, 
wflhrend wir, andererseits die ungewöhnlich grossen Drift-Anhflufungen in 
dem Gebiete zwischen ihrem Südrand und dem 40. Breitegrad auf nichts 
anderes als diese grossen Eis- und Wasserreservoirs zurückführen möchten. 
Durch den Driftschutt, der bis zu 100 m. hoch rings um sie ausgestreut 
wurde, sind die Abflussverhältnisse dieser Region in hohem Grade beein- 
tfusst worden und die darauf folgende Senkung trug dazu bei, die Spur 
manches alten Flusslaufes zu verwischen und andererseits neue tiefe Thäler 
zu graben. Die alten Flussläufc liegen unter tiefen Schuttdecken. 
.Könnten wir die Sand-, Kies- und Thonschichten entfernen, sagt Les- 
quereux von Illinois, welche die Oberfläche des Staates von 3 — 30 und 
mehr m. bedecken, so würden wir tiefe Thäler, 20 — 80 m. tief, finden, 
die ursprünglich von Wasser gebildet, aber durch Eis erweitert sein 
mögen. Sie bilden noch heute die Hauptbahnen des Flussnetzes in diesem 
Staate. Man sieht häulig, dass die heutigen Flüsse ihre Thäler nicht 
selbst gebildet haben, denn der Illinois R. z. B. hat ein Bette, das kaum 
schmäler ist als das des Mississippi . wiewohl die Wassermasse 6 mal 
geringer und ihre Schnelligkeit auch nur halb so gross ist. Viele kleine 
Flüsse von Illinois schneiden die Drift-Ausfüllung ihrer Thäler gar nicht 



1) Geolog} of New York III. 32ö. 

2) Ann. Lyc. New York 18(Ä». 213. 



Digitized by Google 



IV. Ströme. Flüsse und Seen. 



291 



mehr durch')." In anderen Theilen der Driftregion ist es nicht anders. 
Newberry nimmt sogar ein ganzes System von alten jetzt meist auf- 
gefüllten Wasserläufen für die Seeregion und ihre Umgebungen an. Die 
bedeutenden Tiefen der Seen, die z. Th. erheblieh unter das Niveau des 
Meeres hinabreichen, sind bekannt. Diese Seen sind unter sich durch 
fanale verbunden, die jetzt aufgefüllt sind, und z. B. zwischen Huronen- 
und Erie-See deutlich hervortreten. Vom Michigan-See erstreckt sich süd- 
wärts eine aufgefüllte Schlucht, die bis 60 m. Tiefe durchsunken ist. 
Detroit liegt auf einer 40 m. mächtigen Anschwcmmungssehicht. Im Ohio- 
Gebiet haben die Bohrungen nach Petroleum zahlreiche alte Wasserlflufe 
aufgedeckt. Von kleineren Flüssen zu schweigen, fliesst der Ohio in einem 
Thal, das mindestens 45 m. tiefer als der gegenwärtige Fluss ist. Die 
südlichen Zuflüsse des Krie-Sees fliessen auf durchschnittlich 30 m. hohen 
Schwemmsrhichten. welche beweisen, dass das Niveau des Sees einst um 
ebensoviel tiefer gelegen haben uiuss. Der alte Boden des Onondaga-Sees 
liegt ltt m. unter dem Meeresspiegel. Stromschnellen und Wasserfälle 
widerlegen in vielen Fällen nur scheinbar die Annahme der Existenz 
solcher alten tieferen Flussbetten, denn häutig umgehen diese letzteren die 
Hindernisse, an denen der Strom sich heute bricht: so im Falle der 
Ohio - Schnellen bei Louisville , der Mississippi - Fälle bei St. Anthony u. a. 
Newberry betrachtet es als fast sicher, dass alte Verbindungen der 
Grossen Seen in anderer Richtung als der heute bestehenden , besonders 
zwischen Superior und Michigan und zwischen Erie und Ontario, vor- 
handen sind. Der Ontario-See dürfte durch das Mohawk-Thal mit dem 
Hudson R. , der Michigan- See durch den vorhin erwähnten aufgefüllten 
Canal mit dem Mississippi in Verbindung gestanden haben*). Eine mit 
grosser Wahrscheinlichkeit anzunehmende frühere Verbindung zwischen 
Minnesota R. und Winnipeg-See, die indessen in eine naheliegende Pe- 
riode fallen dürfte, haben wir oben angeführt (S. 169j und auch davon 
ist schon gesprochen , dass für das Mississippi - Delta grosse Niveauver- 
änderungen anzunehmen seien, welche vielleicht parallel gehen den Er- 
hebungen und Senkungen in der Seeregion. Nach Hilgard's neueren Be- 
richten über die Geologie des Mississippi-Delta s ') muss dieses in der Zeit 
der älteren Drift-Ablagerungen mindestens 1H4 ) m. höher gelegen sein als 
jetzt; es sank dann unter sein heutiges Niveau in der Zeit, welcher der 
geschichtete Drift und der Löss angehören. 



1) Geol. Survey Illinois 186G. I. 8. 

2) Ausführliche Beschreibung dieser alten Th&ler in J. S. Newberry. 
Surface Geology of tbe Basin ot' tlie Great Lakes (Prot*. Boston Soc. Nat. 
Bist. 1862.) 

3) Proceed. Am. Assoc. 1872. 

19* 



Digitized by Google 



292 



IV. Strümp, KlUssc und Seen. 



Es ist vorwiegend in derselben Region , dass der Ii i b e r einen eigen- 
artigen und nicht geringen Einfluss auf die Oberflarhengestaltung vermittelst 
des fliessenden Wassers ausübt. Er staut die Bäche durch Querdämme zu 
Seen, legt Canäle an, fallt Baume, schafft Sümpfe. Seine künstlichen 
Seen erreichen oft über 30 Hektaren Oberfläche. In dem einzigen Cho- 
colate R., der in den oberen See fliesst, sind auf einer Strecke von 
f> e. M. 2r>0 Biberdämme aufgeworfen und nach Simpson ist die Hälfte 
alles Landes in der Umgebung der IIudsons-Bai vom Biber unter Wasser 
gesetzt. Laufen diese Teiche aus, wie es mit der Zeit überall geschieht, 
wo der Biber sich zurückzieht oder ausgerottet wird, da unterbrechen 
sogenannte Bibcriciesin als lichte, baumlose Wiesen die Eintönigkeit des 
Urwaldes. Sie sind auf weite Strecken hin im N. der Vereinigten Staaten 
die ein/igen natürlichen Lichtungen und als solche für die Urbarmachung 
und beginnende Besiedelung von grossem Werth. Es soll sogar vorkommen, 
dass die Biber durch ihre Canalbauten Wasserscheiden durchbrechen; so 
sollen sie die Quellseen des Uhocolate und Esconaba R., zweier Zuflüsse 
des Michigan- und des Oheren Sees mit einander in Verbindung gesetzt 
haben 1 ). 

In eine viel jüngere Zeit führt uns die Geschichte eines der inter- 
essantesten und wichtigsten Theile der Sceregion, des Niagara -Flusses. 
Nach den Beobachtungen, die in den 2ix> Jahreu seit der Entdeckung 
dieses Flusses angestellt worden , unterliegt es keinem Zweifel , dass 
durch Abbröckeln der Felswand, über welche der Niagara fällt, die Ge- 
stalt und mit der Zeit auch die Lage der Fälle grossen Veränderungen 
ausgesetzt wird. Wie sehr der geologische Aufbau dieser Wand eine 
solche Zerbröckelung begünstigt, wurde schon hervorgehoben (s. o. S. 247). 
Die 25 m. Kalkstein, welche über den 30m. Schiefer liegen, senden all- 
jährlich neue Massen von Blöcken hinab, die das Felsenmcer des Ab- 
grundes erfüllen, in welchen der Fluss fällt. Plötzliche Brüche und Ab- 
stürze sollen öfters das urnliegende Land erdbebengleich erchüttert haben. 
Von 1815 — 1841 soll eine Einbuchtung von 12 m. Tiefe in der Mitte des 
amerikanischen Abfalles entstanden sein, der dadurch eine Hufeisenform 
erhielt, während der eigentliche Horseshoe-Fall. der canadische, von flacherem 
Umriss geworden sein soll ; Goat Island, die zwischen den beiden Fällen ge- 
legene Insel, verliert jedes .Jahrzehnt ein paar Hektaren Boden, Bakewell 
hat berechnet, dass durch dieses Abbröckeln der Niagara -Fall durchschnitt- 
lich 1 Yard im Jahr zurückschreite, während Lyell 1 e. F. für wahrschein- 
licher hält; nach seiner Annahme würden 35,000 Jahre erforderlich ge- 
wesen sein, um den Fall von Queenstown^ wo er begonnen haben muss, 



1) Vgl. Hermann ('redner, diu Beeinflussung des topographischen Charakters 
gewisser Landstriche Nord - Amerika'« durch den Biber. P. G. M. 1SIJ9. 139. 



Digitized 



IV. Ströme. Flüsse und Seen. 



390 



bis zu seiner heutigen Lage zu bringen. Es ist jedenfalls keinem Zweifel 
unterworfen, dass die Gestalt dos Falles seit seiner Entdeckung durch 
P. Hennepin im Jahr 1678 sieh erheblich geändert hat. Schon 7H Jahre 
spater, als der schwedische Naturforscher Kalm diese Gegend besuchte, 
bestand eiu schmaler, vom Horseshoe-Fall abgelenkter und rechtwinklig 
zu den zwei grösseren Füllen gerichteter Fall nicht mehr, den Hennepin 
gesehen und gezeichnet hatte, und das heutige Bild der Fälle* und ihrer 
Umgebung entspricht noch weniger dem. welches er entwarf. Es fehlt 
auch nicht an geologischen Beweisen für das Zurückweichen der Falle. 
Man findet auf Goat Island und am Rand des amerikanischen Falles, 
sowie an anderen Punkten des Niagara - Thaies, Huviatile Ablagerungen, 
die Ueberbleibsel der alten Anschwemmungen im Strombette sind und 
Reste von noch lebenden Süsswasserschnecken sowie von Mastodon ent- 
halten. Man findet die Einschnitte in die Driftschichten, welche der 
Strom gemacht hat, und kann schliessen. dass zu einer Zeit das Bett des 
Niagara sich 90 m. über der heutigen Thalsohle befand. 

Der Niagara steht übrigens in seinem Gebiet 'mit dieser scharf vor- 
gehenden Erosion nicht allein, besonders im SO. der Seeregion bietet 
die fast horizontale l'ebereinanderlagerung von Schichten verschiedener 
Härte die günstigsten Bedingungen für die Entstehung von Wasserfallen, 
welche daher in den mannigfaltigsten Gestalten in diesem Gebiete häufig 
sind. Besonders die Einmündungen der Bache und Flüsse in die meist er- 
heblich tiefer gelegenen Seen sind durch dieselben bezeichnet. Taghan nuc 
Falls am Cayuga-See (5s in. senkrechte Höhe), dicGencsee Falls bei 
Rochester, der Fall des Canaserowlie sind Beispiele der verschiedenen 
Formen, in die das fallende Wasser die Schichten modelt, über die es 
sich bewegt. Im ersteren Fall ist die oberste Schicht die härteste und 
der Wasserfall hat seine nach rückwärts eingrabende Thätigkeit durch 
Zerbröckelung der unteren und Unterhöhlung der allmählich nach- 
stürzenden oberen Schichten bewerkstelligt und es ist ein einfacher, tiefer 
Fall entstanden ; im zweiten sind die oberen Schichten leichter zerfallend 
als die unteren und ist dosshalb der ursprünglich einfache Fall oben 
rascher zurückgeschritten als unten und hat so eine terrassenartige Reihe 
von Fällen erzeugt; der dritte ist ein in ein gleichförmiges, horizontal 
gelagertes Gestein gleichsam eingesägter. Bei derartigen Fällen macht 
man die Bemerkung, dass sie ihre crodirende, rückwärts eingrabende 
Thätigkeit mit ziemlich gleichförmiger Geschwindigkeit üben und an 
einigen Seen, in die eine grössere Anzahl von Bächen sich ergicsst. findet 
man deren Fälle alle in ziemlich derselben Entfernung vom Rand der 
Seen. Im Allgemeinen scheint die crodirende Kraft am stärksten da zu 
wirken, wo die Wassermenge eines Baches klein genug ist, um noch all- 
winterlich gefrieren zu können; die zerbröckelnde Wirkung des Frostes 



Digitized by Google 



204 



IV. Strome, Flüsse und Sren. 



übertrifft die abschleifende der Wellen um ein Bedeutendes '). Man 
findet ähnliche Hoden- und Bewasserungsverhältnisse wie hier auch in dem 
seereichen Gebiet westlich vom Oberen See. wo an Stromschnellen und 
Wasserfällen in Folge dessen ebensowenig Mangel herrscht. Von den 
grösseren Flüssen scheint dort der Obere Mississippi noch rascher 
als der Niagara in der Ausgleichung und Austiefung seines Bettes vor- 
zusehreiten. Von den S. Anthony Falls glaubt I). Owen, dass sie erheblich 
schneller zurückschreiten als die Niagara - Falle. Das Gestein, das hier 
das Bett des Mississippi bildet, sei viel zerfallbarer. „Der Kitt, der die 
Sandkörner des S. Peter- Sandsteins zusammenhält, ist so schwach, dass 
man nur schwer ein festes Stück des Steines erhält. Und diess ist das- 
selbe Gestein, welches, nur von 4 — fi m. dickem Schiefer bedeckt, die 
Grundlage der Fälle bildet 1 ).' 4 Indessen scheint das Ziel der Erosion hier 
zunächst nur die Umwandlung der Fälle in Stromsehnellen zu sein. Die 
Schichten der Gesteine, welche den S. Peter -Sandstein überlagern, sind 
nämlich entgegen ihrem sonst vorherrschenden Streichen gerade bei den 
Fällen stark in der Richtung des Stromes geneigt und als Ursache dieser 
Abweichung gibt man an, dass das von oben eindringende Wasser «Uesen 
Sandstein zerstöre und dadurch ein allmähliches Nachsinken der über- 
lagernden Schichten bewirke. 

In diesem ganzen Gebiete zwischen dem atlantischen Meer und «lern be- 
ginnenden Anstieg der schiefen Ebene, die dem Felsengebirge vorgelagert 
ist, ferner nördlich von der Mississippi-Niederung, haben wir es mit, wenn 
auch manchmal geologisch alten, so doch hydrographisch jungen Flüssen 
und Seen zu thun. Kein einziger von den zahllosen Flüssen ist hier zur 
vollen Reife eines grossen Stromes durchgedrungen. Zu der Thatsache. 
dass eine starke Hebung des Bodens hier auch in den ältesten geologischen 
Zeiten, von denen wir Kunde haben, nicht stattfand, so dass scharf aus- 
geprägte Wasserscheiden und streng geschiedene Flusssysteme sich nicht 
bilden konnten, kommt als weiterer Grund mangelhafter Entwicklung der 
Hiessenden und stehenden Gewässer der Complex von Wirkungen, durch 
den die Ereignisse der nachtertiären Zeit mit Hebungen. Senkungen und 
gewaltigen Schuttablagerungen sich hier verewigt haben. Während die 
Oscillationen an den Höhcnverhältnisseu im Allgemeinen nichts änderten, 
beförderten sie in hohem Grade die Ablagerungen von Fels- und Schutt- 
materialien, die durch ihre Ausfüllung die Thäler noch Hacher machten 
als sie pewesen waren, die durch Aufstauung den Lauf der Flüsse noch 
unrcgelmässiger und die Zahl der Seen noch grösser werden Hessen als 
vorher. 



1) S. Abschnitt WnUrfulk in J. Hall Gcology of New York IV. 877. 

2) D. Owen, Geol. of Wisconsin, Jowa etc. 1854. 75. 



Digitized by Google 



IV. Strome, Flüsse und Seeu. 



295 



Der Westen zeigt ausgeprägtere Zflge in seinen hydrographischen 
Verhältnissen. Dieselben starken Hebungen, welche auf der Seenplatte 
fehlen, haben hier die entlegensten Gebirgsbäche zu zwei grossen Systemen 
vereinigt, deren einzelne Glieder allerdings oft deutlich genug die Spuren 
grundverschiedener Kntwickelungsstadien an sich tragen. Die genieinsame 
Richtung des Gefälls zwingt sie einem und demselben Thale zu und wir 
sehen hier im Strom und seinen Nebenflüssen die reife Form des weitver- 
zweigten Baumes und nicht, wie auf der Seenplatte, verwirrtes und ver- 
knotetes Geschlängel. Vom Colorado wird sogar angenommen, dass seine 
Tendeuz zum Abfliesscn in einer bestimmten Richtung sich über die Ge- 
birgshebungen weg, die sie durchschnitten habe, behauptete (s. o. S. 114). 

Vielleicht sind aber klimatische Veränderungen einer noch 
grösseren Entwickelung dieser Stromsysteme entgegengetreten. Man 
glaubt , dass durch die Trockenheit des Klima's grosse Abschnitte 
des Gebirgslandes dem Bereich derselben entrückt und zu abflusslosen 
Becken isolirt worden seien. So behauptet G. K. Gilbert in einem 
Briefe an J. D. Dana, dass der Grosse Salzsee eine Zeit höchsten 
Standes gehabt habe, wahrend deren sowohl Utah- als Sevier-See Theile 
von ihm gebildet hatten. Noch immer sei 1000 e. F. über dem heutigen 
Spiegel des Grossen Salzsees die Uferlinie dieses alten grossen Binnensees 
zu sehen und an sekunderen Uferlinien zwischen ihr und dem heutigen 
Wasserspiegel könne man das allmähliche Sinken desselben verfolgen. 
Der Columbia soll den AusHuss dieses grossen Sees gebildet haben 1 ). 
Am Westrand des Sa. Hosa Mts. an der Grenze zwischen Nevada und 
Oregon sind nach einer neueren Beobachtung J. Blake's die Spuren aus- 
getrockneter Seen in unverkennbarer Deutlichkeit vorhanden: „Nicht bloss 
die Felsen sind mit dicken Schichten einer Concretion umgeben, sondern 
jeder einzelne Körper, der unter Wasser war, scheint einen Nucleus für 
Niederschlage gebildet zu haben. Zahlreiche Anodonta- Schalen, die in 
2 — 3 m. dicke Niederschlüge eingehüllt sind, bedecken den Boden dieses 
Beckens 1 )." Sicherlich ist ein sehr grosser Theil des W. der Vereinigten 
Staaten in der Tertiärzeit von grösseren und kleinen Seen bedeckt ge- 
wesen. Die Ränder jetzt vorhandener Seen im Grossen Becken zeigen fast 
für jeden einzelnen eine einst grössere Ausdehnung an. Im NW. haben der 
Columbia und seine Zuflüsse bis zu 600 m. tiefe Schluchten in die hori- 
zontal über einander geschichteten Ablagerungen alter Seebecken gegraben. 



1) A. J. S. 1876. I. 22*. In Wheeler's Rep. III. 88 schlagt er vor, 
diesen l'rsee L. Bonneville zu Ehren desselben Bonneville zu nennen, welcher 
IHM zuerst den Grossen Salzsee entdeckt hat. In der Eiszeit soll dieser grosse 
See bestanden und ein Areal von 45,000 [jKil. $20 QU) bedeckt Laben. 

2) Proc. Californ. Ac. ot Sc. IV. 278. 



296 IV. Ströme. Flüsse und Seen. 

Ncwberry 1 ) betrachtet die noeh jetzt in dieser Region vorhandenen Seen 
bis zum Klamath-Sec als Reste tertiärer, meist wohl miocäner, Süsswasser- 
Seen. Im 0. der Felsengebirge , unmittelbar an ihrem Abhang, liegen 
die grossen Seen-Ablagerungen der Bad Lands, die ahnlieh wie die des 
Grossen Reekens und des Columbia - Gebietes Thon-, Löss- und Mergel- 
schichten, aber in viel geringerem Masse vulkanische Zwischenlagerungen 
aufweisen. 

Dieselben klimatischen Aenderungen, welche die Seen zurückgehen 
Hessen, haben wohl auch vermindernd auf die Wasserführung der Flüsse 
gewirkt. Es ist behauptet worden, dass die Tiefe der Caüons des Colorado- 
Gebietes ohne Annahme früher grösserer Wassermassen nicht zu erklären 
sei. Man kann diess bezweifeln, ohne zu bestreiten, dass in manchen 
Flüssen dieser Region einst mehr Wasser fioss. Man findet z. B. Spuren, 
dass das waldbedeckte Mesa- Gebirge Sierra del Mogollon einst grossen 
Flüssen Ursprung gab ; Caüons von riesigen Verhältnissen sollen diess noch 
jetzt bezeugen. Heute werden diese tiefen Thäler nur in ihren oberen 
Abschnitten von kleinen Bächen durchflössen, die versinken, sobald sie in 
die Region der Wachholderbäume (bis 1500 m. abwärts) eintreten. 

Am Columbia zeugt die Grande Coul6e, das trockene Thal, 
welches die grosse Biegung des Columbia unterhalb Ft. Colville quer 
abschneidet, für stattgehabte Niveauveränderungen. Die Basaltlager, 
welche auf den Granitklippen dieses Thaies in derselben Höhe liegen 
wie an seinen Ufern, schliessen die Annahme aus, dass Einsenkung 
oder Spaltenbildung die Ursache dieser Rinne gewesen sei. Dieselbe 
ist einfach ein altes Bett des Columbia, in welchem der Strom vor 
der Aushöhlung seines neuen, tiefer gelegenen Bettes floss*). Weiter ab- 
wärts erscheinen an demselben Flusse versunkene Wälder, welche ihn auf 
•10 Kil. seines Laufes oberhalb der grossen Fälle begleiten, als Zeugnisse 
für lokale Senkungen, welche in diesem Gebiete stattgefunden haben. 
Die Bäume stehen aufrecht, wie sie wuchsen, nur ihre Gipfel sind 
abgebrochen, soweit sie über den Wasserspiegel hervorragten. Es 
sind Fichten, die mit den noch heute au den dortigen Thalhängcn 
wachsenden übereinstimmen. Dass es ein Felsrutsch ist, welcher diese 
Wälder in ein tieferes Niveau gebracht hat, als das ist, auf dem sie 
früher wuchsen, ergibt sich aus der Bodenbesehafl'cnhcit und neueren 
Veränderungen derselben. Es lagern dort mächtige Massen vulkanischer 
Gesteine über einer plastischen, nachgiebigen Thonschicht und es ist kein 
Zweifel, dass diese in einer langsamen Bewegung die Thalgehänge hinab 
begriffen sind. Ausser manchen zerstreuten Beobachtungen hat mau vor- 
züglich den Beweis von der nach und nach eingetretenen Krümmung einer 

1) The Ancient Lakes of W. America Am. Nat. IV. 641—660. 
3) Witt« Exped. X. 674. 



Digitized by Google 



IV. Ströme, Flüsse und Seen. 2J»7 

geradlinig angelegten Eisenbahn; die Krümmung durch Verschiebung der 
Unterlage betrug in 4 Jahren mehrere. Fuss. Die Gesteinsmassen, welche im 
Hett des Flusses die Stromschnellen der Dalles erzeugen, haben ebenfalls 
ganz das Ansehen von abgerutschten und in den Fluss gestürzten Thcileu 
des Abhanges '). 

Im ganzen paeifischen Küstenland sind Zeugnisse von einst tieferen 
ThiUcrn und dem entsprechend höherer Lage des Continentes an der 
Columbia ■ Mündung, in den Meerengen und Strassen des Golden Gate 
an der Bucht von Sa. Francisco, am Haro- und Hood-Canal, am Pucet- 
Sund und an der fjordreichen Küste von Washington Terr. und Britisch 
Columbia in grosser Zahl und Deutlichkeit zu rinden. Ohne eine früher 
bedeutend höhere Lage des Continentes anzunehmen, kann man diese 
Terrassen, submarinen Thaler, Erosionbuchten u. dergl. nicht verstehen. 



1) W. P. Blake, Proc. Am. Assoc. 1874. IL 72, wo auch Indianersagen 
angegeben sind, die den Stromschnellen des Columbia eine neuere Entstehung 
»uschreiben. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 

Der allgemeine Charakter. Klima der Ofthalfte. Klima der Westhälfte. Ver- 
breitung der Warme. Vurtheiluug der Niederschlage. Die LuftatrömuQgcn. 
Die Stürme. Klimatische Besonderheiten der See -Region, des Grossen Beckens, 
C'aliforuiens. Die Jahreszeiten. Die extremen Schwankungen. Wald- und Sellin e- 
linic. Anhang 1. Die Meeresströmungen au den nnrdamerikauischen Küsten. 
Anhang 11. Verschiedene atmosphärische Erscheinungen. 

Wenn man sielt erinnert, dass einer der wichtigsten Faktoren 
des Klima's die Vertheilung der Land- und Wassermassen, der 
Erdtheile und Meere über die Oberfläche unseres Planeten hin ist, 
so wird man der eigentümlichen Umrissgestalt der westlichen 
Festlandmasse und besonders der ihres nördlichen Halbcoutiuents 
keinen geringen Einfluss auf die klimatischen Zustände des Gebietes 
zuschreiben, welches wir hier betrachten. Dieser Einfluss ist scharf 
ausgeprägt. Die Ausdehnung und Lage Amerika's wirkt in gerade 
entgegengesetzter Richtung auf das Klima zurück wie die des 
alten Continents. Die Ansammlung von Land in den warmen und 
seine Verminderung und Zerklüftung in den kalten llegionen erhöbt 
hier die Wärme, während dort umgekehrt die Verminderung des 
Landes in den warmen und seine massige Ausdehnung in den 
kalten Hegionen die Wärme vermindert. An der allgemein niedrigeren 
Temperatur, welche hieraus für Amerika im Vergleich zur Alton 
Welt folgt, nimmt das Gebiet der Vereinigten Staaten in um so 
höherem Masse Theil, als es nach seiner Lage und Ausdehnung 
ganz in den klimatischen Wirkungsbereich der nördlichen Aus- 
breitung des Continentes fallt. Während Nord * Amerika sich mit 
sibirischer Breite um den Polarkreis lagert, fehlen seinem Süd- 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



299 



rande die wärmesauimelnden afrikanischen , arabischen , indischen 
Landmassen, die in der alten Welt die Wirkungen der grossen 
nördlichen Erstrcckung eompensiren. Die in gemässigter Zone 
liegenden Gegenden der Alten Welt werden daher im Winter in 
höherem (ira<le erwärmt durch das Land, das ihnen im Süden 
liegt, als sie erkältet werden durch das in ihrem Norden ; aber in 
der Neuen Welt ist das Gegentheil der Fall. 

Die Ostküsten Nord -Amerika s und Asiens haben eine allge- 
meine Aehnlichkeit in Richtung und Ausdehnung und selbst in den 
Meeresströmungen, die ihre Ufer bespülen. Hier ist der Unter- 
schied zwischen alt- und neuweltlichem Klima am geringsten. In 
beiden Fällen ist ein Bestreben sichtbar, im Süden die Hitze und 
Feuchtigkeit der Tropen zu concentriren und im Norden die 
Charakterzüge des contincntalen Klima's, Temperaturextreme und 
Trockenheit, scharf auszuprägen. Im Klima der Küsten des mexi- 
kanischen Golfes und Westindiens ist eine Aehnlichkeit mit Indien 
und Südchina ebensowenig zu verkennen, wie in dem Nordchina's 
und der Amur -Kegion mit Canada und Labrador 1 ). Ganz anders ist 
es mit den Westküsten der beiden Continente, wo das Zurückfallen 
derjenigen Nord-Amerika's, ihre Verschmälerung gegen die warmen 
Kegionen zu, ihr Mangel an Gliederung, das Fernbleiben des nord- 
pacitischeu Warmwasserstroms Thatsachen oder Folgen der Coa- 
tiguration sind, die ebenso entschieden auf die Minderung der 
Wärme, wie ihre Gegensätze an der europäischen Westküste auf 
eine Erhöhung derselben hinwirken. Innerhalb des Rahmens dieser 
grossen Unterschiede kehren aber doch die reichlichen Nieder- 
schlage der norwegischen und westschottischen Küsten an den Ge- 
birgen von Oregon und die kurze und scharf begrenzte Regenzeit 
unserer Mittelmeerländer in Californien wieder*). 

1) Schon iu seiner ersten Schrift über die Isothermen hat A. v. Humboldt 
diese Unterschiede bezeichnet: „Diese lebereinstinimung der Ostküste von Asien 
und Amerika beweist genugsam, dass das Ungleiche in den Jahreszeiten ab- 
hangig ist von der Vorstreckung und Erweiterung der Continente gegen deu 
Pol bin. von der Lage der Meere in Beziehung zu den Küsten und von der 
Häufigkeit der N'ordwestwinde , welche die rückwirkenden Winde (vents de 
remous) der gemässigten Zone sind". (Mein. Soc. d'Arcueil IM 7. HI. f>2il). 

2) Dove lässt die hauptsächlichsten klimatischen l'ebereinstimmungen und 



Digitized by Google 



800 



V. Das Klima. 



Der EinHuss der () b erfläch eagotttalt auf das Klima i^t im 
Gebiet der Vereinigten Staaten , wie überhaupt in Nord - Amerika, 
gering im O., aber sehr bedeutend im W. In demselben Masse als der 
Westen des Uontinents von mannigfaltigerer und energischerer Höhen- 
gliederung ist als der Osten, sind auch die Beziehungen zwischen 
ObcrHächengestalt und Klima dort inniger als hier. Im 0. ist, wie wir 
gesehen haben, ein grosser Theil des Landes nur wenig über den 
Meeresspiegel erhöht und von sehr einförmiger Obertläehenbeschaffen- 
heit: dasselbe ist ursprünglich fast lückenlos bewaldet, durchaus 
bebaubar und mit nicht sehr abweichenden Regenmengen bedacht 
Das Alleghany - Gebirge . wiewohl langgestreckt und im Einzelnen . - 
nicht arm an mittelhohen Gipfeln, ist im Ganzen zu niedrig und 
zu stark von Senkungen unterbrochen, um zur Ursache scharfer 
klimatischer Unterschiede zwischen seinem Ost- und Westabhang 
weiden zu können. Beide Abhänge des Gebirges sind daher gleich 
gut bewässert, gleich dicht bewaldet und unterscheiden sich, abgesehen 
von den unmittelbaren Wirkungen der verschiedenen Höhenstufen, 

Unterschied zwischen Nord -Amerika und Europa dahin zusammen, dass über- 
einstimmend seien: die vorwaltend südwestlichen Windrichtungen, die allge- 
meinsten Verhältnisse der harschen und thermischen Windrose, die Wirbelbewegung 
der Stürme, die Yertheilnng des Hegens auf die Jahreszeiten. Entgegengesetzt 
findet er dagegen die Vertheilung der Winde auf die Jahreszeiten, indem Europa 
im Winter südwestliche, gegen Sommer zu immer mehr nördlich werdende. Nord- 
Amerika dagegen nordwestliche Winde im Winter, südwestliche im Sommer hat; 
ferner die Lage des Kältepols, die in Europa im Sommer auf der nordwest- 
lichen, im Winter auf dir nordöstlichen, in Nord-Amerika im Sommer auf der 
nordöstlichen, im Winter auf der nordwestlichen Seite liegt; grösste Trübung 
und Hegenmenge fällt in Europa mit westlichen, in Nord -Amerika mit örtlichen 
Winden zusammen: die Hegenmenge nimmt in Europa ab von W. nach ()., in 
Nord-Amerika von 0. nach W. (Bericht der K. PreuSB, Akad. d. Wissensch. Berlin 
1S40. 1 Iii). — Man sieht unschwer, dass diese Unterschiede vorwiegend auf 
Unterschiede des Umrisses und der Bodengestalt zurückführen. In Europa sind 
beide geeignet, grossere Wärme und reichlichere Niederschläge zu vermitteln. 
Man muss in diesem Sinne Blodget Hecht geben, wenn er das Klima der Ver- 
einigten Staaten ein ausgeprägter natürliches oder nuitnales Klima nennt als 
das Europa's. welches besonders hinsichtlich der periodischen wie nicht- 
periodischen Schwankungen so sehr gemildert und abgeglichen ist. Zwischen 
dem Inneren Nord -Amerika'* und Asiens, welches die Gebiete der grossten 
Schwankungen sind und dem West - Europa's , wo diese Schwankungen ein 
Minimum erreichen, stehen die Vereinigten Staaten östlich des Felsengebirges 
als ein Gebiet normaleren Klima's (im Verhältniss zur Breite) mitten inne. 



Digitized by Google 



V. Das Klima 



301 



nicht von den flacheren Gebieten , die im 0. und W. ihnen vor- 
gelagert sind. Selbst die inneren Thäler des Gebirges unter- 
scheiden sich nur wenig in klimatischer Beziehung von den Ab- 
hängen und jenen Flächen ; sie sind um Weniges kälter und regen- 
ärmer. So gering ist die Störung, welche die Alleghanies in dem 
allgemeinen klimatischen Charakter der östlichen Hälfte von Nord- 
Amerika erzeugen, dass man bei einem grossen reberblick alles 
Land östlich vom 9f>. Breitegrad als in klimatischer Beziehung 
wesentlich gleiehgcartet betrachten kann. Auch im S., wo das Ge- 
birge seine bedeutendste Höhe erreicht, ist sicherlich nur die Form 
der Küstenlinie im mexikanischen Meerbusen von überwiegendem 
Einfluss auf das Klima und neben ihr vielleicht die Massenerhebung 
des mexikanischen Hochlands und seiner östlichen Ausläufer, die im 
W. und NW. sich wie ein Damm dem Passat entgegenstellen und 
denselben nach 0. und N. hin ablenken, wo er in dem weit offenen 
Becken des Mississippi-Thaies den bequemsten Durchgang findet. 
Die mehr im Herzen des Continentes gelegenen Gebirgsgruppen wie 
die Ozark Hills und andere geringere Erhebungsmassen haben nicht 
mehr klimatische Bedeutung als die Alleghanies. Nur die breiten 
Höhen am Westende der grossen Seengruppe, in der Gegend des 
L. Superior und von diesem gegen die Quellen des S. Lorenz zu. 
erlangen durch ihre innere Lage und die höhere Breite, in die sie 
gerückt sind, eine etwas erheblichere klimatische Bedeutung. Sie sind 
dicht bewaldet, erniedrigen die Temperatur und vermehren die Nieder- 
schläge. Bei dem allmählichen Anstieg, der nun von dieser Region 
gleichartiger Klimazustände nach den Höhen des Westen hinauf- 
führt, beginnt ungefähr beim 100.° W. L. mit den stärkeren 
Temperatur - Unterschieden und der grösseren Trockenheit die 
Wüstennatur sich geltend zu machen, welche dem grössten Theil 
des Westens in mehr oder weniger entschiedener Ausprägung ihren 
Stempel aufdrückt. Man ist hier auf einer Meereshöhe von <H)0 in. 
Mit dem 105.° steht man schon über 1500 m., und mitten im 
wüstenhaftesten Gebiete, das diesseits des Gebirges zu finden ist. 
Sand- und Salzwiesen von geringem Unfang treten wohl zerstreut 
in diesem Gebiet dürrer grauer Steppenvegetation auf, aber aus- 
gedehnte Wüstenregionen wie im Inneren des westlichen Gebirgs- 



Digitized by Google 



;J02 



V. Das Klima. 



landes gibt es hier noch nicht. Man hat sehr treffend in der Um- 
gebung der Nordhälfte des Kaspisees und in der westlichen und 
südlichen Mongolei, bevölkerten und zum Theil (oasenhaft) wohl- 
bebauten, aber steppenhaften Gegenden, die Parallele gesucht für 
diese Region, die bis jetzt von der Cultur gemieden ist, es aber 
sicherlich nicht an allen Punkten bleiben wird. 

Wie der Osten ist auch dieses flache, langsam ansteigende Land 
im Herzen des Continental im Ganzen ein Gebiet gleichartiger Klima- 
zustände. Anders in dem Gebirg, das an die Hochebenen der Plains sich 
anlehnt. In den Rocky Mts. treten die schärfsten Gegensätze an die 
Stelle dieser Gleichartigkeit. Das Klima hängt hier in einem Masse, 
wie es nur in einem ausgedehnten Hochgebirgsgebiet möglich, von 
den Höhen- und Gestaltungsverhältnissen des Erdbodens und mehr 
von diesen als von jenen ab. Die Thäler Californiens z. B. sind 
wüst und dürr, wo eine Höhe sich zwischen sie und das Meer legt, 
und sie sind fruchtbar und wohlbewiissert, wo die Luft vom Meere 
freien Zutritt zu ihnen findet. Der grossartigste und wirkungs- 
vollste dieser klimatisch bedeutsamen Züge in der Bodengestalt des 
Westen ist aber der Plateaucharakter des Landes, dem die Kämme 
und Gipfel der Rocky Mts., der Sierra Nevada und der kleineren 
Gebirge von Colorado, Nevada, Neu-Mexico u. s. w. entsteigen. Man 
kann sagen, dass dieses Plateau westlich vom 1<»5.° W T . L. durch- 
schnittlich nicht unter 16(X)m. hoch ist, und sein vorwiegender 
Charakter ist der der Wüste. Nur in beschränkten Gebieten kommt 
durch das Zusammentreffen einer grösseren Zahl von Kämmen und 
Gipfeln die alpine Natur — dauernder Schnee, beständig fliessendes 
Wasser und eine Vegetation, die hoher Lage und zureichender 
Feuchtigkeit entspricht — zum Durchbruch. Die Sandwüste des 
Pecos und des San Luis -Flusses im nördlichen Neu-Mexico, die 
Laramie Plains. die Sage Deseri im Gebiet der Missouri - Quellen 
und all die zahlreichen ihnen ähnlichen Gebiete , dem Plateau, der 
Basis des Gebirges , angehörig , sind nicht weniger bezeichnend für 
den allgemeinen Naturcharakter der Rocky Mts. -Region als die 
Schneegipfel, Alpenmatten und Föhrenwälder der Parks oder der 
Windriver- Gruppe. Das Innere des Gebirges, die Region des 
Grossen Beckens, ist vorzüglich aus Saud- und Salzwüsten, Salzseen 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



.10.1 



und Salzsümpfen, waldlosen Mesa's (Plateauberge), in ursprünglicher 
Vegetationslosigkeit verharrenden Lavaströmen und Vulkangipfeln, 
kahlen steilen Berghalden zusammengesetzt. Ein Raum von 
r><M).(H)0 [HM. (e.) ist derart heschaffen. Ein Klima von extremem, 
im Allgemeinen zu niedrigen Temperaturen neigendem Charakter 
und grosser Trockenheit ist der natürliche Ausdruck dieser Zu- 
stande, und dieses Klima ist bis an den Rand des Stillen Meeres 
hin ermöglicht durch Gebirgszüge, welche zwischen das Binnenland 
und das Meer sieh lagern und die ausgleichende und anfeuchtende 
Wirkung dieses von den nächstgelegenen Landgebieten so wirksam 
ausschliessen, als ob Hunderte von Meilen Festlands dazwischenlägen. 
I)ie bedeutende Gesammthöhe der der Küste genäherten Gebirgs- 
züge des Westen ist in dieser Kichtung als eine der folgenreichsten 
Thatsaehen in der Oberflächengestaltung unseres Gebietes zu be- 
zeichnen und um so mehr als „drei Viertheile der Zahl und Kraft 
aller Winde zwischen dem H5. und 50.° N. B. aus einer Himmels- 
richtung kommen, in deren Signatur der Westen mit eintritt') - . 

Nach dem Gesagten ist es verständlich, dass in der ganzen 
Osthälfte unseres Gebietes keine scharf geschiedenen klimatischen 
Regionen zu finden sind. W r as östlich vom 100.° W. L. liegt, d. h. 
östlich von dem erst steppen- und bald wüstenhaften Gebiet des 
westlichen Hochlandes trägt den Stempel übereinstimmender Grund- 
bedingungen in allen klimatischen Verhältnissen. Hohe Temperatur 
im Sommer, niedere im Winter, reichliche Niederschlüge cha- 
rakterisiren das Klima dieses ganzen Gebietes, das fast vom Rind 
der Tropen bis zum f>0.° und vom Ufer des atlantischen Meeres 
bis in s Herz des Continentes reicht. Es wäre ein entschiedenes 
Continentalklima, wenn nicht die grosse Feuchtigkeit wäre, welche 
günstige Winde von den Meeren, im 0. und S. her über das Land 
hin tragen. Die Sommerhitze vor allem ist so extrem, dass sie 
fast aus dem Rahmen des im Uebrigen so entschieden der ge- 
mässigten Zone angehörigen Klima's heraustritt; wenn St. Louis (an 
der Missouri-Mündung) während der drei Sommermonate mit seinen 
27.° nur eine um 1,8° niedrigere Durchschnittstemperatur auf- 



1) L. Blodget, Climatology of the U. S. 1857. 114. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



weist als das fast tropische Key West und wenn das Maximum der 
Sommerwärme dort sogar um 3° höher als hier, so scheint es, 
als ob ein Tropenklima für drei Monate dem Klima der gemässigten 
Zone gleichsam aufgepfropft sei. Starke Niederschläge verstärken 
diesen Eindruck und helfen ihn in der weiten nördlichen Ver- 
breitung wärme- und feuchtigkcitsliebcnder Pflanzen zu recht deut- 
licher Ausprägung bringen. Und es ist nicht der wenigst er- 
staunliche Zug dieses Klimas, dass es ungeachtet der sehr ver- 
schiedenen Höhenverhältnisse über sein weites Gebiet so gleich- 
mässig ausgebreitet ist, als ob diess nur eine einzige Fläche sei. 

Diess ist nicht so zu verstehen, als ob nicht zu einer Zeit z. B. 
die Temperatur in Charleston um ebensoviel unter dem Mittel 
sein könnte wie sie es in Galveston oder Milwaukee darüber ist, 
sondern es besagt, dass die jeweiligen klimatischen Zustände eines 
Ortes, wio sie auch sonst sein mögen, sich symmetrisch und nach 
Massgabe der Entfernung verbreitet zeigen. Es bildet diess einen 
scharfen Gegensatz zu den unvermittelten Uebergängen und den 
grossen örtlichen Unterschieden des westeuropäischen und nordwest- 
amerikanischen Klima 8. Diese Gleichförmigkeit tritt nirgends klarer 
hervor als in der Leichtigkeit, mit der man in Nord-Amerika dazu 
schreiten konnte, die Gesetze der Witterungserscheinungen für den 
ganzen Osten festzustellen und aus denselben jene Vorhersagungen 
abzuleiten, zu denen man in keinem Lande Europa's trotz unserer 
viel zalilreicheren und längeren Beobachtungsreihen mit einem auch 
nur entfernt ähnlichen Grade von Sicherheit je gelangen wird. 
r Diese Symmetrie der klimatischen Vorgänge, sagte Blodget schon 
vor 20 Jahren, „begünstigt die Erforschung der atmosphärischen 
Dynamik und der Gesetze ihrer Bewegungen und Stürme. Man er- 
kennt diese bei jeder allgemeineren Störung an so verschiedenen 
Punkten und die ganze Erscheinung ist so gut zu begrenzen und 
zu definiren, dass es kaum möglich ist, nicht zu einer entscheiden- 
den Erkenntniss dieser Gesetze aus dem Studium der Witterungs- 
berichte zu gelangen 



1) Blodget, a. a. 0. 129. Wir müssen es nicht weniger der Einfachheit dieser 
Verhältnisse als dem grübelnden Forschergeist zuschreiben, der die Nordamerikaner 



V. Das Klima. 



Dir Stüiungcn in der Atmosphäre bewegen sich im All- 
gemeinen in der Richtung von W. nach (). durch dieses Gebiet. 
Selten ist ein und derselbe klimatische Vorgang durch das ganze 
Land hin zu verfolgen, aber wenn es der Fall ist, macht er sich 
in 1 — ;i Tagen an den östlichst vom 100.° W. L. gelegenen Punkten 
fühlbar. Weiter als der Vorgang selbst sind seine Wirkungen zu 
verspüren. Ein Sturm, der über St. Louis weggeht, kann bis an 
die atlantische Küste gelangen, aber in der Kegel gelangt we- 
nigstens die Temperaturerniedrigung und der starke Westwind dahin, 
die einem Sturrae zu folgen pflegen. Hegen aus westwärts ziehenden 
Wolken ist in.* nchraal ausserordentlich weit verbreitet: man hat 
solche Hegen von der atlantischen Küste bis zu den Plains verfolgt. 
Dass manche klimatische Erscheinungen in diesem (iebiete dauer- 
hafter zu sein scheinen als anderswo, dürfte gleichfalls eine Folge 
ihrer weiten, symmetrischen Verbreitung sein. Die ebengenannten 
Hegen, andauernde Kälte bei Westwind, Oststürme sind Erschei- 

auszeichnet, wenn schon 1749 ein gewisser Lewis Evans in einer in Philadelphia 
veröffentlichten Abhandlung das allgemeine Gesetz aussprach, nach welchem die 
Stürme in der Südhälfte von Nord -Amerika sich von SW. nach NO. bewegen, 
wobei Hegen und Wind vorausgehen und Westwind mit klarem Wetter nachfolgt. 
Franklin wiederholte diese Beobachtung, die er wahrscheinlich unabhängig ge- 
funden hatte. Das Drehungsgesetz der Winde ist in Nord-Amerika früher entdeckt 
worden als in Kuropa. Schon so früh wie 1847 wurde dort der Vorschlag ge- 
macht, den elektrischen Telegraphen zur Febermittelung von Warnungen vor heran- 
ziehenden Stürmen zu benutzen. wurde das erste System von Wetter- 
voraussagungen in Nord -Amerika in's Leben gerufen, und zwar, was bemerkeus- 
werth ist . als Privatunternehmen mit Unterstützung der Handelskammer von 
Cincinnati, und seit 1870 werden die Prohab Hit ies und Weather Map» von der 
Hundesregierung in Washington herausgegeben. Kein aussereuropäisches Land 
hat auch so viel dazu beigetragen, den Vorwurf zu entkräften, den man der 
Klimalehre langt' machen konnte, dass sie in ihren Schlüssen zu sehr von dem 
besonderen Charakter ihrer Geburtsstätte, Enropa's, beeintlusst sei, oder dass 
sie sich zu sehr imponiren lasse von der grossartigen Einförmigkeit tropischer 
Verhältnisse, sobald sie ihren Bück über die europäischen Grenzen hinausschweifen 
lasse; die höchst eigentümlichen klimatischen Verhältnisse Nord-Amerika's haben 
im Gegeiltheil sehr wesentlich mit beigetragen, den Grundsatz zu befestigen. 
,.dass in dem bewegten Treiben des Luftkreises kein Punkt sich isoliren kann, 
dass jedes Phänomen als ein durch andere bedingtes erscheint und ebenso 
wieder andere hervorruft" (H. Dove, Das Klima von Nord- Amerika. Z. f. 
allg. Erdk. N. F. I. 29). 

BatfU Ara.rika. I. 90 



Digitized by Google 



V. I>as Kliinu. 



Illingen, welche häufig durch ihre Dauer auf eine weite Verbreitung 
zurückweisen. Eine gewiss«« Gesetzlichkeit in der Aufeinanderfolge 
der Erscheinungen, welche vom Beginn einer Störung bis zu wieder- 
hergestelltem Gleichgewicht stattfinden, ist gleichfalls nur in dem 
weiten und gleichförmigen Gebiete möglich, das wir betrachten: 
Erhöhte Temperatur, südliche Winde, fallender Barometer, Regen 
bei östlichen Winden , rascher l ebergang zu westlichen Winden, 
sinkender Temperatur, steigendem Barometer und als Resultat kühles, 
klares Wetter — diess sind die Erscheinungen, in deren Kreislauf 
der grösste Theil der atmosphärischen Bewegungen in dem Gebiete 
des Ostens der Vereinigten Staaten fallt, und die nicht selten in der- 
selben Folge von W. nach 0. sieh bewegen, wobei sie 3U0 — 800 e. M. 
in 24 Stunden durchlaufen. 

Der grosse Spielraum, in dem alle klimatischen Veränderungen 
sich bewegen, ist eine anderes Zeugnis» für die örtliche Weite der, 
Baumes, auf dem sie sich abspielen. Es genügt ein Blick auf die 
meteorologischen Tabellen, um die Kluft zu erkennen, welche die 
niedersten und höchsten Temperaturen von einander trennt. Man 
bemerkt dabei , dass die Schwankungen nach der Seite der Kälte 
hin stärker sind als nach der der Wärme, dass die Erniedrigungen 
der Temperatur extremer und unvermittelter sind als die Er- 
höhungen. Auch die Veränderlichkeit der Regenmengen ist ähnlich 
gross, nur dass hier im Allgemeinen das umgekehrte Verhältuiss 
herrscht wie bei der Veränderlichkeit der Temperatur. Die 
Schwankung nach dem Minimum ist nur halb so gross wie die 
nach dem Maximum zu, d. h. es kann nur halb so viel Hegen 
fallen als die Durchschnittsmenge beträgt, aber die Regenmenge 
kann fast um das Doppelte zunehmen. 

Die grossen Unterschiede im Klima der östlichen und westlichen 
Theile der Vereinigten Staaten wurden schon von den ersten Er- 
forschern des I'räriegebietes und der Felsengebirge erkannt und 
das Klima der Westhälfte wurde von Fremont . der uns zuerst 
genauere Nachrichten über dasselbe vermittelte, als ein weniger 
amerikanisches wie asiatisches bezeichnet und diese Benennung, die 
in dem Sinne wie sie gemeint ist. eine Klassifikation einschliesst, 
kann noch heute als zutrete nd gelten. Es ist ein Hoehi benen- 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



:;n7 



und Steppenklima, wie es in der grösstcn Verbreitung und Schärfe 
in dem Hochebenen- und stcppenreiehsten Cnntinente, in Asien, ver- 
wirklicht ist'). Nichts ist bezeichnender ffcr dasselbe als der Mangel 
atmosphärischer Feuchtigkeit, der schon beim Hf>.°W. L. sich fühl- 
bar macht, und vom IN*, oder 100.° an mit rasch zunehmender 
Hodenerhebung dem ganzen Naturcharakter des Westens jenen armen 
und dürren Zug aufgeprägt, der «1er Charakterzug der lloehcbenen- 
steppe ist. hie Prärien des eigentlichen Mississippi-Beckens sind 
meistentheils nicht weniger feucht als z. Ii. die Ilinnenthäler der 
Alleghanies und unterscheiden sich von dem Waldgebiet des Ostens 
mehr durch die Plötzlichkeit und die weite Erstreckung eintretender 
Wechsel als durch irgend einen anderen Zug. Nur an der Grenze 
der Hochebenensteppe nehmen sie Theil an deren Dürre und es 
kann bloss die allgemeine Uebereinstimmung der flachen Boden- 
gestalt und der Haumlosigkeit sein, welche ihnen noch immer 
den gemeinsamen Namen der Prärien beilegen lässt. Man Unit 
recht, sie unter der im Lande selbst üblichen Benennung der 
Vlama abzusondern. Selbst dem. der kein Auge für die Unter- 
schiede der hydrographischen Verhältnisse und der Vegetation hätte, 
würde der Mangel jeder Schwüle und die kaum merkliche Perspi- 
ration in einer Temperatur, die im Sommer oft für Wochen nicht 
unter :i2" sinkt, die Trockenheit der Luft deutlich genug verkünden. 

1) Früher waren bei beschränkterer Erfahrung die Ansichten in dieser Be- 
ziehung wohl zu optimistisch. S<> sagt z. B. A.v Humboldt: „Allgemein ist verbreitet, 
dass westlich von den Alleghanies das Klima auf denselben Breitekreisen milder 
sei als in den Atlantischen Staaten. Jefferson hat den I nterschied auf .'1 Breite- 
grade geschätzt. I m dieselbe Zahl von (iraden sieht man dieselben Erzeug- 
nisse: die Gleditschia momosperma, (atalpa. die Anstolochia Sypho im Becken 
des Ohio weiter nach N. vordringen als auf den Küsten des Atlantischen Ocoans. 
Vnlney hat diese Erscheinung durch die Häufigkeit der SW. -Winde zu erklären 
versucht, welche die heissc Luft vom mexikanischen Meerhusen nach diesen (le- 
genden hindrängen". (Mem. Soc. d'Arcueil. 1817. III. 505.) Man schloss damals 
aus den sehr günstigen Verhältnisse u des Mississippi - Thaies auf den fernereu 
Westen. Die Vorstellungen vom Klima N'ord-Amerika's sind überhaupt lange Zeit 
dadurch, dass sie nur auf die Verhältnisse der östlichen Hälfte des Erdtheiles 
sich gründeten, sehr einseitig gewesen und es ist richtig, was Blodget sagt. 
„Unsere Auflassung des nordaiiierikanischen Klima' s würde sehr viel anders 
gewesen sein, wenn der Continent. statt von 0., ursprünglich von W. aus betreten 
worden wäre" (a. a. ü. 165). 

20* 



Digitized by Google 



MOS 



V. Das Klima. 



Die Luftverdünnnng in dem grössten Thcile dos Inneren dieses 
Gebietes erhöht diese Wirkungen und die Thatsache, dass die Nieder- 
schläge und ihre C machen im Gegensatz zu den weitverbreiteten 
Hegen des Ostens örtlich beschränkt sind, ist nicht geeignet, die- 
selben zu mildern. Die häufigen Salzseen. Salzsumpfe, salzgctriinkten 
Sandwüsten, selbst salz- und alkalihalt igen Flüsse sind eine der 
auffallendsten Wirkungen dieser Troekniss. Salz- und dürreliebende 
Pflanzen (Artemisien. Chenopodien, (aeteen) werden hier in dem- 
selben Masse häufiger als die feuchtigkeitsliebenden , besonders 
Moose, zurückgehen. Das Klima der IMains bewegt sieh in Kxtrejneii : 
Wenn es heiss ist. ist es sehr heiss. wenn kalt, sehr kalt ; die- liegen 
sind Sündfluten, die Winde Wirbelstürme. <>. Low nennt Wolkm- 
briiehe für Xeu-Mexieo charakteristisch und sagt, dass sie während 
der Hegenzeit häufig vorkommen. Extreme von Hitze und Kälte, 
die im 0. unverhört sind, erseheinen hier auf den Haum eines Tages 
zusammengedrängt. Alle Umstände begünstigen die Ausstrahlung 
in der Nacht, so dass sehr niedere S<»nu mitiffiaugttmyieraUiren zu den 
Charakterzügen des Klima s der ausgedehnten Hochebenen des Westens 
gehören. Andererseits sind diese Hegionen viel weniger häufig von 
jenen grösseren und weit verbreiteten Schwankungen der Witterung 
betroffen als der Osten ; es können keine so grossen Massen von 
Feuchtigkeit und Wärme in diesem gebirgigen und allgemein 
hochgelegenen Gehiete sich sammeln, dass grosse atmosphärische 
Bewegungen zu ihrer Ausgleichung nothwendig werden. So sind 
vor allem die grossen Stürme des Ostens hier unbekannt, wenn es auch 
an Stürmen von weiter Ausdehnung in einem so weiten Gebiete 
nicht fehlt. In der einzigen sturmreichen Gegend, der paeifischen 
Küste, sind die Stürme auf gewisse Jahreszeiten beschränkt und 
haben ein viel geringeres Areal , über das sie sich ausbreiten. 

Dieses letztere, das califor nische Gebiet, steht zwischen Sierra 
und Küste und besonders in dem Theil, der westlich vom Küstengebirg 
liegt, unter dem Einrluss ganz anderer Faktoren, die allerdings weiter 
landeinwärts sich mit denen des Hochebenenklima's mischen und aus- 
gleichen. Die nächsten oder unmittelbarsten dieser Faktoren des 
pacitisehen Klima s sind viel weniger zahlreich als die des atlantischen 
Klima's im östlichen Theile desContinentos. entfalten eine Wirksamkeit 



Digitized by Google 




Digitized by Google 



V. Das Klima. 



309 



nach grösserem Massstabe und sind (losshalb leichter zu verstehen. 
Der kalte Strom, der an der Küste fliesst, die Richtung der 
vorwaltenden Luftströmungen, die Zunahme der Feuchtigkeitseapacität 
der Luft mit zunehmender Wärme sind die drei Dinge, die man 
hauptsächlich in Bet rächt ziehen muss, wenn mau das californische 
Klima zu verstehen wünscht, and indem wir sie erwägen, finden 
wir als bezeichnende Eigentümlichkeiten desselben das Vorherrschen 
westlicher, d. Ii. ueeaniseber Winde, die kühlen Sommer, die milden 
Winter; aber auch erhebliche innere Unterschiede, die sich auf engem 
Kaum zusammendrängen, sind als ein Charakterzug desselben her- 
vorzuheben. 

Verbreitung der Wärme ' I. Was nun die einzelnen klima- 
tischen Erscheinungen betrifft, so ist zunächst bei der Verbreitung« 
der Wärme über das Gebiet der Vereinigten Staaten zu beachten, 
dass die Unterschiede der Jahreszeiten daselbst viel zu gross sind, 
um aus dem Jahresmittel der Temperaturen eines Ortes oder auch 
aus den Jahres-Isothermen einen Schluss auf den Gang der Wärme 
im Laufe des Jahres zuzulassen. Diese Isothermen erlauben wohl, 
die Temperaturen in den östlichen Vereinigten Staaten unter ge- 
wissen Breiten als mit denen der gemässigten Zonen im Einklang 
stehend zu erkennen, aber sie geben keinen Begriff von den grossen 
Abständen nach oben und unten hin , aus denen die Isothermen 
eben nur das Mittel darstellen. Man muss tiefer in die Einzelheiten 
der Verbreitung der Wärme eingehen, um die Eigenthümlichkeiten 
zu erkennen, welche gerade sie dem nordamerikanisebeu Klima 
aufprägt. 

Innerhalb unseres Gebietes ist es vorzüglich der abweichende 
Verlauf der Sommer- und Winterisothermen, welcher ein zutreffendes 
Bild des Charakters gibt, den die Wärmeverbreitung hier annimmt. 
Wenn wir z. B. die Winterisothermen (Isoehimcnen) von -J- 7.5°, 0° 
und — «.7° verfolgen, so sehen wir die erstere bei Charleston 
(34" N. Br.) beginnen, ziemlich in Einer Breite bis zum 100.° W. L. 
ziehen, dann auf der Hochebene von Neu-Mexico sich etwas senken, 
um, an der Küste des Stillen Meeres angelangt, sich steil bis zu 43* 

1) Iliezu das Isotherme» - Kärtchen. 



Digitized by Google 



310 



V. Das Klima. 



aufzuschnellen; die zweite beginnt bei Philadelphia (40" X. Br.), 
sinkt langsam im Meridian von St. Louis zum 38., an den Felsen- 
gcbirgcn zum 3(3.° und steigt dann ganz wie die erste steil bis Sitka 
hinauf (57" N. Br.). Fmdlich die — 8,7" Isotherme läuft ziemlich 
parallel dem 45." N. Br. l)is zur Seeregion. erhebt sich in dieser 
um ein Weniges und steigt dann, ohne erhebliche Abweichung durch 
des Felsengebirge zu erleiden, weit nach Nordwesten hinauf. Un- 
schwer erkennt man hier das Gemeinsame eines Sinkens der Winter- 
temperatur von der Ostküste nach dem Inneren zu. das besonders 
stark im Herzen unseres Gebietes, in» mittleren Mississippi-Gebiet, 
ausgeprägt ist. und eines ungewöhnlichen Steigens derselben im 
meteorologischen Wirkungsgebiet des Stillen Meeres. Ks folgt daraus. 
• dass die Winter au der Ostküste milder als im Inneren, an der 
Westküste aber um Vieles milder als an der östlichen sind. Die 
mildernde Wirkung der Seeregion auf die Wintertemperatur, die 
im Verlauf der — H,7" Isochimene sich ausprägt, bleibt örtlich. — • 
Der Verlauf der Sommerisothermen (Isotheren) zeigt so ziemlich 
das entgegengesetzte Verhältniss. Wählen wir auch hier eine süd- 
liche, mittlere und nördliche, so linden wir die Isothere von 2*J° 
gleichfalls beim 34." N. Br. beginnen, zuerst diesem Breitegrad 
entlang laufen, auf der ansteigenden Hochebene des Westens bis 
zum 30. Breitegrad herabsinken, um ein Gebiet des Grossen Beckens 
bis zum 36. zu steigen und im Küstengebiet des Stillen Meeres 
rasch nach S. abzufallen. Die zweite von 22,;>" beginnt beim 40." 
N. Br., steigt stätig nach innen zu, bis sie am Oberen Missouri den 
den 4S. Breitegrad erreicht , von wo sie am Ostfusse des Gebirges 
hin bis zum 35. Breitegrad (die Lücke der Rio Grande-Gila- Depres- 
sion!) sinkt, um innerhalb des Grossen Beckens wieder bis in die 
Nähe von 4<S" N. Br. zu steigen und im Küstengebiet des Stillen 
Meeres gleich der vorigen steil nach S. abzufallen. Die dritte 
Isothere (17.5" ) zieht auf dem 45. Breitegrad westwärts, senkt sich 
etwas im Gebiet der Grossen Seen und hebt sich dann bis zum 54. 
oder 55." N. Br.; jenseits des Fclsengcbirges steigt sie zunächst vom 
47. Breitegrad etwas an und fällt aber an der Küste des Stillen 
Meeres bis zum 30." herab. Man erkennt aus dem Isotherenverlauf 
klimatische Verhältnisse, deren Charakter gerade das Gegentheil von 



Digitized by Google 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



Sit 



dem ist, don der Vorlauf der iRochimenen enthüllt: Zunahme clor 
Sommertemperaturen nach dem Inneren mit ungleich viel kühlerem 
Sommer an der West- als an der Ostküste. Die örtliche Mässigung 
durch die Einwirkung der Grossen Seen ist auch hier nicht zu 
verkennen. Der allgemeinste Schluss. den man aus dieser Ver- 
gloiehung ziehen kann, ist der, dass die Vertheilung der Wärme 
innerhalb unseres Gebietes im Allgemeinen einen excessiven. eontinen- 
talen und zwar nach höheren Breiten zu zunehmend excessiven 
Charakter trägt , ferner, dass sie im grössten Theile desselben unter 
dem normalen Mittel bleibt 1 ). 

Die atmosphärischen Niederschläge J ). In der Vertheilung 
der atmosphärischen Niedersc hläge über das Gebiet der Vereinigten 
Staate:! treten ein bedeutender Regenreiehthum der Küsten, weite 
Verbreitung mittlerer Regenmengen im Inneren östlich vom D5.° 
W. L. und südlich vom 44." N. Br., Regenarinuth im Inneren west- 
lich und nördlich von diesem Gebiet und an der südwestlichen 
pac itischen Küste hervor. Dass die atlantische und paeifische Küste 
sich hinsichtlich der Niederschläge nicht gleichartig verhalten, ist 
eine weitere Thatsache, welche auffallt, denn an der ersteren sind 
es die südlichen, an der letzteren die nördlichen Theile, welche die 
reichsten Niederschläge empfangen, während andererseits die Uegen- 
armuth der südcalilbrnischen Küste sich nirgendwo an der atlan- 
tischen wiederholt. Iiier zeigt sich ein Gegensatz zwischen 0. und 



1) Nach Prof. J. Henry (Agrieult. Hep. l\ S. Patent Off. 1*515. 461) ist 
(Im Vvrb&ltntM der astronomische h Temperatur wir icirUk-h lnoftuchtctru von 
5 zu 5 Breitograden auf einer Linie, die von New Orleans direkt nördlich läuft, 
folgendes: 

Breite: Astronom. >litteltei»p.: Boob. Mitti ltomp. : Unterschied: 



25" 23,51» C. 23,62« C. +0.11" (J. 

SO 21,67 90,56 — 1,12 

35 19.53 16,60 — 2.H7 

10 17.11 11,66 -5,45 

15 14,43 «5.94 -7,71» 

50 11.50 2.77 -8,73 



2) Hiezu die Bcgenkarte. Bei der Schilderung der atmosphärischen 
Niederschläge sind hauptsächlich C. A. Schott'» 'Fahles and Results of the Pre- 
eipitation etc. (Smithson, Contrib. MX. II) zu Grunde gelegt. 



Digitized by Google 



312 



V. Das Klima. 



W.. den man dahin bestimmen kann, dass mit Ausnahme des paei- 
fischen Küstengebietes nördlich vom Breitegrad der Westen der 
Vereinigten Staaten viel weniger regenreich ist als der Osten. Dass die 
zwei Gebiete grossen Regenreichthums sich in gerade entgegenge- 
setzten Theilen unseres Gebietes, im äussersten NW. und im SO., 
befinden und dass von beiden eine allmähliche Abnahme der Regen- 
mengen nach Binnen zu Statt hat, die aber im NW. auf einen 
engeren Baum zusammengedrängt ist als im SO., ist eine weitere 
allgemeine Erscheinung. Lässt man aber das nordwestliche Begen- 
gebiet ausser Acht, so kann man als eine nicht minder grosse 
Erscheinung für das übrige Gebiet der Vereinigten Staaten die 
Abnahme des Bcgcnreiehthums von S. und 0. nach X. und W. 
bezeichnen. Heben wir noch die bedeutende Ausdehnung der Ge- 
biete gleicher oder ähnlicher Regenmengen hervor, so haben wir 
die augenfälligen Thatsachen genannt, welche die Begenkarte der 
Vereinigten Staaten in ihren grössten Zügen ausspricht. 

Weder den Ucbereinstimmungen noch den Unterschieden der 
Begenmengen und ihrer Vertheilung liegen in den verschiedenen 
Theilen unseres Gebietes dieselben Ursachen zu Grunde. Wir finden, 
dass die Begenmengen verschiedener Abschnitte desselben aus ver- 
schiedenen Ursachen resultiren und es ist in diesen Ursachen, dass 
wir triftige Gründe zur Zertheilung des Gebietes der Vereinigten 
Staaten in verschiedene natürliche Abschnitte, entsprechend der 
Herkunft, Vertheilung und Menge ihrer Niederschläge finden können. 

Nach der Herkunft ihrer Niederschläge können wir drei Haupt- 
gebiete unterscheiden, von denen das eine seine atmosphärische 
Feuchtigkeit vom Golf, das andere vom atlantischen, das dritte vom 
paeifischen Ocean erhält. Das erste ist das weitaus grösste und 
wichtigste. Vom Ostabhang des Felsengebirges bis zu den Grossen 
Seen und im grössten Theil der Südstaaten ist es Golfwasser, welches 
als Niederschlag zur Erde gelangt; die Beginn nördlich und östlich 
von Virginien erhält ihre Feuchtigkeit vom Atlantischen, alles Land 
westlich von den Felsengebirgen vom Stillen Meer. Jedes dieser 
Jlcrkunffoyt'bietc hat seine Maximalregion der Niederschläge, die im 
Golfgebiet im Mississippi-Delta, im atlantischen Gebiet an der Mün- 
dung der Chesapeake-Bai . im Inneren der Nord-Alleghanies und an 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



313 



der Küste von Maine, im pacifischen Gebiet an der Küste von 
Oregon und Washington-Territorium gelegen sind. Ein Maximum, 
das im südliehen Florida auftritt, dankt seinen Ursprung wahrschein- 
lich der Nähe des Golfstromes. 

Die Eigentümlichkeiten und die gesetzlichen Verhältnisse der 
Regenverthciluug im Gebiet (hu- Vereinigten Staaten treten am 
deutlichsten hervor in der Vertheilung der »Sommer- und der 
Winterregen. Die Hegenkarte der Monate .Juni, Juli und Anglist 
bietet ein ganz verschiedenes Iiild von der Regenkarte des Winters, , 
entspricht aber im Ganzen den Verhältnissen, welche die allgemeine 
Regenkarte darstellt, besser als diese. Es spricht sich hierin die 
Thatsaehc aus, dass es vorwiegend die Sommerregen sind, welche 
den hyetischen Charakter der östlichen Vereinigten Staaten bestimmen, 
während die Winterregen dieselbe Rolle im Westen spielen, wiewold 
in einer viel weniger intensiven Weise. Der hervortretendste Zug in 
der Verbreitung der Sommerregen ist die Theilnahmc Florida'» 
an der regelmässigen tropischen Regenzeit, deren Maximum unge- 
fähr 1 Monat nach der grössten nördlichen Deklination der Sonne 
eintritt und an der floridanischen Westküste bis zu 7(X) mm. in 
den genannten :\ Monaten ergibt, Ein Maximum von t><X> mm. 
erreicht den unteren Theil des Mississippi-Delta's. Ein örtliches 
von 400 mm. liegt südlich und westlich von L. Michigan und hat 
seine Ursache wahrscheinlich in der Secregion selber, ein ebensolches 
von 850 erscheint in der südwestlichen Ecke von Texas. In Cali- 
fornien dagegen tritt ein Minimum fast gänzlicher Regenlosigkeit 
zwischen dem Colorado und Saeramento auf. das nur durch ge- 
legentliche Sprühregen , die kaum den Regenmesser befeuchten, 
unterbrochen wird, und beträchtlichere Regenmengen von löo bis 
;»<»<l mm. finden sich erst wieder auf dem schmalen Streifen nörd- 
lich vom 47. Breitegrad. Die Winterrege n (Deebr., Jan., Febr.» 
zeigen das Einströmen feuchter Luft vom Golfe her in kräftigster 
Wirksamkeit. Ein Maximum von 4;">0 mm. liegt am Westufer des 
Mississippi in Arkansas, ein anderes von 4ÖO mm. reicht, indem es 
das regenärmere Innere des Gebirges zwischen sich lässt , am 
südlichen, östlichen und westlichen Abhang der Alleghanies bis 
iJÜ" N. IL während ein Maximum, das bis 1 1<H> mm. ansteigt, in 



Digitized by Google 



314 



V. Dhs Klima. 



Washington Torr, liegt im«l mit f>00 nun. l>is zum Rreitegrad 
heranreicht. 

A. Schott hat es unternommen, die Gegenden ähnlicher Kegen- 
\erhältnisse in ilcii Vereinigten Staaten zu natürlichen (Wappen zu ver- 
einigen, die man Herren provinzen nennen könnte und er unterscheidet 
'.» solcher Gruppen, die er in folgender Weise charakterisirt 1 ): 1) Atlan- 
tische Küste von Portlaud bis Washington. Drei nahezu gleiche Maxiina 
Mitte Mai, August und Decemher und ein llauptininhnum Anfangs Februar. 
Die I nterschiede zwischen den einzelnen Monatsextremen sind gering. 
Das August-Maximum ist gewöhnlich das grösste. 2) Thal des Hudson, 
Vermont. N.- und W.-New York. Zwei Maxima Anfangs .1 tili und Mitte 
Oktober. Hauptminimum Anfangs Februar. Abstünde müssig. .'{) (iebict 
des Oberen Mississippi. Hauptmaximum Ende .luni. ein sekundäres Mitte 
September, ein Hauptminimum Anfangs Februar. Abstände ziemlich 
gross. 4) Ohio- Thal. Ein Hauptmaximum Anfangs Juni, ein Haupt- 
minimum Anfangs Februar. Abstünde müssig. .">) \V. Arkansas und 
Indianer -Territorium. Hauptmaximum Mitte Mai. sekundüres Anfangs 
November, Hauptminimum Anfangs Januar. Abstünde müssig. f») Unterer 
Mississippi und Red It. Ein Hauptmaximuni Anfangs Decemher, sekun- 
düres Juli, ein Hauptminimum Mitte Oktober, sekundüres Juni. Abstünde 
gering. 7) Mississippi-Delta und Golfküste von Alabama und Mississippi. 
Huuptmaximum Knde Juli, sekundüres Anfangs Decemher. Hauptminimum 
Anfangs Oktober, sekundüres Ende April. Abstünde müssig. s) Südost- 
küste von Virginien bis Florida. Ilauptmaximum Ende Juli oder Anfangs 
August, 2 sekundäre März und Decemher, 2 kleine Minima Mitte April 
und Ende Oktober. Abstünde sehr gross. i>) Paritische Küste von San 
Francisco bis Puget Sund. Scharf hervortretendes Minimum der Sommer- 
monate und Maximum Ende Decemher. Abstünde excessiv. — In diese 
linjetqnoi inzrn sind gewisse Kegionen nicht aufgenommen , über deren 
Kegeuvcrhültnisse wir noch nicht genügend unterrichtet sind. Mit Wahr- 
scheinlichkeit lüsst sich z. H. Michigan als ein besonderer Typus hervorheben, 
der bezeichnet ist durch ein Maximum im September, ein Minimum im 
Februar und durch sehr müssige Abstünde der Extreme. Man könnte 
diesen den Str-Typus nennen. Texas mit 2 Maximis in Juni und Sep- 
tember und einem Hauptminimum im Januar könnte ebenso einen beson- 
deren Typus bilden. West - Florida gehört nach 7 , Tennessee und 
Kentucky nach fS, Ohio und Indiana nähern sich 2, Illinois, .Iowa und 
Wisconsin Denselben Typus unter Wegfall des September - Maximums 
lassen Kansas und Nebraska erkennen, wahrend Neu-Mcxico durch hohes 
Maximum im August und niedere Minima im Januar und Mai an 8 cr- 

1) Smithson. Contrib. to Knowledge XIX. II. 127. 



by Google 



V. Das Klima. 



315 



innert. Als Mischung von Typen lassen sich die Rcgcnveru&ltnisse West- 
Virginiens, des mittleren Pennsylvaniens (1 und I) und des südöstlichen 
Yirginiens (7 und H) verstehen. Die Regenverhältnisse Alahama's erinnern 
au ♦'», doch ist das Sommer-Maximum erhehlich niedriger. 

Nach der durchschnittlichen Zahl «1er Hegen tage kann man die 
Staaten und Territorien der Vereinigten Staaten folgcnderniassen gruppiren: 
Washington T. 132, Oregon 131, Pennsylwmia 1 lo . New .Jersey 11*. 
Michigan 117, Ohio 116, New York 10Ü, Illinois. Indiana 107, Connecticut, 
Massachusetts, Alabama, .Iowa '.»*. Rhode Island 96, Maine D3, Mississippi, 
Louisiana '.>2. Florida 91, Vermont, N. Carolina. S. Carolina, Kentucky, 
Winconsin, Minnesota Virginia s.">, Delaware. Maryland, Distr. Columbia, 
Georgia H3, Kansas 77, New Hampshire 7t», Arkansas. Nebraska, Arizona 7;">, 
Indian T. 73, Wyoming 72. Texas .">*, New Mexico 56, California 50. 

Mit den grossen Niederschlagsmengen des Vereinigten Staaten-Gebiet es 
stimmt auf den ersten Blick die Trockenheit der Luft nicht tiberein, 
welche für dasselbe mit Ausnahme der südlichsten Gebiete am Golf und 
am Atlantischen Meere so bezeichnend ist. Man leitet sie aus den 
raschen und häutigen Temperaturschwankungen ab. welche durch Abküh- 
lung austrocknend, durch Erwärmung dampfbildend auf die Atmosphäre 
wirken. Die Luft nimmt hier in derselben Zeit doppelt so viel Feuch- 
tigkeit von derselben Oberfläche auf wie in West -Kuropa und ihr 
Sättigungsgrad ist trotz der reichlichen Niederschlüge viel geringer als 
dort. Die jährliche Verdunstung ist schon in den atlantischen Staaten 
doppelt so gross wie in England. Kür das nördliche New York hat man 
sie zu 12">0 mm., für Baltimore zu 127»» bestimmt. Kür Maine gibt mau 
sie zu <M) — (io " o des Niederschlages an. Die im Vergleich zu Gegenden 
mit ähnlicher Jahreswärme in Kuropa grosse Zahl heller Tage ist ein 
Ausdruck für die mangelnde Sättigung der Atmosphäre mit Wasserdampf. 
Im täglichen Leben zeigt sie sich in den bekannten Thatsachen des 
raschen Austrocknens des Brotes, in der frühen Beziehbarkeit der neu- 
gebauten Häuser, im leichten Wäschetrocknen u. dergl. Die Amerikaner 
schieben auch die Schuld für ihr nervöses Temperament und für «lie 
Eigentümlichkeiten ihrer Körperbeschatf'enheit, die Magerkeit und Seimig- 
keit, auf die trockene Luft. 

Der geringe Keuchtigkeitsgehalt zeigt sich auch in der Vegetation 
m hon in den atlantischen Staaten darin , das* den Wäldern unterhalb 
einer Höhe von etwa Um» m. jeder reichlichere Mooswuchs abgeht. 
In derselben Richtung deutet die mangelhafte Grasveuetation in den 
inneren Staaten . wo ein zusammenhängender Rasen nicht mehr zu 
Stande kommt, und mehrere Thatsachen der Krlauzenvcrbreitung wie z. R. 
die, dass eine Cacteen-Art bis nach Neu-Kngland ihr Verbreitungsgebiet 
erstreckt. Nach dem Innern zu wachst die Trockenheit. Man hat als 



316 



V. Das Klima 



Massstab für dieselbe die Grösse der Verdunstung angegeben und /war für das 
Arkansas-Hecken zu H5. für das des Missouri zu ebensoviel, für das des Red 
R. zu so, für das des Oheren Mississippi und des Ohio zu 76 und für das 
gesammte Mississippi -Heckeu zu 75 " o des Niederschlags. Die grösste 
Lufttrockenheit herrscht jedoch auf den Hochebenen der westlichen Gebirgs- 
region; gemessen an der Verdunstungstemperatur, wie der feuchte Thermo- 
meter sie zeigt, erreicht sie auf den trockenen Hochebenen Neu- Mexico' t> 
und Arizona's 16" (.'. Unterschied von der Lufttemperatur. Wiewohl 
Lufttemperaturen von 26 — .">2" ('. in manchen Gegenden constant und 
solche von 15- IS" ('. in den tieferen Wüsten nicht selten sind. i>l 
der Schweiss doch selbst bei den heftigsten Anstrengungen eine seltene 
Erscheinung. Die Neumexikauer ziehen Nutzen von dieser grossen 
Trockenheit der Luft, welche ihnen die Aufbewahrung der Nahrungs- 
mittel erheblich erleichtert'). Lückenhafte Messungen der Lufttrocken- 
heit in Nord- Nevada *) in einigen Wochen des Juni, Juli und August 
1S6S gaben als Grösse der täglichen Verdunstung 15 mm., wovon 
4 % zwischen 6 I hr Morgens und 6 I hr Abends verdunsteten. 1,8 min. 
war die grösste Verdunstung, die in einer Stunde beobachtet wurde. 
Am Grossen Salzsee mass Stausbury eine Zunahme des Unterschiedes 
zwischen feuchten und trockenen Thermometern von 3 auf 9\* von Mitte 
Winters bis zum April. Nach Schönborn war im Juni derselbe Unter- 
schied auf 15,5 gestiegen. 

Man glaubt grössereSehwankungen in diesen Verhältnissen beobachten 
zu können, welche natürlicher Weise durch ihren Kinrluss auf den Ackerbau 
die Aufmerksamkeit in hohem Grade fesseln. Die ausgetrockneten Seebeekeu 
scheinen tür ein Trockenwerden zu sprechen und in Neu-Mexico soll der 
Ackerbau in Folge dessen an manchen Orten zurückgegangen sein, wo er 
früher blühte. 0. Low scheint der Meinung, die man an Ort und Stelle oft 
äussern hört, da-s das Klima Ncu-Mexico s nicht immer so trocken gewesen 
sei wie jetzt, einigen Glauben beizumessen, wiewohl er beifügt, dass in histo- 



1) In den Hep. Pacific R. R. Survey beschreibt Capt. Gunnison z. B. fol- 
fie n dermalen die Weise, wie die BüflVljager des nördlichen Neu - Mexico'* ihre 
Heute aufbewahren: „Diese Jager reisen RH) Miles, tödten das Wild und laden 
c> auf Ksel, wobei sie 10 12 Tage brauchen, um es sich zu verschaffen und 
1, um es zu Markte zu bringen. Sie benutzen kein Salz und ungeachtet der 
last taglichen Regengüsse in den höheren (iebirgsregionen , ist die Trocken- 
heit der Atmosphäre gross genug, um das Fleisch gut zu erhalten." Die- 
selbe Trockenheit kam einst den Büffeln und kommt jetzt den Rindern 
dieser Region zu <iute, indem sie das nahrhafte und weit verbreitete Urama- 
Gras, das beste Futter dieser Wiederkäuer, ohne Kinbusse an Nahrungskraft 
welkt und dorrt. 

3) CL King, Expl. 40"' Parallel. V. 1871. XXII 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



317 



rischen Zeilen die Wassermenge relativ keine t/nme gewesen sein könne'). 
Die vielen Ruinen an Stellen, wo man jetzt kein Wasser findet, scheinen 
in der That wenigstens eine einstmals andere Verbreitung annehmen zu 
lassen. Andererseits berichtet F rubel: „Man glaubte, als ich durch das 
westliche Texas kam. ziemlich allgemein an eine dauernde Veränderung des 
Klima's mit einer grösseren liegenmenge. Die alten mexikanischen Einwohner 
lies Landes schrieben die grössere Feuchtigkeit einem mysteriösen Einflüsse 
der Nordamerikaner zu. mit deren Eindringen die Veränderung wahrge- 
nommen worden sein sollte. Die Dünungen der darauf folgenden Jahre, unter 
denen Texas so sehr gelitten hat, mögen aber wohl diesen Glauben er- 
schüttert haben')." In der Umgebung des Grossen Salzsees glaubt man 
an eine Verbesserung des Klima's in der Richtung auf grössere Nieder- 
schlagsmengen als Folge der dort seit 30 Jahren schon weit fortgeschrittenen 
Ibwlencultur und der Anpflanzung von Baumen; die Schwankungen in 
der Höhe des Seespiegels scheinen allerdings eine seit Jahren fortschrei- 
tende Vermehrung der Niederschläge in seinen Zuflussgebieten anzudeuten. 
Ks sind jedoch grössere Beohachtungsreihen nöthig. ehe man zu unter- 
scheiden vermag, was in solchen Veränderungen nur kurzperiodische 
Schwankung und was dauernde Aenderung in einer bestimmten Richtung ist. 

Die Luftströmungen. Das Gebiet der Vereinigten Staaten 
liegt fast ganz in jenem Gürtel vorwiegend westlicher Winde, 
welcher die gesummte nördliche Eidhalbkugel zwischen dem CO. 
Dreitegrad und dem Wendekreis umgibt. Nur der äusserstc Süden, 
der an den Golf von Mexico grenzt, ist davon ausgenommen. Coffin 
führt in seiner grossen Arbeit über die Winde der nördlichen 
Hemisphäre 3 ) die Beobachtungen von 251 Stationen dieses Gebietes, 
östlich vom Mississippi, an, welche mit Ausnahme von 6 vorwiegend 
westliche Winde haben. Von den 245 Stationen sind 2/>l , welche 
den Westwind von einem Punkte zwischen NW. und SW. haben 
und 210, bei denen er aus einem nicht mehr als 35° von W. ent- 
legenen Richtung kommt. Von 20 Stationen, die im Gebiet der 
Vereinigten Staaten westlich vom Mississippi gelegen sind . zeigen 
IG gleichfalls vorwiegend westliche Richtungen '). 



1) Feteroi. Mitth. 1874. 414. 

2) Ans America II. 814. 

3) Smithson. Contr. to Knowledge VI. 133. 

4) Auch auf dem Gipfel von Pike's Peak vertheilen lieh die Winde nach 
Proc: 27 SW., 20 W., 16 NW., 13 N., 8 S., 3 0., NO. und SO., 1 Calnie. 



:sis 



V. has Klima. 



An der Küste des Stillen Meeres sind im Gebiet der Ver- 
einigten Staaten die Westwinde gleichfalls die weitaus vorherrschen- 
den: Sie verhalten sieh der Menge nach wie H; 1 zu den Ostwinden. 
Die Westwinde wehen am häutigsten im Sommer. Ostwinde dagegen 
nur im Winter. Nord-. Nordost- und Westwinde wehen häufiger 
am Morgen als am Nachmittag, während Süd-. Südost- und Süd- 
westwinde ziemlich gleichmässig über Morgen- und Abendstunden 
vert heilt sind. Nach ihrer Häufigkeit folgen die Winde in S. 
Francisco so auf einander, dass als der häutigste W. erscheint, an 
den SW., NW.. N., SO, S., NO. und O. sich anreihen. Die reinen 
Westwinde sind 140 mal häufiger als die reinen Ostwinde. Von 
den pacifischen Stationen haben die nördlichen, wie Astoria. er- 
heblich mehr Ostwinde als die südlichen, wiewohl der W. auch hei 
ihnen entschieden überwiegt. 

Die Vert h eil ung der vorherrschenden Winde über 
«las Gebiet der Vereinigten Staaten ist zunächst ganz im Allgemeinen 
durch die Thatsache bestimmt, dass in Nord - Amerika die vor- 
herrschenden Bewegungen in der Atmosphäre von VV. nach O. gehen 
und zwar in einem Gürtel, der zwischen dem 32. und 58.° N. Ii. 
liegt und dessen grösste Intensität bei ungefähr 4ö° zu suchen ist. 
Die östlichen Richtungen, welche in diesem Gürtel vorwalten, gehen 
sich vorzüglich kund in südwestlichen und nordwestliehen Winden, 
welche das ganze Jahr hindurch abwechselnd herrschen, während 
der Gürtel selbst sich natürlicherweise im Laufe der Jahreszeiten 
in wechselndem Sinne verschiebt. 

In diesem Gürtel kommen in Lousiana, Georgia u. s. f. in ge- 
wissen Theilen des Jahres nordöstliche Monsune zur Herrschaft und 
nördlich von denselben Polarströmungcn . welchen durch die V\\\- 
drehung der Knie um sich selber eine westliche Richtung gegeben 
wird. Im allgemeinen Kreislaufsystem unserer Atmosphäre sind die 
vorwaltend westlichen Winde Nord -Amerikas Theile des herab- 
steigenden Aequatorialstronis oder rückkehrenden Passats, die als 
südwestliche, westliche oder nordwestliche Winde erscheinen, je 
nachdem das Herabsteigen in niederen oder höheren Breiten statt- 
hat. Die südwestlichen Luftströme dagegen, welche einen grossen 
Theil dieses Gebietes in der wärmeren Jahreszeit übertluten, ge- 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



319 



hören den unteren Strömungen an und trugen gleichzeitig den Cha- 
rakter von Monsunen, die gleich den Südwest- Monsunen Indiens 
mit Feuchtigkeit gesättigt sind, während in dieser Jahreszeit der 
Aequatorialstrom viel weiter nördlich herahsteigt und von S. her 
der Nordost- Passat Ins an das Gebiet der (iolfstaaten vorrückt. 

Unbeschadet der Gesetzlichkeit, welche diese Luftströmungen 
im Ganzen und Grossen ausprägen, sind dieselben zahlreichen und 
mannigfaltigen Störungen unterworfen, denn die Vereinigten Staaten 
gehören in die Zone veränderlicher Winde und nur von den süd- 
westliehen, westlichen, nordwestlichen, nördlichen und nordostliehen 
kann man sagen , dass sie dem grossen Kreislaufsystem der Atmo- 
sphäre angehören , während alle anderen hauptsächlich in atmo- 
sphärischen Störungen ihren (»rund haben und im Gegensatz zu jenen 
als abnorme Winde erscheinen. Ks stimmt damit überein, wenn 
man in diesem Gebiet in den unteren Luftschichten eine ebenso 
vorwaltende Neigung zu Ost-, wie in den höheren zu Westwinden 
feststellen kann 1 ). 

Die Stürme der Vereinigten Staaten theilt man in solche, welche 
aus W. und NW. kommeil and deren Dahnen im Allgemeinen nördlich 
vom I<>. Breitegrad liegen, und in solche, welche aus S. und SW. kommen 
und in Texas und dem Golf zu entstehen scheinen. Die letzteren sind 
viel weniger zahlreich als die ersteren, sie hilden nur etwa V* aller Stürme, 
sind fast unhekannt im Sommer und am häutigsten im Winter und Früh- 
ling. Die Mehrzahl von ihnen erreicht die Küste südlich vom 40. Hreite- 
grad und scheint auf dem Meere fast immer in einer mit der Küste parallelen; 
also nordöstlichen Dichtung fortzuschreiten. Selten kommt es vor, dass 
sie schon am Lande in einer nordwestlichen Dichtung abgelenkt werden. 
Ks ist eine hemerkenswerthe Thatsache , die den amerikanischen 
Meteorologen längst aufgefallen ist. dass diese Stürme, welche in nord- 
östlicher Dichtung der atlantischen Küste entlang sich bewegen, häutig in 
der (iegend des 5o. Breitegrades stehen zu bleiben scheinen. Man be- 
merkt dann ein mehrtägiges Anhalten niederen Luftdrucks in der (iegend 



1) J. Henry. Metenroi. in its (V.nn. with Agricult. 400. Im Zu- 

sammenhang mit dieser vorwaltend wesentlichen Richtung des oberen Li 1t- 
itromes steht die Thatsache, dass die Cirruswolken in Nord- Amerika xn allen 
Jahreszeiten vorwiegend ostwärts ziehend beobachtet werden, einerlei, welche 
Windrichtungen gleichzeitig in tieferen Regionen die vorwaltenden sein mögen. 
(Vgl. Mühry. lieber die Richtungen der Oirruswolke. Oest /.. f. Met. VII, 311). 



Digitized by Googl 



330 



V. Das Klima. 



von New Foundland und Nova 8cotia. Wahrscheinlich hängt dieses An- 
halten der Stürm«» mit dem starken atmosphärischen Niederschlag zusammen, 
welcher dieser Küstenregion d»'s Nordostens eigentümlich ist. In die Klasse 
dieser südlichen und südwestlichen Stürme gehören jene heftigen Stürme, 
die man Wirheistürme oder Cvelonc nennt. Die tropischen Wirheistürme 
kommen als I/utriranes an die südatlantische Küste der Vereinigten Staaten 
und die Golfküste. An der letzteren kommen sie hesonders häufig vor. 
Ihre Bewegung ist hier immer von SW. nach NO. gerichtet und ihre zer- 
störende Kratt . von der die Pflanzungen und Wohnstätten des Südens 
alljährlich Spuren tragen, ist an der südlichen Seite am grössten 1 ). An 
der atlantischen Küste kommen sie in der Linie des (iolfstromes aus S. 
und zwar haben sie die Richtung OSO. Iiis zur Haihinsel Florida, hei 
welcher sie entweder umbiegen, um sich mit steigender Geschwindigkeit 
auf das Meer hinaus zu begehen, oder parallel der Küste nach NO. wehen. 
Ihre Axe, an der oft ein um 25 mm. verminderter Drin k herrscht, beweg! 
sich zunächst mit nicht mehr als in Kil. Geschwindigkeit per Stunde, 
aber diese Geschwindigkeit kann nach längerem Lauf in höheren Breiten 
bis auf das Doppelte anwachsen. Em diese Axe rotiren die heftigen Luft- 
strömungen links-rechts, d. h. nordöstlich auf der Linken und südwestlich 
auf der Hechten. Es gibt eine Jlurrimue Scnson , die Monate August. 
September und Oktober, in welche die grosse Mehrzahl dieser Stürme, 
und zwar mit Vorliebe auf Ende August und Anfang September, fällt. 
Ks gibt sog. Hurrimnr. District* in den Küstenstrichen der atlantischen 
Südstaaten . in denen diese Stürme besonders häutig und heftig auftreten. 
Die Stürme, die aus dem Westen kommen, scheinen ihren Ursprung nicht 
selten auf dem Stillen Occan, häufig im Cascadengebirge und in Nebraska 
zu haben. In ihrer Bewegung nach 0. zeigen sie eine entschiedene Vor- 
liebe für den Weg über den Oberen und den Huronen-See. 

Einer ganz anderen Klasse gehören die N o r d s t ü r m e an, welche an der 
ganzen Golfküste, besonders heftig aber an der texanischen, zw ischen November 
und Mai, ausnahmsweise auch im Sommer wehen, heftige Nordwinde, welche 
viel zur Ausprägung des eigentümlichen Charakters beitragen, welcher 
das Klima dieser Hegionen auszeichnet. Es sind scharf individualisirte 
Winde, die als Xorthn oder Xorte von allen anderen Stürmen unterschieden 
werden. Aus Texas schildert E.Römer sie mit folgenden Worten: „Das 

1) Von den grossen Wirkungen, die diese Stürme erzielen können, mag der 
Wirbelsturm ein Beispiel geben, der im September 1854 die texanische Küste 
heimsuchte und den ( anal, der in die Matagorda -Bai führt, dauernd vertiefte, 
so dasü seine Tiefe von i» auf 11 e. F. stieg: er trieb das Wasser mit so grosser 
(iewalt aus der Bai, dass es nicht anders als unter so starker Vertiefung der 
Mündungsbarre seewärts abzutliessen vermochte. (Emory V. S. und Mex. Bound- 
ai) Survey 1867. L .'>(].) 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



321 



plötzliche Auftreten ist besonders bezeichnend für sie. Kaum deuten 
einige den Bewohnern des Landes bekannte Anzeichen, wie eine gewisse 
Wolkenbildung und der Flug der Vögel nach S., einige Stunden vorher 
ihr Erscheinen an. Der Fremde gewahrt sie gewöhnlich nicht früher, als 
bis er ihr unheimliches Pfeifen hört und ihren eisigen Hauch selbst em- 
pfindet. Obgleich die Temperatur, welche sie mit sich bringen, nur selten 
und dann wohl nur zur Nachtzeit unter den Gefrierpunkt sinkt und meist 
noch 4 — 0" R. über demselben bleibt, so ist dieselbe doch sehr empfindlich, 
da der Wechsel meist sehr plötzlich und der vorhergehende Wanne- 
grad oft bedeutend ist. Wenn am Morgen noch 20' lt., so ist dieselbe 
vielleicht am Nachmittage nach Eintreten des Xordsturms 5". Die Heftig- 
keit des Windes nimmt gewöhnlich von seinem ersten Erscheinen an 
gleichmassig zu, bis sie ihre grösste Höhe erreicht hat und nimmt dann 
ebenso allmählich wieder ab. Der Himmel ist Während des Nordsturms 
trübe und mit grauen Wolken bedeckt. Ein allgemeiner Erfahrungssatz 
ist es, dass die Dauer eines Nordsturms selten 3 Tage übersteigt. Gegen 
den Frühling nimmt, wie die Heftigkeit und Kalte, so auch die Dauer 
des Windes ab. Wahrend des zweiten Winters, den ich in Texas zu- 
brachte, bildeten die Tage, an denen der Nordsturin wehte, fast die Hälfte. 
Der Einfluss, den er auf die belebte Natur äussert , ist vbei Menschen 
und Thieren gleich bemerkbar. Der texanische Farmer verlässt mit 
seinem Erscheinen die Feldarbeit und wartet am Kamin sein Aufhören 
ab; der Fuhrmann, der auf der Reise davon überrascht wird, spannt seine 
Ochsen aus und sucht sich hinter einem schützenden Gebüsch bei einem 
hoch auflodernden Feuer zu erwarmen. Reconvalescentcn haben beson- 
deren Grund, sich vor der Einwirkung des Windes zu hüten, denn sehr 
häutig stellt sich in seinem Gefolge ein Fieberfrost und damit ein Rück- 
fall des völlig überstanden geglaubten Wechseltiebers ein. Pferde und 
Rindvieh verlassen mit dem Eintreten des Nordsturms ihre Weideplätze 
in der Prärie und suchen in den dichten Uferwaldungen Schutz. Ochsen 
rennen oft mehrere Meilen weit fort, ehe sie eine solche geschützte 
Stelle finden. Ohne diese kalten Nordstürme würde die texanische 
Pflanzenwelt einen viel südlicheren Charakter haben und namentlich 
sind sie sehr wahrscheinlich schuld daran, dass Orangenbäume hier 
nicht, wie in dem benachbarten Louisiana, im Freien ausdauem und 
regelmässig reife Früchte tragen l ). H Man kann hinzufügen , dass 
dieser Wind an der mexikanischen Küste bis über Yeracruz hinaus sich 
als eine empfindliche Unterbrechung der Wärme fühlbar macht, die 



1) F. Römer, Texas 1849. (JIJ. Uebrigens sind auch die unmittelbaren 
Wirkungen solcher Umschlüge der Witterung auf den Menschen oftmals heftig 
geuug. So erzählt Frobel (Aus America IL IIS), dass in einer Nacht, während 
er in der Cimarrou -Wüste reiste, ein so kalter Norte wehte, dass einer der 

Bttiel. Amerika. I. 21 



Digitized by Google 



322 



V. Das Klima. 



man innerhalb der Wendekreise auch im Winter erwartet; «loch hat er 
hier den grossen Vorzug, durch sein starkes Wehen die tiebererregenden" 
Miasmen zu vertreiben und man behauptet , dass wahrend eines Xmif 
die Fieber-Epidemien sogleich nachliessen. 

Hinsichtlich der Stelle, die man diesem merkwürdigen Winde nach 
seinem meteorologischen Charakter und Ursprung anzuweisen hat. ist vor 
allem sein Vorwalten in der Winterszeit hervorzuheben. A. Wojeikof 
nennt ihn einen närdlifhen fstndiriml und weist ihm monsunartigen 
Charakter zu, der sehr an Ost-Asien erinnere. Mührv sieht dagegen in 
ihm den Polarstrom , der seinen Ausgangspunkt vom nordamerikanischen 
Kältepol nehme. Blodget klassiheirt ihn ähnlich wie Wojeikof). Wir 
haben keine hinreichend genauen Angaben über die Verbreitung dieses 
Windes; was wir aber davon kenneu, bestärkt die Annahme, dass er eine 
Luftströmung von lokaler Ausdehnung, ein monsunartiger Landwind sei. 
Vettersen') gibt an, dass er im Indian T.. unweit der Grenzen, be- 
ginne und nach W. hin von der Sierra Madie in Mexico begrenzt werde, 
nach 0. erstrecke er sich etwa bis 95" W. L. Er detinirt den Nortber 
als einen trockenen, durchdringend kalten Wind von ca. 45 Kil. per 
Stunde Geschwindigkeit, dem zuweilen Hegen vorausgeht. Als Beispiel 
der raschen Teniperaturwechsel, die er bedingt, führt P. an, dass an einem 
Tage das Thermometer Vormittags bei SO. auf 32,2" C. stand, und dass 
es um -I Ihr, nachdem der Nortber um 2 begonnen hatte, bereits auf 
1,4" gesunken war: 27,8" Unterschied. Kmory beschreibt einen Norther 
aus ähnlicher Gegend, aus dem nordöstlichen Texas, wo er ihn bei 
Fronten (ca. UÖUm. M II.) vom 4.-7. December erlebte, mit folgenden 
Worten: Ein ruhiger, milder Tag, andern das Thermometer sich zwischen 
4.5 und 21° C. bewegte, endete mit einen plötzlichen starken Südwest- 
Wind, der rasch in NO. überging und 24 Stunden heftig aus dieser 
Himmelsgegend blies, während welcher Zeit die Temperatur auf — 17" C. 
herabging und IV* Zoll Schnee fiel s ). 

Jedenfalls noch in höherem Grade lokal sind Nordwinde, die mit 
warmer Temperatur der Luft verbunden sind und die in den südwestlichen 



Fuhrleute durch Rheumatismus dienstuntauglich wurde. Als der Wind aber 
plötzlich in einen schwülen Südwind einschlug, bekamen mehrere seiner Leute 
Schwindel und Erbrechen. Der Südwind übt überhaupt in diesen fiependen 
eint niederdrückende V\ irkun«; aul den Mens* In n aus 

1) A. Wojeikof, Die atmosphür. Gradation, (ieogr. Mittb. Erg. Heft :)S. — 
A Mühn. Geogr. Mittb. 1861. 295. • L. Blodget, Cltmatoloj <>t the C. s. 392. 
Nach Wojeikof erniedrigt dieser Wind selbst bei S. Antonio (2!>', j 0 N. B.) die 
Temperatur uuter 0. 

2) Oesterr. Z. f. Meteorol. 1872. :J44. 

3) Mex. BomuL Surv. I. 24«. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 323 

Plains nicht selten zu sein scheinen. Ein warmer North er scheint aller- 
dings ein Widerspruch in sich selbst zu sein. Die Thatsache erklärt sich 
aber ohne Schwierigkeit dnreh einen vertikalen oder horizontalen Luft- 
wirbel, in Folge dessen ein ursprünglicher Südwind als Nordwind erscheint. 

Ueber die Stürme des Inneren sind wir begreiflicherweise nicht 
eben so gut unterrichtet, wie über die, welche bis zu den Küstengegenden 
gelangen. 

Auf der Karte, welche das U. S. Signal Office über die Verbreitung der 
Stürme (ohne die örtlichen Gewitter) in dem Gebiet östlich vom 100. Breite- 
grad auf Grund zweijähriger Beobachtungen veröffentlicht hat, sind leider nur 
die Stürme der Hälfte des Prärien-Gebietes, die des Gebirges gar nicht ein- 
getragen. Die nördliche Hälfte des Gebietes der Grossen Seen nud das 
S. Lorenz-Thal bis Quebec erscheinen dort sammt dem nödlichen Maine als die 
Region der hautigsten Stürme 1 ). Das östliche Nebraska und die Gegend von St. 
Paul am oberen Mississippi folgen. 15 — 22,5 Sturmcentren werden jähr- 
lich in diesen Gegenden beobachtet. Das nördliche Neu-England, New 
York, grössere Theile von Minnesota, Illinois. Jowa, Nebraska fallen in 
eine Region mit 10 — 15 und ein durchschnittlich 2 Grade breiter Land- 
strich südlich von diesen Staaten in eine Region mit 5—10 Sturmcentren. 
Eine Zone von demselben Sturmreichthum zieht sich aus dem Golf von 
Mexico quer über den nördlichen Theil der Halbinsel Florida und von 
da an der atlantischen Küste, durchschnittlich 2 Langengrade landeinwärts 
reichend, bis New York. Ein kleineres selbständiges Gebiet von demselben 
Sturmreichthum liegt im nördlichen Texas. Von den Plains wissen wir 
durch vereinzelte Beobachtungen, dass ihre Stürme im Allgemeinen nörd- 
lichen und westlichen Himmelsrichtungen und mehr den letzteren als den 
ersteren angehören. Sie haben nichts zu thun mit den Hagelstürmen von 
grosser Gewalt . die den Boden mit manchmal ungewöhnlich grossen 
Hagelkörnern bedecken (Long gibt an, dass sie fast 1 e. Z. Durch- 
messer hatten), und die am Fuss der Felsengebirge hautig sind, wo 
schon von Long ihre Entstehung den raschen Wechseln der Tempe- 
ratur zugeschrieben wurde, ebensowenig mit den erfrischenden Winden, 
die vom Gebirge nach den Steppen hinaus wehten und die derselbe Beob- 



1) Auf diese Kegion bezieht sich eine Beschreibung Norwood's: „Ungefähr 
13 e. M. oberhalb der Black R. -Mündung stiess ich auf die Spuren eines jener 
heftigen Wirheistürme, die gelegentlich in diesen Regionen vorkommen. Seine 
Richtung war nördlich und südlich gewesen, seine Breite ungefähr 100 Yards. 
Fast jeder Baum in diesem Bezirk war 10- 15' über dem Boden abgedreht und 
viele der grossen Bäume, die am Rande stehen, waren sammt den Wurzeln aus- 
gerissen und streckten ihre Kronen dem Mittelpunkt zu, während die nicht ent- 
wurzelten nach derselben Richtung geneigt waren." J. G. Xorwood in Owen, 
Geol. of Wisconsin 1852. 302. 

21* 



Digitized by Google 



894 V. Das Klima. 

achter den Landwinden verglich, die man an dem Meeresufer beobachtet. 
Das Gebirge würde das Ufer, die Plains würden das weite Meer sein. 
Die Morgen und Abende waren still, aber im Laufe des Vormittags erhob 
sich der Wind, der regelmässig von W. oder S\V. wehte'). 

Line der gewöhnlichsten Erscheinungen auf diesen Ebenen sind die 
Wirbelwinde, deren mau oft 20— ;$u auf einmal sieht; sie heben den 
Staub gewöhnlich 60—100. oft aber auch .KMim. hoch in die Luft; einige 
sind schmal und schwanken wie riesige Taue in der Luft, andere bilden 
Kegel, deren Basis dem Grunde aufliegt, andere sind umgekehrte Kegel. 
Diese Erscheinungen rinden gewöhnlich im heisseren Theil des Tages 
statt'). Häutig genug bleiben diese Staubwirbel nicht harmlos, sondern 
entwickeln sich zu samumartigen Winden. „ Heisse Winde, Sandstürme, 
Sandhosen, sagt 0. Low, gehören zu den normalen Erscheinungen «1er 
Mohave- Wüste ').* Eben so normal sind nicht nur in ihr, sondern auch 
in den Plains die Wolkenbrüche, in deren Form die grösste Menge der 
Sommerregen herniederkommt, und mit ihnen sind gewöhnlich jene er- 
wähnten Hagelfalle verbunden. 

Wintergewitter, die stunnartigen Charakter annehmen und weite 
Gebiete durchziehen, sind bei den häutig vorkommenden Zusammen- 
stössen der warmen Golf- mit den kalten nordwestlichen Präriewinden 
im Inneren Nord-Amerika's häutig und stallen hier eine viel gewöhnlichere 
Erscheinung dar als in Mittel-Europa. In den Wintern der 2 Jahre lsüti 
und 1MÜ7 zählte man in Illinois durchschnittlich 4,5, in Missouri und 
Arkansas :>,5 Gewittertage. In Wisconsin beobachtete man am 2<>. März 
lSdG ein heftiges Gewitter bei — 10* und gleichzeitig war die Temperatur 
im Staate Missouri 2*,u' w C. Warren 4 ) macht die Bemerkung, dass in den 
Plains von West - Nebraska und Dakota im Sommer und Herbst die Ge- 
witter ganz ähnlich denen des oberen Mississippi -Gebietes und der at- 
lantischen Staaten seien; sie kamen unveränderlich aus W. und er- 



1) Exped. from Pittsburg etc. I. 477. 

2) Nicht selten ist bei diesen .Staubhosen die eigentümliche Erscheinung 
einer querlagernden Staubwolke in allerlei phantastischen Gestalten an dem 
Punkte zu sehen, wo die Säulenform in den umgekehrten KVjfel übergeht. .T 
D. Whitney. Geol. of Cal. I. — Diese sehr mannigfaltigen Formen von Wir- 
belwinden kommen auch bei den Schilf- und Präriebränden in Folge derselben 
starken örtlichen Temperaturverschiedeuheiten vor und sind, gleich den 
natürlichen Wirbelwinden, theils stationär, theils von mehr oder weniger 
raschem Fortschreiten. Die Luft über einem solchen brennenden Feld ist ge- 
radezu erfüllt mit Wirbeln. Diese durch Feuer erzengten Wirbelwinde sind 
eingehend beschrieben von A. F. Olmsted in A. J. S. 1SÖ1. II. 181. 

.'!) P. G. IL l*7t>. 411. 

1) Expl. in the Dakota Country. Wash 1 H r >«?. 39. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



;j2f> 



zeugten heftige Stürme, wo immer sie Aber die Hache Prärie hiuwehton. 
Auf Südwind folgte fast regelmassig Gewitter aus W. ; oft weht jener 3 — 1 
Tage, ehe dieses eintritt. Frühlingsgewitter waren (der Tradition nach) 
selbst im Mai noefa von Sehneefall begleitet und in der Nahe des Chaine 
de Roche -Flüsschens beim Girat Brn<f des Missouri sollen bei einem 
solchen Gewitter ;i F. Schnee gefallen sein. Die Schneestürme sind im 
Allgemeinen sehr unsicher, sie fallen oft unvermuthet ein und sind da- 
durch den Prürie -Wanderern besonders gefahrlich. Manche Jahre fallt 
indessen im Gebiet des mittleren Platte R. gar kein Schnee (s. S. 330). 
Hei unbeschranktem freien Raum, der der Ein- und Ausstrahlung gleich 
offen liegt, sind natürlich die örtlichen Unterschiede der Erwärmung sehr 
gross und um so mehr hier, wo das Gebirge und seine herabsteigenden Luft- 
ströme so nahe sind. Aehnlich wie auf der Hochebene von Mexico erscheint 
aber in dem gebrochenen Terrain der Black Hills und anderer Hergregionen 
der Plains die Kraft der Winde sofort gemildert. Die grossen Stürme der 
I Mains sind hier unbekannt, am heftigsten wirken die Windstössc, welche 
den Gewittern vorhergehen. 

Die Küste des Stillen Meeres gehört nicht zu den hervorragend 
stürmischen Hegionen Xord-Amerika's. Die kalte Meeresströmung auf 
der einen, das Gebirge auf der andern Seite schützen diesen Strich vor 
dem Aufeinandertreffen der grossen Luftströmungen, welche sturmerzeugend 
wirken. In Süd-Galifornien sind bei der grossen Trockenheit der Hüft 
Gewitter eben so selten wie in Peru. Im Sommer liegt der grösste 
Theil Califurnieus im Gebiet des Nordost - Passats, der in- 
Jessen wegen der Gebirgsschrankcn hier nicht in seiner normalen 
Richtung auftritt, sondern gewöhnlich gegen W. zu abgelenkt er- 
scheint. Die West- und Südwest - Winde der Küste, die gleichzeitig 
wehen, sind als lokale Monsune zu betrachten, die ihr Dasein der Ver- 
dünnung der Luft über dem Lande und ihre niedere Temperatur dem 
Wehen über den Ocean überhaupt und daneben noch dem kalten Küsten- 
Btroin verdanken. Der äquatoriale Luftstrom kommt im Winter innerhalb 
der Grenzen Californiens herab und erzeugt durch seine Mischung mit 
dem Passat die häufigen Regen ; er ist aus seiner normalen südwestlichen 
Richtung durch das Gebirge in eine südöstliche abgelenkt. Dass dabei 
Gewitter nicht häufiger sind, verdankt man gleichfalls dem Gtbirg, welches 
dem raschen Findringen eines kalten und trockenen Polarstromes in die 
feuchte und warme Aequatorialluft wehrt. Es gibt übrigens Jahre, in 
denen die eine der beiden Hauptströmungeu der Atmosphäre bis zur 
nahezu völligen Verdrängung der anderen vorherrscht und entweder über- 
mässige Regen oder verderbliche Dürre über das Land bringt'). Es ist 



1) J. Blake in Pmc. Cal. Acad. IV. 110. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



indessen mehr die Dauer als die Heftigkeit, welche diese Winde schädlich 
werden lässt. Den Nordwest-Winden der pacih'schen Höste schreibt Cooper 
die Ursache des vergleichsweise sehr spärlichen Baumwuchses um S. 
Francisco zu. In der Mündung der Bai von S. Francisco und der Depres- 
sion zwischen den Buchten von Pet&luma und Toniales finden diese Winde, 
die am häutigsten wehen und zugleich austrocknend und erkaltend wirken, 
freien Durchpass. Berghänge , die ihnen ausgesetzt sind, sind baumanu, 
wiewohl sie die grösste Regen- und Ncbelmengen empfangen. Die ent- 
gegengesetzten Abhänge sind, wiewohl der heissen Südsonue ausgesetzt, 
dichter bewachsen 1 ). Gegen N. zu herrschen dieselben Verhältnisse. 
An der Küste von Washington Terr. sind Gewitterstürme selten, sie 
beschränken sich auf die Wintermonate. Selten kommen bei Cap Flattcry 
heftigere Stürme vor als Nro. 8 der Smithson'schen Skala (Strong 
Gale). Die Schifffahrt ist hier viel weniger gefährlich als unter gleichen 
Breiten im Atlantischen Ocean und dasselbe gilt für die californischen 
Küstengewässer *). 

Klimatische Besonderheiten einiger Regionen. Einige 
Regionen zeigen bestimmte Eigenthümlichkeiten in ihren klima- 
tischen Verhältnissen, welche zwar im Vergleich zu den grossen 
Gesetzen derselben nur lokale Ausnahmen darstellen, an und für 
sich aber ausgedehnt genug sind, um den klimatischen Charakter 
grosser Landstriche zu bestimmen. Ebenso sind gewisse klimatische 
Erscheinungen in unserem Gebiete besonders scharf oder in einer 
besonderen Richtung ausgeprägt. Beide verdienen es, in einer all- 
gemeinen Beschreibung des Klima's der Vereinigten Staaten ihre 
Stelle zu finden. 

Man kann voraussehen, dass eine Wassermasse wie die der 
(1 rossen Seen und ihrer an Seen und Flüssen so reichen Umgebung ') 
nicht ohne Einfluss auf die klimatischen Verhältnisse ihrer Um- 



1) Proceed. Calif. Ac. März 1874. 

2) Proceed. Boston Soc. of Nat. Bist. XI 

3) J. Henry schätzt die gesammte Wasserfläche der Grossen Seen , des 
S. Lorenz und der kleineren Seen und Flüsse in ihrem Gebiet auf 160,000 [jKil. 
(Trans. Albany Inst. I.) Uebrigens ist auch nicht ohne Wirkung auf das Klima 
der Seen-Region das Kalk- und Sandsteinplateau, welches zwischen dem Oberen 
Mississippi und den Seen in erheblicher Breite hinzieht, das in seiner breiten 
Krhebung den Sonnenstrahlen zugänglich und durch seine trockene, reine Luft 
vor Nachtfrösten, dieser Geisel des Ackerbaues im Nordwesten, gesicherter ist 
als die an und für sich fruchtbareren Tieflandregionen. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



327 



gebung sein wird und in der That trägt das Klima der See- 
Region den unverkennbaren Stempel dieser Einflüsse, die sich 
sowohl in der Wärme- als der Niederschlags -Vertheilung geltend 
macheu und welche schon eine flüchtige Vergleichuug der Be- 
obachtungen der Seestationen mit solchen von nicht sehr weit 
westlich davon gelegenen erkennen lässt, So zeigt z. B. Fort Ho- 
ward (44° 4U' X. B.) an der Green-Bai bei einer mittleren Jahres- 
temperatur von 6,6° C. einen Unterschied zwischen mittlerer Winter- 
und Sommertemperatur, der sich zu demselben Unterschied von 
dem unter nahezu gleicher Breite (44° 53' N. B.) gelegenen Fort 
Snelling am Mississippi (mit 7° C. mittl. Jahrestemp.) wie 2 : 3 
verhält. Ft. Howard hat eine jährliche Xiederschlagsmenge von 
875 min., während das an St. Mary 's R. gelegene Ft. Brady nur 
737 aufweist. An dem letzteren Ort ist die Jahrestemperatur 
um 1° niedriger als in Ft. Wilkins, welches an der Spitze der 
Keewenaw - Halbinsel gelegen ist. A. Winchell hat neuerdings die 
Einwirkung der Seen speciell auf die Temperatur des Staates 
Michigan festzustellen gesucht. Er fand, dass eine nahezu identische 
Juli - Temperatur sich an beiden Ufern des Michigan - Sees von 
Chicago bis Mackinac erstreckt, dass indessen das westliche Gestade 
etwas kühler als das östliche ist. Es prägt sich dieses Vcrhältniss 
in einer östlichen Biegung der Juli-Isotherme von 21,1° aus, welche 
hier 5 Breitegrade erreicht. Entgegengesetzt, d. h. nördlich ab- 
gelenkt zeigt sich die Januar -Isotherme von — 5,6°, welche um 
4'/« Breitegrade in der Umgebung des Michigan -Sees nach X. zu- 
rückgedrängt ist. 

II. Dove machte darauf besonders aufmerksam 1 ), dass der Eiu- 
fluss einer ihren Aggregatzustand ändernden Grundfläche bei abge- 
schlossenen Süsswasserseen noch auffallender sei als bei dem Meere. 
Hier kann das zu Boden sinkende Wasser abfliessen, während es 
dort in dem abgeschlossenen Becken als weiter erkaltend wirkender 
Faktor stehen bleibt. Auch hört das Süsswasser schon bei 3° auf, 
zu Boden zu sinken, während das Meerwasser bis zu 0° diese ab- 
gleichende Wirksamkeit entfaltet. Abgeschlossene Meeresbuchten 

1) Uebtr das Klima von Nord-Amerika. Z. f. Allg. Erdk. N. Y. I. 21. 



Digitized by Google 



328 



V. Da* Klima. 



wie Ostsee oder Hudsons -Bai stehen zwischen beiden in der Mitte, 
üben aber bereits durch die Stauung kalter Wassermassen einen 
erkältenden Einfluss auf ihre Südküsten. Bei den Grossen Seen 
Nord-Amerika's zeigt sich dieser Einfluss besonders in dem ver- 
späteten Eintritt und Aufhören der Winterkälte . deren Maximum 
in der Seeregion in die erste Februarhälfte fällt. „Man kann es 
daher als einen Grundcharakter des Klima's von Nord -Amerika 
in dem angegebenen Gebiet bezeichnen, dass vom hohen Norden 
bis fast zur Breite von 40° besonders am Meere und an den Ufern 
grosser Wasseransammlungen die Winterkälte sich so verspätet, 
dass in dem nordwestlichen Theile dieses Welttheils der alte Satz: 
„Wenn der Tag fängt an zu langen, kommt die Kälte angegangen", 
sich viel entschiedener bewahrheitet als in der alten Welt." 

Die ausserordentlichen Unterschiede in der Erwärmung der 
verschiedenen Luftschichten über dieser aus Land- und Wasser- 
flächen so bunt zusammengefügten Region finden auch in ihren 
sehr unregelmässigen Windverhältnissen einen nicht misszuverstehen- 
den Ausdruck. Die Schiffer kennen die unheimliche Erscheinung, 
dass innerhalb einer Viertelstunde der Wind ihnen aus den ent- 
gegengesetzten Himmelsrichtungen weht, und „die unteren Segel 
eines Schiffes hängen oft völlig schlaff, während die oberen sich 
vor einer steifen Brise blähen" 1 ). Von grosser Bedeutung ist auch, 
dass die Seen sich nie mit einer dauerhaften und zusammenhängen- 
den Eisdecke überziehen. Der nördlichste von ihnen, der L. Su- 
perior. gefriert in sehr kalten Wintern , aber die Winde, die nie lang 
auf sich warten lassen, brechen die Eisdecke auf und häufen lange 
Parallelreihen von Eisschollen, 5 — G m. hoch, an den Küsten auf. 
Später werden dieselben von den Wellen wieder zertrümmert und 
weggeführt. Die Erscheinung ist auch geologisch interessant, da 
sie den Transport von Felsblöcken , die in solche Eisanhäufungen 
eingeschlossen werden, und möglicherweise auch Eisschliffe der 
Küstenklippen erklären können. 

Das Klima von Toronto (33° HD' N. B.) ist ein Beispiel, wie 
diese Einflüsse der Seeregion auch auf das canadische Klima sich 



1) Köster and Whitney, Report L. Superior 1H50. L 5K. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



erstrecken und vorwiegend mildernd wirken. Die mittlere Jahres- 
temperatur ist 6,8° C, das Minimum —32,50 (Januar), das Maxi- 
mum 37,3° (August), die Regenmenge 926,3 mm., die Zahl der 
Regen- und Sehneetage 146,6. Schnee ist in einzelnen Jahren noch 
in der ersten Juniwoche gefallen. Dass das geringste Monatsmittel 
der 'Temperatur mit — 5,1° C. auf Februar fällt (Januar zeigt 

— 4,5°, März — 1,2»), iäs St deutlich jenen kältebewahrenden Ein- 
fluss erkennen, welcher den grossen geschlossenen Wasserbecken 
eigen. In derselben Richtung ist es bezeichnend, dass das kälteste 
Monatsmittel in St. Martins (bei Montreal 45° 32' N. B.) mit 

— 11,8° C. auf Januar fällt, während Februar —10,6, März 3,0 
haben. Hingegen sind nach W. hin dieselben Einflüsse nur eine 
kurze Strecke sehr deutlich und im Gebiet des Red R. ist der 
canadische continentale Charakter bereits wieder der ausschlag- 
gebende. Dort sind in Pembina Minimal-Temperaturen von — 48° 
beobachtet und die mittlere Januar -Temperatur wird zu — 12V, 0 
angegeben. Wärme -Extreme von 35° kommen ebenfalls dort vor 
und die Abstände zwischen Januar -Minimum und Juli -Maximum 
erreichen 80°. Die Sommer sind indessen kurz und Schneefälle 
ereignen sich schon Anfang Oktobers. 

Die klimatischen Zustände des Hochlandes im W. 

sind vorzüglich gekennzeichnet, durch die zunehmende Dürre und 
den extremen Charakter der zwei Haupt-Jahreszeiten. Es spricht 
sich das in allen Beobachtungen aus, welche man über das Klima 
der Region westlich vom 100. Langegrad besitzt. Es ist aber be- 
merkenswerth , dass die erstere nicht gradweise zunimmt , sondern 
jenseits der genannten Linie durch einen Sprung ungleich grösser 
wird, als sie diesseits derselben war. In Nebraska z. B., welches von 
dieser Linie ungefähr in der Mitte durchschnitten wird, finden wir 
nach 5jahrigem Jahresdurchschnitt von allen Stationen eine Regen- 
menge von 785 mm., aber in der westlichen Hälfte des Staates geht 
diese Zahl auf die Hälfte herab. Aehnlich verhalten sich 0. und W T . 
in dem südlicher gelegenen Kansas, wo die durchschnittliche Regen- 
menge 1022 beträgt. In Dakota stehen wir bereits bei 350 mm. 
als Durchschnitt 5 jähriger Beobachtungen vorwiegend in den öst- 
lichen Theilen des Territoriums. Am Fuss des Felsengebirges 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



mildert nur die Feuchtigkeit, die aus diesem herankommt , diese 
Tendenz. Aber auch für diese Region bezeichnet Wojeikoff 1 ), indem 
er von Colorado spricht, die Klarheit und Trockenheit der Luft 
als die klimatischen Hauptmerkmale. Er schildert die Bewölkung 
als gering; sie ist am geringsten im Herbst, verhältnissniässig am 
stärksten im Hochsommer. In Colorado Springs (39° 12' N-. B. 
2020 m. hoch) beträgt die mittlere Bewölkung 2,3 einer Scala 0 
bis 10. Die höchsten Zahlen wurden mit 3,8 und 3,9 im Mai 
und August, die niedrigsten mit 1,1 und 1.2 im September und 
Oktober erhalten. Die mittlere Temperatur ist in Denver (39° 41' 
N. B. 1010 ra. hoch) nach 2 verschiedenen Beobachtungsreihen 
8,9— 10,6°, in Colorado Springs 8,5. Das Minimum ist in Denver 
— 32,2, das Maximum 36,7°. Die mittleren Temperaturen des Dc- 
cember und Januar sind an letzterem Orte — 1,7°. des Februar 
2°; es ergibt diess eine Milde des Winters, welche denselben trotz 
der hohen Lage fast dem Winter des Mississippi-Tieflandes gleich 
macht. Der Januar von Denver steht nur 0.3° unter dem von St. 
Louis; die Nachttemperaturen sind dort in diesem Monat etwas 
kälter, die des Tages viel wärmer. Die Niederschläge erreichen in 
Denver 374 mm. und sind so vertheilt, dass in den niederschlags- 
reichsten Monaten Juli 29. November 38, März 42, September 47. 
April und Mai 53, in den niederschlagsärmsten December 10. 
Juni 17, August 18. Februar 19, Oktober 20, Januar 22 mm. fallen. 
Eine vollständige und dauernde Schneedecke kommt auf der Hoch- 
ebene nicht zu Stande. In einzelnen Jahren fallt genug Regen, um 
die künstliche Bewässerung überflüssig zu machen ; in der Regel ist 
dieselbe indessen nothwendig. Die Schwankungen des Luftdrucks 
sind nicht sehr bedeutend. Der mittlere Barometerstand in Denver 
ist 701,3. das niedrigste Mittel 758,7 (Februar), das höchste 
705,1 ( August Y Für die weiter nördlich gelegenen Black Hills 
bezeichnet Col. Dodge 1 ) den Regenfall als genügend. Regenschauer 
sind häutig. Er zählte 10 Regentage im Juni, 10 im Juli, 10 im 
August. 1 — 2 Tage währende Landregen sind nicht selten. Im 



1) Z. d. Ost Ges. f. Met. 1872. 29ß. 

2) The Black Hills 187G. 59 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



331 



Sommer vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Gewitter in einem 
oder dem anderen Theil der Black Hills vorkommt und diese Ge- 
witter sind meistens heftig und nicht selten von Sturm und Ilagel 
begleitet. Die häufigen Gewitter, sagt dieser Beobachter, sind der 
einzige Fehler des sonst vortrefflichen Klima's dieser Berglandschaft. 
Für das Gebirge selbst haben wir eine Reihe vorzüglich interessanter 
Beobachtungen, welche in der Nähe des Gipfels des Pike's Peak in 
der östlichen Kette des Felsengebirgs von Colorado bei ca. 43<X) m. 
Meereshöhe und in 38,8" N. B. angestellt wurden. Die mittlere 
Jahrestemperatur ist hier in 6 jährigem Durchschnitt — 7,3, die des 
Winters — 15,1, des Frühlings — 10,8, des Sommere — 2,3 und 
des Herbstes —6,7° C. (Nowaja Semlja zeigt unter 73,6° N. B. 
eine ähnliche Jahreswärme, nämlich — 7,8, einen Winter von 
— 16,9 und einen Sommer von — 4,2. Die West -Alpen (ca. 42* 
N. B.) sind in gleicher Höhe in jeder Jahreszeit kälter, im Sommer 
um volle 8° und zeigen eine mittlere Jahrestemperatur von — 12°.) 
Ein Vergleich zwischen dem Gipfel Aetna und dem Pike's Peak bei 
3000 m. gibt für den Aetna als mittlere Temperatur des Jahres 
0,2 , des Sommers 5,3 , des Winters — 4,9 , während Pike's Peak 
eine mittlere Jahrestemperatur von 0,7 bei — 8,5 für den Winter 
und 11,7 für den Sommer ergibt. Die starke Erhöhung der Sommer- 
wärme , eine Wirkung der bedeutenden mittleren Erhebung des 
Bodens und seiner Wasser- und Waldarmuth. zeigt sich hier als 
der hervorstechendste Zug im Klima des Felsengebirgs -Gipfels. Das 
Temperatur-Minimum auf Pike's Peak betrug an 3 Tagen — 32,2 0| ). 
Die jährliche Regenmenge beträgt auf dem Pike's Peak aber 
730 mm. und, wie in Anbetracht der Schwierigkeit genauer Mes- 
sungen der Schneelälle anzunehmen ist. noch etwas mehr. Die 
grösste Regenmenge fallt im Juli mit 152, im April mit 132, im 
August mit 94, die kleinste im November mit 8 und im Deccmber 
mit 14 mm. 

Am West- Abhang beginnen ganz andere Zustände ; das Klima der 

1) In Colorado City, am Flusse des Peak, betrug dasselbe in der ent- 
sprechenden Zeit (durchschnittlich 2 Tage später) — 25,4, was einen verhältniss- 
mässig geringen Unterschied bedeutet. Das Maximum zeigte dagegen einen 
Unterschied von 2G\G°. 



Digitized by Google 



332 



V. Da* Klima. 



Plains, das Steppenlclitna. kommt hier in erneuter um! verschärfter Forin 
zum Ausdruck. Wenn hohe Lage. Abgeschlossenheit durch umrandende 
Gebirge, Entlegenheit von den Meeren, Hereinragen in die Passatzone 
ein Klima-Gebiet aus den Hochebenen des Inneren schaffen, das durch 
die Plains zwar nach <>. hin vermittelt ist. doch aber in seinen 
Extremen der Regenarmuth und der Temperatur-Schwankungen als 
eine Sache für sich dasteht, so werden am schärfsten ausgeprägt 
seine Eigentümlichkeiten im (Trossen Haken sein , welches alle 
jene Faktoren in der höchsten Potenz umschliesst. Indessen selbst 
innerhalb seiner Grenzen sind die klimatischen l'nterschiede nicht 
unbedeutend. Im Rahmen der allgemeinen Regenarmuth besteht 
doch die Verschiedenheit zwischen N. und S., dass dort Regen zu 
allen Jahreszeiten, hier dagegen nur Winterregen fallt, und ebenso 
sind die Temperaturen dort um ein Bedeutendes niedriger als hier, 
während die Trockenheit der Luft überall gross ist. Das Klima 
von Salt Lake City am Grossen Salzsee kann man vielleicht am 
ehesten als ein mittleres und vermittelndes betrachten. Die mitt- 
lere Jahrestemperatur zeigt dort 15°, die des Januar — 2.7. des 
Juli 27" C. Einen Uebergang zum Gebirgsklima macht das von 
Montana, wo die mittlere Jahrestemperatur von Ft. Owen (1001m.) 
8,3° , von Stevensville (1040 m.) *,5 n , von Helena (1300 m.) 7 " 
beträgt, wo der Sommer an beiden enteren Punkten 21 . der 
Winter dort — 4. hier — 2.4° Mitteltemperatur hat und wo die 
Niederschläge des Jahres nach den in Deerlodge City angestellten 
Messungen 407 mm. betragen: eine kleine Summe, von der mehr 
als die Hälfte (227 mm.) in der für die Entwickelung der Vegetation 
günstigsten Zeit von April bis Juli fällt. In Helena fielen in einem 
Jahr (1866) 572 mm. 

Es liegen keine ganz genauen Regenmessungen aus dem eigent- 
lichen Grossen Becken vor. und gewiss sind die Mengen der in dem- 
selben fallenden Niederschläge sehr verschieden, im Allgemeinen 
grösser in den höheren Lagen und an den Ost-Abhängen der Höhenzüge 
als in der niederen und an den West-Abhängen. Man kann 55 mm. als 
eine Durchschnittszahl für die Gegend des 40. Grades annehmen 1 ), 



1) Cl. King. Explor. 40th Parallel. Vol. VU>. Botany. XVII. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 888 

und von dieser Menge fallt die Hälfte zwischen April und November. 
In dieser Jahreszeit sind die Regen kurz und auf die Nähe der 
höheren Gipfel und Kämme beschränkt, WO sie indessen gelegentlich 
sehr stark sind. Thau und Keif sind fast unbekannt. Nach Beob- 
achtungen von King s Expedition in West-Nevada aus dem .Jahr 18(57 
gab es von der letzten Juliwochc bis zum 31. August an 13 Tagen Hegen, 
aber meist nur Spritzer von geringer Verbreitung. Im September 
regnete es an f> Tagen, im Oktober an keinem, im November au ;">. 
Im December regnete es am 8. einmal den ganzen Tag, am 17. 
fiel über 30 mm. Schnee und am 23., 30. und 81. traten heftige 
Stürme mit Regen ein. In Carson City fiel 18(58 im Januar unge- 
fähr 30 mm. Schnee, der, durch leichte Gestöber verstärkt, sich bis 
März hielt. Anfang April fiel der erste reichlichere Regen und 
Ende Juni trat der letzte Schneefall ein. Mai und Juni 18(57 waren 
unbeständig, helles Wetter wechselte gelegentlich mit leichten Schnec- 
und Regenschauern, die in drei Fällen einen ganzen Tag währten. 
Am 24. Juni trat der letzte Schneefall ein. Im Jahr 18(58 beob- 
achtete dieselbe Expedition 11 Tage im Juli und 5 im Anfang 
August's, an denen Regen fiel, während von da bis zum 10. Oktober 
nur ein einziger leichter Schauer vorkam. 

In der Nähe der Flüsse, Seen und des Meeres, überall in der 
Nähe des Wassers, tritt reichlicher Thaufall, zeitweise auch Nebel, 
an die Stelle der Regen. Auf seiner ersten Entdeckungsreise durch 
dieses Gebiet (1843/44) fand sich Fremont in der Gegend des Goose 
L. vom 3 — (5. Januar in einen Nebel eingehüllt, welche jede Orien- 
tirung im Raum von 100 m. Durchmesser verbot. Auf den Berg- 
gipfeln lag gleichzeitig der hellste Sonnenschein 1 ). Capt. Pope be- 
merkte auf seinem Survey der Gegend zwischen El Paso und Unter- 
Texas längs des 32. Breitegrades Thaufall in geringem Masse 
zum ersten Mal am östlichen Abhang des Llano Estacado. In 
Süd - Californien fällt dem Reisenden, der vom Colorado kommt, 
der starke nächtliche Thau auf, der wenigstens einen Theil der 
Vegetation erhält. Er fällt aber nicht in den gänzlich fiuss- and 
seelosen Regionen. Long beobachtete am Ufer des Grand R. Thau- 



1) Rep. Kxpl Exped. 18 »5. 214 



Digitized by Google 



V. Pas Klima. 



fall , der so stark war, dass er „in Tropfen von den Gräsern fiel 
und dass die Decken trieften, als ob sie einem Regenschauer aus- 
gesetzt gewesen wären" l ). 

Es ist ein Unterschied der Zeit, in der die Regen ein- 
treten, zwischen dem nördlichen und dem südlichen Theil des 
Grossen Beckens, denn man kann nördlich vom 35. Breitegrad nicht 
von periodischen Regen sprechen, während die Niederschläge südlich 
davon dem Sommer und Herbst fehlen. Der Theil des Beckens, welcher 
nördlich vom 41. Breitegrad liegt, scheint sogar, wie gering auch 
seine Regenmenge, absolut genommen, sein mag, der Zone gleich- 
massig vertheilter Regen anzugehören. In der Gegend des Grossen 
Salzsees ist die Vertheilung der Niederschläge ähnlich wie in den 
atlantischen Staaten, wenn man aber nach W. und S. fortschreitet, 
findet man ein stetiges Abnehmen der Regenmenge bis zu der fast 
regenlosen Gila -Wüste östlich vom Colorado; westlich vom Rio 
Grande ist der Sommer eine ausgeprägte Regenzeit. 

Low hält den SO., die vorwiegende Windrichtung in den dürren 
Regionen des fernen Westeus, für den Wolken- und Regenbringer. 
Auch im nordwestlichen Texas, im südlichen Neu-Mexico und Arizona 
weht ihm zu Folge den Sommer hindurch regelmässig dieser Wind, 
ein ächter Monsun und im Grunde nichts als der durch die Aspiration 
der heissen und trockenen Ländermassen abgelenkte Aequatorial- 
Strom. Im Winter sollen in der Mohave - Wüste Nordwest -Winde 
herrschen, dieselben, die dem californischen Küstengebiet seine 
wohlthätigen Regen bringen, hier aber bereits so entwässert an- 
kommen, dass sie selten Regen bewirken. Im Ft Yuma betrugen 
die Regenmengen der vier Jahre 1870 bis 1873 68,8, 19.8, 84.8, 
97,5 ; in Ft. Mohave 93,9. 53,3, 81.2, 86,3 mm. Beide Stationen 
liegen in dem heissen und dürren Colorado - Thal ; in den höher 
gelegenen Umgebungen der Plateau- und Gebirgsregion von S. 
Arizona sind die Niederschläge wohl beträchtlicher. 

Die ungleiche Vertheilung des Regens erreicht ihren Gipfel im 
südwestlichen Texas, wo ein Viertel der an und für sich nicht ge- 
ringen Regenmenge (826 mm. Jahresmittel) in einem einzigen Monat 

1) Exped. from Pittsb. to the Rocky Mts. 1823. I. 420. 



V. Pas Klima. 



835 



und die Hälfte derselben im Herbst fallt, während oft genug kein 
Tropfen in den 3 Monaten Mai bis Juli zu Boden gelangt. Diese 
ungleiche Vertheilung der Niederschläge erklärt es, warum die Land- 
wirtschaft hier ohne künstliche Bewässerung nicht auskommen kann, 
und ihre Wirkungen zeigen sich klar in dem steppenhaften Cha- 
rakter der Vegetation. Alles Land westlich vom Nueces fr 11t in 
den Bereich dieses dem Pflanzenwuchs ungünstigen Klima's. 

Die nächste Folge der Trockenheit sind die starken Wirkungen der 
Ein- und Ausstrahlung, die in grossen Extremen der Temperatur 
sich ausprägen. Der mittlere tägliche Temperatur-Unterschied beträgt 
vom Mai bis September zu El Paso 14°. der Unterschied zwischen 
Sommer und Winter zu Santa Fe 25". Unterschiede von 30 n C. 
zwischen Tag und Nacht sind an warmen Somraertagen auf den Hoch- 
ebenen des Grossen Beckens keine Seltenheit. Capt. Beckwith berichtet 
sogar Unterschiede von 30", welche er im Spätsommer beobachtete, 
und schon im August sieht man bei Sonnenaufgang häufig das 
Thermometer unter 0 0 herabgehen ; Fremont beobachtete am 
South Pass fast in jeder Augustnacht Eisbildung. Aber diese trockene 
Kälte soll hier viel weniger empfindlich sein als wo sie von Feuchtig- 
keit begleitet ist. Emory sagt, dass eine Temperatur von + 3" in der 
feuchteren Luft am Gila R. ihm und seinen Begleitern empfindlicher 
gewesen sei als eine von — 4" auf der dürren Hochebene. Hin- 
sichtlich dieser starken Schwankungen scheinen sich die Columbia 
Plains bei 300 in. nicht viel anders zu verhalten als die Grosse 
Salzwüste oder das mittlere Colorado-Gebiet bei 1250 m. 

Nach Beobachtungen in Camp Douglas (bei Salt Lake City 
ca. 1400 m. hoch) war die mittlere Jahrestemperatur 10.8° C. 
und die mittlere Temperatur von August. Juli, September. Juni 
(die Monate nach der Höhe ihrer Temperatur geordnet) 21.5", von 
Oktober, Mai. April, November 10.5". von December, März. Februar, 
Januar 0.4". Die Monatsmittel schwankten zwischen — 1.9" (Januar) 
und 24,5° (Juli). 1867 08 beobachtete man in Carson City im Januar 
als höchste und niederste Temperatur +1,9 und — 23,3°. In der 
ersten Hälfte Februars trat ein Minimum von — 20,0" ein, während 
das Maximum des Monats + 10,2 war. Bemerkenswerther Weise 
war gleichzeitig die Temperatur in dem nur 18 Kil. entfernten, 



Digitized by Google 



.T3G 



V. Das Klima. 



aber ca. 400 m. höher gelegenen Virginia City gleichniässiger und 
niilder'). 

Im Gila- Gebiet mass Low tägliche Temperatur - Extreme bis 
zu 33* einmal sogar von 42°. Die nächtliche Abkühlung ging dabei 
bemcrkenswerther Weise, ähnlich wie in ringsumschlossenen Thal- 
bccke.n unserer Gebirge, am weitesten in den tiefsten Theilen der 
borgumschlossenen Becken. Er fand z. Ii. am Fusse der Burro Mts. 
bei Sonnenaufgang (Oktober 18 — 20), in l.'WH m. Höhe — KT, in 
L&80 in. 4,4°, in 18S4 m. 5.0°. 

Emory beobachtete auf den kahlen Hochebenen von Arizona 
und Neu-Mexico bei ruhigem und hellem Wetter Temperatur-Unter- 
schiede zwischen Tag und Nacht bis zu 35" ('. und fand stellen- 
weise die Luft in so hohem Grade wärmedurchlassend, dass man 
bereits geringere nächtliche Temperatur-Erniedrigungen bemerkte, 
wenn man das Lager zwischen zwei steilen Bergen aufschlug. Die 
Interradiation zwischen den Berghängen verminderte bis zu einem 
gewissen Grade die direkte Ausstrahlung des Bodens und das Thermo- 
meter stand in solchen Lagen einige Grade höher als es auf der 
offenen Hochebene zu stehen pflegte. In solchen Lagen, wie z. B. 
im Mohave-Becken . kann die Hitze unerträglich werden und selbst 
bei Nacht sich wenig mindern. Die Wirkung der hohen Tempera- 
turen, die in diesen Gegenden oft genug bis 35 — 40° C. sich erheben, 
wird in so dürren Kegionen wie z. B. der des unteren Gila. noch 
durch die felsige Beschaffenheit des Bodens und die ausserordent- 
liche Trockenheit vermehrt. Felsblöcke sind noch um Mitternacht 
so erhitzt, dass es unangenehm ist, sich darauf zu setzen, die Maul- 
thiere zucken vor Schmerz mit den Füssen, wenn sie einen Augen- 
blick stille stehen und die kümmerlichen Bäche haben die Temperatur 
warmer Bäder. Der Wind vermehrt die Glut statt sie zu vermin- 



1) Die Früh- und Spätfröste, die stärkt? Erniedrigung der Temperatur, 
welche auch im Sommer die häutig eintretenden raschen Teinperaturweehsel be- 
gleitet, die Kxtreme der Sommerhitze und Winterkälte machen das Klima dieser 
Hochebenen - Kegion sehr ähnlich dem des Kaukasus und Kleinasiens. Diese 
scharten Charakterzuge machen sich in dem Ackerbau der Hochebenen - Oasen 
am «rossen Salzsee u. a. durch die grosse l'nzuverlässigkeit der sonst in Nord- 
Amerika so leicht gedeihenden Maisernte empfindlich geltend. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



337 



dorn, da die schnelle Erneuerung der den Körper umgebenden Luft 
diesem Wärme zuführt, statt sie ihm zu entziehen. 

Als höchste Temperatur beobachtete Low in der Mohave- Wüste 
45,0". Andere haben sogar 41*. 50,5 und 52,8° notirt. Die mittlere 
•luli-Temperatur von Ft. Mohave wird auf 34,2° berechnet, beträgt 
aber wahrscheinlich noch etwas mehr. Den Wüstensand fand der- 
selbe Gewährsmann eines Morgens bei 22" Lufttemperatur noch iu 
1 e. F. Tiefe 35 1 heiss und das Wasser des Colorado wurde von 
Mitte Juli bis Mitte September nie unter 20,5° und nie über 28" 
warm gefunden. 

Das californische Klima -Gebiet ist nicht mit Unrecht 
dem Klima-Gebiet unserer Mittelmeerländer verglichen worden; iu 
der That gleicht es denselben überall da, wo nicht die Nähe des 
Meeres jenes eigentümliche feuchte, nebelige Küstenklima erzeugt, 
unter dem selbst San Francis«*), Californiens Hauptstadt, noch 
leidet. Aber diese letzteren Einflüsse zerschneiden Californien 
in zwei klimatische Provinzen , deren eine westliche mau die 
oceanische nennen konnte, während die binnenwärts gelegene un- 
zweifelhaft Continental ist. Für beider Klima sind die Luftströ- 
mungen, die sehr vorwiegend westliche sind . von der grössten Be- 
deutung und der Unterschied prägt sich, wie wir oben gesehen 
haben (S. :J25|, besonders in den Niederschlags- Verhältnissen aus 
und findet durch diese auch in der Vegetation seinen sehr be- 
stimmten Ausdruck. Die Ost -Abhänge des Küstengebirges tragen 
besonders in dem Theil, der südlich von S. Francisco liegt auf 
weite Strecken hin nur Chaparral, während auf den östlichen sich 
Graswuehs einstellt. Trotz seiner geringen Höhe und den häufigen 
Unterbrechungen seiner Ei Streckung ist das Küstengebil ge eine nicht 
weniger ausgeprägte Wetterscheide als die Sierra selber. 

Im Küstengebirge selbst gibt es wieder Landstriche, die, indem 
sie durch ihre Lage den Einwirkungen der Küstennebel und Seewinde 
weit offen liegen, eines besonders hohen Masses von Feuchtigkeit 
sich erfreuen. So ist z. B. au der Bucht von Monterey das Pajaro- 
Thal eine Oase von Feuchtigkeit und Fruchtbarkeit inmitten eines nicht 
ganz so sehr begünstigten Theiles des südlichen Küstengebirges. 
Im Allgemeinen ragt der moderirende Eintiuss des Küstenklima's 

Etatt«! Am.rik. I. SM 



Digitized by Google 



338 



V. Das Klima. 



im Winter 30 Kil., im Sommer wohl doppelt so weit ins Innere. 
Nebelbildungen an der Küste beobachtete Low selbst noch im 
südlichsten Californien, wo bei Sa. Barbara die Luft bis Morgens 
y Uhr klar war und ihre Temperatur bei ca. 32' C. stand, worauf 
dann unter Sinken der Temperatur um 5 — 6" plötzlich Nebel eintrat. 

Nach Ojähriger Aufzeichnung') beginnt die Hegen zeit in S. 
Krancisco im Mittel am 28. November und dauert bis zum 10. April. 
Der eiste Hegen fiel zwischen dem 14. September und 15. November, 
der letzte zwischen dem 12. März und 23. Juni. Die Mitte des 
Januar betrachtet man als den Höhepunkt der Hegenzeit. Die 
Hegenmenge des Januar betrug 250 mm. im Jahr 18G2. dagegen 
wenig über 25 mm. in demselben Monat der Jahre 1800, 1801, 1804. 

Auch die Temperatur scheidet scharf die beiden Striche. So 
findet die Thatsache, dass die mittleren Monatstemperaturen des 
Sommers in San Francisco niedriger als des Herbstes sind (Juli 15. 
August 15,2. September und Oktober 10,2), ihre Erklärung, wie 
schon Dove und Blodget aus VVilke's und Maury's vereinzelten 
Messungen schlössen, in dem kalten Strom, der die pacifische Küste 
entlang vom 45. bis 35. Breitegrad fiiesst und der seine Wirkung 
nur über einen schmalen Küstenstreif erstreckt. Wenige Meilen 
landeinwärts von S. Francisco zeigt sich bereits eine höhere Sommer- 
Temperatur. Am Ft. Miller im S. Joaquin -Thale, das ca. 120 Kil. 
landeinwärts von S. Francisco und 00 Kil. südlich davon liegt, ist 
. diese Erhöhung so weit fortgeschritten , dass wir dort eine mittlere 
Juli -Temperatur von 31,2 und eine mittlere Sommer -Temperatur 
von 28,7 finden. Dass dort gleichzeitig die mittlere Temperatur 
des Januar von 10", die sie in San Francisco beträgt, auf 8,2 ge- 
sunken ist, lässt den Gegensatz zu dem abgeglichenen Klima der 
Küste noch schärfer erscheinen: dort 0,2 , hier 23" Unterschied der 
kältesten und wärmsten Monate! — Wir finden die Wirkungen 
desselben kalten Stromes an allen Stationen nördlich von S. Fran- 
cisco bis zum 45. Breitegrad, aber sie verschwinden nach S. hin. 
Ft. Humbold (40 n N. B.) hat einen Juli von 13,5, einen August 
und September von 13,7. Astoria (45° N. B.) hat im Juli 17,5, 



1) Monthly Rep. Agr. Dep. 1870. 4SI. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



339 



im August 18,7, im September nur noch 13,7, und in derselben 
Richtung, wenn auch rascher, sehen wir Los Angeles sich ex- 
tremen Temperaturen nähern, indem hier der Juli bereits bei 22° 
angelangt ist. San Diego (32° N. B.) hat 11,2 im Winter, 21,2» im 
Sommer 1 ). 

Man kann nach allen diesen Belegen nicht zweifeln, dass ein 
kalter Abschnitt des Meeres, eine Strömung, im Sommer erkältend 
an die Küste zwischen 35 und 45" herantritt, und dass diesem 
kalten Meerestlieil die niedere Sommer-Temperatur, die starken ( west- 
lichen) Seewinde, die häutigen Nebel — alles Folgen des Contrastes 
zwischen niederer Wasser- und hoher Luft-Temperatur, entspringen. 

Weiter nördlich am paeifischen Abhang ist nach J. G. Swan's 
Beobaehtungen ') die mittlere Jahrestemperatur in Neetah Bay bei 
Cap Flattery (48° 23' X. B.) 8,7°, die mittlere Regenmenge 2992 mm. 
Die Regenwinde kommen vorwiegend aus südlichen Richtungen. 
Ft. Vancouver am Columbia (40° N. B.) hat eine mittlere Jahrestem- 
peratur von 9, einen Sommer von 15 und einen Winter von 3°. 
Der Regenfall beträgt 1125 mm. Von hier landeinwärts nimmt die 
Regenmenge ab und der Unterschied der Jahreszeiten zu, und zwar 
so rasch, dass bei den Dalles des Columbia die Regenmengen in 
80 m. Meereshöhe sehon auf 350 mm. gefallen und die Extreme 
der Winterkälte auf — 27 1 gestiegen sind. Im Thal des Fräser- Flusses 
zu New W'estminster (49° 12' N. B.) fallen dagegen noch 1534 mm., 
wovon 813 in der Zeit vom November bis Februar. 

Der Jahreszeiten sind es in dem Gebiet östlich vom Felsen- 
gebirg 4, wie bei uns , doch ist ihre verhältnissmässige Dauer ver- 
schieden, ebenso wie es ihre Temperatur- und ihre Niederschlags- 
verhältnisse sind. Dass die Winter kälter und z. Th. schneereicher, 
die Sommer heisser und feuchter, die Frühlinge kälter und die 



1) In den Aufzeichnungen der Goldgräber sind Wärmegrade von 40 — 48° 
häufig die Temperaturen , welche sie unter ihren Zelten im Inneren von Mittel- 
californien massen. Auch in den schattigsten Lagen steigt die Sommer-Tem- 
peratur häutig über 3G°. Die Nächte sind dagegen kühl, man schläft nur unter 
mehreren Wolldecken behaglich im Freien und die Butter, die im Sommer 
jeden Abend Hiesst, ist jeden Morgen wieder hart. 

2) Proceed. Boston Soc. Nat. Hist. XI. 

22* 



Digitized by Google 



.'MO 



V. Das Klima. 



Herbste wärmer, daher auch die Sommer und die Winter länger 
sind als in den gemässigten Breiten Europas, ist hervorgehoben. 
Auch in den nördlichen Theilen des Cordilleren-Gebietes herrscht 
diese Disposition der Jahreszeiten vor, doch mit nocli schärferer 
Betonung der Extreme. Jenseits des Westrandes der Cordilleren 
und im südlichen Theile des Cordilleren-Gebietes selber ist es «He 
Vertheilung der Niederschläge, ähnlich wie in unserem Mittelmeer- 
Gebiet, welche die Jahreszeiten scheidet. Eine regenarme Sommer- 
u nd regenreichere Winterzeit sind hier die einzigen scharf ausge- 
prägten klimatischen Abschnitte im Jahresverlauf. 

Im 0. und im Inneren treten im Verlauf der Jahreszeiten 
besonders die Härte des Winters, die Kürze des Frühlings, die 
Hitze des Sommers und der helle warme Spätherbst als charakte- 
ristische Eigenschaften hervor. 

Die Dauer der abnorm kalten Winter ist in diesen (le- 
genden eine lange und ihre Wirkungen sind von einer in Mittel-Europa 
unerhörten Intensität. In sehr kalten Wintern frieren die Meeresarme 
zu, welche Long Island und Staten Island vom Festland trennen. 
1771 war noch am 1. April der Connecticut mit so dickem Eis be- 
deckt, dass man ihn mit Pferden überschreiten konnte. Der untere 
Hudson ist 4 mal im vorigen Jahrhundert gefroren gewesen. Im 
Winter von 1780. welcher, mit dem von 1850, die tiefste Temperatur- 
Erniedrigung umsehloss, die man in den Vereinigten Staaten beob- 
achtet hat, war die Chesapeake Bay von ihrem Grunde bis zur 
Potomac- Mündung mit so dickem Eis bedeckt, dass beladene Wagen 
über sie wegfuhren, ebenso York R. Delaware K. war vom 1. De- 
cember bis zum 14. März gefroren. Aber sogar Bayou St. John 
bei New Orleans war in diesem Winter, wie auch in dem von 1814. 
eine beträchtliche Zeit hindurch gefroren. Der Jahre, in denen 
die Orangen-, Citronen- und Olivenbäurae in Louisiana und Nord- 
Florida erfrieren, sind es nicht wenige. Man kann rechnen, dass 
im Durchschnitt alle 20 Jahre eine Kälteperiode eintritt, welehe 
bis in diese subtropischen Hegionen hineinreicht. Bartram beobachtete 
in Nord- Florida eine Temperatur von —3,3° und 1800 fiel bei 
St. Mary s R. (Flor.) 12 cm. tiefer Schnee. Zu Natchez (Louis.) 
beobachtete man in diesem Jahr — 8..V. Weitere kalte Jahre 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



341 



waren im X. der Vereinigten Staaten 1 S 1 2. 18 Iß (in diesem Jahr 
gefror es in Philadelphia im Juli). 1820, 183031 (im December 
gefror der Mississippi 200 Kil. unterhalb der Ohio-Mündung): in 
den Südstaaten war 1835 ein abnorm kaltes Jahr, in welchem im 
Februar die Temperatur bei Ft. King (Flor.) auf — 12, in Xew 
Orleans auf — 11, in Auguste (Georgia) auf — 20° fiel. Ein 
weiterer kalter Winter war der von 1855 .")(>. in welchem der Potomac 
gefror und die Hafen von Baltimore und Philadelphia bis Ende 
März durch Eis geschlossen waren, der Long Island-Sund war vom 
25. Januar bis zum 27. Februar für die Schifffahrt geschlossen und 
selbst der Hafen von Xew York hatte zeitweise Eis, welches sogar 
einige Male den East R. überbrückte ; im Mississippi reichte Eis- 
bildung bis Vicksburg und in Louisiana gefror es Wochen hindurch. 
Der Hudson bei Albany hatte nach den Beobachtungen von 
1821—60 seine Eisdecke 77—98 Tage, im Mittel 80. Er wird für 
die Schifffahrt offen durchschnittlich am 15. März. Der Erie-Sec 
wurde nach 30jährigem Mittel am 15,7. April für die Schifffahrt 
otlcn. Der Kennebec gefriert sogar bis in seine Gezeitenregion 
und seine ganze Eisdecke sinkt und hebt sich mit Ebbe und Flut. 
Xacb einer Beobachtungsreihe von T. S. Parvin') ist der Missis- 
sippi bei Muscatine (Jowa) im kältesten Winter (1842/43) vom 
2<i. Xovember bis zum 8. April 133 Tage gefroren gewesen, im 
wärmsten (1 85152) vom 30. Januar bis 21. Februar 22 Tage. Zwischen 
1838 und 1855 schloss er sieh 1 mal im Xovember, 11 mal im De- 
cember und o'mal im Januar. 

Auch Schneereichthum zeichnet den nordamerikanischen Winter 
im atlantischen Gebiete aus. Am schneereichsten sind die Winter 
in jenen Theilen der Vereinigten Staaten, welche in das canadische 
Klima -Gebiet hinüberreichen, also in den Xeuengland- Staaten und 
dem Gebiet des S. Lorenz und der Grossen Seen. Der AVinter, 
welcher hier nach den hellen und warmen Tagen des Indian Summer 
in der letzen Xovember- oder ersten Decemberwochc beginnt, wird 
gewöhnlich eingeleitet durch ein Schneegestöber aus XO., der Rich- 
tung, aus der die Winterstürme in der Regel kommen. Einige 

1) A. A. J S. 1866. II. 140. 



Digitized by Google 



V. Das Klima 



Stunden vor dem Eintritt eines Schneesturms bedeckt sich der 
östliche Horizont mit dichtem Stratus von tief bleigrauer Farbe, 
die oberen Wolkenschichten, aas Cirro-Cumulus und Stratus be- 
stehend, ziehen von S. herauf, unten aber kommt der Wind aus 
NO. und 0. Die Schnelligkeit des Sturmes erreicht oft 45 — 60 Kil. 
in der Stunde , das Barometer fallt und das Thermometer hält 
sich um den Nullpunkt herum. Der Schneefall beginnt in fein 
kry stall inischer Form und dauert continuirlich durch 48 Stunden; 
öfters sind in diesem Zeitraum 300 mm. oder noch mehr Schnee 
gefallen. Der Niederschlag hört dann allmählich auf , der Wind 
dreht sich durch N. nach W. oder WKW. bei einer Geschwindig- 
keit von 45 Kil. per Stunde. 

Man hat behauptet, dass in der Regel die Temperatur-Extreme 
der Vereinigten Staaten von den entgegengesetzten Extremen in 
Europa begleitet werden. Die Winter von 1740,41 und 177«» SO, 
der verderbliche Sommer von IHK), der Winter von 1830/31 waren 
aber sowohl in Nord-Amerika als in Europa weit unter dem Durch- 
schnitt, galten in beiden für in demselben Sinne extreme Jahre. 
Andererseits gibt es auch Belege für jene Behauptung, wie denn 
z. B. Engelmann's Beobachtungen in St. Louis den in Deutschland 
abnorm kühlen Sommer 1854 für das Mississippi - Thal als den 
wärmsten seit 35 Jahren erscheinen lassen. Der Sommer 1860 
zeigte in St. Louis -|- 1,1° C. Abweichung , in W T ien — 0,0° C. , 
der Sommer 1864 in St. Louis -j- 1,3, in Wien — 1,5. Eine be- 
stimmte Regel scheint sich hier nicht zu ergeben. Falle wie der 
vom Winter 1855 56, wo in beiden Coutinenten die mittleren Re- 
gionen abnorme Kälte, dagegen die canadischen Gegenden in Nord- 
Amerika, die skandinavischen und russischen in Europa abnorme 
Wärme hatten, sind vielleicht bemcrkensweithcr. 

An den Winter schliesst sich ein kurzer Frühling, der selbst 
im S. noch von Frösten unterbrochen ist. Unser Gebiet erweist 
sich hier als die ächte Fortsetzung jener Region des kalten Früh- 
lings, als welche Dove die Länder um die Hudsons-Bai kennzeichnet. 

Die Frühlinge von 1843 und 1867 prägten diesen Charakterzug 
des nordamerikanischen Klimans besonders scharf aus. Die mittlere 
Temperatur des März war im Jahr 1843 — 15,7 C. zu Ft. Brady 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



:H3 



(Michigan), — 15.2 zu Ft. Snelling (Minnesota). — 8,1 zu Ft. Leaven- 
worth (Kansas), 1867 sank die Mitteltemperatur des März zu Sibley 
(Minnesota) auf — 13,3, zu Algona (.Iowa) auf — 12,7, zu Neu- 
Ulm (Minnesota) auf — 11,4 und zu Ft. Dodge (Illinois) auf — 9,8" C. 
Algona erreichte in demselben Monat ein Minimum von — 31,7, 
Sibley von 28,0. Ft. Dodge von 28,3° C. Zu Washington (Arkansas) 
war die mittlere Temperatur von 1,8° C. die der März 1843 ergab, 
das niedrigste Monatsmittel einer 20jährigen Reihe mit Ausnahme des 
einzigen Januarmittels zu 1,1* C, welches 1865 beobachtet wurde. 
Dieselben Ursachen, welche dort den Winter bis in den Frühsommer 
hinein ausdehnen, bewirken hier sporadische Frühjahrsfröste. Noch 
im mittleren Tennessee fallen die letzten Fröste durchschnittlich 
in den Beginn des 3. Drittels des April, die ersten in dieselbe Zeit 
des Oktober. Als gänzlich frostfrei kann man dort 170. 2 Tage 
bezeichnen. Im nördlichen Theil des Staates ist diese Periode um 
einige Tage kürzer, im südlichen, in der Baumwollen-Hegion, nimmt 
sie um 1—2 Wochen zu. AufEdisto Island (32 VN. B. Süd.-Car.) 
tritt der durchschnittlich letzte Frost im Frühling am 31. März, der 
erste im Herbst am 4. November ein. In Washington (Arkansas) 
tritt der letzte Frühlingsfrost nach .T. K. Eakin's 28jährigen Be- 
obachtungen im Mittel am 2(5. März, der erste Herbstfrost am 
30. Oktober ein; die entsprechenden Extreme sind 4. März und 
19. April für den Frühlings-, 3. Oktober und 27. November für den 
Herbstfrost. Auf den Hochebenen des W. rücken die Fröste noch tiefer 
in den Sommer hinein. Col. Dodge fand noch Mitte Juni in den 
Black Mts. wenig Spuren des Frühlings. Der Boden, der vom 
Wasser der Schneeschmelze gesättigt war, trug keine Blumen, das 
Gras begann erst zu grünen und an den Sträuchen, die nach S. 
schauten, schwollen eben die Knospen. Am 11. Juni erlebte der- 
selbe dort einen heftigen Sturm, während dessen Schnee fiel. In 
der Nacht des 10. August fiel am French Creek (1770 m.) ein Frost 
ein, der den Pflanzen schadete. Dagegen ging das Thermometer 
vom 14. Juni bis 20. Juli während eines Aufenthalts in derselben 
Gegend nicht über 20 und nicht unter 12° herab. 

Die Wärme der Sommer, wie sie besonders d°n Osten und 
das Innere auszeichnet, hat früher Erwähnung gefunden. Ich trage 



Digitized by Google 



344 



V. Das Klima. 



hier nach, riass Hoston in den 3 wärmsten der 47 Jahn« von 1*25 
bis 1871 durchschnittlich 11, in den 3 kältesten 8° im Jahresmittel 
hatte. Die grösste Wärme beobachtete man am 11. Juli 1*25 mit 
38° und die grösste Kälte am 8. Februar 1801 mit 25,0°. Ein Fall 
um 33° in 18 Stunden war der grösste Sprung, den* man wahrnahm. 
In New Häven zeigte der Sommer 1870, der in den Oststaaten der 
heisseste seit 1)2 Jahren war, vom 10. Juli bis 25. August eine 
mittlere Tagestemperatur von 29,4°, also 7,:»" über der normalen 
Mittelwärme beider Monate, und ein Temperatur -Maximum (am 
17. Juli) von 36,7°. 

Die Pausen trockenen Wetters zwischen den Niederschlägen in 
den Atlantischen und Inneren Staaten werden gegen den Herbst hin 
immer andauernder. In den erstcren , wo der Herbst nicht l egen- 
arm ist, gibt es doch noch in jedem Oktober einige helle Tage, die 
sich häufig zu einer mehrwöchentlichen Reihe erweitern und deren 
Wiederkehr eine so regelmässige ist, dass sie als 1ml tan Summer 
einen Charakterzug des Klima 1 * an der atlantischen Küste bilden. 
In Canada schliesst sich ebenfalls an eine mehrwöchentliche helle 
und sonnige Zeit des Oktobers mit raschem Uebergang der Winter 
an , wobei innerhalb einiger Tage Temperatur - Unterschiede von 
30° entstehen können. 

In der nördlichen Prärie - Region ist in der Gegend von 
Ft. Union (48° N. B.) nach Prinz von Wied's Schilderungen der 
Gang der Jahreszeiten folgender: Auf den strengen, anhaltenden 
Winter folgt im Frühling die nasseste Jahreszeit, während welcher 
die Prärien, die in den übrigen Monaten nur verdorrtes oder mit 
Schnee bedecktes Gras tragen, in Bltithe stehen. Von der Mitte 
des Juli hebt eine durchaus trockene Periode an, welche fast 
ohne atmosphärische Niederschläge bis zum Ende des Herbstes 
dauert. Während des April fallen zuweilen noch heftige Schnee- 
stürme ein, vor dem Mai bricht das Laub selten in den Uferwal- 
dungen, etwas später in den höher gelegenen Wäldern hervor, doch 
gibt es auch Jahre, in welchen selbst am Ende dieses Monats die 
Wälder noch nicht grün sind. Im Mai entfalten sich auch die 
Blumen der Prärie, aber schon Ende Juni ist der Blütenrcichthum 
abgedorrt. Die Vegetationszeit der Kräuter ist mit dem Juli ziem- 



-Digitized by- Goegle 



V. Pas Klima. :Uf> 

lieh abgeschlossen. In den Waldungen am Stromufer hält sich das 
Laub bis zum Oktober. Im November gefriert der Missouri und 
von da an bleibt der Schnee bis in den März liegen. 

Die grosse Veränderlichkeit hat «las nordamerikanische Klima 
mit dem Klima aller in ähnlich neutralen und gemässigten Strichen 
liegender Regionen gemein, die extremen Schwankungen inner- 
halb kurzer Zeiträume aber, denen es unterworfen ist, gehören zu 
seinen Eigentümlichkeiten : ihre Grösse entspricht der Grösse und 
Ungetheiltheit der Landmassen und Meere 1 1. die hier den Klima- 
Charakter bestimmen und der Nähe der Quellen grosser Temperatur- 
Aenderungen; doch liegt ihnen im 0. und W. nicht dieselbe Ursache, 
zu Grunde. Im 0. sind sie als eine Folge des nahen Bcisammen- 
liegens der beiden grossen Luftströme, des polaren und des äqua- 
torialen, zu betrachten und sind daher in der Kegel von Sturm 
begleitet oder folgen auf einen solchen. Im W. erscheinen sie viel- 
mehr als eine der Aeusserungen des trockenen Hochebenen-Klima s, 
in dessen Wesen in Folge der Insolation und Ausstrahlung . die 
bei der klaren und trockenen Luft beide gleich energisch wirken, 
grosse Temperatur - Unterschiede gegeben sind. Am Ostfuss der 
Felsengebirge, wo sie besonders häutig auftreten, hat man sie durch 
herabsteigende kalte Luftströme erklärt und an der Golfküste als 
durch monsunartige Winde erzeugt betrachtet. 

Einen Wetterwechsel von hervorragender Schärfe hat .!. Hann ein- 
gehend beschrieben') und derselbe kann als ein charakteristisches 
Beispiel dieser selbst für unser wechselhaftes mitteleuropäisches 
Klima unerhörten Sprünge gelten. Nachdem der Januar !8Hti in 
den Oststaaten mild begonnen hatte, liess ein am 4. in Neu-England 
eintretender Nordwest die Temperatur bis zum 9. auf Minima von 
— 33,3° C. in Maine, —36,1 in New Hampshire. —33,3 in New 
York. — 31,3 in l'ennsylvanien sinken. Vom !). an stieg die Tem- 
peratur wieder und erreichte am 11). und 20. in den Neu-England- 
und Mittleren Staaten das Monats- Maximum : Maine 4.4, New 



1) „In dt« ii WninigUn Staaten nimmt all« s jrrnssartitrrri' Dimensionm an, 
*elm»t der W»tUrwtHlistl" (Hann, /. «1. ost. li.s. 1 Mut. IV. IM). 

2) /.. (1 Ost. (Jcs f. Met IV. 10f» 



Digitized by Google 



I 



34«> V. Das Klima. 

Hampshire 4,7, New York 10,1, Pennsylvanien lfuV\ während im 
W. gleichzeitig bei starkem Nordwest -Winde ein Minimum ein- 
trat, das nur durch 7 Längengrade von diesem Maximum getrennt 
war und Kältegrade von — 32,8 (Sibley Minn.), — 2'.) (Mittel von 
Minnesota), — 24,1 (Mittel von Wisconsin) erzeugte. Ein polarer 
und äquatorialer Luftstrom, die hier nebeneinander lagen, konnten 
nicht ohne heftige Wechselwirkung bleiben. Unter einem heftigen 
(iewittersturm, der vom 10. Abends bis zum 20. Morgens von Ply- 
mouth ( Wisconsin) bis Jackson (Mississippi) eine Strecke von 10 Breite- 
graden durchzog und in dem ganzen Gebiet des Aequatorialstronies 
eine Temperatur-Erniedrigung hervorbrachte, die an einigen Orten 
von Illinois und Indiana zwischen Abend und Morgen 30 — 36° 
betrug, glichen sie ihre Unterschiede aus. In Dubois (Illinois) 
z. B. hatte man am 19. Abends 5 noch lb',7, den nächsten 
Morgen 5 schon nur — 1!>,4" C. : einen Unterschied von 36,1*. 
— L. Koch schreibt von der ausserordentlichen Veränderlichkeit 
der Winterwitterung im südlichen Illinois (von Golconda, 37' .' N. 
B. am Ohio): „Anfangs Januar 18;")3 war 3 — 4 Tage dichter Nebel, 
das Thermometer stand auf 0 und völlige Windstille. Am Mittag 
des 4. donnerte es ringsum, heftige Gewitter mit wolkenbruchartigen 
Uegen folgten, mehrere Bäume in der Nähe meines Hauses zündete 
der Blitz. Während dessen drehte sich der Wind nach S. und das 
Thermometer stieg gegen Abend bis 17,f)°. Noch vor Nacht setzte 
der Wind nach N. uui, der Regen verwandelte sich in Glatteis, am 
nächsten Morgen hatten wir — 1H,7°. . . 1857 war ein ziemlich 
milder Februar und März. Anfangs April blühten die Pfirsiche 
und die ganze Pflanzenwelt regte sich. Am 6. April hatten wir 
bei 10" ein schweres Gewitter, der Regen verwandelte sich Nach- 
mittag in Glatteis, dem in der Nacht ein schwerer Schneefall folgte. 
Den nächsten Morgen stand das Thermometer 1>° unter Null und 
die blühenden Pfirsischbäume brachen unter der Last von Schnee 
und Eiszapfen zusammen" 1 ). 

Bei so heftigen Temperaturwechseln und der grossen Feuchtig- 
keit der nordamerikanischen Winter spielt natürlich das Glatteis 

1) Cit. Z. d. öst. Ges. f. Met. 1H71. VI. 329. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



847 



eine grosse Rolle; es ist „meist das nachwirkendste, zcrstörendstc 
Uebel und tritt hier weit vernichtender auf als ich in Deutschland 
beobachtete. Ich sah dasselbe öfters so massenhaft, dass grosse 
Bäume unter dessen Last niederbrachen und es waren an einem 
solchen Morgen viele der Waldstrassen dadurch unzugänglich. Die 
immergrünen Bäume leiden dann am meisten; starke Gedern sind 
bis zur Erde gebeugt 1 )*. Man denkt dabei an die Beobachtung 
BonnycastleV), dass in Neu -Fundland die schnelle Temperatur- 
abnahme die Veranlassung zu jener merkwürdig starken Bildung 
des Silberthaues wird, wenn warme Südwinde die Bäume mit einer 
mächtigen Eiskruste überziehen und „jeden Baum in einen Kan- 
delaber von reinstem Krystall verwandeln". 

Die ungewöhnlichen Temperaturdifferenzen , die man zwischen 
Sommer und Winter und zwischen Tag und Nacht auf den 
Hochebenen des Westens, besonders im Grossen Becken be- 
obachtet, haben bereits ihre Besprechung gefunden ; doch möchte 
ich hier noch einer Statistik Erwähnung thun . in der E. Loomis ') 
die Zahl der Beobachtungsstationen vergleicht, an welchen in 
den Jahren 1873 und 1874 Unterschiede von mehr als 22' C. 
zwischen Maximum und Minimum desselben Tages vorkamen. 
Derselbe findet, dass in dem enteren Jahr 40, im anderen 35 Proc. 
zu denen gehörten, welche solche Extreme aufwiesen. Die Gipfel 
von Mt. Washington und Pike's Peak befanden sich bemerkens- 
werther Weise nicht unter denselben. Die Thatsache, dass solche 
Extreme am häufigsten in dem Gebiet zwischen Mississippi und 
dem Felsengebilge beobachtet werden und dass die dem Gebirge 
nahe gelegenen Orte Denver und Colorado Springs an der Spitze 
dieser Liste stehen, scheint für die Erklärung solcher Sprünge durch 
herabsteigende kalte Luftströme zu sprechen, welches natürlich durch 
die Nähe eines Gebirges erleichtert würde. Auch Blodget schreibt 
die lokalen Kälteminima, die in den nördlichen und nordwest- 
lichen Theilen der Vereinigten Staaten im Winter die Temperatur 



1) L. Koch, cit Z. d. Ott Ges. f. Met. 1871. VI. 880. 

2) Cit. H. Dove, Z. f. allg. Erdk. N. F. I85ti. L 2t 

3) A. J. S. 1875. II. 12. 



Digitized by Google 



348 



V. Das Klima. 



zeitweilig bis auf — 40° C. erniedrigen, absteigenden kalten Luft- 
strömungen zu, welche die durch starke Niederschlage entstandeneu 
atmosphärischen Lücken auszufüllen streben und am häutigsten zu 
der Zeit eintreten , in welcher das Vordringen der höheren Tem- 
peraturen gegen N. zu sich am energischsten vollzieht, nämlich im 
Frühling 1 ). 

Als ein Träger extremer Temperatur-Schwankungen ist endlich 
der Norther oder Norte des Südwestens zu nennen, einer der auf- 
fallendsten und öftest genannten Luftströmungen des ganzen Ge- 
bietes, dessen wir unter dem Abschnitt Stürme bereits eingehender 
gedacht haben. 

Schnee- und Waldlinie sind zwei geographisch besonders 
wichtige Wirkungen der Wärrae- und Niederschlagsverhältnisse. Die 
Berge des atlantischen Gebietes sind nicht hoch genug, um diese 
(»icnzen zur Ausprägung zubringen. Man findet ewigen Schnee 
zum ersten Mal , von 0. kommend , auf den Gipfeln des Felsen- 
gebirges. Hier ist nach Messungen am Pike's Peak die mittlere 
Abnahme der Wärme mit der Höhe, welche in den Alpen 0,f>S be- 
trägt, 0,61 für 100 in. Die mittlere Sommerwärme au der Baum- 
grenze ist am Pike's Peak 8,f)° und diese Grenze liegt unter 51° 
N. B. bei 1860, unter 43° (Fremonfs Peak) bei 2JK)0, unter 40° 
(Middle Park) bei 3350, unter 35° in Neu -Mexico bei 3480 und 
an den S. Francisco - Bergen (Arizona) bei 3300 oder 3500 m. 
(verschiedene Messungen) 1 ). Man hat nur an den Abhängen des 
Himalaya eine ähnlich hohe Lage der Grenze des Baumwuchses 
beobachtet. Die ausgedehnten und hohen Hochebenen, welche dem 
Gebirge vorgelagert sind, und die Thatsache, dass die Schnee- 



1) Proceed. Am. Phil Soc. XIV. 150. 

2) H. Gannett gibt in seiner List of Elevatum» (Wash. 1875. 29) folgende 
Zahlen für Waldgrenzen de» Felsengebirges : Mt. Delano (Montana) 2683, Mt. 
Hlackmore (Mont.j 2926 in., Electric Peak (Wyoming) 2896, Mt. Washbnrn 
(Wyoiu.) 3018. Teton Hange (Wyom.) 3354, Wind 11. Mto. 3110 Gilberts IVak 
(t'intah Mts.) 3385. Longa Peak und Gray's IVak (Col.) 3385, James Peak 8854, 
Mt Lincoln und La Plata Mt«. (Col.) 3630, Pike's Peak 3506, Mittel aus 24 
Messungen im Felsengebirge von Colorado 3480m. Von Gray's Peak, Irwins 
Peak, Mt. Lincoln, Horseshoe, Silver Heels, Mt. Yale, Mt. Harvard sagt W. H. 
Biewer: „Auf diesen Bergen liegt die Waldgrenze wenig über 3350 m und 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



349 



massen, welche hier fallen (s. o. S. 330), nicht gross genug sind, 
um durch Firnbildung und Iiinabsendung von Gletschern erkältend 
auf die tieferen Theile des Gebirges wirken zu können , erklären 
diese Thatsache. In der That erlangt der ewige Schnee hier ge- 
rade in dem Gebiet der höchsten Erhebungen des Felsengebirges 
nie die lückenlose Ausbreitung wie in der viel tiefer liegenden 
Sehneeregion unserer Alpen und anderer Gebirge. Der Bau des 
Gebirges kommt hierin dem Klima und der Hochebene zu Hülfe. 
In einigen der Gebirgsgruppen des Felsengebirges ist der Auf- 
bau der Berge ein so steiler und zerrissener, dass grössere Schnee- 
felder keinen Raum finden, während für kleinere Schneemassen auch 
an ihnen Kaum bleibt. Einige haben dieselben daher schneefrei 
erklärt, andere haben eine Schneelinie an ihnen zu bestimmen ge- 
sucht. Hieher gehören z. B. die Grand Tetons, an denen ver- 
einzelte Schneeflecken bis 3000 m. herabgehen, die aber doch nie 
im Hochsommer das Bild eigentlicher Schneeberge bieten. Ebenso 
sind vorzüglich in Folge ihres steilen, grosse Schneeanhäufungen 
nicht begünstigenden Baues die Hochgipfel der Wahsatch-, Uintah- 
und Wind River Mts. im Verhältniss zu ihrer Höhe schneeärmer als 
die der östlich von ihnen gelegenen Ketten der Laramie Range und 
der Gebirge von Colorado. Die letztern bewahren den Schnee au 
offenen Stellen nicht das ganze Jahr, aber in Schluchten und 
Mulden erhält er sich. Der westliche Abhang erhält mehr Schnee 
als der östliche; bei 2400 m. bleibt der Schnee selbst nicht den 
ganzen Winter hindurch liegen, aber in den Parks, den zwischen 2400 
und 8000 DL liegenden Hochthälern zwischen den Gebirgskämmen, 
fällt mehr Schnee und hält sich von December bis April. Oft fällt 
im letzteren Monat, dessen Mitteltemperatur in Colorado Springs 
(2020 m.) 8,4° beträgt, mehr Schnee als in allen vorhergehenden. 

alle trugen bedeutende Massen Schnee zur Zeit unserer Besteigungen, welche 
von Mitte Juli bis Anfang September währte." (Am. Naturalist IV. 220.) 
Kino ungewöhnlich hohe Waldgrenze von 37SO in. an der Sudwestseite von 
Gray's Teak liegt dem Einschnitt des 4000 m. hohen Argentine - Passes gegen- 
über, der so gelegen ist, dass er den Südsudwest -Winden freie Bahn gestattet. An 
der entgegengesetzten Seite desselben Berges, der nordostlichen, liegt die Wald- 
grenze um o — 400 m. tiefer und eine mindestens 12 m. dicke Eisschicht unter- 
lagen die Felstrüinmer und das Geröll (A. J. S. 1S7Ü. I. 110). 



Digitized by Google 



350 



V. Das Klima. 



Erst in den nördlicheren Abschnitten des Gebirges ist die Schnee- 
linie bei 2460 in. zu bestimmen, während im Felsengebirge von 
Colorado Sehneeflecken, die den Sommer überdauern, bis zu 3000 m. 
herabsteigen können. Nur in dem Sinne, dass jenseits einer in diesem 
Niveau gezogenen Linie an geschützten Stellen ausdauernde Schneelager 
immer zu finden sind , kann man dasselbe als die untere Grenze 
der Schneeregion bestimmen. 

In die Reihe dieser ausdauernden Schneelager gehören auch 
einzelne, bis zu bedeutender Tiefe vereiste Stellen, welche an unsere 
Eishöhlen erinnern. In Colorado, wo die Bergwerke bis 4000 m. hoch 
liegen, ist es keine Seltenheit, dass die Bergleute auf Eis im Inneren 
der Berge stossen , nachdem sie einen Tunnel 20 — 30 ra. ungestört 
hineingetrieben haben. So arbeitete man in Stevens Mine am Mc. 
Clellan Mt. 1874 seit 2 Jahren im Eis. Alles Erz und Gestein ist hart 
zusaramengefroren und statt des Pickels arbeitet man mit Feuer, 
welches die zähe Masse in ihre Bestandteile auflöst. 1876 war 
man 1GO m. in das Innere des Berges vorgedrungen, ohne aus dem 
Eis heraus zu gelangen. Man hatto diese Eismassen als Ueber- 
bleibsel der Eiszeit angesehen '), aber die Erklärung, dass die lockere, 
trttmmerhafte Beschaffenheit, die tiefes Durchsickern des Wassers 
erlaubt, und die heftigen Nord- und Nordwest -Winde , welche die 
Verdunstung und Erkaltung befördern, in erster Reihe wirksam sind, 
liegt näher 1 ). 

In der Sierra Nevada, welche in einzelnen Theilen absolut höher 
ist und im Ganzen dem Meere näher liegt , scheint der Schneefall 
grösser zu sein als in den unter entsprechender Breite liegenden 
Abschnitten des Felsengebirges. In der mittleren Sierra Californiens 
fällt an Orten unter 1000 m. wenig Schnee und bleibt nicht lange 
liegen. Indem man sich höher erhebt, nimmt der Schneefall rasch 
zu und sammelt sich in ungeheueren Massen in den Schluchten und 
Mulden. In dem stürmischen Winter 1867/68 fielen gegen 2500 mm. 
Regen in 600 m. Höhe, und Whitney 3 ) findet es nicht unglaublich, 
dass mehr als 60 e. F. Schnee in demselben Winter am Donnersee 

1) A. J. S. 1874. II. 477. 

2) Ebenda«. 187»J. I. 108. 

3) Yosemite Guide Book 1870. 43. 



Digitized by Google 



V. Das Klima. 



351 



(gegen 2000 ni.) fielen. Bei allen Wechseln, denen die Niederschlags- 
mengen Californiens unterliegen, sind doch die Berge der Sierra in 
den eigentlichen Wintermonaten bis 1200 m. herab in Schnee ge- 
hüllt und bedeutende Schneemassen liegen in den Pässen bis Mai, 
selbst bis Juni.* Der Kamm der Sierra ist nie ganz schneelos, wie- 
wohl am Ende eines ungewöhnlich langen und trockenen Sommers 
nur noch in den Canons am Nordabhang der höchsten Gipfel 
Schnee liegt. In dem Theil der Sierra, der zwischen Hennessy Pass 
und Lassen's Peak liegt, bleiben nur vereinzelte Schneemassen 
liegen, die aus der Ferne wie angespritzte Flecken erscheinen *) . 
An Lassen's Peak liegen aber bereits grössere zerstreute Schnee- 
massen bis zu 000 m. unter dem Gipfel und während zwischen ihm 
und Mt. Shasta keine bleibenden Schneelager vorkommen . finden 
sie sich